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Interviewtechniken Ideenfindung
BEFP -
Referat:
Thema: Interviewtechniken
& Ideenfindung
Referent: Christian
Hohenegger
13.12.1996
Version 1.0
1 Inhaltsverzeichnis:
2 INTERVIEWTECHNIKEN:
2.1 mündliche Befragung (Interview):
Normalerweise wird bei einem Interview eine Person
befragt, doch es kann manchmal sinnvoll sein gleichzeitig zwei oder mehr
Personen zu befragen (Vorsicht: Gefahr der Diskussion, Übergang in einen
Workshop). Grundsätzlich soll ein Interview nur durch einen Befrager
durchgeführt werden, da es sonst zu einem Verhör gleicht. Interviews
sollen nicht länger als 30 Minuten dauern.
2.1.1 Interviewort:
Das Interview soll in einer vertrauten Umgebung des
Befragten stattfinden, da hier Blockaden am ehesten zu lösen sind.
Außerdem benötigt der Befrage häufig Berichte, Unterlagen, ...
auf die er während der Befragung zu seiner Rechtfertigung verweisen kann.
Das Interview sollte aber unter Ausschluß der Kollegen geführt werden
(4 Augen Gespräch), da die Anwesenheit von Kollegen die
Auskunftbereitschaft stark einschränken kann.
2.1.2 Dokumentation:
Der Erheber muß Aufzeichnungen während des
Interviews machen. Bei jeder technischen Art der Aufzeichung (zB:
Diktiergerät) wird der Befragte weniger offen sprechen und
möglicherweise wichtige Aussagen vorenthalten. Im Sinne einer offenen und
kooperativen Zusammenarbeit hat es sich bewährt, das Interviewprotokoll am
Ende dem Befragten zur Einsichtnahme vorzulegen. Dadurch können
schwerwiegende Mißverständnisse korrigiert werden.
2.1.3 Formen:
•
standardisiertes Interview:
Es liegt ein Fragebogen vor. Der Vorteil ist, daß
Anzahl und Inhalt der Fragen, sowie Formulierung und Reihenfolge vorgegeben ist
(Ziel: vergleichbare Antworten verschiedener Personen).
•
halbstandardisiertes Interview:
Enthält einen fixen Themenblock sowie ein flexibles
Fragenschema.
•
nicht standardisiertes Interview:
Dem Frager liegt lediglich ein Interviewleitfaden vor,
der nur als Gedächtnisstütze verwendet wird.
2.1.4 Intensitäten:
Man unterscheidet in
•
weiche
•
neutrale
•
harte
Befragung.
Das weiche Interview dient zur Einleitung und zum
Ausklang um ein kooperatives Gesprächsklima aufzubauen. Das harte Interview
ist durch schnelle Abfolge der Fragen und durch ständigen Druck auf den
Befragten gekennzeichnet (= Verhör). Es soll verhindert werden, daß
der Befragte seine Antwort auf Verträglichkeit mit früheren Antworten
prüfen kann.
2.1.5 Aufbau eines Interviews:
Originaldokument enthält an dieser Stelle eine Grafik! Original document contains a graphic at this position!
Einleitungsphase: weiche Befragung
Ziel: - kooperatives
Gesprächsklima
- Verunsicherungen abbauen
Sachliche Erhebungsphase: neutrale bzw. kurzfristig
harte Befragung
Ziel: - Informationen erheben
- Klarheit über die Probleme bzw.
Ursachen
- Lösungsvorstellungen
herausfinden
- Bewertung
Ausklangphase: weiche Befragung
Ziel: - entspannen
- Sympathie pflegen
2.2 schriftliche Befragung (Fragebogen):
Die schriftliche Befragung entspricht im Grunde einem
standardisiertem Interview. Bei schriftlicher Befragung kann man zwischen
geschlossen und offenen Fragen unterscheiden. Bei geschlossenen Fragen stehen
dem Befragten einige Antwortmöglichkeiten offen (zB: ja, nein, viel,
mittel, wenig). Der Vorteil liegt darin, daß so die Auswertung erheblich
erleichtert wird. Die offene Befragung verleitet dazu, die Fragen nur
oberflächlich zu beantworten.
Fragebogen erweisen sich besonders geeignet
wenn:
•
viele Personen befragt werden sollen
•
es sich um quantitative Sachverhalte handelt (zB: Befragung dient zum
Zählen
•
sensitive (empfindliche, reizbare) Inhalte behandelt werden, da bei
Fragebögen Anonymität hergestellt wird und somit eher ehrliche
Antworten zu erwarten sind
Schriftliche Befragungen eignen sich aufgrund des
großen Vorbreitungsaufwandes erst ab einer Mindestzahl von 10 - 20
Befragten.
2.3 Panelbefragung:
Bei der Panelbefragung werden Interviews in
regelmäßigen Zeitabständen mit den gleichen Personen
durchgeführt. Ziel der Panelbefragung ist, die Änderung der Meinung
festzustellen.
3 IDEENFINDUNG (Kreativitätstechniken):
Kreative Ideen - also neue, unkonventionelle Ideen -
entstehen wenn vorhandenes Wissen und Erfahrungen in bisher unbekannter Weise
kombiniert werden. Das Ziel der Kreativitätstechniken ist, die vorhandenen
Denkmuster und Ansätze zu durchbrechen und denkpsychologische Blockaden
aufzuheben.
Fast alle Kreativitätstechniken werden stets von
Gruppen ausgeführt, da man so das Wissen mehrerer Personen nützen
kann. Dadurch wird das Problem von mehreren verschiedenen Standpunkten aus
betrachtet.
3.1 Brainstorming:
Brainstorming ist die bekannteste und am häufigsten
angewendete Technik zur Ideenfindung.
Vorgehensweise:
1. Team bilden:
•
1 Moderator
•
5-7 Teilnehmer (Fachmänner und -laien)
•
1 Protokollant
Es wäre von Vorteil wenn die einzelnen Teilnehmer
über möglichst unterschiedliche Kenntnisse und Erfahrungen
verfügen. Weiters muß beachtet werden, daß die Teilnehmer nicht
aus zu unterschiedlichen Hierarchiestufen eines Unternehmens kommen, da sonst
das Vorgesetzten-Untergebenen Verhältnis Blockaden hervorrufen
könnten.
2. Regeln verlautbaren:
•
Die neuen Ideen dürfen während des Brainstormings weder kritisiert
noch bewertet werden. Es soll damit verhindert werden, daß der
Ideenfluß und die Kreativität nicht unterbrochen bzw. blockiert
werden (d.h. vermeiden von Killerphrasen wie zB: „das funktioniert
nicht“, „die Versuche haben gezeigt“, „wenn die Idee so
gut ist, warum hat es noch keiner so gemacht“, „ich als Fachmann
...“)
•
Es gilt: Quantität vor Qualität - es sollen so viele Ideen als
möglich entwickelt werden.
•
Die Ideen aller Teilnehmer können und sollen aufgegriffen und
weiterentwickelt werden. Es gibt kein Urheberrecht
•
Erzeugung möglichst außergewöhnlicher Ideen. Die Teilnehmer
sollen ihrer Phantasie freien Lauf lassen
•
unbegrenzte Spontanität
3. Dauer: ungefähr 15-20 Minuten. Es müssen
alle Ideen aufgeschrieben werden (zB: auf Kärtchen). In dieser Zeit
können ca. 50-100 neue Ideen entwickelt werden.
4. Der Moderator hat darauf zu achten, daß die
Regeln eingehalten werden und in auftretenden Pausen versuchen den
Ideenfluß wieder anzuregen.
3.2 Methode 635:
(Methode 635 = 6 Teilnehmer - 3 Ideen - 5x
weitergeben)
Die Methode 635 wurde aus dem Brainstorming entwickelt
und zeichnet sich durch eine höhere Weiterentwicklung der Ideen aus. Die
Ideen werden schriftlich festgehalten und weitergereicht. Die Grundideen werden
systematisch vertieft. Dadurch ist die Menge der produzierten Ideen zwar
geringer, aber die Ideen sind wesentlich konkreter als beim Brainstorming.
Vorgehensweise:
1. Team bilden:
6 Teilnehmer
2. Regeln:
Jeder Teilnehmer schreibt im ersten Durchgang seine 3
besten Ideen in die Kopfzeile. Danach wird das Blatt 5x weitergegeben und es
soll versucht werden, aufbauend auf den vorliegenden Gedanken weitere 3 Ideen
zur Problemlösung hinzuzufügen. Die 3 neuen Ideen sollen sich
möglichst an die aufgezeichneten Ideen anlehnen und diese weiterentwickeln.
Fällt jemanden nichts mehr neues zu den vorangegangenen Ideen ein, so kann
er 3 komplett neue Ideen hinzufügen.
3. Dauer:
Folgende Zeitvorgaben haben sich als geeignet
erwiesen:
1. Runde: 5 Min.
2. Runde: 6 Min.
3. Runde: 7 Min.
4. Runde: 8 Min.
5. Runde: 9 Min.
Summe: 35 Min.
3.3 Kombination von Brainstorming und der Methode 635:
Wegen der Weiterentwicklung von Ideen eignet sich die
Methode 635 besonders zum Weiterentwickeln von Ideen, die durch das
Brainstorming gewonnen wurden. Die besten und vielversprechendsten Ideen des
Brainstormings werden in die Kopfzeile der Blätter eingetragen. Dadurch
können diese vertieft und spezifiziert werden.
3.4 CNB - Methode:
(Collective Notebook = gemeinsames
Notizbuch)
Beim Brainstorming oder der Methode 635 war
Spontanität gefragt. Bei der CNB-Methode dehnt man die Phase der
Ideensammlung auf einen längeren Zeitraum aus (zB: 4 Wochen). Jeder
Teilnehmer erhält ein kleines Notizbuch, in dem er das anstehende Problem
beschrieben ist und in das er alle seine Gedanken und Ideen
einträgt.
Es kann darin
•
neue Ideen hinzufügen
•
das Problem neu definieren
•
Lösungsansätze und Verweise zur Fachliteratur
anführen
Während der gesamten Dauer der Aufschreibung ist
jedes Gruppenmitglied auf sich selbst gestellt und am Ende wertet der Initiator
die verschiedenen Ergebnisse aus.
Der Vorteil der CNB-Methode ist, daß man nicht
ständig die notwendigen Spezialisten an einen Tisch bringen muß
(Problem der Terminvereinbarung) und daß Vorschläge sehr vertieft und
gründlicher überlegt werden können.
Eine andere Möglichkeit wäre das CNB-Notizbuch
täglich herumzureichen, so daß ständig ein anderer seine
persönlichen Gedanken einträgt.
3.5 Synektik:
Die Technik der Synektik (= Zusammenfügen)
versucht, die unterbewußt ablaufenden Denkprozesse zu simulieren. Durch
Konfrontation unabhängiger Strukturen soll eine Verknüpfung gefunden
werden, die eine Lösung des Problems darstellen kann.
Dazu muß die Synektikgruppe das Problem zum Zwecke
der Verfremdung in andere Bereiche (zB: Natur, Politik, Soziologie,...)
übertragen. Dann versucht man anhand dieser Übertragung die
Funktionen, Eigenschaften, ... des Objekts zu analysieren. Die gefundenen
Teilstrukturen des Objekts werden mit dem Problem in Verbindung gebracht und es
werden Lösungsansätze erarbeitet. Die entwickelten
Lösungsansätze werden danach von Fachleuten auf ihre Realisierung
überprüft.
Bsp.: lösbare Rohrverbindung
⇒ Verfremdung:
Blutegel in der Natur
⇒ Saugrüssel
wird analysiert ⇒
Eigenschaften: Vakuum, Druck, Warze, fest umschließen
⇒ Ansätze in die
Technik zurücktransferieren
3.6 Morphologische Analyse:
Die morphologische Analyse ist zur Lösungsfindung
von komplexen Problemen geeignet. Ziel der ist das vollständige Erfassen
des Problems und die Ableitung aller möglichen Lösungen für ein
vorgesehenes Problem.
Vorgangsweise:
1. Analyse des Problems, Formulierung des
Problems
2. Ermittlung aller
Einflußgrößen
3. Ermittlung aller Ausprägungen
4. Eintragung in einer Matrix. Theoretisch ist jede
Kombination von den Kombinationen und Einflußgrößen eine
mögliche Lösung.
5. Beurteilung der Matrix und Einzeichnung des
Linienzuges
Man sollte nicht mehr als 10
Einflußgrößen wählen, da schon bei einer 5x5 Matrix
theoretisch 55=3125 Möglichkeiten ergeben.
Beispiel:
Gestaltung eines
Förderungsseminars:
Zielgruppen - Seminarstil - Unterlagen - räumliche
Bedingungen - stoffliche Schwerpunkte - Zeitpunkt - Teilnehmerzahl - Seminarort
- Referenten
Ausprägungen
|
1
|
2
|
3
|
4
|
5
|
|
Seminarziel
|
Weiterbildung
|
Grundwissen
|
Erfahrungs-austausch
|
Problem-lösungen
|
Motivierung
|
|
Stofflicher
Schwerpunkt
|
Arbeitstechnik
|
Kreativitäts-techniken
|
Führungsstil
|
Sachthemen
|
|
|
Seminarstil
|
Einzelvortrag
|
Team-Teaching
|
Plenums-diskussion
|
Gruppen-diskussion
|
Gruppen-arbeit
|
|
Unter-bringung
|
Erholungs-zenter
|
Hotel
|
Berghütte
|
Zeltplatz
|
keine
|
|
Referenten
|
externe Spezialisten
|
interne Spezialisten
|
eigene
Mitarbeiter
|
professionelle
Lehrkräfte
|
Vorstands-mitglied
|
Einflußgrößen
4 ZUSAMMENFASSUNG:
4.1 Interviewtechniken:
•
mündliche und schriftliche Befragung
mündliche Interviews haben eine größere
Aussagekraft
•
Einmalige und Panelbefragung
Panelbefragungen werden in regelmäßigen
Zeitabständen durchgeführt (Ziel ist die Änderung der Meinung
festzustellen)
•
offene und geschlossene Befragung
Bei geschlossene Befragungen stehen einige
Antwortmöglichkeiten zur Verfügung (leicht zum
Auswerten)
•
standardisierte, halbstandardiserte und offene Befragung
Bei standardisierten Befragungen erhält jeder
Befragter genau die gleichen Fragen gestellt.
•
direkte und indirekte Befragung
•
harte, weiche, neutrale mündliche Befragung
4.2 Vergleich der einzelnen Kreativitätstechniken:
|
Brainstorming
|
Methode 635
|
CNB -
Methode
|
Synektik
|
morpholog-ische Analyse
|
|
Regeln
|
wenig
|
wenig
|
wenig
|
viele
|
viele
|
|
Teilnehmer
|
5-7
|
6
|
Experten
|
5-7
|
5-7
|
|
Durch-führungsart
|
zentral
|
schriftlich,
zentral
|
schriftlich,
dezentral
|
zentral
|
zentral
|
|
Steuerung
|
1 Moderator
|
1 Taktgeber
|
1 Initiator
|
Moderator
|
Moderator
|
|
Vorbereitung
|
gering
|
gering
|
1 Sitzung
|
|
keine
|
|
Durchführung
|
15-20 Min.
|
45 Min.
|
1-10
Wochen
|
2-6 Stunden
|
½-2 Stunden
|
|
Auswertung
|
mittel
|
mittel
|
1 Sitzung
|
durch
Außenstehende
|
groß
|
|
Ergebnis
|
viele neue
Ideen
|
viele neue
Lösungs-ansätze
|
Lösungs-konzeption
|
unkonven-tionelle
Lösungs-ansätze
|
Lösungen
|
|