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Vulkanismus
Kathrin Fischer 1999
Vulkanismus
I. Einführung
1. Aufbau der Erde
Der Erdkörper besitzt eine Schalenstruktur: Kern
(Legierung aus Nickel und Eisen; fester u. innerer Kern, flüssiger u.
äußerer Kern), Mantel (Verbindungen von Silizium, Sauerstoff,
Eisen u. Magnesium; fest; Erdmantelschichten: Vorrat für Magma),
Kruste (zu 60 % aus Silikaten (Verbindungen aus Silizium u.
Sauerstoff); Rest: Aluminium, Eisen, Calzium, Natrium, Kalium,
Magnesium;
Sima-Schicht (umspannt die ganze Erde; Gabbro od. Basalt; Si,
Mg),
Sial-Schicht (beschränkt sich auf die Kontinentalbereiche;
Gneis u. Granit; Si, Al, O))
4 große Sphären: Lithosphäre
(Gesteinsmantel)
Hydrosphäre (Wasserhülle)
Atmosphäre (Lufthülle)
Ökosphäre (Biosphäre; vom Leben
bewohnte Erdbereiche)
4 Großeinheiten der Erdkruste: Ozeanboden (ozeanische
Platte; dichte, 5 - 10 km
dicke
Gesteinsschicht (Sima), bis zu
1 km von
Sedimenten bedeckt; darunter
Peridoditschicht)
Schelfregion
(über Peridoditschale Sima-Schicht;
darüber Sial-Schicht; darüber bis zu 5 km
dicke
Sedimentschicht aus Abtragungs-
material der Landmassen od. Ablagerungen
von
Organismen; Ränder der Kontinente, in
200 m
Tiefe)
Kontinentalplatten
(Sima: 10 km; Sial: 20 km; Sedimente:
0,5 km, z.B. Sande von alten abgetragenen
Gebirgen; z.B.: Russische Tafel,
Baltischer Schild, Kanadischer Schild)
Faltengebirge
(Sediment- und vulkanische Gesteine ca.
5 km
hoch; Sial: 25 km; Sima: 35 km; z.B.:
Kaledonisches Gebirge (NW-Europa), Alpen,
Himalaja)
2. Die Tektonik
versucht, ursächliche Zusammenhänge von Entstehung u.
Strukturformen der Erdkruste zu erklären.
Unter der erkalteten Erdkruste: die oberen Schichten des Erdmantels
kühlen ab, sinken ab, heißere Schichten steigen auf
(=Konvektionsströme); durch diese Aktivität werden die
Kontinente auseinandergeschoben. Durch das Auseinanderdriften der
Kontinentalplatten bilden sich riesige Gräben (Mittelozeanische
Rücken), in denen das Magma in Spalten aufdringt und sich als Lava
ergießt. Dadurch werden auch ständig neue Kruste (an den
Gräben) und Falten- und Deckengebirge (dort, wo die Platten
aneinander treffen) gebildet. An diese gebirgsbildende Zonen ist ein bestimmter
Typus von Vulkanismus (die dünnflüsssige, basische, aus den
Gräben fließende Lava bildet weite untermeerische Decken ohne starke
Eruptionen; Vulkanismus der Kettengebirge an den Kontinentalrändern: Magma
mischt sich mit saurem Krustenmaterial, es entsteht zähflüssige,
gasreiche, hochexplosive Lava) und Erdbebentätigkeit gebunden.
3. Magma und magmatische Steine
magmatische Gesteine (= Tiefengesteine, Plutonite): solche, die
aufgrund des Magmatismus entstehen (diesen stehen folgende gegenüber:
Sedimentgesteine und metamorphe Gesteine)
plutonische Gesteine: solche, die aus dem Magma entstanden sind (sie
konnten nicht die Oberfläche erreichen; es haben sich in der langen Zeit
des Erstarrens große Kristalle bilden können; z.B.: Granit)
=TIEFENGESTEINE
vulkanische Gesteine: solche, die aus dem ausgeflossenem Magma
(=Lava) entstanden sind (Lava erstarrt an der Erdoberfläche viel schneller,
daher nur wenige kleine Kristalle vorhanden; z.B.: Porphyr) =ERGUSSGESTEINE
(sh. auch Kapitel 4.)
Magmatismus: Vorgänge des Plutonismus und des
Vulkanismus
4. Erstarrungsgesteine
Zusammensetzung des Magmas: Si, Al, Fe, Mg, Ca, Na, Ka (in
Verbindung mit Sauerstoff als Oxide), Wasser, Kohlendioxid, Salzsäure,
Flußsäure, Schwefelsäure, Wasserstoff (bei aktiven Vulkanen
meßbar)
2 Haupttypen von Ergußgesteinen:
Mafische Gesteine (sind solche Gesteine mit hoher Dichte); aus dem
SIMA, dunkel, Mg-, Fe-, Ca-reich, Si-arm, schwer, sinkt daher leicht ab,
basisch, z.B. Basalt, daher der Name basaltisch
Felsische Gesteine; aus dem SIAL, hell, Al-, Ka-, Na-reich,
Si-reich, leicht, kommt daher eher in den oberen Bereichen vor, sauer,
z.B. Granit, daher der Name granitisch
5. Entwicklung des Magmas
Schwere Teile sinken im zähflüssigen Magma ab und entwickeln sich
zu basischen Typen, die Restmasse nimmt sauren Charakter an (diesen Vorgang
nennt man magmatische Differentiation); dadurch entstand die Abfolge der
verschiedenen magmatischen Gesteinstypen.
6. Vulkanismus an verschiedenen Regionen
¾ der Gesamtoberfläche der Erde besteht aus vulkanischen
Gesteinen
man kennt etwa 480 aktive Vulkane auf der Erdoberfläche in folgenden
4 Regionen:
a) alpidische Regionen
Hauptsitz des größten und bedeutendsten Teiles der Vulkane;
“Zirkumpazifische Feuerring” (von Neuseeland, über die
ostasiatischen Inseln bis zu den Anden im Osten des Pazifiks);
“mesogäischer Gürtel” (am Südrand von
Eurasien)
b) mittelozeanische Regionen der Zentralgrabenbrüche
hier weichen die Schollen der Erdkruste auseinander, es dringt (meist
submarin) ozeanischer Olivinbasalt empor, nur in Island kann man diesen
Typus von Vulkanismus über dem Meeresspiegel beobachten
c) Grabensysteme kontinentaler Regionen
z.B. großer Grabenbruch in Ostafrika: Teilplatten werden zerrissen,
natronreiches Magma dringt auf
d) Regionen ozeanischer Platten
z.B. Hawaii im Pazifik; “Hot-Spot-Theorie” (Heiße
Flecken): an heißen Stellen unter der Kruste kommt erhöhter
Wärmefluß hoch, die Kruste schmilzt auf, Auslöser für
Vulkandurchbrüche mit basischer Lava
7. Vulkanform und Funktion
1.) aus basischer, heißer, dünnflüssiger Lava
können Gase leicht entweichen, sie erreicht
Fließgeschwindigkeiten von bis zu 50 km/h.
Nach ihrer Form unterscheidet man folgende Typen von
Vulkanen:
- Schichtvulkane (abwechselnd ausgeworfenes
Lockermaterial (Asche) und ausgeflossene Lava; z.B. Ätna, Vesuv,
Stromboli)
- Schildvulkane (an Kreuzungsstellen von Spalten in der
Erdkruste, flacher, aus Lava bestehender Vulkankegel mit zentraler
Ausbruchsöffnung; nach dem Ausfließen großer Mengen von Lava
kann ein kesselförmiger Krater (=Caldera) entstehen)
- Lineare Lavavulkane (durch Spaltenausbrüche entlang
des mittelatlantischen Rückens, sie liefern Deckenergüsse riesigen
Ausmaßes)
- submarine Eruptionen (bei Eruptionen in seichtem Wasser:
Wasser wird sofort verdampft, dadurch Energie vervielfacht, es kommt zum
Ausschleudern von gewaltigen schwarzen Garben; Eruptionen in Tiefen von 2.000
Metern unter dem Meeresspiegel werden durch den Wasserdruck gelindert, Lava
fließt deckenförmig aus)
2.) aus saurer, niedrig temperierter, zähflüssiger Lava
können Gase nur schwer entweichen, es entsteht hoher
Druck;
Form: oft Staukuppen, die solange mit einem Lavapfropfen
verschlossen bleiben, bis der angestaute Druck einen kurzfristigen,
explosiven Ausbruch mit Aschen- und Bimssteinförderung und
Glutwolken erzeugt.
Vulkane, die weder Lava noch Asche, sondern nur Gas hochbringen,
können durch eine einzige Explosion Tuffschlote von 100-200 m
Durchmesser hervorbringen. In Südafrika sind derartige Schlote oft in einer
Tiefe von mindestens 700 m mit Ganggesteinen gefüllt.
8. Ursachen für Vulkanausbrüche
1.) Der Druck in der Magmakammer nimmt allmählich zu, während
immer mehr Gase aus der Schmelze entweichen; sobald er zu stark wird erzwingt
sich das Magma einen Weg an die Oberfläche
2.) Ein tektonischer Vorgang (Bergrutsch, Verschiebung der tektonischen
Platten) erzeugt im Dach der Magmakammer eine Öffnung und bewirkt eine
Druckentlastung
9. Postvulkanische Erscheinungen
Fumarolenstadium (sehr heiß, vulkanisches Gas, Wasserdampf
(vom erhitzten Grundwasser), Schwefeldioxid, Flußsäure und
Salzsäure entweichen weiterhin)
Solfatarenstadium (schon etwas kühler, Wasserdampf,
Kohlendioxid, Schwefelwasserstoff treten aus)
Mofettenstadium (kühles Kohlendioxid tritt aus; z.B.: die Maare
in Deutschland)
Geysire (heiße Springquellen) sind postvulkanische
Erscheinungen (Island, Neuseeland, Yellowstone-Nationalpark in den USA): das
sich in einem Schlot sammelnde Grundwasser wird bis über den Siedepunkt
erhitzt, die plötzliche Volumsvermehrung führt zum Ausschleudern des
Wassers.
Weitere postvulkanische Erscheinungen: Thermalquellen,
Mineralquellen, Säuerlinge, Sinterterrassen (z.B.: Thermenlinie vom Wiener
Becken aus in Richtung Süden bis Steiermark/Burgenland)
10. Prognose von Vulkanenausbrüchen
- rechtzeitiges Registrieren von Erdbebenherden (zugleich mit dem
sich Platz schaffenden Magma)
- das Gebiet rund um den Vulkan bläht sich innerhalb einiger
Monate um 0,5-2 m auf (kann mit Neigungsmessern, die in Abständen
von 1 km augestellt werden, gemessen werden)
- lokales Ansteigen der Erdwärme (auf Infrarotsatelliten-Photos
feststellbar)
- Änderung der Gaszusammensetzung im Krater kurz vor dem
Ausbruch
11. Verhinderung von Vulkanausbrüchen
bisher nicht möglich; aber Lavafluß kann durch Dämme,
Kanäle und Bombenabwürfe gesteuert werden; auch
Fließgeschwindigkeit läßt sich durch Abspritzen der
Lavafront mit Wasser vermindern.12. Nutzung von vulkanischen
Tätigkeiten
Geothermale Kraftwerke: erhitztes Wasser in Dampfkraftwerken
wird zur Erzeugung von elektrischem Strom verwendet; wenn kein Wassernachschub
durch natürlichen Niederschlag vorhanden: das benutzte, abgekühlte
Wasser wird wieder in den Untergrund zurückgeführt und kann wieder
verwendet werden.
II. Vulkane am
Meeresgrund
1. Untersuchungsmethoden von submarinem Vulkanismus
(zur Entdeckung der Strukturen unseres Planeten, zur Ausbeutung neuer,
wertvoller Minerallagerstätten)
- Fernerkundung durch Instrumente, die Schiffe im Schlepptau
über den Meeresboden ziehen, z.B. “SeaBeam” (wird von
einem Schiff in großer Meerestiefe hinterhergeschleppt, erzeugt
hochaufgelöste Meereskarte, ermöglicht, große Abschnitte des
Meeresbodens in relativ kurzer Zeit zu erkunden: 600 km2 in 3
Tagen)
- Beobachtung vor Ort mit bemanntem Tauchboot (ermöglichen, den
Meeresboden direkt in Augenschein zu nehmen)
2. folgende zwei Hauptörtlichkeiten:
a) mittelozeanische Rücken (erstarrendes Mantelmaterial lagert
sich an die Ränder der auseinanderdriftenden tektonischen Platten an)
3 Arten von Rücken:
Spreizungsrate (das Tempo, in dem sich die tektonischen
Platten auseinanderbewegen)
niedrig (weniger als 3 cm pro
Jahr)
Spreizungsrate mittel (zwischen 3 u. 7 cm pro
Jahr)
Spreizungsrate hoch (mehr als 7 cm pro
Jahr)
b) isolierte Vulkankegel (=Seamounts; liegen meist im
Platteninneren, sind kettenförmig aneinandergereiht)
Das am häufigsten gefundene vulkanische Material ist der Basalt
(sh. Teil I.4.). Es steigt langsam, in Form von großen Blasen (= Diapire)
auf und bleibt in den Magmakammern und Magmakanälen, von denen die
vulkanischen Tätigkeiten ausgehen.
3. 2 Arten von submarinen Vulkanausbrüchen:
- Lava quillt aus langgestreckten Spalten am Meeresgrund (an der
Grenze tektonischer Platten, wo die Kruste durch das Auseinanderdriften
aufreißt), es bilden sich große Lavabecken
- Lava ergießt sich radial aus einem Zentralschlot, erzeugt
kegelförmige Strukturen
a) Fladenlava
bei schnell auseinanderdriftenden Platten
besteht aus flachen, dünnen scheiben- und fladenähnlichen
Gebilden mit glatter Oberfläche
meistens hohl und parallel zur Oberfläche geschichtet
b) Kissenlava
bei langsam auseinanderdriftenden Platten
bilden kleine, meist hangabwärts ausgrichtete, längliche
Buckel; Oberfläche: mit Runzeln quer zur Fließrichtung
überzogen (durch mehrere Abkühlungsphasen)
4. Seamounts
Definition: jede isolierte Erhebung des Meeresbodens mit rundem oder
elliptischem Querschnitt und einer Hangneigung von 5 - 35 Grad relativ zur
Umgebung.
Der Gipfel kann aus einem Krater bestehen. Solche mit einem
Durchmesser von über 2 Kilometern sind Calderen; sie können eine Tiefe
zwischen 50 und 300 Metern haben; entstehen, wenn die Spitze des Vulkankegels
durch die Entleerung des Magmareservoirs nicht mehr genügend Halt hat und
deshalb einstürtzt.
Er kann aber auch aus einer Reihe isolierter Vulkankegel bestehen,
die zwischen 20 und 100 Meter hoch sind und deren Hänge meist steiler als
der des Hauptvulkans sind
An viele Gipfeln überlagern sich allerdings verschiedene
Strukturen, was darauf hinweist, daß mehrere Eruptionen an der
Entstehung eines Vulkans beteiligt sind; oft werden sie mit Überresten
pyroklastischer Ströme bedeckt.
5. Gespaltene Vulkanzwillinge
Ein Vulkan entsteht durch Eruptionen an einem Rücken; durch die
Plattendrift entfernt er sich vom Rücken; nach mehr als 15 km verliert er
die Verbindung zum Hauptförderschlot, er kann also nur dann weiterwachsen,
wenn eine er auf eine neue Magmaquelle aus dem oberen Mantel
stößt.
Es wurden 2 symmetrische Vulkane (mehr als 1000 m hoch) im Abstand von 35
km beiderseits des Ostpazifischen Rückens gefunden, von denen man annimmt,
daß sie gemeinsam am Rücken entstanden sind und dann
auseinandergerissen wurden.
III. Der Ausbruch des
Krakatau
1. Daten
27. August 1883, eine unbewohnte indonesische Insel zwischen Java und
Sumatra
- Flutwelle war verantwortlich für den Tod von 36.417 Menschen,
wurde in 17.000 km Entfernung (im Atlantik) registriert
- pyroklastische Ströme wälzten sich mehr als 40 km weit
über das Meer
- Aschenfall erstreckte sich über ein 700.000 km2
großes Gebiet
- Knall der Explosion war in Zentralaustralien und in Madagaskar
(fast 5000 km) zu hören
- Niederfrequente (nicht mehr hörbare) Luftdruckwellen wurden
weltweit registriert (Barometer in Tokio zeigten einen Anstieg des Luftdrucks um
1,45 Millibar)
- Die in die Atmosphäre geschleuderten Staub- und Gasmassen
verusachten weltweit monatelang spektakuläre Sonnenuntergänge,
und die Durchschnittstemperaturen sanken durch sie auf der ganzen
Nordhalbkugel
- ungewöhnliche optische Himmelsphänomene wie Dämmerungs-
und Dunsterscheinungen, Verfärbungen von Sonne und Mond, ...
2. Vorboten
Erdbebentätigkeit nahm im Umkreis der Sundastraße zu,
doch nimand sah einen Zusammenhang mit dem darauffolgenden Vulkanausbruch; die
Eruption im Mai verursachte schon unhörbare Druckwellen, die Uhren
zum Stehen, Hängelampen zum Schaukeln, ... gebracht haben, was aber
fälschlicherweise als Folgen von Erdbeben gedeutet wurde.
Bäume auf Krakatau standen zwar noch, doch sie hatten durch den
Aschenregens ihre Blätter verloren, wie ein holländischer
Seefahrer berichtete.
Die Haupteruptionsphase
26. August, Mittagszeit: Serie von Explosionen in kurzen
Abständen, erzeugten eine ununterbrochene Eruptionssäule (rund
25 km hoch) in der Luft (aus Bims und Asche, die von heißen, aufsteigenden
Gasen in die Atmospäre getragen wurden - Bimssteine sind große
Aschebrocken), Augenzeugen berichteten von starkem Aschenregen mit
Bimssteinen von bis zu 10 cm Dicke.
27. August, Morgen: viele gewaltige Explosionen (Superparoxysmen,
Rieseneruption); die stärkste ereignete sich um 10 Uhr vormittags,
begleitet vom größten Tsunami (Riesen-Flutwellen) (ca. 40
Meter Höhe). Bildung von pyroklastischen Strömen
(hinterließen eine charakteristische Ablagerung: Ignimbrit: Hauptteil der
Eruptionsmasse) und riesigen Aschestücken, die zuerst in die Luft
geschleudert wurden, dann aber auf Grund ihres Gewichts auf die Erde fielen.
Dort wurden sie von heißen Gasen fließfähig gemacht und von der
Insel ins Meer herab. Durch die Konvektionsströme in der Atmospäre
wuchs die Eruptionssäule bis zu einer Höhe von über 40 km,
deren Asche sogar noch auf den 1850 km weit entfernten Cocosinseln
niederfiel.
3. Nach der Eruption
Die nördlichen 2/3 von Krakatau waren verschwunden, geblieben ist ein
halber Vulkankegel; Ablagerungen von Bimsstein und Asche haben die
Küstenlinie der naheliegenden Inseln um 3 km verlängert; 2 neue Inseln
haben sich durch die Ignimbritablagerungen gebildet.
4. Die Ursache
Hier ist die Ursache im Magmaherd selbst zu suchen. Folgende
Hypothese wurde aufgestellt: Explosionen begannen, als Meerwasser auf das
heiße Magma traf (das sind phreatomagmatische Eruptionen), da diese
Vermischung hoch explosiv ist. Doch solche Eruptionen hinterlassen über
weite Flächen verstreute, feinkörnige Asche, was beim Ausbruch
des Krakatau ja nicht der Fall war. Außerdem erkannte man, daß die
Bimssteintrümmer so heiß waren, daß sie miteinander
verschmolzen, was darauf hinweist, daß sie nicht von kaltem Wasser
abgekühlt worden sind.
Andererseits entdeckte man auf einigen Ignimbritablagerungen eine
glasige Schicht, die bei der Abschreckung mit kaltem Wasser entsteht. So
könnte die Hypothese doch stimmen (obwohl die Berührung mit dem Wasser
auch später erfolgt sein kann und so nicht der Auslöser für eine
Explosion gewesen sein muß).
Die geologischen Befunde belegen also nicht klar, daß der
Ausbruch eine phreatomagmatische Eruption war. Man nimmt aber an, daß - da
die Schlotöffnung dicht am Meeresspiegel lag - kleine Explosionen
dieser Art stattgefunden haben, und daß diese das Dach der Magmakammer
geschwächt hat und so die plötzliche Druckentlastung das Magma
aufschäumen ließ. So war wahrscheinlich die Interaktion zwischen
Wasser und Magma nicht die Ursache für den Ausbruch, aber sie hat wohl
dazu beigetragen.
5. Warum so viele Explosionen?
Beim Auftreffen von heißen pyroklastischen Strömen auf
Wasser entstehen Explosionen. Das ist eine passable Erklärung für
die hohe Zahl der Explosionen beim Ausbruch des Krakatau, wenn man die
großen Mengen an pyroklastischem Material, Asche und Bimssteinen
beachtet.
6. Der Ursprung der Tsunamis
Tsunamis entstehen meist, wenn sich der Meeresboden auf Grund von
tektonischen Aktivitäten vertikal verschiebt.
Sie können aber auch durch untermeerische Eruptionen erzeugt
werden, indem sich das Wasser gleich einem Berg aufbäumt.
Forscher sind der Meinung, daß die Tsunami von Krakatau entstand, als
der nördliche Teil des Vulkankegels ins Wasser
stürzte.
Andere glauben wiederum, daß die Flutwelle von den großen
Mengen an pyroklastischem Material, das ins Meer fiel, in Gang gesetzt
wurde.
“Anak Krakatau” - “Kind von
Krakatau”
Seit dem Ausbruch 1883 hat sich ein neuer Vulkankegel an der Stelle
gebildet, an der sich früher der Hauptvulkan befand: der Anak
Krakatau. Er wächst durch kleine Eruptionen weiterhin an
- im Dezember 1927 durchstieß er den Wasserspiegel. Im Laufe der Zeit
könnte sich also wieder eine größere Insel bilden, wie
die, die 1883 durch einen der mächtigsten aller Vulkanausbrüche
unterging.
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