|
Du bist hier: Referate Datenbank | Deutsch
| Eco, Umberto: Der Name der Rose
Eco, Umberto: Der Name der Rose
Die Namen der
Rose
Ein kurzer Blick in die verborgene Vielfalt
der Bedeutungen der Namen in Umberto Ecos "Der Name der Rose"
Originaldokument enthält an dieser Stelle eine Grafik! Original document contains a graphic at this position!
Maturarbeit Deutsch
von Andreas Weibel, 6gc
bei Herrn P. Giger
an der Kantonsschule Frauenfeld
abgegeben am 6.5.1999
Inhaltsverzeichnis
Vorwort
Themenwahl
Über welches Buch ich meine Maturarbeit schreiben wollte, war mir
ziemlich schnell klar. Denn Der Name der Rose ist ein wahres Wunderbuch:
Es entführt den Leser in eine ferne Welt, die, je nach Betrachter und
Betrachtungsweise, eine grundverschiedene sein kann. Dies ist das Ergebnis
davon, dass dieses Buch auf so mannigfaltige Weise gelesen werden kann:
Einerseits ist es eine klassische Detektivgeschichte, gleichzeitig ein
historischer Roman; einige lesen Umberto Ecos Erstlingswerk als eine - hinter
der Handlung versteckte - erkenntnistheoretische Philosophiearbeit, insbesondere
über die Theorie der Namen, [1] oder als
theologisches Manifest über den Reichtum des Papstes. Andere erkennen im
Namen der Rose eine Schrift, in der Eco sich auf die politische Gegenwart
bezieht. Und tatsächlich, auch 1978, als der Roman zu entstehen begann, gab
es in Italien immer noch seltsame, aber bedeutsame Ränkespiele um die
Macht, wurden noch Päpste ermordet (oder zumindest einer, woran ich jedoch
nicht zweifle) [2] und wurden ebenso erbitterte
ideologische Kämpfe ausgetragen wie in jenen Tagen, als das Jahr des Herrn
1327 sich neigte. Es ist wahrscheinlich diese Vielfalt, die mich dazu
veranlasst hat, Umberto Ecos Buch als Gegenstand meiner Arbeit zu
wählen.
Warum habe ich aber genau den Aspekt der Bedeutung der Namen gewählt?
Das rührt daher, dass sich am Beispiel der Namen einige wichtige
Gesichtspunkte des Romans gut zeigen lassen, so etwa die historische Seite des
Buches, aber auch die oben genannt und bewunderte Vielschichtigkeit.
Entscheidender aber war, dass ich zufälligerweise, ich weiss nicht mehr wo,
den Namen "Jorge Luis Borges" gelesen habe. Und diese Maturarbeit hat mich eine
gute Gelegenheit gedünkt, meine Neugier zu befriedigen, wer dieser Mann war
und was er in einem Buch, das im Mittelalter spielt, zu suchen hat.
Somit ist meine Fragestellung komplett: Welches sind die Bedeutungen der
Personennamen in Umberto Ecos Name der Rose? Da allein dieses Thema schon
recht weitläufig ist, werde ich mich im Laufe der Arbeit auf zwei der Namen
konzentrieren.
Vorgehensweise
Nun gut, jetzt weiss ich, warum ich mein Thema gewählt habe.
Aber wie ich das tun soll, ist eine andere Frage. Doch vorweg: Ich setzte
voraus, dass Du, unbekannter Leser, das Buch Ecos gelesen hast. Denn ich halte
es für unmöglich und nicht sinnvoll, eine brauchbare Zusammenfassung
des ganzen Werks in diese Arbeit zu schreiben. Sie würde zuviel Platz
brauchen und zuwenig der Detailkenntnisse und der Faszination enthalten, die zum
Verständnis dieser Seiten wohl notwendig sind.
Ich habe meine Arbeit in vier Teile gegliedert. Das erste Kapitel besteht
aus dem, was ich an Allgemeinem über die Namengebung im Namen der
Rose herausgefunden habe. Der darauf folgende Abschnitt enthält
über einige der wichtigsten Personen in zusammengefasster Form das, was ich
über ihre Namen Aufschlussreiches entdeckt habe. Dieses zweite Kapitel ist
eigentlich eine Zusammenfassung eines Grossteils meiner Erkenntnisse über
die einzelnen Namen. Der dritte und der vierte Abschnitt behandeln je einen der
Namen genauer. Beide stehen als Beispiel für eine der zwei Gruppen von
Namen, wie sie im folgenden ersten Kapitel dieser Arbeit beschrieben
wird.
Jetzt aber genug der Erklärungen, nun beginnt der wirklich wichtige
Teil.
1. Allgemeines über die Namen
Man kann die Personen, die in Umberto Ecos Name der Rose auftreten,
so glaube ich, in zwei Gruppen trennen. Die kleinere Gruppe ist diejenige, deren
Namen weit weniger interessant sind. Es sind jene Leute, die in Wirklichkeit
gelebt haben. Ihre Lebensdaten und Ansichten entsprechen dem, was
tatsächlich war, was sie tatsächlich dachten. Und manchmal redeten sie
sogar so, wie sie tatsächlich sprachen: Äusserungen von ihnen sind -
zum Teil mehrere Seiten lange - Zitate aus ihren Werken und
Schriften. [3] Da der Autor an diesen Namen nicht
viel ändern konnte, weil sie ihm durch die Geschichtsbücher vorgegeben
waren, ist es nicht allzu sinnvoll, gross an ihnen herumzuinterpretieren. Bei
einigen dieser Personen ist es jedoch interessant, ihren Hintergrund und ihre
Stellung in der früheren Zeit zu erfahren. Einerseits, um jene Epoche ein
wenig eingehender kennenzulernen und andrerseits, um Ecos Buch ein bisschen
besser zu verstehen. Als Beispiel hierfür habe ich Bernard Gui, den
Inquisitor, gewählt, den ich weiter unten in der Arbeit noch genauer
vorstellen werde. Des Weiteren gehören in diese Kategorie der historischen
Figuren: Ubertin von Casale, Michael von Cesena, Bertrand del Poggeto sowie all
die anderen Politiker, Theologen und Häretiker, die zwar nicht
sämtliche direkt in der Abtei anwesend sind, in die politischen und
religiösen Querelen der damaligen Zeit aber ebenso verwickelt
waren.
Zur anderen, beflügelnderen Namensgruppe gehören - mit Ausnahme
des Mädchens, da ihr Name unbekannt bleibt - alle übrigen Charaktere
des Buches. Es sind dies Personen, die nie gelebt haben. Alle ihre Namen sind
solche, die im Mittelalter, wenn nicht häufig, so doch möglich gewesen
wären. Denn genauso wie alle Aussagen der Akteure
sagbar [4] sein mussten, wäre, wenn Eco die
Leute mit modernen Namen ausgestattet hätte, die gesamte, so akribisch
realistisch konstruierte Welt seines Werks zerbröckelt. Ebenso mussten, da
die Klosterbrüder aus verschiedenen Nationen stammten, alle Mönche aus
einem Ort stammen, der ihrem Herkunftsland entsprach und in dem es zu jener Zeit
ein grösseres Kloster gab, das ihnen ihren Zunamen geben konnte. Und
für alle Personen galt in gleicher Weise, dass auch ihr Vornamen für
ihre Heimat zumindest nicht untypisch sein durfte.
Umberto Eco ist nicht nur leidenschaftlicher Mediävist, und hat
deshalb ein beinahe unendlich breites Wissen über das Mittelalter, er ist
auch Professor für Semiotik [5], das heisst
er kann auf weitläufige Kenntnisse über verborgene Zeichen
zurückgreifen. Es wäre erstaunlich, wenn es in den Namen seines Buches
keine versteckten Bedeutungen gäbe. Und tatsächlich habe ich einige
entdeckt. Woher die Namen nun abgeleitet sind, ist sehr unterschiedlich. Teils
sind es literarische Anspielungen sowohl auf Autoren als auch auf Werke, teils
historische Andeutungen. Manchmal gibt es wahrscheinlich auch Verbindungen zu
den Bedeutungen oder der Etymologie der Namen, wenngleich ich nicht sehr viele
davon entdeckt habe.
2. Spezielles über die Namen
Wie oben gesagt, werde ich in diesem Kapitel all das verzeichnen, was ich
über die einzelnen Namen in Ecos Buch herausgefunden habe. Es ist nicht bei
jeder Person viel, oft auch gar nichts, und meistens beruhen meine
Feststellungen auf reiner Vermutung.
2.1. Die fiktiven Namen
Zuerst zum wohl bekanntesten Beispiel der Anspielungen im Namen der
Rose: William von Baskerville und Adson von Melk. Beide Namen enthalten
einen Bezug zu Sir Arthur Conan Doyles Sherlock Holmes: Bei William ist
es der Nachname, der dem Buch Der Hund von Baskerville entlehnt ist, bei
seinem jugendlichen Begleiter der Vorname, der ähnlich ausgesprochen wird,
wie der Name des Assistenten von Sherlock Holmes, Dr. Watson. Auch inhaltlich
passt dies perfekt, da die beiden Akteure Ecos nach dem selben Muster handeln,
wie ihre literarischen Vorbilder: William versucht mit scharfem Verstand und
genauer Beobachtung komplexe Rätsel zu lösen, während sein
Adlatus zwar mit aufmerksamem Geist die Belehrungen seines Vorbilds aufnimmt,
aber trotzdem nie wirklich die ganz grossen Geheimnisse zu lüften vermag.
Nicht nur die Strategie (alles Unmögliche ausschliessen, damit schliesslich
nur noch die Wahrheit übrig bleibt) verbindet den ehemaligen Inquisitor mit
dem Meisterdetektiv von Scotland Yard. Auch die Lupe, in Form der Vitra ad
legendum und die Pfeife Sherlock Holmes` als das Kraut, das William immer wieder
am Wegrand sammelt, [6] hat Eco in seinem Werk
geehrt.
Nun zu Abbo von Fossanova, dem Abt. Möglicherweise ist es zu simpel,
aber "Abbo" bedeutet "Abt", und damit wäre der erste Namen schon
erklärt. Der Nachname ist da schon interessanter, denn er könnte gar
nicht anders sein als er ist. Bekanntlich hat der Abt in seiner Jugend die
Leiche des heiligen Thomas von Aquin die Treppe seines Heimatklosters
hinuntergetragen. [7] Und da der heilige Thomas
der Geschichtsschreibung zufolge in Fossanova das Zeitliche segnete, muss dies
der Herkunftsort des Oberhaupts unseres Klosters sein und er seinen Namen von
dort mitgenommen haben. (Natürlich könnte es auch umgekehrt sein, dass
Eco aus einem anderen Grunde den Namen Fossanova gab, und die Geschichte mit dem
Heiligen in der Wendeltreppe nur als ein zufälliger, spassiger Nebeneffekt
entstanden ist. Allerdings halte ich dies für eher
unwahrscheinlich.)
Die nächste Vermutung, die ich habe, betrifft Malachias von
Hildesheim. Sein Vorname ist wohl eine Anspielung auf den heiligen Malachias,
welcher derjenige ist, der in seinen Schriften die Abfolge der zukünftigen
Päpste prophezeite, [8] von denen einer der
viel genannte Papa Angelicus sein sollte. Einen direkten Zusammenhang zur Person
des Buches konnte ich allerdings nicht erkennen. Ebenso wenig scheint mir sein
Nachname direkt etwas mit der heiligen Hildegard, die im Namen der Rose
mehrere Male erwähnt wird, zu tun zu haben.
Bei Severin von St. Emmeram frage ich mich, warum er speziell streng
("severus" heisst streng) sei könnte, Nicolas von Morimond hat seinen
Vornamen vielleicht vom heiligen St. Nikolaus, weil er ebenso brav und
hilfsbereit wie dieser ist. Von Alinardus weiss ich, dass sein Vornamen
arabischen Ursprungs ist, was mich für einen christlichen Mönch jener
Zeit doch aussergewöhnlich dünkt. Was ich über Jorge von Burgos
weiss, ist weiter unten in einem eigenen Kapitel nachzulesen. Venantius von
Salvemec, der Experte fürs Griechische, dessen Vorname auf Lateinisch "der
Gejagte" bedeutet, hat offenbar das "Salve me" in seinem Nachnamen
(Natürlich, dachte ich, aber warum?).
Die nächste Andeutung habe ich in Benno von Uppsalas Heimatort
entdeckt. Ich vermute, dass Benno nach der Stadt benannt wurde, in der Carolus
Linnaeus im 18. Jahrhundert als erster Forscher versuchte, die Pflanzenwelt, und
damit das Leben an sich, in Kategorien zu ordnen, was für die Wissenschaft
einen revolutionären Schritt in Richtung Moderne darstellte. Diese
Klassifizierung scheint mir ganz in Bennos, zumindest anfänglich,
aufklärerischem Sinne zu sein.
In Aymarus von Alexandrias Namen erscheint die ägyptische Stadt, die
einst mit knapp einer Million Schriftrollen die grösste Bibliothek der
Menschheit beherbergt haben soll. Aber auch diese Büchersammlung brannte
ab, in einem Krieg kurz nach Cäsars Tod.
Dann wäre da noch der missgestaltete Salvatore, dessen Namen
"Erlöser" heisst und der zwar einem scheinbaren Erlöser folgte, selber
aber wohl doch keiner ist. Gleich ironisch dürfte Remigius’ Nachnamen
sein, bei dem man, nachdem man zwei Buchstaben leicht abgeändert hat (von
Varagine zu Vergine), eine Jungfrau auf Italienisch findet
Schliesslich noch der Name, der mich fast am meisten zu faszinieren vermag:
der Name des Mädchens, der einzigen weiblichen Person, die in der Abtei
auftritt. Obwohl sie in jener Zeit für Adson, vielleicht neben William, die
wichtigste Person überhaupt ist, weiss er nicht einmal, wie er sie nennen
soll. Und der Name wäre das einzige gewesen, was er anbeten hätte
können [9] und ihm von ihr geblieben
wäre. [10] Aber das Mädchen ist so
arm, dass sie nicht einmal einen Namen besitzt, und hätte jemand wie sie
einen besessen, wäre er längst vergessen, weil sie nur Volk war, weil
es sich nicht gelohnt hätte, sich ihrer zu erinnern.
2.2. Die historischen Personen
Hier einige kleine Anmerkungen zur Stellung von einzelnen historischen
Persönlichkeiten, die im Namen der Rose auftreten. Im Allgemeinen
hält sich Umberto Eco sehr streng an die historischen Geschehnisse, die
einzige Abweichung ist die Zusammenkunft, um die sich der ganze Roman
dreht.
Michael von Cesena wurde wegen seinen Äusserungen im Armutsstreit von
Papst Johannes XXII., wie in Ecos Buch zu
lesen, [11] an seinen Sitz in Avignon zitiert.
Nachdem Michael verhaftet worden war, gelang es ihm zusammen mit William von
Ockham, der im Namen der Rose ebenfalls Erwähnung findet, zu Kaiser
Ludwig IV. nach Bayern fliehen. Später wurde Michael jedoch wegen
zahlreicher Streitschriften gegen Papst, Kurie und die papsttreuen Minoriten
exkommuniziert und zu lebenslänglicher Klosterhaft verurteilt.
Roger Bacon, das grosse Vorbild Williams, wurde später bekannt als
derjenige, der das Schwarzpulver nach Europa brachte. Jacques Fournier, ein
Kollege Bernard Guis, von dem William in einer Nebenbemerkung sagt, dass er noch
hoch hinaus wolle, wurde später als Papst Benedikt XII. Nachfolger von
Johannes XXII. (demselben, den Adson im Namen der Rose schon auf der
ersten Seite so schlimm beschimpft).
3. Bernard Gui
Nun zur ersten der zwei Personen, auf die ich näher eingehen werde.
Ich wollte, neben einem Namen mit literarischem Hintergrund, auch eine der
geschichtlichen Personen genauer unter die Lupe nehmen, um auch ein wenig auf
die Zeit, die das Umfeld des Buches bildet, zu blicken. Bernard Gui (oder
Bernardo Guido oder Bernhardus Guidonis) habe ich als Musterbeispiel für
die historischen Persönlichkeiten genommen, da er mir aussergewöhnlich
spannend und typisch für das Mittelalter schien und weil ich glaube, dass
die Inquisition im Namen der Rose nicht ganz so ausführlich
behandelt wird, wie andere geschichtliche Themen, beispielsweise ihre
Gegenspielerin, die Ketzerei. Zuerst werde ich ein bisschen von Guis Leben und
seinen Taten berichten.
3.1. Sein Leben
Bernard Gui wurde 1261 oder 1262 in der Nähe von Limoges in Frankreich
geboren. Im Alter von 18 Jahren trat er dem Dominikanerorden bei und studierte
in der Folge während 14 Jahren Theologie. Als er seine Ausbildung beendet
hatte, wurde er Prior, wechselte aber immer wieder seinen Arbeitsort.
Während dieser Zeit begann er mit ausführlichen lokalhistorischen
Forschungen. Im Jahr 1302 brachen in Südfrankreich zahlreiche
Aufstände gegen die kirchliche Macht seines Ordens aus, die Bernard an
vorderster (Propaganda-) Front bekämpfte. Fünf Jahre später wurde
er vom Papst zum obersten Inquisitor der Region um Toulouse, dem unter anderem
auch Albi und Carcasonne unterstellt waren, bestimmt. Ein Jahr später wurde
er federführendes Mitglied des Provinzialkonzils von Condom. Von jener Zeit
an übernahm der Landsmann des Papstes je länger je mehr Aufgaben
für die apostolische Kurie in Avignon. 1316 schickte der Heilige Stuhl
Bernard Gui zusammen mit einem Franziskanermönch namens Bertrand de la
Tour [12] auf eine Friedensmission nach Asti in
Italien. [13] Der ausgehandelte Waffenstillstand
hielt allerdings nur kurz. Erst als Bertrand del Poggetto als Vermittler
bestimmt worden war, konnte der Friede wieder hergestellt werden. Ein Jahr
später wurden die beiden von Papst Johannes XXII. wieder als Gesandte
ernannt, diesmal um zwischen Frankreich und Flandern Frieden zu stiften, aber
erneut waren sie erfolglos. Durch dieses zweifache Versagen in seiner Karriere
arg zurückgeworfen, wurde der Inquisitor von Toulouse erst 1324, sieben
Jahre vor seinem Tod, zuerst zum Bischof in
Galizien [14], dann zum Bischof von
Lodève, einer französischen Kleinstadt, bezeichnet.
Was den Charakter von Bernard Gui betrifft: In einem Buch wird er als
"schildkrötig" bezeichnet. "Er besitzt einen ausgeprägten Sinn
für die Institution, besonders für die, welche sich stark,
widerstandsfähig, treu den bewährten Prinzipien und standhaft
verteidigt zeigt. An der Jahrhundertwende vom 13. zum 14. Jh. ist jemand mit
einer solchen Einstellung prädestiniert für die Funktion als
Inquisitor, eine Funktion, die noch nie für eine besonders
schöpferische gehalten wurde." [15]
Ausserdem, was für das Lesen von Der Name der Rose noch recht
interessant ist, hielt Bernard jeden Tag ohne Lachen für einen verlorenen
Tag.
Als Inquisitor kümmerte er sich nicht gross um die theologischen
Probleme seiner Arbeit. Sie war gerechtfertigt und begründet in den
Beschlüssen des päpstlichen Stuhls, mehr musste in damaliger Zeit
nicht hinterfragt werden. Obwohl die Ketzer bei ihm auf Abscheu und
Unverständnis stiessen, untersuchte er systematisch die Lehren der
Verurteilten (zum Beispiel las er die wirklich existierenden Briefe Fra
Dolcinos), um sie später einfacher wiederzuerkennen. Hauptziel der
Inquisition in Südfrankreich waren die Katharer und Beginen, aber auch
Waldenser und Pseudo-Apostel, Wahrsager und Dämonenbeschwörer, Juden
und Hexen wurden verfolgt. Insgesamt befand Bernard Gui während seiner
Inquisitorenlaufbahn 930 Angeklagte für schuldig, der grösste Teil
davon waren kleine Fische, nur gerade zwei waren wirklich Führer einer
Sekte. Von den Verurteilten bestrafte er 307 mit einer Gefängnisstrafe, 143
mussten das Kreuz tragen und 42 wurden dem weltlichen Arm überstellt, das
heisst hingerichtet; ausserdem liess er 69 Leichen exhumieren, um sie zu
verbrennen, sowie 22 Häuser zerstören. Was mit den restlichen
Schuldigen geschah, weiss ich nicht. Ich nehme an, dass sie irgendwo unter die
Räder gekommen sind, im wahrsten Sinne des Wortes. Erstaunlicherweise
landeten "nur" ungefähr ein Prozent derjenigen, die der Ketzerei
überführt wurden, auf dem Scheiterhaufen. Auch wenn man Bernard Gui
einen starken "Willen zur Strafe" [16] vorwerfen
kann, waltete er vergleichsweise gnädig. Andere Inquisitoren,
beispielsweise der berühmt-berüchtigte Thomás de Torquemada,
welcher etwa 100 Jahre später in Spanien 16`000 Verbrennungen veranlasste,
wüteten bedeutend schlimmer.
3.2. Sein Werk
Bernard Gui mag zwar ein schlechter Diplomat gewesen sein, aber er war ein
begabter und wichtiger Chronist, dessen Werke heute von aussergewöhnlichem
Wert sind. Neben einigen theologischen Bücher verfasste er auch einige
Lebensgeschichten von Heiligen. Eine seiner bedeutendsten Schriften war der
Praktische Leitfaden für die
Inquisition[17], in dem Gui die Rechte und
Privilegien der Inquisition, deren Beziehung zur weltlichen Obrigkeit, die
Geschichte und Besonderheiten verschiedener Sekten sowie viele nützliche
Ratschläge in der Kunst der Untersuchung, des Prozesses und des
Verhörs beschrieb. Er schilderte genau die Strafen für Ketzer, die
Belohnungen für Denunzianten und die Riten zur Fernhaltung des Bösen
vom Gericht.
Obwohl das offizielle Ziel war, die Sünder vom wahren Glauben zu
überzeugen (wenn nötig auch unter Folter), hiess das Prinzip des
Inquisitors: "Die Häresie zerstören, was nur geschehen kann, wenn die
Ketzer zerstört werden, und sie können nicht zerstört werden,
ohne dass auch die zerstört werden, die sie beherbergen, ihnen helfen oder
sie verteidigen." [18] Das System war relativ
einfach: Die Fehltaten der Angeklagten entdecken und dann ein passendes Gesetz
dazu finden. Die einzige Möglichkeit für eine milde Behandlung war,
dem Ketzertum abzuschwören. Je nach Zeitpunkt, zu dem man sich von seinem
falschen Glauben distanzierte, fiel die Strafe härter oder milder aus. Wer
sich erst in Todesangst, vor dem Scheiterhaufen, von seinen Fehlern abbringen
liess, wurde immer mit lebenslangem Kerker bestraft, wer früher abschwor,
konnte mit einer gemässigteren Busse rechnen. Mitläufer und Helfer
(beispielsweise Wirte oder Geldleiher) wurden gleich hart bestraft wie
Anführer. Jeder, der rückfällig wurde, musste mit seiner
Hinrichtung rechnen, ohne angehört zu
werden.
3.3. Sein Auftritt
Alle Angaben, die sich im Namen der Rose über Bernard Gui
finden, stimmen genau mit denjenigen überein, die ich anderswo gefunden
habe. Ausgenommen natürlich seine Anwesenheit zur Zeit der fiktiven
Zusammenkunft in der Abtei des Schreckens. Auch sein Charakter stimmt ziemlich
präzise mit denjenigen Angaben überein, die ich im einzigen Buch, das
ich über ihn gefunden habe, gelesen habe.
Durch das zusätzliche Wissen, das man nun über Bernard Gui hat,
werden einige Fragen über das fiktive Geschehen aufgeworfen, einige aber
auch beantwortet. Zum Beispiel: Weshalb schickt der Papst einen Mann wie Bernard
Gui auf eine so heikle Verhandlungsmission, obwohl dieser ein so schlechter
Diplomat ist? Die Antwort scheint mir einfach zu sein: Weil der
Inquisitor ein schlechter Diplomat ist. Denn ein Scheitern der Gespräche
zwischen Michael von Cesena und der päpstlichen Delegation würde den
General des Franziskanerordens zwingen, entweder bedingungs- und schutzlos dem
Befehl des Papstes zu gehorchen und nach Avignon zu reisen, oder eine Spaltung
der katholischen Kirche zu verursachen. Da dies jedoch eine Verfolgung des
gesamten Franziskanerordens durch die Inquisition zur Folge gehabt hätte,
konnte dies für Michael keine Lösung
sein. [19]
Eine andere Frage ist diejenige, warum Bernard Gui so erbarmungslos gegen
die Ketzer in der Abtei vorgeht. Der Logik des Inquisitors folgend, ist es
vernünftig, Remigius von Varagine dem weltlichen Arm zur Hinrichtung zu
übergeben, da der Cellerar seine jugendlichen Missetaten nicht nur zugibt,
sondern sie auch verteidigt und überhaupt nicht bereut. Warum Bernard
jedoch auch die beiden andern Sünder, Salvatore und das Mädchen,
verbrennen will, ist auf den ersten Blick nicht klar, denn ich bin sicher, sie
hätten jeder Häresie abgeschworen, um ihr Leben zu retten.
Normalerweise wären Ketzer wie sie wahrscheinlich irgendwo verschwunden,
oder kamen, wenn sie Glück hatten, mit einer relativ milden Strafe davon.
Hier aber zelebriert der Inquisitor einen grossen Prozess, später auch
gegen die andern beiden. Wozu? Ich vermute, dass der Grund, den Gui (oder besser
gesagt Eco) hierfür hat, die möglichst grosse Aufmerksamkeit für
die Geschehnisse ist. Der vermittelnde Abt und sein Orden sollen in ein
schlechtes Licht gestellt werden, weil er bekanntlich die Franziskaner und den
Kaiser in ihren Forderungen gegen den Papst unterstützt.
Aber warum hat Umberto Eco gerade Bernard Gui als Inquisitor für
seinen Roman gewählt? Ich glaube, dass dies vor allem an zwei Dingen liegt:
Erstens hat uns Bernard Gui, für einen weniger bekannten Mann seiner Zeit,
eine grosse Zahl von Werken überliefert. So ist es möglich, sich von
ihm ein einigermassen scharfes Bild zu machen. Und zweitens ist Bernard Gui ein
hervorragender Gegenspieler für William von Baskerville. Beide haben als
Inquisitoren zwar die gleiche berufliche Herkunft, in ihren Werten unterscheiden
sie sich aber grundsätzlich. Während Bernard die mittelalterliche
Denkart und den blinden Glauben an die Autoritäten verinnerlicht hatte,
repräsentiert William einen aufgeklärten, humanen
Rationalisten.
4. Jorge von Burgos
Nun zur andern Person, die ich genauer ergründen möchte, Jorge
von Burgos. Das Interessante daran: Es gab in unserem Jahrhundert einen
argentinischen Schriftsteller namens Jorge Luis
Borges.
4.1. Leben und Werk Jorge Luis Borges`
Das Allerwichtigste, um herauszufinden, welche Beziehung Jorge Luis Borges
zum Namen der Rose hat, ist wohl, zu wissen, wer er überhaupt war
und was er schrieb. Jorge Luis Borges wurde kurz vor dem Beginn unseres
Jahrhunderts in Buenos Aires, Argentinien, geboren. Sein Vater war Rechtsanwalt
und Philosophielehrer englischer Abstammung, die Mutter kam aus einer
alteingesessenen argentinischen Familie, so dass Borges zweisprachig aufwuchs.
Einen grossen Teil seiner Kindheit verbrachte er in der Bibliothek seines Vaters
und so kam es, dass Borges schon im Alter von neun Jahren sein erstes Werk, eine
Übersetzung von Oscar Wildes The Happy Prince ins Spanische,
veröffentlichte. Im Jahr 1914 wanderte seine Familie nach Europa aus, damit
Jorge und seine Schwester in Genf ein Gymnasium besuchen konnten. Nach der
Matura zog der Dichter nach Spanien und wurde dort Mitbegründer des
Ultraismus, einer dem Surrealismus ähnlichen Stilform, was er später
als Dummheit betrachtete. Nach sieben Jahren in Europa kehrte Borges 1921
zurück nach Buenos Aires, wo er während mehr als einem Jahrzehnt
verschiedene Gedichtbände und Zeitschriften herausgab. Ende der dreissiger
Jahre nahm er seine erste Festanstellung, als Beamter in einer städtischen
Bibliothek, an. Wie schon sein Vater und sein Urgrossvater, erblindete Borges
allmählich, bis sein Augenlicht schliesslich ganz schwand. Als in
Argentinien Juan Perón an die Macht kam, verlor Borges seine Stelle und
sämtliche Einkünfte. Nach dem Sturz des faschistischen Diktators durch
das Militär wurde der überzeugte Antiperonist zum Direktor der
argentinischen Nationalbibliothek gewählt. Wenig später wurde er auch
Professor für Englisch und widmete sich dem Studium des Altenglischen,
Altnorwegischen und Altisländischen. Der "literarisch universal gebildete
Kenner der westeuropäischen Kultur" [20]
erhielt je länger je mehr Anerkennung, bekam unzählige Preise und
Ehrungen, wurde Gastprofessor an Universitäten in der gesamten Welt, seine
Bücher wurden in diverse Sprachen übersetzt. Borges starb am im Juni
1986 mit 86 Jahren in Genf.
Was schrieb Jorge Luis Borges? Am Anfang seines Schaffens verfasste er nur
Gedichte. Nach einer schweren Krankheit begann er 1938, vor allem
erzählerische Kurzgeschichten zu verfassen. In der Folge seiner
endgültigen Erblindung in den frühen sechziger Jahren wandte er sich
wieder der Lyrik zu. [21] Nachdem er in seiner
Jugend noch anarchistische und pazifistische Gedichte schrieb, drehten sich
seine späteren Werke hauptsächlich um Zeit und Ewigkeit, um Leben und
Tod, aber auch um Literatur und Themen der gesamten Weltgeschichte, vorzugsweise
aber aus nordischen Epen und den Befreiungskriegen Südamerikas, an welchen
viele seiner Vorfahren beteiligt waren.
Im Gegensatz zum Beginn von Borges` Biographie ist sein späteres Leben
gezeichnet von einem ausgeprägten Konservatismus nicht nur literarischer
Art (er benützte nur noch klassische Versmasse), sondern auch politischer.
"Ich glaube nicht an die Demokratie, diesen merkwürdigen Missbrauch der
Statistik" [22] sagte er und als er 1976 den
höchsten chilenischen Militärorden im Namen des Präsidenten der
Militärjunta, General und Generalissimus Augusto Pinochet, entgegennahm,
erklärte er, die beiden Länder (Chile und Argentinien) könnten
nur durch das Schwert aus dem Sumpf, in dem sie versunken seien, hervortauchen.
Borges bezeichnete einen Schriftsteller namens Leopoldo Lugones als seinen
geistigen Ahnen, der in seinem Buch Das starke Vaterland bemerkte: "Zum
Glück ... haben die Militärregierungen die Demokratie, den Pazifismus
und den Kollektivismus wieder einmal zersprengt, denn die Militärs ...
befehligen wieder, dank dem angeborenen Recht der Besten" und "An dem Tag ist
Argentinien eine grosse Nation, an dem es das allgemeine Wahlrecht
abschafft." [23]
Jorge Luis Borges war ohne Zweifel eine zwiespältige und umstrittene
Person. Er hatte aber nicht nur einen grossen Einfluss auf die Literatur
Südamerikas, sondern auch der gesamten restlichen Welt. Er war wohl die
perfekte Figur, um karikiert zu werden.
4.2. Vergleiche
Es gibt mehrere Dinge, die in Ecos Buch auf Jorge Luis Borges hinweisen:
Der Argentinier hat einige Erzählungen geschrieben, die eine grosse
Ähnlichkeit, nicht nur erzähltechnischer sondern auch thematischer
Art, mit dem Namen der Rose aufweisen. Eine Geschichte handelt zum
Beispiel von zwei rivalisierenden Inquisitoren, eine andere von der
Unmöglichkeit, eine Rose in Worte zu fassen. Auch hat Borges mehrere
Detektivromane geschrieben, einige seiner Geschichten spielen sogar in
Bibliotheken. Andere Parallelen zum Buch von Umberto Eco sind die
Einschachtelungen mancher Erzählungen in kurze
Rahmenhandlungen [24] und die vielen Zitate und
Verbindungen zur gesamten Weltliteratur. "Alle Bücher sprechen von
anderen": das sagte William von
Baskerville, [25] das schrieb Umberto
Eco [26] und das praktizierte auch Jorge Luis
Borges, sogar ziemlich extensiv. [27]
Die offensichtlichsten Andeutungen auf den Letztgenannten finden sich aber
natürlich in der Person von Jorge von Burgos. Beide gehören einer
kleinen intellektuellen Elite an und beide sind in relativ hohem Alter
erblindet, besitzen jedoch ein enzyklopädisches Wissen über die
Literatur ihrer Zeit. Auch Jorge im Namen der Rose ist, wie sein
Namengeber heutiger Zeit, nicht nur ein Feind der
Demokratie, [28] sondern auch des Fortschritts,
wenngleich aus unterschiedlichen Gründen. Für den mittelalterlichen
Jorge ist die Geschichte nur ein langsamer Abstieg in Richtung Letztes Gericht,
für den Jorge dieses Jahrhunderts hingegen ist sie ein ewiges Auf und Ab,
das Verbesserung nur zulässt, damit sie später wieder zugrunde gehen
kann. Jorge von Burgos ist allerdings nicht einfach ein Kopie seines Vorbilds.
Jorge Luis Borges schrieb beispielsweise auch humorvolle und ironische
Geschichten und war kein Anhänger irgendwelcher religiöser
Fanatismen.
Welche Gründe gibt es nun, dass dieser Jorge Luis Borges auf so
hässliche Art und Weise im Namen der Rose verewigt wird? Der
einzigen Hinweis, den ich habe, ist ein Nebensatz in Ecos Nachschrift zum
`Namen der Rose`. Darin sagt er, dass vor allem spanische Schreiber mit
ihren Kommentaren zur Apokalypse einen grossen Einfluss auf das Denken des
Mittelalters gehabt hätten, und ein blinder Bibliothekar sei einfach ein
gutes erzählerisches Element, und eine Bibliothek plus Blinder müsse
zwangsläufig Borges ergeben, "auch weil die Schulden bezahlt werden
müssen" [29]. Eine vieldeutige Aussage:
Möglicherweise hatte Umberto Eco mit Borges noch irgendeine Rechnung offen,
denn der Argentinier war auch ein einflussreicher Kritiker. Vielleicht ist Jorge
von Burgos auch als Wertung für Borges` politische Äusserungen so
böse beschrieben (was ich durchaus begreifen würde). Wahrscheinlich
ist es aber gar nicht so wichtig, Ecos Motive wirklich herauszufinden, viel
bedeutender ist der Versuch, es herauszufinden.
Nachwort
Einige Schlüsse
Und was haben wir jetzt aus all diesem gelernt? Zum Beispiel, dass dieses
Buch (wie jeder Roman, hier einfach deutlicher) aus zwei Zutaten besteht: Dem
realen Hintergrund (der Armutsstreit, die Ketzerverfolgung, viele der Personen)
und der fiktiven Geschichte, die durch die Fantasie und die Ziele des Autors
bestimmt werden (die Handlung, die Abtei, die Anspielungen). Oder wie
verknüpft die Geschehnisse des Buches nicht nur mit der Geschichte jener
Zeit, sondern auch mit der kompletten Weltliteratur sind. Denn wohlgemerkt,
alles was ich oben geschrieben habe, sind nur kleine Bruchstücke. Man
müsste wahrscheinlich über jeden einzelnen Namen ein eigenes Buch
schreiben.
Einige Bemerkungen
Alle Interpretationen und Schlüsse, die ich in dieser Arbeit
tätigte, sind textimmanent entstanden, einzige Ausnahmen sind die
Biographien von Jorge Luis Borges und Bernard Gui. Nicht dass ich ein
überzeugter Anhänger von textimmanenter Interpretation wäre, aber
es blieb mir wenig anderes übrig. Denn obwohl Kindlers Literaturlexikon von
reichhaltiger Sekundärliteratur, namentlich auch
populärwissenschaftlicher Art [30] spricht,
habe ich, abgesehen von einigen Verweisen auf Artikel in speziellen
Literaturzeitschriften [31], keine brauchbaren,
deutschsprachigen Interpretationstexte entdeckt. Aus diesem Grunde habe ich mich
dazu entschlossen, für diese Arbeit ausschliesslich andere Quellen zu
benützen, die auf den ersten Blick vielleicht nicht besonders eng mit dem
Namen der Rose zusammenhängen. Die einzige Abweichung hierzu bildet
die Nachschrift zum Namen der Rose von Umberto Eco, die allerdings dem
Leser keine Deutungshilfen bieten, [32] ihn eher
noch verwirren soll.
Ein anderes Problem war die Frage, in welcher Form ich diese Arbeit
schreiben sollte. Anfangs hatte ich die halsbrecherische Idee, die ganze Arbeit
in eine Geschichte zu verpacken, was ich später aufgegeben habe, weil es
mir zu künstlich schien. Dann hatte ich den Einfall, meine Erkenntnisse als
Gespräch mit dem Leser zu tarnen. Auch davon sind nur noch einige wenige
Überreste geblieben. Schliesslich habe ich mich darauf geeinigt, eine ganz
normale Form zu wählen, allerdings konnte ich es nicht bleiben lassen, ein
paar Anspielungen im Sinne Ecos und einen Hauch zarter Ironie in diese
Blätter einzufügen.
Und damit beende ich in der Hoffnung, Dir, lieber Leser, nicht nur viel
mehr oder weniger schlaues Zeugs erzählt zu haben, sondern Dir auch ein
etwas Hilfe für die nächste Lektüre von Umberto Ecos Meisterwerk
geleistet zu haben und Dich vielleicht sogar ein bisschen unterhalten zu haben,
meine Arbeit. Und denk daran : Stat rosa pristina nomine, nomina nuda
tenemus.[33]
Literaturverzeichnis
Primärliteratur
Borges, Jorge Luis: Borges über Borges, Wien 1980
Borges, Jorge Luis: Gedichte 1969 - 1976, Wien 1980
Eco, Umberto: Der Name der Rose, München 1997
Eco, Umberto: Nachschrift zum `Name der Rose`, München 1987
Sachliteratur
Brockhaus - Enzyklopädie, Mannheim 1986
Diverse Autoren: Bernard Gui et son monde, Toulouse, 1981
Kindlers neues Literaturlexikon, München 1988
Bilder
Titelbild (ausgenommen die Rose) und diese Seite:
The Museum of Science, www.mos.org/sln/Leonardo
Originaldokument enthält an dieser Stelle eine Grafik! Original document contains a graphic at this position!
[1] Siehe beispielsweise: Eco, Der Name der
Rose, S. 42, 274 f.
[2] "Hier werden sogar die Päpste
vergiftet" sagt Benno von Uppsala auf Seite 582 von Der Name der Rose.
Und wer die Geschichte von Johannes Paul I. kennt, wird das auch in unserem
Jahrhundert sagen können.
[3] Als Beispiel für die
Zitatenfülle siehe: Eco, Nachschrift zum `Name der Rose`, S. 51
[4] Eco, Nachschrift zum `Namen der Rose`,
S. 88
[5] Lehre von den Zeichen,
Zeichentheorie
[6] Eco, Der Name der Rose, S. 26
[7] Eco, Der Name der Rose, S. 554
[8] Der zufolge der nächste Papst
übrigens der letzte sein wird.
[9] Eco, Der Name der Rose, S. 538,
655
[10] Was zwar auch nur eine
Selbsttäuschung gewesen wäre, aber trotzdem besser als das Gefühl
der Leere, das Adson nun in seinem Herzen trägt.
[11] Eco, Der Name der Rose, S. 85,
195
[12] Bertrand de la Tour wurde später
Nachfolger von Michael von Cesena, der bekanntlich aus der Kirche hinausgeworfen
wurde, und brachte den Franziskanerorden wieder auf die Linie des
Papstes.
[13] Ähnlich wie es jetzt, da ich
diese Arbeit schreibe, wieder geschieht, heute allerdings näher beim
Paradies, aber natürlich trotzdem in der Hölle.
[14] wo er allerdings nie war.
[15] Bernard Gui et son monde, S.
28
[16] Bernard Gui et son monde, S.
263
[17] Diese Schrift wird im Verhör auf
Seite 489 ff. von Der Name der Rose mehrmals zitiert.
[18] Bernard Gui et son monde, S.
287
[19] Es gibt also nicht nur Bücher,
die nie geschrieben wurden, sondern auch Politik, die nie geschehen
ist.
[20] Brockhaus über Borges
[21] eine monumentale ABA - Stellung,
sozusagen.
[22] Borges, Gedichte 1969 - 1976, S.
132
[23] Borges, Gedichte 1969 - 1976, S.
172
[24] Beim Name der Rose wäre
das diese seltsame Geschichte zu Beginn, in der Eco über die Entdeckung
einer Kopie von Adsons Manuskript berichtet.
[25] Eco, Der Name der Rose, S.
380
[26] Eco, Nachschrift zum `Namen der
Rose`, S. 28
[27] Borges, Borges über Borges, S.
23 ff.
[28] Jorge von Burgos’ Intimfeind
William ist übrigens ein früher Demokrat: Eco, Der Name der Rose, S.
467 ff.
[29] Eco, Nachschrift zum `Namen der
Rose`, S. 33
[30] Kindler über Eco, Der Name der
Rose
[31] welche hinzuzuziehen ich nach kurzer
Betrachtung tunlichst unterlassen habe, weil ich mich nicht mit allzuviel
Semiotik und einem Übermass an postmoderner Intertextualität
herumplagen wollte.
[32] Eco, Nachschrift zum `Namen der
Rose`, S. 9
[33] Die Rose von einst steht nur noch als
Name, uns bleiben nichts als nackte Namen. Eco, Der Name der Rose, S. 655;
eigentlich von Bernardus Morlanensis, einem Benediktiner des 12.
Jahrhunderts
|