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Das Steinheimer Becken und Meteoriten
Anmerkung: Dieser Vortrag wurde im Freien (d.h. vor Ort) gehalten. Das
Anschauungsmaterial (wie Plakate und Bilder in Büchern) habe ich nicht
gescannt und es ist zum grössten Teil in den Abfall gewandert. (Sorry :-(
) Der Vortrag wurde im 11. Schuljahr am Mathi-Gymnasium
Rämibühl Zürich gehalten und mit 5.75 bewertet.
Orientierung
Wir befinden uns auf dem Burgstall, 520 Meter über Meer. Das
Steinheimer Becken misst etwa 3 Kilometer im Durchmesser.
Im Becken hat es zwei Ortschaften, nämlich Sontheim am Eingang zum
Steinheimer Becken und Steinheim hinter dem Hügel in der Mitte des Kraters.
Er heisst Steinhirt oder Klosterberg und ist 579 Meter hoch. Der Kraterrand ist
durchschnittlich etwa 60 m höher als der Beckenboden. Das Steinheimer
Becken und das Stubental bekannte, wo unser Car parkiert ist, werden in Richtung
Osten entwässert. 7 km östlich von hier fliesst das Wasser bei
Heidenheim in die Brenz. Heidenheim ist die grösste Ortschaft in der
näheren Umgebung.
Allgemeine Meteoritenkunde
Ein Meteorit ist ein natürlicher Körper aus dem Weltraum.
Er ist wesentlich kleiner als der Körper, mit dem er kollidiert. Auch als
Meteorit wird der feste Rest bezeichnet, den wir auf der Erde finden.
Meteore und Sternschnuppen sind die Himmelserscheinungen die
beim Atmosphährendurchgang eines Meteoriten beobachtet
werden.
Meteorite lassen sich in vier Gruppen unterteilen:
• Eis-Stein-Meteorite: das sind
Kometen oder Reste derselben
• Steinmeteorite bestehen
vorwiegend aus silikaten, der wichtigsten Mineralgruppe.
• Stein-Eisen-Meteorite bestehen
zur Hälfte aus Nickel-Eisen-Masse und Silikaten.
• Eisenmeteorite haben ein hohes
spezifisches Gewicht und eine rostrote Farbe.
Über 90% aller beobachteten Meteoritenfälle sind
Steinmeteorite.
Ob ein Meteorit den Erdboden erreicht hängt weitgehend von seiner
Beschaffenheit und seiner Masse ab. Wiegt er unter 10 kg wird er
wahrscheinlich vollständig verglühen. Die meisten Sternschnuppen sind
jedoch nur reiskorngrosse Stückchen. Schwerere Meteoriten
durchstossen die Atmosphäre unter Donner und Lichterscheinungen.
Je nachdem ob sie gegen oder mit der Bewegungsrichtung der Erde fliegen
bewegt sich ihre Geschwindigkeit zwischen 11 und 72 km/s. In der
Atmosphäre werden sie gebremst und aufgeheizt, so dass der am Boden
aufgefundene Rest von einer Schmelzkruste umhüllt ist.
Grosse Meteoriten werden kaum gebremst. Beim Aufschlag dringen sie tief in
den Boden ein und sprengen Krater aus. Unter der Einschlagsstelle finden
Gesteinsumwandlungen durch Druck statt. Die Drücke können bis zu 5000
kbar betragen. Zur Erinnerung: 1 bar ist der Luftdruck auf
Meereshöhe!
Vor dem Beginn des Raumfahrtzeitalters bestand die einzige
Möglichkeit, ausserirdische Materie kennenzulernen, darin, Meteorite zu
untersuchen. Die Raumfahrt brachte uns aber trotzdem nur Materie aus
nächster Umgebung. Meteorite hingegen kommen aus weit entfernten
Teilen des Sonnensystems. Sie sind mit 4 Milliarden Jahren auch die älteste
bisher Materie. In ihnen liegt uns fast unveränderte Urmaterie
vor!
Die Entstehung des Steinheimer
Beckens
Das Nördlinger Ries und das Steinheimer Becken sind die einzigen
nachgewiesenen Einschläge kosmischer Körper in Deutschland. Sie
entstanden vor etwa 14 Millionen Jahren. Die Forscher sind sich nicht einig ob
die zwei so nahe beieinander liegenden Krater durch einen Meteoriten entstanden
sind, der beim Eintritt in die Atmosphäre auseinandergebrochen ist oder ob
zwei Meteore die schon im All nebeneinander hergeflogen sind auf die Erde
stürzten oder ob durch einen riesigen Zufall innert kurzer Zeit (d.h. mit
etwa 100’000 Jahren abstand) zwei Meteoriten so nah beieinander
eingeschlagen haben (Die Distanz von hier zum Nördlinger Ries beträgt
etwa 40 km). Die Feststellung, ob es sich um nur einen Meteoriten gehandelt hat,
wird erschwert durch die Tatsache, dass die beim Einschlag entstehenden
Temperaturen von 10’000-40’000 °C den kosmischen Körper
verdampfen lassen und man keine Rückstände vergleichen kann.
Was passiert genau wenn ein Meteorit einschlägt?
Im Falle des Meteoriten, der das Steinheimer Becken bildete, handelte es
sich sehr wahrscheinlich um einen Steinmeteoriten, der Eisen Nickel und Chrom
enthielt. Sein Durchmesser (vorausgesetzt er war annäherungsweise eine
Kugel) war ca. 140 m und die Einschlaggeschwindigkeit 20 km/s (66fache
Schallgeschwindigkeit). Man hörte ihn also nicht kommen! Wenn man eine
höhere Einschlaggeschwindigkeit annimmt, was durchaus möglich ist,
wäre sein Durchmesser kleiner. Das einzige was man sicher weiss, ist dass
die Endgeschwindigkeit eines Meteoriten dieser Grösse zwischen 11 und 72
km/s liegt.
Beim Einschlag laufen gewaltige Stosswellen durch das getroffene Gestein
und den Meteoriten. Diese erzeugen riesige Drücke und die Temperatur um den
Meteoriten steigt auf ca. 20’000 °C. Die oberste Verwitterungsdecke
spritzt zur Seite. Das darunterliegende Gestein schmilzt und verdampft. Das
Grundwasser und die Materie des Meteoriten wird weit in die Luft
geschleudert.
Während der vordere Teil des Meteoriten gebremst wird, schlägt
der Rest bis ins Grundgebirge ein. Die Stosswellen sprengen den Krater um den
Einschusskanal herum aus. Riesige Gesteinsstücke (z.T. so gross wie
Häuser) fliegen durch die Luft. All dieses Gestein kommt aus den oberen
Schichten um den Einschlagspunkt herum. Das Gestein unter dem Meteoriten kann
nicht ausweichen und wird komprimiert oder verdampft.
Wenn all das passiert ist, erreicht die Stosswelle, die durch den Rest des
Meteoriten läuft, etwa die Rückseite des Körpers. Dadurch
explodiert er. Sekundenbruchteile später erfolgt eine zweite, viel
stärkere Explosion. Dann schnellt nämlich die unter der Wucht des
Einschlags zusammengedrückte Erdkruste zurück. In der Folge wird der
Krater erneut vergrössert und Gesteinstrümmer in die Luft
geschleudert. Das zurückschnellende Gestein bildet in der Mitte des Kraters
einen Zentralberg. Ihr könnt euch das ähnlich vorstellen wie das
Aufspritzen in der Mitte der Wellenringe wenn man einen Stein ins Wasser wirft.
Die Gesteinstrümmer fallen kurz darauf im Umkreis von vielen Kilometern
wieder herunter. In der näheren Umgebung des Kraters kommen die
Trümmer hageldicht vom Himmel. Grosse Trümmer können sogar selber
noch einmal kleine Krater bilden.
Nachdem der ganze Auswurf meterdick wieder auf dem Boden liegt, steigt eine
Wasser- Staub Wolke bis in die Stratosphäre auf. Die aus dem Zentrum des
Kraters aufsteigende Glutwolke vermischt sich mit dem Staub und Wasserdampf.
Nach dem Abkühlen fällt das Wasser in sturzbachartigen
Regenfällen auf die Erde zurück. Noch wochenlang fällt staubiger
Regen. Alles Leben im Umkreis von 50-100 km wird innert Sekunden
ausgelöscht.
Die Einschläge im heutigen Riesgebiet veränderten auch die
Oberfläche der Erde nachhaltig. So fliessen heute Flüsse ins Schwarze
Meer die früher in die Nordsee flossen. Was das anbelangt, ist der
Rieseinschlag aber weitaus bedeutender als der des Steinheimer
Beckens.
Bau des Steinheimer
Beckens
Ringstrukturen mit Zentralberg
Das Steinheimer Becken weist die für Meteoritenkrater typische,
ringförmige Zonierung auf. Im Gegensatz zum Ries, einem anderen, 40 km
nordöstlich gelegenen Meteoriteneinschlagskrater, hat das Steinheimer
Becken in der Mitte einen Hügel.
Der Zentralberg heisst laut Karte Klosterberg oder Steinhirt. Er
misst etwa 1 km im Durchmesser. Der Kern des Zentralberges besteht aus Malm und
Braunjura-Schichten, die im Umland etwa 300m tiefer liegen. Umgeben wird der
Kern von Weissjurakalk. Der Zentralberg war früher von Seeablagerungen
umhüllt, welche heute weitgehend abgetragen sind. Der Zentralberg entstand
durch zurückfedern der Erdkruste nach dem Einschlag. Er ist also quasi eine
steingewordene Welle. Zentralberge finden sich auf der Erde nur in Kratern
mittlerer Grösse, d.h. 2-6 km Durchmesser.
Das eigentliche Kraterbecken mit den Orten Steinheim und
Sontheim befindet sich zwischen Zentralberg und innerem Kraterrand, der
rund 1250m vom Zentrum entfernt liegt.
Die Schollenzone besteht aus zertrümmerten und verschobenen,
jedoch nicht ausgeworfenen Gesteinen. Sie umschliesst das Kraterbecken als Ring
von 500 m breite. Rund um die Schollenzone verläuft der tektonische
Kraterrand. Dies ist die äusserste Linie der Veränderung der
Erdoberfläche und der darunterliegenden Schichten durch den
Einschlag.
Impaktgesteine
Impaktgesteine sind durch Meteoriteneinschläge entstandene Gesteine.
Sie zeigen allgemein Spuren von Krafteinwirkung.
Impaktbrekzien
Brekzien sind Festgesteine mit eckigen Gesteinstrümmern, zwischen
denen sich eine Grundmasse oder ein Zement befindet. Impaktbrekzien entstehen
auf verschiedene Weise bei einem Meteoriteneinschlag:
• Am Ort des Einschlags durch
Zertrümmerung des Gesteins; diese nennt man Beckenbrekzie.
• Ausgeworfene Gesteine fallen
nach dem Einschlag ungeordnet zurück; Die auf diese Weise entstandene
Brekzie heisst Auswurf- oder Rückfallbrekzie
• Ein weiterer Typ ist die
Reibungsbrekzie. Sie entsteht an Scherflächen, welche durch den Einschlag
gegeneinander verschoben wurden.
Primäre Beckenbrekzie:
Die Primäre Beckenbrekzie besteht hier vor allem aus Kalken und
Mergelsteinen des unteren und mittleren Malm, daneben sind Dogger und
Liasanteile enthalten. Sie füllt den Kraterboden unter den tertiären
Seeablagerungen. Nach Bohrungen beträgt die Dicke bis 50 m.
Verkieselte Kalkbrekzie:
Die verkieselte Kalkbrekzie (Stein zeigen) ist eine Reibungsbrekzie.
Durch die Druckwelle wurden Teile des Kalkes an den Reibflächen zu einer
griesähnlichen Masse zerrieben. In diese Masse sind Kalkstücke
eingebettet, welche durch den Einschlag nicht pulverisiert wurden. Verkittet
wird das Gemisch einerseits durch Kalk und andererseits durch Quarz. Die Bindung
eines Gesteins mit Quarz nennt man Verkieselung.
Sprengschollen
Sprengschollen sind grössere , beim Einschlag nicht
auseinandergebrochene Gesteinspakete die geschoben oder gekippt wurden. Als
schönstes Beispiel dafür gelten hier im Steinheimer Becken die
Galgenbergschollen, welche wir dort drüben als niederen Hügel
sehen.
Druckwirkungen
Strahlenkalke
Strahlenkalke sind das berühmteste meteoritische Phänomen
im Steinheimer Becken. Sie entstehen unter der Einschlagstelle. Sie haben eine
büschelig-strahlige Oberflächenstruktur. Für ihre Entstehung sind
Drücke zwischen 15 und 200 kbar nötig. Gut ausgebildete Strahlen
finden sich vor allem in feinkörnigen Gesteinen. Die Strahlenkalke
sind Gemengeteile der Primären Beckenbrekzie.
Palaentologie im Steinheimer
Becken
Die Palaentologie ist die Wissenschaft der Geschichte der Lebewesen auf der
Erde und schöpft ihre Erkenntnisse aus Fossilien. Ein an Fossilien sehr
reiches und darum in Fachkreisen international bekanntes Gebiet ist die
schwäbisch-fränkische Alb.
In Ablagerungen von Seen findet man gewöhnlich die Tierwelt eines fest
umrissenen Zeitraumes. Das St.B. (wie übrigens auch das Nördlinger
Ries) war vor etwa 14 Millionen Jahren von einem See erfüllt, da der
Grundwasserspiegel damals einiges höher lag. Der See überlief an zwei
Stellen. Die eine ist bei Sontheim und die zweite Richtung Heidenheim. An diesen
Stellen wurde der Kraterrand wegerodiert und heute führen die Strassen
durch diese Einschnitte aus dem Steinheimer Becken heraus. Die Existenz des Sees
wird durch Algen, Klappen von Schalenkrebsen, Gehäusen von
Süsswasserschnecken und vollständige Skelette von Fischen bezeugt. Das
St.B. ist eine der reichsten Tertiärfundstellen des süddeutschen
Raumes. Es finden sich neben Fischen auch Reste von Reptilien, Vögeln und
Säugetieren.
Die Bekanntheit des St.B. geht schon ins 19. Jh. zurück und basiert
neben den zahlreichen Wirbeltierknochenfunden auch auf dem
“Schneckensand”. Dies sind Ablagerungen in welchen kleine
Süsswasserschnecken, Planorben genannt, zu Millionen eingeschlossen
sind.
Die ersten palaentologischen Indizien für die Richtigkeit der
Darwin’schen Evolutionslehre kamen aus Steinheim. Die Planorben im
Schneckensand zeigen nämlich von unten nach oben eine mehr oder weniger
kontinuierliche Entwicklung ihrer Gehäuse.
Seit 1969 werden in Steinheim systematische Grabungen nach fossilen
Wirbeltieren vorgenommen. Diese Grabungen finden im südlichen Teil der
Pharion’schen Sandgrube statt (im Westhang). Die Grabung bewegt sich also
etwa im mittleren Bereich der Seeablagerung. Das Ziel der Grabung ist es, mit
Hilfe möglichst vieler Fossilresten eine Rekonstruktion der
Lebensverhältnisse am Steinheimer See zu ermöglichen. Zu den
wichtigsten Funden gehören mehrere vollständige Skelette. Das eines
Gabelhirsches, einer Schildkröte mit dazugehörendem Panzer und ein
etwas rekonstruiertes Skelett eines Zwerghirsches.
Der See im St.B. wurde zumindest zeitweise von Fröschen, Krokodilen,
Süsswasserschildkröten, Wasservögeln, Bibern, Fischottern und
ähnlichem bewohnt. Erhaltene Blattabdrücke sowie Früchte des
Zürgelbaumes lassen auf eine reiche Vegetation in Nähe des Sees
schliessen. Für die in der trockenen Umgebung der Albhochfläche
lebenden Tiere war der See eine natürliche Tränke. So lebten in der
Umgebung des Sees Landschnecken, Eidechsen, Schlangen, Landschildkröten,
Fledermäuse, Eichhörnchen und Zwerghamster. Man fand auch
Überreste von drei Schweinearten, Zwerghirschen, etwas grösseren
Gabelhirschen, Tiere der weiten Verwandschaft der Giraffen, verschiedene Arten
von Nashörnern, ein Urpferd und Verwandte der Elefanten. Bei der
Säugetiergruppe Raubtiere fand man Marder, kleine Bären,
Schleichkatzen und Säbelzahntiger. Diese reichen Tierbestände lebten
vor ungefähr 14 Millionen Jahren am Steinheimer See in einem wesentlich
wärmeren Klima als es heute hier herrscht.
Wieso aber gibt es im St.B. so viele Fossilien? Das hat zwei Gründe:
Zum einen hat die zeitweilige Austrocknung des Sees dazu geführt, dass die
Fische an bestimmten Stellen, wo länger Wasser lag, zusammengedrängt
wurden und dann alle dort verendeten. Bei den Wirbeltieren ist es etwas
komplizierter. Immerhin verrät die Tatsache, das vollständige Skelette
gefunden wurden, dass der Sterbeort und der Einbettungsort nicht sehr weit
auseinander liegen können. Auch hier gibt es verschiedene
Erklärungsversuche. Die Hypotese, die Knochen seien Überreste von
gefressenen Tieren kann fast 100% ausgeschlossen werden, da an den Knochen nie
Frassspuren gefunden wurden. Auch die Annahme, die Tiere seien ertrunken als der
Seespiegel anstieg und der Zentralhügel auf den sie sich gerettet hatten
unter Wasser gesetzt wurde, ist nicht über alle Zweifel erhaben. Immerhin
die Vögel und ans Wasser angepasste Tiere wie Biber u.ä. hätten
sich in diesem Fall retten können. Schon einiges Wahrscheinlicher ist
folgende Theorie: Bestimmte feinkörnige Schichten der Seeablagerungen
werden im Volksmund sehr treffend als “Klebsand” bezeichnet. Diese
trocknen wenn sie freiliegen oberflächlich rasch an, bleiben aber darunter
zäh und weich. So können gefährliche Fallen für junge
unerfahrene und schwache alte Tiere auf dem Weg zur Tränke entstanden sein.
Die so gefangen und gestorbenen Lebewesen wurden dann an Ort und Stelle
konserviert.
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