|
Du bist hier: Referate Datenbank | Deutsch
| Dürrenmatt, Friedrich: Der Verdacht
Dürrenmatt, Friedrich: Der Verdacht
von Friedrich Dürrenmatt ist ein Kriminalroman, geschrieben
1951.
Dürrrenmatt war der Sohn eines protestantischen Pfarrers, Reinhold und
seiner Frau Hulda D.-Zimmermann,
geboren wurde er am 5. Januar 1921 im Emmtaler Dorf Konolfingen (Kanton
Bern). Er hatte einer Schwester
Vroni.
Der Verdacht
erschien im "Beobachter" vom September 1951 bis zum Februar 1952.
Personen: Kommissär
Bärlach Hans, in Pension gehender Kriminalkommissär
Dr. Hungertobel
Samuel, behandelter Arzt
Dr. Emmenberger
Fritz, KZ-Arzt und Studienkollege von Hungertobel
Dr. Nehle, war statt
Emmenberger in Chile
Dr. Marlok,
Emmenbergers Komplizin
Der Jude Gulliver,
Häftling und Opfer von Emmenberger
Kommissär Bärlach liegt nach einer Operation im Salem, einem
Krankenhaus in Bern, es ist Anfang November
1948. Er liest alle möglichen Zeitschriften. Als Dr. Hungertobel ins
Zimmer kommt, hält er gerade eine Ausgabe
vom "Live" aus dem Jahre 1945 in den Händen, darin ist ein Foto, das
eine Arzt zeigt, der ohne Narkose operiert.
Er reicht sie ihm und sagt: "Es waren Tiere, Samuel". Hungertobel sieht
sich das Foto an und wird totenbleich, was dem Kommissär sofort
auffällt, ihn jedoch nicht nach dem Grund fragt.
Erst am nächsten Tag fragt Bärlach Hungertobel, warum er so
bleich geworden ist. Er antwortet ihm, das in das
Foto an den Ausflug erinnert habe, den er als Student machte. "Was war das
für ein Ausflug?" fragt ihn der
Kommissär und Samuel erzählt: "Wir waren fünf Studenten und
gingen wandern, als einer von uns plötzlich stürzte und sich arg
verletzte. Nur Emmenberger, ein Studienkollege von Hungertobel, war so
geistesgegenwärtig und operierte ihn ohne Narkose in einer nahegelegenen
Hütte. Der Arzt auf dem Foto erinnert mich ein wenig an ihn." Der
Kommissär fragt, wo Emmenberger nun ist. "In der Klinik Sonnenstein. Doch
zur Zeit, als dieses Foto wurde, war er in Chile", erklärt ihm Hungertobel.
Kriminalist, wie er nun einmal war, läßt ihm das keine Ruhe, und er
besorgt sich Unterlagen über Nehle, der Deckname von Emmenberger im zweiten
Weltkrieg. Er ließt darin, daß Nehle einen Selbstmord begangen
hätte und zeigt das Foto des Toten Dr. Hungertobel, der erschrocken das
Foto zurückreicht und meint: "Das könnte auch Emmenberger sein, da
auch Nehle eine Narbe über dem Auge hat und auch den Säurefleck am
Unterarm. Aber er war doch in Chile." Hungertobel wollte den Verdacht des
Kommissär zerstreuen. Doch so einfach war das nicht.
Es war schon Mitternacht, als der Jude Gulliver, Freund von Bärlach,
durch das Fenster den Raum betritt, ein
hünenhafter Riese in einem zerlumpten schäbigen alten Kaftan. Sie
grüßen sich, und der Riese holt zwei Gläser
und eine Flasche Wodka aus dem Kaftan. Beim ersten Glas fragt Bärlach
ihn, ob er einen Dr. Nehle kenne. Der
Jude denkt kurz nach und sagt dann: "Den aus Stutthof?" "Ja, genau den",
antwortet der Kriminalist. Gulliver
erzählt Ihm, daß dieser Arzt ärger als der Teufel war und
daß er schon tot ist. "Warum sagst du das?" fragt ihn
der Kommissär. "Weil er eine Freiheit versprach, die keine war, denn
er operierte ohne Narkose, aber nicht nur
das, die Patienten mußten vorher zusehen, wie es ist, bevor sie an
der Reihe waren", antwortet der Jude
gesprächig, ganz gegen seine Art. Er fragt, warum sich Bärlach
so für ihn interessiert. "Weil ich ein Bild gesehen habe und wissen will,
was aus so einem Menschen geworden ist", antwortet Bärlach. Während
des Gespräches tat der Wodka seine Wirkung und als Gulliver wieder durchs
Fenster verschwindet, schläft der alte Kommissär ein.
Erst zur Mittagszeit wacht er wieder auf. Die Schwester bringt ihm das
Mittagessen. Als Hungertobel
hereinkommt, hält er ein Stapel medizinischer Fachzeitschriften
unterm Arm und gibt sie dem Kommissär mit den Worten: "So alter Freund,
überzeuge die selbst, daß Emmenberger unmöglich in Stutthof sein
konnte, er schrieb auch in Chile Artikel." Er ließt sie durch und merkt,
daß sich der Schreibstil zu der Zeit änderte, als Emmenberger in
Chile war, was ihn nachdenklich stimmte. Er nimmt seine Unterlagen von Nehle
wieder zur Hand und studiert sie aufmerksam. Er wundert sich, daß Nehle
1938 die Matura mit Bravour schaffte, aber zwanzig Jahre lang nicht.
Emmenberger wanderte 1937 aus. Es könnten Nehle und Emmenberger die
Plätze getauscht haben, denkt sich der Kriminologe. Er faßt dann den
Entschluß, sich nach Sonnenstein überweisen zu lassen. Er wird in
einen Operationssaal gebracht, wo er schon von Dr. Emmenberger und seiner
Assistentin erwartet wird. Nach einem kurzen Gespräch, "Verhör" wie es
Bärlach bezeichnet, wird er in ein Zimmer gebracht. Er bekommt ein Spritze.
Da sie zum Neujahrstag in der Klinik ankommen, wartet er auf die Glocken, die
das neue Jahr einläuten sollten, doch er hört sie nicht.
Die Assistentin kommt herein und reicht ihm die heutige Zeitung, es war
der fünfte Januar, da schreit er: "Das
Datum, das Datum!", doch er ist zu schwach, um sich zu erheben. Als
Emmenberger den Raum betritt, schaut ihn de kranke alte Kommissär an. Der
Kommissär fragt ihn, was er von ihm will, da öffnet sich die Wand und
ein Operationssaal wird sichtbar. "Wollen Sie mich auch ohne Narkose operieren?"
fragt Bärlach. "Sehen Sie die Uhr?" fragt ihn Emmenberger, "um sieben Uhr
werden sie operiert," Emmenberger und Bärlach diskutieren über den
Glauben der Menschen. Währenddessen verging die Zeit unaufhaltsam. Der Arzt
verläßt das Zimmer. Es war sieben Uhr – Bärlach wartet,
dieses Warten unerträglich. Als plötzlich die Tür geöffnet
wird und der Jude vor dem Alten steht, da fragt er ihn verblüfft, was mit
Emmenberger geschehen ist. Der Jude zischt: "Was frägst du danach,
Kommissär? Emmenberger ist den Weg allen Irdischen gegangen, doch jetzt
muß ich weiter. Leb wohl Kommissär." Der Jude winkt noch ein letztes
Mal, bevor ihn die Nacht umhüllt. Der müde alte Mann fällt ins
Bett und hört, daß sich die Tür öffnet, doch er
weiß, daß es sein guter alter Freund Hungertobel ist.
|