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Thomas Mann; Tonio Kröger
Hausaufgabe im Fach Deutsch
12.05.- 20.05.1999
Armin Nebel, Klasse 11b
Thema:
3) Tonio Kröger versucht in der gleichnamigen
Erzählung von Thomas Mann eine Stellung innerhalb der Gesellschaft zu
finden.
Entwickeln und umreißen Sie diese
Stellung.
(Literarische Erörterung)
Gliederung
1. Einleitung: Umreißen der Thematik
2. Die Disposition des Helden
2.1 Name
2.2 Eltern
3. Die Entwicklung Tonio Krögers
3.1 Tonios Jugend
3.2 Übergang zum Stadium des Erwachsenenalters
3.3 Das Gespräch mit Lisaweta
Iwanowna
3.4 Reise Tonios
3.5 Brief an Lisaweta
4. Schlußgedanke: Allgemeines
In der Novelle „Tonio Kröger“ von
Thomas Mann, die 1903 erschienen ist, geht es um die Entwicklung eines innerlich
zerklüfteten Charakters, der zwischen den Extremen Künstlertum und
Bürgertum hin und her gerissen ist. Die Entfaltung des Protagonisten soll
im Folgenden ausgehend von der Disposition des Helden aufgezeigt werden.
Die Zerrissenheit der Figur läßt sich bereits
an ihrem Namen und ihrer Herkunft ablesen. Tonio Kröger. So heißt die
Hauptfigur in Thomas Manns gleichnamiger Novelle. Von vornherein lassen sich aus
dieser paradoxen Titulierung weitreichende Schlußfolgerungen über die
Thematik anstellen. Die Handlung spielt anfangs in Norddeutschland, wo
Kröger einen realistischen, bürgerlichen sowie etwas spröden
Namen darstellt. In starkem Gegensatz dazu steht der klangvolle Vorname des
Protagonisten, drückt sich in ihm doch Temperament, südliche
Lebensfreude, und auch in Ansätzen das Künstlertum aus. Es
läßt sich also sagen , dass der Name „Tonio Kröger“
charakteristisch für die psychische Disposition seines Trägers ist.
Die Hauptfigur ist der Sohn des Konsul Kröger,
eines wohlhabenden und angesehenen Mannes „...dessen Getreidesäcke
mit dem breiten schwarzen Firmendruck man Tag für Tag durch die
Straßen kutschieren sah; und seiner Vorfahren großes altes Haus war
das herrschaftlichste der ganzen
Stadt...“[1] (S.
214). Der Gegenpol zu Tonios norddeutschem Vater wird von „seiner
schönen, schwarzhaarigen Mutter, die Consuelo mit Vornamen hieß und
überhaupt so anders war als die übrigen Damen der Stadt...“ (S.
216) verkörpert. Der Junge findet es passend, dass sein Vater „ein
langer, sorgfältig gekleideter Herr,..., der immer eine Feldblume im
Knopfloch trug“ (S. 216), über ihn tiefbetrübt und auch zornig
ist. Die „heitere Gleichgültigkeit der Mutter“ (S. 216),
erscheint ihm etwas nachlässig. Durch das Akzeptieren und Nachempfinden von
Vaters Reaktionen wird eine Hinwendung Tonios zum Bürgertum deutlich.
Die Novelle beginnt mit Episoden aus Tonios Jugend, wo
schon der Konflikt, in dem sich die Hauptfigur befindet erkennbar wird. Schnell
stellt sich heraus: Der Held ist anders als die anderen, anders als sein Freund
Hans Hansen, der Pferdebücher liebt und Reitstunden nimmt. Tonio hingegen
hat schon ein Heft mit eigenen Versen. Dies „schadete ihm sehr, bei seinen
Mitschülern sowohl wie bei den Lehrern.“ (S. 215) Er selbst empfindet
es als ungehörig, Verse zu machen und damit seine Zeit zu vertun, statt
nützliche und praktische Dinge zu betreiben. Auch in der Kleidung der
beiden Freunde gibt es Unterschiede: Hans ist nach der damaligen Mode mit einer
Seemannsüberjacke, einem Marineanzug und einer Matrosenmütze
gekleidet, während Tonio einen grauen Gurt-Paletot und eine runde
Pelzmütze trägt. Der Held sieht sich selbst als
„...fahrlässig, widerspenstig und auf Dinge bedacht, an die sonst
niemand denkt.“ (S. 216). Aber er findet: „Wenigstens gehört es
sich, daß man mich ernstlich schilt und straft dafür, und nicht mit
Küssen und Musik darüber hinweggeht. Wir sind doch keine Zigeuner im
grünen Wagen, sondern anständige Leute, Konsul Krögers...“
(S. 216).
Damit ist das Leitmotiv des Werkes angeklungen, der
Konflikt zwischen Künstler und Bürger, zwischen der individuellen
schöpferischen Freiheit, die der Künstler braucht, und dem Leben in
der wohlgeordneten bürgerlichen Gesellschaft derer, die Handel treiben, die
Hansestadt nach traditionellen Grundsätzen regieren und im übrigen so
leben, wie man in solchen Kreisen eben lebt. Das Bild ist hier der grüne
Wagen für die innere Heimatlosigkeit des Künstlers, für seine
Isolierung in der Welt, aus der er kommt, und der anständige Bürger -
eigentlich ein durchschnittlicher Mensch, aber dafür ein in bestimmte
Ordnungen eingefügtes Wesen - für die Gegenwelt des vereinsamten
Künstlers. In gleicher Formulierung oder in geringer Variation tauchen
diese Motive immer wieder auf, sie werden zu Leitmotiven, die das Werk in zur
Einheit zusammenschließen. Tonio ist sich schon als Kind seiner
Außenseiterrolle bewußt. So empfindet er „eine neidische
Sehnsucht“ (S. 217) nach dem Leben derer, die wie Hans Hansen „stets
auf eine wohlanständige und allgemein respektierte Weise
beschäftigt“ (S. 217) sind. Glücklich ist er, als sein Freund
ihm verspricht, „Don Carlos“ zu lesen.
Aber es bedarf keiner hellseherischen Fähigkeiten
zu erkennen, dass der Freund in seiner Welt der Pferde und der realen Helden
keinen Platz hat für den König, der weint, weil er unglücklich
ist.
Die nächste Episode führt Tonio Krögers
erste Liebe vor. Im Alter von 16 Jahren gilt sie der blonden Ingeborg Holm.
Natürlich beachtet sie ihn nicht, weil er ihr fremd ist. Der erste
verträumte Versuch der Annäherung endet für ihn mit einer
peinlichen Blamage in der Tanz- und Anstandsstunde beim Tanzlehrer Francois
Knaak, dem etwas altmodischen, aber gerade deshalb richtigen Meister der
bürgerlichen Durchschnittswelt. Tonio aber faßt aus der inneren
Einsamkeit den selbstquälerischen Entschluß, seiner Liebe treu zu
sein, nicht, weil ihn ein unwiderstehliches Gefühl treibt, sondern weil sie
so anders ist als er, nämlich blond, übermütig, gewöhnlich.
Tonio selbst jedoch ist ihr ewig fremd, weil er aufgrund seines
künstlerischen Naturells und der damit verbundenen Tatsache, anders als die
anderen zu sein, von ihr und ihrer Welt ausgeschlossen ist. So geht er achtlos
vorbei an der dunkeläugigen Magdalena Vermehren, die weiß, dass er
Verse schreibt, und ihn bittet, sie ihr zu zeigen. Seine Sehnsucht gilt dem
Bürgertum, der anderen Welt, die ihn nicht aufnimmt, und in die er auch
keinen Zugang finden könnte, ohne sich selbst aufzugeben.
Rasch wird dann die weitere Entwicklung Tonio
Krögers fast skizzenhaft dargestellt. Nach dem Tod seiner Großmutter,
dem Oberhaupt der Familie, trifft es kurz darauf den Konsul selbst. Daraufhin
wird die alte Krögersche Firma aufgelöst, die attraktive,
temperamentvolle Mutter heiratet ein Jahr später einen Musiker mit
italienischem Namen und zieht mit ihm in „blaue Fernen“ (S. 227).
Ohne Trauer zu empfinden, verläßt auch Tonio die Heimatstadt.
Er
gibt sich der Kunst und Literatur hin, was ihn jedoch
nicht glücklich macht: „Da kam, mit der Qual und dem Hochmut der
Erkenntnis, die Einsamkeit, weil es ihn im Kreise der Harmlosen mit dem
fröhlich dunklen Sinn nicht litt und das Mal an seiner Stirn sie
verstörte.“ (S. 228). In seiner Kunst reift er in großen
Städten und im Süden, sein Herz hingegen bleibt tot. Wohl gerät
er „in Abenteuer des Fleisches" (S. 228), aber sie erwecken in ihm nur
„Ekel und Haß gegen die Sinne" (S. 228) und „ein Lechzen nach
Reinheit und wohlanständigem Frieden.“ (S. 228) Er ist „doch
kein Zigeuner im grünen Wagen, von Haus aus...“ (S. 228) und
empfindet seinen Weg daher als Holzweg. Aber er wächst in seiner
Künstlerschaft. „Voll Humor und Kenntnis des Leidens" (S. 229) ist
sein Werk und findet bald Anerkennung und Erfolg. Er selbst aber bleibt dabei
nach außen unscheinbar, „unwissend darüber, dass gute Werke nur
unter dem Druck eines schlimmen Lebens entstehen, daß, „...wer lebt,
nicht arbeitet, und daß man gestorben sein muß, um ganz ein
Schaffender zu sein.“ (S. 229) Tonio bleibt auch als Schaffender ein
Bürger, der ausgeschlossen ist von der solide Arbeit leistenden und
Grundsätze verfolgenden, in festen Bahnen denkenden Bürgerlichkeit,
aber auch von der alle Grundsätze aufgebenden, nur frei und ganz sich
selbst lebenden künstlerischen Boheme. Er vermag, eben weil er
bürgerlich bleibt, nirgendwo zu wurzeln.
Fast ein Viertel der Novelle nimmt das Gespräch
Tonios mit der Malerin Lisaweta lwanowna, der mütterlichen Freundin, in
ihrem Atelier ein. Es ist das Kernstück der Novelle und eigentlich ein
Monolog Tonios, denn Lisaweta macht nur einige Zwischenbemerkungen, die dem
Gedankengang nicht förderlich sind. Wo sie Einwände machen
könnte, schneidet Tonio ihr von vornherein das Wort ab, so etwa
„Sagen Sie nichts von >Beruf<, Lisaweta Iwanowna!“ (S. 233) Es
geht um Kunst und Leben. Tonio erkennt: „Es ist aus mit dem Künstler,
sobald er Mensch wird und zu empfinden beginnt.“ (S.232) Tonio sieht und
fühlt, dass seine Leser ihn falsch sehen, wenn sie durch sein Werk zu einem
warmen menschlichen Gefühl kommen, während er selbst nichts davon
weiß: „Ich sage Ihnen, daß ich es oft sterbensmüde bin,
das Menschliche darzustellen ohne am Menschlichen teilzuhaben...Ist der
Künstler überhaupt ein Mann? Man frage >das Weib< danach! Mir
scheint, wir Künstler teilen alle ein wenig das Schicksal jener
präparierten päpstlichen Sänger...“ (S. 233) Über die
Kunst sagt er: „Die Literatur ist überhaupt kein Beruf sondern ein
Fluch, - damit Sie’ s wissen!“ (S. 233)
Das Wissen über sich selbst und das
künstlerische Schaffen ist die wahre Tragödie des Künstlers:
„Kein Problem, keines in der Welt ist quälender als das vom
Künstlertum und seiner menschlichen Wirkung.“ (S.
235)
Es bleibt die ungestillte und unerfüllbare
Sehnsucht nach dem Leben, das sich nicht als das Ungewöhnliche, das
Einmalige darstellt, sondern als „...das Normale, Wohlanständige und
Liebenswürdige..."( S. 237/238) Tonio bekennt, dass es für ihn keinen
Weg zur bürgerlichen Welt zurück gibt, aber mit Entschiedenheit sagt
er sich los von den „Dämonen, Kobolden, tiefen Unholden und
erkenntnisstummen Gespenstern" (S.238) , von den Literaten denen er allenthalben
begegnet. Lisaweta aber erkennt die Wurzel all seiner Probleme: „Die
Lösung ist die, daß Sie...ganz einfach ein Bürger sind!“
(S. 240)
„Sie sind ein Bürger auf Irrwegen, Tonio
Kröger – ein verirrter Bürger.“ (S. 240) Die Hauptfigur
spricht sich in dieser ganzen Passage, wie bereits durch einige Zitate belegt,
klar und deutlich gegen die Kunst aus. Die folgende Aussage des Helden
unterstreicht diese These: „Ich liebe das Leben...das ,Leben‘ wie es
als ewiger Gegensatz dem Geiste und der Kunst gegenübersteht...“ (S.
237)
Der zweite Teil der Novelle bringt gewissermaßen
eine Umkehr des bisherigen Verlaufes. Der Grund für diese Wende liegt in
der Erkenntnis, die der Held im vorausgegangenen Gespräch mit Lisaweta
gewinnt: Die Kunst hat ihn unglücklich gemacht Tonio erklärt Lisaweta,
dass er nach Dänemark reisen will. Vorher aber besucht er noch einmal seine
Vaterstadt, wo er einen kurzen,
merkwürdigen Aufenthalt erlebt. Verloren und einsam
geht er durch anvertraute und doch fremde Gassen: „Großer Gott, wie
winzig und winkelig ihm das Ganze erschien!“ (S. 242) Sein Vaterhaus ist
Heim einer Volksbibliothek geworden, er kann es nur unter Vorwänden
betreten. Die Heimat hat ihn vergessen: „...wurde er ohne viel
Feierlichkeit empfangen.“ (S. 242) Niemand erkennt ihn wieder, man
begegnet seinem in dieser betriebsamen Stadt wunderlich erscheinenden Gehabe mit
ziemlich unverhohlenem Mißtrauen. Mit einem komischen, aber von ihm wie
ein Sinnbild genommenen Intermezzo endet sein kurzer Besuch in der Vaterstadt.
Die mehr rührige als findige Polizei vermutet in ihm einen
„Hochstapler“, der „...wegen verschiedener Betrügereien
und anderer Vergehen von der Münchner Polizei verfolgt wird und sich
wahrscheinlich auf der Flucht nach Dänemark befindet.“ (S. 248) Ohne
den diensteifrigen Polizisten ganz überzeugen zu können, vermag er
schließlich die Weiterreise nach Dänemark anzutreten. Durch die
Begegnung mit einem Hamburger Kaufmann während der Reise wird Tonio mit
einem in der Kunst dilettierenden Bürger konfrontiert, auf den er mit
Wohlwollen - „Tonio Kröger lauschte all dieser zutunlicher Torheit
mit einem...freundschaftlichen Gefühl.“ (S. 251) – reagiert. In
der absoluten Fremde gewinnt er neue Klarheit über sich selbst und seine
Aufgabe, was im Folgenden erläutert wird.
Eine wichtige Rolle spielen zweifellos Tonios Erlebnisse
im Zusammenhang mit einer in Aalsgaard stattfindenden Reunion dar. Während
dieses Festes, das von Tanz, Musik und Ausgelassenheit geprägt ist,
ereignet sich die Wiederbegegnung mit Hans und Inge: „Und plötzlich
öffnete sich die Tür, und Hand in Hand kamen die beiden herein.“
(S. 257) Dieses Ereignis verbindet sich ihm bedeutsam mit seiner Jugend. Es
erweckt in ihm plötzlich die ganze Sehnsucht seiner Jugend und seines
Lebens erneut, die Sehnsucht nach der blonden und blauäugigen
Gewöhnlichkeit, nach ihrer Gradlinigkeit und Problemlosigkeit, nach dem
einfachen Leben: „Und plötzlich erschütterte das Heimweh seine
Brust mit einem solchem Schmerz, dass er unwillkürlich weiter ins Dunkel
zurückwich, damit niemand das Zucken auf seinem Gesicht sähe." (S.
260) Auch ein Mädchen, das unbeobachtet und hilflos in der Gesellschaft
bleibt, dem er schließlich in einer peinlichen Situation, als es beim
Tanzen hinfällt, hilft, ist da, das Bild der Magdalena Vermehren aus Herrn
Knaaks Tanzstunde. Es drängt ihn, sich vor der Gesellschaft auszusprechen,
aber er findet keinen Weg dazu und man würde ihn auch nicht verstehen.
Obwohl er nur zuschaut, ist er „... berauscht von dem Feste...und
müde vor Eifersucht.“ (S. 263). Als er sich schließlich
zurückzieht, überblickt er sein bisheriges Leben, das sich
„haltlos und unter Gewissensnöten zwischen krassen Extremen" (S. 264)
bewegt, „zwischen Heiligkeit und Brunst hin und her geworfen, raffiniert,
verarmt, erschöpft von kalten und künstlich erlesenen Exaltationen,
verirrt, verwüstet, zermartert, krank" (S. 264), er „schluchzte vor
Reue und Heimweh" (S.264). Aus diesen Erlebnissen aber erwächst ihm eine
neue Auffassung von seinem künstlerischen Beruf und eine neue Liebe zu ihm,
die er in dem versprochenen Brief an Lisaweta niederlegt.
Sie hatte recht, als sie ihn einen in die Kunst
verirrten Bürger nannte. „Ich stehe zwischen zwei Welten, bin in
keiner daheim und habe es infolgedessen ein wenig schwer. Ihr Künstler
nennt mich einen Bürger, und die Bürger sind versucht mich zu
verhaften...ich weiß nicht, was von beidem mich bitterer
kränkt.“ (S. 265) Aber die Sehnsucht, die dem Bürgertum gilt,
„den Wonnen der Gewöhnlichkeit" (S. 265), wie es leitmotivisch
heißt, ist ihm Bedingung seiner Kunst. Er bewundert die „Stolzen und
Kalten, die auf den Pfaden der großen, der dämonischen Schönheit
abenteuern und den <Menschen> verachten" (S. 265), will aber nicht an
ihrer Stelle sein. Es wird deutlich, dass die Kunst Tonio unglücklich
gemacht hat und er sich deshalb für das Bürgertum entscheidet:
„Aber meine tiefste und verstohlenste Liebe gehört den Blonden und
Blauäugigen, den hellen Lebendigen, den Glücklichen,
Liebenswürdigen und Gewöhnlichen.“ (S. 265) Die Gegensätze
sind geschlichtet und ausgeglichen, einer Versöhnung zugänglich
gemacht. Seinen Brief beendet Tonio mit dem gleichen Satz wie das erste Kapitel
der Novelle: „Sehnsucht ist darin und schwermütiger Neid und ein
klein wenig Verachtung und eine ganz keusche Seligkeit.“ (S. 266)
Auffallend ist, dass jetzt das Präsens verwendet wird, was auf ein
bewußtes Tolerieren seiner Sonderstellung schließen
läßt.
Gewisse Parallelen zwischen dem Leben Manns und dem
seines Helden Tonio sind nicht von der Hand zu weisen. Dazu zählen etwa die
südliche Herkunft der Mutter oder auch die latente Homosexualität.
Jene Gemeinsamkeiten sollen jedoch an dieser Stelle nicht noch einmal in allen
Einzelheiten aufgeführt werden. Der Roman hat großes Aufsehen bei
zeitgenössischen Lesern erregt. Als die Novelle Anfang dieses Jahrhunderts
erschienen ist, ist das Interesse
und die Aktualität des Themas „Beziehung
Künstler - Bürger" wesentlich größer gewesen als heute .
Dennoch sind einige Themen der Erzählung nach wie vor aktuell, so etwa der
Selbstfindungsprozess. Dieses Werk wird sicherlich noch lange Zeit mit Interesse
gelesen werden, wofür (nicht) alleine der einzigartige Erzählstil
Manns sorgt.
[1] Zitiert wird im
Folgenden nach der Ausgabe: Th. Mann: Sämtliche Erzählungen Ffm:
Fischer 1963 Darin: Tonio Kröger S. 213 - 266
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