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| Gerhart Hauptmann; Bahnwärter Thiel
Gerhart Hauptmann; Bahnwärter Thiel
Aufgabe: Verfassen Sie schriftlich Ihr Stimmungsbild nach der Lektüre des
Werkes
„Bahnwärter Thiel“ von Gerhart
Hauptmann!
„Bahnwärter Thiel“ ist in meinen Augen ein Buch, dass, aus
heutiger Sicht betrachtet, ein sehr aktuelles Thema behandelt. Die Problematik
der Kindesmisshandlung wird zwar nur als ein nebensächlichen Aspekt der
Handlung dargestellt, hat aber entscheidenden Einfluss auf die
weiterführende Handlung. Das psychische und physische Angreifen der Kinder
wird von vielen Eltern als ein Bestandteil ihrer autoritären Erziehung
gesehen, löst aber in der gesamten Gesellschaft bei Bekanntwerden immer
wieder Bestürzung aus. Da in Hauptmanns Werk aber auch die Rache des Vaters
an seiner Frau für diese Form der Erziehung zum tragen kommt und das Ende
des Werkes bedeutet befindet man sich in einem inneren, persönlichen
Konflikt.
Nach der ersten Fassungslosigkeit über den dramatischen Ausgang des
Werkes und dem unerwarteten Konsequenzen die Bahnwärter Thiel zu tragen
hat, beginnt man zwischen der Rechtmäßigkeit und
Unrechtmäßigkeit dieser Tat abzuwägen. Jedesmal wird man zu
einem Hineinversetzen in den Charakter Thiel verleitet und stellt sich vor, wie
man an seiner Stelle gehandelt hätte. Man „ertappt“ sich aber
dabei wie man sich bei der Vorstellung der Szenen noch rabiater und ungehaltener
reagiert hätte.
Während des Werkes beginnt sich schon eine Antipathie gegenüber
Lene aufzubauen, welches noch besonders durch die abwertende Beschreibung durch
Hauptmann resultiert. Man möchte beinahe sagen dass sich ein Hass aufgebaut
hat. Der Hass gipfelt in dem Tod von Tobias, der nur durch die Unachtsamkeit
Lene‘s und der Vernachlässigung ihrer Aufsichtspflicht
begünstigt wird. Thiel sieht diese Fahrlässigkeit als
Vorsätzlichkeit an und rächt seinen Sohn für die jahrelange,
fehlende Akzeptanz und die Kälte, die seine Stiefmutter ihm Tag für
Tag entgegen gebracht hat. Man spürt eine innere Befriedigung, als Lene,
die man unzweifelhaft als Tyrannin bezeichnen kann, von Thiel auf eine
erschreckende und bestialisch Weise ermordet wird. Diese Bestialität ist
ein Ausdruck der Wut die sich über die Jahre bei ihm angesammelt
hat.
Es wird auch die Frage nach dem Sinn oder der Sinnlosigkeit diese
Schlusses laut. Man stellt sich vor was passiert wäre wenn Thiel seine Frau
und seinen jüngeren Sohn nicht umgebracht hätte. Hätte er sich
möglicherweise selbst um gebracht um somit den Schmerz über den
Verlust seines einzig wahren Sohnes ertragen zu können.
Man bedauert Bahnwärter Thiel, der nach der Ausführung der Tat zu
seinem Bahnwärterhäuschen zurückgekehrt ist und zunehmend in den
Wahnsinn gefallen ist. Er hat alles verloren: seinen Sohn Tobias, der sein Ein
und Alles war und ihm stets Lebensmut und Lust am Leben gegeben hat. Der Verlust
seiner Frau erscheint überhaupt nicht interessant, da er während
seiner Arbeitszeit stets an seine frühere Frau Minna dachte und Lene
aufgrund ihrer herrschsüchtigen und rücksichtslosen
Persönlichkeit verdrängte. Man bemitleidet Thiel auch deswegen, dass
er entgegen aller Empfehlungen und Ratschläge der Dorfbewohner mit der
Heirat sein bis dahin lebenswertes Leben verlor und infolge seiner Tat nicht
einmal mehr eine Zukunft hat.
Am Ende ist man traurig und bestürzt. Jemand, der nur einem absolut
Wehrlosen geholfen hat, wird angeklagt. Trotz dieser zwar subjektiv
verständlichen Tat darf man aber auch die Gesetze keinesfalls außer
Acht lassen. Denn in der Wut und im Zorn getane Dinge sind vor Gericht nur
mindere Beweggründe.
Trotzdem überwiegt das Mitleid für diesen Mann, der alles
verloren hat und vor dem Nichts steht.
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