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Remarque, Erich Maria: Im Westen nichts Neues
Projekt
“Literatur des 20.
Jahrhunderts”
Erich Maria Remarque
“Im Westen nichts
Neues”
erarbeitet
von:
Tanja Rohleder
Hinweise zum Projekt
Die nachfolgende Arbeit entstand als sogenannte
Facharbeit im Schuljahr 1998/99 im Rahmen des Leistungskurses Deutsch der 13.
Jahrgangsstufe der Janusz-Korczak-Gesamtschule in Neuss. Mit Genehmigung der
Schulaufsicht wurde die zweite Klausur des ersten Schulhalbjahres durch diese
Facharbeit ersetzt.
Die fachlichen Grundlagen für die Realisation
dieses Projektes wurden durch die bisherige gemeinsame Arbeit
gelegt:
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Kurshalbjahr
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Kursthemen, Unterthemen
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11/2
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- Die Rolle der Liebe und von Partnerschaft im
gesellschaftlichen Gefüge: Liebeslyrik in verschiedenen literarischen
Epochen an ausgewählten Beispielen
- Text und Wirklichkeit: der Roman und die Novelle
am Ende des 19.
Jahrhunderts
Fontane
“Effi Briest” und Keller “Romeo und Julia auf dem
Dorfe”
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12/1
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- Der Aufklärungsgedanke im bürgerlichen
Trauerspiel des 18. Jahrhunderts am Beispiel
von:
a.) G. E. Lessing
“Nathan der Weise”
b.) Friedrich Schiller “Kabale und
Liebe”
- Der Aufklärungsgedanke in der Literatur des
20. Jahrhunderts am Beispiel
von:
a.) Bertold Brecht
“Das Leben des Galileo Galilei”
b.) Max Frisch “homo
faber”
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12/2
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- Die Wandlung des Realitätsbegriffes in der
Literatur zu Beginn des 20. Jahrhunderts am Beispiel von Franz Kafka
- Die Kurzgeschichte (bes. nach 1945) als
Widerspiegelung zeitgeschichtlicher Entwicklungen und geistesgeschichtlicher
Strömungen
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13/1
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- Die Weimarer Klassik am Beispiel von Goethes
“Faust I”
- Die Kunsttheorie der
Klassik
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Die Facharbeit wurde realisiert im Rahmen des
Unterrichtsvorhabens “Projekt: Literatur des 20. Jahrhunderts”: Aus
einer vorgegebenen Liste von Titeln der (deutschsprachigen) Literatur des 20.
Jahrhunderts hatte jede Schülerin / jeder Schüler einen Titel zu
wählen, wobei es möglich war, selbst Autoren bzw. Werke vorzuschlagen,
die in der Liste nicht erfasst waren. Es durfte allerdings kein Autor von zwei
Schülerinnen / Schülern zugleich bearbeitet werden. Die Gesichtspunkte
der Untersuchung des gewählten Werkes waren vorgegeben: Sie spiegeln sich
in den Kapitelüberschriften wider.
Es war darüber hinaus Auflage, die Facharbeit -
formatiert nach vorgegebenen Kriterien - auf Diskette und als Ausdruck
vorzulegen. Jeder Schülerin / jedem Schüler stand ein Beratungstermin
für seine Facharbeit zur Verfügung: Bei dieser Gelegenheit konnte man
sich Hilfestellungen und Tipps holen.
Ins Internet gestellt wurden die Arbeiten, welche mit
der Note “ausreichend” und besser bewertet wurden. Bis auf drei
zufällige Ausnahmen wurden alle Arbeiten (ähnlich wie bei
Abiturarbeiten) nicht nur von mir, als dem Fachlehrer, sondern von Kolleginnen /
Kollegen als “Zweitkorrektoren/Innen” beurteilt. (Die dabei
feststellbaren Abweichungen in der Bewertung waren in der Regel gering und nur
in einem Fall gravierend: Die Zweitkorrektorin bewertete - zutreffend - eine
Arbeit mit “mangelhaft”, im Unterschied zu mir, der ich
zunächst “ausreichend” erteilt hätte.) Insgesamt erwies
sich, dass die Erstellung einer solchen Facharbeit ein Leistungsvermögen
erfordert, das unter gewissen Gesichtspunkten höher ist als das bei einer
“normalen” Klausur.
Über die Home-page der Schule (unter der Adresse
http://www.jkg-neuss.de)
bzw. unter der Email-Adresse der Schule
(popjkgs@pop-gun.de) oder unter der
Email-Adresse des verantwortlichen Lehrers
(bialke@online-club.de) können
weitere Informationen eingeholt und - was durchaus erwünscht ist -
Kommentare abgegeben werden.
gez. Bialké
(Kursleiter)
Inhaltsverzeichnis
1. Inhalte
1.1. Die Darstellung der Thematik
1.2. Skizze des Inhaltes
2. Stilistik
2.1. Die Charakteristik der sprachlichen Gestaltung des
Werkes insgesamt
2.2. Die detaillierte sprachliche Analyse einer
typischen Passage
2.3. Die Frage nach der Angemessenheit der sprachlichen
Mittel (gemessen an der Thematik /
am Inhalt)
3. Biographische Bezüge
3.1. Die Biographie des Autors
3.2. Die Stellung des Werkes in der Vita des Autors
4. Bewertung
4.1.1. Ist die Thematik ein abstruser Einzelfall oder
wird mit dem Besonderen (Individuellen)
auch Allgemeines (Gesellschaftliches)
erfaßt ?
4.1.2. Gelingt über die gewählten Inhalte die
Kontaktaufnahme zur Leserin / zum Leser ?
4.2. Die Bedeutung der Stilistik für die
Rezipienten: “lesbar” oder nicht ?
5. Skizze eines produktorientierten
Interpretationsansatzes
6. Zusammenfassende Darstellung der
Rezeptionsgeschichte
7. Zusammenfassendes Urteil (“
Leseempfehlung”)
1.Inhalte
1.1 Die Darstellung der Thematik
:
Die zentralen Themenbereiche des Romans werden schon im
Motto direkt oder indirekt genannt:
1. : 1. Weltkrieg
2. : die vom Krieg zerstörte Generation
3. : Leben und Überleben im Krieg.
“Die Tatsache des Krieges ist von Beginn des
Romans an bis zu seinem Schluß als Faktum und alles beherrschende
Wirklichkeit vorausgesetzt, weder Kriegsausbruch noch Kriegsende werden in die
Darstellung einbezogen, nur in verschwindend geringen Andeutungen überhaupt
reflektiert. Es wird also zu untersuchen sein, wie die Wirklichkeit und welche
Wirklichkeit des Krieges in der literariscchen Reproduktion gestaltet wird und
welche Bewertung der Krieg damit
erfährt.”[1]
Die beiden anderen Themenkomplexe hängen innerlich
zusammen, sie führen die Auswirkungen des Krieges auf die Kriegsteilnehmer
und deren Reaktionen anhand der Frontgruppe der acht Kameraden vor, als deren
repräsentativer Sprecher Paul Bäumer fungiert. Hierbei kommt
Bäumer jedoch eine Doppelfunktion zu: als einer der vier Schüler einer
Klasse gehört er zu der vom Krieg zerstörten Generation und hat deren
Schicksal zu artikulieren; als Mitglied der gesamten Frontgruppe hat er zugleich
die Formen und Techniken des Lebens und Überlebens im Krieg vorzustellen.
Hieraus ergibt sich die fundamentale Spannung des Romans insofern, als er den
Zustand der Zerstörung zugleich und vermischt mit den Vorgängen des
Überlebenwollens darzustellen versucht. Während das Thema der inneren
Zerstörung retadierenden Charakter hat, d. h. sich hauptsächlich in
Form von Reflektionen, Erinnerungen und Klagen der Betroffenen entfaltet und die
völlige Negativität der durch den Krieg geschaffenen Lebensform
betont, bringen die Überlebensvorgänge Bewegung und Veränderung
in den Handlungsablauf und müssen als zur Lebenserhaltung dienenden
Vorgänge doch auch positiv bewertet werden. Diese beiden Themen stehen also
in Konkurrenz zueinander und verlangen häufig, am deutlichsten sichtbar
etwa hinsichtlich der Etappenszenen, eine unterschiedliche Bewertung ein und
derselben Handlungselemente was dem Roman im Ganzem eine Mehrdeutigkeit und
Unentschiedenheit gibt, die sich unter anderem auch in der höchst
widersprüchlichen Rezeption niedergeschlagen hat.
1.2 Skizze des Inhalts :
In Erich Remarques Antikriegsroman "Im Westen nichts
Neues" werden tagebuchartig die Erlebnisse Paul Bäumers in den Kriegsjahren
1916-1918 geschildert. Paul Bäumer besucht die Oberprima eines Gymnasiums.
Auf Drängen seines Klassenlehrers Kantorek meldet sich der gesamte Jahrgang
zu den Kriegsfreiwilligen. An der Front trifft Paul den Mann, der während
der kommenden Kriegszeit sein bester Freund werden soll: Stanislaus Katczinsky
(Kat), einen einfachen Mann Anfang vierzig. Er hat aufgrund seiner Erfahrung
einiges zu melden und wird auch anerkannt. Ebenfalls in der gleichen Kompanie
dienen der Schlosser Tjaden, Haie Westhus, ein Torfstecher und Detering, ein
Bauer.
Kemmerich, ein Kamerad aus Pauls Klasse, ist der zweite,
den es "erwischt". Er erleidet einen Oberschenkeldurchschuß. Deshalb wird
ihm das Bein amputiert. Man sieht, daß er bald sterben muß.
Müller denkt trotz all der Trauer an Kemmerichs Stiefel. Paul besticht
einen Sanitäter mit Zigaretten, um ihn zu bewegen, daß er Kemmerich
Morphium gibt. Am nächsten Tag stirb Kemmerich.
Die Kompanie macht sich auf den Rückzug zu den
Baracken. Als sie während des Marschs wieder beschossen werden, sucht die
Gruppe Deckung auf einem alten Friedhof. Paul legt sich unter einen Sarg. Einige
Zeit nach ihrer "Heimkunft" erreicht sie die Nachricht, daß
Himmelstoß an ihren Frontabschnitt gekommen sei. Sie wissen alle,
außer Kat, der ja eine Familie hat, nicht, was sie mit sich anfangen
sollten. Die Stimmung ist angespannt. Man hört allerlei
Gerüchte, daß auf der anderen Seite ununterbrochen Nachschub anrollt
und eine große Offensive geplant sei. In der Nacht werden die
Unterstände mit schwerer Artillerie beschossen
Eines Vormittags sehen die Soldaten mitten in Angst,
Leid, zwischen Bombentrichtern und Toten einen Hoffnungsschimmer: Zwei
Schmetterling fliegen inmitten des ganzen Elends und lassen sich auf einem
Totenschädel nieder. Die 2. Kompanie bekommt immer wieder Verstärkung,
um die Verluste auszugleichen, meist junge Rekruten, die beim nächsten
Angriff niedergeschossen werden. Paul, Kat, Kropp und andere erfahrene Veteranen
versuchen, den jungen Kerlen ihre Erfahrung und Kenntnisse weiterzugeben. Meist
jedoch ohne Erfolg.
Die Soldaten sind auch in diesem ganzen Leid Männer
geblieben. Als Leer, Tjaden, Paul und Albert baden, sehen sie am anderen Ufer 3
junge Französinnen. Sie verabreden mit ihnen, daß sie des Nachts zu
ihnen mit Brot herüberkommen. Weil es nur 3 Frauen sind, machen Paul, Leer
und Albert ihren Kameraden Tjaden so betrunken, daß er die Frauen
vergißt. Darauf nehmen die 3 Männer etliche Speisen und schwimmen
über den Fluß zum anderen Ufer, wo die Frauen warten. Die
Französinnen geben den Dreien trockene Kleider und bitten sie ins Haus. Die
Frauen sind über die Lebensmittel hoch erfreut und nach ein wenig sinnlosem
"Geplapper" werden sie intim. Nach diesem Abenteuer verabschieden sich die
Männer und verschwinden wieder in ihre Quartiere. Paul bekommt Heimaturlaub
mit einem abschließenden Abstecher ins Heidelager. Auf der Bahnfahrt
werden, als er die vertraute Umgebung erblickt, alte Erinnerungen wach. Seine
Mutter bricht, als er kommt, in Freudentränen aus. Sie opfert für ihn
ihre letzten Leckerbissen, die sie sich vom Mund abgespart hat. Paul sieht all
die bekannten Dinge, die er mit Kindheit und Jugenderinnerung verbindet.
Trotzdem ist sein Zuhause nicht mehr dasselbe. Er ist ein anderer geworden, die
Heimat erscheint ihm unwirklich. Paul erfährt, daß seine Mutter Krebs
hat. Am Nachmittag macht er sich auf zum Bezirkskommando, um sich dort
anzumelden. Als er gedankenversunken an einem Major vorbeigeht, ohne ihn zu
grüßen, wird er erstmal von ihm heftig gerügt. Nach diesem
Erlebnis zieht er lieber seinen Zivilanzug an und geht in die nächste
Kneipe. Doch auch dort hat er keine Ruhe. Sämtliche Bekannte fragen ihn
nach dem Krieg und seinen Erlebnissen an der Front. Er hat jedoch Angst, diese
in Worte zu fassen, weil er fürchtet, dann von ihnen überrollt zu
werden. Ihm hängen diese ganzen Leute zum Hals heraus, die ihm auf die
Schulterklopfen und Sprüche reißen über den "ach so tollen
Krieg". Paul zieht sich deshalb in sein Zimmer zurück und denkt an die
Kameraden, die auch jetzt, wo er erst mal in Sicherheit ist, täglich ihr
Leben aufs Spiel setzen. Er verbringt die meiste Zeit zu Hause, wo er in alter
Erinnerung schwelgt und immer wieder die Sachen, die ihm einmal etwas bedeuteten
(wie zum Beispiel seine Büchersammlung), ansieht.
Eines Tages geht er zu seinem ehemaligen
Klassenkameraden Mittelstaedt in die Kaserne, wo dieser ihm erzählt,
daß ihr alter Klassenlehrer Kantorek als Landsturmmann eingezogen worden
ist. Mittelstaedt schikaniert diesen, wo er nur kann und rächt sich somit
für die Schulzeit und das Verderben, in da Kantorek alle mit seiner
Kriegsverherrlichung geschickt hat. Paul geht schließlich zu Kemmerichs
Mutter, die total verzweifelt ist über den Tod ihres Sohnes. Sie fragt ihn,
wie er gestorben sei. Paul lügt und erzählt ihr, daß es kurz und
schmerzlos gewesen sie. Nach seinem Urlaub macht Paul vier Wochen Dienst an den
Baracken im Heidelager. Neben den Baracken befindet sich ein zweites Lager, in
dem russische Kriegsgefangene untergebracht sind. Den Russen dort geht es noch
viel schlechter als den Deutschen. Abends schleichen sie sich aus dem Lager und
durchwühlen die Mülltonnen nach etwas Eßbarem. Die
Kriegsgefangenen tun Paul leid. Paul begreift die Sinnlosigkeit des Krieges, als
er diese armen Menschen sieht. Die Nationen könnten Freunde sein und
müssen nur wegen irgendeines blödsinnigen Befehls aufeinander
schießen. Als Pauls Vater und seine Schwester ihn im Lager besuchen
kommen, erfährt er, daß seine Mutter ins Krankenhaus gekommen ist und
es nicht mehr verlassen wird.
Paul kommt wieder zurück an die Front. Überall
hört er schlechte Nachrichten. Dann findet er endlich zu seiner Kompanie
und trifft auch seine alten Kameraden Kat, Kropp und Tjaden. Im Lager herrscht
große Aufregung. Der Kaiser soll persönlich zu einer Parade kommen,
heißt es. Alle Soldaten werden neu ausgestattet, und es wird sehr auf
Hygiene geachtet.
Das Kommen des Kaisers wird für viele zur
Enttäuschung. Er ist keine so imposante Erscheinung, wie sie gedacht
hatten. Nach der Parade müssen die neuen Uniformen wieder abgegeben werden.
Auf dem Weg zur Front kommt die Kompanie durch einen Wald, in dem Minen
eingeschlagen sind. Überall Tote und Teile von ihnen herum. Paul meldet
sich zu einer Patrouille, um die gegnerischen Stellungen auszuspionieren.
Während seiner Mission verliert er zwischen den Fronten die Orientierung.
Zu allem Übel starten die Franzosen auch noch eine Offensive. Paul sucht in
einem Bombentrichter Deckung, als die ersten Feinde kommen. Paul stellt sich
tot. Sie springen über ihn hinweg. Die Franzosen können jedoch nicht
durchbrechen und flüchten zurück in ihre Stellungen. Auf der Suche
nach Deckung springt ein Franzose zu Paul in den Trichter. Paul sticht den Feind
ohne zu überlegen nieder. Allerdings lebt der andere noch. Paul bringt es
nicht übers Herz ihn zu töten. Es ist das erste Mal, daß er
sieht, was für ein Leid er doch angerichtet hat. Er beginnt den Feind als
Menschen zu sehen und bekommt ihm und seiner Familie gegenüber
Schuldgefühle. Paul versucht dem Mann das bißchen Leben, das ihm noch
bleibt, so angenehm wie möglich zu machen. Das Artilleriefeuer liegt immer
noch zwischen den Gräben, so daß Paul im Trichter ausharren
muß. Ihn plagen immer mehr Schuldgefühle. Er notiert sich den Namen
des Mannes aus dem Soldbuch. Aber jetzt kennt er den Namen seines Opfers.
Paul, Kat, Albert, Tjaden, Müller, Leer und
Detering müssen ein Dorf bewachen, das geräumt worden ist. Aus dem
Proviantamt holen sie sich Lebensmittel, die sie dann zu einem herrlichen
Festmahl zubereiten. Am nächsten Tag packen sie sich noch ein paar
Delikatessen aus dem Proviantamt zusammen und ziehen ab, das Dorf, das jetzt
unter heftigem Feuer liegt, zurücklassend. Unterwegs wird der
Munitionstransport auf dem sie mitfahren, beschossen. Albert wird am Knie
getroffen. Auch Pauls Bein ist verletzt. Die beiden stützen sich
gegenseitig und retten sich zunächst in den Unterstand. Dort nimmt sie ein
Sanitätswagen mit ins nächste Lazarett. Paul besticht den
Sanitätsfeldwebel, um mit Albert in das selbe Abteil des Lazarettzuges zu
kommen. Albert hat Fieber und ist deshalb nicht mehr transportfähig. Um
nicht von seinem Kameraden getrennt zu werden, simuliert auch Paul erhöhte
Temperatur. Beide werden an der nächsten Station ausgeladen und zu einem
katholischen Krankenhaus gebracht.
Viele Verletzte, die anfangs im Zimmer von Paul lagen,
sterben und machen so die Betten für neue Kriegsgeschädigte frei.
Alberts Bein wird amputiert und der Stumpf heilt gut. Paul kann sogar wieder
gehen. Nach einem kurzen Erholungsurlaub zu Hause, wird Paul wieder an die Front
gerufen, Detering desertiert, wird auf der Flucht gefaßt und vom
Kriegsgericht zum Tode verurteilt. Auch Müller stirbt während eines
Gefechts unter großen Schmerzen.
Nun bekommt Paul die Stiefel, die einstmals Kemmerich
gehörten. Als Reserve kommen nur noch junge Rekruten, die noch keine Ahnung
vom Krieg haben. Der Kriegssommer 1918 ist für Paul der blutigste
überhaupt. Während Kat Essen holt, wird er am Schienbein getroffen. Er
kann nicht mehr allein laufen. Deshalb trägt ihn Paul zu nächsten
Sanitätsstation. Unterwegs wird Kat von einem umherfliegenden
Granatsplitter tödlich getroffen und lebt nicht mehr, als Paul mit ihm an
der Station ankommt. Im Spätsommer sind Gerüchte über einen
Waffenstillstand im Umlauf. Paul erlebt diesen nicht mehr. Er stirbt "im Oktober
1918, an einem Tag, der so ruhig und still war an der Front, daß der
Heeresbericht sich nur auf einen Satz beschränkte, “im Westen sei
nichts Neues zu melden." (Die guten Schnürstiefel Kemmerichs wird nun
Tjaden bekommen haben, und wer weiß, wer noch.)
[2]
2. Stilistik
2.1 Die Charakteristik der sprachlichen Gestaltung
des Werkes insgesamt
Remarques Roman erhält seine Besonderheit u. a.
durch die deutlich hervortretenden Kontraste, die den Romanaufbau, das
Romanpersonal, die zugrundeliegenden Themen und auch seine
sprachlich-stilistischen Ebenen durchziehen. Nur einmal, dies an entscheidener
Stelle (“Er fiel im Oktober 1918...”) wird der Ich-Erzähler vom
Erzähler in der 3. Person abgelöst: der Autor ´bezeugt´ den
Tod Bäumers. Bis zu dieser Stelle schildert der Ich-Erzähler Franz
Bäumer über den gesamten Roman hinweg seine eigenen Erlebnisse,
Beobachtungen und Empfindungen. Dies geschieht in subjektiver
Ausschnitthaftigkeit, bedingt durch die Situation und Rolle des Erzählers,
jedoch in beeindruckender Totalität. Durch diese Erzähltechnik nimmt
der Roman über weite Phasen impressionistische Züge an.
“Im Westen nichts Neues” ist ein Kriegsepos
und als solches den Traditionen der Gattung verpflichtet. Remarque
läßt seine Helden nacheinander auftreten und stattet sie mit klar
abgegrenzten Wesensmerkmalen und Charakterzügen aus. Ein ganzes Panorama an
Gestalten und Ereignissen zieht an den Augen des Lesers vorbei. Angesichts der
Gewalt der Ereignisse und des vielfachen Todes sind die jungen Soldaten nahe
daran, sich selbst aufzugeben und auch sprachlich in die Barbarei
zurückzufallen. Ihr Landser-Jargon ist ´abgebrüht´,
lässig, weitesgehend unsentimental. Der Blindheit des Schicksals
können sie nur ihr Aufeinander-eigeschworen-Sein entgegenstemmen, das
stellenweise fast zärtlich-vertraut wird. Sie wollen und können sich
einen Rest von menschlicher Würde bewahren.
“An den rasch wechselnden Tonlagen ist die
jeweilige Stimmung, die momentane Befindlichkeit abzulesen. Remarque bedient
sich dabei unterschiedlicher stilistischer Mittel. Er setzt sie differenziert,
sehr natürlich und souverän ein, ganz so, wie wir sie in seinen
späteren Romanen auch finden: Da sind humoristische Wendungen und
ironische Distanzierungen, bildhafte Ausdrücke und Personifizierungen,
Vergleiche und Metaphern, Parallelen und
Antizipationen.”[3]
Die Verwendung von Symbolen ist eher sparsam zu nennen. Dort, wo sie vorkommen,
sind sie jedoch sehr eindringlich, weil sie schlicht, eben, wie aus dem Leben
gegriffen´sind: die Stiefel, die von einem zum anderen wandern (und mit
ihnen der Tod); die Schmetterlinge; Frauen - sie bilden so etwas wie Gegenpole
in der Welt des Chaos und des Untergangs. An einem Beispiel sei das
verdeutlicht: “Einen ganzen Vormittag spielen zwei Schmetterlinge vor
unserem Graben. Es sind Zitronenfalter, ihren gelben Flügel haben rote
Punkte. Was mag sie nur hierher verschlagen haben; weit und breit ist keine
Pflanze und keine Blume. Sie ruhen sich auf den Zähnen eines Schädels
aus...” (S. 120 ).
Auch wenn die “roten Punkte” wie
Einschusslöcher anmuten, aus denen Blut tropft, und der Totenschädel
das ewig nahe Sterben signalisiert: noch ist Paul Bäumer auf der Seite der
Lebenden und mit ihm ein Teil seiner Kameraden, obwohl sie längst nicht
mehr so sorglos sind wie etwa die jubilierenden Lerchen, die jeden Morgen
“zwischen der Front” aufsteigen. - Ungezählte fallen
täglich. Insgesamt stellt sich auch sprachlich der Roman “Im Westen
nichts Neues” als ein beeindruckendes Werk dar, ohne jede Allüre und
Prätention geschrieben. Die Wirkung, die auch heute noch, 70 Jahre nach
seinem Erscheinen, von ihm ausgeht, scheint ein hinreichender Beleg nicht allein
für das Interesse der Leserschaft an einer spannenden Thematik zu sein.
2.2 Die detaillierte sprachliche Analyse einer
typischen Passage
Remarque beschränkt sich im wesentlichen auf die
Gestaltung von “Standardsituationen”, d. h. eine Reihe typischer
Situationen, die in gleicher oder ähnlicher Weise fast alle ehemaligen
Frontsoldaten erlebt haben und die in ihrer Gesamtheit das Erlebnismuster
“Soldat im Krieg” ausmachen. So lassen sich mühelos einzelne
Erzählsequenzen unter knappen Titeln zusammenfassen wie:
“Essensausgabe”, “Trommelfeuer”,
“Gasangriff”, ”Urlaub”, “Wachtposten”,
“Patrouille”, “Besuch eines Kameraden im Feldlazarett”,
“Ratten”, “Latrine” usw.
Beispiel: Besuch eines Freundes im Feldlazarett (siehe
Anhang).
In der Passage, wie auch im ganzen Roman, fehlen
konkrete historische Daten so gut wie ganz, und mangelnde Orts- und Zeitangaben
machen eine selbst ungefähre Lokalisierung der dargestellten Geschehnisse
unmöglich. Erst am Schluß des Romans werden Jahreszahlen
erwähnt.[4]
Es ist eher ein subjektiver Erlebnisbericht. Das erste Wort des Romans
lautet “wir”, und an diesem “wir” hält der
Ich-Erzähler bis zum Schluß fest, wodurch ihm die repräsentative
Funktion zufällt, nicht über ein nur individuelles Schicksal zu
berichten, sondern für eine Gruppe zu sprechen (“Wir reden noch
einiges...”). Die Ich-Erzählung dient als Wiedergabe unmittelbaren
Erlebens. Außerdem erwähnt der Erzähler die Namen von Kameraden,
ohne sie zu charakterisieren. “Remarque verzichtet weitgehend auf eine
Individualisierung seiner Gestalten, statt dessen erreicht er durch Typisierung
eine gewisse Differenzierung der Gruppenmitglieder, indem er an jeder Person
einen Charakterzug oder ein schmales Bündel von Eigenschaften herausstellt,
auf die er leitmotivisch immer wieder
anspielt.”[5]
Außerdem verwendet er eine einfache und unliterarische Sprache (s. 2.3.).
Die Stiefel verwendet Remarque als Symbol. Sie wandern immer weiter- und mit
ihnen auch der Tod.
2.3 Angemessenheit der sprachlichen Mittel
Die Verbindung von Subjektivität und
Allgemeingültigkeit des Textes lässt sich unter anderem unter dem
Aspekt der Erzählerolle Bäumers darstellen. So bedient Remarque sich
über weite Strecken des Romans einer betont einfachen unliterarischen
Sprache. Nicht nur in den Dialogen, auch im Erzähltext versucht der Autor
die normale, gesprochene Sprache mit ihren Floskeln, Leerformeln und blassen
Wendungen, aber auch ihren z. T. recht drastischen Ausdrücken und
Vergleichen nachzubilden: “das schafft”, er “bietet das Essen
direkt an”, “leerkriegen”, “bis zum Rand gestrichen
voll”, “wir rücken dem Kerl auf den Leib”, “es
hätte bestimmt Kleinholz gegeben”. Remarque will gerade den
gewählten Ton und die gepflegte Sprache der Literatur vermeiden, will nicht
literarisch sein, sondern nur gebräuchliche, aber im allgemeinen nicht
literaturfähige Wendungen reproduzieren. Außerdem ist der Text
durchsetzt des Soldatenjargons wie: “Langrohr und dicke Brocken”,
“Küchenkarl”, “Gulaschmarie”,
“Bouillonkeller” usw. Dies aus Umgangssprache und Jargon abgestimmte
Niveau der Remaqueschen Diktion weist den Erzähler als einen einfachen
Soldaten aus, der wie alle oder doch die Mehrzahl der Frontsoldaten spricht und
somit ehrlich und nicht durch literarische Ambitionen geleitet das Geschehen
ungeglättet und wirklichkeitsgetreu wiedergibt.
3.1 Die Biographie des
Autors:
Erich Maria Remarque (Paul Remark)
Geburtstag: 22.06.1898
Geburtsort: Osnabrück
Geburtsland: Deutschland
Todestag: 25.09.1970 in Locarno
Erich Maria Remarque gehört zu den erfolgreichsten
deutschsprachigen Roman-Autoren unseres Jahrhunderts. Seine Bücher
erreichten Millionenauflagen und wurden in zahlreichen Sprachen übersetzt.
Seinen Weltruhm begründete er mit der fiktiven Aufbearbeitung seiner
Erlebnisse im Ersten Weltkrieg, dem Bestseller “Im Westen nichts
Neues” . In nur wenigen Monaten erreichte dieses 1929 erschienene Buch
riesige Auflagen.
Keinem anderem deutschen Roman gelang es, solche
Verkaufszahlen zu erringen. Die erschütternde Geschichte wurde bereits 1930
von Lewis Milestone und 50 Jahre später von Delbert Mann verfilmt. Der bis
zu diesem Zeitpunkt völlig unbekannte Autor wurde über Nacht einer der
meistdiskutierten und umstrittenen Schriftsteller der späten Weimarer
Republik. Vor allem nationalistische und rechtsradikale Parteien machten sein
Antikriegsbuch zu einem öffentlichen Thema. Seine Jugend verbrachte
Remarque im norddeutschen Osnabrück wo er mit seinen Schwestern Erna und
Elfriede aufwuchs. Schon früh wurde Remarque mit Büchern konfrontiert,
denn sein Vater Peter Franz Remark übte das Handwerk des Buchbinders aus.
Nach seiner Schulzeit besucht Remarque das katholische
Lehrerseminar und veröffentlicht im Juni 1916 mit “Aus der
Heimat” eine erste Geschichte im Osnabrücker
“Heimatfreund”. Im November wird er zur Armee einberufen, ein halbes
Jahr später hat er einen Einsatz an der Westfront. Am 31. Juli 1917 wird
Remarque durch einen Granatsplitter verwundet und liegt deshalb bis November
1918 in einem Lazarett in Duisburg. Seit 1918 schreibt Remarque Gedichte,
Kurzgeschichten und Reiseskizzen, ab 1919 setzt er seine Lehrerausbildung fort.
1920 erscheint sein Künstlerroman “Die Traumbude”, zwei Jahre
später verläßt Remarque Osnabrück und geht als Werbetexter
Redaktuer zu den Continental-Gummiwerken nach Hannover. 1924 zieht es Remarque
nach Berlin, dort arbeitet er für “Sport im Bild” und eine
Vielzahl weiterer Zeitungen. 1925 heiratet er seine erste Frau Ilse Jutta
Zambona, von der er sich allerdings schon 1930 wieder scheiden laßt. Und
dann erscheint der Roman, der ihn weltberühmt macht: “Im Westen
nichts Neues”. Und als die Verfilmung von Lewis Milestone am 4.12.1930 in
Berlin Premiere feiert, kommt es zu ersten massiven Störungen durch
nationalistische SA-Schläger unter der Leitung des späteren
Reichspropagandaministers Josef Göbbels.
Für Remarque ist dies das Zeichen, Deutschland zu
verlassen, 1931 kauft er am Lago Maggiore die “Casa Monte Tabor” in
Porto Ronco/Tessin. Der Schriftsteller sollte mit seiner Entscheidung Recht
behalten haben: Am 10.Mai 1933 werden seine in Berlin öffentlich
verbrannt.
Nach längeren Reisen in Frankreich, Österreich
und Italien erscheint 1938 sein Roman “Drei Kameraden”. Als Remarque
im Sommer 1938 aus dem deutschen Reich ausgebürgert wird, geht er knapp ein
Jahr später - inzwischen ist er das 2. Mal mit Ilse Jutta Zambona
verheiratet - in die USA ins Exil. Bis einschließlich 1943 lebt er in Los
Angeles, danach in New York. In dieser Zeit erscheint auch sein Roman
“Liebe deinen Nächsten”(1941). Kurz nach dem Wohnsitzwechsel
nach N. Y. erhält Remarque eine schreckliche Nachricht: Seine Schwester
Elfriede wird am 16.12.1943 wegen “Wehrkraftzersetzung” von
Volksgerichtshof-Präsident Freisler zum Tode verurteilt und in
Berlin-Plötzensee hingerichtet. Für ihn auch ein Grund, 1944 eine
Schrift über die Möglichkeiten und Methoden der politischen Erziehung
der Deutschen nach dem Zusammenbruch des Faschismus für den Amerikanischen
Geheimdienst zu schreiben(“Practical Educational Work in Germany after the
War”). Ein Jahr später erscheint der Roman “Arc de
Triomphe”, die Geschichte eines emigrierten deutschen Chirurgen in Paris
der sich in seinem Leben auf nichts mehr einlassen will, schließlich aber
doch der Liebe erliegt. Das Buch wurde Remarques größter Erfolg nach
“Im Westen nichts Neues” und wurde 1948 von Lewis Milestone
verfilmt.
1947 erwirbt der Schriftsteller die
US-Staatsbürgerschaft und kehrt 1948 nach Europa zurück. Doch er ist
heimatlos, pendelt zwischen Porto Ronco und N.Y. hin und her. 1952 dann
erscheint sein KZ-Roman “Der Funke Leben”, 1954 folgt “Zeit
zu leben, Zeit zu sterben”. Im gleichen Jahr stirbt Remarques Vater, zur
Beerdigung kehrt er nach Osnabrück zurück. Anfang 1955 reist Remarque
nach Wien, wo er die Dreharbeiten zu Georg Wilhelm Pabsts “Der letzte Akt
“ beobachtet, denn Pabst inszeniert nach seinem Drehbuch. Im
drauffolgendem Jahr erscheint sein nächster Roman “Der schwarze
Obelisk. Geschichte einer verspäteten Jugend”.
1957 reist Remarque nach Berlin, denn dort dreht Douglas
Sierk nach seinem Drehbuchentwurf von ihm “Zeit zu leben,Zeit zu
sterben”, in dem er auch eine Nebenrolle spielt. Inzwischen ist der
Schriftsteller das 2. Mal von seiner Frau I. J. Zambona geschieden und heiratet
am 25.2.´58 die US-Schauspielerin und Ex-Chaplin- Ehefrau Paulette Goddard.
Drei Jahre später erscheint sein Roman “Der Himmel kennt keine
Günstlinge” und ´63 “Die Nacht von Lissabon”. Es
soll seine letzte Veröffentlichung bleiben, erst nach seinem Tod bringt
Paulette Goddard-Remarque den Roman “Schatten im Paradies” heraus.
Seine letzte Ruhe fand Erich Maria Remarque auf dem Bergfriedhof in
Ronco.[6]
3.2 Die Stellung des Werkes in der Vita des
Autors
”Mit dem Roman “Im Westen nichts
Neues” befreite sich E. M. Remarque im Jahr 1928 von den stets
verdrängten, in seinem Innern aber unablässig wach gebliebenen
Schrecken der Fronterlebnisse. In dem Roman verdichtete Remarque sein ganzes
Denken und Fühlen gegen den Krieg das Buch geriet zu einem sensationellen
Bestseller, zu dem Antikriegsroman überhaupt. Remarque hatte sein Thema
gefunden; über Nacht waren Buch und Autor weltbekannt.“IM WESTEN
NICHTS NEUES” wurde Remarques Schicksalsbuch. Nicht allein ,weil
schlagartig der Schriftsteller Remarque befreit war; auch nicht, weil das Buch,
millionenfach verkauft - ihn zu einem wohlhabendem Mann machte: aber an diesem
Roman wurde Remarque mit seinem gesamten weiteren Schaffen gemessen und, weitaus
existentieller, das Buch trug ihm den Hass der Nazis ein, die fortan verhetzten,
verfolgten und nun vier Jahre später als ´entarnten
Künstler´ auf ihren Index setzten. Seine Bücher wurden verbrannt.
Es mag grotesk anmuten, wenn man sich vergegenwärtigt, dass knapp 25 Jahre
später ein anderes Buch des Autors “Der Funke Leben”, ebenfalls
aus politischen Gründen (freilich ganz anders motiviert) in der
Bundesrepublik Deutschland gleichermaßen unwillkommen
war.”[7]
4. Bewertungen
4.1 Die Bedeutung der Inhalte für das
Leserpublikum
4.1.1 Ist die Thematik ein abstruser Einzelfall
oder wird mit dem Besonderen (Individuellen) auch Allgemeines
(Gesellschaftliches) erfaßt ?
Zwischen 1917 und 1930, aber auch in den Jahren vor
Beginn des 1. Weltkrieges, entstanden zahlreiche Gedichte, Dramen,
Erzählungen und Romane, in denen sich (deutschsprachige) Autoren mit dem
Schrecken des Krieges auseinandersetzen. Remarques “Im Westen nichts
Neues” zählt dabei zu den Büchern, die - zehn Jahre nach dem
Ende des 1. Weltkrieg veröffentlicht - dieses Thema noch einmal sehr
spät aufgriffen. Eigentlich hatte die Öffentlichkeit das Interesse an
diesem Thema längst verloren. Eine neue Epoche war heraufgezogen, die der
“Weimarer Republik”. Sie neigte sich sogar schon wieder ihrem Ende
zu, als Remarques Roman erschien. Deutschland stand vor einem schroffen Wechsel
der Verhältnisse: und es würde nicht mehr als vier Jahre dauern, bis
Adolf Hitler die Geschicke Deutschlands bestimmen würde. Gewiss, es war
eine bewegte Zeit, aber der Krieg schien in weite Ferne zu sein.
“Die weitaus größte Anzahl von Texten
zum Thema “Krieg” entstand in den Jahren zwischen 1914 und ´19,
der Epoche des Expressionismus”. In ihr lassen sich grob vier Tendenzen
beschreiben, die einander ablösten oder ineinander
übergingen:
a) schonungslose Kritik an den Machtspielen
Deutschlands;
b) Appell und Aufschwung zu einem “Sozialismus der
Herzen”;
c) realistisch gezeichnete Schreckensbilder des
Krieges;
d) Aufrufe zur Revolution; scharfe
Anti-Kriegsliteratur.
Zunächst überwogen Gedichte und Dramen. Namen
wie Ernst Barlach, Georg Kaiser, Else Lasker-Schüler, Georg Trakl oder
Franz von Unruh und Franz Werfel waren die Namen der Zeit. Bald jedoch wurde das
Thema in allen literarischen und außerliterarischen Genres vorgetragen -
in Erzählungen, Romanen, Flugblättern und
Pamphleten.”[8]
Nach 1919 wandte man sich auch anderen Themen und
Problemen zu (u.a. der Russischen Oktoberrevolution des Jahres 1917); dennoch
wirkte der 1. Weltkrieg stark nach. Allmählich drängte dabei die
erzählende Literatur alle übrigen literarischen Ausdrucksformen
zurück.
4.1.2 Gelingt über die gewählten Inhalte
die Kontaktaufnahme zur Leserin / zum Leser ?
Die Kontaktaufnahme zum Leser/ zur Leserin gelingt, da
der Roman sehr aufwendig geschrieben ist und es über den gesamten Text eine
Steigerung gibt und ein Höhepunkt auf den anderen folgt. Der Roman ist
außerdem ziemlich packend geschrieben und man selber einbezogen wird, da
der Text wie ein Tagebuch geschrieben ist. Man ist von dem Buch so gepackt, dass
man es eigentlich gar nicht mehr weglegen will, sondern es am liebsten direkt
ganz durchlesen will. Es ist außerdem eine Thematik, die eigentlich jeden
anspricht.
4.2 . DIE BEDEUTUNG DER STILISTIK FüR DIE
REZIPIENTEN: “LESBAR” ODER NICHT ?
Obwohl Remarque sich hauptsächlich auf die
Darstellung von Standardsituationen beschränkt wiederholt er sich nicht. Er
gliedert deutlich und setzt Akzente. Auf diese Weise hat Remarque es verstanden,
ein äußerst facettenreiches und viele Aspekte umfassendes Bild des
Krieges darzustellen. Remarque verwendet die stilistischen Mittel angemessen,
und auch beispielsweise die Sprache ist für jeden verständlich.
5. SKIZZE EINES PRODUKTORIENRIERTEN
INTERPRETATIONSANSATZES
Der politisch-soziale Hintergrund der Entstehungszeit des Romans:
Zur adäquaten Deutung der durch Remarques Roman ausgelösten
Kriegsbuchkonjunktur wie auch zum Verständnis der heftigen politischen
Auseinandersetzung mit dem Buch ist eine Erörterung der
gesellschaftspolitischen Situation am Ende der 20er Jahre
unerläßlich. Es gibt gerade über die Endphase der Weimarer
Republik mehrere Spezialuntersuchungen, anhand derer der Krisenzustand und das
Krisenbewußtsein der Zeit detailliert erläutert werden kann.
Insbesondere ist zu verweisen auf die Verbreitung der nationalistischen Losung
“Im Felde unbesiegt” und der Dolchstoßlegende, die 1924/25
größte Publizität erfuhr. Dem gegenüber dringen die
kriegsfeindlichen und pazifistischen Stimmen über einen engen Kreis
engagierter Intellektueller kaum hinaus, während die kommunistische
Arbeiterbewegung nur den imperialistischen Krieg, nicht aber den Krieg
überhaupt ablehnt und breite bürgerliche Schichten dem Krieg und dem
Militarismus weitgehend positiv gegenüberstehend und die im Krieg geborenen
Tugenden der Kameradschaft, des Kampfgeistes und der Opferbereitschaft in
ehrenvoller Erinnerung halten möchten. Erst vor diesem Hintergrund der
Verdrängung bzw. der Verklärung des Kriegsleidens wird die provokative
Wirkung von “Im Westen nichts Neues” für die Epoche seiner
Entstehung deutlich und das Bemühen der Rechtskräfte
verständlich, diesem Erfolgsroman das “wahre” Kriegserleben
entgegensetzen zu müssen.
Der biographische Gehalt des Romans
Remarque war weder aufgrund eigener Kriegserfahrung noch
aufgrund seiner literarischen Entwicklung dazu prädestiniert, einen
Kriegsroman zu schreiben Nicht politisches Bewußtsein oder politische
Wirkungsabsicht hat ihn zur literarischen Gestaltung des Krieges geführt,
sondern Experimentierlust, was sicher zu der weitgehend unpolitischen und
ahistorischen Darstellung des Krieges beigetragen und mit dazu geführt hat,
dass der Krieg aufgrund der lebensphilosophischen Gedankenwelt des Autors
vorzüglich als eine extreme Herausforderung des Lebens erscheint. Im Rahmen
dieses Themenkreises wäre nun der Widerspruch zwischen den Kundgaben des
Autors und dem tatsächlich gegebenen autobiographischen Gehalt des Romans
zu thematisieren, weiterhin die nicht miteinander übereinstimmenden
Mitteilungen Remarques über den Anlaß des Schreibens. Der Widerspruch
resultiert aus der gewählten literarischen Form und dem
zeitgenössischen Erwartungshorizont. In diesem Zusammenhang sind evtl. auch
die bes. Rezeptionsbedingungen von Kriegsliteratur überhaupt zu
thematisieren, also das Problem, inwieweit gerade von dieser Art Leteratur ein
bes. hohes Maß an Authentizität verlangt und von den Autoren
versprochen wird.[9]
6. Zusammenfassende Darstellung der
Rezeptionsgeschichte
Remarques Antikriegsroman "Im Westen nichts Neues"
gehört zu den bekanntesten Schilderungen des Stellungskrieges im ersten
Weltkrieg (1914 - 1918).
Als Gedankenstütze: In aller Offenheit werden die
Erlebnisse des jungen Soldaten Paul Bäumer und seiner Freunde schonungslos
brutal bzw. wahrheitsgetreu geschildert. Der Roman ist in der Ichform
geschrieben und in verschiedene Abschnitte wie Schützengraben, Heimaturlaub
oder Kameradschaft gegliedert. Das Buch erscheint wie ein Tagebuch, in
Wirklichkeit jedoch ist die Figur des Paul Bäumer erfunden. Allerdings
läßt Remarque seine eigenen Kriegserlebnisse mit in das Buch
einfließen und bringt reale Personen wie Himmelstoß mit in seinen
Roman ein. Allein der Schluß ist nicht tagebuchartig geschrieben. Er
beschränkt sich auf einen kurzen Bericht, der aussagt, daß Paul
Bäumer gefallen sei, der Krieg jedoch weitergehe und sein Tod keinerlei
Einfluß auf das Weltgeschehen habe. Dieses Ende steigert die Dramatik des
Buches noch einmal erheblich.
Das Erscheinen des Romans kurz nach dem Ersten Weltkrieg
rief bei den Lesern äußerst gegensätzliche Reaktionen hervor.
Vielen Menschen half er die Schrecken der Granaten und Nahkämpfe zu
verarbeiten, andere leugneten die dunklen Seiten des Krieges [falls es
überhaupt eine helle geben sollte (Anmerkung des Verfassers der
Hausarbeit)] und griffen den Autor persönlich an. Es gab einige ziemlich
schwachsinnige Zeitungsartikel, die Remarque als Deserteur, Kriegsuntauglichen
und Juden beschimpft haben, und es wurde ihm vorgeworfen, "die deutschen
Soldaten grausamer Handlungen zu beschuldigen, deren sie niemals fähig
gewesen wären - denn der deutsche Soldat war bekannt für schmerzlosen
Nahkampf und humanes Trommelfeuer (Kasper Hauser [d.i. Kurt Tucholsky] in: die
Weltbühne, Berlin, 11.06.1929)"
"Er beginnt damit, daß die Schüler von einem
Lehrer, welcher selbst als Drückeberger dargestellt wird, zur Meldung als
Kriegsfreiwillige bewogen werden. Bei der Ausbildung in der Kaserne ist fast nur
von einem Unteroffizier die Rede, der ein vollendeter Menschenschinder ist,
andere Vorgesetzte, welche durch ihr Beispiel Begeisterung bei den jungen Leuten
wecken konnten, fehlen. Bei sämtlichen Erlebnissen an der Front sind nur
die schaurigsten Ereignisse gemalt; der Frontsoldat wird als ein in seinen
Gewohnheiten fast zum Tier gewordenes, stumpfsinniges Wesen dargestellt, dem
jeder Zug heldischen Geistes und vaterländischer Gesinnung vollständig
abgeht. Bei der Schilderung eines Urlaubs wird in der Heimatgarnison nur ein
Stabsoffizier beschrieben, der in übertriebener Weise den
übermüdet aus der Sommerschlacht zurückkommenden Frontsoldaten
schurigelt und ihm droht, er werde ihm die verfluchten Frontmanieren schon
austreiben. Schöne und erhebende Erlebnisse fehlen gänzlich (Graf von
Schlieffen in: Deutsches Adelsblatt, 16.03.1929).
Wenn man solche Artikel liest, kann man nachvollziehen,
wie es zum Zweiten Weltkrieg kommen konnte. Allerdings bringen diese
Zeitungsausschnitte so unglaubwürdige Argumente, daß den Schreibern
dieser Texte so manch lange Nase gewachsen sein muß. Die meisten ihrer
Vorwürfe verwirft man sowieso, wenn man das Buch gelesen hat; z.B.:
Remarque stellt keineswegs alle Offiziere als Schinder dar. Er lobt sogar die
außerordentliche Tapferkeit eines Kompanieführers, der sich selbstlos
für seine Truppen opferte.
Es gab auch viele positive Rückmeldungen in Form
von Leserbriefen, deren Verfasser schrieben, daß ihnen der Roman sehr
geholfen habe, ihre eigenen Kriegserfahrungen zu verdauen. Im Westen nichts
Neues wird in den Briefen mit dem Denkmal des unbekannten Soldaten verglichen.
Zitat aus dem Anhang: "Die fiktiven Romanfiguren Remarques, insbesondere seine
Haupthelden, lassen eine Fülle autobiographischer Bezüge aufleuchten.
Es ist eine besondere Technik Remarques, Fiktion und Wirklichkeit das eigenen
Erlebens so zu vermengen, daß eine neue fiktive Realität entsteht,
die aufgrund ihrer selbsterfahrenen autobiogarphischen Anteile besonders
überzeugend
wirkt."[10]
7. Zusammenfassendes Urteil
(“Leseempfehlung”)
Ich finde das Buch sehr interessant, und würde es
auf jeden Fall weiterempfehlen, weil es sehr spannend geschrieben ist und die
Erlebnisse des Paul Bäumers und seinen Kameraden ziemlich packend und
mitreißend geschildert sind. Remarque stellt die Thematik (s.1.1.)
realitätsnah dar. Wie bereits erwähnt , ist auch die Sprache, in Bezug
auf die Thematik angemessen. Nicht umsonst wird “Im Westen nichts
Neues” als das beste Antikriegsbuch betitelt.
Anhang:
Textpassage, auf die sich in 2.2. bezogen wird.
Besuch eines Freundes im Feldlazarett (Auszüge der
Seiten 19-22):
Bevor wir zu Kemmerich aufbrechen, packen wir seine
Sachen ein; er wird sie unterwegs gut brauchen können. Im Feldlazarett ist
großer Betrieb; es riecht wie immer nach Karbol, Eiter und Schweiß
(...).
(...);er liegt in einem Saal und empfängt uns mit
einem schwachen Ausdruck von Freude und hilfloser Aufregung. Während er
bewußtlos war, hat man ihm seine Uhr gestohlen. Müller schüttelt
den Kopf:“Ich habe dir ja immer gesagt, dass man eine so gute Uhr nicht
mitnimmt.
Müller ist etwas tapsig und rechthaberisch. Sonst
würde er den Mund halten, denn jeder sieht, dass Kemmerich nicht mehr aus
diesem Saal herauskommt (...).
Wir sehen auf seine Decke. Sein Bein liegt unter einem
Drahtkorb, dass Deckbett wölbt sich dick darüber. Ich trete
Müller gegen das Schienbein, denn er brächte es fertig, Kemmerich zu
sagen, was uns die Sanitäter draußen schon erzählt haben: dass
Kemmerich keinen Fuß mehr hat. Das Bein ist amputiert.
Er sieht schrecklich aus, gelb und fahl, im Gesicht sind
schon die fremden Linien, die wir so genau kennen, weil wir sie schon hundertmal
gesehen haben (...).
Unter der Haut pulsiert kein Leben mehr;(...).
(...);ich denke daran, wie wir damals abfuhren. Seine
Mutter (...) brachte ihn zum Bahnhof.
(...) Müller taucht mit einem Paar Fliegerstiefel
wieder auf. (... )
Müller ist von ihrem Anblick begeistert ( ... ) und
fragt : “ Willst du denn die Stiefel mitnehmen ,
Franz ?” Wir denken alle drei das gleiche: selbst
wenn er gesund würde, könnte er nur einen gebrauchen, sie wären
für ihn also wertlos.
(...) “Wir können sie ja umtauschen”,
schlägt Müller wieder vor, “hier draußen kann man so was
brauchen”. Doch Kemmerich ist nicht zu bewegen. (...)
Ich trete Müller auf den Fuß; er legt die
schönen Stiefel zögernd wieder unter das Bett. Wir reden noch einiges
und verabschieden uns dann. (...)
Wir halten draußen einen Sanitäter an und
reden ihm zu, Kemmerich eine Spritze zu geben. Er lehnt ab. (...) Ich
drücke ihm (...), noch ein paar Zigaretten in die Hand.
(...)
“Na, schön”, sagt er.
(...)
“Erledigt”, sagt Müller
abschließend.
Wir gehen zu unseren Baracken zurück.
Literaturverzeichnis
Quelle 1: Erich Maria Remarque,
“Im Westen nichts Neues”, Kiepenheuer & Witsch, 1. Auflage 1998,
Köln
Quelle 2: Modellanalysen: Literatur
Remarque . “Im Westen nichts
Neues”. Ein Bestseller der Kriegsliteratur im Kontext.
Hubert Rüter. - Paderborn,
München, Wien, Zürich: Schöningh, 1980.
(Modellanalysen: Literatur; 4)
Quelle 3: Blickpunkt. Text im
Unterricht.
Erich Maria Remarque - “Im Westen
nichts Neues”
Kommentare, Diskussionsaspekte und
Anregungen für produktionsorientiertes Lesen
Beyer Verlag, 96142 Hollfeld, 1998
Quelle 4 : Internet, Seite:
www.prisma-online.de/cgi-
bin/tvguide.cgi?F=DB§ID=pecbe85769309DF49A
Quelle 5:
www.germany.net/teilnehmer/100/117926/deutsch4.htm
[1] aus: Quelle 2,
“Modellanalysen”, Seite 84 f. ; siehe Anhang
[2] zur Hilfe genommen:
Quelle 5 (s. Anhang)
[3] aus: Quelle 3:
“Blickpunkt”, Seite 32 ; außerdem zu Hilfe genommen Quelle 3,
Seite 31 ff.
[4] aus: Quelle 1, Seite
197 f.; 204
[5] aus: Quelle 2,
“Modellanalysen”, Seite 73
[7] aus: Quelle 3,
“Blickpunkt”, Seite 16/17
[8] aus: Quelle 2,
“Blickpunkt”, Seite 7/8
[9] aus: Quelle 2,
“Modellanalysen”, Seite 183/84
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