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Die Europäische Wirtschafts- und Währungsunion und
Privatgymnasium der Ursulinen
Salzburg
Die Europäische Wirtschafts- und
Währungsunion
und ihre Auswirkungen auf
Österreich
Fachbereichsarbeit aus Geographie und
Wirtschaftskunde
vorgelegt bei
Mag. Heidemarie Soucek
von Teresa Schinwald
Köstendorf, am 06. Januar
1999
Vorwort
Durch mein Elternhaus, sozusagen “erblich vorbelastet”,
interessiere ich mich sehr für die wirtschaftlichen Vorgänge in
Österreich und Europa. Die Europäische Wirtschafts- und
Währungsunion hat sich für mich als DAS große Thema der
letzten Jahre herauskristallisiert, und die Entwicklung Österreichs und
Europas wird von ihrem Ausgang maßgeblich beeinflußt. Als Grundlage
für das bessere Verständnis der Prognosen habe ich sowohl kurz die
historische Entwicklung der monetären Integration, als auch eine
Darstellung der ökonomischen Theorien in den Aufbau der Arbeit einbezogen.
Da die Vollendung der Wirtschafts- und Währungsunion noch bevorsteht und
ständig neue Details bekanntgegeben werden, mußte ich den
Jahreswechsel 1996/97 als Redaktionsschluß nehmen und konnte über das
zukünftige Geschehen nur Voraussagen treffen. Um schließlich die
Auswirkungen der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion auf die
einzelnen Bereiche der Volkswirtschaft möglichst authentisch darzustellen,
habe ich jeweils einen Vertreter aus den Bereichen Landwirtschaft, Industrie und
Dienstleistung um seine Meinung zu diesem Thema gebeten.
Ich danke hiermit:
Karl Krenn für die lebendige Darstellung der Situation in der
Landwirtschaft,
Mag. Wolfgang Stier, der mir die Situation eines Industriebetriebs
erklärte, und
Günter Lange, der mir die Sehweise eines Einzelhändlers
näherbrachte,
für ihre freundliche Bereitschaft, mir auf meine Fragen zu
antworten.
Für kritische Denkanstöße und für die Hilfestellung
bei der Verarbeitung dieses Themas danke ich Frau Mag. Heidemarie
Soucek.
Mein ganz besonderer Dank gilt meinem Vater Dir. Mag. Hans Schinwald, der
mir die Möglichkeit gab, das Bankenseminar über die Europäische
Wirtschafts- und Währungsunion im Rahmen des Forums Alpbach zu besuchen,
mir mit Rat und Tat jederzeit zur Verfügung stand.
Köstendorf, am 18. Februar 1997 Teresa Schinwald
Inhaltsverzeichnis
1. Teil: Entwicklung und gesetzliche
Grundlagen
2. Teil: Ausblick auf die möglichen Entwicklungen
und Veränderungen in der EWU
Einleitung
In weniger als zwei Jahren wird es in einigen Ländern der
Europäischen Union nur noch eine Währung als Buchgeld und wenig
später auch als Bargeld geben. Die bisher gebräuchlichen
Währungen, der Schilling, die D-Mark und der französische Franc
werden ihre Gültigkeit verlieren und durch eine europäische
Währung, den Euro, ersetzt. Dies wird zu einer noch nie dagewesenen
Verflechtung der nationalen Volkswirtschaften in einem einzigen
Währungssystem führen und alle Bereiche des öffentlichen Lebens
nachhaltig beeinflussen. Die Wirtschaft, die Unternehmen und jeder einzelne
Konsument sind von dieser Umstellung betroffen.
Wir alle müssen uns darauf einstellen, und doch wissen die wenigsten,
was auf sie zukommen wird. Die Bevölkerung ist verunsichert, und es gibt
viele offene Fragen. Welche Länder werden an der Währungsunion
teilnehmen? Wie stabil wird der Euro sein? Was will man damit erreichen? Die
größte aller Fragen ist aber diese: Welche Auswirkungen wird die
Währungsunion auf mich, auf mein Unternehmen, auf Österreich und
schließlich auf Europa haben?
Der erste Teil dieser Arbeit befaßt sich mit der Entwicklung und den
gesetzlichen Grundlagen der Europäischen Wirtschafts- und
Währungsunion, während im zweiten Teil versucht wird, Szenarien und
Prognosen zu entwickeln, sowie einen Ausblick auf die bevorstehenden
Veränderungen in Österreich zu
geben.
1. Teil: Entwicklung und gesetzliche
Grundlagen
DIE ENTWICKLUNG MONETäRER INTEGRATION INNERHALB DER EUROPäISCHEN
UNION[1]
DIE ERSTEN ANSäTZE
Der Gedanke einer Währungsunion in Europa begann erstmals 1962 im
“Aktionsprogramm der Europäischen Gemeinschaft für die zweite
Stufe des Gemeinsamen Marktes” der EG-Komission Gestalt anzunehmen. Dessen
Ziel war eine nicht näher spezifizierte Währungsunion für eine
dritte Stufe eines gemeinsamen Marktes. Dieses Aktionsprogramm beinhaltete
jedoch nur Maßnahmen zur Förderung der Konvergenz der
Wirtschaftspolitik und sollte nur auf nationaler Ebene umgesetzt werden. Die
vorrangige Aufgabe war die Wahrung der Wechselkursstabilität, welche
bereits in den Römer Verträgen von 1957 zum gemeinsamen Ziel
erklärt worden war. Wechselkursschwankungen stellten insbesonders für
die Agrarpolitik der damaligen EG ein großes Problem dar, da sie zu
starken Preis- und Einkommensverschiebungen zwischen den Landwirtschaftssektoren
der einzelnen Mitgliedsstaaten
führten.
DER WERNER-PLAN
Verstärkt durch die sich abzeichnende Auflösung des Bretton
Woods-Systems fixierter Wechselkurse Ende der 60er Jahre, wurde auch innerhalb
der EG der Druck auf das anfangs relativ stabile Wechselkursgefüge
stärker. Um Währungsturbulenzen entgegenzuwirken, einigten sich die
EG-Staaten 1969 auf den sogenannten Werner-Plan zur Einführung einer
Wirtschafts- und Währungsunion. Dabei wollte Frankreich vor allem wegen der
positiven Auswirkungen auf den Agrarmarkt sofort fixe Wechselkurse, während
Deutschland primär eine Konvergenz der Teilnehmerstaaten anstrebte.
Diese differenten Auffassungen hinsichtlich der Durchführung sowie der
Zusammenbruch des Bretton Woods-Systems im Jahr 1971 führten in der Folge
zur Aufgabe des
Werner-Plans.
DIE “WäHRUNGSSCHLANGE IM TUNNEL”
In den 70er Jahren folgten weitere, meist ergebnislose Versuche zur
Stabilisierung der Währungen. 1972 lancierte man die sogenannte
“Währungsschlange im Tunnel”, welche den bilateralen
Wechselkursschwankungen zwischen den europäischen Währungen Grenzen
setzen und damit auch die Schwankungsbreite gegenüber dem Dollar einengen
sollte. Dieses System hielt jedoch der Ölkrise 1974 nicht
stand.
DAS EUROPäISCHE WäHRUNGSSYSTEM (EWS)
Seitdem wurden mehrere Versuche unternommen, das währungspolitische
Vorgehen der EG-Staaten zu koordinieren. Auf deutsch-französische
Initiative trat schließlich am 13. März 1979 das
Europäische Währungssystem in Kraft. Es sollte monetäre
Stabilität bringen, die Abhängigkeit der EG-Staaten untereinander
überwinden und die monetäre Integration Europas langfristig
vorantreiben. Aus diesem Grund legte der Wechselkursmechanismus eine enge
Schwankungsbreite der Wechselkurse von 2,5% fest. Dazu wurde die
Europäische Währungseinheit (ECU) geschaffen, an dem sich die
Wechselkurse orientieren sollten. Praktisch war jedoch die D-Mark die
Meßlatte des Systems. Auch wenn Österreich zu diesem Zeitpunkt noch
nicht Mitglied des EWS war, war die weitere Entwicklung des EWS für den
österreichischen Markt von großer Bedeutung, da der Schilling schon
damals eng an die D-Mark gekoppelt war. Gleichzeitig wurden Abmachungen
über wechselseitige Interventionspflichten der Notenbanken getroffen, d. h.
wenn die Schwankungsbreite überschritten war, mußten die Notenbanken
der teilnehmenden Länder die stärkeren Währungen verkaufen und
die schwache Währung kaufen. Mit Hilfe von Realignements (Anpassungen der
Leitkurse) wurde diese Interventionspflicht vor allem zu Beginn des EWS
umgangen.
Im Laufe der 80er Jahre stabilisierte sich das EWS mit der Überwindung
der globalen Inflationsspirale und es wurde zu einem wirksamen Mittel zur
Bekämpfung einer hohen Inflationsrate, da der stabile Wechselkurs zur
D-Mark die Inflation niedrig hielt.
Im Jahr 1990 trat auch Großbritannien dem EWS bei. Gleichzeitig
reduzierte Italien die Schwankungsbreite der Lira von ursprünglich 6% auf
2,5%.
Die Krise des EWS 1992/93
Im September 1992 trat eine massive Krise innerhalb des EWS auf. Die
festgelegten Wechselkurse waren dem Druck auf das System, der infolge von immer
größer werdenden Inflationsdifferenzen und der Deutschen
Wiedervereinigung entstand, nicht mehr gewachsen. Das Haushaltsdefizit in
Deutschland war sprunghaft größer geworden, und infolge dessen waren
die Zinssätze dramatisch angestiegen, die wiederum hohen Druck auf alle
Zinssätze in Europa ausübten. Dies ließ sich nicht mit den
Paritäten des EWS vereinbaren, vor allem, weil die anderen Mitglieder des
EWS nicht mitziehen konnten oder wollten. Dazu kamen die ersten Zweifel
über das Zustandekommen des Vertrages von Maastricht und somit auch einer
Europäischen Währungsunion. Das hatte eine Serie von massiven
Wechselkursverschiebungen zur Folge, die zu einem Austritt Großbritanniens
und Italiens aus dem EWS führten.
Nach einer weiteren Spekulationskrise im Juli 1993 wurde die
Schwankungsbreite im EWS schließlich auf 15% erweitert. Damit hatte das
EWS seine Stabilität endgültig verloren und war als
Inflationsreglement faktisch außer Kraft
gesetzt.
DER VERTRAG VON MAASTRICHT
DER WEG ZUM
BINNENMARKT
Im Juni 1985 wurde das Weißbuch zur Vollendung des Europäischen
Binnenmarktes von der EG-Komission unterbreitet, und bereits im Februar des
darauffolgenden Jahres wurde die Einheitliche Europäische Akte als
Ergänzung der Gründungsverträge der Europäischen
Gemeinschaft unterzeichnet. Diese beinhaltete u. a. die Verwirklichung des
Binnenmarktes durch eine Europäische Wirtschafts- und Währungsunion.
Anläßlich des EG-Gipfels im Juni 1988 beauftragte der
Europäische Rat eine Arbeitsgruppe von Notenbankpräsidenten und
Wirtschaftswissenschaftlern unter dem Vorsitz von Jaques Delors, dem
Präsidenten der EG-Komission, den Weg zu einem gemeinsamen Markt zu
konkretisieren. Im März 1989 wurde schließlich der Delors-Report
vorgelegt, der einen dreistufigen Weg zur Erreichung einer Europäischen
Wirtschafts- und Währungsunion vorschlug. Der Rat billigte diesen
Vorschlag, und im Dezember 1989 wurde auf einem EG-Gipfel in Rom die Einberufung
einer Regierungskonferenz beschlossen, welche die dazu notwendigen
Änderungen in den “Römer Verträgen” ausarbeiten
sollte.
DIE 1. STUFE 1990-1993
Die erste Stufe trat bereits am 1. Juli 1990 in Kraft und beinhaltet im
wesentlichen eine umfassende Liberalisierung des Kapitalverkehrs und eine engere
Kooperation der Geld-, Finanz- und Wirtschaftspolitik der einzelnen
EG-Mitgliedstaaten, um langfristig wirtschaftliche Stabilität zu
gewährleisten. Die Teilnahme aller Mitgliedstaaten am EWS wurde forciert,
bis jetzt aber konnte dieses Ziel noch nicht verwirklicht
werden.
DER VERTRAG üBER DIE EUROPäISCHE UNION
Der Vertrag über die Europäische Union (EU) wurde im Dezember
1991 in der niederländischen Stadt Maastricht von den Regierungschefs der
EG-Mitgliedsstaaten ausgearbeitet und am 7. Februar 1992 unterzeichnet. Er
stellt eine Erweiterung und Ergänzung der Verträge von Rom
hinsichtlich der organisatorischen Basis der EU dar.
Der Vertrag beinhaltet im allgemeinen eine gemeinsame Außen- und
Sicherheitspolitik, eine abgestimmte Innen- und Rechtspolitik und eine
gemeinsame Agrar- und Strukturpolitik. Im Mittelpunkt des Vertrages steht jedoch
zweifellos die Errichtung einer Wirtschafts- und Währungsunion in einen
Binnenmarkt mit Hilfe der Einführung einer einheitlichen Währung und
einer Europäischen Zentralbank bis spätestens 1. Jänner 1999.
Ziel des Binnenmarktes ist:
“Eine harmonische und ausgewogene Entwicklung des Wirtschaftslebens
innerhalb der Gemeinschaft, ein beständiges, nichtinflationäres und
umweltverträgliches Wachstum, einen hohen Grad an Konvergenz der
Wirtschaftsleistungen , ein hohes Beschäftigungsniveau, ein hohes Maß
an sozialem Schutz, die Hebung der Lebenserhaltung und der Lebensqualität,
den wirtschaftlichen und sozialen Zusammenhalt und die Solidarität zwischen
den Mitgliedstaaten zu
fördern” [2]
Mit der Ratifizierung des Vertrages verpflichten sich die Mitgliedstaaten,
ihre Wirtschaftspolitik innerhalb des Binnenmarktes nach dem Grundsatz einer
offenen Marktwirtschaft mit freiem Wettbewerb zu koordinieren. Die
Grundsätze dieser Wirtschaftspolitik sollen “stabile Preise, gesunde
öffentliche Finanzen und monetäre Rahmenbedingungen sowie eine
dauerhafte finanzierbare Zahlungsbilanz” [3]
sein.
Um eine größtmögliche Übereinstimmung der einzelnen
Volkswirtschaften bis zum Inkrafttreten der Wirtschafts- und Währungsunion
zu erreichen, bzw. ein Zeugnis über die Fähigkeit einer
Landeswährung, an einer stabilen gemeinsamen Währung teilzunehmen, zu
erhalten, hat man sich auf die Schaffung sogenannter Konvergenzkriterien
geeinigt. Sie beziehen sich auf Preisniveaustabilität, stabile
Wechselkurse, die Annäherung der langfristigen Zinssätze sowie die
Sicherung der Budgetdisziplin durch Obergrenzen für die nationalen Defizite
und den Schuldenstand: [4]
Inflationsrate:
Die durchschnittliche Inflationsrate eines Staates darf im Jahr vor der
Eintrittsprüfung durch den Europäischen Rat höchstens 1,5
Prozentpunkte über dem Mittelwert der drei preisstabilsten Länder
liegen. Als Maßstab wird der Verbraucherpreisindex auf vergleichbarer
Basis verwendet. Der Schwellenwert beträgt in diesem Fall 2,1% (Stand Mai
1996) [5].
Wechselkurs
Die Währung eines Mitgliedstaates muß mindestens zwei Jahre lang
vor der Konvergenzprüfung unter Einhaltung der normalen Bandbreite von 15%
am Wechselkursverband des EWS teilgenommen haben. Die Landeswährung darf
nicht auf Initiative des Beitrittskandidaten abgewertet worden sein.
Zinsen
Die durchschnittliche Rendite langfristiger Staatsanleihen eines
Mitgliedstaates darf im Verlauf eines Jahres vor dem Konvergenztest nicht mehr
als zwei Prozentpunkte über dem Durchschnitt der entsprechenden Zinsen in
den drei Ländern mit den niedrigsten Inflationsraten liegen. Der
Schwellenwert beträgt momentan 9,3% (Stand Mai
1996) [6].
Budgetdefizit der öffentlichen Haushalte
Das jährliche Budgetdefizit der öffentlichen Hand darf 3% des BIP
nicht übersteigen,
“es sei denn, daß
- entweder das Verhältnis erheblich und
laufend zurückgegangen ist und einen Wert in der Nähe des
Referenzwerts erreicht hat,
- oder der Referenzwert nur ausnahmsweise und
vorübergehend überschritten wird und das Verhältnis in der
Nähe des Referenzwerts
bleibt.”[7]
Schuldenstand
der öffentlichen Hand
Der gesamte Schuldenstand der öffentlichen Hand darf nicht höher
als 60% des BIP sein, es sei denn, die Quote ist hinreichend
rückläufig und nähert sich rasch genug dem
Referenzwert. [8]
Die Kommission ist verpflichtet, die Haushaltslage und den
öffentlichen Schuldenstand zu überwachen und im Fall einer
Nichteinhaltung der Kriterien einen Bericht zu erstellen. Bei gravierenden
Übertretungen wird dem Europäischen Rat eine Stellungnahme vorgelegt,
der infolge dessen Empfehlungen zur Sanierung des Staatshaushalts abgibt und
gegebenenfalls auch Strafen verhängen
kann. [9]
Alle Mitgliedstaaten haben sich mit der Ratifizierung verpflichtet, an
einer Währungsunion teilzunehmen, sobald es ihre Wirtschaftslage erlaubt.
Nur für das Vereinigte Königreich und Dänemark, die beide durch
Volksentscheid bzw. Parlamentsbeschluß den Vertrag in seiner
ursprünglichen Form abgelehnt hatten, gilt die sogenannte
“opting-out”-Klausel. Sie können, aber sie müssen nicht an
der dritten Stufe der Währungsunion teilnehmen.
Österreich hat sich, genauso wie alle anderen EU-Staaten, mit der
Unterzeichnung des Beitrittsvertrages zur EU zu einer mit den Zielen des
Vertrages von Maastricht abgestimmten Wirtschaftspolitik verpflichtet. Da dies
erst im Sommer 1994 geschah, also nach Beginn der zweiten Stufe der EWU, konnte
Österreich wie Finnland und Schweden keinen Einfluß auf die
Gestaltung des Vertrages nehmen, sondern mußte ihn akzeptieren, wie er
1992 von den anderen EU-Staaten aufgesetzt worden war. Die österreichischen
Wähler haben am 12. Juni 1994, bei der Volksabstimmung über den
Beitritt zur EU, auch den Vertrag von Maastricht im ganzen mit
überwältigender Mehrheit angenommen. Die von manchen
österreichischen Politikern geforderte Volksabstimmung über die
Einführung des Euro hat also in Wirklichkeit schon stattgefunden, nur ist
diese Tatsache den meisten bis heute nicht
bewußt.
DER STUFENPLAN ZUR EUROPäISCHEN WäHRUNGSUNION
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DIE 2. STUFE 1994-1998
Seit dem 1. Jänner 1994 läuft die zweite Stufe, die
hauptsächlich als Vorbereitungsphase für die “Übertragung
von Entscheidungsbefugnissen von den nationalen Instanzen auf eine
Gemeinschaftsorganisation” [11] in einer
Währungsunion dienen soll, und dauert bis spätestens 31. Dezember
1998. In dieser Zeit sind alle EU-Staaten und seit dem 1. Jänner 1995 auch
der EU-Neuling Österreich angehalten, die Konvergenzkriterien zu
erfüllen, und sie haben die Voraussetzungen für die
Unabhängigkeit ihrer nationalen Zentralbanken zu schaffen. Die
Unabhängigkeit der OeNB wird grundsätzlich durch das
Nationalbankgesetz (§41 NBG) [12]
garantiert, und die Mindestfunktionsperiode des Nationalbankpräsidenten
entspricht mit fünf Jahren den Bestimmungen des Vertrages von Maastricht.
In seinem letzten Bericht über die Konvergenz fordert das EWI jedoch
noch eine Anpassung in Hinblick auf das Recht des Staatskommissärs, die
Rechtmäßigkeit des Handelns der Bank zu überprüfen, und die
Zusammensetzung des Generalrates. [13] Der hohe
Anteil von Vertretern aus verschiedenen Industriezweigen, die nicht
ausschließlich der OeNB verpflichtet sind und aus diesem Grund die
Interessen Dritter in geldpolitische Entscheidungen einfließen lassen
könnten, ist nach Meinung des EWI mit den Satzungen über die
Unabhängigkeit der EZB noch nicht gänzlich vereinbar.
Zu den wichtigsten Maßnahmen zählt die Gründung des
Europäischen Währungsinstitutes (EWI) als Vorläufer der
künftigen Europäischen Zentralbank (EZB).
Das Europäische Währungsinstitut
Mit Beginn der zweiten Stufe löst das Europäische
Währungsinstitut (EWI) den Ausschuß der Präsidenten der
Zentralbanken und den Europäischen Fonds für währungspolitische
Zusammenarbeit (EWFZ) ab. [14] Das EWI ist eine
von den Organen der EU und den Regierungen der Mitgliedstaaten unabhängige
Organisation, deren Mitglieder die nationalen Zentralbanken sind. Es wird von
einem Rat geleitet und verwaltet, der aus einem Präsidenten, Alexandre
Lamfalussy, und den Präsidenten der 15 nationalen Zentralbanken besteht.
Der Sitz des EWI ist Frankfurt am Main.
Österreich ist genau wie alle anderen EU-Staaten Mitglied beim EWI und
hat aus diesem Grund bereits Anfang 1995 formal ein Fünftel der heimischen
Goldreserven beim EWI hinterlegt. Österreich hat dafür im Gegenzug
eine Gutschrift in ECU erhalten und ist damit am EWI beteiligt. Diese Reserven
werden nach wie vor von der OeNB verwaltet, und alle Erträge fließen
allein der OeNB zu.
Wichtige Aufgaben des EWI sind:
“ die Zusammenarbeit zwischen den nationalen Zentralbanken zu
verstärken,
die Koordinierung der Geldpolitiken der Mitgliedstaaten mit dem Ziel zu
verstärken, die Preisstabilität aufrechtzuerhalten,
das Funktionieren des Europäischen Währungssystems zu
überwachen,
Konsultationen zu Fragen durchzuführen, die in die Zuständigkeit
der nationalen Zentralbanken fallen und die Stabilität der Finanzinstitute
und -märkte berühren;
die Aufgaben des Europäischen Fonds für Währungspolitische
Zusammenarbeit (...) zu übernehmen (...),
[und] die Verwendung des ECU zu erleichtern
(...)” [15]
Im Hinblick auf die dritte Stufe muß das EWI Bestimmungen im
statistischen Bereich harmonisieren, eine einheitliche Geld- und
Währungspolitik technisch möglich machen, die Effizienz des
grenzüberschreitenden Zahlungsverkehrs fördern und Regeln für die
Geschäfte der nationalen Zentralbanken im Rahmen des Europäischen
Systems der Zentralbanken (ESZB) ausarbeiten.
Zur Erfüllung seiner Aufgaben kann das EWI Stellungnahmen abgeben,
Empfehlungen aussprechen, Leitlinien verabschieden und auch verbindliche
Entscheidungen erlassen.
Der Übergang in die Europäische Währungsunion
Klarheit über das genaue Übergangsszenario von den nationalen
Währungen in die EWU brachte die Gipfelkonferenz der Regierungschefs der
Mitgliedstaaten im Dezember 1995 in Madrid. Zuerst wurde über den Namen der
Einheitswährung abgestimmt, der als Kompromißlösung
“Euro” lauten wird. Für das Übergangsszenario orientierte
man sich am Vorschlag des EWI, der auf fünf Grundsätzen beruht.
- Der rechtliche Rahmen muß mit dem Vertrag von Maastricht
übereinstimmen.
- Der Übergang muß benutzerfreundlich und für alle
Bürger glaubwürdig sein.
- Er muß kostengünstig und wirkungsvoll sein, sowie
Wettbewerbsverzerrungen vermeiden.
- Er muß die Umsetzung der einheitlichen Geld und Währungspolitik
erleichtern
- Den privaten Unternehmen und Personen ist es bis zum Ende der
Übergangsfrist freizustellen, den Euro zu verwenden, um eigene Mechanismen
der Währungsumstellung entwickeln zu
können.[16]
Der
Übergang zum Euro wird für alle Mitgliedstaaten, so auch für
Österreich, in drei Phasen nach einem verbindlichen Zeitplan ablaufen, der
durch vier Schlüsseltermine begrenzt
wird.
Phase A
Die erste Phase beginnt mit der Entscheidung des Europäischen Rates
über den Teilnehmerkreis der Europäischen Währungsunion, die
voraussichtlich Anfang 1998 stattfinden wird, und der Bestätigung des
Starttermins. Bis zum Beginn der dritten Stufe am 1. Jänner 1999
müssen aber noch zahlreiche Vorbereitungen getroffen werden.
Der Ministerrat hat eine Reihe von Gesetzen zu erlassen, welche die Art und
den Zeitplan der Währungsumstellung, die Rechtsverbindlichkeit der
Umrechnungskurse sowie den rechtlichen Status des Euro betreffen. Sie werden mit
dem Beginn der dritten Stufe im ganzen Währungsbereich anwendbar
sein.
Die österreichische Regierung muß in dieser Zeit
überprüfen, ob ihre Rechtsvorschriften mit dem Vertrag von Maastricht
übereinstimmen und die nationalen Bestimmungen gegebenenfalls entsprechend
anpassen.
Das Europäische System der Zentralbanken und die Europäische
Zentralbank
Unmittelbar nach der Eintrittsentscheidung wird die Europäische
Zentralbank (EZB) und das Europäische System der Zentralbanken (ESZB) als
Nachfolgeorganisation des Europäischen Währungsinstituts errichtet.
Das ESZB besteht aus der EZB und den nationalen Notenbanken.
Das Entscheidungsgremium der EZB ist der Rat der EZB. Außer den
Notenbankpräsidenten der EU-Staaten gehören ihm der Präsident,
der Vizepräsident und vier weitere Mitglieder des Direktoriums an. Diese
werden von den Regierungen “aus dem Kreis der in Währungs- oder
Bankfragen anerkannten und erfahrenen
Persönlichkeiten” [17] unmittelbar
nach der Entscheidung über den Teilnehmerkreis ernannt. Die EZB ist
unabhängig und darf keine “Weisungen von Organen oder Einrichtungen
der Gemeinschaft, Regierungen der Mitgliedsstaaten oder anderen Stellen einholen
oder entgegennehmen.” [18] Aus diesem
Grund muß die Amtszeit eines nationalen Notenbankpräsidenten im
EZB-Rat mindestens fünf Jahre
betragen [19]. Die Amtszeit der Mitglieder des
Direktoriums ist auf acht Jahre beschränkt und einmalig. Es besteht jedoch
eine Rechenschaftspflicht gegenüber der Öffentlichkeit und den Organen
der EU: Vierteljährlich muß ein Bericht aufgelegt werden und dem
Europäischen Parlament, der Europäischen Kommission und dem Rat der EU
ein Jahresbericht über die Geld- und Währungspolitik vorgelegt
werden. [20] Der EZB-Rat legt die Richtlinien
für die Geldpolitik fest, während das Direktorium für die
Umsetzung verantwortlich ist.
Das vorrangige Ziel der EZB ist es, die Preisstabilität
aufrechtzuerhalten., wie es wiederholt im Vertrag über die Europäische
Union gefordert wird. [21] Sie soll die
allgemeine Wirtschaftspolitik unterstützen, soweit dies ohne eine
Gefährdung der Preisstabilität möglich ist, und ist den
Grundsätzen der EU, wie nichtinflationärem Wachstum, einer hohen
Konvergenz der Wirtschaftsleistungen und einem hohen Beschäftigungsniveau
verpflichtet. Im übrigen muß die EZB nach dem Grundsatz einer offenen
Marktwirtschaft mit freiem Wettbewerb [22]
handeln.
Die grundlegenden Aufgaben der EZB sind die Festlegung der Geldpolitik der
Gemeinschaft, die Durchführung von Devisengeschäften, das Halten und
die Verwaltung der offiziellen Devisenreserven der Mitgliedstaaten, wichtige
Beraterfunktionen, wie z. B. die Bankenaufsicht wahrzunehmen sowie die
Förderung eines reibungslosen Funktionierens der
Zahlungssysteme. [23] Dazu gehört auch die
Emission von Banknoten und Münzen, welche der Genehmigung durch die EZB
bedarf. Das Münzregal verbleibt jedoch bei den Nationalbanken.
Die laufende Wechselkurspolitik wird von der EZB allein bestimmt, der Rat
der Wirtschafts- und Finanzminister (ECOFIN-Rat) darf lediglich Empfehlungen
geben. Betrifft es jedoch Wechselkursbeziehungen zu Drittländern, also
grundsätzliche Entscheidungen über das Wechselkursregime, so
entscheidet der ECOFIN-Rat in Abstimmung mit der EZB. Dies wird besonders die
Wechselkurse zu EU-Staaten, die noch nicht von Anfang an in der EWU sind,
betreffen.
Die EZB kann Verordnungen über die Berechnung und Bestimmung des
Mindestreservesolls [24] erlassen. Die
Notenbanken können Währungsreserven im Wert von maximal 50 Mrd. Euro
bei der EZB hinterlegen. Schlüssel für den Beitrag ist der Anteil am
Kapital der EZB, der sich nach der Bevölkerungszahl und der
Wirtschaftskraft eines Landes richtet. Über den Rest der Reserven kann die
Notenbank weiter frei verfügen. Die Gewinne der EZB werden ebenfalls
gemäß dem Anteil unter den Teilnehmern aufgeteilt.
Die EZB trägt weiters die Verantwortung für eine modifiziertes
EWS II, das bis jetzt jedoch noch nicht näher verifiziert
wurde.
DIE DRITTE STUFE 1999-2002
Die Europäische Währungsunion beginnt in den vom
Europäischen Rat bestimmten Teilnehmerstaaten mit dem 1. Jänner 1999.
An diesem Tag legt der Rat aufgrund eines einstimmigen Beschlusses der
EU-Staaten, mit Ausnahme von Dänemark und dem Vereinigten Königreich,
unwiderruflich die Wechselkurse der einzelnen Landeswährungen zum Euro
fest. Die nationalen Währungen sind von da an nur noch ungerade
Ausdrucksformen einer einzigen Währung. Die Umrechnungskurse werden mit
sechs signifikanten Stellen
angenommen. [25]
Phase B
Ebenfalls am 1. Jänner 1999 geht die gemeinsame Geldmarktpolitik von
den nationalen Notenbanken auf das ESZB über. Es soll vor allem die
Verwendung des Euro auf Devisenmärkten fördern und die Entstehung
eines Geldmarktes in Euro forcieren. Die nationalen
Großbetragszahlungssysteme sollen zu diesem Zweck mit dem von der ESZB
bereitgestellten “Echtzeit-Brutto-System” für den
Zahlungsverkehr TARGET (= Trans-European Automated
Real-Time Gross Settlement Express Transfer
System) operieren.
Die Buchgeldumstellung wird den Marktgegebenheiten überlassen. De
facto wird es möglich, jederzeit von der nationalen Währung in den
Euro zu wechseln, da alle Bankkonten in beiden Währungen geführt
werden müssen und die Landeswährung nur eine Denomination des Euro
ist.
Ab dem Zeitpunkt, ab dem die Teilnehmerstaaten feststehen, beginnt die
Vorbereitungszeit auf die Währungsumstellung, besonders im Banken- und
Finanzsektor, aber auch in der Privatwirtschaft.
Phase C
Die letzte Phase beginnt mit der Einführung der Euro-Banknoten und
-Münzen im Austausch gegen das nationale Bargeld, die spätestens drei
Jahre nach Beginn der Währungsunion, also am 1. Jänner 2002,
stattfinden wird. Der genaue Zeitpunkt wird vom Europäischen Rat zu Beginn
der dritten Stufe festgelegt. Das neue gesetzliche Zahlungsmittel und das alte
nationale Bargeld werden bis zu sechs Monate in einer Dualitätsphase
parallel laufen, und alle Preise werden in beiden Währungen angeschrieben
sein. So lange hat man auch Zeit, seine Schillinge zu dem bereits festgelegten
Wechselkurs in Euro zu wechseln.
Die Phase C endet an dem Tag, an dem die nationale Währung ihren
Status als gesetzliches Zahlungsmittel verliert, also spätestens am 1. Juli
2002. Dieses Datum ist der Abschlußtermin für die
Währungsumstellung in allen Wirtschaftssektoren. Die Banken stellen alle
Konten in den Währungen, die im Euro aufgehen, auf Euro um. Der Euro wird
das alleinige gesetzliche Zahlungsmittel. Die von da an ungültigen
nationalen Währungen können aber noch auf Jahre hinaus bei den
Nationalbanken in Euro umgetauscht werden.
2. Teil: Ausblick auf die möglichen
Entwicklungen und Veränderungen in der
EWU
SZENARIEN üBER DIE GRüNDERSTAATEN UND DEN VERLAUF DER
WäHRUNGSUNION SOWIE IHRE AUSWIRKUNGEN AUF ÖSTERREICH
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Jeder Staat, der an der EWU teilnehmen will, muß zuerst alle
Konvergenzkriterien erfüllen. Das ist bis jetzt nur Luxemburg gelungen.
Österreich hat, obwohl es zu den wahrscheinlichen Gründungsmitgliedern
der EWU gezählt wird, noch nicht alle Konvergenzkriterien erfüllt. Die
Inflationsrate, die Wechselkursentwicklung und die Renditen langfristiger
Staatsanleihen sind zwar innerhalb der Grenzen für die Konvergenz, doch die
Neuverschuldung und der Anteil der Staatsschulden am BIP überschreiten
deutlich die Referenzwerte. Um diese 1997, dem für die Entscheidung
über den Teilnehmerkreis wichtigen Jahr, zu erreichen, muß
Österreich, wie die meisten anderen EU-Staaten auch, finanzpolitische
Kunstgriffe in der Budgetpolitik durchführen.
1992 betrug die Neuverschuldung Österreichs nur 1,9% des BIP und die
gesamte Staatsschuld belief sich auf 59,8%. Seitdem hat sich aber die allgemeine
wirtschaftliche Lage verschlechtert und das Budgetdefizit stieg auf 4,3% des
BIP, bzw. die Bruttoverschuldung des Staates auf 71,7% des
BIP [27].
Österreich muß deswegen in den Jahren 1996 und 1997 eine
erhebliche Konsolidierung des Budgets erreichen, wenn es von Beginn an an der
dritten Stufe der Währungsunion teilnehmen will. Dies will die
österreichische Regierung mit Hilfe des Sparpakets erreichen, eines
Zweijahresbudgets, das im österreichischen Staatshaushalt Einsparungen
vorsieht, damit Österreich Ende 1997 die Konvergenzkriterien erreichen
kann. Sollte die Konsolidierung scheitern, wäre mit einem Anstieg des
Zinsdifferentials gegenüber Deutschland und Druck auf den Schilling zu
rechnen.
Die Entscheidung, welche Staaten an einer Währungsunion teilnehmen
dürfen, ist nicht allein wirtschaftlicher Natur, sondern hängt vor
allem von verschiedensten politischen Interessen ab. Aus diesem Grund wird in
der Diskussion um die EWU mit vier Szenarien
argumentiert.
DIE HARTWäHRUNGSUNION
Dieses Szenario geht von der Einhaltung des Starttermins der EWU am 1.
Jänner 1999 aus. Bei der Entscheidung des Europäischen Rates über
die Teilnehmer an der gemeinsamen Währung würden die
Konvergenzkriterien nur geringfügig aufgeweicht und der
Interpretationsspielraum, den der Vertrag von Maastricht im Artikel 104.2
zuläßt, nicht voll genutzt. Das heißt, daß alle Kriterien
bis auf den Staatsschuldenstand streng interpretiert würden. In diesem Fall
würden die Kernländer der Währungsunion Deutschland, die
Benelux-Staaten, Irland, Finnland und Österreich sein, sowie
Frankreich, da ohne Frankreich keine Währungsunion denkbar wäre. Das
Vereinigte Königreich und Dänemark könnten, was die
Erfüllung der Kriterien betrifft, auch von Anfang an daran teilnehmen, doch
das scheitert momentan am politischen Widerstand in beiden
Ländern.
Wenn es zu einer Hartwährungsunion kommt, könnten die
Währungen jener Länder, die nicht von Anfang an dabei sind, unter
Abwertungsdruck geraten. Dies würde zu einer ernsthaften Störung des
Binnenmarktes kommen und den Konvergenzprozeß der Nichtteilnehmer
beeinträchtigen, sofern nicht ein EWS II zur Verhinderung einer solchen
Abwertung geschaffen wird.
Da etwa 50% des österreichischen Außenhandels auf die in Frage
kommenden Länder entfällt, würde die Einsparung an
Transaktionskosten bei Unternehmen und Privaten im Geld- und Devisenwechsel, im
Zahlungsverkehr und bei der Kurssicherung nach Schätzungen der
Creditanstalt etwa 8 - 10 Mrd. Schilling betragen.
Die österreichische Exportwirtschaft, die in den letzten Jahren
verstärkt unter den Abwertungstendenzen von Weichwährungsländern
wie Italien gelitten hat, würde in diesem Fall relativ wenig Schutz
erhalten. Währungen, wie der französische oder belgische Franc, sowie
das irische Pfund, die innerhalb der letzten 20 Jahre starke Abwertungstendenzen
gegenüber dem Schilling aufwiesen, aber an einer Hartwährungsunion
teilnehmen würden, haben nur einen geringen Anteil von ca. 5% an der
Außenhandelsbilanz. Die gravierenden Abwertungen der letzten Jahre wurden
jedoch in Weichwährungsländern wie Italien durchgeführt, weshalb
eine Hartwährungsunion der österreichischen Exportwirtschaft keinen
direkten Schutz bieten
würde.
DIE GROßE WäHRUNGSUNION
Auch bei dieser Variante wird vom bisherigen Starttermin ausgegangen,
allerdings würde der gesamte Interpretationsspielraum bei der Bewertung der
Konvergenz ausgenutzt werden, um möglichst allen EU-Staaten eine Teilnahme
an der Währungsunion von Anfang an zu ermöglichen. Das betrifft vor
allem die Länder Südeuropas und Schweden. Derzeit erscheint diese
Variante wenig wahrscheinlich, da vor allem die Hartwährungsländer,
allen voran Deutschland und auch Österreich, sich weigern, die
Stabilität und Sicherheit ihrer Währungen aufs Spiel zu
setzen.
Im Vergleich zu einer Hartwährungsunion wäre in diesem Szenario
der Schutz der österreichischen Exportwirtschaft vor möglichen
Abwertungen viel höher, da auch die Weichwährungsländer am
Währungsverband teilnehmen würden. Die Wechselkursschwankungen von
traditionellen Abwertungsländern wie Italien, Spanien, Portugal,
Großbritannien und Schweden, auf die immerhin 15% der
österreichischen Exporte fallen, wären keine Gefahr mehr für
Österreich. Somit wären insgesamt 68% der österreichischen
Importe und 65% der Exporte von Abwertungen und der damit verbundenen
kostenintensiven Währungsabsicherung
befreit.
DIE VERSCHIEBUNG DES STARTTERMINS
Falls sich das Konjunkturumfeld stark verschlechtern würde und/oder
die Hartwährungsländer eine strenge Interpretation durchsetzen
würden, so daß nur wenigen Staaten die Konvergenzkriterien
erfüllen könnten, wäre eine Verschiebung des Starttermins
denkbar. Da dies jedoch mit einem enormen Glaubwürdigkeitsverlust verbunden
wäre, kämen die Auswirkungen denen eines Scheiterns der
Währungsunion
nahe.
DAS SCHEITERN DER WäHRUNGSUNION
Diese Variante ist sehr unwahrscheinlich, aber nicht völlig
auszuschließen. Sie wäre dann möglich, wenn es neben permanenter
Krisen im EWS zum Erlahmen des politischen Willens zur Währungsunion kommen
würde. Die darauf folgende Revision des Vertrags von Maastricht würde
einen Rückschlag für den europäischen Integrationsprozeß
bedeuten, der bei weitem nicht nur eine Wirtschaftsunion umfaßt, sondern
auch eine koordinierte Umwelt-, Verkehrs- und Energiepolitik, die durchzusetzen
ein wichtiges Anliegen für Österreich ist. Die für
Österreich eminent wichtige Osterweiterung würde sicherlich um Jahre
verzögert werden und auch nicht den gewünschten Stabilitätseffekt
bringen. Im schlimmsten Fall kann mit dem Zusammenbruch der EU im ganzen
gerechnet werden.
Da unmittelbar nach einem Scheitern der Währungsunion zunehmende
Wechselkursschwankungen zu erwarten wären und die Möglichkeit eines
Auseinanderbrechens des EWS nicht mehr auszuschließen wäre,
würde dies auf längere Sicht eine Schädigung der Wirtschaft in
den Hartwährungsländern wie Österreich bedeuten. Dies zeigt ein
Beispiel der letzten Jahre, wo besonders die Industrie unter den Abwertungen in
den Weichwährungsländern gelitten hat, was eine allgemeine
Unsicherheit, Wachstumseinbußen sowie eine steigende Zahl der
Beschäftigungslosen zur Folge
hatte.
DAS AKTUELLE SZENARIO (STAND: DEZEMBER 1996)
Im Laufe des Jahres 1996 machte sich unter Wirtschaftsfachleuten eine
wachsende Zuversicht über den pünktlichen Start der Währungsunion
breit. Man rechnet jetzt im allgemeinen mit einer Hartwährungsunion, auch
wenn Weichwährungsländer wie Italien und Finnland mit ihrem Beitritt
zum EWS in den letzten Monaten ein deutliches Signal in Richtung
Währungsunion gesetzt haben.
Vor allem die deutschen Regierung, die eine strenge Position einnimmt,
will das Vertrauen in die Stabilität der D-Mark auf den Euro
übertragen und ist deshalb zu wenigen Zugeständnissen bereit. Es
wurden dennoch Kompromisse bei der Regierungskonferenz in Dublin im Dezember
1996 vor allem in der heiklen Frage des Stabilitätspaktes erzielt. Die vom
deutschen Finanzminister Theo Waigel geforderten Strafen beim Überschreiten
der Drei-Prozent-Grenze bei der Neuverschuldung wird es nicht geben. Man wird
gemäß Artikel 104c des Vertrages von Maastricht vorgehen.
“Ist die Kommission der Auffassung , daß in einem Mitgliedstaat
ein übermäßiges Defizit besteht (...), so legt sie dem Rat eine
Stellungnahme vor. Der Rat entscheidet mit qualifizierter Mehrheit [ 62 von 87
Stimmen;, ohne das “angeklagte” Land] (...) nach der
Prüfung der Gesamtlage, ob ein übermäßiges Defizit
besteht” [28]
Daraufhin muß der betreffende Mitgliedstaat Maßnahmen zu
Reduktion des Defizits präsentieren. Falls er sein Defizit weiterhin nicht
saniert, ist der EU-Rat berechtigt, eine Geldbuße in der Höhe von
0.2% bis 0.5% des BIP einzuheben. Diese wird vorerst nur vom Mitgliedstaat bei
der Gemeinschaft hinterlegt werden, und nur wenn das Defizit weiterhin nicht
ausreichend verringert wird, wird sie eingezogen. Ausnahmen werden nur bei
unvorhersehbaren Einflüssen gemacht, wie etwa Naturkatastrophen und einem
BIP-Rückgang von über 1,5%, und nicht 2%, wie es Deutschland gefordert
hatte [29].
Für Österreich stellt der Stabilitätspakt eine
zusätzliche Versicherung gegen eine Instabilität des Euro dar, weil
“wenn Österreich seine Finanzen nicht in Ordnung hält, ist das
für die Stabilität des Euro relativ egal, im Fall eines großen
Landes würde Österreich hingegen
mitleiden” [30], wie der damalige
Finanzminister Viktor Klima auf der Regierungskonferenz in Dublin betonte.
Würde Österreich im Rahmen des Stabilitätspaktes für seine
Budgetsünden bestraft werden, “wären das bei unserem derzeitigen
Defizit etwa sechs bis zwölf Milliarden
Schilling” [31], so der
Finanzminister.
Überraschenderweise ist das Design des österreichischen
Graphikers Robert Kalina für die künftigen Euro-Banknoten
ausgewählt worden. Die Banknotenserie zeigt Tore, Fenster und Brücken
in verschiedenen europäischen Baustilen. (siehe Titelblatt)
Im Jänner 1997 ist man vom Erreichen der Konvergenzkriterien noch ein
gutes Stück entfernt. Schuld daran ist unter anderem die durch den
EU-Beitritt erzwungene Statistikumstellung, welche das BIP des Jahres 1995 um
rund 80 Millionen Schilling mehr verringerte als geplant. Das hatte einerseits
zu Folge, daß beim EU-Beitrag 1,5 Milliarden Schilling eingespart wurden,
aber sowohl die Neuverschuldung als auch die Staatsschuld erhöhten sich
stärker als angenommen. Um das BIP wieder anzuheben, plant das
Finanzministerium, die Schattenwirtschaft, gemeinhin “Pfusch”
genannt, früher als vorgesehen ins BIP einzubeziehen. Das BIP würde
dadurch 1997 um vier bis neun Prozent steigen, und die Referenzwerte
könnten leichter erreicht werden. Allerdings würde sich auch der
EU-Beitrag erhöhen. [32]
DAS VERHäLTNIS
ZWISCHEN DEN “INS” UND DEN “OUTS”
Zu dem Zeitpunkt, an dem die WWU in Kraft tritt, wird es auch Länder
geben, die entweder freiwillig, wie das Vereinigte Königreich und
Dänemark, oder weil sie die Konvergenzkriterien nicht erfüllen
konnten, nicht daran teilnehmen. Deshalb müssen auch Strategien entwickelt
werden, die das Verhältnis zwischen den sogenannten “Ins” und
den “Outs” regeln.
Die nichtteilnehmenden Staaten sollen die Stabilität des Euro nicht
gefährden. Gleichzeitig muß die Möglichkeit für einen
späteren Einstieg der “Outs” gewahrt bleiben, wie es auch im
Vertrag von Maastricht gefordert wird.
“Mindestens einmal alle zwei Jahre bzw. auf Antrag eines
Mitgliedstaats, für den eine Ausnahmeregelung gilt, berichten die
Kommission und die EZB dem Rat nach dem Verfahren des Artikels 109j Absatz 1
[betrifft die Erfüllung der Konvergenzkriterien]. Der Rat entscheidet (...)
mit qualifizierter Mehrheit, welche der Mitgliedstaaten, für die eine
Ausnahmeregelung gilt, die auf den Kriterien des Artikels 109j Absatz 1
beruhenden Voraussetzungen erfüllen, und hebt die Ausnahmeregelungen der
betreffenden Mitgliedstaaten auf" [33]
Diese Strategie könnte ein reformiertes EWS sein, bisherige Probleme
und Gefahrenquellen des bestehenden wären aber
auszuschließen.
Bei der Regierungskonferenz 1996 in Dublin ist man über folgende
Prinzipien betreffend eines EWS II übereingekommen: Die neue
Ankerwährung des EWS II wird der Euro sein, und die Teilnahme wird nur auf
freiwilliger Basis erfolgen, um bei extremen Wechselkursschwankungen einer der
Teilnehmerwährungen ein Ausklinken aus der Währungsschlange zu
ermöglichen. Die Schwankungsbreite wird weiterhin 15% betragen. Den
einzelnen Staaten sind bilaterale Abkommen über engere Schwankungsbreiten
erlaubt. Dies würde es erleichtern, die Kursschwankungen gegenüber dem
Euro innerhalb vertretbarer Grenzen zu halten. Gerade deswegen würde eine
Partizipation am EWS II die direkte Vorstufe zu einem Beitritt zur EWU
darstellen, da bei einer Annäherung an die Konvergenzkriterien die EZB
begrenzt unterstützend eingreifen kann.
Wenn schlußendlich eine strikte Konvergenz, die im Interesse der
Stabilität des Euro ist, erreicht würde, stünde einer Umwandlung
einzelner nationaler Währungen in den Euro nichts mehr im Weg.
Die Bestimmungen, die das Verhältnis zwischen den “Ins”
und den “Outs” regeln sollen, werden in Österreich besonders
die Handelsbeziehungen mit Italien betreffen. Obwohl es in Italien eine breite
Mehrheit für die Teilnahme an der EWU und Maßnahmen zur Einhaltung
der Konvergenzkriterien, wie den Beitritt zum EWS im Herbst 1996 und die
geplante Einführung einer “Euro-Steuer” zur Konsolidierung des
Budgets gibt, ist es nach wie vor unwahrscheinlich, daß Italien zu den
Gründungsmitgliedern der EWU zählen wird. Der österreichische
Nationalbankpräsident Klaus Liebscher zeigte sich in einem Interview im
Oktober 1996 dennoch zuversichtlich über eine spätere Teilnahme
Italiens an der EWU noch vor dem Ende der Phase B. Allgemein wird die Teilnahme
von Weichwährungsländern, die so extremen Wechselkursschwankungen
unterliegen wie Italien, von den Hartwährungsländern, zu denen auch
Österreich zählt, als zu riskant für die angestrebte
Preisstabilität gesehen. Da Italien aber auch der zweitgrößte
Handelspartner Österreichs ist und die heimische Wirtschaft besonders in
den letzten Jahren unter der anhaltenden Lireabwertung zu leiden hatte, ist ein
frühestmöglicher Beitritt Italiens zur EWU für Österreich
sehr wichtig. Der Großteil der Kosten für die
Währungsabsicherung betrifft in Österreich nicht den Handel mit den
Hartwährungsländern, sondern den mit Weichwährungsländern.
Wenn nun Italien Mitglied der EWU würde, fielen diese weg, und gleichzeitig
wäre mehr Kontrolle der italienischen Wirtschaftspolitik durch die EU
möglich.
ÖKONOMISCHE PROBLEME UND VORTEILE EINER WäHRUNGSUNION
Wirtschaftswissenschaftler beurteilen die möglichen Auswirkungen einer
Währungsunion nach zwei verschiedenen Ansätzen, dem klassischen und
dem monetaristischen. [34]
Im klassischen Ansatz kann ein Staat seine Währung zugunsten einer
Währungsunion dann aufgeben, wenn seine Produktionsfaktoren sehr mobil
sind, die außenwirtschaftliche Verflechtung sehr stark ist und sowohl
Löhne als auch Preise flexibel sind. Bei einer Verschiebung von Angebot und
Nachfrage können Produktionseinschränkungen und Arbeitslosigkeit
auftreten. Die Milderung der Probleme durch eine Abwertung der Währung
wäre nicht mehr möglich.
Weitere Probleme würden zumindest in einer großen
Währungsunion durch das Wohlstandsgefälle und die unterschiedliche
außenwirtschaftliche Verflechtung entstehen. Zur Abdämpfung von
regionalen binnenwirtschaftlichen Schocks müßte ein zentrales
Ausgleichssystem geschaffen werden, das in der EU nur im Agrarbereich vorhanden
ist. In den betreffenden Regionen würde es zu Arbeitslosigkeit und
Einkommenseinbußen kommen, die zu einer Instabilität der
Währungsunion führen könnte. Um dies zu verhindern,
müßte zuerst eine politische Union geschaffen werden
Vom optimistischeren, monetaristischen Ansatz her betrachtet, ist die
Geldpolitik ohnehin überfordert, wenn sie in eine reelle Wirtschaft
eingreifen will, und somit ist das Instrument der Abwertung weitgehend
wirkungslos. Die Regierungen sollten sich aus diesem Grund auf das Ziel einer
niedrigen Inflation beschränken. Die Basis dieser Theorie ist eine
empirische Feststellung, daß Länder, die eine lockere Geldpolitik
praktizieren und häufig abwerten, langfristig Wohlstandseinbußen
erleiden, und somit eine höhere Inflation und eine höhere
Arbeitslosenquote aufweisen.
Das Projekt EWU baut weitgehend auf dem monetaristischen Ansatz auf. Daher
ist eine Hartwährungsunion und “das Europa der zwei
Geschwindigkeiten” vorzuziehen, da sie mit weniger Risiken verbunden sind.
Allerdings müssen die Länder, die 1999 noch nicht an der
Währungsunion teilnehmen, bei ihren Bemühungen, die
Konvergenzkriterien zu erreichen, unterstützt werden, um
Wachstumseinbußen vorzubeugen.
Die praktischen Vorteile einer Währungsunion sind zuallererst am
Wegfall der Transaktions- und Absicherungskosten im Zahlungsverkehr innerhalb
des EWU-Raumes zu sehen. Die Ersparnis wird von der Europäischen Kommission
auf zumindest 0,5% des BIP geschätzt, in Österreich allein sind das
8-10 Mrd. Schilling. Europaweit wird die Ersparnis etwa
200-300 Mrd. Schilling
betragen.
AUSWIRKUNGEN AUF EINZELNE WIRTSCHAFTSTEILNEHMER IN
ÖSTERREICH
DER VERBRAUCHER AM BANKSCHALTER
Für den normalen Verbraucher stellt die Währungsumstellung zum
Euro primär ein anderes Aussehen und eine andere Denomination der
bisherigen Währung dar. Das erfordert eine gewisse Gewöhnungsphase,
welche die im Zeitplan vorgesehene Dualitätsphase sicherlich
überschreiten wird, da sich das innere “Gefühl” für
den Wert einer Währung nicht so schnell umstellen kann. Man könnte
diese Umstellung mit einem Auslandsaufenthalt vergleichen, bei dem man die
Preise in einer Fremdwährung auch nach einem längeren Aufenthalt immer
wieder in seine eigene Währung umrechnet. Aus meiner eigenen Erfahrung kann
ich sagen, daß 100 D-Mark für mich im ersten Augenblick
wertmäßig nicht 700 Schilling darstellen, und dies wiederum kann zu
einer gewissen Sorglosigkeit im Umgang mit Geld führen.
Kredite und Einlagen von privaten Bankkunden werden bis spätestens 30.
Juni 2002 weiter auf Schilling lauten - außer der Kunde wünscht es
anders. An den Konditionen - insbesonders den Zinsen - wird sich unmittelbar
nichts ändern, auch die Kontinuität von Verträgen wird nicht
beeinträchtigt. Das Zinsniveau ist primär von den wirtschaftlichen
Bedingungen in den einzelnen Teilnehmerstaaten abhängig, wobei bereits seit
einiger Zeit eine zunehmende Renditenkonvergenz beobachtet werden
kann [35] und sich eine Stabilisierung der
Zinssätze auf einem niedrigen Niveau erwarten
läßt [36].
Große Verunsicherung zeigen Bankkunden bei langfristigen
Veranlagungen über 1999 hinaus, da der Wert des Euro für diese Anleger
eine nicht kalkulierbare Größe darstellt. Alternative
Anlagewährungen, auch “Fluchtwährungen” genannt, gewinnen
an Bedeutung, und mit der Angst der Anleger vor dem Euro werden bereits
Geschäfte gemacht. [37]
Der endgültige Umtausch von Banknoten und Münzen wird ab dem 1.
1. 2002 von allen Banken unentgeltlich durchgeführt. Von da an fallen wegen
der gemeinsamen Währung in den einzelnen Teilnehmerstaaten
Umtauschgebühren, zum Beispiel vom Schilling in die D-Mark, weg, und ein
direkter Preisvergleich in den Mitgliedsstaaten wird möglich. Wegen der
größeren Transparenz und der Konkurrenz innerhalb der
Währungsunion wird im Finanzdienstleistungsbereich, bei Banken und
Versicherungen, ein Nachgeben der Konditionen, Gebühren und Spesen zu
erwarten sein.
Der Informationsstand und die Informationsvermittlung durch die Banken und die
Österreichische Nationalbank
Der Wissensstand der Österreicher über die Wirtschafts- und
Währungsunion ist bescheiden zu nennen. Viele haben Angst vor einem
Wertverlust ihrer Ersparnisse oder davor, daß die Umstellungskosten
wenigstens zum Teil auf die Konsumenten abgewälzt werden. Diese Ängste
haben meist ihren Ursprung im Unwissen über den Ablauf der Wirtschafts- und
Währungsunion, aber auch einem Mißtrauen gegenüber offiziellen
Stellen und Banken.
Zusätzlich wird diese Angst von politischen Gruppierungen und einigen
auflagestarken Zeitungen weiter geschürt, die versuchen, von dieser Angst
zu profitieren. Zu diesem Zweck wird nicht nur vor den möglichen Risken
gewarnt, sondern es werden bewußt Tatsachen verdreht. Als Beispiel ist ein
Artikel aus der Wochenzeitschrift “Die ganze Woche” anzuführen,
in dem die Beteiligung der OeNB am EWI als
“Verschenken” [38] der
österreichischen Goldreserven bezeichnet wird. Es wird weiters in diesem
Artikel der Eindruck erweckt, daß die OeNB auch die übrigen
Goldreserven ins Ausland
“überwiesen” [39] hat oder
überweisen wird, und es werden im gleichen Atemzug Assoziationen mit der
Beschlagnahmung der österreichischen Währungsreserven im März
1938 durch die Nationalsozialisten hervorgerufen.
Regierungsstellen veröffentlichen zum Thema Währungsunion
erstaunlich wenig, was vermutlich mit der anti-europäischen Stimmung der
Wähler zusammenhängt, wie auch folgendes Zitat belegt:
“The Austrian government is planning a campaign to persuade an
increasingly sceptical Austrian electorate of the advantages of joining the
proposed single European currency. Mr. Franz Vranitzky (...) admitted that the
Freedom party’s success had made the task more
difficult. [40]
Die Österreichische Nationalbank gibt vierteljährlich neue Folder
über die Währungsunion heraus und legt auch kleine Broschüren
auf. Sie hat sich dabei drei inhaltliche Schwerpunkte gestellt: Die
Übertragung des Stabilitätskonzepts vom Schilling auf die
Europawährung, die Vorbereitung auf die Wirtschafts- und Währungsunion
und die Vorbereitung auf das gemeinsame Geld bzw. auf die Aufgabe des
Schillings.
Zusammen mit den verschiedenen Banken will sie die Ängste in der
Bevölkerung durch gezielte Information abbauen.
INDUSTRIE- UND DIENSTLEISTUNGSSEKTOR
Jedes Unternehmen muß in seinem Umfeld prüfen, welche
Konsequenzen sich für das Unternehmen ergeben und welche organisatorischen
Maßnahmen zu treffen sind. Insbesonders Branchen mit Bargeldverkehr, wie
Automatenhersteller und der Einzelhandel, stehen vor erheblichen
Herausforderungen, weil sie in der Dualitätsphase beide Währungen
berücksichtigen und gleichzeitig alle ihre Systeme umstellen müssen.
Änderungen und Anpassungen sind bei jedem Unternehmen im Bereich der
Bestandsführung, der Preisauszeichnung, im Zahlungs- und Bargeldverkehr,
sowie im Rechnungswesen vorzubereiten.
Bei Industrie und Handel hängen die Kosten und Vorbereitungen für
die dritte Stufe der Währungsunion von der Größe und der Art des
Unternehmens ab. Kleinere Unternehmen mit manuellen Systemen und begrenzten
zeitlichen, personellen und finanziellen Ressourcen könnten bei der
Realisierung des Übergangs Schwierigkeiten bekommen. Sie müßten
gegebenenfalls Hilfe von außen, wie etwa von ihrem Steuerberater, ihrer
Bank oder einem Softwarelieferanten in Anspruch nehmen. Während der
Dualitätsphase sind sie gezwungen, ihre Bücher doppelt zu führen,
was Personalprobleme mit sich bringen könnte.
Den Anforderungen und Belastungen in der Umstellungsphase stehen
Erwartungen und Vorteile gegenüber. An erster Stelle steht die Reduktion
der bisherigen Währungsrisiken und der damit verbundenen Kosten. Der zweite
gewichtige Vorteil wird die Kostenersparnis im Auslandszahlungsverkehr sein.
Eine mögliche Konzentration der Bankbeziehungen, eine Vereinfachung des
ständig an Bedeutung gewinnenden Cash-Managements, sowie eine Erleichterung
der Auslandstransaktionen für kleinere und mittlere Betriebe können
weitere Vorteile
sein.
FINANZWIRTSCHAFT
Die Banken nehmen bei der Umstellung auf die gemeinsame Währung eine
zentrale Stellung ein, da der Großteil des Zahlungsverkehrs der
Unternehmen und Privaten von ihnen abgewickelt wird, sie somit auch die erste
Anlaufstelle für alle Fragen sind, die Geld betreffen. Der finanzielle und
personelle Aufwand, der mit der Einführung des Euro verbunden sein wird,
wird mit der Größe und dem Dienstleistungsspektrum der einzelnen Bank
variieren, aber auch mit der rechtzeitigen Vorbereitung auf die dritte Stufe des
gemeinsamen Marktes.
Im Bargeldumlauf muß die Verteilung und Lagerung der neuen
Währung, der Einzug der alten Währung und die Umstellung der Automaten
vorbereitet werden. Bei den bankinternen Computersystemen, von denen jedes
einzelne Programm zur Unterstützung der Finanzaktivitäten
überprüft werden muß, um zu ermitteln, was wann wie zu
ändern ist, betrifft dies die Systeme für das Rechnungswesen,
sämtliche Kundendatenbanken, sowie alle Karten- und Zahlungssysteme. Um den
Kunden während der Dualitätsphase parallel ausgelegte Einrichtungen
zur Verfügung stellen zu können, müßte eine kostenintensive
Erhöhung der Großrechnerkapazitäten erfolgen, um die Datenmenge
bewältigen zu können.
Nach einer Schätzung einiger der größten europäischen
Banken, wie etwa der Société Générale oder der
Deutschen Bank, betragen die Kosten für ihr jeweiliges Institut zwischen
1 Mrd. und 1,4 Mrd. Schilling. Es stellt sich die Frage, wer dafür die
Kosten tragen wird?
INTERVIEWS MIT VERTRETERN DER EINZELNEN WIRTSCHAFTSSEKTOREN
Um einen möglichst authentischen Ausblick auf die Entwicklung in den
einzelnen Wirtschaftssektoren zu geben, wurden mit drei repräsentativen
Vertretern Interviews zum Thema Wirtschafts- und Währungsunion
geführt. Die ersten 14 Fragen waren für alle gleich, die übrigen
versuchten jeweils auf die einzelne Situation des Unternehmens einzugehen.
LANDWIRTSCHAFTSSEKTOR
Am Samstag, dem 1. Februar 1997, wurde Karl Krenn, vlg. Dichtlbauer in
Neufahrn, einer Ortschaft in der Gemeinde Neumarkt am Wallersee, zum Thema
Wirtschafts- und Währungsunion befragt.
Glauben Sie an das Zustandekommen der Währungsunion?
“Ich glaube schon, daß sie zustande kommen wird, weil es mit
dem EU-Beitritt allein nicht getan war. Wenn man A sagt, muß man auch B
sagen. Ich glaube, wenn man das gemeinsame Europa will, dann macht es keinen
Sinn, wenn man nicht auch eine gemeinsame Währung hat.”
Was erwarten Sie sich von einer Währungsunion für Ihr
Unternehmen?
“Wir haben einen landwirtschaftlichen Betrieb und haben durch die
Währungsturbulenzen, beziehungsweise durch die Abwertungen der Italiener im
letzten Jahr sehr viele Nacheile in Kauf nehmen müssen. Sie haben die
Möglichkeit gehabt, sich durch Abwertung Vorteile zu verschaffen. In einer
Währungsunion soll das nicht mehr möglich sein. Das wird sich für
die Landwirtschaft positiv auswirken.”
Welch Vorteile oder Nachteile sehen Sie?
“Die Landwirtschaft fordert, daß wir alle in der
Währungsunion auf einer gleichen Ebene sind. Man muß in dieser Sache
persönliche Abneigungen in den Hintergrund stellen und die wirtschaftliche
Seite sehen. Nachteile sehe ich für die privaten Sparer, denn es wird
befürchtet, daß bei der Umwechslung gerundet wird. Ein weiterer
Nachteil könnte sein, daß die mediterranen Länder, die immer
eine Weichwährungspolitik verfolgt haben, die Hartwährungspolitik
nicht durchhalten. Uns werden sie dann mitziehen, und der Euro wird
gegenüber den anderen Währungen absacken. Das wäre für
Europa sicher nicht positiv.”
Welche Umstellungen sind für Ihr Unternehmen zu
erwarten?
“Für uns als Bauern werden sich wahrscheinlich die gleichen
Umstellungen ergeben, die jeder Staatsbürger hat. Zuerst einmal die
Umrechnerei in der Übergangszeit. Wer war nicht schon einmal im Ausland und
hat gerechnet? Jetzt wird man das beim täglichen Einkauf tun müssen,
es wird aber auch in der Umstellungsphase, wenn man Betriebsmittel dazukauft
oder verkauft nicht einfach sein, aber das liegt in der Natur der
Sache.”
Welche Vorbereitungen treffen Sie, und wann beginnen Sie mit den
Vorbereitungen?
“Wahrscheinlich müßte man ein Hellseher sein, damit man
gerade jetzt das Richtige macht. Wenn man Geld hat, ist man eher versucht,
dieses jetzt sinnvoll auszugeben oder zu investieren. Ich habe auch schon mit
Leuten gesprochen, die momentan kein Geld haben und trotzdem investieren wollen,
in der Hoffnung, daß die Rechnung aufgeht. Ich glaube, daß man,
nicht einmal wenn man viel darüber weiß, das Ganze richtig
abschätzen kann.”
Wie hoch schätzen Sie zu diesem Zeitpunkt die Kosten für die
Umstellung in Ihrem Unternehmen ein?
“In der Landwirtschaft sind wir noch nicht soweit, daß wir ein
Datenverarbeitungssystem umstellen müßten. Wir rechnen alles noch im
Kopf, aber es wird doch eine gewisse Zeit brauchen, bis wir uns auf die neue
Situation einstellen.”
Wie würden Sie Ihr Konzept beurteilen?
“Wenn’s ums Geld geht, soll man vorsichtig sein. Wie man aus
den Erzählungen der Eltern weiß, ist schon manches passiert. Ich bin
kein hemmungsloser Optimist, der annimmt, daß das nie wieder passieren
wird.”
Wie wollen Sie die Dualitätsphase, in der sowohl Euro, als auch
Schilling als gesetzliches Zahlungsmittel gelten, bewältigen?
“Es wird sicher nicht einfach sein. Die jungen Leute werden
wahrscheinlich eher zurechtkommen als die älteren, aber es wird uns nichts
anderes übrigbleiben. Es wird so sein, daß man wie bisher schon neue
Banknoten ausgeben und die alten einziehen wird.”
Wie beurteilen Sie die Verwendung einer Chipkarte in bezug auf die
Dualitätsphase?
“Die Banken werden sicherlich Probleme in diese Phase haben, weil man
die Automaten umstellen muß. Es macht einen Unterschied, wenn man in
diesem halben Jahr sein Geld in Schilling beheben will, oder schon in Euro. Wir
haben keine Chipkarte und auch keine Bankomatkarte. Das ist wahrscheinlich
berufsbezogen, weil man nicht so leicht in Versuchung kommt wie ein
Angestellter, etwas zu holen, wenn man es braucht. Auf einem Bauernhof sind eher
nur größere Summen mit Erlagscheinen zu bezahlen, und das Geld, das
man täglich braucht, hat man daheim. Es wäre in meinem Fall sogar
komplizierter, wenn ich jedes Mal nach Neumarkt zum Bankomat fahren
müßte.”
Wie sehen Sie die Auswirkungen des gemeinsamen Marktes auf Ihr
Unternehmen?
“Im landwirtschaftlichen Bereich gibt es, was den
grenzüberschreitenden Verkehr betrifft, makabere Auswüchse. Kartoffeln
werden aus Norddeutschland nach Italien zum Waschen gefahren, und in Hannover
werden wieder die Chips daraus gemacht.
Wir sind biologisch wirtschaftende Bauern und gehören dem Ernteverband
der Biobauern an. Wir sehen darin gewisse Chancen, weil Österreich im
biologischen Landbau eine Vorreiterrolle hat. Das liegt daran, daß wir oft
keine anderen Möglichkeiten von der Struktur oder der früheren
Wirtschaftsweise her haben. Bei uns hat fast nichts geändert werden
müssen, damit wir den biologischen Kriterien und Richtlinien entsprechen
konnten. In Ländern, die schon länger in der EU sind, sind die
Strukturen durch die Marktentwicklung und den harten Konkurrenzkampf so stark
verändert, daß ein Zurück zur ökologischen und biologischen
Wirtschaftsweise nur sehr schwer möglich ist. Dort ist es in den
Massentierhaltungen und durch große Stallungen nicht möglich, ohne
die prophylaktische Verabreichung von Antibiotika und Hormonen die
Tiergesundheit aufrechtzuerhalten.”
Wenn Sie einen Teil Ihrer Produkte im Ausland vertreiben, welche
Auswirkungen erwarten Sie in diesem Bereich?
“Wir verkaufen unsere Produkte nicht direkt ins Ausland. Selbst die
Firma Woerle, an die wir unsere Milch liefern, hat es schwer, dort “in die
Regale zu kommen”, wie man so schön sagt. Ich habe allerdings die
Hoffnung, daß es auf der “Biowelle” laufen könnte, weil
das ein Segment ist, das andere nicht bedienen können.”
Sehen Sie in einem größeren Wirtschafts- und
Währungsraum einen härteren Qualitäts- oder Preiskampf für
österreichische landwirtschaftliche Produkte?
Den harten Qualitäts- und Preiskampf haben wir seit der Teilnahme am
Binnenmarkt, beziehungsweise seit dem EU-Beitritt. Es kann durch die
Währungsunion besser werden, weil dann eine gewisse Waffengleichheit
herrscht, weil Währungsdifferenzen oder Währungsturbulenzen
wegfallen.”
Wie beurteilen Sie die Konkurrenzfähigkeit der im europäischen
Verhältnis relativ kleinen und extensiv genutzten landwirtschaftlichen
Betriebe, besonders nach dem Ende der Übergangszeit bei den
Subventionen?
“Wenn nichts passiert, dann sind wir nicht mehr konkurrenzfähig.
Das Europäische Parlament müßte reagieren und eine klare
Willenserklärung abgeben, daß man nicht will, daß unsere
Höfe vor die Hunde gehen. Man spürt einfach die starke Lobby der
Westeuropäer, die schon lange bei der EU sind und sehr große
Strukturen haben. Wir Österreicher haben nur einen sehr kleinen Anteil an
der Verwaltung und der Produktion. Es ist notwendig, daß sich nicht nur
Österreich lautstark bemerkbar macht, sondern daß
gesamteuropäisch ein Umdenken stattfindet. Auch ein kleiner
landwirtschaftlicher Betrieb ist eine Arbeitsstätte.”
Woher beziehen Sie ihre Informationen zur EWU? Werden Sie ausreichend
informiert?
“Momentan ist die Information eher dürftig. Es gibt sehr viele
Propheten und selbsternannte Fachleute, die alle etwas anderes sagen. Ein
gesunder Hausverstand und eine unkomplizierte Sicht der Dinge sind wichtig. Ich
denke dabei an meinen Lehrer zurück, der gesagt hat: “Wenn ihr euch
nicht auskennt und in eurem Hirn alles durcheinander geht, dann bringt alles auf
einen möglichst einfachen Nenner und versucht, es in ganz kleinen Einheiten
durchzudenken.” Wenn man jetzt vom Staat, der so kompliziert ist, auf die
kleinste Zelle, die Familie reduziert und alles durchleuchtet, wird es viel
leichter. Alle Bürger werden sich eine Meinung bilden müssen, aber
vieles kann man jetzt noch gar nicht sagen. Aus meiner persönlichen Sicht
der Dinge kann ich sagen, daß der Beitritt zu EU eine Währungsunion
nach sich ziehen muß, sonst haben wir als Hartwährungsland auf Dauer
einen Nachteil. Diesen Nachteil können wir als Bauern nur etwa zwei bis
drei Jahre aushalten.
Fühlen Sie sich gut beraten oder unterstützt?
“Wir bekommen Informationen von der Landwirtschaftskammer. Sie sind
mir zuwenig kritisch und zu stark wirtschaftsorientiert. Bei der EU-Abstimmung
waren sie vielleicht parteipolitisch bedingt zu euphorisch. Es ist viel
Glaubwürdigkeit dadurch verlorengegangen. Die Bauern sind so ein Volk, das
man sogar zweimal anlügen kann, aber dann reicht es.”
Wie ist die allgemeine Stimmung unter den Landwirten zu diesem
Thema?
“Die meisten Bauern sind eher skeptisch, weil schon die Informationen
zum EU-Beitritt nicht gestimmt haben und vielleicht sogar mit einer bestimmten
Naivität der bäuerlichen Bevölkerung gerechnet wurde. Die Bauern
sind aber nicht mehr so wie vor 100 Jahren, wo man ihnen noch etwas vormachen
konnte. Die Bauern, die ich kenne, sind fleißige Fachzeitschriftenleser
und interessieren sich sehr für das, was im Land passiert, vielleicht sogar
mehr als andere Berufsgruppen. Es war ein Trugschluß, nicht objektiv zu
informieren, sondern ein “Wischiwaschi”, ein “es wird schon
gut gehen” und “da müssen wir hinein”. Man hätte
einfach klipp und klar sagen müssen: “Das sind eure Vorteile, das
sind eure Nachteile.” Genauso könnte man bei der Währungsunion
nach dem gleichen Schema vorgehen.”
Sehen Sie eine Chance in der Spezialisierung ihrer
Produktion?
“Es ist sicher notwendig, daß wir uns auf ein bestimmte
Richtung festlegen. Die Form der Großbetriebe wie in unsren
Nachbarländern findet aber praktisch keine Akzeptanz bei den Konsumenten.
Dies Zeiten sind längst vorbei. Wir haben den Vorteil, daß wir den
Weg der ökologischen und biologischen Produktion eingeschlagen haben. Das
allein ist europäisch gesehen schon eine Spezialisierung. Diese Richtung
birgt bestimmt große Chancen auf dem europäischen
Markt.”
INDUSTRIE
Am Montag, dem 3. Februar 1997, wurde Mag. Wolfgang Stier, ehemaliger
Geschäftsführer der Firma Kaindl und jetziger Gutsverwalter der Graf
Moÿ’schen Güter interviewt.
Glauben Sie an das Zustandekommen der Währungsunion?
“Ja!”
Was erwarten Sie sich von einer Währungsunion für Ihr
Unternehmen?
“Ich erwarte mir eine Kostenreduktion, eine bessere
Vergleichsmöglichkeit der nationalen Volkswirtschaften und auch ein
politisches Zusammenrücken der europäischen
Teilnehmer.”
Welche Vorteile sehen Sie?
“Es ist von Vorteil, daß es zu einer starken Budgetdisziplin in
den bisherigen Weichwährungsländern kommen muß. Das bedeutet,
daß es auch eine europäische Oberorganisation geben
muß.”
Welche Nachteile sehen Sie?
“Von Nachteil wäre, daß genau das nicht eintritt und
daß es dadurch zu starken politischen Spannungen kommen könnte.
Daraus ergibt sich, daß der Euro im Außenwert sicher nicht mehr so
stabil sein würde wie heute. Wir würden einen inflationären Trend
bekommen.”
Welche Umstellungen sind für Ihr Unternehmen zu
erwarten?
“Rein technisch gesehen bei der Preiskalkulation, aber das betrifft
jeden. Es wird besonders im Einkauf, wenn man Rahmenverträge
abschließt, auch keine Kurssicherung mehr geben, wenn man sich gegen das
Auf und Ab der Wechselkurse schützen möchte.”
Welche Vorbereitungen treffen Sie und wann beginnen Sie mit den
Vorbereitungen?
“Unsere Vorbereitungen sind überwiegend EDV-technischer Natur,
die sicher im März 1998 finalisiert sein werden.”
Wie hoch schätzen Sie zu diesem Zeitpunkt die Kosten für die
Umstellung in Ihrem Unternehmen ein?
“Ich halte die Kosten für geringfügig. Eine Bank hat sicher
höhere Kosten als ein exportierendes Unternehmen.”
Welche Auswirkungen werden die Strategien gegebenenfalls auf einzelne
Bereiche haben?
“Es wird eine einfachere internationale Vergleichsmöglichkeit,
speziell auf der Personalseite, geben. Die Euro-Einführung wird sicherlich
ein Anstoß zur Vereinheitlichung der europäischen Sozialpolitik. Bei
der Buchhaltung halte ich das für eine Rundungsproblematik, je nachdem, wie
man es strategisch anlegt, werden die Preise geringfügig erhöht oder
sie fallen.”
Wie würden Sie Ihr Konzept beurteilen?
“Ich würde mein Konzept eher aktiv nennen aber nicht offensiv,
weil die Firma Kaindl schon international tätig ist und keine Umstellung zu
erwarten hat.”
Wie wollen Sie die Dualitätsphase, in der sowohl Euro, als auch
Schilling als gesetzliches Zahlungsmittel gelten, bewältigen?
“Die Dualitätsphase wird meiner Einschätzung nach ganz kurz
sein, vielleicht nur einen Monat. Dann erfolgt die Umstellung.”
Wie beurteilen Sie die Verwendung einer Chipkarte in bezug auf die
Dualitätsphase?
“Das kommt für die Industrie nicht in Frage.”
Wie sehen Sie die Auswirkungen des gemeinsamen Marktes auf Ihr
Unternehmen?
“Eigentlich wurde vieles schon mit dem EWR erreicht. Es wird eine
Vereinfachung über die gemeinsame Währung geben. Die Transparenz der
Konkurrenzsituation wird größer und stabiler sein. Heute weiß
ich nicht, wie ein italienischer Konkurrent in fünf Monaten über seine
Währung kalkulieren kann. Bei einer gemeinsamen Währung geht das nicht
mehr. Es wird vermutlich keine Veränderung in der Kundenstruktur geben,
weil sie heute schon international ist. Es kann sogar sein, daß bei
Kunden, die bisher auf Distanz mit dem Ausland gegangen sind, weil sie nicht so
vertraut damit waren, die Hemmschwelle, im Ausland einzukaufen, fällt. Das
kann von Vorteil oder von Nachteil sein.”
Wenn Sie einen Teil Ihrer Produkte im Ausland vertreiben, welche
Auswirkungen erwarten Sie in diesem Bereich?
“Keine, weil wir schon heute eine hohe Exportquote
haben.”
Wie hoch schätzen Sie den Auslandsanteil an Ihrem
Unternehmen?
“Bei Kaindl beträgt der Auslandsanteil 75%. Wir haben vierzehn
Werke im europäischen Ausland. Der Umsatz in Österreich beträgt
2,3 Mrd. Schilling, alle Werke in Ost und West haben zusammen einen Umsatz von
15,6 Mrd. Schilling.”
Kann die Abwanderung von Arbeitsplätzen in Billiglohnländer
durch die EWU gebremst werden?
“Nein, es sei denn, daß sich die EU Außenzölle
schafft, was ich fast annehme. Man wird sich wegen innereuropäischer
sozialer Konflikte schützen müssen, weil die Wirtschaftspolitik dem
Druck nicht standhalten kann. Der Gegensatz dazu ist der amerikanische
Handelsliberalismus in Form des GATT-Abkommens. Es wird also eine
Interessensausgleich zwischen amerikanischen und innereuropäsichen
Interessen geben müssen. Die Billiglohnländer werden sich auf
längere Sicht an unsere Sozialstandards anpassen und teurer werden. Wenn
das nicht innerhalb der nächsten fünf Jahre stattfindet, wird die EU
sicher eine Steuer für diese Länder einführen.”
Erwarten Sie für Ihr Unternehmen günstigere
Finanzierungsmöglichkeiten durch den größeren
Kapitalmarkt?
“Auf jeden Fall, weil ich internationaler selektieren und
transferieren kann als heute. Die Frage ist nur, wie es gehandhabt wird, wenn
die Budgetdisziplin nicht eingehalten wird. Dann kann eine italienische
Staatsanleihe höher verzinst sein als eine deutsche, obwohl beide die
gleiche Währung haben.”
DIENSTLEISTUNGSSEKTOR
Am Donnerstag, dem 30. 1. 1997, hatte ich die Gelegenheit, mit Günter
Lange, Feinkosthändler in Neumarkt am Wallersee, über die Erwartungen,
Befürchtungen und Veränderungen im gemeinsamen Markt und in der EWU zu
sprechen.
Glauben Sie an das Zustandekommen der Währungsunion?
“Ich glaube schon an das Zustandekommen der Währungsunion.
Österreich darf sich auf keinen Fall ausschließen, weil meiner
Meinung nach rund die Hälfte aller Österreicher Vorteile daraus ziehen
wird.”
Was erwarten Sie sich von einer Währungsunion für Ihr
Unternehmen?
“Ich erwarte mir viel zusätzliche Arbeit im Geschäft,
besonders, was die Aufklärung der Kunden betrifft.”
Welche Vorteile oder Nachteile sehen Sie?
“Ich hoffe nur, daß nicht wie bei der EU die Vorteile
hochgespielt werden und daß nachher die Nachteile für viele zum
Tragen kommen.”
Welche Umstellungen sind für Ihr Unternehmen zu
erwarten?
“Im Lauf der nächsten Jahre muß ich sicherlich mein
Kassasystem auf Computer umstellen. Die Übergangsphase kann ich nicht mit
meinem bisherigen System, also dem händischen Eintippen der Preise,
bewältigen.”
Welche Vorbereitungen treffen Sie und wann beginnen Sie mit den
Vorbereitungen?
“Ich werde innerhalb der nächsten zwei Jahre beginnen, meine
Kunden zu informieren und das Kassasystem zu installieren, um zu garantieren,
daß in der Umstellungsphase dann alles perfekt und reibungslos
abläuft. Jeden Tag später bin ich nur Zweiter.”
Wie hoch schätzen Sie zu diesem Zeitpunkt die Kosten für die
Umstellung in Ihrem Unternehmen ein?
“Grob geschätzt werden zwei neue Kassen 300.000 Schilling
kosten. Dazu kommt noch die Umstellungsarbeit, wie das neue Auspreisen der Ware
und die Information der Kunden, wozu ich wahrscheinlich noch eine weitere Kraft
einstellen muß.”
Welche Auswirkungen werden die Strategien auf einzelne Bereiche
haben?
“Wegen des neuen Kassasystems brauche ich eine besser ausgebildete
Kraft, und die kostet natürlich mehr. Die Buchhaltung wird von meinem
Steuerberater gemacht und vorgegeben. Ich kann mir vorstellen, daß sich
aufgrund der nötigen Fortbildung auch dafür die Kosten
erhöhen.”
Wie würden Sie Ihr Konzept beurteilen?
“Ich würde mein Konzept am ehesten als offensiv bezeichnen, weil
ich sofort dabei bin. Wie gesagt, jeden Tag später bin ich nur Zweiter.
Dennoch muß ich vorsichtig sein.”
Wie wollen Sie die Dualitätsphase, in der sowohl Euro, als auch
Schilling als gesetzliches Zahlungsmittel gelten, bewältigen?
“Für einen kleinen Betrieb wie meinen wird auch viel
Organisation notwendig sein und wegen des neuen Kassasystems und der doppelten
Auspreisung der Waren viel kosten. Da hat es eine ganze Kette, in der alles von
der Zentrale festgelegt und gelenkt wird, natürlich leichter. Aber man wird
zu einem Kompromiß kommen. Zum Teil wird die Doppelbeschriftung der Preise
ja heute schon verlangt: Bei Tiefkühlkost und Dosen muß neben dem
Stückpreis auch der Kilopreis angegeben werden. Ich muß also zum
Beispiel für eine 45-Gramm-Dose Sardellenringe zu zwölf Schilling auch
den Kilopreis angeben, obwohl fast niemand darauf schaut und auch niemand ein
ganzes Kilo kauft. Diese Preise werden für den Einzelhändler von den
Einkaufsgruppen kalkuliert. Wie gesagt, werden die Personalkosten steigen, da
ich eine zusätzliche Kraft für die Warenannahme und die Auspreisung
brauchen werde, um Fehler zu vermeiden.”
Wie beurteilen Sie die Verwendung einer Chipkarte in bezug auf die
Dualitätsphase?
“Eine Kassa für die Chipkarte würde mich zuviel kosten, und
auch die Bankomatkassa lehne ich ab. Cash ist Cash.”
Wie sehen Sie die Auswirkungen des gemeinsamen Marktes auf Ihr
Unternehmen?
“Als Kleiner kann ich die Vorteile, die der Binnenmarkt den
Großen bietet, nicht oder nur begrenzt nutzen. Ich bin zum Beispiel als
Kaufmann dazu verpflichtet, für jede Flasche Wein, die ich aus Italien
importiere, 97 Groschen ARA-Entsorgungsgebühr zu zahlen. Ein Privater darf
jedoch pro Tag 90 Flaschen Wein einführen, ohne diese
Entsorgungsgebühr zu zahlen. Wer zahlt deren Entsorgung? Für mich
bedeutet das aber weniger Gewinn.”
Wenn Sie einen Teil Ihrer Produkte im Ausland vertreiben, welche
Auswirkungen erwarten Sie in diesem Bereich?
“Ich verkaufe zwar sehr wenig ins Ausland, aber seit zwei Jahren
fahre ich wöchentlich nach Italien, um dort einzukaufen, und das ist in
letzter Zeit schwieriger für mich geworden, weil die Lira aufgewertet und
die Waren teurer wurden. Zusammen mit der Straßenmaut schätze ich,
daß es rund ein Viertel mehr kostet als früher. Eine
Währungsunion mit Italien, Deutschland und Frankreich wäre wegen des
Direktbezugs der Waren ideal für mich. Ich würde schon sagen,
daß sich durch den größeren Markt und die neuen Produkte eine
neue Kundenstruktur gebildet hat. Denn durch den Direkteinkauf in Italien kann
ich Produkte besorgen, die der unmittelbare Nachbar nicht anbieten
kann.”
Wie hoch schätzen Sie den Auslandsanteil an Ihrem
Unternehmen?
“Ich kaufe 7-10% meiner Waren selbst in Italien ein. Es könnt
mehr sein, aber ich mache das nur für mich und mein LKW kann nur eine Tonne
laden. Pro Einkauf brauche ich 45.000 Schilling, wobei das Auto, das Personal,
die Zeit und die Maut etwa 8-10% der Kosten ausmachen.”
Durch die einheitlichen Preise wird sich eine größere
Preistransparenz ergeben. Zu welcher Preisentwicklung kann das Ihrer Meinung
nach in Ihrem Bereich führen?
“Für eine volle Preistransparenz wären gleiche
Mehrwertsteuersätze in den einzelnen Ländern erforderlich. In Italien
unterscheidet sich zum Beispiel der Mehrwertsteuersatz für rohe und
gekochte Wurst, in Österreich ist das alles gleich. Nun wird mir das in
Italien abgezogen und in Österreich ganz anders angerechnet. Generell wird
es keine einheitlichen Preise geben, weil durch die Mischkalkulation der
großen Importeure, also bei den großen Ketten, jeder dort billig
sein wird, wo es ins Auge sticht, und es anderswo
draufschlagen.”
Rundungsproblematik: Durch die ungeraden Wechselkurse ergeben sich
besonders in der Dualitätsphase Probleme bei der Umrechnung. Sehen Sie eine
Lösung?
“Es ist nicht vorgegeben, wie man die Ware verkaufen muß, es
wird also jeder anders umrechnen, sofern nicht ein Regelung
vorliegt.”
Werden Sie professionelle Hilfe von Softwarefirmen oder den
Automatenherstellern für die Umstellung in Anspruch nehmen? Wie wird sie
durchgeführt und von wem?
“ Ich werde sicher jemanden brauchen, der mich und mein Personal an
den neuen Kassen schult und hilft, bis es funktioniert.”
Erwarten Sie Veränderungen im Wareneinkauf?
“Im Wareneinkauf wird sich nichts ändern, das liegt bei den
Händlern.”
Wird sich durch die Währungsunion etwas an Ihrem Warenangebot
ändern?
“Es wird sich insofern nichts ändern, da ich schon vor zwei
Jahren mit meinen Italienfahrten begonnen habe und sich damals schon mein
Angebot verändert und verbessert hat.”
Wie beurteilen Sie die ausländischen Aktivitäten in
Österreich?
“In den nächsten drei bis vier Jahren werden die Deutschen ganz
stark kommen, das hat aber mit der Währungsunion nichts zu tun. Die
Deutschen suchen einfach Absatzländer, und die Österreicher suchen
Partner, um stärker zu sein.”
Wird es Branchengewinner- und Verlierer geben?
“Die Großen werden sicherlich gewinnen und die Kleineren
verlieren, weil der Kleine moralisch härter denkt als der Große. Wenn
einem Großen die Konditionen nicht passen, setzt er seine Lieferanten
unter Druck und außerdem ist es für ihn viel leichter, im Ausland
neue Lieferanten zu finden. Der Kleinere hat diese Möglichkeit nicht und
ist deshalb viel “treuer”.”
Werden Ihre Kunden damit zurechtkommen?
“Die Kunden werden damit zurechtkommen müssen, die Jungen
sicherlich leichter als die Älteren. Als Hilfestellung für den Kunden
kann ich nur informieren und aufklären. Ich werde ihnen über
einen längeren Zeitraum persönlich eine Vergleichsmöglichkeit
bieten, ihnen die Umrechnung erklären und die Relationen mitteilen. Das
persönliche Gespräch ist dabei sehr wichtig. Wir werden auf
längere Zeit vorbereiten und etwa ein Jahr vor dem neuen Geld beginnen, um
es zu perfektionieren und den Kunden ein Gefühl für das neue Geld zu
geben. Dieses Service wird uns von den großen Ketten aufgezwungen, weil
sie perfekter sind als wir. Wie gesagt, das Gefühl für den Wert des
Geldes ist wichtig. Ein Kundin fragte mich einmal, wieviel ein Kilo Fisolen
kostet. Ich antwortete ihr: “66 Schilling,” worauf sie meinte,
daß das viel zu teuer sei und daß sie geglaubt habe, daß ein
Packerl nur 9,90 Schilling kostet. Trotz meiner Versicherung, daß 150
Gramm Fisolen, die für ein Essen reichen, sehr wohl 9,90 Schilling kosten,
hat sie dieses “teure Gemüse” seitdem nie mehr gekauft. So kann
es vielen auch beim Euro gehen, da sie die Wertvorstellung fürs Geld
verlieren.”
ZUSAMMENFASSUNG
Ich habe in meiner Arbeit versucht, eine möglichst komplette
Zusammenfassung des aktuellen Standes der Dinge zu geben, und gleichzeitig
gewagt, einen Ausblick auf die weitere Entwicklung zu geben. Die EWU wurde und
wird in Zukunft noch stärker diskutiert werden, und schon jetzt sind die
Standpunkte der einzelnen Diskussionsteilnehmer so kontroversiell, daß
eine Einigung kaum möglich scheint.
Die EWU ist die zweite und zugleich letzte Chance nach dem Werner-Plan
für eine wirtschaftliche Vereinigung der westeuropäischen Staaten.
Scheitert sie, so ist das “Projekt Europa” wahrscheinlich mit ihr
gestorben. Wenn sie jedoch erfolgreich verläuft und alle Staaten in ihr
integriert werden, so können auch andere, jetzt zurückgestellte
Projekte, wie eine Vereinheitlichung der Sozialgesetzgebung und der
Rechtssysteme, allen voran des Steuer- und Gesellschaftsrechts, verwirklicht
werden. Eine stabile und in sich harmonische Union könnte dann auch die
osteuropäischen Staaten aufnehmen, was heute noch nicht möglich ist.
In Österreich gehen die Meinungen über die EWU genauso
auseinander wie im übrigen Europa. Das Gros der Bevölkerung lehnt die
EWU ab, teils weil die Umstellung unangenehm ist, aber vor allem, weil sie um
die Stabilität des Schillings und die wirtschaftliche Gesundheit
Österreichs fürchtet. Leider kann niemand diesen Befürchtungen
mit Gewißheit begegnen.
Die EWU basiert weitgehend auf dem politischen Willen der EU-Staaten, die
Union zu vertiefen und den Weg für weitere Vereinheitlichungen
freizumachen. Eine Währungsunion, die solcherart “erzwungen”
wurde wie diese, ist in der volkswirtschaftlichen Theorie nicht vorgesehen, und
deswegen ist es so schwer, eine genaue Prognose abzugeben. Auch regt sich immer
wieder politischer Widerstand, auch innerhalb der Union, und es ist schwer, 15
verschiedenen Meinungen “unter einen Hut” zu bringen. Wegen all
dieser Unsicherheitsfaktoren bleibt nur eine wirklich zutreffende Aussage
über die EWU übrig:
Die Europäische Wirtschafts- und Währungsunion
ist ein zuvor noch nie gewagtes Projekt und muß wegen ihrer
Einzigartigkeit als riesiges Experiment mit ungewissem Ausgang angesehen
werden!
LITERATURVERZEICHNIS
PRIMäRQUELLEN
Europäisches Währungsinstitut: Die Statistischen Anforderungen
für die Währungsunion. Frankfurt am Main, 1996
Europäisches Währungsinstitut: Fortschritte auf dem Wege zur
Konvergenz 1996. Frankfurt am Main, 1996.
Österreichische Nationalbank: Kompendium von Texten zur Wirtschafts-
und Währungsunion. Wien, 1995
SEKUNDäRQUELLEN
Association for the Monetary Union of Europe: Schritte zur
Europa-Währung in der Praxis. Orientierung für Banken, Industrie und
Handel. Wiesbaden 1994
Balkhausen, Dieter (Hrsg.): D-Mark kontra Eurogeld. Das Abenteuer
Währungsunion.. Reinbek bei Hamburg, 1996.
Bank Julius Bär: Szenarien zur Europäischen Währungsunion
und ihre potentiellen Auswirkungen auf die Finanzmärkte. o.
O.,1995.
Der Standard. Italien wird beim Euro dabeisein. 11. Oktober 1996
Der Standard: Bundesbank bleibt beim Euro hart. 21. November
1996.
Der Standard: Einserfrage zum Stabilitätspakt: Was ist Rezession? 17.
Oktober 1996
Der Standard: Euro zum Anfassen, Europa als Illusion. 30. August
1996
Der Standard: Währungsunion kommt Italiener teuer zu stehen. 21.
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Deutsche Bank Research: Eine stabile Währung für Europa.
Neuauflage Januar 1996 mit “Madrid-Szenario”. Frankfurt,
1996.
Deutsche Bank: Checkliste Europa-Währung. So bereiten sie ihr
Unternehmen auf die Währungsunion vor. Frankfurt/Main, 1995
Die ganze Woche: Schon jetzt: Fünf Milliarden in Gold an EU
“verschenkt”. 8. Jänner 1997.
Die Presse: Stabilitätspakt: Mühsame Einigung nach hartem Kampf.
14. Dezember 1996.
Die Zeit: Nadelöhr Maastricht. 20. September 1996
Die Zeit: Warten auf Euro. 27. September 1996
Die Zeit: Zielgruppe: Gutgläubige. 28. Juni 1996
Financial Times: A deficit of credibility 21. Oktober 1996
Financial Times: Bid to break deadlock on Emu discipline. 2. Dezember
1996.
Financial Times: Bonn hints at softer stance on stability pact. 3. Dezember
1996
Financial Times: Commission fashions Emu stability stick. 17. Oktober
1996
Financial Times: Computer Chaos warning over Emu
Financial Times: Counting the cost of euro. 19. August 1996
Financial Times: Emi chief takes hard Maastricht line. 20. November
1996.
Financial Times: EMI talks tough. 7. November 1996.
Financial Times: Emu “could cost banks $5bn”. 28. Oktober
1996
Financial Times: Emu warning for Germany and Austria. 8. Juli
1996
Financial Times: EU’s members jockey to be first in the club. 12.
November 1996.
Financial Times: Euro plan gets boost as Finland joins ERM. 14. Oktober
1996
Financial Times: Euro will not be easy money. 9. September 1996
Financial Times: German banks train hard for Emu. 4. November
1996
Financial Times: Hard or soft boiled Emu. 27. November 1996.
Financial Times: Italy wins ERM re-entry. 25. November 1996.
Financial Times: Italy’s road to Maastricht. 2. Oktober
1996
Financial Times: Kohl insists on sticking to Emu criteria. 25. September
1996
Financial Times: Ministers to seek pact on Emu budget deficit rules. 11.
November 1996
Financial Times: Non-Emu countries may face restrictions on access. 5. Juli
1996
Financial Times: Optimism on monetary union grows. 17. September
1996
Financial Times: Pressure for Emu will be irresistible in UK, Santer says.
1. Dezember 1996.
Financial Times: Rush to qualify for Emu condemned. 29. Oktober
1996
Financial Times: Single market “has created nearly 1m jobs”.
31. Oktober 1996
Financial Times: Stability impact. 4. Dezember 1996.
Financial Times: Support for Emu stability pact plan. 23. September
1996
Financial Times: Survey shows optimism on Emu. 19. August 1996
Financial Times: Sweden “may not join Emu at outset in 1999”.
29. August 1996
Financial Times: The ins and outs of Emu. 28. Juni 1996
Financial Times: The quest for Emu: Italy home but not dry. 26. November
1996.
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1996
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Europäischen Währungsunion (EWU): Anlagestrategien für den
Raiffeisenverband Salzburg. Innsbruck, 1996
Österreichische bankwissenschaftliche Gesellschaft (Hrsg.):
Währungsunion und Banken. Wien, 1996.
Österreichische Nationalbank: Notenbank und Währung. Wien,
1992
Österreichische Nationalbank: Strategisches Kommunikationskonzept:
Eine neue Währung für Europa. Wien, 1996
Potacs, Michael: Der Weg zur Europäischen Währungsunion. o. O.,
o. J.
Raiffeisen Zentralbank: Europäische Wirtschafts- und
Währungsunion (EWWU). ECU versus EURO. Wien, 1996
RAK/Österreichischer Raiffeisenverband: Mein Euro. Meine Bank.
Europäische Wirtschafts- und Währungsunion. Wien, 1996
Salzburger Nachrichten: Österreich muß Staatsschulden und
Defizit schneller abbauen. 9. Juli 1996
Sälzer, Bernhard (Hrsg.): Keine Angst vor dem ECU!. Plädoyer
für die europäische Währung. Bonn, 1993.
Schweizerische Bankgesellschaft: Europäische Währungsunion.
Bedeutung für Europa und die Schweiz. Zürich, 1996
Theurl, Theresia: Eine gemeinsame Währung für Europa. 12 Lehren
aus der Geschichte. Innsbruck, 1992.
Weber, Manfred (Hrsg.): Europa auf dem Weg zur Währungsunion.
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Wimmer, Michaela, Weixner, Bärbel: Stichwort ECU. München,
1993
Wirtschaftsblatt. Euro-Einführung läßt Renditen
konvergieren. 5. Oktober 1996
Wirtschaftsblatt: Keine großen Zinsveränderungen vor der EWU. 5.
Oktober 1996
Wirtschaftsblatt: Pfusch soll Euro-Teilnahme retten. 11. Jänner
1997
Wirtschaftsblatt: Stabilitätspakt: Deutsche Niederlage. 14. Dezember
1996.
Wirtschaftskammer Österreich/Bank und Versicherung: Positionspapier
über die Inhalte einer EU-Verordnung zur Einführung einer
einheitlichen Währung, Wien, 1996
Zeitpunkte: Wie geht’s, Europa? Euro und Erweiterung machen zu
schaffen. Hamburg, 1996.
ABBILDUNGSVERZEICHNIS
Abb. 1: Der Stufenplan zur europäischen Wirtschafts- und
Währungsunion.
Quelle: Deutsche Bank: Checkliste Europa-Währung. So bereiten sie ihr
Unternehmen auf die Währungsunion vor. Frankfurt/Main, 1995. Seite
9.
Abb. 2: Der Stand der Konvergenzkriterien im Mai 1996
Quelle: RAK/Österreichischer Raiffeisenverband: Mein Euro. Meine Bank.
Europäische Wirtschafts- und Währungsunion. Wien, 1996. Modul 2, Seite
2.
ABKüRZUNGSVERZEICHNIS
ECU (European Currency Unit):
Währungskorb, der im Rahmen des EWS als Verrechnungseinheit und
Zahlungsmittel dient. Die Währungen der Teilnehmerländer sind, nach
volkswirtschaftlichen Schlüsselzahlen gewichtet, im ECU vertreten.
ECOFIN-Rat:
Rat der europäischen Wirtschafts- und Finanzminister. Er faßt
die Wirtschafts- und finanzpolitischen Beschlüsse in der
EU.
ESZB (Europäisches System der Zentralbanken)/EZB (Europäische
Zentralbank):
Die zukünftige Europäische Zentralbank wird mit den nationalen
Zentralbanken das Europäische System der Zentralbanken bilden.
EWI (Europäisches Währungsinstitut):
Vorstufe zu einer zukünftigen Europäischen Zentralbank mit Sitz
in Frankfurt am Main.
EWS (Europäisches Währungssystem):
Abkommen der EU-Notenbanken, die Währungen innerhalb festgelegter
Bandbreiten zu halten, um währungspolitische Stabilität zu
schaffen.
EWU (eig. EWWU: Europäische Wirtschafts- und
Währungsunion):
Momentan laufender Prozeß, ein Währungsgebiet in der EU zu
schaffen.
[1] Vgl.: Theurl, Theresia: Eine gemeinsame
Währung für Europa. 12 Lehren aus der Geschichte.
Innsbruck, 1992.
[2] Vertrag über die Europäische
Union: Artikel 2. Luxemburg, 1992.
[3] Vertrag über die Europäische
Union: Artikel 3a Absatz 3.
[4] Vgl.: Vertrag über die
Europäische Union: Artikel 109j.
[5] Quelle: RAK/Österreichischer
Raiffeisenverband: Mein Euro. Meine Bank. Europäische Wirtschafts- und
Währungsunion. Wien, 1996, Modul 2, Seite 2.
[6] RAK/Österreichischer
Raiffeisenverband: Mein Euro. Meine Bank. Europäische Wirtschafts- und
Währungsunion. Wien, 1996, Modul 2, Seite 2.
[7] Vertrag über die Europäische
Union: Artikel 104c Absatz 2a.
[8] Vgl.: Vertrag über die
Europäische Union: Artikel 104c Absatz 2b.
[9] Vgl.: Vertrag über die
Europäische Union: Artikel 104c.
[10] Quelle: Deutsche Bank: Checkliste
Europa-Währung. So bereiten sie ihr Unternehmen auf die Währungsunion
vor. Frankfurt/Main, 1995. Seite 9.
[11] Jaques Delors: Delors-Report. Zitiert
nach: Potacs, Michael: Der Weg zur Europäischen Währungsunion.
o. O. , o. J. Seite 6.
[12] Österreichische Nationalbank:
Notenbank und Währung. Wien, 1992
[13] Vgl.: Europäisches
Währungsinstitut: Fortschritte auf dem Wege zur Konvergenz 1996. Frankfurt,
1996, Seite 145.
[14] Vertrag über die
Europäische Union: Artikel 109f Absatz 1.
[15] Vertrag über die
Europäische Union: Artikel 109f Absatz 2.
[16] Quelle: EWI Nach: Deutsche Bank
Research: Eine stabile Währung für Europa. Neuauflage Januar 1996 mit
“Madrid-Szenario”. Frankfurt, 1996, Seite 11.
[17] Vertrag über die
europäische Union: Artikel 109a Absatz 2b.
[18] Vertrag über die
europäische Union: Protokoll 3 über die Satzung des Europäischen
Systems der Zentralbanken und der Europäischen Zentralbank: Artikel
7.
[19] Vgl.: Vertrag über die
europäische Union: Protokoll 3 über die Satzung des Europäischen
Systems der Zentralbanken und der Europäischen Zentralbank: Artikel 14.2.
[20] Vgl.: Vertrag über die
europäische Union: Protokoll 3 über die Satzung des Europäischen
Systems der Zentralbanken und der Europäischen Zentralbank: Artikel 15.1;
Artikel 15.3.
[21] Vgl.: Vertrag über die
europäische Union: Artikel 105 Absatz 1; Protokoll 3 über die Satzung
des Europäischen Systems der Zentralbanken und der Europäischen
Zentralbank: Artikel 2.
[22] Vgl.: Vertrag über die
europäische Union: Artikel 105 Absatz 1.
[23] Vgl.,: Vertrag über die
europäische Union: Protokoll 3 über die Satzung des Europäischen
Systems der Zentralbanken und der Zentralbank: Artikel 3.
[24] Vgl.,: Vertrag über die
europäische Union: Protokoll 3 über die Satzung des Europäischen
Systems der Zentralbanken und der Zentralbank: Artikel 19.
[25] Vgl.: Rechtsrahmen für die
Verwendung des Euro (Arbeitsrahmen der Komissionsdienststellen): Teil 5, Absatz
14.
[26] Quelle: RAK/Österreichischer
Raiffeisenverband: Mein Euro. Meine Bank. Europäische Wirtschafts- und
Währungsunion. Wien, 1996. Modul 2, Seite 2.
[27]Quelle: Europäisches
Währungsinstitut: Fortschritte auf dem Wege der Konvergenz 1996. Seite
87.
[28] Vertrag über die
Europäische Union: Artikel 104c Absatz 5-6.
[29]Vgl.: Die Presse:
Stabilitätspakt: Mühsame Einigung nach hartem Kampf. 14. Dezember
1996.
[30] Nach: Wirtschaftsblatt:
Stabilitätspakt: Deutsche Niederlage. 14. Dezember 1996
[31] Nach: Wirtschaftsblatt:
Stabilitätspakt: Deutsche Niederlage. 14. Dezember 1996.
[32] Vgl.: Wirtschaftsblatt: Pfusch soll
Euro-Teilnahme retten. 11. Jänner 1997
[33] Vertrag über die
Europäische Union: Artikel 109k Absatz 2.
[34] Vgl.: Bank Julius Bär: Szenarien
zur Europäischen Währungsunion und ihre potentiellen Auswirkungen auf
die Finanzmärkte. o. O.,1995. Seite 7ff.
[35] Vgl.: Wirtschaftsblatt:
Euro-Einführung läßt Renditen konvergieren. 5. Oktober
1996.
[36] Vgl.: ÖNB/Sekretariat des
Direktoriums: Antworten auf häufig am Bankschalter gestellte Kundenfragen.
Wien, 1996. Seite 2.
[37] Vgl.: Die Zeit: Zielgruppe:
Gutgläubige. 28. Juni 1996
[38] Die ganze Woche: Schon jetzt:
Fünf Milliarden in Gold an EU “verschenkt”. 8. Jänner
1997. Seite 9
[39] Die ganze Woche: Schon jetzt:
Fünf Milliarden in Gold an EU “verschenkt”. 8. Jänner
1997. Seite 9
[40] Vgl.: Financial Times: Vienna in
drive to win public over to Emu. 25. Oktober 1996
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