|
Du bist hier: Referate Datenbank | Erdkunde
| Die europäische Währungsunion
Die europäische Währungsunion
Vorwort
Die Errichtung einer Währungsunion ist Bestandteil des Vertrags von
Maastricht und somit geltendes Recht. Trotzdem läßt der Vertrag
Spielräume zu, über deren Nutzung aus der aktuellen Gegebenheit heraus
entschieden werden kann. Dieses gilt vor allem für den Starttermin der
Währungsunion und z.T. auch für die in Art. 109j EGV festgeschriebenen
Konvergenzkriterien. Diese Spielräume spiegeln sich auch in der
öffentlichen Debatte über die Maastricht-Kriterien und dem Starttermin
wider.
Die Debatte über die Konvergenzkriterien sowie Kritik und
Alternativen, die Debatte über den Starttermin, die Situation in
ausgesuchten EU-Ländern und die Perspektiven nach dem
Währungsunionstart (EWS II, Stabilität) werden in diesem Bericht
thematisiert.
Eine knappe Darstellung der “Meilensteine auf dem Weg zur
Europäischen Währungsunion” soll zum eigentlichen Thema dieser
Arbeit “Status Quo und Perspektiven der Europäischen
Währungsunion” hinleiten.
Verfasser:
Tania Block, Werner Otter und Holger Budelmann
Uni Bremen im Sommersemester 1996 1.
Meilensteine auf dem Weg zur Europäischen Währungsunion
Bis es zu einem Beschluß über die heute geplante und in
Vorbereitung befindliche Währungsunion kommen konnte, mußten im
Nachkriegseuropa viele Integrationsschritte getan werden, um aus den z.T.
ehemals verfeindeten Staaten Partner für Europa zu machen. Einige dieser
“Meilensteine” werden nachstehend kurz dargestellt.
1.1 Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS)
Motive für die EGKS
Der erste Motiv war der Wunsch, die deutsche Montanindustrie kontrollieren
zu können. Die deutsche Montanindustrie war im zweiten Weltkrieg das
Rückrat der deutschen Rüstungsindustrie. Man dachte, daß die
Einbindung in einen europäischen Rahmen, die Verwendung von Montanprodukten
für ungewünschte Zwecke verhindern kann.
Das zweite Motiv war das Vorantreiben des Wiederaufbaus und eine
Stärkung des Wohlstands. Dadurch sollte eine soziale Befriedung erreicht
werden, die zur Entspannung und Stabilisierung in Europa beitragen
sollte.
Die politische und wirtschaftliche Stärkung Westeuropas war das dritte
Motiv. Die politische Stärkung war vor allem wegen der sich
verschärfenden Ost-West-Konfrontation gewollt. Die wirtschaftliche
Stärkung Westeuropas war notwendig um im stärker werdenden
internationalen Wettbewerb mit USA, Canada und Australien und später auch
Japan mithalten zu können.
Das vierte Motiv war der Wunsch die Montanindustrie regulieren zu
können, um so Störungen so klein wie möglich zu halten.
Störungen können z.B. Überproduktion oder Mangel sein. Zur
Gründungszeit der EGKS 1952 herrschte eher ein Mangel an Kohle und Stahl.
Insgesamt hatten die politischen Motive (Befriedung und Stärkung des
Wohlstandes Westeuropas) ein höheres Gewicht bei der Gründung der EGKS
als die wirtschaftlichen. So gingen die “Väter” der ersten
europäischen Einigung Monet und Schuman davon aus, daß eine
politische Integration wichtiger sei als eine rein wirtschaftliche.
Regulierungsbedarf
Wegen der strategischen Bedeutung der Montanindustrie war es wichtig durch
Regulierung so einzuwirken, daß es zu einer gerechten Verteilung der
Güter kam. Verstärkt wurde die Bedeutung des Montanbereiches durch die
vorgelagerte Stellung der Branche, die eine hohe Konjunkturreagibilität
hat, und deshalb zum Motor aber auch zum Bremser des Wiederaufbaus werden
konnte.
Institutionen - Organe
Die Organe der Montanunion entsprachen im Prinzip bereits denen der
späteren EG: im Mittelpunkt ein mit weitgehenden Befugnissen ausgestattetes
Exekutivorgan, die “hohe Behörde”, deren Entscheidungen in
allen Mitgliedsstaaten unmittelbare Geltung hatten, einen “Rat” der
nationalen Minister, eine parlamentarische “Versammlung”, ein
Gerichtshof sowie ein “Beratender Ausschuß” aus Vertretern der
betroffenen Interessengruppen. [1]
Trotz des letztlichen Scheiterns der EGKS ist sie als
“Vorreiterin” der europäischen Einigung von großer
historischer Bedeutung. Das Scheitern der EGKS lag im wesentlichen in den
falschen Einschätzungen der wirtschaftlichen Entwicklung zum Zeitpunkt
ihrer Konzeption. Man ging am Anfang davon aus einen andauernden Mangel
regulieren zu müssen. Wie sich jedoch rasch herausstellte, kam es schnell
zu einem Überangebot an Kohle und Stahl.
1.2 Römische Verträge
Auf einer Konferenz in Messina 1955 beschlossen die Außenminister der
Montanunionmitgliedsländer, die Schaffung eines vereinigten Europas durch
die schrittweise Fusion der nationalen Wirtschaften und durch die Schaffung
eines gemeinsamen Markts.
Gleichzeitig sollte der Versuch gemacht werden, auch andere Staaten
Westeuropas, vor allem Großbritannien, einzubeziehen. Großbritannien
lehnte jedoch ab; die politischen und wirtschaftlichen Bindungen an das neu
organisierte Commonwealth waren ihm wichtiger; zudem hielt es die Frage der
parlamentarischen Kontrolle der vorgesehenen supranationalen Behörden
für ungeklärt. Die skandinavischen Staaten schlossen sich England an,
so daß wiederum nur sechs Staaten (BRD, Benelux, Frankreich und Italien)
1957 die “Römischen Verträge” unterzeichneten und damit
eine “Europäische Wirtschaftsgemeinschaft” (EWG) und eine
“Europäische Atomgemeinschaft” (Euratom) gründeten.
Es wurde u.a. (in Art. 3) festgelegt:
- die Abschaffung der Zölle und der mengenmäßigen
Beschränkungen bei der Ein- und Ausfuhr von Waren sowie aller sonstigen
Maßnahmen gleicher Wirkung zwischen den Mitgliedsstaaten;
- die Einführung eines gemeinsamen Zolltarifs und einer gemeinsamen
Handelspolitk gegenüber dritten Ländern;
- die Beseitigung der Hindernisse für den freien Personen-,
Dienstleistungs- und Kapitalverkehr zwischen den Mitgliedsstaaten;
- die Einführung einer gemeinsamen Politik auf dem Gebiet der
Landwirtschaft;
- die Einführung einer gemeinsamen Politik auf dem Gebiet des
Verkehrs;
- die Errichtung eines Systems, das den Wettbewerb innerhalb des gemeinsamen
Markts vor Verfälschungen schützt;
- die Anwendung von Verfahren, welche die Koordinierung der
Wirtschaftspolitik der Mitgliedsstaaten und die Behebung von Störungen im
Gleichgewicht ihrer Zahlungsbilanz ermöglichen;
- die Angleichung der innerstaatlichen Rechtsvorschriften, soweit dies
für das ordnungsgemäße Funktionieren des gemeinsamen Markts
erforderlich ist;
- die Schaffung eines europäischen Sozialfonds, um die
Beschäftigungsmöglichkeiten der Arbeitnehmer zu verbessern und zur
Hebung ihrer Lebenshaltung beizutragen;
- die Errichtung einer Europäischen Investitionsbank, um durch
Erschließung neuer Hilfsquellen die wirtschaftliche Ausweitung der
Gemeinschaft zu erleichtern;
- die Assoziierung der überseeischen Länder und Hoheitsgebiete, um
den Handelsverkehr zu steigern und die wirtschaftliche und soziale Entwicklung
durch gemeinsame Bemühungen zu
fördern.[2]
1. 3 Fortschritte und Stagnation
Nach der im EWG-Vertrag vorgesehenen Zeitfolge sollte der Gemeinsame Markt
während einer Übergangszeit von zwölf Jahren, d.h. bis zum 31.
Dezember 1969, schrittweise verwirklicht werden. Dieses Ziel wurde jedoch nicht
erreicht. Lediglich im Bereich des freien Warenverkehrs gelang es, und zwar
früher als vorhergesehen, mit der Errichtung einer Zollunion die
Voraussetzungen für einen Freihandel innerhalb der Gemeinschaft zu
schaffen. Andere wichtige Wirtschaftsbereiche, wie der freie Personen- und
Dienstleistungsverkehr, die Niederlassungsfreiheit und der freie Kapital- und
Zahlungsverkehr, kamen abgesehen von einzelnen Teilerfolgen hingegen nicht
entscheidend voran. Auch die angestrebte Konvergenz der nationalen
Wirtschaftspolitiken blieb in den Wirtschaftskrisen der 70er Jahre ohne
zählbaren Erfolg stecken. Von einem wirklichen Gemeinsamen Markt, in dem
die nationalen Grenzen zwischen den Mitgliedstaaten für den
Wirtschaftsverkehr keine Rolle mehr spielen, konnte bis weit in die 80er Jahre
keine Rede mehr sein.
Es bedurfte neuer politischer Anstöße, um den wirtschaftlichen
Einigungsprozeß aus der Sackgasse, in die er hineingeraten zu sein schien,
wieder
herauszuführen. [3]
1.4 Binnenmarkt
Diese Anstöße kamen Mitte der 80er Jahre aus der Kommission in
Gestalt des Binnenmarktprogramms “Europa 92”, das der
Kommissionspräsident Jaques Delors am 12. März 1985 vor den
Abgeordneten des Europäischen Parlaments entwickelte und das die Vollendung
eines europäischen Binnenmarktes bis Ende 1992 vorsah. Zu diesem Zweck
stellte die Kommission im Jahre 1985 in einem “Weißbuch” einen
Katalog von konkreten Maßnahmen auf, die zur Vollendung des Binnenmarktes
nach einem genau festgelegten Zeitplan bis Ende 1992 zu treffen waren.
Dieses Weißbuch wurde 1985 vom damaligen Vorsitzenden der Kommission
Jaques Delors vorgelegt. Der Binnenmarkt sollte nicht nur für den
Warenverkehr gelten, sondern auch den freien Dienstleistungs- und Kapitalverkehr
sowie die Niederlassungsfreiheit innerhalb der Gemeinschaft garantieren. Weiter
sollten auch die nicht-tarifären Handelshemmnisse abgebaut werden. Unter
nicht-tarifären Handelshemmnissen werden physikalische Barrieren (z.B.
Grenzen), fiskalische Barrieren (z.B. Steuern) und technische
Barrieren (z.B. unterschiedliche Produktnormen) verstanden. Das
Binnenmarktkonzept sieht zwei Möglichkeiten vor diese nicht-tarifären
Handelshemmnissen zu beseitigen. Die erste ist einheitliche
Zulassungsbestimmungen (Harmonisierung) von Produkten. Die zweite ist die
Strategie der gegenseitigen Anerkennung. Das bedeutet, daß z.B. eine
Bohrmaschine, die in Portugal in den Handel gebracht werden darf, auch in
Deutschland verkauft werden kann.
Den politischen Auftrag zur Verwirklichung des Programms “Binnenmarkt
1992” erhielt die Kommission vom europäischen Rat noch im gleichen
Jahr auf dem Gipfeltreffen in Mailand. Um aber mit einiger Aussicht auf Erfolg
in nur sieben Jahren ein Ziel zu erreichen, das mit weniger Mitgliedstaaten in
fast drei Jahrzehnten nicht verwirklicht werden konnte, bedurfte es mehr als nur
einer politischen Willenserklärung und der Verabschiedung eines Programms:
Das Ziel “Binnenmarkt 1992” mußte Bestandteil des
Gründungsvertrags der E(W)G werden.
Dies wurde mit der am 1. Juli 1987 in Kraft getretenen Einheitlichen
Europäischen Akte (EEA) erreicht, durch die der E(W)G-Vertrag um einen
Artikel ergänzt wurde. [4]
Nach Inkrafttreten des Binnenmarkts am 31.12.1992 hatte die o.g. Strategie
der gegenseitigen Anerkennung konkrete Auswirkungen. “Oft behinderten als
Schutzvorschriften getarnte Hindernisse den Warenaustausch zwischen den
EU-Staaten. Im Streit um die Einfuhr von <<Cassis de
Dijon>>-Likör aus Frankreich sah z.B. der Europäische
Gerichtshof das deutsche Einfuhrverbot als übertriebene Maßnahme zur
Erreichung des erwünschten Ziels (Verbraucherschutz) an und bezeichnete
deutliche Angaben auf dem Etikett der Flaschen - hier über den
Alkoholgehalt - als ausreichend. Diese Rechtssprechung führt das für
die Verwirklichung des Binnenmarkts nicht nur im Warenbereich wegweisende
Prinzip der gegenseitigen Anerkennung
ein.” [5]
1.5 Einheitliche Europäische Akte (EEA)
Die EEA war die erste umfassende Revision der Verträge der drei
Europäischen Gemeinschaften EGKS (Montanunion, 1951), EAG (Euratom, 1957)
und EWG (1957). Verabschiedet am 28.02.1986, in Kraft seit dem 01.07.1987,
bezieht die EEA neue Tätigkeitsfelder in die Verträge mit ein, die
seither Gegenstand gemeinsamer Politik der EG-Mitgliedsstaaten sind, u.a. die
Europäische Politische Zusammenarbeit (EPZ) im Bereich der
Außenpolitik. Das Ziel einer Währungsunion wurde in der EEA erstmalig
in Art. 102a vertraglich fixiert. Im Mittelpunkt der EEA steht die Vollendung
des Europäischen Binnenmarktes zum 31.12.1992. Außerdem beinhaltet
sie eine Erweiterung der Rechte des Europäischen Parlaments
(Einführung des Kooperationsverfahrens) sowie eine teilweise Ablösung
des Prinzips der Einstimmigkeit durch eine Mehrheitsentscheidung im Ministerrat,
vor allem für die binnenmarktrelevanten Richtlinien und
Verordnungen.
“Als Ergänzungsvertrag zu den Römischen Verträgen kann
die EEA zwar nicht als ‘qualitativer Sprung’ bei der Vertiefung der
europäischen Integration gewertet werden, doch sie hat wegen ihres
nüchternen Augenmaßes und wegen des Interessenausgleichs zwischen
allen Mitgliedsstaaten nicht nur eine Zwischenetappe des Einigungsprozesses
geschaffen, sondern darüber hinaus auch den Boden für weitergehende
Integrationsschritte zur Wirtschafts- und Währungsunion sowie zur
Politischen Union bereitet.” [6]
1.6 Der Vertrag von Maastricht
Die Regierungschefs der Europäischen Union haben 1991 in Maastricht
beschlossen, eine Wirtschafts- und Währungsunion mit einer einheitlichen
Währung in Europa zu schaffen. Das heißt, es soll eine gemeinsame
Geldpolitik betrieben werden, und es soll ein gemeinsames Geld in den
Mitgliedstaaten geben. Damit entfällt der Umtausch und die Umrechnung in
die verschiedenen Währungen, und es bestehen auch keine Wechselkursrisiken
mehr für die Unternehmen. Es wurden gewisse Kriterien, sogenannte
Konvergenzkriterien festgelegt, die die Teilnehmerstaaten erfüllen
müssen, wenn sie in den Verbund aufgenommen werden wollen. Ein
Europäisches Währungsinstitut (EWI) wurde ins Leben gerufen. Dessen
Nachfolgerin wird die Europäische Zentralbank sein, die für die
Zinspolitik und die Geldmengensteuerung verantwortlich sein wird. Oberstes Ziel
dabei ist die Geldwertstabilität. Diese Europäische Zentralbank soll
nach dem Vorbild der Deutschen Bundesbank von politischen Weisungen
unabhängig sein. Sie erhält dadurch eine enorme Verantwortung, womit
ihr auch große Bedeutung zukommt. Man kann nur hoffen, daß sie
wirklich in die Fußstapfen der Deutschen Bundesbank tritt und
maßgeblich zur Stabilität der neuen Euro-Währung beitragen kann
und wird. Sie muß zunächst durch ihre stabilitätsorientierte
Politik entsprechendes weltweites Ansehen auf den Finanzmärkten erlangen,
um für die neue Euro-Währung eine psychologische Stütze zu sein
und entsprechendes Vertrauen für sie zu schaffen. Nur wenn das gelingt,
kann von einer Stabilität der neuen Euro-Währung ausgegangen werden.
Der Sitz der Europäischen Zentralbank wird in Frankfurt/Main
sein.
Übersicht über die drei Phasen der Wirtschafts- und
Währungsunion
Es wurde ein konkreter Stufenplan entwickelt, der den zeitlichen Ablauf der
Verwirklichung der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion
beschreibt. Dieser Terminplan steht im Grünbuch der Europäischen
Kommission.
Phase A: Ingangsetzen der Währungsunion (01.01.1998)
Zu Beginn der Phase:
- Verzeichnis der Teilnehmer
- Termin für den Start der
Währungsunion
- Termin für die Umstellung des Geldes
- Errichtung der Europäischen Zentralbank
- Herstellung von Noten und
Münzen
Während der Phase:
- Vorbereitung und Umsetzung der beschlossenen
Maßnahmen
- Schaffung rechtlicher Rahmenbedingungen
- Einrichtung zentraler Koordinierungsstellen
- Pläne für Kreditwirtschaft und
öffentliche Finanzen
- Phase A dauert 1 Jahr
- Es gelten die bisherigen
Währungen
Phase B:
Zu Beginn der Phase:
- Festlegung der Umrechnungskurse
- Euro-Geld ist eine eigenständige
Währung
- Geld- und Wechselkurspolitik in der neuen
Euro-Währung
- Geld-, Kapital- und Devisenmärkte in
Euro-Währung
- Neuemissionen der öffentlichen Hände in
Euro
- Jeweilige Bruttozahlungssysteme in
Euro
Während der Phase:
- Kreditwirtschaft intensiviert die Umstellung
- Weitere Umstellung der öffentlichen
Hände und Unternehmen
- Phase B dauert 3 Jahre
- Es gelten nebeneinander
- die
eingenständige Euro-Währung als Verrechnungseinheit
- die alten Noten und Münzen zu festen und unveränderbaren
Kursen in Relation
zum Euro
Phase C: Einführung des Euro-Geldes (01.01.2002)
- Einführung neuer Noten und Münzen
- Abschluß der Währungsumstellung bei
der Kreditwirtschaft
- Einzug von Noten und Münzen in nationaler
Währung
- Komplette Umstellung des öffentlichen und
privaten Sektors
- Ausschließliche Verwendung der
Euro-Währung
- Phase C dauert einige Wochen
- Nur noch Euro-Währung, neue Noten und
Münzen gültig
Entsprechend den Vereinbarungen von Maastricht soll 1998 festgestellt
werden, welche Länder die Konvergenzkriterien erfüllen. Letzte
Entscheidung, welche Länder beitreten dürfen, hat dann der
Europäische Rat der Staats- und Regierungschefs mit qualifizierter
Mehrheit.
Der Weg ist durch den Fahrplan der Maastrichter Beschlüsse
vorgezeichnet. Wie sieht die Situation nun in ausgewählten Ländern
aus, die hier betrachtet
werden? [7]
2. Betrachtung ausgewählter Länder
Im folgenden sollen exemplarisch einige “Kernländer” der
EU untersucht werden. Dieses sind die Gründungsmitglieder Deutschland,
Frankreich, England und Italien. Es wird anhand einer Übersicht
dargestellt, wie die Länder in Bezug auf wirtschaftliche Fakten und
politischer Überlegungen zu einer Währungsunion stehen.
2.1 Italien
Kassenloch im April: Die Notenbank warnt die Regierung
Augenblicklich bestehen in Italien große Diskussionen, wie das
Haushaltsdefizit in diesem Jahr ausfallen wird. Ob es bei den geplanten 109 600
Milliarden Lire oder umgerechnet 107 Mrd. DM bleibt oder sogar auf umgerechnet
136 Mrd. DM steigen wird ist noch nicht exakt absehbar. Für die Notenbank
mahnte Carlo Santini, enger Mitarbeiter des Notenbankchefs Antonio
Fazio: “Ohne eine sofortige Haushaltskorrektur ist jeder Versuch zur
Wiederbelebung der Wirtschaft mit dem Risiko einer Finanzkrise, einer Krise der
Lira und dem Risiko hoher Zinssätze
verbunden.” [8]
Diese Warnung erfolgte einen Tag nachdem bekannt wurde, daß der
zusätzliche Kassenbedarf des Staates in den ersten vier Monaten dieses
Jahres mit 67,7 Mrd. DM um 14,6 Mrd. DM höher war als in der gleichen Zeit
1995. Nachdem der Kassenbericht für das erste Quartal bereits eine
anteilige Überschreitung der Ausgaben um 9,4 Mrd. DM über das im
Haushalt festgesetzte Jahresziel von 107 Mrd. DM für 1996 angezeigt hatte,
lösen die beträchtlichen Überschreitungen im April die Besorgnis
aus, Roms Gesamtdefizit in diesem Jahr könne wesentlich höher liegen
als geplant. [9]
Der Abteilungsleiter für Fiskalfragen beim Weltwährungsfonds,
Vito Tanz, mahnt, in der Frage der Ausgabenüberschreitung müsse
die italienische Regierung sofort handeln. Das Land dürfe in seinen
Bemühungen keine Pause einlegen, denn sonst würden die
Kapitalmärkte sehr bald ein negatives Urteil abgeben. Das wahre Problem
für Italien sei nicht, die im Hinblick auf Maastricht für dieses Jahr
geplanten 107 Mrd. DM Defizit einzuhalten, sondern es bestehe darin, daß
Italiens ungedecktes Defizit noch grundsätzlich zu hoch sei, daß die
Gesamtverschuldung sehr bedeutend ist und daß es böse
Überraschungen geben könne, wenn die Zinsen noch weiter steigen
würden. Die Ausgaben müßten radikal gekürzt
werden.
Vor allem müsse die Haushalts- und Ausgabenstruktur völlig
reformiert werden. [10]
Das derzeitige größte Problem ist: Rom rechnete bei seiner
Haushaltsplanung mit einem Wirtschaftswachstum von drei Prozent gerechnet, doch
wird es nach jetzigem Stand daraus wohl günstigstenfalls nur ein Prozent.
Die Differenz von zwei Prozent weniger Wachstum entspricht in etwa 19,6 Mrd.
Staatseinnahmen weniger. [11] Wie dieses Loch
gestopft werden soll, darüber sind sich die Fachleute noch nicht
einig.
Einschätzung der wirtschaftlichen Situation
Die Staatsverschuldung erreichte im Sommer 1995 mit 2,1 Billionen Mark
einen neuen historischen Rekord. Der Staat muß wöchentlich drei
Milliarden DM Zinsen zahlen, wobei der Zinssatz um vier Prozentpunkte über
dem in Deutschland liegt. Kreditgeber sind in erster Linie die Italiener selbst.
Die Hälfte der Staatsschuld wird mit kurzfristigen Titeln von einer
Laufzeit zwischen drei und zwölf Monaten finanziert. Solange die Renditen
so hoch sind, sind Staatsanleihen oft ertragreicher als Investitionen, die die
Wirtschaft ankurbeln. [12]
Die Inflationsrate ist 1995 wieder gestiegen, die Arbeitslosenquote lag im
letzten Quartal 1995 bei beängstigenden 12,7 Prozent. Zudem ist das
Wirtschaftswachstum in erster Linie der starken Abwertung der Lira zu verdanken.
Für eine DM gibt es derzeit ca. 1050 Lire.
Vor dem Zwangs-Austritt aus dem EWS im September 1992 waren es nur 730
Lire.
Daß die Staatsfinanzen bis Ende 1997 die Maastricht-Auflagen
erfüllen, glaubt niemand in Italien. Sowohl Silvio Berlusconi, als
auch sein Gegenspieler Romano Prodi erhoffen sich von den
europäischen Partnern eine “flexiblere
Zielgebung”. [13]
Untermauert wird die wirtschaftliche
Situation [14] in Italien durch kürzlich
erschienene neue Berichte. Darin wird festgestellt daß nach einem ca. 3%
Anstieg des Bruttosozialprodukts im Jahr 1995 Italien 1996 einen steilen Abstieg
erlebt. Nur noch 0,7 bis 1% Wirtschaftswachstum erwarten die Institute auf der
Schätzbasis von Juni. [15]
Die Arbeitslosenquote stieg im April gegenüber der Vorjahreszeit um
0,3 Punkte auf 12,7%. Das Sozialprodukt nahm in dieser Zeit noch um 1,5% zu.
“Deutschland und Frankreich sind mit Abstand Italiens größte
Handelspartner. Da nur eine Exportsteigerung für nennenswerte Belebung
sorgen kann, hängt die Konjunkturentwicklung weitgehend davon ab, was in
diesen beiden Ländern
geschieht.” [16]
Doch der Exportboom ist vorbei. Erstens ist die starke Abwertung der Lira
an den Devisenmärkten einigermaßen korrigiert und zweitens
durchlaufen Frankreich und Deutschland eine Konsolidierung der Haushalte, was
sich auch in einer Verschlechterung der nationalen volkswirtschaftlichen
Wirtschaftsindikatoren ausdrückt. Demzufolge ist eine Wiederholung des
Exportbooms nicht mehr kurzfristig zu erwarten.
2.2 England
Euroskeptiker
Englischen Euroskeptikern ist jedes, noch so schwache Argument willkommen.
Die Krise rund ums britische Rindfleisch, so merken sie an, haben auch ihre
guten Seiten. Die von der Gemeinschaft erzwungenen Notschlachtungen würden
sich so nachhaltig negativ in der volkswirtschaftlichen Bilanz niederschlagen,
daß das Land die Kriterien für den Eintritt in die Europäische
Währungsunion mit einiger Sicherheit 1999 nicht erfüllen
werde. [17]
Doch im Gegensatz zum Rinder-Skandal verspricht die politische Debatte um
die Währungsunion mittelfristig mehr Spannung. Im Kabinett von
Regierungschef John Major bahnte sich im April 1996 in Machtkampf an, der
sich fast in einen gewaltigen politischen Vulkanausbruch verwandelt hätte.
Der Hintergrund: Major muß mit einer schwindenden Mehrheit von
mittlerweile nur noch zwei Sitzen im Unterhaus regieren. Daher ist er besonders
auch die Stimmen der Euroskeptiker angewiesen. Zudem stehen auch die
Wiederwahlchancen nicht besonders gut, da die Opposition in den Meinungsumfragen
führt und er zusätzlichen Druck durch eine neue Partei
bekommt.
Um alle diese Schwierigkeiten auf einmal zu lösen, verkündete er,
daß er über eine Volksabstimmung über den Euro-Beitritt
nachdenke. Dies wiederum führte zu Verstimmung bei den “Freunden
Europas” in der Major-Partei, so daß es lediglich den
Kompromiß der Aufnahme einer Volksabstimmung in das Wahlprogramm der
Konservativen bezüglich einer Währungsunion
kam. [18]
Doch all dies politische Taktieren hat den Engländern in der Frage um
den Beitritt zur Währungsunion nicht weitergeholfen. Die Regierungspartei,
nicht wenige Industrielle, einige Bankiers, hohe Beamte wie Notenbankchef
Eddie George und weite Teile des konservativen Establishments leben in
der Hoffnung auf eine Verschiebung der Währungsunion.
England wird dabei sein
Für Leon Brittan steht jedoch fest: “Deutschland und
Frankreich werden die Kriterien für den Beitritt zur Währungsunion
rechtzeitig erfüllen. Neben diesen beiden Ländern werden sich noch
vier bis fünf weitere Staaten für den Beitritt
qualifizieren.” [19], sagt der
Vizepräsident der Europäischen Kommission. Und dazu zähle auch
England. “Dem System dann nicht beizutreten, wäre ein schwerer
Fehler” [20], sagt er.
Eine solche Haltung würde höhere Zinsen und sinkende
Investitionen ausländischer Konzerne in England zur Folge haben. Am Ende
hätte England dann weniger Souveränität als heute.
Für eine Rückbesinnung rationaler Argumente Pro Europa
dürften am Ende die Bankindustrie der Londoner City und ausländische
industrielle Investoren wie Bosch, BMW, Siemens, Honda, Toyota oder die
amerikanischen Computerhersteller sorgen. Sie alle haben kein Interesse daran,
daß England sich aus der Europäischen Gemeinschaft
herauskatapultiert. Vor allem die ausländischen Konzerne fürchten um
den Wert ihrer Investments. Doch auch die kleine Zahl der noch
eigenständigen englischen Banken und die meisten britischen Bankiers
wissen, daß die City durch die Einführung des Euro zwar einerseits
Geschäft verliert, sich jedoch andererseits auch neue Gewinnpotentiale
erschließen. Sicher ist, daß der Stellenwert der City im
internationalen Wettbewerb der Finanzplätze deutlich sinken würde,
wenn England der Währungsgemeinschaft nicht beitreten
sollte. [21]
Diesen Tatsachen zufolge ist es wahrscheinlich eine Fehleinschätzung
des “politischen Willens” der Partner in Europa gegenüber, die
diese englische Haltung begründet. “In der Regierung mag es niemand
für möglich halten, daß am Ende politische Entscheidungen und
weniger wirtschaftliche Fakten über den Beginn der Währungsunion
bestimmen werden.” [22] Noch mag dies so
sein, doch am Ende wird sich die Regierung umbesinnen, und England wird bei der
Währungsunion dabei sein.
2.3 Die EU-Kernländer Frankreich und Deutschland
In Deutschland gibt es erhebliche Zweifel, ob Frankreich in der Lage sein
wird, die Maastricht Kriterien zu erfüllen. Und das Zusammenspiel zwischen
den aktuellen Schwierigkeiten der Regierung Juppe, für 1996 ein
Budget vorzulegen, das den Namen Sparhaushalt verdient, und dem viel zu hohen
Zinsniveau in Frankreich dürfte die Pessimisten in Bonn und Frankfurt
bestärken. Umgekehrt herrscht in Frankreich der Eindruck vor, daß
Deutschland die Währungsunion im Grunde nicht braucht, folglich also zu
keinerlei Zugeständnissen an die Partner bereit ist. Die jüngsten
Äußerungen der deutschen Wirtschafts- und Finanzminister und vor
allem von Bundesbank-Präsident Tietmeyer werden in Paris als Versuch
interpretiert, die Meßlatte für den Einstieg in die
Währungsunion immer höher zu legen. Dabei steht die französische
Bevölkerung nach den Ergebnissen einer Meinungsumfrage der
Einheitswährung inzwischen positiver gegenüber als die
Deutschen.
Bundeskanzler Kohl trat der Meinung, daß Deutschland die
Meßlatte für den Einstieg in die Währungsunion höher legen
wolle, um so die Einheitswährung zu verhindern oder zu verzögern, mit
den Worten entgegen, er habe gar keinen Zweifel, daß Deutsche und
Franzosen den Weg zur gemeinsamen Währung zusammen gehen würden.
Kohl ging es nicht darum, die Latte höher anzulegen, vielmehr
mußte er gerade mit Blick auf das jüngste Herbstgutachten der
Forschungsinstitute betonen, daß für beide Regierungen eine
Aufweichung der Stabilitätskriterien nicht in Frage komme. Die Institute
hatten vorgeschlagen, auf eine feste Schuldengrenze zu verzichten und bei dem
Budgetdefizit nur die strukturelle und nicht die konjunkturelle Komponente zu
berücksichtigen.
Frankreich versucht durch einen Kraftakt die Sanierung der angeschlagenen
Sozialversicherung durchzuführen und sie wieder auf finanziell solide Beine
zu stellen. Bemerkenswert ist dabei, daß sich Juppe erstmals nicht
mit einem Griff in die Taschen der Steuerzahler bescheidet, sondern
zusätzlich wirkliche Sparmaßnahmen vorstellt. Hinzu kommen
strukturelle Veränderungen in der Funktionsweise des
Sozialversicherungssystems. Insgesamt reichen die finanziellen Auswirkungen des
Maßnahmenkatalogs weiter als die von Juppe selbst ursprünglich
formulierten Ziele.
Wollte der Premier zunächst den Fehlbetrag der Sozialversicherung im
Jahr 1996 auf 30 Mrd. FF halbieren und 1997 den Ausgleich der Konten erreichen,
ist nach den nun vorgesehenen Planungen für 1996 ein Defizit von nur noch
17 Mrd. FF zu erwarten. Im Jahr darauf soll das System gar einen
Überschuß von 12 Mrd. FF erwirtschaften.
So macht Frankreich derzeit einen großen Schritt in Richtung
Maastricht. Nachdem die Abgeordneten dem Juppe-Plan und seiner schnellen
Umsetzung im Wege von Dekreten zustimmten, sind nun die Voraussetzungen
geschaffen, das Budgetdefizit im nächsten Jahr auf vier und 1997
schließlich auf drei Prozent zu reduzieren.
Die OECD behauptet jedoch, daß weder Deutschland noch Frankreich die
Kriterien erfüllen, die nötig sind für den Eintritt in die
geplante Europäische Währungsunion. In beiden Ländern werde der
Haushalt ein Defizit aufweisen, das voraussichtlich mehr als drei Prozent des
BIP beträgt. Mitte April 1996 hatte bereits der Internationale
Währungsfonds vorhergesagt, daß Deutschland und Frankreich die
Schuldenkriterien des Maastrichter Vertrages 1997 nicht erfüllen
würden. In Deutschland sei zudem mit einer Gesamtverschuldung von 61,1
Prozent des BIP zu rechnen. Damit würde Deutschland auch das zweite
Kriterium nicht erfüllen.
Allein den Maastrichter Vertrag für das Heulen und Zähneklappern
bei den notwendigen Sparmaßnahmen verantwortlich zu machen, wäre
jedoch eine falsche Einschätzung der Situation. Die Sanierung der
öffentlichen Haushalte wäre auch ohne Maastricht durchzuführen.
Nicht die Währungsunion und der Euro sind Giftpillen für die Erholung
der europäischen Volkswirtschaften, sondern die in der Vergangenheit
geduldete Geldverschwendung - von großzügigen Subventionszahlungen an
kränkelnde Industrien bis hin zu einem nicht mehr bezahlbaren System der
sozialen Sicherung. [23]
Ein vorzeitiges Begräbnis der Währungsunion liefe auf eine
politische Bankrotterklärung hinaus: Die Politiker könnten sich in
diesem Fall eigentlich nur noch eingestehen, daß die Sparmaßnahmen
wieder einmal nur halbherzig verwirklicht wurden. Doch geht es
ausschließlich darum, eine grundlegende Änderung des
wirtschaftspolitischen Kurses durchzuführen, um im internationalen
Wettbewerb noch mithalten zu können.
[24]
2.4 Unterschiedlicher Einfluß der Länder
Grundsätzlich kann man feststellen, daß die einzelnen EU-Staaten
einen unterschiedlichen Einfluß auf die Währungsunion haben. Dabei
ist vor allem der anteilige Schuldenstand und der Anteil des BIP am BIP der
gesamten EU-Staaten zu beachten.
Zusammen mit Deutschland hat Italien den größten absoluten
Betrag an Schulden angehäuft. Berechnet nach vorläufigen Zahlen der
Europäischen Kommission für 1995 und mit Hilfe der Wechselkurse vom
Jahresende, machten die deutschen Staatschulden zum Ende des vergangenen Jahres
23,5 Prozent, die italienischen 22,9 Prozent der gesamten staatlichen
Verbindlichkeiten in der Europäischen Union aus. Während das deutsche
BIP etwa 30 Prozent des gesamten Wertes in der Europäischen Union
entspricht, hat Italien daran nur einen Anteil von etwas mehr als 13
Prozent. [25] Solche Vergleiche von absoluten
Werten sind allerdings immer von den Schwankungen der Wechselkurse
abhängig. Nachdem sich der Wert der italienischen Lira seit Jahresbeginn um
ca. 5 Prozent erhöht hat, würde aus heutiger Sicht Italien die Rolle
des Spitzenreiters unter den Schuldenmachern einnehmen.
Aus der Gegenüberstellung von absoluten Werten läßt sich
allerdings ablesen, daß die Schulden der einzelnen Länder
unterschiedlichen Einfluß auf eine Europäische Währungsunion
hätten.
Betrachtet man beispielsweise die Staatsschulden Belgiens, die im
Verhältnis zum BIP des Landes sehr hoch sind, nämlich bei mehr als 134
Prozent, so kommt man zu der Schlußfolgerung, daß dieses Land
erstens noch sehr weit vom Maastricht-Kriterium von 60 Prozent des BIP entfernt
ist, und zweitens daß es nahezu unmöglich ist dieses Kriterium bis
Ende 1997 noch erfüllen zu können. Andererseits macht der absolute
Betrag der belgischen Schulden nur 6 Prozent des europäischen Gesamtwertes
aus. [26]
Die Mitgliedschaft Italiens in einer Währungsunion würde dagegen
die Relation zwischen Staatsschulden und Volkseinkommen innerhalb der gesamten
Währungsunion weitaus mehr belasten: So würde eine Währungsunion
mit Deutschland, Frankreich, den Niederlanden und Luxemburg, insgesamt noch
knapp unter dem Maastricht-Kriterium liegen, einschließlich Belgiens nur
zwei Prozent darüber.
Auch der Einschluß Österreichs und Irlands fiele dabei wenig ins
Gewicht, obwohl beide Länder das Maastricht-Kriterium für die
Staatsschulden nicht erfüllen. Die Aufnahme Italiens würde dagegen die
Relation von Staatsschulden und Volkseinkommen in der Währungsunion auf 71
Prozent verschlechtern, wobei dieser Wert noch unter dem Gesamtdurchschnitt
aller 15 EU-Mitgliedsländer von 74 Prozent
liegt. [27]
Abb.: Die größten Schuldenmacher in
Europa
Originaldokument enthält an dieser Stelle eine Grafik! Original document contains a graphic at this position!
Anteil der Staatsschulden der EU-Mitgliedsländer an den Schulden der
EU in Prozent
Quelle: FAZ vom 23.03.1996
2.5 Ausblick
Die geplante Währungsunion verspricht allgemein einen vereinfachten
Waren- und Zahlungsverkehr der den Handel erleichtert. Inwieweit dies einen
deutlichen wirtschaftlichen Fortschritt bringen soll ist aber noch nicht
bewiesen.
Gehen wir davon aus, daß sich durch die Währungsunion ein
starker Wirtschaftsblock bilden wird, ist es natürlich klar, daß kein
Land unbestimmte Zeit außen vor bleiben möchte. Denn eines ist
sicher, wer den Zug verpaßt, hat es sehr schwer, später noch
aufzuspringen, da der Abstand der Teilnehmer zu den Draußengebliebenen
schnell größer werden könnte. Bisher erfüllen nur Luxemburg
und mit “Einschränkung” Deutschland die
Kriterien. [28] Somit haben sich nur zwei
Länder qualifiziert.
“Österreich, Niederlande, Dänemark und Irland könnten
es noch schaffen. Aber es wird schließlich keine Währungsunion ohne
Frankreich geben. Da Luxemburg mit Belgien eine Währungsunion hat,
muß auch Belgien dabei sein. Ebenso möchte man den Block der
Beneluxstaaten nicht auseinanderreißen. Allerdings erfüllt Belgien
mit seiner hohen Staatsverschuldung nicht die Kriterien. Wenn Belgien trotzdem
hinein darf, wird sicher Italien, als wesentlich bedeutendere Industrienation
und als Gründungsmitglied der EG, auch darauf pochen, mit von der Partie zu
sein. Wenn Italien dabei ist, will womöglich auch Spanien dabei sein und in
dessen Gefolge auch Portugal. Dann meldet sich vielleicht auch
Griechenland.” [29]
Dies zeigt, daß sicherlich ein enormer Druck der einzelnen
“Partnerländer” auf die Gemeinschaft ausgeht, der es sehr
schwierig machen wird, an den strikten Konvergenzkriterien
festzuhalten.
“Im Gespräch ist auch, daß man jedem Land sozusagen das
Fehlen eines Kriteriums zugestehen könnte, wenn die anderen Kriterien
einwandfrei erfüllt wären und bei dem problematischen Kriterium ein
entsprechendes Bemühen und die Aussicht auf eine Besserung bestünde.
Im Vertrag lautet der Passus, “wenn eine deutliche Annäherung
erkennbar ist”.” [30]
Diese Aussage ist jedoch sehr zweifelhaft, denn wenn ein Kriterium auf dem
Prüfstand steht, dann ist die Frage “Welches, und warum nicht
alle?” noch nicht geklärt. U.E. ist dieses Problem auch nicht auf ein
Kriterium anwendbar, da der Stand der Konvergenz in den einzelnen Ländern
zu unterschiedlich ist. Würde dieser Aspekt in die Überlegungen einer
Währungsunion einbezogen, so müßte man sich vorher einigen, ob
eine einheitliche politische Aussage über eine Vollziehung einer
Währungsunion besteht. Davon ist allerdings auszugehen, was u.E. wieder zu
der Schlußfolgerung führt, daß die Konvergenzkriterien bei
einer politischen Währungsunion ihre Existenzgrundlage verlieren
würden.
Dabei ist zu beachten, daß die Währung “Euro” um so
schwächer wird, je mehr die Konvergenzkriterien aufgeweicht bzw. sogar
“wegfallen” werden, und deshalb mehr weiche Währungen
hinzukommen. Aus anderer Sicht ist aber eine Währungsunion nur sinnvoll,
wenn sie auch einen entsprechenden Nutzen bringt, der natürlich um so
größer wäre, je mehr Staaten an der Währungsunion
teilnehmen. Ob eine politische Währungsunion allerdings diesen Nutzen
bringen wird ist fraglich, da die Auswirkungen auf den Euro als negativ zu
beurteilen wären.
“Welche Länder nun dabei sein werden oder nicht, hängt
davon ab, wie streng man die Konvergenzkriterien anwenden wird. Ob man bei der
wirtschaftlichen Vernunft bleiben oder sich einem politischen Muß beugen
wird. Sollte es zu diesem Beugen kommen, ist mit allen negativen
Begleiterscheinungen für die Stabilität der Euro-Währung zu
rechnen.” [31]
Italien hat dabei, und das ist u.E. keinesfall als
“italien-feindlich” zu bezeichnen, die geringsten Chancen, in die
Währungsunion zu kommen, was auf die hohe Verschuldung im Vergleich zum BIP
zurückzuführen ist. Außerdem wäre der erste Schritt eine
Rückführung der Lira in das EWS, was allerdings die Marktteilnehmer
wieder zu Spekulationen reizen würde, wie es schon einmal geschehen ist.
Die Zeche zahlt dann wieder die Italienische Notenbank. Einzige Möglichkeit
ist das Vertrauen der Marktteilnehmer zu gewinnen. “Die Regierung
muß die Märkte durch vertrauensbildende Maßnahmen davon
überzeugen, daß die Lira höher bewertet werden
sollte.” [32]
Zusammenfassend gesehen, ist Italien auf dem Weg seinen Haushalt zu
konsolidieren, jedoch wird dies sicher nicht genügen die
Konvergenzkriterien zu erfüllen. “Aber eine
“Außenseiterchance” aufgrund politischer Erwägungen
sollte man Italien
einräumen.” [33]
3. Konvergenzkriterien: Darstellung, Diskussion, Kritik und
Alternativen
3.1 Darstellung der Konvergenzkriterien
Oft genannt und im Maastrichter Vertrag festgelegt, muß man sie
dennoch immer wieder aufführen. Nach Meinung des britischen EU-Kommissars
Leon Brittan haben sie in den letzten Jahren ihre heilsame Wirkung
bereits bewiesen, selbst wenn es zu keiner Währungsunion
käme. [34]
- Inflation: Die durchschnittliche
Inflationsrate während des letzten Jahres vor der Prüfung darf nicht
mehr als 1,5 Prozentpunkte über dem Durchschnitt der höchstens drei
preisstabilsten Länder der EU liegen.
- Zinsen: Die durchschnittlichen
langfristigen Zinsen während des letzten Jahres vor der Prüfung
dürfen nicht mehr als 2 Prozentpunkte über dem Durchschnitt der
höchstens drei preisstabilsten Länder der EU
liegen.
- Budgetdefizit: Das geplante oder
tatsächliche staatliche Budgetdefizit auf allen Staatsebenen, ohne
Erträge aus Privatisierungen von Staatsbetrieben, aber inklusive
Arbeitslosen- und Pensionskassen, darf nicht mehr als 3 Prozent des
Bruttoinlandsprodukts (BIP) betragen.
- Staatsschulden: Die Staatsschulden
dürfen nicht mehr als 60% des BIP betragen.
- Wechselkurse: Einhalten der normalen
Bandbreite im EWS ohne größere Probleme während mindestens zwei
Jahren vor Beginn der Währungsunion. Insbesondere ist eine Abwertung aus
eigener Initiative in dieser Zeitspanne untersagt.
Bei Beginn der dritten Stufe der Währungsreform ist bei allen
beteiligten Staaten die Unabhängigkeit ihrer Zentralbank von der Regierung
vorausgesetzt.
Die erste Stufe der Währungsreform hat mit Inkrafttreten des
Maastrichter Vertrags begonnen, die zweite wurde mit der Einrichtung des
Europäischen Währungsinstitutes in Frankfurt erreicht. In ihr befindet
sich gegenwärtig die EU. Die dritte Stufe wird mit der Auswahl der
Teilnahmeberechtigten vorbereitet und mit der Fixierung des dauerhaften
Verhältnisses ihrer Währungen zu der einheitlichen Währung
erklommen. Auf ihr geht es dann, ab dem 1.1.99 um die technische Umstellung der
gemeinsamen, aber in unterschiedlichen Geldzeichen ausgedrückten
Währung auf ein einheitliches
Geldzeichen. [35]
3.2 Die öffentliche Debatte: Konvergenzkriterien pro und contra
Obwohl es nur mehr zwei Jahre sind, bis die dritte Stufe der
EWährungsunion eingeleitet werden soll, gehen die Meinungen von Politikern
und Experten über die Risiken und Vorteile der Europäischen
Währungsunion weit auseinander.
Zwei gegensätzliche Meinungen werden deshalb im folgenden
dargestellt:
- Positive Stimmen zu den Konvergenzkriterien
- Kritische Stimmen zu den Konvergenzkriterien
3.2.1 Positive Stimmen zu den Konvergenzkriterien
Der Präsident des Europäischen Parlaments, Klaus Haensch
(SPD) , geht davon aus, daß die Währungsunion 1999 wie geplant in
Kraft treten kann. Auch die Europäische Kommission in Brüssel ist
überzeugt, daß die Bürger sich dem Euro anschließen
werden.
EU-Kommissionspräsident Jacques Santer betonte hierzu vom
22.-24.1.1996 in Brüssel die Wichtigkeit der Einführung einer
einheitlichen Währung ab dem 1.1.1999. Ziel der Einführung einer
einheitlichen Währung sei die Rückeroberung der europäischen
Wettbewerbsfähigkeit sowie die Verbesserung des Wirtschaftssystems, wodurch
neue Arbeitsplätze geschaffen werden. Die einheitliche Währung sei ein
“Peitschenhieb für unser Integrationsvorhaben”, meinte Jacques
Santer . Die Bürger müßten davon überzeugt werden,
daß der “Euro gut für die Beschäftigung” sei,
forderte Santer . “Alle betroffenen Akteure” sollten ihre Energie
gebündelt in einen “Vertrauenspakt” einbringen.
Auch der Bundesbankpräsident Hans Tietmeyer betonte, daß
die politische Entscheidung für die Währungsunion mit dem Vertrag von
Maastricht und seiner Ratifizierung gefallen sei. Jetzt komme es darauf an, eine
stabile und dauerhafte ökonomische und politische Grundlage für dieses
Vorhaben zu schaffen. Ansonsten würde die Währungsunion zu einer
schweren politischen Hypothek für die weitere europäische Integration
werden. Eine Lockerung der Konvergenzkriterien würde nach Tietmeyer
zu einem Vertrauensverlust auf den Finanzmärkten führen, der nur
schwer wieder wettzumachen
wäre. [36]
Günter Rexrodt (FDP) fordert auf, “weder die
Konvergenzkriterien zu verändern, noch am Termin der dritten Stufe der
Währungsunion zu rütteln. Sonst bestehe die Gefahr, daß zu viele
Teilnehmer versuchen würden, die Kriterien zu ihren Gunsten
aufzuweichen.” Danach würde seiner Ansicht nach der ganze Binnenmarkt
in Gefahr geraten. [37]
Als “nicht zielführend” bezeichnete Österreichs
Finanzminister Viktor Klima Diskussionen über Veränderungen der
Maastricht-Kriterien oder eine Verschiebung des für Anfang 1999
vorgesehenen Starts der 3. Stufe der Europäischen Wirtschafts- und
Währungsunion. Er warnte davor, damit “Verunsicherung in die
Kapitalmärkte hineinzutragen”. Nach den kurzfristigen Anstrengungen
im Budgetkonsolidierungspaket müßten nun strukturelle Reformen
vorangetrieben werden, z. B. zur Finanzierung der Sozialsysteme sowie
Verwaltungsreformen. [38]
Die Schweiz werde der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion
zwar nicht beitreten, sei aber als Land mit eigener harter Währung an einem
starken Euro “überaus interessiert”, erklärte der
Schweizer Finanzminister Kaspar Villiger. Zweifel an den
Maastricht-Kriterien für die europäische Währungsunion
könnten nämlich, so Villiger, “durchaus in eine Bewegung
in den Schweizer Franken führen”, was sowohl die Schweizer
Volkswirtschaft als auch die Nationalbank vor Probleme stellen
würde. [39]
Am 2.4.1996 stellte der Präsident des Europäischen
Währungsinstituts Alexandre Lamfalussy in Frankfurt den zweiten
Jahresbericht vor. Aus dem Bericht geht hervor, daß nach Einschätzung
des EWI der Termin des 1.1.1999 für den Beginn der dritten Phase der
Währungsunion und die Einführung der einheitlichen Währung
eingehalten werden könne. Voraussetzung sei “eine angemessene
Wirtschaftspolitik bei strikter Anwendung der Konvergenzkriterien und eine
zufriedenstellende Wirtschaftsentwicklung in der Gemeinschaft”. Ein
allgemeiner Rückgang der Konjunktur sei nicht zu befürchten, es werde
im Gegenteil 1996 mit einem Wachstumsaufschwung gerechnet. Lamfalussy
betonte, daß nach wie vor die Haushaltspolitik der Mitgliedstaaten den
größten Anlaß zur Sorge gebe. Die staatlichen Finanzen bildeten
den Schwachpunkt des Konvergenzprozesses. Die Schuldenquote in der EU sei weiter
gestiegen und habe 1995 bei über 70 % des Bruttoinlandsproduktes gelegen.
Eine unverzügliche Verstärkung der Politik der Haushaltskonsolidierung
sei deshalb unumgänglich. [40]
Auch EU-Kommissar Yves-Thibault de Silguy erklärte am 13.2.1996
in Frankreich, daß an dem Termin 1.1.1999 festzuhalten sei. Eine
Verschiebung würde das politische Gleichgewicht erschüttern.
Neuverhandlungen müßten geführt werden. Negative Auswirkungen
auf die Konvergenzkriterien, die kollektive und individuelle
Glaubwürdigkeit der Mitgliedstaaten seien die Folge. Eine Verschiebung
liefe somit auf ein Scheitern hinaus. Die Einführung der einheitlichen
Währung sei aber erforderlich, um Währungsturbulenzen mit ihrer
negativen Auswirkung auf Wirtschaftswachstum und Wettbewerb zu verhindern.
Weiter betonte de Silguy erneut die Notwendigkeit der
Zurückführung der öffentlichen Defizite. Die vertraglich
festgelegten Konvergenzziele seien realisierbar. Parallel zur Senkung der
öffentlichen Defizite sei eine angemessene Strukturpolitik zur
Bekämpfung der Arbeitslosigkeit unumgänglich. Um die Politische Union
neben der Währungsunion voranzubringen, müsse der politische Wille zur
Koordinierung der Wirtschaftspolitik innerhalb der EU vorhanden sein. Weiter
sprach sich de Silguy für eine Stärkung des Finanzministerrates
aus. Er müsse “zu einer echten Entscheidungsinstanz werden und ggfs.
Zwangsmaßnahmen treffen”. Auf Vorschlag der Kommission müsse
der Rat entscheiden können, ob Defizite Sanktionen
erforderten. [41]
OECD-Generalsekretär Jean-Paul Paye ist der Ansicht, daß
mit Einführung der Währungsunion u.a. die Kosten des
grenzüberschreitenden Waren- und Dienstleistungsverkehrs verringert werden.
Absicherungen gegen Wechselkursschwankungen werden überflüssig. Da
Transaktionen nicht mehr in verschiedenen Währungen durchgeführt
werden müßten, sänken Rechnungslegungskosten und schrumpften die
Spannen bei kleineren Überweisungen. Preis- und Kostenvergleiche
würden vereinfacht und somit würde die Entstehung eines wirklichen
Binnenmarktes für Finanzdienstleistungen gefördert. Allerdings gebe es
in der Übergangsphase zur Währungsunion noch viele Probleme zu
lösen. Der Abbau der konjunkturellen Arbeitslosigkeit erfordere niedrige
Zinsen und ein “sehr günstiges Geschäfts- und
Konsumklima”. Dabei werde der deutschen geldpolitischen Ausrichtung eine
Schlüsselrolle für die Zinsentwicklung im EWS-Verbund
zufallen. [42]
3.2.2 Kritische Stimmen zu den Konvergenzkriterien
Bundesbankdirektor Issing sieht große Risiken für das
Inkrafttreten im Jahr 1999 voraus. Er kritisierte: “Die Währungsunion
als Schrittmacher der Politischen Union einsetzen zu wollen, heißt das
Pferd vom Schwanze aufzuzäumen”. Sparkassenpräsident Horst
Köhler plädiert für eine Verschiebung, wenn die
Stabilitätskriterien nicht von genügend Ländern erfüllt
sind. Die Währungsunion dürfe nur kommen, wenn die Euro-Währung
so stabil ist wie die DM. Qualität müsse Vorrang vor Terminen haben.
Ähnlich sieht es der Chefvolkswirt der Dresdner Bank, nach dessen Meinung
angesichts der Entwicklung des vergangenen Jahres die Einführung der
gemeinsamen Währung mehr gefährdet sei als noch vor einem Jahr. Der
Münchner Finanzexperte Gottfried Heller meint, daß die
Konvergenzkriterien nur zu erfüllen seien, wenn in allen EU-Staaten
drastische Einschnitte in das soziale Netz gemacht würden. Abgesehen davon,
daß Heller dies politisch nicht für durchsetzbar hält,
würde eine starke Reduzierung der Ausgaben eine verhängnisvolle
Spirale in Gang setzen: schwächeres Wachstum, steigende Arbeitslosigkeit,
zunehmende soziale Spannungen, geringere Steuereinnahmen, größeres
Haushaltsdefizit, erneute Steueranhebungen, weitere Verlagerung von
Arbeitsplätzen ins Ausland, weitere Abschwächung der Konjunktur
etc.. [43]
Durchaus kritisch sieht die Professorin für Außenwirtschaft an
der Universität Stuttgart-Hohenheim, Renate Ohr , die
Einführung einer gemeinsamen Währung. Allein für die technische
Umstellung im Bankensektor, d.h. für die Anpassung aller Buchungs-,
Abrechnungs- und Zahlungsverkehrssysteme liegen laut Renate Ohr bereits
Kostenschätzungen in Höhe von ca. 10 Mrd. ECU vor. Anpassungskosten
entstehen jedoch auch in allen übrigen Wirtschaftsbereichen. Jede
Buchhaltung muß auf die neue Währungseinheit umgestellt werden.
Ferner müssen alle Formulare, gesetzlichen Bestimmungen, die geldliche
Vorgaben beinhalten, sowie Geldautomaten, Registrierkassen, öffentliche
Fernsprecher, Fahrkartenautomaten, Zigarettenautomaten,
Süßigkeitenautomaten, Kaffeeautomaten und ähnliches auf Euro
umgestellt werden. Die Professorin rechnet mit einem Preisschub im Zuge der
Währungsumstellung von mindestens 2-3 %. Diese Ausgaben würden keinen
produktiven Zwecken dienen, sondern würden unproduktiv verbraucht und
voraussichtlich auf den Endverbraucher
abgewälzt. [44]
Selbst eifrige Anhänger einer europäischen Einheitswährung
wie z.B .der einstige Premier Valery Giscard d´Estaing, meldeten
Zweifel an. D’ Estaing spricht sich für eine Aufweichung der
Kriterien- zumindest was das Haushaltsdefizit angeht- aus. So sollten statt der
vorgeschriebenen 3 Prozent des Bruttosozialprodukts, das Haushaltsdefizit auch
mal 3,5 Prozent betragen dürfen. [45] Nach
d’ Estaing ist die Auslegung der Kriterien Ermessenssache des
Europäischen Rates, der dabei die Konjunktur in Rechnung stellen kann. Es
gehe somit also nicht um eine Minderung, sondern um eine flexible,
rechtmäßige Interpretation der
Kriterien. [46]
Auch in Deutschland wächst die Zahl der Währungs-Verweigerer, die
das Tempo in Richtung Maastricht drosseln wollen. Wissenschaftler, wie der
Vizepräsident des Rheinisch-Westfälischen Instituts für
Wirtschaftsforschung, Ullrich Heilemann, empfehlen, einen neuen
“geeigneten Zeitpunkt zu suchen, zu dem die Maastricht-Ziele ohne
großen Schaden zu erreichen” seien. Der Chefvolkswirt der Deutschen
Bank, Norbert Walter, rät, die Zugangskriterien für die
Währungsunion nicht juristisch penibel, sondern “ökonomisch
vernünftig zu
interpretieren”. [47]
In allen europäischen Ländern werden derzeit die
Wachstumserwartungen kräftig reduziert. Das hat Folgen für die Etats.
Die Steuereinnahmen bleiben weit unter den Plansätzen, die krisenbedingten
Ausgaben schießen darüber hinaus. Einsparungen, die also nötig
wären um für Maastricht fit zu sein, bewirken jedoch eine weitere
gesamtwirtschaftliche Abschwächung, sagen Heilemann und seine
Kollegen voraus: “Weil es alle Nachbarn gleichzeitig versuchen
müßten, klappt es am Ende bei keinem.” Das einzig sichere
Ergebnis wären somit weitere Hunderttausende von Arbeitslosen.
Die Europäer, allen voran die Deutschen sitzen in der
Maastricht-Falle:
- Wollen sie die verabredeten Bedingungen zum
Eintritt in die Währungsunion rechtzeitig erfüllen, müssen sie
die Staatsausgaben so massiv kappen, daß es mit der Wirtschaft noch
schneller abwärts geht und aus der “Wachstumspause” eine
Rezession wird - mit noch mehr Arbeitslosen;
- geben sie den Maastrichtplan auf, werden Anleger
und Spekulanten Milliarden von Franc, Lire und Peseten in die vermeintlich
stabile DM wechseln, deren Kurs noch höher treiben und den deutschen Export
damit drastisch verteuern - auch das würde viele Jobs
kosten.[48]
3.3 Kleine Währungsunion ?
Der spanischen Außenminister Carlos Westendorp soll nach
Meldung der Agentur EFE anläßlich eines Arbeitsessens mit
Journalisten am 24.1.1995 erklärt haben, daß er vom Zustandekommen
der Europäischen Währungsunion absolut überzeugt sei, da der
Preis der Nichtverwirklichung höher sei als der ihrer Verwirklichung.
Allerdings könne er sich die Währungsunion nicht ohne Frankreich und
Deutschland vorstellen. Auch müßte zumindest einer der drei anderen
“großen” Staaten der EU (Großbritannien, Italien und
Spanien) teilnehmen. Für den Fall, daß nicht genügend Staaten
für die Einführung der Währungsunion am 1.1.1999 bereit seien,
solle man die Möglichkeit nicht ausschließen, “die Uhren
anzuhalten”.
Wenn zum 01.01.1999 nur wenige Länder die Konvergenzkriterien
erfüllen, sollte nach Ansicht des Wirtschafts-Sachverständigenrates
der “Fünf Weisen” die geplante Europäische
Währungsunion verschoben werden. Die Konvergenzkriterien “strikt und
eng” zu erfüllen, müsse Vorrang vor Terminzwängen haben,
schreibt der Rat in seinem Jahresgutachten, das er am 14. November 1995 in Bonn
vorlegte. Der Rat hält 1999 nur eine “kleine
Teilwährungsunion” für möglich, deren Kosten und Risiken
die Vorteile jedoch übersteigen würden. Auch könne eine kleine
Währungsunion die Europäische Einigung
gefährden. [49]
Die knappen Zeitvorgaben erzwingen entweder eine Aufweichung der
Konvergenzvorgaben oder aber eine Spaltung Europas, warnt Frau Ohr , da bis 1999
nur wenige Länder - und auch diese zumeist nur annähernd - die
Maastricht-Kriterien erfüllen können. Entsteht jedoch nur eine kleine
Währungsunion, reduzieren sich die ökonomischen Vorteile auf ein
Minimum, während die Wechselkursinstabilitäten gegenüber den
“disqualifizierten” Ländern zunehmen werden, fürchtet
Renate Ohr. [50]
Wie bereits in seiner Rede vor dem Deutschen Bundestag mahnte
Stoiber in der Klausurtagung der CSU-Landesgruppe in Kreuth am 10.1.1996
vor einer zu kleinen Währungsunion. Es reiche nicht aus, wenn nur
Deutschland, Frankreich und die Beneluxstaaten mit der Euro-Währung starten
würden, erklärte Stoiber . Für Länder, die noch nicht
an der Währungsunion teilnehmen können, - etwa Italien und Spanien -
fordert Stoiber , daß diese “in irgendeinem Verbund mit dabei
sein müssen”. Es müsse also eine Regelung zwischen den Staaten,
die an der Währungsunion teilnehmen, und denen, die noch nicht an ihr
teilnehmen, gefunden werden. [51]
3.4 EWS II
In einem Brief an den amtierenden Vorsitzenden des Rates für
Wirtschaft und Finanzen (ECOFIN), Lamberto Dini, sowie an die
Finanzminister der anderen Mitgliedstaaten erläutert der britische
Schatzkanzler Kenneth Clarke die britischen Überlegungen zur
Währungsunion. Ausgangspunkt sei die Tatsache, daß es innerhalb der
EU nach Einführung der einheitlichen Währung zwei Gruppen geben werde,
die der teilnehmenden Staaten und die Gruppe der nichtteilnehmenden. Dies stelle
die “geteilte Union, die stets eine Union gleichberechtigter Partner
bleiben muß”, vor enorme Herausforderungen. Es müsse
gewährleistet werden, daß die Einführung des Euro und die
Wechselkursbewegungen zwischen dem Euro und den Währungen der nicht
teilnehmenden Staaten nicht zu Funktionsbeeinträchtigungen des
Binnenmarktes führen.
Ein Wechselkursmechanismus nach dem Muster des EWS sei zu starr und
könne Zeiten größerer Spannungen und Turbulenzen auf den
Märkten nicht verkraften. Es müsse daher nach alternativen Politiken
und Maßnahmen gesucht werden. Wichtig sei es, daß der Unionshaushalt
weiterhin unter strenger Kontrolle stehe. Jeder Druck zu neuen
Haushaltstransfers zugunsten teilnehmender Staaten, die Probleme mit den
Anforderungen einer einheitlichen Währungspolitik haben, oder zugunsten
nichtteilnehmender Staaten, die auf diese Weise ihre Konvergenz verbessern
wollen, lehnt Clarke ab. Andernfalls wäre es unmöglich, die
Haushaltsdisziplin aufrechtzuerhalten, die “wir auf der Ebene des
Unionshaushaltes alle für nötig halten”. Weiter schreibt
Clarke, daß es den Ländern, die nicht in der ersten Gruppe
vertreten sind, nicht schwieriger gemacht werden dürfe, dieser beizutreten.
Entscheidend sei, daß die Fortschritte in Richtung Konvergenz fortgesetzt
werden, auch nachdem die Eurozone gebildet worden ist. Auf jeden Fall
müssen Lösungen gefunden werden, die verhinderten, daß eine
politische und wirtschaftliche Kluft zwischen den teilnehmenden und
nichtteilnehmenden Ländern
entsteht. [52]
Für die Wechselskursbeziehungen zwischen den Ländern der
europäischen Währungsunion und den Staaten, die nicht von Anfang dabei
sein können, sind für Tietmeyer drei Aspekte von besonderer
Bedeutung. Es dürfe nicht ein System geschaffen werden, bei dem die
nominalen Wechselkurse auch bei deutlichen Divergenzen aufrechterhalten blieben.
Deshalb bedürfe es eines geeigneten Entscheidungsverfahrens, um
Wechselkurse rechtzeitig anzupassen. Die zentrale Frage sei, welches
Entscheidungsverfahren dies sicherstellen könne und eine Regelbindung
dafür hilfreich sei. Zweitens dürfe ein solches System nicht von
Interventionsverpflichtungen der europäischen Notenbank abhängen, weil
dadurch die Stabilitätspolitik innerhalb der Währungsunion
gefährdet würde. Und drittens müsse angesichts der
unterschiedlichen wirtschaftlichen Verfassung der Nichtteilnehmer über
unterschiedliche Wechselkurssysteme, zumindest aber über differenzierte
Regeln innerhalb eines gemeinsamen Systems nachgedacht
werden. [53]
Auch Lamfalussy fordert eine Bindung der Nichtteilnehmerstaaten an
den Euro um eine Minimierung der Wechselkursschwankungen zwischen den
“Ins” und den “Outs” zu erreichen. Hierbei dürfe
die EZB nicht zur Intervention verpflichtet werden. Diese Thema stand auch im
Mittelpunkt eines Gespräches zwischen Lamfalussy und
Bundesaußenminister Klaus Kinkel über die Umsetzung der
Wirtschafts- und Währungsunion am 29.11.1995. Kinkel und
EWI-Präsident Lamfalussy waren sich einig, daß hierfür in
den nächsten Monaten ein Modus gefunden werden müsse, sowohl was die
Länder betrifft, die die Konvergenz zwar erfüllen, aber noch nicht
teilnehmen wollen und den Ländern, die die Konvergenzkriterien noch nicht
erfüllen. [54]
OECD-Generalsekretär Jean-Paul Paye befürwortet die
Beteiligungen von vielen Mitgliedstaaten an der Währungsunion. Auch seiner
Meinung nach müßten zwischen den “Ins” und
“Outs” Wechselkursvereinbarungen getroffen werden, um
Kursschwankungen zu dämpfen und das einwandfreie Funktionieren des
europäischen Einheitsmarktes nicht zu
gefährden. [55]
Mit einer Doppelstrategie aus Stabilitätspolitik und straffen
Wechselkurskontrollen will die EU eine Spaltung durch die Einheitswährung
verhindern. Die Beziehungen zwischen den “Ins” - den Ländern,
die sich im ersten Anlauf für den Geldverbund qualifizieren - und den
“Outs”, die die Maastrichter Kriterien nicht erfüllen oder
zunächst nicht mitmachen wollen, sollen im Rahmen eines neuen
europäischen Wechselkurssystems “EWS II” geregelt werden.
Dieses künftige Wechselkurssystem soll flexibler ausgestaltet sein als das
bisherige. Der Euro wird in ihm die Rolle einer Ankerwährung
übernehmen. Darauf verständigten sich am 13./14.4.1996 auf einem
Treffen in Verona die Mehrheit der Finanzminister und Notenbankchefs der
EU-Mitgliedstaaten. Der neue Wechselkursverbund soll 1999 wirksam werden und
größere durch die wirtschaftlichen Grundlagen nicht gerechtfertigte
Kursausschläge zwischen dem Euro und den “noch”
selbständigen nationalen Währungen
verhindern. [56]
Das EWS II wird sich nach Bundesfinanzminister Theo Waigel von
seinem Vorgänger erheblich unterscheiden. Vor allem soll die
Währungsunion nicht für finanzpolitische Disziplinlosigkeiten der
Nichtmitglieder geradestehen. Die Nachzügler sollen gehindert werden, sich
durch übermäßige Abwertungen Exportvorteile zu Lasten der
Euro-Länder zu verschaffen. Waigel unterstützte die Forderungen
Frankreichs, eine solche Strategie mit Kürzungen der Zuwendungen aus der
Brüsseler Kasse zu bestrafen. Das Europäische Währungsinstitut,
Vorläufer der Europäischen Zentralbank (EZB), wollte bis zum EU-Gipfel
im Juni 1996 in Florenz detaillierte Vorschläge zum EWS II ausarbeiten. Die
endgültige Entscheidung über die Spielregeln zwischen der
“Euro-Vorhut” und den übrigen Staaten soll im Frühjahr
1998 fallen, wenn die EZB in Frankfurt die Arbeit aufgenommen
hat. [57]
Die Frage, die sich stellt, ist wie die Nachzügler daran hindern will,
sich durch übermäßige Abwertung Exportvorteile zu lasten der
Euro-Länder zu verschaffen. Eine Möglichkeit wäre diese
Abwertungen durch massive Stützungskäufe zu verhindern. Dies jedoch
nicht gewollt und somit keine Lösung. Eine andere Möglichkeit besteht
darin, Handelshemmnisse zu erlassen, was jedoch das Ende des Binnenmarkts
bedeuten würde, was niemand möchte. Eine dritte Möglichkeit
wäre Druck auf die Länder auszuüben, damit sie selber
intervenieren. Diese Möglichkeit enthält allerdings einen
konzeptionellen Mangel. Könnten diese Länder selber bei zu starken
Wechselkursschwankungen intervenieren, wären sie wahrscheinlich bei der
Währungsunion von Anfang an dabei.
Eine andere Frage ist, wie die geforderten unterschiedlichen Bandbreiten
festgelegt bzw. bestimmt werden sollen.
Über die Regeln, nach denen das künftige Währungssystem
arbeiten soll, gehen die Meinungen noch weit auseinander. Grundsätzlich
wollen jedoch alle Regierungen aus den Fehlern lernen, die bei der Schaffung des
ersten EWS gemacht wurden. So wird daran gedacht, die Pflicht der Notenbanken
zur Währungsstützung auf Fälle zu beschränken, in denen die
wirtschaftlichen Grunddaten im hilfsbedürftigen Land stimmen, und je nach
dem Grad der Konvergenzfortschritte unterschiedliche Bandbreiten für
Währungsschwankungen
festzulegen. [58]
Dabei gibt es zwei Möglichkeiten. Zum einen könnten diese
Bandbreiten für jedes Land politisch festgelegt werden. Oder man
könnte sie nach einem bestimmten mathematischen Verfahren, das noch genauer
zu bestimmen ist, berechnen. Die Bandbreiten könnten hier eine Funktion der
Veränderung bzw. Trends der Handelsbilanz und der Inflation sein.
Zu diskutieren ist, ob die Bandbreiten bewußt immer etwas enger als
eigentlich notwendig gehalten werden sollten, um eine zusätzliche
“anspornende” und disziplinierende Wirkung zu erreichen. Weiterhin
sollten die Bandbreiten zum Euro stufenweise verkleinert werden, um die
“Outs” an die Teilnahme an der Währungsunion
heranzuführen. Die Verengung der Bandbreiten sollte aber nicht automatisch
geschehen, sondern mit den einzelnen Ländern jeweils abgestimmt werden.
Bundesbankpräsident Hans Tietmeyer fand für einen
Vorschlag Interesse, dem Präsidenten der künftigen Europäischen
Zentralbank eine Art “Auslöserrolle” für Auf- und
Abwertungen innerhalb des EWS zu verleihen. Entscheiden muß nach Meinung
Tietmeyers letztlich die jeweilige Regierung über eine
Währungsanpassung. Doch könnte der Zentralbankspräsident nach
seiner Meinung den Anstoß für rechtzeitige
Paritätsänderungen geben. [59]
3.4 Konzeptionelle Mängel und Kritik an den Konvergenzkriterien
Konzeptionelle Mängel
“Das theoretische Fundament der Maastrichter Konvergenzkriterien ist
eher bescheiden. Weder die stark auf monetäre und fiskalische Sachverhalte
ausgerichtete Auswahl der Kriterien, noch die Präzisierung der
Grenzwerte und Bandbreiten lassen sich ökonomisch stichhaltig
begründen.” [60] Nach der Ansicht der
Autoren Christian Schmidt und Thomas Straubhaar läßt
der o.g. Sachverhalt darauf zurückführen, daß der EG-Vertrag in
weiten Teilen einen Kompromiß darstellt. Auch das Europäische
Währungsinstitut (EWI) beschreibt statistische Probleme bei der
Feststellung und welcher inhaltlicher Präzisierungsbedarf bei der
Beurteilung der Kriterien noch vorhanden
ist. [61] So bemängelt das EWI, daß
unter einem “hohen Grad” der Preisstabilität eine
Inflationsrate zu verstehen sei, “die nicht mehr als 1,5% über der
Inflationsrate jener - höchsten drei - Mitgliedsstaaten liegt, die auf dem
Gebiet der Preisstabilität das beste Ergebnis erzielt haben”. Unklar
bleibt aber, ob höchsten drei auch die besten zwei oder den besten alleine
meinen kann. Weiter bemängelt das EWI, daß bezogen auf das Kriterium
öffentliche Finanzen einzelne Interessengruppen einen gewaltigen
Intepretationsspielraum finden, weil bei den Ausnahmebestimmungen nicht gesagt
wird, wie groß der Trend zu Einhaltung des Defizit sein muß. Auch
wird nichts über die zulässige Häufigkeit von ausnahmsweiser und
vorübergehender Überschreiten des Referenzwerts gesagt.
Kritik an den Konvergenzkriterien
Die im Maastrichter Vertrag festgelegten harten Konvergenzkriterien
führen zu einer Vielzahl von Entwicklungen, die der gesamtwirtschaftlichen
Entwicklung und der sozialen Lage in der Europäischen Gemeinschaft Schaden
zufügen können. So haben die Konvergenzkriterien eine
verschärfende Wirkung auf die momentane Stagnation. In den letzten Jahren
haben die durchschnittlichen europäischen Wachstumsraten der
Bruttoinlandsprodukte nur zwischen einem und zwei Prozent betragen. Besonders
dramatisch schlägt sich die Wachstumsschwäche auf den Arbeitsmarkt
nieder. Wurde zwischen 1986 und 1990 noch ein hoher Zuwachs der
Beschäftigung erreicht, verringerte sich die Zahl der Erwerbstätigen
1992 um 0,7% und 1993 um 0,75%. Die Ursachen für die augenblickliche Krise
ist zum einem in der Wachstumsverlangsammung in den Industrieländern seit
1990 und zum anderen in der durch die Konvergenzkriterien bedingten restriktiven
Wirtschaftspolitik zu sehen. [62]
“Ein wichtiger Grund für die fortgesetzte
Konjunkturschwäche in Europa ist, daß in fast allen Ländern die
Geldpolitik verengt worden ist. Bedeutsam hierfür waren die in dem Vertrag
von Maastricht festgelegten Bedingungen für die Teilnahme an der
europäischen Währungsunion. (...) Diese Kriterien können von
vielen Ländern nur erreicht werden, wenn sie sich nachhaltige Änderung
ihrer Wirtschaftspolitik
bemühen” [63] schreibt das Institut
für Weltwirtschaft in seiner Konjunkturprognose von Dezember 1992.
Restriktiv ist aber nicht nur die Geldpolitik. Von der Finanzpolitik gehen auch
keine expansiven Impulse aus. Grund dafür ist oft die starke Orientierung
der Mitgliedsländer an der Einhaltung der Konvergenzkriterien, die so eine
flexible, den jeweiligen wirtschaftlichen Verhältnissen angepaßte
Politik verhindert. Es besteht also Gefahr, daß die weitere
ökonomische Entwicklung in der EU durch die Konvergenzkriterien stark
belastet wird.
Die Strategien der einzelnen Mitgliedsländer sind im wesentlichen von
folgenden Momenten geprägt:
- Erhöhung der (indirekten) Steuern und der
Beiträge für die Sozialversicherungssysteme bei gleichzeitigem
- Abbau staatlicher, insbesondere sozialer
Leistungen,
- Stagnation oder Abbau der Realeinkommen der
abhängig Beschäftigten,
- Reduktion der realen Lohnstückkosten, d.h.
Umverteilung des Einkommens zugunsten der Kapitaleigentümer und
- steigende
Arbeitslosenquoten.[64]
Die Konvergenzpolitik bringt folglich in den vor uns liegenden Jahren ein
Verschlechterung der sozialen Lage der abhängig Beschäftigten mit
sich.
Der Maastrichter Vertrag hat vor allem bei den Staatsfinanzen Kriterien
geschaffen, die trotz aller Sanierungsgesinnung für viele Staaten
unerreichbar bleiben: Wer an der Währungsunion teilnehmen will, dessen
jährliche Neuverschuldung darf maximal drei Prozent des
Bruttoinlandsprodukts betragen. Und die gesamten, über die Jahre
angehäuften Staatsschulden dürfen 60 Prozent desselben nicht
überschreiten. Norbert Walter, Chefökonom der Deutschen Bank,
hält vor allem das zweite Kriterium für unrealistisch: “Wer
glaubt, daß ein Staat mit einem Verschuldensgrad von 137 Prozent wie
Belgien innerhalb von zwei oder auch fünf Jahren auf 60 Prozent kommt,
macht sich etwas vor. Das ist Quatsch erster
Ordnung.” [65]
Weil aber auch eine Währungsunion ohne Belgien (und damit ohne die
EU-Hauptstadt Brüssel) oder ohne Frankreich keine Chancen auf Realisierung
hat, tobt über die Sinnhaftigkeit der Verschuldungsobergrenzen zwischen
Ökonomen und Politikern ein heftiger Streit. Roland Döhrn,
Europaexperte des deutschen Wirtschaftsinstitutes RWI in Essen: “Da hat in
Maastricht irgend jemand in den Himmel geschaut, und dabei sind ihm die Zahlen 3
und 60 eingefallen.” Eine direkte ökonomische Begründung
für die Maastrichter Definition der “gesunden Staatsfinanzen”
gebe es nicht. Die Äußerung eines hochrangigen Delegationsmitglieds
am Rande der Madrider Konferenz bestätigt diese Behauptung indirekt:
“Irgendwo mußten wir in Maastricht ja die Grenzen
ziehen.” [66]
3.5 Mögliche Alternativen zu den Bestimmungen des Art. 109j EVG
Weil die starke Ausrichtung der Konvergenzkriterien auf monetäre und
fiskalische Ziele die gesamtwirtschaftliche Entwicklung negativ beeinflussen
kann und nicht unbedingt, den “wahren Stand der Konvergenz”
abbildet, gibt es verschiedene Ansätze alternative Konvergenzkriterien zu
formulieren.
Der britische Ansatz war der Versuch, die ohnehin schon in Art 109j (1) EGV
aufgestellten nichtmonetären Kriterien (Integration der Märkte, Stand
der Entwicklung der Leistungsbilanzen usw.) als realwirtschaftliche
Konvergenzkriterien zu konkretisieren.
Ein anderer Ansatz war der von der britischen Niederlassung der
US-Investmentbank Goldman Sachs [67]
publizierte. Nach diesem Vorschlag müssen neben den monetären und
fiskalischen auch vier reale Bedingungen erfüllt sein, um an der
Währungsunion teilzunehmen.
Diese realen Bedingungen sind:
- Wirtschaftswachstum: Darf nicht mehr als 1,5% um langfristige
Wachstumsrate[68] (desselben Landes) schwanken.
- Die Arbeitslosenrate eines Landes darf nicht mehr als 2% über dem
EU-Durchschnitt liegen.
- Das Leistungsbilanzdefizit darf zwei Prozent des BIP nicht
übersteigen.
- Die Wettbewerbsfähigkeit des Kandidaten gegenüber Deutschland
darf sich seit Februar 1987 nicht um mehr als zehn Prozent verschlechtert haben.
Ein weiterer alternativer Ansatz ist der der “Theorie des optimalen
Währungsraumes”. [69] Diese Theorie
vergleicht die ökonomischen Kosten eines flexiblen Wechselkurssystems mit
denjenigen eines fixen Wechselkurssystems. Wesentlicher Kostenfaktor eines fixen
Wechselkurssystems ist hierbei die nicht mehr vorhandene Wechselkursanpassung an
Schocks. Die Höhe der damit verbundenen Kosten hängt von der
Verfügbarkeit alternativer Anpassungsmechanismen ab.
Diese Anpassungsmechanismen sind:
- Mobilität der Produktionsfaktoren
- Flexible Lohn- und Preisbildung
- Fiskalische Integration
- Hoher Offenheitsgrad einer Volkswirtschaft
- Diversifikation der Produktionsstrukturen
- Ähnlichkeit der Produktionsstrukturen
- Ähnlichkeit der Inflationsraten
- geringe Wechselkursschwankungen
- Politische Faktoren
4. Perspektiven: Quo Vadis Währungsunion?
Die Frage nach der Zukunft der Währungsunion besteht im wesentlichen
aus drei Teilen. Der eine ist, wann der Starttermin sein wird. Vom Starttermin
hängt natürlich auch ab, wieviel Zeit den einzelnen Kandidaten noch
bleibt, die Konvergenzkriterien zu erfüllen. Der zweite Teil fragt nach den
Möglichkeiten, auch nach dem Start der Währungsunion Stabilität
zu gewährleisten. Der letzte Teil stellt die Frage, wie eine
Währungsunion die Konvergenz bzw. Divergenz der Regionen in Europa
verändern wird. Im Blickpunkt steht hier vor allem, ob und wie sich das
Invenstitionsverhalten nach der Währungsunion ändern wird.
4.1 Kann der Termin 01.01.1999 eingehalten werden?
In den letzten Monaten ist eine heftige Debatte über den Starttermin
für die europäische Währungsunion geführt worden. Dabei wird
in öffentlichen Debatte der 01.01.1999 als “vertraglich vereinbartet
Starttermin” angesehen, obwohl Art. 109j(4) EGV diesen Termin nur dann als
Starttermin vorsieht, wenn bis Ende 1997 der Rat keinen anderen - auch
wesentlich später liegenden - Starttermin vereinbart hat.
Im Mittelpunkt stehen im zwei Positionen:
1. Der Starttermin 01.01.1999 soll auf keinen Fall verschoben
werden
Wolfgang Gerhardt (FDP-Vorsitzender) begründet die o.g.
Position mit den Argumenten, daß den Termin in Zweifel zu ziehen, dazu
führen könnte, daß die Bemühungen nachlassen könnten,
die Voraussetzungen für die dritte Stufe zu
erfüllen. [70] Das wird auch vom
ifo-Institut für Wirtschaftsforschung in München gefordert.
Seiner Ansicht nach ist einer Teilwährungsunion einer Verschiebung
vorzuziehen, weil “eine Verschiebung das Bemühen um die
Erfüllung der Konvergenzkriterien erlahmen lassen und auch
unerwünschte Reaktionen der Finanzmärkte zur Folge haben
könnte.” [71]
Bundespräsident Roman Herzog sagt, daß der gemeinsame
Binnenmarkt die Währungsunion als Ergänzung
brauche. [72] Diese These vertritt auch die
Kommission: “Heute macht der Handel zwischen den Mitgliedsstaaten
60% des gesamten Außenhandels der Union aus. Die Verwirklichung des
gemeinsamen Marktes und die Liberalisierung des Kapitalverkehrs bedürfen
einer logischen und wesentlichen Ergänzung: der einheitlichen
Währung.” [73]
Gegen eine Verschiebung hat sich auch das Bundesbank-Direktoriumsmitglied
Peter Schmidhuber ausgesprochen. Er vertritt die Ansicht, daß die
EU nur unter Zeitdruck im fähig sei, etwas zustande zu bringen. Wenn der
Start-Zeitpunkt verschoben würde, wird die Unsicherheit nur viel
größer. Der Starttermin 01.01.1999 sei möglich. Das
Entscheidende ist der politische Wille. Eine ähnliche Ansicht vertritt auch
der bayrische Landeszentralbankchef Franz-Christoph Zeitler, der vom
Festhalten am 01.01.1999 eine disziplinierende Wirkung erwartet.
[74]
Beworben wird die Währungsunion und vor allem das Einhalten des
Zeitplans vom Europäischen Unternehmerverband Unice. Der
Unice-Präsident François Perigot stellte klar, daß die
zu spürende Verlangsammung des Wirtschaftswachstums kein Grund sein
dürfe, vom Integrationspfad und vom Währungsunion-Zeitplan
abzuweichen. “Verschieben heißt stoppen”, hielt Perigot
Skeptikern im eigenen Lager und in der Politik
entgegen. [75]
Die o.g. Stellungnahmen beinhalten den Tenor: Keine Verschiebung des
Zeitplans, damit es zu keiner Vernachlässigung der
Stabilitätsdisziplin sowie Beeinträchtigung des Binnenmarkts kommt. Es
gibt aber noch andere Argumente in der Termin-Debatte, die für eine
Einhaltung des Zeitplans sprechen. So haben sich der Deutsche
Gewerkschaftsbund (DGB) und seine Mitgliedsgewerkschaften gegen eine
Verschiebung des Starttermins ausgesprochen. Sie meinen, daß je
früher die Währungsunion komme, desto eher könne es auch zu einer
europäischen Wirtschafts- und Beschäftigungspolitik kommen. Der
DGB-Vorstand erklärte, daß sofern Anfang 1998 mindestens Deutschland
und Frankreich die Konvergenzkriterien erfüllten, sollte die
Währungsunion 1999 starten. [76]
Diese Haltung ist für Arbeitnehmervertreter eher verwunderlich, da die
harten Budgetrestriktionen, die zur Erreichung und Einhaltung der
Konvergenzkriterien notwendig sind, eher dazu führen, Arbeitsplätze zu
gefährden bzw. die Bereitstellung von Mitteln für
arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen wesentlich zu erschweren. Hinzu kommt,
daß auch nach dem Starttermin die Teilnehmer an der Währungsunion
große Anstrengungen unternehmen müssen, um die Stabilität zu
sichern. Es ist also nicht damit zu rechnen, daß kurzfristig nach dem
Start der Währungsunion mehr Haushaltsmittel zur Verfügung stehen, um
die vom DGB zurecht verlangte Wirtschafts- und Beschäftigungspolitik zu
finanzieren.
2. Lieber den Starttermin verschieben
Der baden-württembergische Wirtschaftsminister Dieter
Spöri (SPD) fordert eine Verschiebung des Projekts um fünf Jahre.
“Die neusten Arbeitsmarktdaten zeigten, daß wir es uns absolut nicht
leisten können, zusätzliche Arbeitsplätze auf dem Altar einer
schludrig vorbereiteten Währungsunion zu
opfern”. [77] Belgiens Wirtschaftsminister
Elio Di Rupo hält eine Verschiebung für akzeptabel, falls die
Hauptteilnehmer nicht bis 1999 dafür bereit seien. Falls sich Deutschland
und andere wichtige Mitglieder der EU sich aufgrund der stetig
verschlechternden europäischen Wirtschaftslage dazu entschlössen, die
Währungsunion zu verschieben, “sollte die Entscheidung so schnell wie
möglich fallen”. Auch der schwedische Finanzminister Goran
Persson hält eine Verschiebung für
möglich. [78]
Mit Blick auf die aktuellen Schwierigkeiten die Kriterien für die
Währungsunion zu erfüllen, vertrat der Präsident des Sparkassen-
und Giroverbandes Horst Köhler die Ansicht, daß Konvergenz
Vorrang vor den Terminen haben muß. Eine Verschiebung darf aber nicht das
Ziel haben, auf die Währungsunion zu verzichten. “Wenn man den Kreis
der Teilnehmerländer politisch zusammenbastelt und die Konvergenzkriterien
aufweicht, dann ist die Wahrscheinlichkiet groß, daß die
Finanzmärkte mißtrauisch werden und es statt zu Stabilität zu
Währungsturbulenzen kommt. Deshalb sollte es auch keinen Terminzwang zu
jedem Preis geben.” [79]
Der bayrische Ministerpräsident Edmund Stoiber sagte, daß
die Währungsunion so augestaltet werden sollte, daß ein späteres
Auseinanderbrechen oder Scheitern ausgeschlossen ist. “Dies wäre eine
wirkliche Katastrophe für Europa. Dies zu verhindern, ist wichtiger als die
Einhaltung des Zeitplans, wenn es am grundsätzlichen Ziel einer
Währungsunion keinen Zweifel
gibt.” [80]
Vor starrem am Zeitplan festhalten hat der SPD-Vorsitzende Oscar
Lafontaine gewarnt. Er vertrat die Ansicht, daß wenn die
konjunkturelle Lage auch 1996 und 1997 schlecht bleibe, müsse die für
1999 geplante Währungsunion verschoben werden. Wörtlich sagte er:
“Die Währungsunion ist kein Selbstzweck. Sie muß Wachstum und
Beschäftigung in Gesamteuropa
sichern.” [81]
Die Frage ist nun aber, wie realistisch ist der in der öffentlichen
Debatte diskutierte Starttermin 01.01.1999? Für die Kommission scheint
dieser Termin festzustehen. Im “Grünbuch über die praktischen
Verfahren zur Einführung der Einheitswährung” (Grünbuch)
betont sie noch einmal, daß die dritte Stufe spätestens am 01.
01.1999 beginnen wird.
Der Chef-Volkswirt der Dresdner Bank Klaus Friedrich vertrat die
Ansicht, daß die Währungsunion 1999 mit Deutschland, Frankreich,
Belgien, Österreich, Luxemburg, Irland, Dänemark und den Niederlanden
starten werde. Die Wahrscheinlichkeit für eine Verschiebung ist allerdings
zwischenzeitlich größer geworden. Größtes Risiko für
die Währungsunion ist eine Rezession mit ihren negativen Folgen für
die Staatshaushalte. [82]
Mit diesem Risiko einer Rezession rechnet Dieter Spöri. Er
sagt, daß ein Beharren auf dem Starttermin ein Ausbleiben der
Konjunkturankurbelung zur Folge haben wird. In ganz Europa sei dann mit einer
Rezession zu rechnen. [83]
Die derzeitige Bundesregierung scheint nicht mehr an einen pünktlichen
Beginn der Währungsunion zu glauben. Helmut Kohl vertrat die
Ansicht, daß der Termin nur “das Zweitwichtigste” sei.
“Komme die Währungsunion zwei Jahre später geht die Welt auch
nicht unter.” Auch in der deutschen Industrie wachsen zunehmende Zweifel.
“Eine Währungsunion nach Fahrplan werde Europa mit erheblichen
Gefahren für die deutsche Wirtschaft in zwei Klassen trennen”, sagte
der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie Hans-Olaf
Henkel. [84]
Entscheidend über den Starttermin wird die Anzahl der Länder
sein, die die Konvergenzkriterien erfüllen, bzw. wieweit der
Toleranzspielraum beim Auslegen der Kriterien ausgereizt wird. Baron
Alexandre Lamfalussy, Chef des EWI, meint, damit das System Sinn macht,
werden fünf bis sieben Länder gebraucht. Dabei müßten die
meiten EU-Länder noch einiges leisten, um sich zu qualifizieren. Aber viele
haben eine gute Chance, das Ziel zu erreichen. Nach den Aussagen von
Lamfalussy kann es eine kleine zeitliche Verzögerung
geben. [85]
Aber nicht nur der Startzeitpunkt scheint momentan zur Debatte zu stehen,
sondern auch der Zeitpunkt zu dem eine Einzelprüfung der Einhaltung der
Konvergenzkriterien durch die einzelnen Mitgliedsländer durchgeführt
werden soll. Es sieht so aus, daß “die Staats- und Regierungschefs
sich vor einer unangenehmen Pflicht drücken
wollen.” [86] Beim nächsten
Gipfeltreffen im Dezember 1996 in Dublin soll nicht - wie der Maastricht-Vertrag
ausdrücklich vorschreibt - jedes Mitgliedsland einzeln geprüft werden,
ob es die Konvergenzkriterien erfüllt. Das ergibt sich aus einem bislang
kaum beachteten Teil der Abschlußerklärung des EU-Gipfeltreffens Ende
Juni 1996 in Florenz.
Diese sich jetzt abzeichnende Verschiebung der Prüfung bleibt nicht
unkritisiert: Christa Randzio-Plath (SPD, Vorsitzende des
Unterausschusses Währung des EP) fordert, daß der Rat sich nicht
drücken darf. “Sonst werde der Maastricht-Vertrag verletzt, und die
Glaubwürdigkeit des ganzen Projektes nehme
schaden.” [87]
4.2 Was passiert nach dem Stichtag mit der Konvergenz?
Damit eine Währungsunion auch über den Starttermin dauerhaft
funktionieren kann, müssen alle Teilnehmer langfristig die
Konvergenzkriterien einhalten. Wie das genau geschehen soll, wird noch
debattiert. Im folgenden soll dieser Frage nachgegangen werden.
4.2.1 Stabilitätssicherung im EG-Vertrag
Im Art. 104c EGV wird das Verfahren bei einem übermäßigen
Defizit geregelt. Dabei ist folgende Vorgehensweise vorgesehen:
- Die Kommission erstellt einen Bericht, wenn ein Mitglied gegen eins oder
beide Maßgaben des 104c verstößt.
- Der Ausschuß (Beratender Währungsausschuß, Wirtschafts-
und Finanzausschuß) nach Artikel 109c gibt eine Stellungnahme zu diesem
Bericht ab.
- Die Kommission legt dem Rat eine Stellungnahme vor.
- Der Rat entscheidet ob in dem betreffenden Mitgliedsland ein
übermäßiges Defizit besteht.
- Der Rat richtet an das betreffende Mitgliedsland unöffentlich eine
Empfehlung innerhalb einer bestimmten Frist das Defizit abzubauen. Geschieht
dies nicht innerhalb der Frist, so wird die Empfehlung veröffentlicht.
- Leistet das betreffende Land der Empfehlung immer noch nicht folge, wird es
in Verzug gesetzt. Der Rat kann in diesem Fall den betreffenden Mitgliedsstaat
ersuchen, nach einem konkreten Zeitplan Berichte vorzulegen, um die
Anpassungsbemühungen überprüfen zu können.
- Führt das betreffende Land immer noch keine Anpassungsbemühungen
durch, so kann der Rat Sanktionsmaßnahmen gegen dieses Land
beschließen. Diese Maßnahmen sind:
- Vor der Emission von Schuldverschreibungen und
sonstigen Wertpapieren vom Rat näher zu bezeichnende zusätzlich
Angaben zu veröffentlichen,
- die Europäische Investitionsbank ersuchen,
ihre Darlehenspolitik gegenüber dem Mitgliedsstaat zu
überprüfen,
- von dem Mitgliedsland verlangen, eine
unverzinsliche Einlage in angemessener Höhe bei der Gemeinschaft zu
hinterlegen, bis das übermäßige Defizit nach Ansicht des Rates
korrigiert worden ist,
- Geldbußen in angemessener Höhe
verhängen.
4.2.2 Der Stabilitätspakt von Theo Waigel
Finanzminister Waigel hat, um die Haushaltsdisziplin und damit die
Stabilität noch weiter zu stärken, einen “europäischen
Stabilitätspakt” vorgeschlagen, der eine langfristige Einhaltung der
Konvergenzkriterien gewährleisten soll. Nach Waigels Vorstellungen
sollen sich die Mitgliedsländer der Währungsunion im
Stabilitätspakt dazu bekennen, nicht nur formal die finanzpolitischen
Stabilitätskriterien zu beachten, sondern aktiv und auf Dauer eine solide
Finanzpolitik für Wachstum und Beschäftigung zu betreiben. Dazu soll
in erster Linie der Verpflichtung der Mitgliedsländer zählen, die
Wachstumsraten ihrer Staatsausgaben mittelfristig unter dem Zuwachs des
nominalen Bruttoinlandsprodukts zu halten. Auf diese Weise soll
gewährleistet werden, daß die in Maastricht vereinbarte
Neuverschuldungsgrenze von drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts auch in
wirtschaftlich ungünstigen Perioden nicht überschritten wird. Das
bedeutet, daß sich die Teilnehmer an der Währungsunion in
wirtschaftlichen Normallagen mit keinem höheren Anteil als einem Prozent
jährlich verschulden dürfen. Ausnahmen sollen mit qualifizierter
Mehrheit in der Währungsunion zugelassen werden.
Weiter sieht der von Waigel vorgeschlagene Stabilitätspakt vor,
daß seine Einhaltung von einem europäischen Satbilitätsrat
politisch umgesetzt werden soll. Stellt dieser Rat einen
Stabilitätsverstoß fest, wird ein automatischer Sanktionsmechanismus
in Gang gesetzt. [88] Das betreffende Land soll
nach Waigels Vorstellungen eine unverzinsliche Stabilitätseinlage in
Höhe von 0,25 Prozent des Bruttoinlandsprodukts pro angefangenen
Prozentpunkt der Defizitüberschreitung bei der Europäischen
Zentralbank hinterlegen. Zurückgezahlt werden soll die Einlage erst, wenn
der Grenzwert wieder unterschritten wird. Dauert dieses länger als zwei
Jahre, soll die Einlage in eine nichtrückzahlbare Geldbuße
umgewandelt werden.
Waigel begründet den Vorschlag zu einem Stabilitätspakt
damit, daß Europa “nur im Rahmen ökonomischer Stabilität
und finanzpolitischer Solidität nach innen und außen bestehen
kann”. Das der Waigel-Vorschlag ernst genommen wird, zeigen viele
Reaktionen in der öffentlichen Diskussion über die Währungsunion.
Auch die Europäische Kommission betrachtet die Diskussion über
den Stabilitätspakt als neue
Aufgabe. [89]
Zustimmung zu Theo Waígels Vorschlag eines
Stabilitätspakts
Sympathie für den Waigel-Vorschlag äußerte der
EWI-Präsident Lamfalussy. “Auch er befürwortete seit
langem eine starke Dosis fiskalpolitischer Koordination unter den
Teilnehmerländern.” [90] Edmund
Stoiber stimmt den Waigel-Vorschlägen ebenfalls zu, weil er auch die
Ansicht vertritt, das die Konvergenzkriterien nicht nur zum Starttermin
eingehalten werden sollen sondern auch später
noch. [91] Zustimmung findet der Vorschlag auch,
damit keine “Fahrt in die Inflationsgemeinschaft
droht.” [92] Ein weiterer Befürworter
des Stabilitätspakts ist der ehemalige Kommissionspräsident Jacques
Delors. Delors schlug über den Stabilitätspakt hinausgehend den
Abschluß eines umfassenden “Vertrauenspakts” vor, mit dem die
wesentlichen volkswirtschaftlichen Interessen zur Absicherung der
Währungsunion unterstützt werden
sollen. [93]
Auch der EU-Kommissar für Währung, Yves-Thibault de
Silguy, äußerte sich positiv über den Waigel-Vorschlag:
“Wir müssen sichergehen, daß in den Mitgliedsländern keine
haushalts- oder wirtschaftspolitischen Ausrutscher möglich sind. Jetzt
müssen wir Theo Waigels Vorschlag, den Stabilitätspakt, umsetzen und
sicherstellen, daß dieses System glaubhaft
funktioniert.” [94] Zu den
Befürwortern eines Stabilitätspakts geführt der
Bundesbankpräsident Hans Tietmeyer. Er sagte: “Der
Stabilitätspakt ist außerordentlich wichtig, ja zentral. Es
genügt nicht, nur eine gute Geldpolitik durch eine europäische
Zentralbank zu haben, es muß auch sichergestellt werden, daß die
Länder, die teilnehmen, dauerhaft fiskalpolitische Prinzipien wahren. Der
Maastricht-Vertrag ist in diesem Punkt nicht klar
genug.” [95]
Kritik an Theo Waigels Vorschlag eines
Stabilitätspakts
Die Vorsitzende des Unterausschusses Währung im Europäischen
Parlament Christa Randzio-Plath (SPD) kritisiert Waigels Vorschlag: Erst
setze er den Stabilitätspakt als weitere Bedingung für eine
Währungsunion durch, dann halte er die Bundesrepublik für nicht reif
genug, Mitglied der Währungsunion zu werden: “Mit einer solchen
Panikmache verunsichert der Bundesfinanzminister das gerade für die
Bundesrepublik nützliche Projekt der
Währungsunion.” [96] Ähnlich
argumentiert die EU-Kommissarin Monika Wulf-Mathies. “Herr Waigel
kann doch jetzt nicht mehr im Ernst fordern, die Kriterien zu verschärfen,
wo die Bundesrepublik Deutschland selber ein zu großes Haushaltsdefizit
hat.” Trotzdem hält sie die Idee eines Pakts für die
Stabilität des Euros für vernünftig. “Der
Stabilitätspakt ist ein wichtiger Schritt zu einer politischen
Union.” [97]
Die BHF-Bank AG, Frankfurt, sieht im Stabilitätspakt die Gefahr eines
Teufelskreises. Die Bank schreibt: “Sollten die staatlichen
Konsolidierungsbemühungen zu einer Konjunkturverlangsammung führen,
kann es geschehen, daß zwar das - um konjunkturelle Mindereinnahmen und
Mehrausgaben bereinigte - strukturelle Defizit sinkt, das tatsächlich
ausgewiesene Defizit hingegen über der Drei-Prozent-Grenze verharrt.
Gäbe es den Stabilitätspakt würde der Konsolidieriungsfortschritt
beim strukturellen Defizit paradoxerweise mit einer Stabilitätseinlage
bestraft und die Konsolidierung weiter erschwert.” Wenn der
Stabilitätspakt jetzt schon gültig wäre, hätte die
Bundesrepublik Deutschland für 1995 eine Stabilitätseinlage von 8,6
Milliarden DM hinterlegen müssen. [98]
4.3 Wie wird eine Währungsunion das Gesicht Europas verändern?
Die Währungsunion wird - zunächst nur für die teilnehmenden
Länder - den Binnenmarkt vollenden, weil das Risiko schwankender
Wechselkurse ausgeschaltet wird. Das wird Handel und Investitionen über die
Grenzen hinweg erleichtern, was einen erheblichen Wachstumsschub mit sich
bringen dürfte. Es besteht aber die Gefahr, daß sich dieser
Wachstumsschub hauptsächlich im harten Kern auswirken dürfte.
Leidtragende dürften dann die Länder an den Rändern sein. Die
Mittelmeeranrainer drohen unter dem verstärkten Konkurrenzdruck zu
verdorren, während der Kern gedeiht. Diese heute schon im gemeinsamen
Binnenmarkt sichtbare Entwicklung wird durch die Währungsunion sicher noch
verstärkt. Um diese Folgen abzumildern, wird die EU mehr Geld vom Kern an
die Ränder umverteilen müssen. Daß jedoch die Südstaaten -
wie auch die Beitrittsaspitaranten in Osteuropa - verstärkt Geld
benötigen werden, um im Euro-Zug zu bleiben, erscheint sicher. Auf die
Staatshaushalte der wirtschaftsstarken Mitgliedsländer kommen also
zwangsläufig größere Belastungen
zu. [99]
Helmut Werner, Vorstandsvorsitzender der Mercedes-Benz AG, ist der
Meinung, daß die Währungsunion zur Beschäftigungssicherheit
beitragen wird, weil die “fundamental nicht gerechtfertigten und für
Unternehmen völlig unberechenbaren Schwankungen der Wechselkurse”
ausgeschaltet würden. “Erarbeitete Produktivitätssteigerungen
flössen nicht ins Ausland ab, sie würden gänzlich den Standort
stärken.” [100] Die Frage dabei ist
nur, welcher Standort gestärkt würde. Diese Stärkung kommt wieder
den starken Kernländern zu gute.
5. Fazit
England schätzt die politische Meinung zur Währungsunion auf dem
Kontinent falsch ein. England wird aber aufgrund der sonst negativen
ökonomischen Auswirkungen bei der Währungsunion dabei sein. Italien
dagegen hat keine Möglichkeit, die Konvergenzkriterien einzuhalten. Die
wirtschaftliche Situation der öffentlichen Haushalte ist katastrophal und
nicht bis 1997 behebbar. Trotzdem könnten durch eine flexible
Interpretation der Konvergenzkriterien auch Italien und andere Länder mit
hohem Defizit die Teilnahme an der Währungsunion ermöglicht werden. Zu
weit sind die Vorbereitungen hinsichtlich der Währungsunion schon gediehen,
als daß sie verschoben werden könnte. Außerdem wäre der
Vertrauensverlust hinsichtlich der Politiker enorm.
Der Beginn der Währungsunion zum 1.1.1999 wird als fixes Datum
diskutiert, obwohl bei strenger Anwendung von Artikel 109j dieser nicht zu
halten wäre, jedoch soll dieser Termin für die potentiellen
Beitrittskandidaten eine disziplinierende Wirkung haben, d.h. die Länder
sollen versuchen ihre Haushalte zu konsolidieren und somit auch den politischen
Willen bezeugen, an der Währungsunion teilnehmen zu wollen.
Der noch nicht beschlossene, aber vieldiskutierte Stabilitätspakt ist
zwar grundsätzlich notwendig, aber die konkreten Auswirkungen müssen
noch überdacht werden. Wenn ein Land im Trend einen Defizitabbau vollzieht,
dann sollen die Sanktionen ausgesetzt werden. Eine Ermahnung z.B. von der
Kommission sollte hierzu genügen. Für die Länder, die sich nicht
im Trend eines Defizitabbaus befinden gibt es unsererseits zwei
Vorschläge:
a) die Sanktionen sollen zwar durchgeführt werden, aber in die
Berechnung des
Defizittrends nicht mit einbezogen werden.
b) der Haushalt des jeweiligen Defizitlandes soll einem
Stabilitätsrat (von Waigel
vorgeschlagen) vorgelegt werden, der dann den Haushalt genehmigt. Bei
diesem Verfahren können die Sanktionen abgemildert werden.
Daraus folgt: a) Beginn der Währungsunion zum 1.1.1999;
b) rein politische Entscheidung;
c) voraussichtlich alle EU-Länder werden dabei
sein;
Literaturverzeichnis
- Bayrische Staatskanzlei: “Europäische Währungsunion nicht
ohne politische Union”, Pressemitteilung vom 24.10.1995
- Bayrische Staatskanzlei: “Gefahr einer Spaltung bei zu kleiner
Währungsunion”, Pressemitteilung vom 20.11.1995
- Beer, Robert: “Euro-Währung - So retten sie ihr
Geld”, Parkstein 1995
- Blick durch die Wirtschaft: “EU-Arbeitgeber bewerben
Währungsunion”, 23.01.1996
- Borchardt, Klaus-Dieter: “Die Europäische Einigung - Die
Entstehung und Entwicklung der Europäischen Union”, Luxemburg
1995
- Bundeszentrale für politische Bildung: “Informationen zur
politischen Bildung, Heft 213, ‘Europäische Union’”,
Bonn 1995
- Busch, Klaus; “Der Maastrichter Vertrag über die
‘Europäiche Union’ und die Herausforderungen für die
europäischen Gewerkschaften”, in Institut für internationale
Politik: Die EU nach Maastricht - Bedingungen und Möglichkeiten linker
Wirtschaftspolitik - Arbeitspapier 25, 1993
- Das Sonntagsblatt: “Bonn darf kein Schulmeister sein”,
Ausgabe 6-1996
- Das Sonntagsblatt: Müller, Henrik: “Verzögerter
Urknall”, Ausgabe 25-1995
- Der Spiegel: “Angst vor den Populisten”, Heft
40-1995
- Der Spiegel: “Den Euro lieben lernen”, Heft 5-1996
- Der Spiegel: “Flexibel interpretieren”, Heft 13-1996
- Der Spiegel: “Historische Zäsur", Heft 14-1996
- Der Spiegel: “Ohne Schönfärberei”, Heft
41-1995
- Die Welt: “Europa darf nicht zerbrechen”, 18.03.1996
- Die Welt: “Tietmeyer für eine Ergänzung des
Maastricht-Vertrags”, 08.12.1995
- Die Welt: Hadler, Wilhelm: “EU-Gesetzgebung fast
abgeschlossen”, 02.01.996
- Die Welt: Hadler, Wilheln: “EU-Minister einig über EWS
II”, 15.04.1996
- Die Welt: Herlt, Rudolf: “Angst vor der Realität”,
18.12.1995
- EU-Kommission: “Grünbuch über die praktischen Verfahren
zur Einführung der Einheitswährung”, Brüssel 1995
- Euro-Aktuell Nr. 140, 1995
- Euro-Aktuell Nr. 141, 1996
- Euro-Aktuell Nr. 142, 1996
- Europäisches Währungsinstitut: “Jahresbericht
1994”, Frankfurt 1995
- Europäisches Währungsinstitut: “Jahresbericht
1995”, Frankfurt 1996
- Frankfurter Allgemeine Zeitung: “Der Stabilitätspakt sorgt an
den Finanzmärkten für Diskussionen”, 09.03.1996
- Frankfurter Allgemeine Zeitung: “Deutschland und Italien bei
Schulden vorn”, 23.03.1996
- Frankfurter Allgemeine Zeitung: “Maastricht-Kriterien werden auch
1996 nicht erfüllt”, 27.01.1996
- Handelsblatt: “Der Euro verursacht hohe Kosten”,
06.05.1996
- Handelsblatt: “Kleine Währungsunion ist einer Verschiebung
vorzuziehen”, 27.03.1996
- Handelsblatt: “Lebhafte Debatte über Verschiebung”,
22.01.1996
- Handelsblatt: “Streit um die Währungsunion spitzt sich
zu”, 10.01.1996
- Handelsblatt: Ohr, Renate: “Währungsunion ohne
Maastricht-Fahrplan”, 09.01.1996
- Industriemagazin: Ruhaltinger, Josef; Christl, Reinhard:
“Währungsunion - Schilling ade!”, Heft 12-1995
- Kommune: Schmierer, Joscha: “Die Sache mit dem Euro”,
Heft 12-1995
- Schmidt, Christian; Straubhaar, Thomas: “Maastricht II: Bedarf es
realer Konvergenzkriterien?” in HWWA-Wirtschaftsdienst 1995/VIII
- Süddeutsche Zeitung: “Der Fahrplan für den Übergang
zur Eurowährung reicht bis ins Jahr 2002”, 15.11.1995
- Süddeutsche Zeitung: “Eine Wirtschaft mit zwei
Gesichtern”, 06.05.1996
- Süddeutsche Zeitung: “Waigel schlägt den EU-Partnern
Strafen für Verstöße vor”, 11.11.1995
- Süddeutsche Zeitung: Oldag, Andreas: “Blauer Brief für
den Primus”, 17.05.1996
- Vorarlberger Medienhaus: “Kein Rütteln an den
Maastricht-Kriterien”, Dürenstein 1996
- Weidenfeld, Werner; Wessels, Wolfgang (Hrsg.): “Europa von A-Z -
Taschenbuch der europäischen Integration”, Bonn 1995
- Welt am Sonntag: “Zwischen Euroskepsis und politischem
Taktieren”, 14.04.1996
- Welt am Sonntag: Werner, Helmut: “Der Maastricht-Vertrag hat uns
eine historische Chance gegeben”, 24.03.1996
- Weser-Kurier: “Auch 1996 das Defizit für Währungsunion zu
hoch”, 27.01.1996
- Weser-Kurier: Blome, Nikolaus: “EU will sich peinliche Prüfung
der Staatshaushalte ersparen”, 02.07.1996
[1] Informationen zur politischen Bildung,
Heft 213 “Europäische Union”, Seite 8
[2] Aus Art. 3 des EWG-Vertrags; zitiert
nach EWG, Vertragstext usw.; hrsg. von “europäisches forum”,
Sonderdruck Nr. 2, Bonn o.J., Seite 19f
[3] Vgl. Borchardt, Klaus-Dieter, “Die
Europäische Einigung - Die Entstehung und Entwicklung der Europäischen
Union”, Luxemburg 1995, Seite 31
[5] Schreiber, Kristin
“Binnenmarkt” in Weidenfeld, Werner u. Wessels, Wolfgang;
“Europa von A-Z Taschenbuch der europäischen Integration”, Bonn
1995, Seite 93
[6] Läufer, Thomas “Einheitliche
Europäische Akte” in Ebenda, Seite 109
[7]Dabei handelt es sich um Deutschland,
Frankreich, Italien und England.
[8]“Eine Wirtschaft mit zwei
Gesichtern”, Süddeutsche Zeitung vom 06.05.1996
[10]“Eine Wirtschaft mit zwei
Gesichtern”, Süddeutsche Zeitung vom 06.05.1996
[12] Weser-Kurier vom
14.04.1996.
[14]Die wirtschaftliche Situation Italiens
ist u.E. als äußerst marode anzusehen. Italien hat deshalb keine
Chance die Kriterien in jetziger Form zu erfüllen.
[15]Handelsblatt vom 10.07.1996.
[17]“Zwischen Euroskepsis und
politischem Taktieren”, Welt am Sonntag vom 14.04.1996
[23]Oldag, Andreas, “Blauer Brief
für den Primus” in Süddeutsche Zeitung vom 17.05.1996
[25]“Deutschland und Italien bei
Schulden vorn”, FAZ vom 23.03.1996
[28]Dabei ist natürlich eine
Verabschiedung von Waigels Sparplan eine wichtige Maßnahme, die
voraussichtlich durch die SPD im Bundesrat aufgrund der Hamburger Stadtpartei
nicht blockiert werden kann.
[29]Beer, Robert; “Euro-Währung
- So retten sie ihr Geld”, Parkstein 1995, Seite50
[34] Schmierer, Joscha; “Die Sache
mit dem Euro” in Kommune 12-1995
[36] Euro-Aktuell, Nr. 141, 1996, Seite
3
[37] “Maastricht-Kriterien werden
auch 1996 nicht erfüllt”, FAZ vom 27.01.1996
[38] “Kein Rütteln an
Maastricht-Kriterien”, Vorarlberger Medienhaus, Dürenstein
1996
[41] Euro-Aktuell, Nr. 142, 1996, Seite
3
[43] Euro-Aktuell, Nr. 141, 1996, Seite
3
[45] “Der Euro lieben lernen”,
Der Spiegel Heft 5-1996
[46] “Flexibel
interpretieren”, Interview mit Giscard d’ Estaing in Der Spiegel
Heft 13-1996
[47] Ruhaltinger, Josef; Christl,
Reinhard; “Währungsunion - Schilling ade!”, Industriemagazin
12-1995
[48] “Der Euro lieben lernen”,
Der Spiegel Heft 5-1996
[49] Euro-Aktuell, Nr. 140, 20.12.1995,
Seite 30
[50]Ohr, Renate; “Währungsunion
ohne Maastricht-Fahrplan”, Handelsblatt vom 09.01.1996
[51] Euro-Aktuell, Nr. 140,
20.12.1995
[52]Euro-Aktuell, Nr. 141, 1996, Seite
3
[57] Deutschland Nachrichten,
Wochenzeitung des German Information Center, New York, vom 19.04.1996
[58] Hadler, Wilhelm; “EU-Minister
einig über EWS II”, Die Welt vom 15.04.1996
[60] Schmidt, Christian; Straubhaar,
Thomas; “Maastricht II: Bedarf es realer Konvergenzkriterien?” in
HWWA-Wirtschaftsdienst 1995/VIII, Seite 434
[61] Vgl. Europäisches
Währungsinstitut: Jahresbericht 1994, Frankfurt 1995
[62] Vgl. Busch, Klaus; “Der
Maastrichter Vertrag über die ‘Europäiche Union’ und die
Herausforderungen für die europäischen Gewerkschaften”, in
Institut für internationale Politik: Die EU nach Maastricht - Bedingungen
und Möglichkeiten linker Wirtschaftspolitik - Arbeitspapier 25
[63] Zitat: Institut für
Weltwirtschaft, Die Weltwirtschaft Heft 4/1992, Seite 356
[64] Vgl. Busch, Klaus; “Der
Maastrichter Vertrag über die ‘Europäiche Union’ und die
Herausforderungen für die europäischen Gewerkschaften”, in
Institut für internationale Politik: Die EU nach Maastricht - Bedingungen
und Möglichkeiten linker Wirtschaftspolitik - Arbeitspapier 25
[65] Ruhaltinger, Josef; Christl,
Reinhard; “Währungsunion - Schilling ade!”, Industriemagazin
12-1995
[67] Schmidt, Christian; Straubhaar,
Thomas; “Maastricht II: Bedarf es realer Konvergenzkriterien?” in
HWWA-Wirtschaftsdienst 1995/VIII, Seite 437
[68] langfristige Wachstumsrate: Trend des
Wachstums der letzten zehn Jahre
[69] Schmidt, Christian; Straubhaar,
Thomas; “Maastricht II: Bedarf es realer Konvergenzkriterien?” in
HWWA-Wirtschaftsdienst 1995/VIII, Seite 438f
[70] “Streit um die EWWU spitzt sich
zu”, Handelsblatt vom 10.01.1996
[71] “Kleine Währungsunion ist
einer Verschiebung vorzuziehen”, Handelsblatt vom 27.03.1996
[72] “Streit um die EWWU spitzt sich
zu”, Handelsblatt vom 10.01.1996
[73] Grünbuch über die
praktischen Verfahren zur Einführung der Einheitswährung vom
31.05.1995, Seite 11
[74] “Lebhafte Debatte über
Verschiebung”, Handelsblatt vom 22.01.1996
[75] “EU-Arbeitgeber bewerben
Währungsunion”, Blick durch die Wirtschaft vom 23.01.1996
[76] “DGB-Gewerkschaften gegen eine
Verschiebung der Währungsunion”, Germany-Live Online Zeitung
[77] “Streit um die EWWU spitzt sich
zu”, Handelsblatt vom 10.01.1996
[78] “Lebhafte Debatte über
Verschiebung”, Handelsblatt vom 22.01.1996
[79] “Eine historische
Zäsur”, Interview mit Horst Köhler in Der Spiegel Heft
14-1996
[80] “Gefahr einer Spaltung Europas
bei zu kleiner Währungsunion”, Pressemitteilung der Bayrischen
Staatskanzlei vom 20.11.1995
[81] “Nicht starr am Zeitplan
für Euro-Geld festhalten”, Germany-Live Online Zeitung vom
17.01.1996
[82] “Der Euro verursacht hohe
Kosten”, Handelsbaltt vom 06.05.1996
[83] “Auch 1996 Etat-Defizit
für die Währungsunion zu hoch”, Weser-Kurier vom
27.01.1996
[84] “Angst vor den
Populisten”, Der Spiegel Heft 40-1995
[85] “Ohne
Schönfärberei”, Interviel mit Baron Alexandre Lamfulussy in Der
Spiegel Heft 41-1995
[86] Blome, Nikolaus; “EU will sich
peinliche Prüfung der Staatshaushalte ersparen”, Weser-Kurier vom
02.07.1996
[88] Vgl. “Waigel schlägt den
EU-Partnern Strafen für Verstöße vor”, Süddeutsche
Zeitung vom 11.11.1995
[89] Hadler, Wilhelm;
“EU-Gesetzgebung fast abgeschlossen”, Die Welt vom
02.01.1996
[90] “Der Fahrplan für den
Übergang zur Europawährung reicht bis ins Jahr 2002”,
Süddeutsche Zeitung vom 15.11.1995
[91] “Europäische
Währungsunion nicht ohne politische Union”, Pressemitteilung der
Bayrischen Staatskanzlei vom 24.10.1995
[92] Herlt, Rudolf; “Angst vor der
Realität”, Die Welt vom 18.12.1995
[93] “Gefahr einer Spaltung Europas
bei zu kleiner Währungsunion”, Pressemitteilung der Bayrischen
Staatskanzlei vom 20.11.1995
[94] “Europa darf nicht
zerbrechen”, Interview mit Yves-Thibault de Silguy in Die Welt vom
18.03.1996
[95] “Tietmeyer für
Ergänzung zum Maastricht-Vertrag”, Die Welt vom 08.12.1995
[96] “Streit um die EWWU spitzt sich
zu”, Handelsblatt vom 10.01.1996
[97] “Bonn darf kein Schulmeister
sein”, Interview mit Monika Wulf-Mathies in Das Sonntagsblatt
6-1996
[98] “Der Stabilitätspakt sorgt
an den Finanzmärkten für Diskussionen”, FAZ vom
09.03.96
[99] Vgl. Müller, Henrik;
“Verzögerter Urknall” in Das Sonntagsblatt 25-1995
[100] Werner, Helmut; “Der
Maastricht-Vertrag hat uns eine historische Chance gegeben” in Welt am
Sonntag vom 24.03.1996
|