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Alternativenergiegewinnung
Alternativenergiegewinnung
1. Kernfusion 2
1.1 Die Entwicklung der
Fusionsforschung 2
1.2 Internationale Forschungsprogramme 2
1.3 Aspekte der Kernfusion 5
1.4 Abschluß Kernfusion 9
- Fachbegriffe zur
Kernfusion 10
2. Windenergie 11
2.1 Das Windenergiepotential 11
2.2 Meteorologische Voraussetzungen 11
2.3 Schlußfolgerungen und
Empfehlungen 12
2.4 Netzgekoppelte WKA´s in
Österreich 13
3. Photovoltaik 14
3.1 Kostensituation 14
3.2 Stromertrag und Energiebilanzen 15
3.3 Photovoltaik-Einspeisetarife 15
3.4 Ausblick 16
4. Energieträger Wasserstoff 17
4.1 Der Stoff, aus dem die Träume
sind 18
4.2 Brennstoff aus dem
Bakterienreaktor 19
4.3 Wasserstoff aus Traubenzucker 21
4.4 Vom Himmel über der
Wüste 21
4.5 Der Preis für Wasserstoff 21
4.6 Gas gegeben: Saubere Kraft aus
Isoliertanks 22
4.7 Daimler-Benz: Pkw mit
Brennstoffzelle 22
4.8 Wasserstoffbus nimmt Fahrt auf 24
Kernfusion
Die Entwicklung der Fusionsforschung
Die Fusionsforschung begann gleich nach dem II. Weltkrieg mit viel
Optimismus, denn es herrschte vor allem in Amerika der Glaube, daß man die
Kernfusion mit einem ähnlich großen materiellen Aufwand wie im
Manhattan Projekt entwickeln und zur Serienreife bringen könnte. Die ersten
Anstrengungen wurden unabhängig voneinander und unter strenger
Geheimhaltung in den USA, der UdSSR und GB betrieben. Da die grundlegenden
Probleme unterschätzt wurden kam es zur Aufhebung der Geheimhaltung
zugunsten internationaler Zusammenarbeit und Neuorientierung der Strategie:
nicht mehr die Konstruktion eines Reaktors, sondern Probleme der Plasmaphysik
standen für die kommenden zehn Jahre mehr im Vordergrund der Forschung.
Die Fusionsforschung ist aus der Forschung an der Wasserstoffbombe
hervorgegangen. Die Wasserstoffbombe stellt den Beweis der Möglichkeit der
Kernfusion dar, jedoch ist diese Fusionsreaktion unkontrolliert. Direkter
Nachfolger, zunächst streng geheimgehalten, war die laserinduzierte
Trägheitsfusion. Mit Hilfe der Pellets sollte die Explosion der
Wasserstoffbombe im kleinen simuliert werden. Dies und auch die starken Laser,
die mit dieser Technik verbunden sind, bilden mögliche Grundlagen für
SDI. Die Forschungen an der Laserfusion wurden jedoch schließlich der
zivilen Fachwelt geöffnet und dem zivilen Ziel der Energieforschung
unterstellt. Jedoch hing diesem Projekt immer der militärische Aspekt an,
mit dem sich viele Forscher nicht in Verbindung sehen wollten. So begann man
nach anderen Wegen der Energieerzeugung durch Kernfusion zu forschen. Anfang der
Fünfziger Jahre hatte die Sowjetunion bereits erste Tokamak-Programme
gestartet. Schon früh kam es hier zu einem Gedankenaustausch unter den
Nationen. Japan und USA wie auch die europäischen Staaten begannen
Fusionsprogramme im Bereich des magnetischen Einschlusses. Die
Forschungsergebnisse veranlaßten die Beteiligten zu ersten Prognosen
über die Realisierung der Kernfusion. So sagte 1955 der Präsident der
Genfer "Atoms for Peace" Konferenz, daß die Fusionsforschung 20 Jahre zur
Lösung der Probleme brauchen würde.
Daß dieser Zeitraum eindeutig zu kurz gewählt war, zeigte sich
schon bald. Diverse Experimente in den verschiedenen Bereichen des magnetischen
Einschlusses sowie der Laserinduzierten Fusion ergaben neue Probleme und damit
eine Revision der Prognosen: 1978 stellt man fest, daß die in den
Experimenten erreichten Plasmaparameter innerhalb von Fünf Jahren um den
Faktor zehn gesteigert werden konnten, was bedeuten würde, daß der
"Breakeven", als der Punkt mit ausgeglichener Energiebilanz 1981 - 82 zu
erreichen sei und daß noch deutlich vor 2030 die Fusionsreaktoren einen
nennenswerten Anteil an der Energieversorgung nehmen würden.
Am 1.6.1978 wird die JET-Gruppe gegründet, die die Entwicklung, den
Bau und die Forschung für das auf 12 Jahre ausgelegte JET-Projekt
übernehmen sollte. Am 25.6.1983 wird das erste Experiment im JET
durchgeführt. Ziel des Projektes soll in einer späteren Ausbauversion
des JET ein Brennzyklus von 20 s sein. Etwa zur gleichen Zeit wie JET, teilweise
einige Jahre später, teilweise früher laufen Projekte der UdSSR,
Amerikaner und Japaner mit Namen T-15, TFTR und JT-60 an, die in der
Größenordnung von JET liegen und ähnlich nahe dem Lawson
Kriterium kommen, jenem Punkt, an dem thermonuleares Brennen einsetzt. Die
Zielsetzungen der Projekte sind geringfügig unterschiedlich, gemeinsames
Ziel ist es jedoch, zu thermonuklearem Brennen in Zeiten bis zu 100 s zu
gelangen. Bei allen Projekten handelt es sich um Tokamaks.
Seltsamerweise erst Ende der 80er Jahre beginnen Forschungen zur Sicherheit
der Tokamaks. TESPE, ein Projekt der Kernforschungsanlage Karlsruhe (KfK),
stellt ein verkleinertes Modell für einen Fusionsreaktor dar und ist neben
Experimenten zu Wandmaterialien auch um die Erforschung von Störfällen
bemüht, unter anderem bezüglich der "Disruption", also dem
plötzlichen Zusammenbrechen des Manetfeldes. Die Probleme und Ergebnisse,
die die Forscher aus Projekten wie JET ziehen, erzwingen eine erneute Revision
der Prognosen bezüglich der ersten Fusionskraftwerke. Erst 2050, also Mitte
des nächsten Jahrhunderts, wird die Kernfusion beginnen, einen Marktanteil
an der Energieerzeugung zu erlangen. Und noch länger wird es dauern, bis
ein nennenswerter Anteil der Energie aus Fusionsreaktoren kommen wird.
Nichts desto trotz ist bereits die Planung des nächsten Projektes in
Angriff genommen. ITER - der Internationale thermonukleare Experimental-Reaktor
wird 1987 ins Leben gerufen. Er soll der letzte Versuchsreaktor vor Erstellung
des DEMO-Reaktors sein. Letzterer soll in ca. 30 Jahren als erster
funktionsfähiger und stromerzeugender Reaktor die wirtschaftliche
Produktion von Strom mittels Kernfusion demonstrieren. ITER selbst soll ab 1997
gebaut werden, 2004 fertiggestellt sein und 2005 in Betrieb gehen. Seine
Leistung soll bereits 1000 MW betragen. Durchgeführt wird dieses Projekt
von den USA, GUS, Japan und der EG. Wissenschaftliche Erkenntnisse von allen
Großanlagen der beteiligten Staaten fließen in dieses
Projekt.
Internationale Forschungsprogramme
Übersicht
Es gibt weltweit vier institutionell geführte Zentren der
Kernfusionsforschung. Sie sind in ihrer Größe etwa gleich und
arbeiten parallel an ähnlichen Forschungsprogrammen. Dem übergeordnet
sind drei internationale Expertengruppen (USA, Japan, Deutschland -
Jülich), welche einen technologischen Austausch verwirklichen sollen.
Die Studiengruppe INTOR, bestehend aus europäischen, japanischen,
sowjetischen und amerikanischen Wissenschaftlern erarbeiten im Auftrage der
Internationalen Atomenergiebehörde in Wien (IAEA) ein weltweites
Gemeinschaftsprojekt (ITER - Internationaler Thermonuklearer Experimenteller
Reaktor). Deutschlands Forschung wird weltweit als führend angesehen und
hat gute Chancen für eine führende Beteiligung am ITER Projekt, evtl
auch Standort für den ITER-Reaktor zu werden.
Europa/Deutschland
1958 wurde in Europa ein gemeinsames Forschungsprogramm EURATOM
gegründet. Ziel ist ein Demonstrationsreaktor DEMO (in etwa vierzig
Jahren), der die prinzipielle Machbarkeit der Energiegewinnung durch Kernfusion
deutlich machen soll.
Es gibt zwei gemeinsame Forschungseinrichtungen, die Gemeinsame
Forschungsstelle (GFS) und der in Culham aufgestellte Tokamak "Joint European
Torus" (JET, Baukosten etwa eine Mrd. DM). Das Nachfolge Projekt, der "Next
European Torus" (NET), soll dann letztes Zwischenprojekt zum DEMO sein.
Ansonsten sind die Programme auf die einzelnen Mitgliedsstaaten verteilt.
Getragen werden die Forschungen von dem Haushalt der EG und den Haushalten
der einzelnen, nationalen Forschungseinrichtungen.
Hauptforschungsgegenstand sind magnetische Einschlußkonzepte,
alternative Einschlußkonzepte werden nur mit etwa 10%
unterstützt.
Hauptforschungseinrichtungen in Deutschland sind hauptsächlich das IPP
(Institut für Plasma-Physik in Garching mit Tokamak ASDEX, Stellerator
Wendelstein), KfK (Kernforschungszentrum Karlsruhe) und das KFA
(Kernforschungszentrum in Jülich). Sie sind in dem Europäischen
Forschungsprogramm vollständig integriert.
KfK und IPP gründeten 1982 eine Entwicklungsgemeinchaft zur
Kernfusion.
USA
Die Kernfusionsforschung in den USA ist organisiert und überwacht von
Department of Energy. Die Programme verteilen sich auf
Großversuchseinrichtungen (Hauptteil), Universitäten und einige
privat unterstützte Forschungseinrichtungen.
Es steht weltweit der größte Etat zur Verfügung. Die
Programme sind aber in kurze Abschnitte aufgeteilt, so daß der Etat
dynamisch, unstetig vergeben wird.
Als Versuchseinrichtungen stehen mehrere kleinere Tokamak-Experimente, ein
MIGMA Experiment und ein Tokamak-Reaktor in Princeton (von der Größe
mit JET vergleichbar) und Trägheitseinschluß-Versuche
(militärisches Interesse) zur Verfügung.
GUS
Versuchseinrichtungen sind ausschließlich staatlich unterhalten und
koordiniert. Schwerpunkt ist hier die Plasmaphysik. Es wird an Programmen zur
Tokamaktechnik (favorisiert) und zum MIGMA gearbeitet.
Japan
Die japanischen Versucheinrichtungen werden von mehreren Ministierien
getragen und von einem übergeordneten, nationalen Gremium (JAERI)
koordiniert. Private Firmen unterstützen die Forschungen beträchtlich
durch die Entwicklung von benötigten Spezialtechniken (supraleitende
Spulen, Vakuumtechnik, Plasmaheizung) Forschungseinrichtungen sind
Großanlagen (Tokamak JT-60), diverse Einrichtungen der Universitäten
und private Firmen. Es wird parallel an verschiedenen Einschlußverfahren
und der Weitereintwicklung der magnetischen, toroidalen Einschlußtechniken
gearbeitet.
Diskussion möglicher Technischer
Ansätze
Übersicht
Der Kernfusion liegt eine Reaktion zwischen zwei Wasserstoffisotopen , z.B.
Deuterium und Tritium, zu Grunde: 2H+ + 3H+ © 4He2+ + n0. Bei dieser
Reaktion wird, nach dem Gesetz für den Massendefekt von A. Einstein,
Energie frei. Um die Verschmelzung der Wasserstoffkerne zu Heliumkernen zu
starten, muß das Wasserstoffgas auf eine Temperatur von über 100
Millionen Grad Celcius erhitzt werden (200 Mio. Grad wurden schon erreicht). Zum
Vergleich: Die Sonne hat auf ihrer Oberfläche eine Temperatur von 5500 C
und in ihrem Innern 15.000.000 C. Es entsteht dabei ein sogenanntes Plasma, ein
Gemisch aus freien Wasserstoffionen und freien Elektronen.
Es wird mit Plasmen gearbeitet, die aus nur 1g Wasserstoffionen besteht.
Die Thermische Energie des heißen Wasserstoffplasmas reicht aus, um 100 kg
Stahl zu verdampfen.
Um mit diesen hohen Temperaturen arbeiten zu können werden die Plasmen
und ihre thermische Abstrahlung mit Magnetfeldern, deren Stärke das 100.000
fache des Erdmagnetfeldes übersteigen, im Vakkuum eingefangen.
Bei den meisten Techniken treten energiereiche Neutronen auf. Da sie sich
nicht durch Magneten auf eine definierte Bahn zwingen lassen, treffen sie auf
das das Plasma umgebende Material und sind für dessen Verstrahlung
verantwortlich. Sie werden aber dazu benuzt, um mit Lithium das meist
benötigte Tritium herzustellen.
Prinzipiell kann man zwischen vier Techniken der Kernfusion unterscheiden:
Die Induzierte Trägheitsfusion, die Fusion mit magnetischem
Einschluß, die kalte Kernfusion und die Fusion aus der
Teilchenbeschleunigertechnik.
Fusion mit magnetischem Einschluß
Die Fusion mit magnetischem Einschluß findet in geschlossenen
Vakuumkammern statt. Das Gas, bestehend aus Wasserstoff, Deuterium oder Tritium
oder Kombinationen dieser Stoffe, wird in dieser Kammer auf 50 bis 400 Millionen
Grad erhitzt und liegt dann als Plasma vor, d.h. das Gas ist vollständig
ionisiert. Durch Magnetfelder wird das Plasma auf eine Bahn gezwungen, die
verhindert, daß das Plasma die Wand berührt. Unter hohem Druck und
Temperatur kommt es schließlich zum thermonuklearen Brennen.
Allgemein ergeben sich beim magnetischen Einschluß folgende Probleme:
Durch die Schwierigkeiten beim Plasmaeinschluß und durch
Verunreinigungen kommt es zu Energieverlusten
Durch Neutronenbeschuß wird das Reaktormaterial radioaktiv
Die extremen Bedingungen führen zu hohen Materialermüdung und
damit zu hohen Kosten
Große gespeicherte Energiemengen in den Magnetfeldern und
radioaktives Inventar stellen ein Gefahrenpotential dar.
Hoher Energiebedarf beim Betrieb durch die benötigte Heizung und
Magnete (300MW Verbrauch einer mittleren Großstadt!!).
Beim Magnetischen Einschluß gilt es noch, drei Reaktortypen zu
unterscheiden:
Stellaratoren
Hier ist das Reaktorgefäß ähnlich wie beim Tokamak eine
ringförmige Röhre, also ein Torus. Das Plasma fließt hier im
Kreis, wobei es durch geeignete Magnetfelder in sich verwunden wird, um
Abstrahlungsverluste zu minimieren. Diese zusätzlichen Magnetfelder
verkomplizieren die Technik des Reaktors. Auch erreicht man derzeit nicht den
gewünschten Einschlußgrad (Produkt aus Druck mal Zeit).
Der Stellerator ist aber für die Konstruktion eines energieliefernden
Reaktors dadurch sehr interessant, da er sich zum kontinuierlichen Betrieb
eignet (vgl. Tokamak).
Tokamak
Tokamak ist eine Abkürzung für die Russische Bezeichnung von
Toroidkammer im Magnetfeld. Beim Tokamak handelt es sich um einen Torus, in dem
das Plasma im Kreis fließt (vgl. Stellerator). Über äußere
Spulen wird ähnlich wie bei einem Transformator ein Strom im Plasma
induziert. Durch diesen Strom werden die Abstrahlungsverluste minimiert, so
daß kein Magnetfeld für die Verwindung des Plasmas notwendig wird.
Zusätzlich stellt der Strom im Plasma eine Heizmethode dar. Mit den
Tokamaks ist man den Bedingungen für selbsterhaltendes thermonukleares
Brennen bisher am nächsten gekommen, was vielleicht aber auch daran liegt,
daß hier die intensivsten Forschungen getätigt werden.
Als Hauptnachteil des Tokamak ist zu nennen, daß er sich nicht
für einen kontinuierlichen Betrieb eignet, sondern regelmäßig
wieder neu mit Plasma aufgeladen werden muß (vgl. Stellerator), was auch
eine extreme Belastung der Anlage ausmacht.
Spiegelmaschinen
Das Reaktorgefäß bildet eine gerade Röhre. An den Enden
wird das Plasma durch entsprechende Magnetfelder in seiner Flußrichtung
reflektiert. Bei der Reflexion an den Ende kommt es zu erhöhten
Energieverlusten.
MIGMA-Konzept
Bei dem MIGMA-Verfahren werden aus einem Teilchenbeschleuniger Teilchen
(z.B. Deuteronen und Trionen) wiederholt zur Kollision gebracht und
verschmelzen. Es ist mit diesem Konzept auch eine Fusion zwischen Protonen und
dem Bor-11 Isotops möglich. Es entstehen vier energiereiche Alphateilchen
(4He2+).
Das besondere an diesem Ansatz ist, daß kein radioaktives und
toxisches Tritium benötigt wird und keine Neutronen enstehen, welche
für die unerwünschte Radioaktivität verantwortlich sind.
Hauptproblem bei dieser Technik sind laut KfK die Energieverluste der
Teilchen durch die entstehende Synchrotronstrahlung.
Leider wird diese von einigen Physikern für genial gehaltene Technik
weltweit ignoriert. Es werden zur Weiterentwicklung trotz ansehlicher
Anfangserfolge in den 70 Jahren nicht genügend Fördermittel zur
Verfügung gestellt. Grund hierfür könnte sein, daß bei
dieser Reaktion keine energiereichen Neutronen entstehen, die zu dem sehr
interessanten Nebenprodukt, dem spaltbaren Material, führen.
Induzierte Trägheitsfusion
Ein Gemisch aus Deuterium und Tritium wird von einer kleinen
kugelförmigen Hülle umgeben. Diese 1mm großen Kügelchen
(Pellets) werden im Vakuum mit einem Hochenergielaser oder einem Leicht- oder
Schwerionenstrahl beschossen. Bei der so herbeigeführten Implosion wird das
Wasserstoffgemisch auf ein fünfzigstel seines Volumens komprimiert. Die
extreme Erhitzung läßt das fusionierende Plasma enstehen.
Durch Simulationen ließ sich ermitteln, daß der thermonuklare
Energieausstoß typischerweise das Hundertfache der Laserenergie
beträgt.
Hauptproblem ist die Konstruktion der benötigten kurzwelligen
Hochenergielaser bzw. Beschleuniger. Des weiteren entstehen auch hier
hochenergetische Neutronen.
Die Konstruktion eines energiegewinnenden Reaktors, der z.B. zehn Pellets
pro Sekunde zünden würde, wäre denkbar.
Kalte Kernfusion
Die Reaktion wurde aus theoretischen Überlegungen schon in den
vierziger Jahren von F. Frank und Andrej D. Sacharov vorhergesagt und 10 Jahre
später durch einen Zufall von Luis W. Alvarez experimentell
nachgewiesen.
Bei der kalten Kernfusion oder auch Myon -katalysierten kalten Kernfusion
kann man die hohen Temperaturen und riesigen Versuchsaufbauten umgehen. Die
kalte Kernfusion läuft bei Temperaturen ab 13 bis über 1000 Kelvin in
festen, flüssigen oder gasförmigen Medien ab.
Die Reaktion kann in einer einfachen mit Tritium und Deuterium
gefüllten Kammer durchgeführt werden. Hierzu läßt man
negative Myonen in die Kammer eindringen. Die Myonen stellen durch besondere
Stoßprozesse enge Bindungen zwischen den Wasserstoffmolekülen her.
Die so myonisch gebundenen Kerne verschmelzen und es wird Energie in Form von
Wärme frei. Die Myonen werden dabei wieder freigesetzt und können
unter bestimmten Bedingungen weitere Fusionen katalysieren.
Myonen kann man künstlich mit Hilfe von Teilchenbeschleunigern
erzeugen. Damit ein Myon mehrere Kernfusionen katalysieren kann, sind hohe
Energien für dessen Erzeugung notwendig.
Leider wird mehr Energie benötigt, um die Reaktion ablaufen zu lassen,
als später frei gesetzt wird. Die kalte-Fusion ist zur Zeit nur für
die Grundlagenforschung interessant. Es gibt bis heute keine reproduzierbare
Versuchsanordnung mit positiver Energiebilanz.
Aspekte der TA Kernfusion
Technologischer Aspekt
Ziel der weltweiten Fusionsprogramme ist die konkrete Konstruktion eines
Reaktors. Die prinzipielle Realisierbarkeit eines energieliefernden Reaktors ist
nicht geklärt. Es wird gehofft, dies in sechs bis zehn Jahren beantworten
zu können. Strategie hierbei ist die der wahrscheinlichsten Widerlegung,
d.h. man versucht die Unlösbarkeit zu beweisen. Einige Experten
schätzen sogar, daß ein wirtschaftlich arbeitender Reaktor, ohne
generelle konzeptionelle Änderungen der Fusionstechnik, ausgeschlossen ist.
Die früheste Realisierung wird in 50 bis 60 Jahren angenommen.
Es muß dabei das sogenannte thermonukleare Brennen hervorgerufen
werden, d.h. ein Plasmagemisch muß in einen Zustand gebracht werden, in
dem die Umsetzung von Wasserstoff zu Helium kontrolliert und kontinuierlich
vollzogen wird.
Die immanenten Probleme bezüglich der Realisierung oder einer
Vorhersage werden durch die nichtlinearen physikalischen Phänomene des
Plasmas hervorgerufen. Hieraus entspringen zwei fundamentale Hindernisse:
Es ist nicht möglich einen kleinen Versuchsreaktor zu bauen und dann
auf ein größeres Modell hochzurechnen.
Vorhersagen sind nur an einem der Größe des Endreaktors
entsprechenden Testreaktors zu erproben (immense
Kosten), die derzeitig zur Verfügung stehende Computerleistung reicht
bei weitem nicht aus, um eine Simulation mit allen
Parametern zu errechnen (zwingende experimentelle Forschung).
So entstanden bei der Forschung immer neue unvorhergesehene Probleme, die
die zeitlichen Prognosen über die Verwirklichung der Programme sich nie
bewahrheiten ließen.
Um einen Fusionsreaktor zu konstruieren, müssen parallel zur
eigentlichen Plasma-Physik eine Vielzahl andere Techniken entwickelt werden, die
auch für andere Anwendungsgebiete von Nutzen sein könnten
(supraleitende Magneten, Radiosender im Höchstfrequenzbereich, intensive
Teilchenstrahler, Vakuumtechnik, etc.). Wobei die Resultate dieser
Forschungstätigkeiten wissenschaftlich als eher gering eingestuft werden.
Dadurch, daß die Fusionsprogramme ausschließlich institutionell
koordinierte Großprojekte sind, sind die Bau-, Planungs- und
Anhörungsphasen so lang, daß die angewanten Techniken, nach
Beendigung eines Programmes wieder überholt sind.
Ökonomischer Aspekt
Zur Zeit werden in Amerika, Asien und Europa jährlich etwa zwei bis
drei Mrd. DM für funktionsfähige Fusionsreaktoren ausgegeben. Von der
Kommission der EG wurde das nächste europäische
Fünf-Jahres-Programm mit Aufwendungen von insgesamt 1,5 Mrd.
Rechnungseinheiten (das entspricht etwa 4 Mrd. DM) vorgeschlagen.
Nach heutiger Absicht werden nur die Flagschiffe des amerikanischen und des
europäischen Forschungsprogramms, nämlich TFTR und JET, bereits
Tritium verbrennen und damit Eigenschaften eines echten Fusionsfeuers
demonstrieren. Die Radioaktivierung ihrer Bauteile erfordert Abschirmungen und
die Anwendung fernbedienter Spezialwerkzeuge für Reperaturen und zur
Manipulation von Komponenten. Die INTOR-Studie (INTOR = International Tokamak
Reactor), die von Europa, Japan, UdSSR und USA gemeinsam ausgearbeitet wurde,
geht über TFTR und JET noch hinaus und ist Symbol für die ersten
Gehversuche auf dem Weg zu einem wirklichen Reaktor. Die letzte
Entwicklungsstufe vor der kommerziellen Nutzung wäre die Demonstration
eines ökonomischen Systems; diese liegt noch gut 30 Jahre vor uns. Ein
nennenswerter energiewirtschaftlicher Beitrag der Kernfusion ist wohl erst in 50
Jahren zu erwarten.
Deutschland finanzierte 1985 etwa 140 Millionen DM pro Jahr in eigene
Fusionsprojekte und nocheinmal 100 Millionen DM pro Jahr über die EG in das
internationale Fusionsprogramm.
Der Bau und 20 jährige Forschungsbetrieb von NET wird voraussichtlich
fünf Milliarden ECU (1 ECU ¯ 2,23DM, `85) kosten. Auf Deutschland
fällt ein Anteil von fünf Milliarden DM (innerhalb von 20 Jahren).
Vergleich:
Ein Bau eines Leichtwasserreaktors kostet etwa fünf Milliarden DM.
Um sicherzugehen, daß man für die Aufwendungen der Forschung
auch den wirtschaftlichen Nutzen ziehen kann, wird vorgeschlagen, die
Internationalisierung der Forschung auf einen Wirtschaftsraum zu konzentrieren.
Einer Einschätzung der Wirtschaftlichkeit von Fusionsreaktoren ist
nicht sehr einfach. Es existiert noch kein funktionsfähiger Reaktor, der
eine fundierte Kosteneinschätzung ermöglichen würde. Dies ist
nach derzeitiger Einschätzung nicht vor dem Jahr 2050 zu erwarten. Ein
Vergleich der verschiedenen Kraftwerkstypen müßte sich auf diesen
Zeitpunkt beziehen. Wie sich jedoch die Rohstoffpreise, Endlagerkosten und
Steuern für die bisherigen Energieträger entwickeln werden, ist nur
unsicher abzuschätzen.
Nach derzeit gängigen Schätzungen würden die Anlagenkosten
für einen Fusionsreaktor zwei bis dreimal höher sein als bei einem
Spaltreaktor und wesentlich höher als bei einem Brutreaktor. Auch liegt die
Verfügbarkeit der Fusionsreaktoren unter der von Spaltreaktoren, da
Fusionsreaktoren häufiger gewartet werden müssen (Wandwechsel), wegen
ihrer großen Komplexität störanfälliger sind und die
Energieerzeugung in relativ kurzen Zyklen abläuft. Um gegenüber diesen
Reaktoren wirtschaftlich konkurrieren zu können, muß ein
Fusionsreaktor also niedrigere Brennstoffkosten, höhere
Zuverlässigkeit, höhere Sicherheit und geringere Endlagerkosten
aufweisen. Dies bedeutet, daß u.a. das Problem der geringen
Wandlebensdauer gelöst werden muß.
Es ist jedoch nach wie vor nicht sicher, ob die Forschung schließlich
einen funktionsfähigen Reaktor erbringen wird. Zwar ist eine Erweiterung
des Fusionsprogrammes auf andere Reaktortypen nur mit einer geringen
Budget-Steigerung möglich, da sich die Forschungsergebnisse weitgehend
transformieren lassen, jedoch stellt sich die Frage, ob die Fusionsforschung
neben ihrem eigentlichen Ziel noch weitere Erkenntnisse von solcher Bedeutung
erbringt, daß sie die hohen Forschungsgelder rechtfertigt. Die
Fusionsforschung erbringt neue Erfahrungen und Ergebnisse im bereich
Mikrowellen-, Vakuum- und Magnetbautechnik, jedoch ist die Bedeutung, die diesen
Erkenntnissen beigemessen wird, eher gering. Sie würden bestenfalls den
beteiligten Firmen Marktvorteile gegenüber Konkurrenten einräumen, was
hinsichtlich der starken japanischen und amerikanischen Industrie bedeutsam sein
kann. Nebenprodukte der Forschung, wie sie sich zum Beispiel in der
"Teflonpfanne der Weltraumforschung" finden, sind bei der Kernfusionsforschung
nicht zu erwarten. Spin-off-Effekte sind wegen des eng begrenzten Aufgabenfeldes
nicht zu erwarten.
In Anbetracht der bekannten Probleme und der langen Bauzeiten, bedingt
durch die große Komplexität der Fusionsreaktoren, ist nicht vor 2050
damit zu rechnen, daß Fusionskraftwerke nennenswert zur Energieversorgung
beitragen, und auch danach wird der Anteil nur langsam steigen und nicht
über den, der heute von Spaltreaktoren erbracht wird, hinausgehen. Dies
liegt auch darin begründet, daß Fusionsreaktoren wegen der hohen
Anlaufzeiten und der geringen Verfügbarkeit nur als Grundlastkraftwerke
geeignet sind.
Eine Möglichkeit, die Wirtschaftlichkeit der Fusionskraftwerke enorm
zu steigern, ergibt sich aus der Brutfähigkeit der Reaktoren. Pro
Energieeinheit erzeugen Fusionsreaktoren zehnmal mehr Neutronen als
Spaltreaktoren, die zudem noch energiereicher sind. Einbringen von uran- oder
thoriumhaltigen Materialien in die Reaktionskammer würde eine
Erbrütung spaltbaren Materials ermöglichen. Mit dem so erbrüteten
spaltbaren Materialien ließen sich zehn Spaltreaktoren gleicher Leistung
betreiben, bei hochkonvertierenden Reaktoren (Brutreaktoren) sogar 40 - 60. Man
geht sogar soweit, daß sich die Fusionsreaktion zum Erbrüten von
Material lohnen würde, selbst wenn der Fusionsreaktor nicht zur
Energieproduktion direkt benutzt werden würde, ja selbst, wenn der Reaktor
nicht selbsterhaltend thermonuklear brennen würde, also getrieben werden
müßte.
Einen ökonomischen Faktor stellt die Förderung der Forschung dar.
Die bereitgestellten Mittel fließen über die Forschungszentren an die
Industrie, welche die Teile für Reaktoren, Versuchsanordnungen etc.
produziert. Dies stellt einen wirtschaftlichen Faktor dar, der sogar zu
Überlegungen führt, Länder, in denen die Reaktoren gebaut werden,
verstärkt zur Finanzierung des gemeinsamen Forschungsprojektes
heranzuziehen.
In den USA wird ein erheblich größerer Teil der
Forschungsunterstützungen von der Industrie aufgebracht. Insgesamt
fördern die USA die Fusionsforschung mit über 500 Mio. US-$
jährlich. Japan hat ein sehr ehrgeiziges Fusionsforschungsprogramm und
fördert dies jährlich mit einem Etat, der dem gesamteuropäischen
gleichkommt. Hier werden ebenfalls nennenswerte Beiträge von der Industrie
geleistet. Dies liegt jedoch auch an der zum Teil engen Verknüpfung von
Industrie und Universitäten. Den zeitlichen Verlauf der
Förderprogramme kann man der Abbildung 1 entnehmen.
Ökologischer Aspekt
Ein Beweggrund für die Suche nach neuen Energiequellen ist die
Reduzierung des CO2-Ausstoßes, da dieses Gas erheblich zum Treibhauseffekt
beiträgt. Hier jedoch liegen die Chancen für einen Fusionsreaktor, zu
dieser Problematik positiv beizutragen, nicht sehr gut. Zum einen liegt der
Anteil der gesamten Energieproduktion am CO2-Ausstoß bei ca. 20%, zum
anderen wird der Fusionsreaktor nicht als Ersatz für Kraftwerke mit
fossilen Brennstoffen angesehen, sondern als weitere nukleare Option. Dies liegt
in der technischen Natur des Fusionsreaktors begründet, in seiner niedrigen
Verfügbarkeitszeit und langen Anlaufzeit. Nicht zuletzt ist mit
Fusionsreaktoren derzeit nicht vor 2050 zu rechnen, so daß bereits vorher
Wege zur Verminderung des Treibhauseffektes gefunden werden müssen. Auch
für einen Einsatz in Entwicklungsländern, wo der Bedarf an
Energieversorgung in nächster Zeit stark steigen wird, ist der
Fusionsreaktor wegen der Komplexität, der späten Verfügbarkeit
und den hohen Kosten eher ungeeignet. Studien, welche den Vorteil der
Fusionsreaktoren gegenüber den Spaltreaktoren hinsichtlich des
CO2-Ausstoßes bei Förderung und Produktion der Brennstoffe und
Materialien untersuchen, liegen leider nicht vor.
Fusionsreaktoren benötigen zum Erreichen der Fusionsparameter bei
derzeitiger Technik giftiges Beryllium. Die Handhabung und Verarbeitung ist
durchführbar, wie JET beweist. Inwieweit jedoch das Beryllium wärend
des Reaktorbetriebes nach außen gelangt, ist nicht bekannt.
An radioaktiven Materialien sind Tritium und durch Neutronenbeschuß
aktivierte Reaktormaterialien zu beachten. Die Eigenschaften des Tritiums sind
weitgehend erforscht. So liegen für das Tritiuminventar umfangreiche
Gefahrenstudien vor. Problematisch ist die Handhabung des Tritiums dadurch,
daß dieses Gas durch nahezu alle Materialien diffundiert, ganz besonders
aber durch die stark erwärmten Reaktorwände. Technische Lösungen
hinsichtlich der Gebäudeabdichtung sind teilweise vorhanden. Ein wichtiger
und kaum beherrschbarer Austrittspunkt für Tritium ist jedoch das
Kühlsystem, da sich einmal in das Kühlmittel gelangtes Tritium nicht
wieder entfernen läßt. Hinsichtlich der Strukturmaterialien des
Reaktors sind Vorhersagen und Risikoabschätzungen wesentlich schwerer
aufzustellen, da noch kein endgültiges Reaktorkonzept vorliegt. Die
Reaktorwand wird durch Neutronenbeschuß aktiviert und muß
regelmäßig ausgewechselt werden, da der Neutronenbeschuß auch
zur Materialermüdung führt, unterstützt durch die extremen
Bedingungen, denen das Material ausgesetzt ist. So wurde zum Beispiel bei der
ersten erfolgreichen Fusionsreaktin im JET 1992 bei einem Tritiumanteil von 14%
und 2 Sekunden Brennintervall die Reaktorwand so stark aktiviert, daß ein
Betreten erst nach mehreren Wochen wieder möglich war. Die Reaktorwand
muß als radioaktiver Müll gelagert werden, so daß sich auch
hier ein Entsorgungsproblem ergibt. Nach derzeitigen Einschätzungen wird
die während des Reaktorbetriebes anfallende Abfallmenge sehr groß
sein, größer als die eines Spaltreaktors. Jedoch ist der Abfall
anders geartet als bei Spaltreaktoren. Je nachdem, welche Materialien
schließlich gewählt werden, kann die Halbwertszeit des Mülls
verhältnismäßig gering sein. Bei Verwendung von Titan und
Vanadium ließe sie sich so reduzieren, daß nach 30 - 50 Jahren eine
Wiederverwendung der Materialien oder gar des Mantels möglich wäre.
Dieser Vorteil wird jedoch deutlich geschwächt, wenn man beachtet,
daß nach derzeitigem Kenntnisstand ein Wandwechsel wohl alle zwei Jahre
erforderlich wäre, so daß trotz allem erhebliche
Lagerkapazitäten erforderlich wären und die Menge des radioaktiven
Materials groß wäre. Hinsichtlich des Gefahrenpotentials des Abfalles
existieren noch keine detaillierten Studien.
Auch Störfallstudien gestalten sich noch schwierig, da noch keine
endgültigen Daten für einen Reaktor vorliegen. Gefahrenpotential
bergen die starken Magnetfelder und die in ihnen gespeicherte Energie. Ein
plötzliches Zusammenbrechen der Magnetfelder würde zu einer
mechanischen Zerstörung des Reaktors führen. Bei der derzeit geplanten
Bauweise des Reaktorgebäudes (Containment) mit mindestens 2,5 m dicken
Wänden (auch zur Strahlungsabschirmung) würde dies jedoch nicht zu
einer Beschädigung desselben führen und somit wäre ein Austritt
des Radioaktiven Inventares unwahrscheinlich. Ein Durchgehen der Fusionsreaktion
(Leistungsexkursion), wie sie bei Spaltreaktoren möglich ist, wäre bei
Fusionsreaktoren ausgeschlossen, da bereits geringe Verunreinigungen des Plasmas
zum Erliegen der Reaktion führen. Kleinere Störfälle, wie z.B.
ein Leck im Reaktorgefäß, hätten vergleichbare Folgen wie bei
einem Spaltreaktor. Das Austreten radioaktiven Materials innerhalb des
Containments wäre durchaus möglich. Ein Austritt radioaktiven oder
toxischen Materials außerhalb des Reaktorgebäudes und damit eine
Gefährdung der Umwelt durch innere Einflüsse ist also nahezu
ausgeschlossen, nicht jedoch bei äußeren Einflüssen, die zur
Zerstörung des Containments führen würden. Des weiteren ist
anzunehmen, daß im normalen Betrieb die radiologischen Belastungen nicht
niedriger als die eines Spaltreaktors ausfallen werden.
Sehr bemerkenswert ist, daß Risikostudien nahezu überhaupt nicht
durchgeführt werden. Lediglich für Tritium wurden umfangreiche Studien
angefertigt, wobei dies auch von großem Interesse hinsichtlich der
Tritiumhandhabung im militärischen Bereich und in Spaltreaktoren ist.
Selbst für JET wurden keine umfangreichen Studien angefertigt, welche sich
mit den Möglichen Auswirkungen eines Störfalles beschäftigen.
Erst Ende der 80er Jahre wurde an einem verkleinerten Modell eines
Fusionsreaktors Störfallforschung betrieben. Die an diesem Testreaktor
TESPE gesammelten Erkenntnisse ergaben eine weitgehende Beherrschbarkeit der
möglichen Störfälle, jedoch ist wie bei den meißten
Ergebnissen der Fusionsforschung eine Übertragung (Skalierung) auf
größere Reaktoren nur begrenzt oder mit Faustregeln möglich. Der
Nutzen dieser Studien ist also begrenzt. Allgemein wird darauf verwiesen,
daß sich in großem Umfange den Risikostudien erst zugewandt wird,
wenn die plasmaphysikalischen Probleme als lösbar gelten.
TESPE:
Der Kompakttorus TESPE steht in Karlsruhe, seine Aufgabe ist es
Störfälle zu simulieren und mögliche Schwachpunkte in der
Konstruktion des Torus aufzudecken. Er ist der erste seiner Art. TESPE ist ein
verkleinertes Modell der Magnetkonfiguration künftiger Großanlagen.
Die bisher untersuchten Störungen waren sowohl in ihren elektrischen wie in
den thermischen und mechanischen Konsequenzen sicher beherrschbar. Das
Experimentierprogramm an TESPE soll 1988 abgeschlossen werden.(Spektrum der
Wissenschaft Juni 1987)
Sozialer Aspekt
Aus den Gesprächen mit zahlreichen Experten aus den Deutschen
Plasmainstituten gab es folgende Aussagen zu dem Sozialen Aspekt.
Auf der Seite der Wissenschaftler
In Fachkreisen wird diskutiert, ob die Öffentlickeit überhaupt
legitimiert ist informiert zu werden. Die Argumentation hierbei ist, daß
die Öffentlichkeit aufgrund ihres mangelnden Wissens nicht in der Lage ist
(wie auch das Parlament), die Problematik, die den Entscheidungen zugrunde
liegt, zu durchschauen. Es wird bezweifelt, daß die in Erscheinung
tretende Minderheit repräsentativ für die Öffentlichkeit ist. Die
Inhalte der Äußerungen dieser Minderheit seien von anderen Prozessen
gesteuert, die mit der tatsächliche Meinung der Gesellschaft wenig zu tun
haben. "Meiner Meinung nach muß die Bevölkerung die wesentlichen
Entscheidungen der Wissenschaft selbst überlassen." (Wissenschaftlicher
Direktor de IPP) . Als limitierender Faktor ist hier das fehlende Vertrauen der
Bevölkerung zur Wissenschaft zu sehen.
Nach Meinung der Experten gibt es im Moment genügend Techniker und
Wissenschaftler auf den relevanten Gebieten für die Kernfusionsforschung.
Man sieht aber eine große Gefahr falls die Geldmittel gekürzt werden,
weil dann der Anreiz, in die Plasmaphysik einzusteigen, immer geringer wird, was
einen Basisverlust bedeuten kann. Ebenso führt eine in ihrer
Intensität abnehmende Forschung insbesondere im Bereich der Hochschulen zu
einer sinkenden Zahl von Quereinsteigern. Da aber auch in näherer Zukunft
kein erhöhter Personalbedarf von Nöten sein wird, da eine
Verkürzung der Entwicklungszeit durch eine größere
Mitarbeiterzahl für unwarscheinlich gehalten wird, gibt es kein Interesse
an einer Aufstockung des Budgets. In einer denkbaren Auflösung der
Arbeitsgruppen in den Großforschungseinrichtungen und deren
vollständigen Einbindung in europäische bzw. internationale
Großprojekte wird eine große Gefahr für die Kontinuität
der Forschung erkannt: Die Projektanbindung kann zu einem fast
vollständigen Informationsverlust insbesondere bei einem Generationswechsel
führen.
Ein weiteres Problem, das von den Experten genannt wurde, ist das es zu
wenig Anreizmechanismen in den Forschungseinrichtungen gibt. Außerdem die
starre Besoldungsstruktur nach den Beamtentarifen wird als veraltet betrachtet.
Außerdem ist die unentschlossene Haltung der Bundesregierung
bemängelt worden. Aus Sicht der Experten hat man noch nicht die
Notwendigkeit der kontrollierten Fusion verstanden. Führende Mitarbeiter in
den Forschungseinrichtungen fühlen sich immer mehr als
"Kürzungsverwalter". Änderungen der Rahmenbedingungen scheinen
dringend erforderlich: Neben einer flexibleren Handhabung des Beamtentarifs wird
auch eine Angleichung des wirtschaftlichen Vorsprungs ausländischer
Gastwissentschaftler bei einer länderübergreifenden Kooperation
gefordert, um sozialen Frieden zu bewahren. Wichtiger erscheint jedoch eine
stärkere Motivation der Mitarbeiter durch politische Willensbildung und
eine Verbesserung von Organisationsstruktur und Management.
Ein Dilemma für die Fusionsforscher besteht vor allem darin, daß
sie nur ungern auf mögliche Vorteile von Fusionsreaktoren z.B.
gegenüber Spaltreaktoren hinsichtlich Sicherheits- bzw. Umweltfragen
hinweisen. Nach der Ansicht der Experten verschlechtert dies nur das (ohnehin
geringe) Ansehen konventioneller Kerntechnik.
Über die Bewilligung von Forschungsgeldern haben die
Forschungsministerien der Nationen zu entscheiden. Da hier jedoch selten in der
jeweiligen Fachsparte kompetente Leute arbeiten, benötigen diese den Rat
von Experten. Diese rekrutieren sich jedoch wegen des enormen Umfanges und hohen
Anteils am Gesamtprogramm aus den geförderten Bereichen des
Fusionsprogrammes, dem magnetischen Einschluß. Diese Forscher stehen unter
einem gewissen Erfolgsdruck. In ihr Projekt, dem sie die Durchführbarkeit
vorhersagten, sind gewaltige Gelder geflossen. Einzugestehen, daß Fehler
gemacht wurden oder man sich gar auf einem toten Gleis der Forschung befindet,
ist mit der Gefahr des Zusammenstreichens des Etats seitens der Ministerien
verbunden und auch mit einem gewissen psychologischen Druck. Die
Wissenschaftler, die die Projekte im Auftrage des BMFT begutachten, werden aus
Loyalitätsgründen eher für ihre Kollegen urteilen. Insofern
werden die Experten anderen Projekten, mögen sie auch ebenfalls Hoffnungen
in sich bergen, keine Chancen geben indem sie zur Förderung raten,
würde dies doch bedeuten, daß an ihrem Etat Abstriche fällig
wären, da die Forschungsprogramme in ihrem Gesamtumfang begrenzt
sind.
Ähnliche Mechanismen erschweren es den Forschern der nicht
geförderten Projekte, in namhaften Zeitschriften Artikel zu
veröffentlichen. Die Redaktionen bedienen sich kompetenter Experten, um zu
verhindern, daß unseriöse oder für den Fachmann offensichtlich
lächerliche Artikel zur Veröffentlichung gelangen. Auch hier stammen
die Experten meißtens aus den geförderten Projekten, und auch hier
haben sie kein Interesse daran, eine Stimmung gegen ihre Projekte entstehen zu
lassen.
Auf der Seite der Bevölkerung
Die "Öffentlichkeit" hat Einfluß auf die Forschung über die
Institutionen des Staates und den damit verbundenen Haushaltsmitteln. Das das
große Mißtrauen der Bevölkerung gegenüber den
Kerntechnologien wirkt sich auf die politische Förderung und eindeutige
Stellungsnahme hemmenden aus.
In den siebziger Jahren wurde vor dem Hintergrund der Ölkrise die
Kernfusion als DIE Lösung der Energieprobleme in der Zukunft
präsentiert.
Militärische Interessen und Forschungen werden als zivile
Energieprojekte vorgestellt.
Der Standpunkt der Gesellschaft bezüglich der Akzeptanz der
Fusionstechnologie ist nicht eindeutig bekannt und wird als Unsicherheit bei der
Entwicklung des Reaktors angesehen. Dies läßt sich auf den geringen
Informationsstand der Bevölkerung und das prinzipielle Mißtrauen
gegen Kernenergieanlagen zurückführen.
Ein deutliches Akzeptanzproblem wird von allen Beteiligten erwartet. Das
Problem der radioaktiven Freisetzung im Normalbetrieb und den Fragen der
Endlagerung der radioaktiven Abfälle führt ohne Zweifel zu den selben
Akzeptanzproblemen wie bei der Kernspaltung, auch wenn die Halbwertszeiten
deutlich geringer sind und ein geringeres Gefährdungspotential der
Reaktoren zu Grunde liegt. Man scheut aber gerade den Vergleich mit
Kernspaltungsreaktoren, denn man wird Kernkraftgegner generell nicht von
Kernenergie überzeugen können, da es immer ein Restrisiko geben wird.
Dadurch werden auch wieder langwierige Genehmigungsverfahren von Nöten sein
und können u. a. auch einen deutschen Standort für ITER
gefährden. Wären Fusionsreaktoren heute verfügbar, wäre ihr
Einsatz ähnlich dem von Brutreaktoren nachhaltig gefährdet.
Für die Zukunft wird eine deutlich Verstärkung der Kritik an der
Kernfusion erwartet. Deswegen sollte man gezielte Maßnahmen zur
Verbesserung der Akzeptanz durchführen.
Größtenteils wird die Auffassung vertreten, daß Akzeptanz
keine Konstante der Geschichte ist. Zu diesem Thema gibt es einen interessanten
Artikel von Cesare Marchetti "Die Lebenskurve von Energiequellen läßt
sich berechnen" Cesare Marchetti vom Internationalen Institut für
Angewandte Systemanalyse (IIASA) behauptet, daß die Kernenergie sich noch
ein Jahrhundert weiterentwickeln wird und dann erst von neuen
Energieträgern abgelößt wird. Er vergleicht die Skepsis
gegenüber der Kernfusion mit der gegenüber der Einführung der
Eisenbahn, des Autos oder der Elektrizität. Er sagt weiter: "Sie gleichen
oft bis in Details den Reaktionen auf die Kernenergie, so daß ein
grundlegender Verhaltens-Mechanismus erkennbar wird. Als Ergebnis seiner
Untersuchungen kommt er zu dem Schluß: Die Kernenergie wird erst nach dem
Jahre 2100 allmählich einer neuen Primäreenrgieart weichen. Als
Grundlage für seine exakten Aussagen benutzt er die
Volterra-Lotka-Gleichungen mit denen man die Marktanteile der einzelnen
Energieträger berechnen kann. Die Gleichungen wurden 1920 für die
Biologie aufgestellt. Die tatsächlichen Kurven weichen nie mehr als 2 % Von
den theoretischen Kurven ab. Diese Aussagen bedeuten, daß man die
Lebenskurve einer Energie-Technologie errechnen kann, wenn man den Zeitpunkt
ihrer ersten wirtschaftlichen Nutzung und die Daten bis zu einem Marktanteil von
2 bis 3 % kennt. Daraus ergibt sich der Zeitraum bis zum maximalen Marktanteil
(Sättigung) dieser Technologie, dessen Höhe im Verhältnis zum
Gesamtenergieverbrauch und der Zeitpunkt, wann diese Technologie wieder
belanglos werden wird. Nach den Berechnungen für Energiequellen erwartet
man um das Jahr 2025 eine neue Energiequelle und das wird mit hoher
Wahrscheinlichkeit die Kernfusion sein. Philosophen mögen den Schluß
ziehen, daß technologische Innovationen immer den gleichen
Entwicklungsgang nehmen, weil sich Befürworter und Gegner mit ihren
Argumenten die Waage halten: Aus den nüchternen Daten lassen sich derartige
nachgeschobene Begründungen für das vorsichtige Verhalten des
sozioökonomischen Systems nicht belegen."
Politischer Aspekt
Motiviert wird die immense Forschung an der Fusionstechnik
hauptsächlich durch den benötigten, zukünftigen Energiebedarf und
dem riesigen Energiepotential, das durch die Fusion erhofft wird. Ziel der
Forschung ist hier die Konstruktion einer Energiequelle. Die Grundlagenforschung
der Plasmaphysik ist ein Nebenprodunkt, und wäre als alleinstehendes
Projekt mit den entstehenden Kosten nicht zu rechtfertigen.
Durch diese hohen Forschungskosten steht das Projekt unter extremen
Erfolgsdruck. Sollte sich eine wirtschaftliche Energiegewinnung durch den
Fusionsreaktor als nicht möglich herausstellen, stünden
Wissenschaftler und Forschung unter heftiger, öffentlicher Kritik. Es wird
ein Einbruch in dem Vertrauensverhältnis zwischen Wissenschaft und
Öffentlichkeit befürchtet. Daraus resultiert eine recht starre Politik
bezüglich der Fusionskonzepte, an denen gearbeitet wird.
Die öffentliche Politik bezieht keine klare Stellung zwischen Für
und Gegen der Kernfusion. Auch dies wirkt sich auf den Erfolgsdruck aus, da es
die Perspektive der Forschung für die Zukunft im Dunkeln lässt. Von
den Wissenschaftlern wird deshalb eine klarere Stellungsnahme der Politiker und
Maßnahmen zur Verbesserung der Akzeptanz der Kern- und Fusionstechnik in
der Öffentlichkeit gewünscht.
Die gemeinsame europäische Forschung und die großen Erfolge am
JET-Projekt haben einen technologischen Vorsprung gegenüber den Programmen
in der restlichen Welt entstehen lassen. Die Zusammenarbeit und
Forschungskoordination in Europa wird als positiv bezeichnet.
Hingegen ist die Meinung bezüglich einer weltweiten Zusammenarbeit
(ITER) nicht so einheitlich. Als Probleme werden angesehen die soziale Unruhe
aufgrund unterschiedlicher Entwicklungsniveaus weltweit, Einfluß der
allgemeinen politischen Gegebenheiten zwischen den
Ländern/Entwicklungsgemeinschaften. Es wird befürchtet, daß die
untechnische Politik sich zu sehr auf die technologische (z.B.
Standortbestimmung des ITER-Reaktors) auswirkt. Standortdiskussionen
führten schon beim JET zu zweijähriger Verzögerung des Baues.
Beim ITER-Projekt bemüht man sich aus diplomatischen Gründen wichtige
Positionen international ausgeglichen zu besetzen. Dies war schon innerhalb von
neun Monaten möglich. Was die Entschlossenheit der beteiligten
Kartoffelbauern entschieden demonstriert.
ITER wäre das erste weltweite, technische Geimeinschaftsprojekt. Es
wird deshalb auch ein Experiment der Koordination und Diplomatie sein.
Die Fusionstechnik wurde erstmals vom Militär zur Entwicklung der
Wasserstoffbombe intensiver untersucht. Ein kontinuierliches Interesse und
Unterstützung des Militärs ist damit verbunden geblieben. Besonders
deutlich wird dies in der Induzierten Kernfusion, bei der eine Nutzung für
zivile Energiegewinnung als sehr unwahrscheinlich gilt. Ein höherer
Pentagonbeamter habe sogar behauptet, daß die Laser-Induzierte Kernfusion
der Öffentlichkeit nur als ziviles Projekt vorgestellt wurde, um die
finanziellen Ausgaben und Vorschungen zu legitimieren, es sich dabei aber
ausschlißelich um ein Militärisches Projekt handelt . Für das
Miltär sind hauptsächlich die Abfallprodukte der Forschung (z.B.
Hochenergielaser), Prestigegewinn (höheres Ansehen bei Wissenschaftlern
durch uneigennützige Unterstützung) und die Abfallprodukte der
Energiegewinnung (spaltbares Material, Tritium für die Waffenproduktion)
interessant. Ein Tokamak-Experiment wird als eher uninteressant betrachtet.
Daher ist ein weltweites Forschungsprogramm überhaupt möglich.
Aktuelle Fragestellungen der TA
Auf allgemeine Kritik unter den Wissenschaftlern stößt der
fehlende öffentliche und politische Rückhalt der Forschungsarbeiten.
Verantwortlich dafür sind Akzeptanzprobleme mit der Kernenergiekonzepten.
Es wird eine Willensbildung gefordert, die eine klare Perspektive in
förderpolitischen Fragestellungen aufzeigt.
Als empfohlene TA-relevante Fragestellungen zur Förderung der
politischen Willensbildung gelten :
Abschätzung der Entwicklung der Stromerzeugungskosten aller
Energieträger bei Berücksichtigung von Umweltkosten wie CO2-Steuer,
Endlagerkosten etc., umfassende Bestimmung der radiologischen Belastung für
Lebewesen aus einem Enbdlager heraus (Berücksichtigung des Unterschiedes
von Spalt- und Fusionreaktoren), Vergleich des Gefährdungspotentials
einschließlich aller Apekte (von der Rohstoffgewinnung bis zur
Stromerzeugung) für alle Energieträger Analyse der toxischen
Belastungen durch die Bearbeitung un debn Einsatz von bestimmten Materialien,
z.B. Beryllium, im Fusionsreaktor, Einfluß der Komplexität auf die
Anlagenzuverlässigkeit (wichtig auch für die
Wirtschaftlichkeitsbetrachtung), zukünftige Entwicklung der Stromnetze,
Bedarfsanteile von zentraler und dezentraler Stromversorgung und
zukünftiger Anteil von Brut- und Spaltreaktoren an der Energieerzeugung.
Weitere Punkte könnten sein:
Prüfung der derzeitigen institutionellen Förderung der
Großforschungsprojekte, bensonders in Hinblick auf das zu erwartende
weltweite Forschungsprogramm (ITER).
Analyse der öffentlichen Meinung zur sozialen und ökologischen
Verträglichkeit des Fusionsforschung/-Reaktors.
Abschluß Kernfusion
"Die Fusionsforschung ist in mancher Hinsicht einmalig: Noch nie setzte
sich die Grundlagenforschung ein so konkretes Ziel wie einen Reaktor.
Noch nie erforderte ein technisches Produkt so intensive
Grundlagenforschung wie der Fusionsreaktor.
Noch nie allerdings sollte ein technisches Produkt auch so fernab von allen
alltäglichen, ja irdischen Maßstäben arbeiten."
(bild der wissenschaft 7-1985, Seite 70 letzte Absätze)
Fachbegriffe zur Kernfusion
Blanket das den Reaktor auskleidende Brutmaterial
Brüten Umwandlung von nicht spaltbaren in spaltbares Material z.B.:
Uran-238 in Plutonium-239
Brutmaterial Radioaktives Material, das durch Neutronenbeschuß zu
spaltbarem Material "gebrütet" werden soll.
Deuterium Wasserstoffisotop
Deuteron Deuteriumkern
Einschluß Unter dem Einschluß versteht man die Technik, mit der
das aufgeheizte Gas (Plasma aus Wasserstoff - Isotopen) im Vakuum
festgehalten wird, ohne mit den Reaktormantelmaterialien in Kontakt zu kommen.
IPP Institut für Plasma Physik in Garching (Unterabteilung des Max
planck Instituts) Isotope Isotope sind Atome gleicher Stoffklasse, aber
unterschiedlicher Kernmasse.
ITER International Tokamak Experimental
JET Joint European Torus (Europaisches Tokamak Projekt)
KFA Kernforschungsanlage Jülich
KfK Kernforschungszentrum Karlsruhe
Kontamination Unerwünschte Verunreinigung von Gegenständen
durchradioaktive Stoffe Lawson-Kriterium Ist die Beschreibung der Funktion
aller idealisierten Parameter zur Kernfusion
Myon Myonen sind kurzlebige (Mtl. Lebensdauer 2ms) Elementarteilchen. Sie
können positiv oder negativ geladen sein, haben ähnliche
Eigenschaften wie Elektronen, aber eine 207 mal größere Masse. Sie
kommen in der oberen Atmosphäre vor.
NET Next European Torus
Pellet Hohlkugel die Fusionspartner beinhaltet Plasma
Stellerator Ringförmige Anordnung von magnetischen Feldern für
plasmaphysikalische Experimente
Tokamak Abkürzung für die russische Bezeichnung von Toroid -
Kammer im Magnetfeld (Reaktor-Konzept)
Tritium Wasserstoffisotop
Triton Tritiumkern
Windenergie
Die Nutzung der Windenergie hat eine lange Tradition. So wurden
"Windmühlen" schon vor mehr als 4.500 Jahren - in der Blütezeit der
babylonischen Kultur - zum Wasserschöpfen eingesetzt. Auf der Insel Kreta
entstanden ab dem 13. Jahrhundert zahlreiche Windmühlen, wobei die
Flügel der Windräder mit Segeln bespannt wurden. Mehr als 10.000 waren
im Einsatz. Im nördlichen Europa wurden die ersten Windmühlen im 8.
Jahrhundert gebaut und im 19. Jahrhundert waren mehr als 30.000
Windenergieanlagen mit einer geschätzten Gesamtleistung von 300 bis 600 MW
in Betrieb. Die Windmühlen wurden vorrangig zum Wasserpumpen eingesetzt. In
den Jahren 1930 bis 1945 wurden in den USA und Europa mehrere größere
Windkraftanlagen gebaut, mit Leistungen bis zu 1 MW.
Mit der Marktdurchdringung von Erdöl und Erdgas ist das Interesse
für Windkraftanlagen deutlich zurückgegangen, und erst mit der
Ölpreiskrise Mitte der 70er Jahre wurden neue Windkraftanlagen projektiert
und gebaut. Die größte Windkraftanlage mit 3 MW-Nennleistung wurde im
Jahre 1983 in Deutschland an der Nordseeküste in Betrieb genommen, wobei
allerdings dieses Projekt nicht erfolgreich war, da die Konstruktion den
auftretenden Windkräften nicht gewachsen war.
Die Weiterentwicklung der Windkraftanlagen hat sich dann zu kleineren
Leistungseinheiten verschoben, wobei Anlagen ab 50 kW-Leistung in zunehmendem
Maße in den USA und in europäischen Ländern installiert wurden.
Heute sind es bereits 300 kW- bis 500 kW-Anlagen, welche als "Stand der Technik"
zu bezeichnen sind. In den letzten Jahren wurden in einigen Ländern die
Windkraftanlagen in küstennahen Gebieten ständig ausgebaut,
insbesondere in den USA, Dänemark, Deutschland, in den Niederlanden und in
England. Die heute weltweit installierte Leistung von Windkraftanlagen wird auf
1.400 MW geschätzt, entsprechend einer Stromerzeugung von 6 TWh/Jahr.
Die Windkraftnutzung erfolgt derzeit im wesentlichen in windreichen
Küstenregionen. Diese Regionen werden aber bei den zu erwartenden
größeren Zubauraten schon in absehbarer Zeit knapp, sodaß in
zunehmendem Maße auch Überlegungen zur Nutzung von Windenergie im
Binnenland angestellt werden.
Das Windenergiepotential
Die Lufthülle der Erde ist einem globalen Bewegungssystem unterworfen,
welches durch die Auswirkungen der Sonneneinstrahlung auf Erd- und
Wasserflächen in Verbindung mit der Erdrotation aufrechterhalten wird und
über welches örtliche Einflüsse gelagert sind. Die Luftbewegung
in bodennahen Gebieten wird durch die Bodenreibung bedingt: Bäume,
Waldstücke, Siedlungen, etc. bestimmen somit die Windverhältnisse. In
diesem Falle handelt es sich um kleinräumige Änderungen in der
Bewegung bodennaher Luftmassen. Eine großräumige Variante der
Luftbewegungen ist gegeben durch das Umströmen von Hügeln oder
Bergformationen, von Tälern, Geländestufen und ähnlichen.
Das weltweite Windenergiepotential beträgt etwa 0,2% der
eingestrahlten Sonnenenergie, entsprechend etwa 370 TW bzw. 3 Mio TWh/Jahr.
Dieser - theoretische - Wert entspricht der in den strömenden Luftmassen
auftretenden Bewegungsenergie. Durch die Reibung der Luftmassen in den
bodennahen Schichten verringert sich das Potential der Windenergie
beträchtlich. Die zahlreichen weiteren Einflüsse, die an der
Ausbildung der globalen und örtlichen Zirkulationsströme beteiligt
sind, erschweren eine Abschätzung der zur Verfügung stehenden
Energiemengen. Als Richtwert für das weltweit (theoretisch) nutzbare
Windenergiepotential werden etwa 3 TW (ca. 26.000 TWh/Jahr) angenommen.
Das realisierbare Potential dürfte bei 1 TW (ca. 9.000 TWh/Jahr)
liegen. Für die Windgeschwindigkeit maßgebend sind die
Bodenkonfigurationen und die Höhe über dem Grund. Man unterscheidet
zwischen
3 typischen Bodenkonfigurationen:
glatte, ebene Flächen (Meer, unmittelbare Küste),
niedrige, bewachsene und ebene Flächen und
Flächen mit hohen Hindernissen (Städte).
Die mittleren jährlichen Windgeschwindigkeiten auf der
Erdoberfläche erreichen in küstennahen Gebieten Werte über 5 m/s.
Die hohen Windgeschwindigkeiten an den Küsten liegen darin begründet,
daß durch die geringere Oberflächenreibung über der offenen See,
die zuströmenden Luftmassen hohe Geschwindigkeiten erreichen. Bei
günstigen topografischen Lagen im Küstenbereich können auch noch
mehrere 100 km von der Küste entfernt hohe Windgeschwindigkeiten auftreten.
Eine wesentliche Zunahme der Windgeschwindigkeit ist mit zunehmender
Höhe über dem Boden festzustellen. In einer Höhe von 50 m kann
mit der 1,5-fachen Windgeschwindigkeit gegenüber einer Höhe von 10 m
gerechnet werden. Da das Leistungsangebot mit der dritten Potenz der
Windgeschwindigkeit wächst, bedeutet dies, daß in 50 m Höhe die
2,4-fache und in 100 m Höhe die 3,4-fache Windenergieleistung im Vergleich
zu 10 m Höhe zur Verfügung steht. Das Windenergiepotential in
Österreich wurde in den letzten Jahren nahezu flächendeckend
ermittelt. An exponierten Lagen, insbesondere in windreichen Tälern und auf
Bergspitzen, können in einer Höhe von ca. 30 bis 100 m über dem
Boden Windgeschwindigkeiten auftreten, welche den Einsatz von Windkraftanlagen
zur Stromerzeugung rechtfertigen. Nach einer im Jahre 1981 durchgeführten
Abschätzung des Windenergiepotentials in Österreich wurde ein
technisch nutzbares Windenergiepotential von jährlich 6.600 bis 10.000 GWh
abgeleitet /4/.
Meteorologische Voraussetzungen
Für die Auswahl eines für die Windenergienutzung geeigneten
Standortes ist die Bestimmung der dort vorliegenden
Windgeschwindigkeitsverteilung von Bedeutung. Da die Leistung des Windes mit der
dritten Potenz der Windgeschwindigkeit ansteigt, wirken sich schon geringe
Unterschiede der jährlichen mittleren Windgeschwindigkeit erheblich auf den
Jahresenergieertrag (Stromerzeugung) aus. Aus diesem Grunde müssen im
Binnenland detaillierte und örtlich hoch aufgelöste Untersuchungen der
Windgeschwindigkeiten vorgenommen werden. Die mittlere jährliche
Windgeschwindigkeit ist nur dort ein grober Hinweis auf die Stromerzeugung einer
Windkraftanlage, wo Geschwindigkeitsschwankungen gering sind, wie beispielsweise
in Küstenregionen.
Für Standorte mit starken Geschwindigkeitsschwankungen, wie
beispielsweise in Binnenländern und insbesondere in alpinen Gegenden, ist
die mittlere jährliche Windgeschwindigkeit für eine Abschätzung
der Stromerzeugung mit einer Windkraftanlage nur wenig geeignet. An derartigen
Standorten müssen genaue Messungen von Winddaten vorliegen, um zu
einigermaßen abgesicherten Aussagen zu kommen. Mit günstigen
Stromerträgen in Gebieten mit mittleren Windgeschwindigkeiten unter 3,5 m/s
ist dann zu rechnen, wenn starke Geschwindigkeitsschwankungen gegeben sind, wie
z.B. in manchen Teilen des Alpenvorlandes oder auch in Bergtälern.
Forschung, Entwicklung und Anwendung in Österreich
Forschung und Entwicklung auf dem Gebiet der Windkraftanlagen wurden in den
OECD- Mitgliedsländern in internationaler Kooperation durchgeführt,
wobei die Forschungsausgaben im Jahre 1993 bei 163 US $ lagen. Die
Forschungsausgaben der öffentlichen Hand für Windenergie-Nutzung waren
in Österreich eher bescheiden und lagen im Jahre 1990 bei 0,21 Mio ÖS,
im Jahre 1991 bei 0,76 Mio ÖS, im Jahre 1992 bei 1,41 Mio ÖS und im
Jahre 1993 bei 0,82 Mio ÖS.
Im Hinblick darauf, daß Windenergiekonverter heute einen sehr hohen
technischen Stand aufweisen, haben sich die öffentlichen Ausgaben von den
Bereichen Forschung und Entwicklung auf die Bereiche Demonstration und
Markteinführung verschoben. In Deutschland wurde beispielsweise ein
Förderungsprogramm für die Markteinführung von netzgekoppelten
Windkraftanlagen beschlossen, wobei insbesondere durch günstigere
Stromeinspeistarife die Anschaffung von Windkraftanlagen attraktiv gemacht
wurde. So wurden im Jahre 1993 in Deutschland Windenergiekonverter mit einer
Gesamtleistung von rund 155 MW neu errichtet, wodurch sich die installierte
Windkraftleistung im Jahr 1993 nahezu verdoppelt hat. Im ersten Halbjahr 1994
wurden weitere 300 Anlagen mit einer elektrischen Leistung von rund 100 MW
errichtet. Ende 1994 werden in Deutschland ca. 500 MW Windleistung installiert
sein.
Schlußfolgerungen und
Empfehlungen
Die Nutzung der Windenergie stellt auch für Österreich eine von
vielen Möglichkeiten dar, erneuerbare Energiequellen zur Deckung der
Energienachfrage heranzuziehen. Im Vergleich zu Photovoltaikanlagen liegen die
Stromgestehungskosten an günstigen Standorten deutlich niedriger, und
Windenergie liegt auch in Zeiten mit geringerer Sonneneinstrahlung vor. Eine
Ergänzung zur Sonnenenergienutzung ist damit gegeben.
Netzgekoppelte WKA´s in
Österreich
|
Pnenn
|
Nabenhöhe
|
|
Niederösterreich:
|
|
1
|
Lagerwey 30/250
|
250 kW
|
|
|
1
|
Vestas V 29
|
225 kW
|
31 m
|
|
1
|
Enercon E 30
|
200 kW
|
50 m
|
|
1
|
Nordex N 27
|
150 kW
|
30 m
|
|
1
|
Seewind 22/110
|
110 kW
|
35 m
|
|
1
|
Fuhrländer 30
|
30 kW
|
27 m
|
|
2
|
Nordex N 29
|
250 kW
|
50 m
|
|
1
|
Enercon E 40
|
500 kW
|
50 m
|
|
1
|
Lagerwey LW 30
|
250 kW
|
40 m
|
|
1
|
Seewind 20/110,
|
110 kW
|
31 m
|
|
1
|
Vestas V 44
|
600 kW
|
63 m
|
|
1
|
Enercon E 30
|
200 kW
|
50 m
|
|
2
|
Enercon E 40
|
500 kW
|
65 m
|
|
1
|
Lagerwey LW 30
|
250 kW
|
40 m
|
|
Oberösterreich
|
|
2
|
Enercon E-40
|
500 kW
|
49.5 m
|
|
3
|
Tacke TW 600
|
600 kW
|
50 m
|
|
Salzburg:
|
|
1
|
LMW 10/7
|
10 kW
|
24 m
|
|
Wien:
|
|
1
|
Seewind 22/110
|
110 kW
|
31.2 m
|
|
Gesamte in Österreich installierte Leistung:
|
7545 kW
|
Quelle:
Georg Kury Zentralanstalt für Meteorologie und
Geodynamik Klimaabteilung Hohe Warte 38 1190 Wien E-mail:
klidob@zaamus1.zamg.ac.at
Photovoltaik
In den letzten Jahren ist die Suche nach neuen erneuerbaren Energiequellen
intensiviert worden. Viele der heute genutzten Energieträger belasten
unsere Umwelt und sind in der Ergiebigkeit begrenzt. Die Nutzung erneuerbarer
Energiequellen gewinnt zunehmend an Bedeutung. Photovoltaik (PV), die direkte
Umwandlung von Sonnenlicht in Elektrizität, ist neben der Wasserkraft eine
der umweltfreundlichsten Methoden Strom zu erzeugen /1/. Seit 1980 wurden in
Österreich Photovoltaikanlagen mit einer Gesamtleistung von knapp 800 kW
errichtet /2/ . Die Verteilung auf die einzelnen Systemkategorien zeigt,
daß ein großer Teil der Anlagen abgelegene Verbraucher mit Strom
versorgt (PV-Inselsysteme: 45 %). Wachsendes Umweltbewußtsein, Interesse
an der neuen Technik sowie sinkende Komponentenpreise haben auch zum Bau von
netzgekoppelten PV-Anlagen geführt. Durch eigene Forschungs- und
Demonstrationsprojekte haben die österreichischen Stromversorger zur
Erforschung dieser neuen Energiequelle einen wesentlichen Beitrag geleistet
(EVU-Projekte >120 kWp: Loser / Altaussee, Seewalchen, Mooserboden / Kaprun,
HTBLA-Wien X etc.).
Organisation der österreichischen PV-Förderprogramme
Am 12. Mai 1992 wurde der "200 kW - Photovoltaik - Breitentest" ins Leben
gerufen. Diese Aktion umfaßt private Solarstromanlagen im Leistungsbereich
von 1 bis 3,6 kWp mit einem Gesamtumfang von 200 kWp. Das österreichische
"Solardachprogramm" wird gemeinsam vom Verband der Elektrizitätswerke
Österreichs (VEÖ), vom Bundesministerium für wirtschaftliche
Angelegenheiten und vom Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung
organisiert.
Eine entsprechend besetzte Fachjury hat aus den eingelangten Bewerbungen
insgesamt 96 Anlagen ausgewählt /4/. Im April 1993 war bereits das ganze
Breitentestvolumen ausgeschöpft und alle Förderzusagen zugestellt.
Bewerbungen im Umfang von 190 kWp mußten leider abgewiesen werden. Der
Förderbeitrag beträgt 80.000.- je kWp installierter
Solarmodulleistung. Das entspricht etwa 44 % der Gesamtkosten von öS
183.000.- je kWp. Von November 1993 bis Jänner 1994 stieg der Anteil der
ausbezahlten und in Betrieb befindlichen Anlagen von 56 % auf 70 % ( von 113 kWp
auf 139 kWp / 64 Projekte). Im Laufe des Sommers 1994 werden wahrscheinlich die
restlichen Anlagen in Betrieb gehen. Uns sind bisher etwa 5 Rücktritte
bekannt. An ihre Stelle rücken andere Bewerber aus der Reihe derjenigen,
die sich schon angemeldet haben, aber leider nicht mehr berücksichtigt
werden konnten.
Die "100 kWp - Photovoltaik - Förderaktion" des Bundeslandes
Oberösterreich wurde bereits im Sommer 1991 gestartet. Die Finanzierung
erfolgt aus dem OÖ-Umweltfonds. Von den Anlagenkosten werden 50 % durch
diese Förderung abgedeckt (inkl. Eigenleistungen). Mit Stichtag 27. 1. 1994
sind 50 Projekte im Umfang von 85 kWp ausbezahlt worden. Diese Förderaktion
wurde im April 1994 weiter verlängert.
Kostensituation
Das deutsche und das schweizerische Dächerprogramm haben zur
Produktion einer größeren Anzahl von Solarwechselrichtern
geführt. Auf die Preise hat sich dieser Umstand günstig ausgewirkt.
Bei den Solarmodulpreisen war allerdings keine eindeutige Preissenkung
festzustellen. Für die großen Hersteller in Übersee war der
Umfang der europäischen Dächerprogramme wahrscheinlich auch nicht sehr
spürbar. Ein weiterer wichtiger Punkt für die Preisentwicklung ist die
Montage und Installation der Anlage. Hier stehen wir eher am Beginn einer
Lernkurve. Mit wachsender Erfahrung werden sich auch diese Kosten reduzieren
lassen.
Der Mittelwert der spezifische Systemkosten liegt heute bei etwa S
183.000.- je kWp installierter Solarmodulleistung. Die Gesamtkosten sinken mit
wachsender Anlagengröße etwas ab. Die Schwankungsbreite der
spezifischen Gesamtkosten von Anlagen ähnlicher Größe ist noch
sehr groß. Für die Kunden der Solarfirmen ist das sicher ein
unbefriedigender Umstand. Der Mittelwert der spezifischen Modulkosten liegt beim
Breitentest etwa bei S 115.000.- je kWp. Auch bei größeren Anlagen
ist keine Reduktion dieses Kostenanteils festzustellen. Um die spezifischen
Kosten der Breitentestanlagen besser einordnen zu können, haben wir einen
Vergleich mit anderen ausgeführten Photovoltaiksystemen angestellt.
Dabei zeigt sich, daß die Abweichungen der Errichtungskosten in
[öS/kWp] eher gering sind (alle Angaben incl. MWSt.):
183.000.- Österreichischer Photovoltaik Breitentest
175.000.- Deutsches 1000-Dächer Programm (3/93)
182.000.- 40 kW Anlage Schallschutzwand Autobahn A1, Seewalchen
216.000.- 30 kW Alpine Anlage Loser/Altaussee
100.000.- SMUD-Solardachprogramm (Sacramento 1993, US $ 8.- je
kWp)
Einen gewissen Einfluß auf die Kostenstruktur könnten auch die
fallweise erbrachten Eigenleistungen der Anlagenbesitzer haben. Beim
Abrechnungsverfahren der oberösterreichischen Photovoltaik -
Förderaktion werden auch diese Aufwendungen finanziell bewertet und
bezahlt.
Teilnehmerbefragung, erste Analysen
Im Juli 1993 hat das Organisationsteam der Breitentestaktion eine
Teilnehmerbefragung durchgeführt. Von den 96 ausgeschickten Fragebögen
sind bis jetzt 40 zurückgekommen. Zur besseren Einordnung der
Rücklaufquote soll ergänzt werden, daß derzeit 64 PV-Systeme in
Betrieb sind. Unser Ziel war es, Näheres über die Zufriedenheit der
Breitentestteilnehmer mit der Organisation des Förderprogrammes erfahren.
Nach dem Vorbild des Fragebogens der Firma "Sotech" haben wir uns über die
Freundlichkeit, die Schnelligkeit, die Zuverlässigkeit und die Kompetenz
erkundigt. Insgesamt wurden alle beteiligten Organisationen und Firmen
(Installateure) mit guten Noten bedacht. Nur bei der Schnelligkeit gab es neben
der " 1 " auch die Noten " 2 " und " 3 " mit einiger Häufigkeit (Bild 3 und
Bild 4). Mit Hilfe des zweiten Fragenbereichs wollten wir mehr darüber
erfahren was die Motive waren, die zur Breitentestteilnahme geführt haben.
Als Hauptbeweggründe eine PV-Anlage bauen zu wollen stellten sich der
Umweltschutzgedanke, das technische Interesse sowie der Wunsch nach der
Demonstration der Machbarkeit heraus. Weitere Fragen ergaben, daß ein
Großteil auch andere erneuerbare Energiequellen wie Wärmepumpen und
thermische Solarkollektoren nutzt. Auch die bessere Wärmedämmung des
Wohnhauses sowie der Einsatz effizienterer Haushaltsgeräte wurde vielfach
genannt.
Interessant ist weiters, daß die Betreiber alle älter als 35
Jahre sind. 7 von ihnen sind sogar über 65 Jahre alt. 8 % der Anlagen
wurden im Auftrag von Vertreterinnen des weiblichen Geschlechts errichtet. Die
Verteilung nach dem Beruf der Anlagenbetreiber wird in Bild 7 dargestellt.
Stromertrag und Energiebilanzen
Die in der letzten Zeit publizierten Betriebsergebnisse verschiedener
mitteleuropäischer PV-Anlagen variieren von 538 bis 1.100 [kWh/kWp.a].
Dieser Umstand belegt, daß die Systemkonzepte noch genauer untersucht und
verbessert werden müssen. Insbesondere herrscht vielfach noch Unklarheit
über den genauen Anteil des Solarstroms, der im eigenen Haus genutzt werden
kann.
In der Literatur findet man mindestens 2 Definitionen für den solaren
Deckungsgrad. Die eine geht vom Anteil des tatsächlich im Haushalt
verbrauchten Solarstroms (WX) aus und bezieht diesen Wert auf den gesamten
Haushaltsstrombedarf (Version I). Bei der zweiten Version wird der gesamte
erzeugte Solarstrom durch den Haushaltsstrombedarf dividiert. Eine weitere
Systemkenngröße ist der Anteil des produzierten Solarstroms, der
direkt im eigenen Haushalt verbraucht werden kann. Dieser Wert gibt Auskunft
über die Gleichzeitigkeit von Solarstromangebot und Haushaltsstrombedarf.
In den meisten Tarifsystemen werden die Betreiber der PV-Anlage versuchen,
möglichst viel Solarstrom direkt im eigenen Haushalt zu verbrauchen.
Der Stromertrag von Photovoltaiksystemen ist eines der am meisten
diskutierten Themen. Vielfach zitierte Zahlenangaben lassen sich oft schwer
vergleichen, weil die Anlagen an verschiedenen Standorten betrieben werden. Ein
erster Schritt zur Vergleichbarkeit ist die Angabe der spezifischen
Solarstromproduktion in [kWhAC / kWP]. Um die Standorteinflüsse, wie die
monatliche Einstrahlungssumme zu eliminieren, wurde die Kennzahl "Performance
Ratio" (PR) definiert. Hier wird der spezifische Solarstromertrag aus Bild 12
(nicht im Internet verfügbar) noch durch die monatliche Einstrahlungssumme
dividiert. Auf diese Weise bekommt man einen Anlagenkennwert, der nur noch von
den Systemeigenheiten beeinflußt wird. Als Beispiel wird hier der Verlauf
des Performance Ratio der österreichischen IEA - SHCP/Task 16 -
Demonstrationsanlage W. Weiß / Gleisdorf abgebildet (Bild 13 - nicht im
Internet verfügbar). Die Problematik bei der Berechnung des PR liegt darin,
daß man die Einstrahlungssumme auf die Modulebene kennen muß. Da die
Breitentestanlagen normalerweise nicht mit Pyranometern und Integratoren
ausgestattet sind, muß man sich mit den Meßwerten von nahegelegenen
Pilotprojekten behelfen (z.B. OKA: Linz, Gmunden, Seewalchen, Loser bzw. Grazer
Stadtwerke etc. ). Diese Methode stellt, allein wegen der unterschiedlichen
Generatorneigungen, eine Näherung dar. Es wurde daher in der
Energieforschungsgemeinschaft des Verbandes der E-Werke Österreichs
beschlossen, an 10 Projekten zusätzlich
Globalstrahlungsmeßgeräte zu installieren.
Photovoltaik-Einspeisetarife
Die Einspeisetarife für Solarstrom gehören zu den heikelsten
Themen. In Diskussionen reicht die Bandbreite der Argumente von der
Vergütung der vermiedenen Kosten (Brennstoffkosten) bis zur kostendeckenden
Abgeltung aller Aufwendungen bei der PV-Stromproduktion. Im Gegensatz zu anderen
Ländern war in Österreich schon immer die Einspeisung von
Überschußstrom aus kleinen Wasserkraftwerken erlaubt. Die dort
angewendeten Tarife gelten derzeit auch für Photovoltaiksysteme.
Diese Entgeltregeln orientieren sich am Verbundtarif, der für den
Strombezug der EVU von der Verbundgesellschaft angewendet wird:
Winter, Hochtarif: 0,700 öS/kWh (excl. MWSt.)
Sommer, Hochtarif: 0,414 öS/kWh
Sommer, Niedertarif: 0,369 öS/kWh
Während der Wintermonate (Oktober bis März) kommt bei PV-Anlagen
nur der Hochtarif zum Tragen, weil in der Niedertarifzeit (22.00 bis 6.00 h)
keine Einspeisung möglich ist. Im Sommer ist die Niedertarifzeit von Montag
bis Freitag von 22.00 - 6.00 h und von Samstag 13.00 bis Montag 6.00 h
vereinbart. In den Sommermonaten fallen etwa 20 % der Stromproduktion in den
Niedertarifzeitraum. Einige EVU verwenden im Sommer und im Winter den
höheren Tarif (Vorteil: kein Doppeltarifzähler /
Rundsteuerempfänger nötig). Im Jahr 1992 wurde von den
österreichischen E-Werken für den Photovoltaik-Breitentest der
sogenannte "Solarschilling" eingeführt. Hier handelt es sich um eine
Vergütung von öS 1.- für jede kWh, die von der PV-Anlage
produziert werden kann. Dieser Betrag wird für 10 Jahre im Voraus beim
Einschalten des PV-Systems vom E-Werk ausbezahlt (Annahme: PV-Produktion 1.000
kWh /kWP , --> 10.000.- öS / 1 kWP).
Im Dezember 1993 wurde vom Plenum des österreichischen Nationalrats
ein Entschließungs- antrag verabschiedet, der für
Photovoltaikstromeinspeiser eine Verdoppelung der Tarifansätze aus der
obigen Tabelle vorsieht. Die Details dieser Regelung werden derzeit gerade
ausgehandelt. Im Gegensatz zum "Solarschilling" sollen die neuen Tarife aber nur
für die tatsächlich ins Netz als Überschuß eingespeiste
Elektrizitätsmenge gelten. Für alle Tarifregelungen, die vom 1:1
Modell abweichen, ist es wichtig zu wissen, welcher Anteil des produzierten
Solarstromes nun wirklich ins Netz eingespeist wird. Neben dem Jahreswert ist
auch der saisonale Verlauf von Interesse, insbesondere wenn der Einspeisetarif
von der Jahreszeit abhängt.
Durch Simulation wurde versucht eine erste Antwort zu geben . Das Studium
der Zählerauswertungen zeigt jedoch, daß sich das Verhalten der
Anlagenbetreiber in diesem Punkt stark voneinander unterscheidet. In Bild 15
(nicht im Internet verfügbar) sind die Kennwerte der Breitentestanlagen im
Vergleich zu den durch Simulation erhaltenen Kurven eingetragen. Der Simulation
nach Plewnia (KFA-Jülich, No. 415, 1987) liegt ein jährlicher
Haushaltsstromverbrauch von 5.760 kWh zugrunde. Bei der OKA-Simulation mit
"PV1.01" wurde von uns eher an einen Solarhaushalt gedacht und ein
jährlicher Strombedarf von 2.605 kWh eingesetzt /8/. Den jahreszeitlichen
Verlauf des im Haushalt direkt genutzten Solarstroms der Breitentestanlagen
haben wir in Bild 16 (nicht im Internet verfügbar) zusammengezeichnet. Auch
hier werden die unterschiedlichen Stromverbrauchsgewohnheiten der
Breitentestteilnehmer sichtbar.
Aus Zeitgründen haben wir bisher nur die Kategorie der Pensionisten
eingezeichnet. Diese Gruppe ist vermutlich auch tagsüber mehr zu Hause,
wodurch sich eine bessere Gleichzeitigkeit von Strombedarf und Solarstromangebot
ergibt.
Ausblick
Studien aus verschiedenen Ländern schätzen den möglichen
Anteil der Photovoltaik an der künftigen Stromversorgung auf 4 bis 8,5 %.
Dabei wurden nur die leicht erschließbaren Dach- und Fassadenflächen
eingerechnet. Die Akzeptanz der neuen Technik durch die Öffentlichkeit wird
auch in großem Ausmaß von einem positiven optischen Erscheinungsbild
der Breitentestanlagen abhängen. Nur durch gute Demonstrationsanlagen und
konsequente Weiterentwicklung der Systemtechnik kann der Photovoltaik in
Österreich eine reale Chance eröffnet werden. Die Entwicklung von
effizienten und zuverlässigen Komponenten und deren optimale Abstimmung
aufeinander ist für eine weitere positive Entwicklung unbedingt nötig.
Auch wenn die technischen Probleme gelöst sind, wird die
Geschwindigkeit der Markteinführung von folgenden Randbedingungen
abhängen:
Strom- bzw. Energiepreisniveau
Kostenentwicklung der PV-Komponenten
Umweltvorschriften
Verfügbares Flächenpotential
Akzeptanz
Mit dem österreichischen 200 kW Photovoltaik Breitentest und den
PV-Pilotprojekten soll insbesondere im Bereich der technischen Umsetzung ein
Beitrag zur weiteren Entwicklung dieser umweltfreundlichen Energieform geleistet
werden.
Energieträger Wasserstoff
Wasserstoff gilt als Energieträger der Zukunft. Erzeugt mit Hilfe von
Sonnen-, Wasser- und Windenergie könnte er in einigen Jahrzehnten die
herkömmlichen Brennstoffe Kohle, Erdöl und Erdgas ersetzen. Sein
Vorteil: Er hinterläßt beim Verbrennen kein klimaschädigendes
Abgas. Die Autoindustrie experimentiert zur Zeit mit Wasserstoff als Antrieb
für Kraftfahrzeuge. Doch auch die Herstellung von Wasserstoff anhand der
alternativen, "sauberen" Energien ist mit hohem technischen Aufwand verbunden.
Zudem schafft die Speicherung und der Transport des Gases Probleme. Deshalb
stellt sich die Frage: Wie ökologisch und ökonomisch ist diese
Gastechnologie tatsächlich? Ausgehend von einem Arikel über das
SZ-Forum Umwelt-Wissenschaft-Technik, bei dem im Juni 1996 Experten aus Politik,
Forschung und Wirtschaft miteinander diskutierten, können Sie sich hier
ausführlich zu diesem Thema informieren. Wasserstoff als Energieträger
- bald auf dem Weg um die Welt? Ein Expertengespräch des `Forums
Umwelt-Wissenschaft-Technik` der SZ In den Schaubildern der Werbebroschüren
erscheint das System als nahezu perfekter Kreislauf: In der sogenannten
Elektrolyse wird Wasserstoff aus Wasser abgespalten. Wird es verbrannt, liefert
der Prozeß Kraft oder Strom für Automotoren und andere Maschinen.
Doch das Gas selbst ist keine Energiequelle, sondern nur ein Energieträger.
Die Elektrolyse ihrerseits frißt Strom. Darum taucht die Vision von der
sauberen Energie im Gas immer zusammen mit der von sauberem Strom aus
Wasserkraft, Sonne, Wind und Biomasse auf. Das Gas läßt sich bei
tiefen Temperaturen verflüssigen. Dann kann es gespeichert, transportiert
und verteilt werden. Und so hält sich hartnäckig die Idee einer
globalen Wasserstoffwirtschaft, bei der Energie in der einen Ecke der Welt
erzeugt und einer anderen verbraucht wird. Unlängst trafen sich in
Stuttgart mehr als 700 Fachleute aus aller Welt zu einem internationalen
Kongreß.
Zukunftsweisende Technologie
Wenn man den Gedanken an nachhaltiges, zukunftsweisendes Wirtschaften ernst
nehme, lande man zwangsläufig bei der `sauberen` Wasserstoff-Technologie,
sagte T. Nejat Veziroglu. `Damit würde uns die globale Entwicklung nicht
aus dem Ruder laufen`, schwärmte der Experte von der Universität Miami
und Präsident der internationalen Wasserstoff-Vereinigung. Auch Carl-Jochen
Winter von der Deutschen Forschungsanstalt für Luft- und Raumfahrt in
Stuttgart hält es für `undenkbar`, langfristig ohne den Import von
Energie, in Wasserstoff gespeichert, auszukommen. Anders läßt sich
aus seiner Sicht der Anteil der fossilen Brennstoffe am Energie-Mix von der
derzeit 87 Prozent auf etwa ein Viertel im Jahre 2050 nicht senken, wie es die
Klima-Enquête des Bundestages vorgegeben hat. Doch noch steht die
Großtechnologie ganz am Anfang; Veziroglu rechnet mit
Einführungsspannen `zwischen 40 und 80 Jahren`. Deshalb gehe es darum,
jetzt die Weichen zu stellen. Neunburg vor dem Wald in der Oberpfalz wird die
Wasserstoff-Wirtschaft bereits getestet - im Versuchsmaßstab. Dort
läuft seit Jahren ein Pilotprojekt, berichtete Peter Hopf, finanziert vom
Bayernwerk, Bund und Freistaat. Felder von Solarzellen (Photovoltaik) liefern
den Strom für die Gasproduktion. Mit dem Wasserstoff wird testweise in
sogenannten Brennstoffzellen Strom erzeugt; ebenso werden Versuchsfahrzeuge
damit betankt. Um allerdings zehn Prozent der bundesdeutschen Fahrzeugflotte mit
Wasserstoff laufen zu lassen, rechnete Eckhard Lübbert vom Bonner
Forschungsministerium beispielsweise hoch, müßten 130 000
herkömmliche Solarzell-Anlagen oder 34 000 Windräder die Energie
dafür liefern. Das sei nicht nur `unendlich teuer`, sondern bedeute auch
einen gigantischen Flächenverbrauch. Wie also den Wasserstoff
bereitstellen? `Photovoltaik ist nicht der Weg, der sich abzeichnet`, sagt auch
Hopf. Er hält das Biomasse-Konzept für aussichtsreicher, weil absehbar
billiger.
Wasserstoff als Autoantrieb
`Die Autoindustrie`, sagte BMW-Vorstand Horst Teltschik, `nimmt das Thema
Wasserstoff sehr ernst`. Sie habe darum `aus eigenem Antrieb Zukunftsvorsorge
getrieben`. Darum sei auch die Entwicklung von Fahrzeugen `nicht der
Engpaß` in der Wasserstoffwirtschaft. Der Münchner Konzern habe als
erstes Unternehmen serienmäßig einen erdgasbetriebenen Pkw auf den
Markt gebracht; möglicherweise als erste Stufe einer `technologischen
Trittleiter` zum flüssigen Wasserstoff, zumal das Elektroauto wohl kaum
mehr eine große Zukunft habe. Eckard Lübbert verwies auf Verluste von
40 Prozent beim Verflüssigen des Gases.
Problem: Tanken
Ohne ein einigermaßen dichtes Netz von Tankstellen hätten
wasserstoffbetriebene Fahrzeuge allerdings kaum Aussicht auf breite
Käuferschichten. Aufwendig ist zudem der Transport des
Alternativtreibstoffes. Um ihn über Land zu bringen, brauche man etwa die
dreifache Zahl an Tanklastzügen wie bei Benzin, bilanzierte Rolf Trill von
der Linde AG. Und um Wasserstoff zu verschiffen, berichtete Reinhard Krapp vom
Germanischen Lloyd, fehle es derzeit noch an leistungsfähiger Technik, um
die Ladung zu löschen. Probleme gibt es auch beim Bau entsprechend
großer Tanks; sein Unternehmen habe einen mit immerhin 50 000 Kubikmetern
entwickelt.
Strategien, um Technologie voranzutreiben
Die Mineralindustrie, sagte Bernd Nierhauve von der Aral, sehe noch `auf
sehr, sehr lange Zeit` die Zukunft in der Verbesserung herkömmlicher
Kraftstoffe. Und bevor sie darangehe, ein Verteilernetz für alternative
Brennstoffe aufzubauen, müßten sich Politik, Wissenschaft und
Wirtschaft erst einmal auf eine gemeinsame Strategie einigen; derzeit
nämlich verfolgten die Auto-Konzerne noch höchst unterschiedliche
Konzepte, die Politik favorisiere gleichfalls mehrere.
Argumente gegen Wasserstoff
Während der nach eigenen Angaben vormals glühende Verfechter
Günter Beckmann als einziger den Ausstieg aus der Wasserstoff-Technologie
forderte (`Sie ist unsinnig, teuer und umweltschädlich`), suchten andere
Teilnehmer den `Energiekonsens`, wie es Horst Teltschik nannte. Ohne eine solche
Allianz werde es in einer vorkommerziellen Phase nicht gehen, sagte Carl-Jochen
Winter.
Konkurrenzdenken hemmt die Entwicklung
`Wir müssen heute über das Jahr 2050 reden`, verlangte er.
Eckhard Lübbert erinnerte daran, daß das Bonner Forschungsministerium
beispielsweise bei der Entwicklung von Brennstoffzellen Schwierigkeiten habe,
zwei konkurrierende Firmen zusammenzuspannen. Tore Knobloch regte darum den
Aufbau einer Fachagentur an. Er sieht es als Aufgabe der Politik, den
Strukturwandel in der Energiewirtschaft `sanft zu organisieren`. Das gehe auch
ohne die `typisch teutonische Endzeitneurose`. Dafür allerdings brauche es
nicht nur `reine` Forschungspolitik. `Wir müssen das an
Demonstrationsprojekten ausprobieren`.
Kompetenzzentrum in Planung
Der Freistaat will darum jetzt in Ottobrunn ein sogenanntes
Kompetenzzentrum aufbauen, berichtete Hans Spitzer vom bayerischen
Wirtschaftsministerium. Das habe der Ministerrat in der vergangenen Woche
beschlossen. Die Einrichtung soll, vom Hause Wiesheu finanziell
unterstützt, Forschung und Entwicklung koordinieren und in enger
Zusammenarbeit mit der Industrie vorantreiben. Neben der DASA wollen dort auch
zahlreiche andere Unternehmen einsteigen. So hätten das Bayernwerk, MAN,
Linde, Mannesmann und BMW ihr Interesse bekundet. Obendrein seien zwei
Leitprojekte geplant, ergänzte Strobl: eines am Münchner Flughafen
sowie die Wasserstoffproduktion mit Energie aus Biomasse in Bad Brückenau.
Die Marktsituation
Denn eines war den Beteiligten aus Industrie, Forschung und Politik klar:
Der Markt allein wird`s nicht richten. Die Rahmenbedingungen, das machten die
Teilnehmer deutlich, begünstigen nicht gerade die Abkehr von
konventionellen Brennstoffen: Energie ist konkurrenzlos billig. In den USA
beispielsweise, sagte Patrick Takahashi von der Universität von Hawaii,
Berater des US-Energieministeriums, `machen wir uns mit diesen Preisen etwas
vor`. Veziroglu kritisierte, die Marktwirtschaft sei zwar `frei`, aber nicht
`fair`. Sie rechne Umweltkosten nicht auf die Energiepreise an. Experten
schätzen die globalen öko-Schäden derzeit weltweit auf die stolze
Summe von 2,7 Billionen US-Dollar.
Innovationen in anderen Ländern
Innovativ seien dagegen vor allem Länder wie Japan, in denen Energie
teuer sei. Dort ist denn auch das derzeit ehrgeizigste Förderpaket
verabschiedet worden, berichtete er. Unter der Leitung der Strategen der
legendären Technologiebehörde MITI wurde das sogenannte WE-NET
eingerichtet. Es ist Teil des großangelegten `New Sunshine Programm`, das
in drei Phasen bis zum Jahre 2020 angelegt ist und bislang jährlich mit
umgerechnet rund einer halben Milliarde Mark gespeist wird. Es spannt Dutzende
japanische Konzerne zusammen, die ihrerseits weltweit kooperieren.
Die amerikanische National Hydrogen Association
Auch die USA wollen ihre Wasserstoff-Forschung aufstocken. Der
Kongreß berät derzeit über ein neues Fördergesetz. Der
sogenannte Hydrogen Future Act hängt noch im Senat. Was Energiesteuern
angeht, ist Tore Knobloch hoffnungsfroh: `Da wird sich etwas tun`. Man
könnte auch `von einem Innovationspfennig auf jeden Liter Benzin
träumen`, sagte der Experte aus dem Hause Merkl. Das brächte in der
Bundesrepublik jährlich 800 Millionen Mark.
Der Stoff, aus dem die Träume
sind
Hohe Kosten und eine komplizierte Speichertechnik machen die Verwendung
schwierig Wasser - Stoff, aus dem die Träume sind? Wasser als Kraft- und
Brennstoff hat für Generationen von Erfindern nichts von seiner Faszination
verloren. Übersehen wird bei solchen euphorischen Betrachtungen jedoch
meist die hohe Bindungsenergie von Wasserstoff im Wasser. Er muß also erst
einmal aus dem Wasser in verwendbarer Form gewonnen werden - das geschieht durch
die Elektrolyse, die ihrerseits wieder Energie verbraucht. Daneben
läßt sich Wasserstoff aber auch aus Erdgas, durch
partielle Oxidation von Schwerölen und über die Kohlevergasung
herstellen. Wasserstoff ist damit keine Primärenergiequelle, da er nicht
direkt nutzbar auf der Erde vorkommt, sondern vielmehr ein
Sekundärenergieträger, der allerdings durch eine außerordentlich
hohe Verfügbarkeit glänzt.
Umweltfreundlicher Kreislauf
Faszinierend ist der umweltfreundliche Kreislauf. Bei einer CO2-freien
Stromquelle zur Wasserstoffherstellung und einer Verbrennung mit reinem
Sauerstoff ergibt sich ein völlig schadstofffreies System. In der Praxis
wird jedoch nicht reiner Sauerstoff, sondern Luft verbrannt, so daß
zwangsläufig Stickoxide entstehen - etwa in der Größenordnung
wie bei unseren heutigen schadstoffarmen Ottomotoren.
Hauptproblem ist die Speicherung
Das Hauptproblem stellt nach wie vor die Speicherung dar: gasförmig,
flüssig oder gebunden in Legierungen, nämlich Metallhydriden, die den
gasförmigen Wasserstoff wie einen Schwamm aufsaugen und bei Bedarf wieder
abgeben. Eine Speicherung als Gas in Hochdruckflaschen ist zwar schon seit
langem bekannt, die Behälter sind jedoch für unsere Pkw noch viel zu
schwer. Gespeichert im flüssigen Zustand liefert Wasserstoff die
höchste masse- und volumenbezogene Energiedichte. Allerdings stellt die
Handhabung der tiefkalten Flüssigkeit bei minus 253ø C enorme
Anforderungen an die Isolation des doppelwandigen, vakuumisolierten Tanks.
Metallhydrid-Speicher dagegen haben zwar eine hohe volumenmäßige
Kapazität und ermöglichen variable Bauformen, bieten jedoch nur
eingeschränkte Verfügbarkeit.
Effizienter Energieträger
Vorteile hat der Wasserstoff allerdings im Vergleich mit dem
elektrochemischen Stromspeicher. Er stellt sich selbst im Vergleich zu den
neuentwickelten Hochenergiebatterien als wesentlich effizienterer
Energieträger dar.
Vorteil in manchen Unfallsituationen
Wasserstoff als farb-, geruch- und geschmackloses sowie ungiftiges Gas
birgt generell keine höheren Sicherheitsrisiken als andere gasförmige
Energieträger; in bestimmten Unfallsituationen bietet er sogar Vorteile
gegenüber konventionellen Kraftstoffen. Durch seine hohe
Verbrennungsgeschwindigkeit steigt allerdings die Gefahr von Detonationen, vor
allem in geschlossenen Räumen. Deshalb muß eine ausreichende
Belüftung sämtlicher Bereiche sichergestellt sein, in denen sich
zündfähiges Wasserstoff-/Luftgemisch bilden kann.
Weltweit entwickelte Fahrkonzepte
Fahrzeugkonzepte sowohl mit Druck- und Flüssig-Wasserstoffspeicher als
auch solche mit Metallhydrid-Speicherung sind bereits weltweit entwickelt und
als Prototypen getestet worden - zum Teil sogar in Kundenhand. Die
Gemischbildung erfolgte dabei entweder durch Zuführung in gasförmiger
Form oder durch Einspritzung von flüssigem Wasserstoff in den Brennraum.
Damit ist der Nachweis geführt, daß Wasserstoff als Energiequelle
für den Verbrennungsmotor möglich und handhabbar ist.
Neues Verkehrssystem
Der Wasserstoff bedeutet ein neues Verkehrssystem. Er ist - was
Herstellung, Transport, Speicherung, Verteilung und Anwendung im Fahrzeug angeht
- erprobt und mit unseren heutigen Sicherheitsstandards technisch nutzbar. Einer
kurz- und mittelfristigen Einführung stehen allerdings noch Hindernisse
entgegen, wie: Erstens - höhere Herstellkosten gegenüber
konventionellen Kraftstoffen, zweitens - Aufbau einer neuen
Versorgungsinfrastruktur und drittens - die Notwendigkeit für eine bessere
Speichertechnologie, die bezüglich Energiedichte und Kosten mit dem
konventionellen
System konkurrieren kann.
Brennstoff aus dem Bakterienreaktor
Forscher entwickeln Konzept, wie Mikroorganismen aus Sonnenlicht
Wasserstoff kostengünstig herstellen könnten Irgendwann in der
Zukunft, vielleicht im 21. Jahrhundert, könnte ein neues Energiezeitalter
eingeläutet werden: Wasserstoff wird dann das Erbe von Kohle, Erdöl
und Erdgas antreten. Diese Aussage mag zwar angesichts der niedrigen Preise der
fossilen Rohstoffe heute noch wie eine Utopie anmuten, doch die Forschungs- und
Entwicklungslabors der großen Firmen bereiten sich längst darauf vor.
BMW und Mercedes bauen bereits Autos und Busse mit Wasserstoffmotoren, die
Daimler-Benz Aerospace arbeitet mit russischen Partnern an einem
wasserstoffgetriebenen Airbus, und im oberpfälzischen Neunburg vorm Wald
werden seit zehn Jahren die Komponenten einer Wasserstoff-Wirtschaft getestet:
Solarzellen erzeugen dort elektrischen Strom, mit dessen Hilfe dann
Elektrolyseanlagen Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff spalten. Heizkessel und
Brennstoffzellen verwandeln schließlich das Wasserstoffgas wiederum in
Wärme und elektrische Energie.
Effiziente Technik
Auch Blockheizkraftwerke und neuartige Fahrzeugantriebe setzen auf
wasserstoffabhängige Brennstoffzellen, denn diese Technologie ist effizient
und umweltverträglich. Beim Verbrennen, also der Vereinigung von
Wasserstoff und dem Sauerstoff der Luft entstehen nämlich neben reinem
Wasser kaum Abfallprodukte - in einer Brennstoffzelle noch weniger als in einem
Verbrennungsmotor oder Heizkessel.
Suche nach sinnvollem Herstellungsverfahren
Obwohl also Bausteine einer möglichen Wasserstoff-Welt in den letzten
Jahren deutlich an Kontur gewannen, blieb ein wesentliches Problem
ungelöst: Wie läßt sich der Energieträger Wasserstoff
preisgünstig und umweltschonend erzeugen? Der Umweg über den
elektrischen Strom aus Solarzellen, der im Neunburger Projekt verfolgt wird,
erscheint nämlich wenig sinnvoll. Zum einen ist der Preis für den
Kubikmeter Wasserstoffgas (entsprechend dem Heizwert von 0,3 Litern Benzin) mit
rund acht Mark sehr hoch. Zum anderen gibt es auch genug direkte
Einsatzmöglichkeiten für Solarstrom: Allein ins deutsche Stromnetz
könnten nach Schätzung von Experten ohne Schwierigkeiten 25 000
Megawatt eingespeist werden - das 500fache der heutigen Jahres- Weltproduktion
an Solarzellen und fast fünf Prozent der deutschen
Kraftwerksleistung.
Bakterien als Wasserstoffproduzenten
Auf Kooperationspartner aus der Natur setzen deshalb Biologen und
Verfahrenstechniker an deutschen Universitäten und Forschungseinrichtungen:
Sie wollen Wasserstoff aus Kleinstlebewesen `zapfen`. Denn Bakterien und auch
Grünalgen produzieren unter bestimmten Bedingungen Wasserstoff.
Purpurbakterien der Art Rhodospirillum rubrum beispielsweise können pro
Kilogramm Biomasse täglich bis zu drei Kubikmeter Wasserstoff erzeugen.
`Was in manchen Waldseen an die Oberfläche steigt, sind nicht nur Methan-,
sondern auch Wasserstoffblasen`, sagt Sabine Tramm-Werner,Biotechnologin an der
Rheinisch-Westfälischen Hochschule (RWTH) Aachen.
Arbeitsweise der Bakterien
Die Purpurbakterien leben in den tieferen Schichten der Seen und
verarbeiten mit Hilfe des Sonnenlichts die organischen Substanzen, die zu ihnen
hinunterschweben. `Wenn sie zuviel Nahrung bekommen und zugleich unter
Stickstoffmangel leiden, geben sie Wasserstoff ab, um das Innere ihrer Zellen im
sicheren chemischen Gleichgewicht zu halten, erklärt Tramm-Werner.
Förderprogramm des Bundesforschungsministeriums
Zur Erforschung dieser natürlichen Wasserstoffquelle startete das
Bundesforschungsministerium im Jahr 1990 das Förderprogramm `Biologische
Wasserstoffgewinnung`. Insbesondere zwei Enzyme der Mikroben standen dabei im
Mittelpunkt der Forschungen: Unter Stickstoffmangel kann das eine, die
`Nitrogenase`, seine normale Aufgabe, den Luftstickstoff zu Ammoniak zu binden,
nicht erfüllen. Statt dessen fördert die Nitrogenase dann die
Entstehung von Wasserstoff. Ihr Gegenspieler ist die sogenannte
`hup-Hydrogenase`, die die Wasserstoffbildung hemmt. Genetische Mutation Im
Rahmen des Forschungsprogramms gelang es dem Freiburger Biologen Jürgen
Oelze, durch eine genetische Mutation diese Hydrogenase zu inaktivieren, worauf
die Bakterien deutlich mehr Wasserstoff produzierten. Gar einen dreifachen
Anstieg des Wasserstoffvolumens berichtete Jobst-Heinrich Klemme von der
Universität Bonn nach der Zugabe von EDTA: Dieser chemische Stoff, so
Klemme, habe zugleich die Hydrogenase- Aktivität gestoppt und die der
Nitrogenase gesteigert.
Mikroorganismen, die Wasser zersetzen
In Cyanobakterien und Grünalgen wirken Hydrogenasen allerdings
entgegengesetzt: Hier verhindern sie die Wasserstoffentstehung nicht, sondern
fördern sie geradezu. Im Gegensatz zu Purpurbakterien spalten diese
Mikroorganismen den Wasserstoff auch nicht aus organischem Material ab, sondern
können Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff zersetzen - was sie besonders
interessant für technische Anwendungen macht.
Verfahrenstechnik weiterentwickeln
Allerdings ist es nicht einfach, ein Verfahren zu entwickeln, das die
beiden entstehenden Gase voneinander trennt und so eine mögliche
Knallgasreaktion verhindert. Im Förderprogramm zur biologischen
Wasserstoffgewinnung konzentrierten sich die Forscher vor allem auf die
grundlegenden Fragen der Biologie. Die Verfahrenstechnik kam dabei eindeutig zu
kurz - eine Lücke, die Sabine Tramm-Werner nun als Koordinatorin eines
neuen, ebenfalls von Bonn geförderten, Projekts zur `mikrobiellen bisolaren
Wasserstoff-Produktion` füllen will. `Unsere Arbeitsgruppe aus Bio- und
Verfahrenstechnikern will binnen eines Jahres im Freilandversuch eine
kontinuierliche und energieautarke Wasserstoffproduktion erreichen - und das mit
einer Mindestmenge von stündlich zwei Litern Wasserstoff pro Quadratmeter
Kollektorfläche` steckt Tramm-Werner das Ziel ab.
Fahndung nach optimalen Mikroben
Die bereits erzielten Laborergebnisse auch unter tatsächlichen
Einsatzbedingungen beizubehalten und den Prozeß zu stabilisieren, ist die
eigentliche Herausforderung für die Biotechniker. In Hunderten von
Gefäßen suchen die Forscher nun den besten Mikrobenstamm und seine
optimalen Arbeitsbedingungen. `Mit Rhodospirillum rubrum sind wir sehr
zufrieden`, so Tramm-Werner, `es ist ein gutmütiges, stabil produzierendes
Bakterium.`
Vorteil gegenüber Wasserstofferzeugung mit
Sonnenenergie
Eine Schweizer Arbeitsgruppe hat damit schon über mehrere Monate
hinweg kontinuierlich Wasserstoff erzeugt. Die Ausbeute von zwei Litern
Wasserstoff pro Stunde und Quadratmeter entspricht zwar nur einem Sechstel der
Energienutzung des Sonnenlichts, die Silizium-Solarzellen erreichen. Sie ist
aber durchaus noch steigerungsfähig: Im Labor lieferten Bakterien - auch
ohne genetische Veränderung - schon einmal mehr als die doppelte Menge an
Wasserstoff, doch bisher nur für wenige Stunden. Ein zusätzlicher
Vorteil von Tramm-Werners Konzept gegenüber der Wasserstoff-Erzeugung
über Solarzellen: Es sind keinerlei komplizierten und teuren
Elektrolyse-Apparaturen nötig. Grundelement "Sandwich-Reaktor" Das
Grundelement ist ein fünf Zentimeter dicker `Sandwich-Reaktor` mit einer
Platte in der Mitte, auf der sich die Purpurbakterien ansiedeln. Diese
Zwischenplatte trennt den Reaktor in zwei Bereiche, die oben und unten
miteinander verbunden sind. Schräg in die Sonne gestellt, erwärmt sich
der vordere lichtdurchlässige Teil des Sandwichs und es entsteht ein
`Thermosiphon`-Effekt: Die Flüssigkeit mit dem Nährmedium für die
Bakterien strömt zwischen der vorderen und der mittleren Platte nach oben
und auf der im Schatten liegenden Rückseite wieder nach unten.
Unterstützt wird dieser Kreislauf von den nach oben sprudelnden
Wasserstoffbläschen, die die Bakterien ausstoßen. Auf diese Weise
können die Nährstoffe ohne eine von außen angetriebene Pumpe die
festsitzenden Mikroben umspülen. `Das Optimum haben wir dann erreicht`,
sagt Tramm- Werner, `wenn die Bakterien genau so viele Nährstoffe bekommen,
daß sie sich zumindest für einige Monate selbst erhalten und
ansonsten nur Wasserstoff produzieren.`
Symbiose mit Algen
Extreme Helligkeit sowie Hitze und Kälte sind eher schädlich. Bei
diffusem Tageslicht und mittleren Temperaturen, wie sie in Mittel- und
Südeuropa herrschen, fühlen sich die kleinen Wasserstoff-Fabrikanten
am wohlsten. Da Purpurbakterien vor allem den Infrarotteil des Sonnenlichts
ausbeuten, kann der Rest des Spektrums zudem anderweitig genutzt werden - etwa
durch Solarzellen, die auf die sonnenzugewandte Platte montiert wurden, was die
Energieausbeute des Systems weiter erhöht. `Wir könnten auch wie in
den natürlichen Seen die Nährstoffe für die Bakterien durch Algen
erzeugen lassen, also eine Mischkultur anlegen, die sich selbst erhält`,
überlegt Tramm-Werner. Die richtigen Symbiosepartner zu finden, ist
allerdings keine leichte Aufgabe.
Molke als Nahrung
Vorerst ernähren sich die Bakterien noch von organischen Stoffen,
beispielsweise Laktat aus Molke, dem Nebenprodukt der Käseherstellung. Eine
erste große Demonstrationsanlage könnte sich Tramm-Werner deshalb
durchaus auf einer Alm vorstellen, `wo die Molke sowieso anfällt und die
Energieversorgung schwierig ist`. 200 Quadratmeter der Sandwichreaktoren
könnten täglich mindestens 5000 Liter Wasserstoff liefern. Einmal im
Frühjahr sollten die Reaktoren mit Purpurbakterien gefüllt werden, und
vor Beginn des Winters würden sie dann gereinigt und stillgelegt.
Anstrengungen Japans
`Für eine derartige Demonstrationsanlage`, so Tramm-Werner,
`wünschen wir uns noch einen Industriepartner, der einsteigt, wenn wir die
Machbarkeit bewiesen haben.` Denn nicht nur die Einsatzmöglichkeiten von
Wasserstoff sollten die Industriefirmen untersuchen, sondern auch, auf welche
Weise dieser Energiespeicher gebaut wird. `Sonst`, warnt Tramm-Werner, `sind es
wieder einmal die Japaner, die hier die Nase vorn haben, da sie bereits massiv
in diese Technologie investieren.` Auf der letzten Hannovermesse war jedenfalls
der einzige hochrangige Industrievertreter, der starkes Interesse an ihren
Konzepten zeigte, der Forschungschef eines großen japanischen
Unternehmens.
Wasserstoff aus Traubenzucker
Wasserstoff verbrennt zu Wasser, ohne Schadstoffe oder Kohlendioxid
freizusetzen, weshalb er als Energieträger der Zukunft gilt. Bislang
läßt er sich jedoch nur in teuren Verfahren chemisch oder durch
Elektrolyse herstellen. Einen Weg, Wsserstoff in Zukunft billiger aus
Traubenzucker zu gewinnen, zeigen Jonathan Woodward und seine Kollegen vom Oak
Ridge National Laboratory (New Scientist, Bd. 2037, S. 19, 1996).
Produktion über Enzyme
Der Trick der amerikanischen Wissenschaftler: Sie vereinfachen eine bereits
bekannte Methode, Wasserstoff von Bakterien erzeugen zu lassen (SZ, 25.1.1996).
So bedienen sie sich nicht mehr der Mikroorganismen, sondern nur noch deren
Enzyme. Diese beschleunigen biochemische Reaktionen milliardenfach. Die Forscher
nutzen zunächst einen solchen Biokatalysator, um Traubenzucker in
Glukonsäure zu überführen. Dabei wird Wasserstoff frei, wonach
das Hilfsmolekül erneut Wasserstoff vom Traubenzucker aufnehmen
kann.
Archaebakterien aus Kohlehalden
Die Enzyme stammen auch Archaebakterien, die in glimmenden Kohlehalden oder
Tiefseevulkanen vorkommen. Sie arbeiten bei 60 Grad Celsius, einer Temperatur,
bei der die Reaktionen schnell ablaufen und sich keine schmarotzenden Bakterien
in der Traubenzuckerlösung breitmachen. Weiter verbessern wollen die
Forscher ihr Verfahren, indem sie ein drittes Enzym mit einbeziehen. Es setzt
Traubenzucker aus Zellulose frei, dem Hauptbestandteil von Papier.
Vom Himmel über der Wüste
Solarstrom als Importartikel?
Im Gegensatz zur Photovoltaik über deutschen Dächern erscheint
die Solarthemie im großen Maßstab geradezu wie ein exotisches
Projekt. Weltweit gibt es bislang nur wenige Pilotanlagen, in Regionen, in denen
die Sonne erbarmungslos vom Himmel scheint. Nun sagen Wasserstoff-Visionäre
dieser Art der Stromgewinnung eine strahlende Zukunft voraus. Ihr Plan: in den
Hitzezonen der Erde Energie zu erzeugen, sie im Wasserstoff zu speichern und so
nach Europa zu transportieren.
Kostengünstiger Solarstrom
Carl-Jochen Winter von der Deutschen Forschungsanstalt für Luft- und
Raumfahrt hält eine solche Strategie für notwendig, um von fossilen
Brennstoffen loszukommen. Doch wie ausgereift ist die Technologie
tatsächlich? Seit Jahren beispielsweise arbeitet in der Mojave-Wüste
im südlichen Kalifornien ein Solarkraftwerk gigantischen Ausmaßes.
Die neun nacheinander mit jeweils verbesserter Technik gebauten Einheiten haben
zusammen mittlerweile eine installierte elektrische Leistung von 354 Megawatt.
Errichtet wurden sie unter anderem mit deutscher Technik; die BMW AG ist daran
beteiligt, mit `guten Erfahrung`, bestätigte BMW-Ingenieur Wolfgang Strobl.
Die Anlage, die sich über mehr als 800 Hektar Wüstenland erstreckt,
speise Strom in das Netz der Millionen-Metropole Los Angeles, zu Kosten von
umgerechnet 30 Pfennig pro Kilowattstunde. In Deutschland erzeugter
Photovoltaikstrom kostet indes noch immer ein Mehrfaches.
Funktionsweise der Anlage
Die Solarfarm in der Wüste mit dem Namen SEGS arbeitet nach folgendem
Grundmuster: Riesige Spiegelrinnen, geformt wie überdimensionierte
Schaufeln, sammeln gleichsam das Sonnenlicht ein. Sie sind in langen parallelen
Reihen aufgestellt
und entsprechend dem Tagesgang der Sonne beweglich aufgehängt. Damit
wird Öl erwärmt, das mit etwa 400 Grad Celsius in einem Rohrsystem die
Spiegel mit einem Kraftwerksblock verbindet. Über einen sogenannten
Wärmetauscher gibt das aufgeheizte Öl seine Energie in einen
Dampfkreislauf ab, an dem eine konventionelle Turbine hängt.
Weitere Solarkraftwerke
Andere Anlagen wie in Riad (Saudi- Arabien) sammeln das Licht in riesigen
Parabolspiegeln, welche die Strahlen auf einen Empfänger reflektieren, der
zusammen mit einem Generator im Brennpunkt aufgehängt ist. Testmodule
kleineren Zuschnitts laufen bereits. In anderen Demonstrationsanlagen
bündeln Hunderte von konzentrisch angeordneten Spiegeln das Licht auf einen
Empfänger an der Spitze eines Turmes in der Mitte. Die gesammelte
Wärmeenergie wird in eine Turbine gespeist.
Das Wuppertal-Institut prüft
Nun soll das industriekritische Wuppertal-Institut für BMW
prüfen, ob die Großtechnologie denn ökologisch korrekt sei.
Strobl jedenfalls machte sich schon jetzt dafür stark, den Bau einer
Solarthermieanlage in Nordafrika `anzukurbeln`. Indes hängt von der Wahl
des Platzes an der Sonne ab, ob der verlustreiche Umweg über das
Speichermedium Wasserstoff überhaupt notwendig wäre. Anlagen, die in
der Vergangenheit bereits einmal als Zukunftsprojekt für Südspanien
gehandelt wurden, ließen sich an das kontinentale Stromnetz hängen,
erinnerte Günter Beckmann von der HÜLS AG.
Der Preis für Wasserstoff
Immer wieder werden in der Öffentlichkeit astronomische Preise
für Wasserstoff genannt, so etwa im Artikel `Brennstoff aus dem
Bakterienreaktor` (SZ vom 25. 1.), rund 23 DM für eine Menge Wasserstoff,
die dem Energieinhalt eines Liters Benzin entspricht. Der Wasserstoff wird dabei
mit Hilfe von Solarstrom aus Wasser gewonnen.
Falsche Preisberechnungen
Unserer Ansicht nach basieren die genannten Kosten auf Kalkulationen mit
Kleinserien von Photovoltaikmodulen, Einzelanfertigungen von Elektrolyseuren und
dem Betrieb von Forschungsanlagen. Doch dies ist einunlauterer
Vergleichsmaßstab: Kein Mensch würde etwa ein Auto kaufen, das aus
einzelgefertigten Teilen besteht - es könnte dann nämlich leicht eine
Million DM kosten. Kaum hat man aber in die Markteinführung einer
erneuerbaren Energiequelle investiert, wie etwa die Windenergie, so wird sie zum
Selbstläufer und Deutschland zum weltweit zweitgrößten Anwender
und einem der wichtigsten Exporteure. Man kann also im Fall der anderen
erneuerbaren Energiequellen sagen: `Wir haben es noch gar nicht ernsthaft
versucht.`
Wasserstoff ist billiges Nebenprodukt
In der chemischen Industrie entsteht gasförmiger Wasserstoff teilweise
als Nebenprodukt, das nicht mehr für weitere chemische Produktionsschritte
genutzt wird. Dieser Wasserstoff (rund eine Milliarde m3 pro Jahr), der bisher
entweder intern thermisch verwertet oder einfach in die Umwelt abgeblasen wird,
stünde zu einem Preis von 0,44 bis 0,72 DM pro Liter Benzinäquivalent
für energetische Anwendungen wie z. B. gekoppelte Strom- und
Wärmeerzeugung mittels Brennstoffzellen zur Verfügung. Für die
Anwendung im Automobilverkehr müßte er zusätzlich verdichtet
werden und würde dann 0,87 bis 1,59 DM pro Benzinäquivalent
kosten.
Günstige Erzeugung mit Wasserkraft und Biomasse
Wird der Flüssigwasserstoff mit kostengünstiger Elektrizität
(z. B. aus kanadischen Wasserkraftwerken) erzeugt, so liegt der Preis frei Hafen
Hamburg heute bei rund 2,25 DM und soll ab 1998 rund 1,80 DM pro Liter
BzÄqu. betragen. Tankfertiger Wasserstoff aus Biomasse kann bereits in
wenigen Jahren mit Hilfe der Wasserdampfdruckvergasung zwischen 0,87 bis 1,74 DM
pro Liter BzÄqu. kosten. Besonders für die Land- und Forstwirtschaft
kann diese umweltneutrale Erzeugung von Wasserstoff vor Ort mittelfristig sehr
interessant werden. Zum Vergleich: Bei der Wasserstoffproduktion aus Algen- und
Bakteriensystemen, die im SZ-Artikel diskutiert wird, geht man davon aus,
daß langfristig gesehen Wasserstoff für 2,18 DM pro Liter BzÄqu.
hergestellt werden kann.
Gas gegeben: Saubere Kraft aus
Isoliertanks
Die Autoindustrie testet Brennstoffzellen und `Tiefkühl-Sprit` bereits
auf der Straße Hans-Jürgen Drewitz (MAN), Hans-Ulrich Huss
(Daimler-Benz AG) und Wolfgang Strobl (BMW AG) erläuterten die neuesten
Testfahrzeuge, die mit Wasserstoff nahezu ohne Schadstoff-Ausstoß laufen.
Aus dem Auspuff kommen weder krebserregende Substanzen, noch giftiges
Kohlenmonoxid oder klimaschädliches Kohlendioxid. Auch die
Stickoxid-Emissionen sind `vernachlässigbar`, weit unter geplanten strengen
EU-Abgasnormen, im Falle Daimler-Benz gar bei Null. Gasbetriebener Bus in
Erlangen
Seit April rollt ein Stadtbus der Firma MAN durch Erlangen, den die
Konstrukteure für den Betrieb eines Verbrennungsmotors mit flüssigen
Wasserstoff erheblich umgerüstet haben: Drei speziell isolierte und
miteinander verbundene Tanks von jeweils knapp 200 Liter Inhalt haben sie unter
dem Boden des Busses aufgehängt. Sie speichern den Wasserstoff bei einer
Temperatur von minus 253 Grad Celsius und dreieinhalbfachem Überdruck; erst
kurz vor dem Einblasen wird er zu Gas erwärmt. Mit den 57 Litern kommt der
Bus lediglich 250 Kilometer weit, dann muß er an Spezialzapfsäulen
frisch betankt werden. Beim Benzinbetrieb, der mit besserer Höchstleistung
ebenfalls möglich ist, liegt die Reichweite bei rund 450 Kilometern.
Minikraftwerk Brennstoffzelle Mitte Mai hat die Daimler-Benz AG ihre
Konstruktion `Necar II` (New Electric Car) vorgestellt. Der Kleinbus läuft
mit Strom. An Bord hat er allerdings nicht eine Batterie, sondern eine Art
chemisches Minikraftwerk: ein Paket von Brennstoffzellen, in denen Wasserstoff
mit dem Sauerstoff der Luft reagiert und daraus Strom liefert. Die Zellen
bestehen aus jeweils zwei Metallplatten, den elektrischen Polen, die durch eine
Spezialfolie getrennt sind. Durch ihre äußerst feinen Poren passen
nur Protonen, Wasserstoffatome, die ihr jeweils eines Elektron gleichsam
abgestreift haben, und so nach der Passage durch die ansonsten
undurchlässige Membran mit Sauerstoff der zugeblasenen Luft reagieren, die
freiwerdende Energie ermöglicht eine Art Umleitung der Elektronen, den
Stromfluß. Mit dem Gaspedal steuert der Fahrer die Luftzufuhr und damit
letzten Endes die Stromstärke.
Technische Verbesserungen
Die Brennstoffzellen sind heutzutage deutlich leichter als noch vor wenigen
Jahren. Die Zellen leisten 50 Kilowatt, der Bus erreicht damit eine
Geschwindigkeit von 110 Stundenkilometern. Der Wasserstoff ist beim Necar II in
zwei 140-Liter-Tanks auf dem Dach gespeichert, bei einem Überdruck von 240
Atmosphären. Trotzdem kommt der Bus mit dem komprimierten Gas nicht weiter
als 300 Kilometer. Denkbar ist darum gleichsam eine zusätzliche
Kraftwerksschleife: den Wasserstoff an Bord aus Methanol zu gewinnen. Der
könnte wie herkömmlicher Sprit getankt werden. Großtechnisch
ließe sich Methylalkohol aus Erdgas oder Biomasse gewinnen.
Benzin neben Wasserstoff
Auch die BMW AG arbeitet nach Firmenangaben bereits an der vierten
Generation von Versuchsfahrzeugen. Die Luxuskarosse der Siebener-Reihe, Version
1995, läuft mit einer Flüssigwasserstoff- Tankfüllung 400
Kilometer weit, kann aber ebenso mit Benzin betrieben werden. Das Volumen der
Tanks haben die BMW-Konstrukteure deutlich verkleinert, das gesamte
Kraftstoffsystem verbessert.
Daimler-Benz: Pkw mit
Brennstoffzelle
Das Versuchsfahrzeug Daimer-Benz NECAR II:
Der Brennstoffzellen-Antrieb entwickelt sich immer näher zur
Serienreife Aus dem Auspuff strömt nur reiner Wasserdampf Die Ingenieure
glauben, schon in einigen Jahren Modelle der A-Klasse mit dem abgasfreien
Antrieb ausrüsten zu können
Leise, nahezu geräuschlos, rollt die Großraumlimousine durch
denGroßstadtverkehr. Nur ein Surren ist zu hören, wenn der
Elektromotor seine Arbeit aufnimmt. Auf einem Display, das oberhalb des
Rückspiegels angebracht ist, zucken Meßbalken hin und her. Die
übrige Instrumentierung sieht so aus wie in nahezu jedem Minivan - wenn da
nicht der große rote Knopf mit der Beschriftung `Notaus` wäre. Ein
Elektroauto, mag sich der kundige Leser nun denken - das ist aber nur die halbe
Wahrheit. Tatsächlich wird der NECAR II elektrisch angetrieben, der Strom
wird aber nicht aus einer Batterie gezapft. Brennstoffzelle unter der
Rückbank
Der NECAR II bezieht seine Antriebsenergie aus einem
Brennstoffzellensystem, das in einem Kasten unter der Rückbank
untergebracht ist. Hier werden Sauerstoff - der aus der Umluft angesaugt wird -
und Wasserstoffgas, das in einem Tank im Hochdach der Großraumlimousine
transportiert wird, einer kontrollierten Reaktion zugeführt, bei der Strom
entsteht. Als Abgas fällt dabei nur reiner Wasserdampf an, der in diesem
Fall anstatt aus dem Kochtopf aus dem Auspuff strömt.
Kooperation
Der NECAR II ist ein Versuchsfahrzeug, das in einer firmeninternen
Kooperation von Daimler-Benz und Mercedes- Benz entstanden ist. Am Antrieb mit
einer Brennstoffzelle arbeiten die Forscher und Ingenieure schon seit
längerem, weil diese alternative Antriebsquelle einen entscheidenden
Vorteil hat: Sie ist absolut umweltfreundlichg. Sauerstoff und Wasserstoff
stehen im Gegensatz zu den fossilen Energiequellen in wahrscheinlich nie
versiegender Menge bereit.
Rasche Entwicklung
`Mobilität und Transport werden vor allem in den Schwellenländern
wachsen`, sagt Helmut Werner, der Vorstandsvorsitzende von Mercedes-Benz,
schränkt aber gleichzeitig ein, daß `der Verkehr auch für die
Umwelt tragbar bleiben muß`. Zwar steckt nach Werners Ansicht im
traditionellen Verbrennungsmotor noch ein erhebliches Verbesserungspotential,
aber der Brennstoffzellenantrieb als eine Alternative soll bereits in einigen
Jahren in die Serienproduktion aufgenommen werden. Die Entwicklung verläuft
schneller als erwartet - vor allem mit der Verkleinerung der Bauteile haben sich
schneller Fortschritte erzielen lassen, als die Forscher gehofft hatten. Die
Entwicklung wird augenfällig, wenn man sich den drei Jahre alten
Vorläufer des NECAR II ansieht: Hier waren die Brennstoffzelle, die
periphere Technik und der Tank in einen Transporter vom Typ MB 180 gepackt
worden, dessen Laderaum damit so vollgepfropft war, daß keinerlei
Güter und nur noch zwei Personen befördert werden konnten. Die
Daimler-Benz-Ingenieure glauben, binnen zwei, drei Jahren so weit zu sein,
daß das Brennstoffzellensystem, das in mehrere kleinere Einheiten
unterteilt ist, in die Karosserie der künftigen A-Klasse passen
wird.
Zeitpunkt der Serienfertigung unklar
Wann allerdings genau mit der Serienproduktion begonnen werden kann, darauf
wollen sich die Ingenieure nicht festlegen. Klar ist für sie nur, daß
sich auch Omnibusse für den Einsatz anbieten. Der NECAR II verfügt
über eine Reichweite von 250 Kilometern, das Doppelte bis Dreifache von
`konventionellen` Elektromobilen. Ein Problem stellt bislang allerdings das
Betanken mit Wasserstoff dar. Kostengünstig können Autos mit
Brennstoffzellenantrieb erst betrieben werden, wenn an jeder Tankstelle nicht
nur Benzin, sondern auch Wasserstoff getankt werden könnte.
Methanol tanken
Daran ist jedoch - aus Sicherheits- und Kostengründen - nicht zu
denken. Also sind die Forscher von Daimler-Benz auf den Trick gekommen, den
Wasserstoff sozusagen erst an Bord herzustellen. Dazu muß Methanol in den
Tank gefüllt werden, was technisch problemlos machbar wäre: An den
Tankstellen müßte nur eine zusätzlicher Schlauch pro
Zapfsäule eingerichtet werden. Dann würde das Methanol in einem
chemischen Prozeß teilweise zu Wasserstoff umgewandelt werden - und in dem
`teilweise` liegt genau der Haken: Denn dabei fällt Kohlendioxid (CO2) an,
was die Umweltverträglichkeit des Brennstoffzellenantriebs natürlich
schmälert. Allerdings ist der CO2-Ausstoß nur ungefähr halb so
hoch wie der eines vergleichbaren Benzinmotors, betonen die Techniker.
Außerdem verursacht der `Reformer`, der für die Umwandlung des
Methanols zuständig ist, einen zusätzlichen technischen
Aufwand.
Ergebnisse der ersten Probefahrt
Wie sich bei einer ersten kurzen Fahrprobe herausstellte, kann man mit den
Fahrleistungen, die der NECAR - was übrigens New Electric Car bedeutet -,
durchaus leben, vor allem wenn nicht weite Autobahnstrecken der
hauptsächliche Einsatzzweck sind. Die Großraumlimousine erreicht eine
Höchstgeschwindigkeit von etwas mehr als 100 km/h, die Reichweite
beträgt mit einer Gasfüllung etwa 250 Kilometer. Das Versuchsfahrzeug
setzte sich allerdings noch etwas ruckartig und schwäbisch- behäbig in
Bewegung - vielleicht darf man aber bei einem Leistungsmaximum von 50 kW (68 PS)
nicht mehr erwarten. Offenbar ist auch das Energiemanagement noch
verbesserungswürdig: Das Problem ist, daß der Brennstoffzelle immer
genau so viel Energie entnommen werden muß, wie zur Fortbewegung oder zur
Beschleunigung benötigt wird, da ja eine Zwischenspeicherung in einer
Batterie entfällt. Und auch die halbautomatische Zweigang-Schaltungscheint
noch nicht der Weisheit letzter Schluß zu sein.
Das Brennstoffzellen-System
Das Brennstoffzellensystem hat Daimler-Benz zusammen mit Spezialisten der
kanadischen Firma Ballard Power Systems entwickelt. Das System, das aus zwei
sogenannten Stacks besteht, ist in einem koffergroßen Kasten unter den
beiden Rücksitzen untergebracht. Es bleibt in der V-Klasse (die im
September mit konventionellen Antrieben auf den Markt kommt) sogar noch ein
kleiner Kofferraum übrig. Die beiden Hochleistungs-Stacks bestehen aus
jeweils 150 einzelnen Brennstoffzellen. Diese wiederum sind aus zwei
Elektrodenplatten aufgebaut, die zur Heranführung des Wasser- und
Sauerstoffs dienen. Eine weitere Komponente ist eine mit Edelmetall beschichtete
Elektrolytfolie, die von den beiden Platten eingeschlossen wird. Durch eine
Verringerung des Gewichts und eine Verbesserung der Geometrie des Systems
konnten die Daimler-Benz-Ingenieure das Gewicht - gemessen pro Kilowatt Leistung
- von 21 auf sechs Kilogramm reduzieren.
Experiment aus der Schulzeit
Wem dies alles zu kompliziert klingt, der möge sich doch an seine
Schulzeit erinnern. Im Chemieunterricht war das Experiment mit dem Knallgas
besonders beliebt: Dabei ergeben Wasser- und Sauerstoffgas ein Gemisch, das bei
der Entzündung mit einem lauten Knall explodiert. So ähnlich
funktioniert die Brennstoffzelle, nur daß es hier keine Explosion, sondern
eine `kalte` Reaktion gibt. Dies wird durch die Trennung der beiden Gase mit
Hilfe der Elektrolytfolie erreicht. Winzige Öffnungen in der
hauchdünnen Folie lassen nur Protonen, also positiv geladene
Wasserstoff-Ionen durch, die auf der anderen Seite mit den Sauerstoffteilchen
reagieren. Durch den Elektronenüberschuß auf der Wasserstoff-Seite
und den Elektronenmangel auf der Sauerstoffseite bilden sich Plus- und Minuspol,
an denen elektrische Energie entnommen werdenkann.
Weitere Hightech-Komponenten
Weitere Hightech-Komponenten des NECAR II sind der Druckgasbehälter,
das Fahrzeugmanagement, die Energierückgewinnung und die neuen
Schalldämpfer. Der Tank besteht nicht mehr wie beim NECAR I aus Aluminium,
sondern aus klohlefaserverstärktem Kunststoff, wodurch bei halbem Gewicht
doppelt soviel Wasserstoff getankt werden kann. Das Fahrzeug-Management ist
jetzt auf einer Platine untergebracht, die nicht größer als eine
DIN-A4-Seite ist. Ein Auto, das einen Mercedes-Stern am Kühlergrill
trägt, muß natürlich auch den entsprechenden Komfort bieten -
das hatten die Mercedes-Oberen ihren Daimler- Kollegen ins Lastenheft
geschrieben. Für das gute Klima in dem Sechssitzer sorgt ein Reluktanzmotor
in der Lüfteranlage, dessen Vorteil in der leichten Kühlbarkeit liegt:
Bewegte Teile erhitzen sich im Vergleich zu einem Elektromotor
weniger.
Noch unbestimmt: Der Preis
Noch unbeantwortet läßt Mercedes- Chef Werner allerdings die
Frage nach den genauen Preisen künftiger Alltagsautos mit
Brennstoffzellenantrieb. Für ihn ist nur klar, daß sie nicht mehr
kosten dürfen als ihre konventionellen `Brüder`, da sonst eine
Marktakzeptanz nicht erreicht werden kann. Warten wir also auf die Zeiten, in
denen wir nahezu geräuschlos und abgasfrei durch die Städte und
über Land gleiten werden - vielleicht kommen sie schneller, als wir jetzt
glauben. Denn das Automobil wird auch künftig ein entscheidender Faktor der
menschlichen Mobilität bleiben.
Erster PKW
Die Daimler-Benz AG, Stuttgart, hat in Berlin den ersten Pkw der Welt mit
einer unter Alltagsbedingungen arbeitenden Brennstoffzelle - und damit ohne
jeglichen Schadstoffausstoß - vorgestellt. Das Fahrzeug mit dem Namen
`NECAR II` (New Electric Car) bezieht seine Energie aus der gesteuerten
Reaktion von Wasserstoff- und Sauerstoffgas, bei der elektrischer Strom
entsteht. Die neue Technik könnte nach Einschätzung des Unternehmens
in 10 bis 12 Jahren eine echte und umweltfreundliche Alternative zu Fahrzeugen
mit Otto- oder Dieselmotoren werden.
Millionen für die Forschung
Mit der Vorstellung des ersten Pkw mit einer Brennstoffzelle belege
Daimler- Benz seinen Anspruch, auch während der kommenden technologischen
Epoche die führende Position in der Fahrzeugentwicklung zu behalten,
erklärte Helmut Werner, Vorstandsvorsitzender der Mercedes-Benz AG,
Stuttgart. So werde Mercedes-Benz für Forschung und Entwicklung allein in
den nächsten drei Jahren rund 11 Milliarden DM aufwenden. Das
Forschungsfahrzeug `NECAR II` produziert keinerlei Schadstoffe. Aus dem Auspuff
entweicht lediglich chemisch reinster Wasserdampf. Da `NECAR II` außerdem
noch eine erheblich bessere Energie-Effizienz als batteriebetriebene
Elektrofahrzeuge aufweise, sei es mit Abstand das umweltfreundlichste Automobil
der Welt.
Vorzüge des Fahrzeugs
`NECAR II` könne sechs Personen befördern, fahre mehr als 100
km/h Spitze und beschleunige flott. Seine Reichweite betrage mit einer
Gasfüllung über 250 km. Das Fahrzeug sei nicht nur schadstofffrei,
sondern im Vergleich zu Autos mit Verbrennungsmotor auch sehr leise. Das
vorgestellte Fahrzeug ist nach Angaben von Daimler-Benz auf Basis der neuen
V-Klasse von Mercedes Benz entstanden, die ab September verkauft
werde.
Wasserstoffbus nimmt Fahrt auf
Goppel sieht `Fenster in Antriebszukunft des 21. Jahrhunderts`
geöffnet Erlangen (SZ/dpa) - Der weltweit erste Linienbus mit
Wasserstoffantrieb ist am Freitag in Erlangen in Betrieb genommen worden. Das
von der MAN Nutzfahrzeuge AG (München) entwickelte Fahrzeug soll zwei
Jahre lang im öffentlichen Nahverkehr erprobt werden.
Kaum schädliche Abgase
Der Motor arbeitet nach Herstellerangaben nahezu emissionsfrei. Die
Abgasrestemissionen betragen für Stickstoffoxide 0,4 Gramm pro
Kilowattstunde und für Kohlenwasserstoff 0,04 Gramm pro Kilowattstunde.
Diese Emissionen liegen um mehr als den Faktor zehn unter den für das Jahr
2000 erst angestrebten, sehr scharfen Eurogrenzwerten. Andere Emissionen wie
Schwefeldioxid, Kohlenmonoxid und Kohlendioxid treten überhaupt nicht auf.
Der Wasserstoffantrieb ist damit auch ein Klimaschutzantrieb. Umweltminister
Thomas Goppel sagte, der Freistaat wolle Forschung, Entwicklung und
Markteinführung von Wasserstofftechnologie forcieren.
Kosten des Projektes
Das Projekt wird vom Land Bayern mit 1,9 Millionen Mark und von der
Europäischen Union mit 1,2 Millionen Mark unterstützt. Der Bus
fährt zunächst acht Monate in Erlangen, anschließend wird er bei
den Verkehrsbetrieben München sowie bei Autobus Oberbayern zwischen
Kieferngarten und dem Flughafen München eingesetzt. `Das Wasserstoffprojekt
öffnet das Fenster in die Antriebszukunft des 21. Jahrhunderts`, sagte
Goppel.
Wasserstoff-Vorhaben in Bayern
Nach seinen Angaben sind derzeit sechs bayerische Wasserstoff-Vorhaben
geplant. Dazu zählen die Teilversorgung im Gasnetz eines Münchner
Stadtteils, der Einbau eines Wasserstofftriebwerks in ein Regionalflugzeug sowie
die Entwicklung der unterfränkischen Kommune Bad Brückenau zur
Wasserstoff- Modellstadt`. Bayern insgesamt solle, so Goppel, ein
`Wasserstoff-Technologiezentrum` werden.
Ausrüstung des Busses
Für den Bus wurde nach Herstellerangaben ein Erdgasmotor mit
zwölf Liter Hubraum und Viertakt-Otto-Verbrennungsmotor umgerüstet.
Drei Tanks zwischen Vorder- und Hinterachse speichern rund 570 Liter
flüssigen Wasserstoff, dies reicht für eine Fahrt von etwa 250
Kilometern. In Erlangen soll der Bus täglich rund 200 Kilometer
zurücklegen. Er wird im Betriebshof aus einer Flüssiggasanlage
betankt.
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