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Adenauer, Konrad (1876-1967) Eine Ära
Konrad Adenauer - Eine Ära -
1949-67
Am 14.August 1949 war es soweit, die CDU/CSU ging als knapper Sieger aus
den ersten Bundestagswahlen hervor. Die Union und ihr Spitzenkandidat Konrad
Adenauer hatten sich ganz klar hinter die Wirtschaftspolitik Ludwig Erhards
gestellt. Adenauer selbst wurde am 15.September im Bundestag mit nur einer
Stimme Mehrheit zum ersten Kanzler des noch jungen Deutschlands gewählt. Es
gelingt ihm sich die Unterstützung der Koalition aus CDU/CSU, FDP und DP zu
sichern.
Das drängenste Problem für die neue Regierung war die Einstellung
der Demontagen, deren Weiterführung den Wiederaufbau behinderte und die
Westintegration, ein großes Ziel Adenauers, erschwerte. Nach der
Klärung dieses Problems warf der SPD-Vorsizende Schumacher Adenauer
aufgrund seiner stark nach Westen gerichteten Handlungsweise vor, der Kanzler
der Allierten zu sein. Schumacher wurde darauf 20 Tage aus dem Bundestag
ausgeschlossen. Adenauer aber ließ sich nicht von seinem Ziel abbringen
einen nach Westeneuropa integrierten Staat aufzubauen. Seiner Meinung nach
sollte die deutsch-französische Verständigung den Kern einer
politischen Einigung darstellen. Auch mit der USA sollte man eine feste
Zusammenarbeit anstreben.Hier erreicht er die größten Erfolge in
seiner Außenpolitik, die er von Anfang an selbst in die Hand nahm, ab dem
März 51 als erster Außenminister der BRD. In den Jahren 51/52 legt er
mit der Unterzeichnung des Schumann-Plans ,der Montan-union und des
Deutschlandvertrages den Grundstein für den wirtschaftl. Aufstieg und die
baldige Souveränität Deutschlands. Seit dem Herbst 51 jedoch schob
sich das Thema Wiedervereinigung unausweichlich in den Mittelpunkt der
politischen Diskussion. Adenauer lehnte ein Angebot aus Moskau ab und musste
mehr oder weniger die Wiedervereinigung der westlichen Integration
opfern.
Die innenpolitische Entwicklung der Bundesrepublik in der Ära Adenauer
erscheint als ein Muster an Stabilität. Die großen Probleme,
entstanden durch den den Krieg, konnten auf Grund des stark fortschreitenden
wirtschaflichen Aufstiegs bewältigt werden. Dieses "Wirtschaftswunder" das
unter dem Zeichen der sozialen Marktwirtschaft stand brachte den Deutschen
bereits in den ersten Jahren, nach einigen Anlaufschwierigkeiten, eine
allmähliche Steigerung des Lebensstandards und eine Festigung und
Ausarbeitung des Sozialstaates. Die Kooperation von Arbeitgebern und
Gewerkschaften und die steigende Produktivität unter der staatliche
Wirtschaftspolitik machten Konrad Adenauer und Ludwig Erhard zu den Vätern
des "Wirtschafswunders".
Es folgte der Wahlkampf des Jahres 1953
Dieser wurde ganz nach amerikanischem Vorbild auf die Person des Kanzlers
ausgerichtet. Mit ihrem Spitzenkandidaten Ollenhauer hatte die SPD dem nichts
entgegenzusetzen.So wurde die Bundestagswahl am 6.September zum großen
Erfolg für den Kanzler und die Betätigung seiner Politik. Adenauer
bildete eine Koalition aller bürgerlichen Bundestagsparteien.
Westintegration und eine gleichberechtigte Stellung Deutschlands zwischen
den Großmächten waren auch weiterhin die Ziele des alten und neuen
Kanzlers. Diese Politik sollte jedoch einen herben Rückschlag erteilt be-
kommen.Als die französische Nationalversammlung am 30.August 1954 den
Vertrag über die Europäische Verteidigungsgemeinschaft, kurz EVG,
ablehnte, war dies der dunkelste Tag seiner Kanzlerschaft. Wenige Wochen
später jedoch am 23.Oktober konnten die "Pariser Verträge"
unterzeichnet werden. Deren Inhalt war die Mitgliedschaft der Bundesrepublik in
der NATO, die Wiedererlangung der Souveränität , die Gründung der
Westeuropäischen Union (WEU) und das Saarstatut, das durch Abstimmung der
Bevölkerung die Zugehörigkeit des Saarlandes klären sollte.
Dieser Vertrag sollte nun die sogenannten "goldenen Jahre" der Ära
Adenauer einleiten. Am 5.Mai 1955 hatten ihn alle Teilnehmer staaten
ratifiziert; die Bundesrepublik war wieder ein souveräner Staat.
Im Juli folgte die Genfer Konferenz in dem sich den Großmächten
vor allem die Frage der Wiedervereinigung stellte. Diese Konferenz scheiterte
vor allem an der Sowjetunion und dem Gegensatz NATO - Warschauer Pakt. Die
Enttäuschung der Deutschen über den Konferenzausgang war groß.
Neue Hoffnung regte sich jeoch durch den Besuch Adenauers in Moskau im September
55. Die umstrittene Einwilligung Adenauers auf einen Neubeginn der Beziehungen
zwischen beiden Staaten erwirkte die Freilassung aller noch in sowjetischem
Gewahrsam befindlicher Kriegsgefangenen. Dieser Erfolg wurde dem Kanzler von der
Bevölkerung als menschliche Tat hoch angerechnet. Ein kleines Stück
Wiedervereinigung erreichte man dann doch mehr oder weniger durch die
Rückgliederung des Saarlandes in die Bundesrepublik zum 1.Januar 1957.
Eine klare Mehrheit der saarlän-dischen Bevökerung hatte sich im Zuge
der Pariser Vertäge dafür entschieden.
Zu einer großen Ablehnung in der Bevölkerung führte die
Wiederbewaffnung und die dazukommendeWehrpflicht Bereits zu Beginn der
fünfizger Jahre versucht, wurden sie schließlich 55/56 realisiert.
War dieWiederbe-waffnung für die meisten Deutschen ein Kind der Not, nicht
der Liebe so hielt der Kanzler trotzdem unbeirrt seinen Kurs. Für ihn
sollte die neue Armee deutsche Souveränität zurückbringen und die
NATO stärken.
Der wirtschaftliche Aufstieg ebnete nun den Weg für zwingende soziale
Reformen, sie sind zum Teil das Ergebnis der Regierung Adenauer, nicht zuletzt
die große Rentenreform im Januar 57.
Einen nochmals großen Schub für die deutsche Wirtschaft mit sich
bringen sollten die, von Adenauer im März 57 unterzeichneten,
"Römischen Vertäge" über Bildung der Europäischen
Wirtschaftgemeinschaft (EWG) und der Europäischen Atomgemeinschaft
(Euratom).
Nach der Dynamik der Anfangsjahre baute man im Wahlkampf des Jahres57
darauf das Erreichte zu bewahren. "Keine Experimente" hieß der Wahlslogan.
Die Autorität und Dominanz des über 80 Jahre alten Kanzlers wird von
vielen zunehmend als lähmendes Element empfunden.Doch dem allen zu Trotz
erreichte der Kanzler im September einen Wahlsieg, der noch strahlender war als
der von 1953. CDU/CSU erreichte die absolute Mehrheit.
Dies veranlasste Adenauer sich fast ausschließlich auf die
Außenpolitik zu konzentrieren. Die Behmühungen um das Bündniss
Paris-Bonn bestimmten die letzte Phase der Außenpolitik Adenauers in den
Jahren 58/59 bis 63. Einen großen Mitstreiter fand er hier im
französischen Staatschef Charles de Gaulle.
In den Reihen der CDU wurden jedoch langsam darüber gesprochen, dass
der über 80 jährige Kanzler einem jüngeren Politiker Platz machen
müsse. Im Sommer 59 begann Adenauer eine Art Selbstdemontage, als er seinen
ungeliebten Stellvertreter Prof.Ludwig Erhard auf den Posten des
Bundespräsidenten abzuschieben versuchte, dann selbst für dieses Amt
kandidierte, um dann schließlich die Kandidatur wieder
zurückzunehmen.
Der Mangel an echten Konflikten in der Innenpolitik - die Wirtschaft war
weiterhin im Produktionsfluss - führte zu einer Aufwertung der Affären
in der öffentlichen Diskussion. Die Verhaftung des Judemörders Adolf
Eichmann zwangen der Bundesrepublik eine Auseinandersetzung mit der braunen
Vergangenheit und deren Verbrechen auf.
Einen außenpolitischen Dämpfer musste man jedoch 1961
einstecken. Die starre, von Westen beeinflusste, Haltung zur Sowjetunion
führte letztlich zum Mauerbau und der endgültigen Spaltung
Deutschlands. Dadurch wurde die Wahlkampfsituation schlagartig zu ungunsten
Adenauers verändert.
Der neue Spitzenkandidat der SPD, Willy Brandt, versuchte im
Bundestagswahlkampf des Jahres 61 als junger und moderner Staatsmann
aufzutreten, als deutscher Kennedy. Der Verlust der absoluten Mehrheit war das
Ergebnis für CDU/CSU. Man musste nun einen Koalitionsvertrag mit der FDP
schließen, in dem sich Adenauer zum Rücktritt im Herbst 63
verpflichten musste.
Das Jahr 1963 sollte noch einmal einen festen Platz in der Deutschen
Geschichte einnehmen. Am 22.Januar 19963 unterzeichnen Adenauer und de Gaulle in
Paris den Deutsch-Französischen Freundschaftsvertrag. Das Bekenntnis zur
Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Frankreich als Grundlage für eine
europäische Einigung war zugleich das politische Vermächtnis Adenauers
und ein bedeutendes Ereignis in der Geschichte beider Völker.
Mit dem Besuch von Adenauer und dem US-Präsidenten Kennedy im Juni 63
in Berlin wird der dortigen Bevölkerung noch einmal ein
Selbstwertgefühl vermittelt.
Das politische Ende Adenauers sollte im Herbst 1963 kommen. Die
Spiegelaffäre- in dem mit dem Vorwurf des Landesverrats begründeten
Vorgehen gegen das Hamburger Magazin und seinen Herausgeber Augstein sahen viele
Kritiker eine ernste Bedrohung der Pressefreiheit und der Rechtsstaatlichkeit-
hatte den Rücktritt der FDP-Minister und von Verteidigungsminister
Strauß zur Folge. Die daraus entstandene Regierungskrise forderte ihren
Tribut:
Am 15.Oktober 1963 tritt Dr.Konrad Adenauer, inzwischen 87 Jahre alt, vom
Kanzleramt zurück. "Der Alte von Rhöndorf" hatte durch seine
14jährige Amtszeit die Gründerzeit geprägt wie kein anderer.
Das schwierige Amt seiner Nachfolge übernahm, der von ihm nicht gerade
geliebte, Ludwig Erhard.
Im März 1964 wird Adenauer erneut zum Parteivorsitzenden der CDU
gewählt, dessen Amt er bereits seit 1950 einnahm. Er gibt in den Jahren 65
und 66 seine Memoiren heraus und übergibt den CDU-Vorsitz am 23.März
1966 an Kanzler Erhard. Adenauer bleibt jedoch bis zu seinem Tod
Ehrenvorsitzender der CDU.
Am 19.April um 13.21Uhr stirbt Konrad Adenauer im Alter von 91 Jahren in
seinem Haus in Rhöndorf in Folge eines grippalen Infekts.
Die Trauerfeierlichkeiten im Bundestag und im Kölner Dom währten
drei Tage. Rund 200 000 Menschen und die größten Staatsmänner
der Welt nahmen bewegt Abschied.
In seinen 14 Regierungsjahren war Adenauer eine neue deutsche Demokratie
geglückt, mit seinem Tod ging eine Epoche zu Ende.
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