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Schnitzler, Arthur: Fräulein Else
Intern: Leseliste: Fräulein
Else
Erstmals erschienen 1901
Fräulein Else, die 19 Jahre alte Tochter eines sehr guten Anwalts,
hält sich zur Zeit in San Marino auf. Paul, ihr Cousin, will sie gerade
überreden, mit ihm und mit Cissy Mohr Tennis zu spielen. Else findet Paul
hübsch, doch sie will die beiden nicht stören, da sie glaubt, dass die
beiden etwas miteinander haben. Auf ihrem Weg zum Hotel versucht sie sich zu
erinnern, ob sie schon einmal verliebt war. Sie kommt zu der Einsicht, dass sie
noch nie verliebt war.
Kurz bevor sie das Hotel betritt, trifft sie noch Herrn von Dorsday, der
ihr einige Komplimente macht, die ihr nur wenig schmeichelten. An der Rezeption
übergibt ihr der Kellner einen Expressbrief ihrer Mutter. Sie hat Angst
davor, da sie vermutet, ihre Mutter wird sie nach Hause zurück beordern.
Darum öffnet sie den Brief erst auf ihrem Zimmer.
In dem Brief steht, dass ihr Vater 30.000 Gulden benötige, die sie
besorgen müsse. Er hatte mal wieder Mündelgelder seiner Mandanten
unterschlagen. Es ist nicht das erste Mal, darum ist ihr die Situation nicht
ganz neu. Doch jetzt muß sie ihren Vater vor der Pleite retten. Ihr Mutter
empfiehlt ihr im Brief es beim Herrn von Dorsday zu versuchen, der ein alter
Freund der Familie sei. "Also, ich soll Herrn Dorsday anpumpen ... Irrsinnig.
Wie stellt sich Mama das vor?" (67) Sie kann sich nicht im entferntesten
vorstellen, was sie tun soll.
Sie macht sich für Herrn Dorsday - "Widerlicher Kerl" (69) -
schön, da sie ihm bereits nach dem Abendessen um das Geld bitten will. Sie
glaubt dann aber auch an die Möglichkeit sich das Geld von Paul zu borgen,
verwirft diesen Gedanken aber schnell. Dann kommt in ihr das erste mal der
Wunsch nach dem Tod auf.
Sie geht in die Halle, setzt sich, bald kommen Paul und Cissy - auch sie
kann Else nicht leiden - vom Tennis zurück. Sie haben einen kurzen
Small-Talk. Die beiden verlassen Else, die dann beim Portier ihren Mantel
verlangt, da sie vor dem Essen noch einen kleinen Spaziergang machen will. Da
kommt Dorsday zu ihr. Sie hat nicht vor schon vor dem Essen mit ihm zu reden, da
sich aber die Gelegenheit anbietet, packt sie diese gleich beim Schopf. Sie hat
verdammte Angst alles zu verpatzen, sie wird nervös und macht dann auch ein
paar unglückliche Bemerkungen. Sie sieht schon alles verloren und will
darum schon gehen. Dorsday aber pfeift sie zurück.
Mit den Worten "man soll niemals eine Garantie für einen anderen
Menschen übernehmen" (88) verzichtet er auf jedwede Rückzahlung. Nach
einigen Worten und Missverständnissen sagt er: "Und für diesmal will
ich nichts anderes, Else, als - Sie sehen." (89) Damit meint er natürlich
sie nackt zu sehen. Er bietet ihr Bedenkzeit an, eine quasi Galgenfrist bis nach
dem Abendessen. Er geht in Richtung Hotel weiter.
Else aber bleibt im Wald, wo sie dann kurz verschläft. Sie hat einen
sehr intensiven Traum, über ihren Tod, den Filou mit dem Römerkopf und
ihrem Vater in der Zelle. Als sie erwacht beginnt sie sofort mit der Suche nach
einer Strafe für den Herr Dorsday. Sie denkt auch an eine Flucht aus diesem
drohendem Fiasko und an eine Möglichkeit ihrem Vater doch zu
helfen.
Kurz vor dem Hotel trifft sie Paul mit dessen Tante, die sich schon Sorgen
um sie machten. Sie erschien ja nicht zum Dinner. Am Eingang des Hotels bekommt
sie von dem Portier abermals eine Depesche. Ein Telegramm von ihrer Mutter, in
dem nunmehr fünfzig statt den dreißigtausend gefordert
werden.
Sie geht bestürzt auf ihr Zimmer, macht das Veronal klar. Sie
überlegt abermals wie sie dem Herrn von Dorsday, dem Vicomte von Eperis,
eins auswischen kann. Es tauchen auch wieder Gedanken über einen Selbstmord
auf, mit ein Grund das Veronal bereits jetzt in einem Glas Wasser
aufzulösen.
Sie schreibt einen Brief an Dorsday, den sie ihm dann unter der
Zimmertür hindurchschieben will. Sie denkt auch schon an ein Leben nach
diesem Fiasko, ein Leben in dem sie sich hunderten Männern zur
Verfügung stellen will, einem Leben, in dem sie sich von den
verschiedensten Herrn aushalten lassen will, ein Leben voll Reichtum, ein Leben,
dass in Wirklichkeit aber nicht lebenswert ist.
Sie verlässt das Zimmer, nur mit einem Mantel bekleidet, der nicht
ahnen lässt, dass sie nur durch ihn und sonst durch kein
Kleidungsstück bedeckt ist. Sie lehnt den Brief an Dorsday’s
Zimmertür. Sie stellt sich vor, gleich oben im Hotel eine Generalprobe
ihres großen Auftritts zu geben. Sie versucht wieder eine Lösung
für ihr Problem zu finden, ohne sich ausziehen zu müssen. Sie spielt
in ihrem Gehirn mehrere Szenen durch, aber keine sagt ihr so recht zu.
Zwei Damen kommen ihr entgegen - ob sie etwas merken? Ihre Gedanken werden
immer mehr zu zerrissenen Fetzen als zu Überlegungen. Als sie im
Erdgeschoss ankommt, geht ihr jemand nach. Es ist die Tante. Sie merkt sofort,
dass etwas mit Else nicht stimmt und will auch gleich nach einem Doktor
schicken. Else aber winkt ab und sagt, sie habe nichts. Nur die Nachwirkungen
des Migräneanfalls von heute Nachmittag.
Sie geht in den Musiksalon, wo eine Dame gerade wunderschön Chopin
spielt. Sie sieht Dorsday, der dem Spiel angeregt lauscht, in einem Diwan
sitzen. Der Filou und viele andere sind auch anwesend.
Sie öffnet ihren Mantel, sie genießt es nackt zu sein, keiner
bemerkt etwas. Sie lacht und hört plötzlich Pauls Stimme in ihrem
Rücken. Sie registriert plötzlich was sie getan hat, sie fällt um
und wird für ohnmächtig gehalten, was sie aber nicht ist. Sie
schämt sich in Grund und Boden, da jeder sie nun nackt gesehen hat. Ein
Arzt wird gerufen, man holt eine Decke und trägt sie nach oben in ihr
Zimmer.
Paul und Cissy halten Wache an ihrem Bett. Dorsday klopft an und spricht
mit Paul. Während dessen kommt Cissy zu ihr und sagt ihr, dass sie alles
für Schauspiel halte. Else kann keine richtigen Gedanken mehr fassen, sie
weiß nicht, wie ihr geschieht. Als Dorsday weg ist und Cissy zu Paul an
die Tür geht, greift sie nach dem Glas mit dem Veronal und trinkt es in
einem Zug aus.
Paul hat mitbekommen, dass Dorsday irgend etwas mit Else’s
verrücktem Verhalten zu tun hatte, da er vorhin so erregt war. Else hofft
nur noch, dass Dorsday das Geld abschickt. Sie versucht zu sprechen, um sich
davon zu überzeugen, kann oder will aber nicht mehr. Paul hält
Else’s Hand, um ihren Puls zu fühlen, sie beginnt darauf zu
lächeln, was die eifersüchtige Cissy sofort bemerkt.
Paul versucht Else wieder zu wecken, was ihm nicht gelingt. Ihre Gedanken
zerbröseln und sie stirbt .......
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