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Musil, Robert (1880-1942)
Robert Musil
Sein Leben
Geboren 1880 in Klagenfurt, gestorben 1942 in Genf
in der Emigration hat in seinem “Curriculum Vitae” selbst seinen
Lebensweg beschrieben:
Vater Alfred von Musil, altösterreichische
Beamten-, Gelehrten-, Ingenieurs- und Offiziersfamilie; war lange Zeit
Ordinarius an der Brünner Technischen Hochschule... Keine Geschwister.
Bestimmt zum Offiziersberuf, entdeckt er beim Studium des Artilleriewesens seine
technischen Fähigkeiten. Verläßt mit plötzlichem
Entschluß die Militärschule... und studiert Maschinenbaum... 1902/03
Assistent an der Technischen Hochschule Stuttgart. Bleibt unbefriedigt und
ergreift das Studium der Philosophie, vornehmlich Logik und experimentelle
Psychologie... Konstruiert den Musilschen Farbkreisel, schreibt eine
erkenntnistheroetische Dissertation über E. Mach, verzichtet aber auf die
angebotene Möglichkeit, sich zu habilitieren, und da er mit seinem
inzwischen (1906) erschienen ersten Buch bereits internationale Resonanz
gefunden hat, beschließt er , den durch nichts gebundenen und von
akademischen Rücksichten freien Beruf des Schriftstellers zu ergreifen.
1911/14 Praktikant und Bibliothekar an der Technischen Hochschule Wien. 1914
Redakteur an der Zeitschrift Die neue Rundschau, Berlin. 1914-1918
Offizier an der italienischen Front... Ende 1918 bis 1920 in besonderer
schriftstellerischer Tätigkeit im Staatsamt des Äußeren.
1920-1922 Fachbeirat im Bundesministerium für Heereswesen... Wird, neben
seiner Hauptarbeit, Theaterkritiker (Prager Presse), schreibt Essays u.a., geht
schließlich nach Berlin, weil dort die Spannungen und Konflikte des
deutschen Geisteslebens fühlbarer sind als in Wien. 1933 kehrt er nach
Errichtung des “Dritten Reiches”, obwohl kein äußerer
Zwang auf ihn wirkt, Deutschland den Rücken. Leb in Wien, alles für
die Vollendung seines Hauptwerkes opfernd”.
Der Weg in die Emigration über Zürich nach
Genf, führte Musil 1938 in Jahre schwerer schriftstellerischer und
materieller Bedrängnis.
Sein Werk
Romane und Erzählungen:
- Die Verwirrungen des
Zöglings Törleß
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1906
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1932
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1932
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1924
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- • Der Mann ohne
Eigenschaften, 1. Buch
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1930
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- • Der Mann ohne
Eigenschaften, 2. Buch
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1933
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1936
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- • Der Mann ohne
Eigenschaften Dritter Band
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1943, Fragment
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- • Der Mann ohne
Eigenschaften
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1952, Adolf Frisé
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Dramatisches:
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1921
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- • Vinzenz und die
Freundin Bedeutender Männer
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1924
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Wissenschaftliche und essayistische
Arbeiten:
- Beitrag zur Beurteilung
der Lehren Machs
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1908
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1937
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- • Tagebücher,
Aphorismen, Essays und Reden
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1955
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- • Tagebücher
(Neuausgabe, 2 Bände)
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1977
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Musil war wie Broch von genialer Vielseitigkeit. Er
hat die Möglichkeiten, die ihm aufgrund seines erfolgreichen technischen,
philosophischen und psychologischen Studiums offenstanden, ausgeschlagen, um
sich der Literatur zu widmen. Der frühe Ruhm, den er mit seinem Roman Die
Verwirrungen des Zöglings Törleß errang, verblaßte so
rasch, daß er fast unbekannt war, als er von seiner Wiener Heimat 1938 in
die Schweiz emigrierte. Von seinem Hauptwerk Der Mann ohne Eigenschaften waren
nur die beiden ersten Bände erschienen. Erst 1952 erfolgte die
Gesamtausgabe des über 1600 Seiten umfassenden Werkes, dessen Geschehen in
dem knappen Zeitraum von 1913 bis 1914 spielt.
“Der Zusammenbruch der Kultur ist in der Tat
das, was der Sommer 1914 eingeleitet hat”, sagt Musil. Dieser
Zusammenbruch wird mit Nüchternheit und ironischem Ernst und subtiler
Analyse dargestellt. Die Handlung ist nur der Ansatzpunkt eines riesigen
Panoramas der Verfallszeit, für einen soziologischen und geistigen
Querschnitt, eine kulturkritische Gesellschaftssatiere, für philosophische
Betrachtungen und Essays, eine Fülle von Details und Bildern. Die Weilt ist
zersplittert, die Menschen leben “ohne Eigenschaften”, der
Relativismus hat alle ergriffen, nichts steht fest: “Es gibt kein Ja, an
dem nicht ein Nein hinge”. Ein ironischer Zusammenhang der Dinge wird
deutlich in der Parallelität des Sterbens aller Personen -sie dokumentieren
verzerrt Ulrichs Bemühungen, seine Eigenschaften und Talente sinnvoll
einzusetzen, das heißt “das Gesetz des rechten Lebens” zu
finden.
Bereits Musils erster Roman Die Verwirrungen des
Zöglings Törleß hatte jene Stilhaltung gezeigt, die Musil selbst
als ein Zugleich von Genauigkeit und Seele kennzeichnete. Die Darstellung
pubertärer Erlebnisse und makabrer Vorgänge im Internat, an denen
Törleß teilnimmt, deuten schon, über de psychologische Einsicht
hinaus, auf die schmale Grenze zwischen dem Rationalen und dem
Irrationalen.
Diesen Zwischenbereich kennt auch der Band die Drei
Frauen mit den Novellen Grigia, Die Portugiesin, und Tonka, die zudem
geprägt sind von einer “unerhörten Begebenheit” und damit
dem klassischen Novellenmuster entsprechen. Der besondere Reiz für den
Leser ergibt sich daraus, daß Sprache und Thematik jedoch der Zeit Musils
gemäß sind, der mit seinem ausgeprägten
Differenzierungsvermögen einer der großen deutschen Stilisten
war.
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