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Dürrenmatt, Friedrich: Die Physiker
Philip Germann <philip@bluewin.ch>
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis 1
Vorwort 2
Biographie 3 - 6
Zusammenfassung 7 - 9
Charakteristik Frl. Dr. Mathilde von Zahnd 10 -
11
Charakteristik Johann Wilhelm Möbius 12 -
14
Charakteristiken Herbert Georg Beutler und Ernst Heinrich
Ernesti 15 - 16
Interpretation 17 - 18
Literaturverzeichnis 19
Schlusswort 20
Vorwort
Ich habe dieses Buch gewählt, weil mich die Thematik
dieses Theaterstücks interessiert. Auch die Art und Weise, wie das Buch
geschrieben ist, sagt mir zu (,ist für mich
verständlich).
Diese Arbeit war zeitaufwendig und mühsam zu verfassen,
obwohl ich Sekundärliteratur gekauft habe, die ich aufmerksam
durchgearbeitet habe.
Ich hoffe, dass das Gehalt, die Formulierung und zuletzt
auch die Gestaltung dieser Arbeit, Ihnen zusagt.
Biographie
1921 Friedrich Dürrenmatt wurde am 5. Januar in
Konolfingen im Kanton Bern als Sohn eines Pfarrers geboren.
Sein Grossvater war der bekannte Dichter und Lokalpolitiker
Ulrich Dürrenmatt (1849-1908), Redakteur der “Berner
Volkszeitung” und (1902) Abgeordneter im Schweizer
Nationalrat.
Entwicklung Dürrenmatts Talents zum Malen und
Zeichnen.
1935 Uebersiedlung der Familie nach Bern.
Er besucht das Berner Freie Gymnasium, später das
Humboldtianum.
1941 Bestehen der Maturitätsprüfung. Studium der
Philosophie, Literatur- und Naturwissenschaften zunächst in Zürich,
nach einem Semester dann in Bern.
1943 Beginn der Schriftstellerischen
Arbeit.
Entstehung des Erstlingsdramas “Komödie”
und der Prosatexte “Weihnacht” und “Der Folterknecht”.
Die Erzählung “Der Alte” ist die erste Veröffentlichung
im Berner “Bund” (1945).
1946 Vom Winter 46-48 lebt Dürrenmatt in Basel.
Es entstehen die ersten Dramen “Es steht
geschrieben” 1946 und “Der Blinde” 1947 sowie das
Hörspiel “Der Doppelgänger” 1946. Uraufführungen der
Dramen am 19.04.47 im Schauspielhaus Zürich bzw. am 10.01.48 im
Stadttheter Basel.
Dürrenmatt heiratet die Schauspielerin Lotti Geissler.
Er verfasst drei Sketchs und ein Chanson für das Zürcher
“Cabaret Cornichon” und arbeitet Anfang der fünfziger Jahre
auch als Theaterkritiker für “Die Weltwoche”.
Die Anfangsjahre des freien Schriftstellers stehen im
Zeichen wirtschaftlicher Unsicherheit.
1948 Durch Hörspielaufträge des deutschen
Rundfunks bringt er sich über die Runden.
1951 entsteht die wichtige Erzählung “Der
Tunnel”.
Ab dem 15.12.50 erscheint im “Schweizer
Beobachter” der erste Detektivroman “Der Richter und sein
Henker” in Fortsetzungen. Er und sein Schwesterwerk “Der
Verdacht” (1951) werden später in preiswerten Taschenbuchausgaben
publiziert und sichern dem Autor einen grossen Leserkreis.
1952 Umzug ins eigene Haus in
Neuchâtel.
Am 26.03 Uraufführung der Komödie “Die Ehe
des Herrn Mississippi”, die sich bereits mit der für Dürrenmatt
spezifischen Problematik von Recht und Gerechtigkeit im grösseren Rahmen
einer Konfrontation westlicher und östlicher Ideologien auseinander setzt.
Für das spätere Werk entsscheidende Themen werden hier erstmals
konsequent durchgeführt. (Verfilmung 1961).
Das Hörspiel “Stranitzky und der
Nationalheld”, das er schreibt, ist der Ausdruck einer zunehmenden
politischen und gesellschaflichen Parteinahme.
1954 Literaturpreis der Stadt Bern; Regiearbeit im
Stadttheater Bern
1955 Der erste uneingeschränkte Welterfolg wird
“Der Besuch der alten Dame” (Uraufführung am 29.01.56 im
Schauspielhaus Zürich). Die Aufführungen in Bern (1959) - bei der der
Autor selbst Regie führt -, Milano (1960) und am New Yorker Broadway
(1958) werden, wie oft bei Stücken Dürrenmatts, zum Anlass
entscheidender Revisionen. Die unter dem Titel “The Vision” (1964)
mit Ingrid Bergmann und Anthony Quinn erschienene Filmversion (Regie Bernhard
Wicki) stellt eine Trivialisierung des Orginals dar.
1957 Hörspielpreis der Kriegsblinden
1958 Prix Italie; Literaturpreis der “Tribune de
Lausanne”
1959 Schillerpreis der Stadt Mannheim (Vortrag Friedrich
Schiller) und zahlreiche andere Ehrungen
1960 Grosser Preis der Schweizerischen
Schillerstiftung
1961 Entstehung der Komödie “Die
Physiker”
1962 Am 20.02. wird “Die Physiker” im
Schauspielhaus Zürich uraufgeführt und wird zum
Welterfolg.
1966 Die Jahre von 66-75 sind ausgedehnten Reisen
gewidmet.
1968 Im Herbst wird er von den Basler Bühnen als
künstlerischer Berater und Mitglied der Direktion
engagiert.
Grillparzer-Preis der österreichischen Akademie der
Wissenschaften
1969 “Grosser Literaturpreis” der Stadt Bern und
Ehrendoktorwürde der Temple University in Philadelphia.
Im Herbst zieht er sich aus der Direktion der Basler
Bühnen zurück.
1974 Ehrenmitgliedschaft der Ben-Gurion-Universität
Beerschewa
1977 Verleihung der
Buber-Rosenzweig-Medallie
Ehrendoktorate der Universitäten Nice und
Jerusalem
1979 Grosser Literaturpreis der Stadt Bern
Am 24.02. hält Dürrenmatt den Vortrag
“Albert Einstein” an der ETH Zürich, der im gleichen Jahr
veröffentlicht wird.
1980 Veröffentlichung der “Werkausgabe in
dreissig Bänden” anlässlich des 60. Geburtstags des
Autors
1981 Ehrendoktor der Universität
Neuchâtel
1983 Tod seiner Frau Lotti
1984 Oesterreichischer Staatspreis für
Literatur
Heirat mit der Münchner Schauspielerin und Regisseurin
Charlotte Kerr
1986 Büchner-Preis der Stadt Darmstadt
1990 Dürrenmatt stirbt am 14. Dezember in
Neuchâtel
Das Werk ist keinesfalls autobiographisch.
Dies untermauert Dürrenmatts Aussage.
(Zitat: Reclam S.69: Friedrich
Dürrenmatt):
“Es ist immer wieder von irgend jemandem versucht
worden, sein eigenes Leben zu beschreiben. Ich halte das Unterfangen für
unmöglich, wenn auch für verständlich. Je älter man wird,
desto stärker wird der Wunsch, Bilanz zu ziehen. Der Tod rückt
näher, das Leben verflüchtigt sich. Indem es sich verflüchtigt,
will man es gestalten; indem man es gestaltet, verfälscht man es: So kommen
die falschen Bilanzen zustande, die wir Lebensbeschreibung nennen, manchmal
grosse Dichtungen - die Weltliteratur beweist es -, leider oft für bare
statt für kostbare Münze genommen.
Was nun mein Leben betrifft, so halte ich, es näher zu
beschreiben, auch noch aus einem anderen Grunde für überflüssig.
Gemessen am Schicksal von Millionen und Abermillionen, die lebten, leben,
während ich lebe, und noch leben werden, wenn ich nicht mehr lebe, kommt
mir mein Leben so privilegiert vor, dass ich mich schäme, es auch noch
schriftstellerisch zu verklären.”
Es bestehen lediglich biographische Einflüsse, im
Zusammenhang mit Thema, Stoff und Motivation, die die Ausarbeitung des Werks
beeinflusst haben.
Zusammenfassung
Das Theaterstück spielt sich irgendwo in der Schweiz in
dem privaten Sanatorium “Les Cerisiers”, das von Fräulein
Doktor Mathilde von Zahnd geführt wird, ab; genauer genommen im Salon einer
etwas verlotterten Villa. In ihr waren einst sämtliche Patienten, die
ganze, geistig verwirrte Elite untergebracht. Doch nun halten sich nun nur noch
die drei Physiker Möbius, Einstein und Newton darin auf.
Dies darum, weil Fräulein Doktor erstens beisammen
lässt, was zusammengehört und zweitens, weil die restlichen Patienten
in den Neubau übergesiedelt wurden, als der erste Unglücksfall
geschah. Newton hatte nämlich seinerzeit Schwester Dorothea Moser, die
Ringerin, mit einer Vorhangkordel erdrosselt.
Kriminalinspektor Richard Voss ermittelt in der Anstalt
aufgrund eines neuen Mordfalles, der sich drei Monate nach dem ersten Vorfall
ereignete. Einstein erdrosselte die Schwester Irene Straub aus Kohlwang, die
Landesmeisterin des nationalen Judoverbandes, mit der Schnur einer
Stehlampe.
Einstein geigt auf seinem Zimmer, um sich zu beruhigen,
während in Fräulein Doktor auf dem Klavier begleitet. Da er aber unter
Geisteskrankheit leidet, ist er unzurechnungsfähig und wird darum nicht
verhört.
Der Inspektor berichtet Fräulein Doktor, dass der
Staatsanwalt tobt und nun kategorisch Pfleger für ihre Physiker verlangt.
Sie erklärt sich einverstanden und Herr Voss zieht ab.
Nachdem der Inspektor verschwunden ist, erscheint Frau Rose
mit ihrem Mann und ihren Kindern. Sie ist die ehemalige Frau von Johann Wilhelm
Möbius, dem dritten Physiker. Frau Rose hat den Missionar Rose geheiratet
und will sich nun von Möbius verabschieden. Sie erkundigt sich nach dem
Befinden und fragt ihn, ob ihm König Salomo noch immer erscheine.
Möbius kann sich nur schwach an seine Kinder erinnern und beginnt den Irren
zu spielen. Er schüchtert seine Familie ein und jagt sie mit wüsten
Beschimpfungen aus dem Raum.
Schwester Monika Stettler (fünfundzwanzig Jahre alt;
aus Blumenstein) beruhigt Möbius und erklärt ihm, dass sie von
Pflegern abgelöst wird und sie nun voneinander für immer Abschied
nehmen müssen. Er umschreibt ihr, wie sehr er sie mag. (Zitat: “Die
Physiker”; S.45 m): “Doch sie sollen wissen, dass für mich
alles anders geworden ist, seit ich Sie kenne. Erträglicher. Nun, auch
diese Zeit ist vorüber. Zwei Jahre, in denen ich etwas glücklicher war
als sonst, weil ich durch Sie, Schwester Monika, den Mut gefunden habe, meine
Abgeschlossenheit und mein Schicksal als - Verrückter - auf mich zu
nehmen.”
Sie hält ihn jedoch nicht für verrückt und
glaubt daran, dass ihm der König Salomo erscheint. Er ist erzürnt und
befiehlt ihr, sie solle verschwinden. Sie bleibt aber und offenbart ihm, sie
liebe ihn. Sie glaubt an die Richtigkeit seiner Manuskripte, ermutigt ihn, mit
seinen Erfindungen an die Oeffentlichkeit zu treten und will mit ihm in
Freiheit, abseits der Anstalt, ein “bürgerliches” Leben
führen. Er meint dazu nur (Zitat: “Die Physiker” S.51 o):
“Mut ist in meinem Falle ein Verbrechen.” Er will verkannt bleiben.
Aus diesem Grund ist er gezwungen, Schwester Monika zu
erdrosseln.
Inspektor Voss erscheint erneut, um Untersuchungen im neuen
Mord, durchzuführen. Diesmal nimmt er den Fall eher gelassen. (Zitat:
“Die Physiker” S.55 m): “Fräulein Doktor von Zahnd. Ich
tue meine Pflicht, nehme Protokoll, besichtige die Leiche, lasse sie
photographieren und durch unseren Gerichtsmediziner begutachten, aber
Möbius besichtige ich nicht. Den überlasse ich Ihnen. Endgültig.
Mit den andern radioaktiven Physikern.” Es erfreut ihn sogar, dass er in
diesen Fällen für einmal die Mörder nicht überführen
muss, da das Recht bei diesen Geisteskranken scheinbar ausser acht gelassen
wird. (Zitat: “Die Physiker” S.60): “Ich könnte jubeln.
Ich habe drei Mörder gefunden, die ich mit gutem Gewissen nicht zu
verhaften brauche. Die Gerechtigkeit macht zum ersten Mal Ferien, ein immenses
Gefühl.”
Die Pfleger erscheinen und servieren das Abendbrot. Alle
drei sind riesenhafte Boxer. Der Inspektor scheint zufrieden zu sein.(Zitat:
“Die Physiker” S.57 u): “Neidisch. Wenn wir die bei der
Polizei hätten - .”
Jetzt geschieht eine überaschende, dramatische und
entscheidende Wende im Theaterstück. Es stellt sich heraus, dass keiner der
drei Physiker wirklich geistig krank sind. Die drei Schwestern wurden nicht der
Liebe wegen (bzw. wegen der Geisteskrankheit) ermordet, sondern sie brachten in
Erfahrung, dass Newton und Einstein in Tat und Wahrheit Agenten verschiedener
Geheimdienste sind. Sie haben sich unter einem Decknamen als Nervenkranke in die
Anstalt eingeschlichen. Beide haben die Dissertation von Möbius, über
die Grundlagen einer neuen Physik gelesen und halten ihn schlicht für den
genialsten Physiker ihrer Zeit. Ihm gelang es nämlich die Gravitationslehre
und die Feldtheorie zu definieren und das System aller möglicher
Erfindungen aufzustellen. Newton bedroht ihn mit einer Pistole und versucht ihn,
mit den unterschiedlichsten Argumenten zu zwingen, seine Arbeit
herauszurücken. (Zitat: “Die Physiker” S.68 u) Newton:
“Ihre persönlichen Gefühle in Ehren, aber Sie sind ein Genie und
als solches Allgemeingut. Sie drangen in neue Gebiete der Physik vor. Aber Sie
haben die Wissenschaft nicht gepachtet. Sie haben die Pflicht, die Türe
auch uns aufzuschliessen, den Nicht-Genialen. Kommen Sie mit mir, in einem Jahr
stecken wir Sie in einen Frack, transportieren Sie nach Stockholm, und Sie
erhalten den Nobelpreis.” Einstein erscheint ebenfalls mit einer Pistole.
Die beiden Agenten geraten in einen Streit und wollen sich
ein Duell liefern. Möbius aber hat die Manuskripte, die Arbeit von
fünfzehn Jahren, verbrannt. Somit sind ihm die beiden Agenten ausgeliefert
und werden langsam wieder vernünftig. Er hält es zu gefährlich,
seine Erfindungen der Menschheit anzuvertrauen, denn die Generalstäbe der
jeweiligen Länder würden die Erfindungen (und ihn) zum Zweck der
Machtpolitik missbrauchen und ausnützen. (Zitat: “Die Physiker”
S.73 u) Möbius: “Es gibt Risiken, die man nie eingehen darf: der
Untergang der Menschheit ist ein solches. Was die Welt mit den Waffen anrichtet,
die sie schon besitzt, wissen wir, was sie mit jenen anrichten würde, die
ich ermögliche, können wir uns denken. Dieser Einsicht habe ich mein
Handeln untergeordnet.”
Newton und Einstein verstehen die Bedenken von Möbius
und er kann sie überzeugen mit ihm in der Klinik zu verweilen. (Zitat:
“Die Physiker” S.75) Möbius: “Nur hier im Irrenhaus sind
wir noch frei. Nur im Irrenhaus dürfen wir noch denken. In der Freiheit
sind unsere Gedanken Sprengstoff.”
Zum Höhepunkt kommt es, als die Irrenärztin mit
ihren drei Pflegern im Salon erscheint. Zur Überraschung der Physiker
spricht sie sie mit ihren richtigen Namen an. Aus ihrem Mund müssen die
Physiker erfahren, dass sie ihr Bündnis umsonst geschlossen haben. Seit
Jahren hat die Anstaltsleiterin alle Manuskripte von Möbius heimlich
fotokopiert. In einem mächtigen, von ihr geschaffenen Trust wird sie auch
das System aller möglichen Erfindungen für den Weg zur Weltherrschaft
ausnutzen. Dies alles geschehe im Auftrage des goldenen Königs Salomo, der
auch ihr erschienen sei. Es zeigt sich, daß die Irrenärztin selber
geisteskrank ist.
Die Lage der Physiker ist aussichtslos geworden. Sie
müssen, als gefährliche Geisteskranke zum Schweigen verurteilt, ihr
Dasein weiterhin im Irrenhaus fristen. In kurzen Schlußmonologen geben sie
ihrer tiefen Resignation Ausdruck.
Frl. Dr. Mathilde von Zahnd
Frl. Dr. H.c. Dr. Med. Mathilde von Zahnd ist
Gründerin, Eigentümerin und oberste Ärztin des Sanatoriums
“Les Cerisiers”. Frl. von Zahnd ist eine buckelige,
fünfundfünfzigjährige Jungfer und stammt ab von einer
machthabenden Familie, die zahlreiche namhafte Persönlichkeiten
hervorbrachte - wie den Vater (Wirtschaftsführer), den Onkel (Politiker)
oder den Generalfeldmarschall Leonidas von Zahnd – und deren letzter
nennenswerter Spross sie ist. Die letzten Lebenden der traditionsreichen
Familie, Tante Senta und Vetter Ulrich, verweilen in ihrer Klinik. Ein weiterer
Teil der alten Familie ist in ihrem Sanatorium gestorben. Frl. von Zahnd
beschreibt es sogar als medizinisches Wunder, dass sie für relativ normal
gilt, was ihren Geisteszustand betrifft. Ihr Vater hat sie gehasst und im
Gegenteil zu ihm bezeichnet sie sich als Philanthrop. (Zitat: “Die
Physiker” S.12): “Er hasste mich wie die Pest, er hasste
überhaupt alle Menschen”.
Hinsichtlich des Wirtschaftens stellt sich Fräulein von
Zahnd als sehr erfolgreich heraus, denn in ihrem Haus sind stets die
wohlhabendsten Funktionäre aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft
untergebracht. Medizinisch geniesst sie Weltruf.
Frl. Doktor Zahnd zeigt sich sehr sozial und freundlich. Im
Gespräch mit Frau Rose sichert sie die fortdauernde Unterkunft des Herrn
Möbius zu, als Antwort auf die Befürchtung, die Frau Rose plagte, ihr
ehemaliger Mann könnte in eine staatliche Heilanstalt verlegt
werden.
Sie charakterisiert sich auch selbst als menschlich (Zitat:
“Die Physiker” S.12): “Ich bin schließlich kein
Unmensch”. Dementgegen zeigt sich ihre später ins Bild tretende Sucht
nach Macht schon früh, und zwar gegenüber Herrn Inspektor, dem sie
klar macht, dass sie entscheidet, für wen sich ihre Patient
halten.
Auch ihren noch verbliebenen Verwandten gegenüber
lassen sich Zeichen strikter Bestimmtheit und Zielstrebigkeit ablesen. Die
Oberschwester berichtet ihr, dass Tante Senta unruhig ist, woraufhin
Fräulein Doktor von Zahnd skrupellos den Befehl zur Verdoppelung der Dosis
erteilt.
Ihren Patienten jedoch, bringt Frl. von Zahnd viel
Verständnis entgegen; auch der Mord von Einstein wird ihm nicht angelastet.
Sie ist verständnisvoll und lobt ihn für sein Geigenspiel.
Im zweiten Akt kippt der einst positive Eindruck jedoch und
wandelt sich schliesslich völlig ins Gegenteil.
Nach dem dritten Mord in ihrer angesehenen Klinik sitzt
Fräulein Zahnd düster und in sich versunken im Salon. Der
unnatürliche Tod der Schwester ist für sie noch nicht mal das
Schlimmste und scheint sie nicht sonderlich zu beunruhigen. Sie fürchtet
nur verzweifelt, dass ihr medizinischer Ruf nun dahin sei. Hier zeigt sich
erstmals, wie egoistisch sie denkt. Die zuerst menschlich wirkende Person
scheint immer unmenschlicher zu werden und zuvor positive Charakterzüge
wandeln sich ins Negative ab.
Das eigentliche Vorhaben zeigt sich erstmals deutlich, als
sie berichtet, dass die Morde der drei getöteten Schwestern Heldentode
gewesen seien. Denn sie hat die Schwestern für ihren Zweck als Opfer
missbraucht und darum sind sie aus ihrer Sicht Helden geworden. Sie bezeichnete
sie ironisch als Helden.
Die Wissenschaftler der Physik will sie ausnützen. Sie
sind nicht zum Vergnügen im Sanatorium, sondern um für sie tätig
zu werden.
Schon beim nächsten Zusammentreffen mit den Physikern
kommt ihr, bis dahin nicht komplett zu durchschauender, Charakter ans
Tageslicht.
Ganz gelähmt und verblüfft sind die Physiker erst,
als Frl. von Zahnd ihre Vision von Salomo verkündet. Die drei starren sie
entsetzt an.
Nun gibt die “irre” Ärztin zu, dass sie die
Morde einkalkuliert hat und verkündet ihren Plan von der Weltbeherrschung.
Ihre Rechnung ist aufgegangen. (Zitat: “Die Physiker” S.85):
“Nicht zugunsten der Welt, aber zugunsten einer alten, buckligen
Jungfrau”. Sie beschreibt: (Zitat: “Die Physiker” S.85):
“Mein Trust wird herrschen, die Länder, die Kontinente erobern, das
Sonnensystem ausbeuten, nach dem Andromedanebel fahren”.
Obwohl sie verrückt geworden ist, zeigt sie sich als
absolut ruhige und souveräne Figur, und das trotz der Dramatik der
Geschehnisse. (Zitat: “Die Physiker” S.84): “Fräulein
Doktor spricht alles still und fromm”. Sie ist sich ihrer Macht absolut
sicher und geniesst in ruhiger Weise den Triumph über die Physiker, die
Welt, das Universum. Sie bestimmt (Zitat: “Die Physiker” S.84):
“Ich aber übernehme seine (Salomos) Macht” und (Zitat:
“Die Physiker” S.85): “das Weltunternehmen
startet”.
Johann Wilhelm Möbius
Den Gegenpol zu Frl. von Zahnd bildet der Patient
Möbius, der gleichzeitig die zweite zentrale Person im Stück
darstellt.
Herr Möbius war bester Schüler des Physikers
Scherbert und Newton hält ihn für den größten (auch
genialsten) Physiker aller Zeiten.
Weitere Charakterzüge zeigen sich in seinem Lebenslauf,
den Frau Rose Frl. Doktor schildert. So lernte er Frau Rose als
fünfzehnjähriger Gymnasiast kennen, denn er zog in die
Mansardenwohnung des Vaters von Frau Rose. Er war bitter arm und ein Waisenbub,
beschreibt Frau Rose. Daß Herr Möbius schon immer ein ehrgeiziger und
zielstrebiger Mensch mit ernsten Vorsätzen war, zeigt sich in seiner
Bildungslaufbahn. Er machte das Abitur, das ihm Frau Rose finanzierte und
studierte im Anschluß Physik. Sie heirateten, als Herr Möbius zwanzig
Jahre alt war und das gegen den Willen des Elternhauses. Zielstrebig schrieb er
die Dissertation und schließlich stand eine Professur in Aussicht, da
wurde Johann Wilhelm krank.
Aus der Ehe mit Frau Rose gehen drei Kinder hervor. Herr
Möbius scheint in psychologischer Hinsicht lebenstauglich.
Die Auswanderung aus der Realität in das Irrenhaus ist
Folge seiner physikalischen Erkenntnisse. Er sieht sich gezwungen, sich selbst
als Verrückten auszugeben (er gibt vor, Salomo erscheine ihm), um die
Menschheit vor verheerenden Auswirkungen durch die von ihm entdeckte Weltformel
zu bewahren. (Zitat: “Die Physiker” S.69): “Es war meine
Pflicht, die Auswirkungen zu studieren, die meine Feldtheorie und meine
Gravitationslehre haben würden. Das Resultat ist verheerend. Neue,
unvorstellbare Energien würden freigesetzt und eine Technik
ermöglicht, die jeder Phantasie spottet, falls meine Untersuchungen in die
Hände der Menschen fiele.” Das Genie Möbius scheitert an seiner
strikten Rationalität und seinem Verantwortungsbewußtsein. Er scheint
Märtyrer für die Welt zu sein, ist es aber nicht, denn er
flüchtet, gibt für seine Flucht seine Familie auf, die ihn in langen
Qualen und Strapazen und steter Hilfe zum Erfolg führte, den er ablehnt. Er
selbst postuliert moralische Entscheidungen, widerlegt sie aber gleichzeitig
durch sein Handeln.
Zum erstenmal tritt er beim Abschied seiner Familie auf und
sorgt für einen kräftigen aber gespielten Tobsuchtsanfall, der seine
Familie geradezu vertreibt.
In diesem Moment gibt er sein eigentliches Leben völlig
auf, unterwirft sich seiner Erkenntnis und täuscht den Verrückten in
drastischer Manier vor. Die Aufgabe der Familie, die Ablehnung der Hilfe durch
seine Familie und schliesslich gar die Vertreibung der Angetrauten samt der
Kinder zeigt deutlich sein soziales Versagen. (Zitat: “Die Physiker”
S.42): “Packt euch fort! Schleunigst!” ruft er aus, um seine Familie
in die Flucht zu treiben, wünscht ihr sogar den Tod (Zitat: “Die
Physiker” S.43): “Ihr sollt verflucht sein! Ihr sollt mit den ganzen
Marianen im Marianengraben versaufen!”
Gesteigert wird sein Verhalten durch den Mord, den er am
Ende des ersten Aktes, zur Bewahrung der Erkenntnis, an Schwester Monika begeht.
Sie gesteht ihm ihre Liebe, verkündet ihm ihr Wissen über alles und
will ihn dazu bewegen, wieder in die Physik zurückzufinden. Um seine
Erkenntnis weiterhin zu verdecken, bringt Möbius Schwester Monika um, wie
es schon seine Kontrahenten mit den Schwestern taten.
Später rechtfertigt er den Mord an Schwester Monika
(Zitat: “Die Physiker” S.75): “Ich habe getötet, damit
nicht ein noch schrecklicheres Morden anhebe.” Er schiebt die Schuld sogar
auf Schwester Monika (Zitat: “Die Physiker” S.75): “Sie
begriff nicht, dass es heute die Pflicht eines Genies ist, verkannt zu
bleiben.”
Die völlige Sicherheit zur Bewahrung der Erkenntnis
sollte allerdings der Selbstmord des Herrn Möbius sein, den er aber nicht
begeht. Sein Leben verspielte er schon zu dem Zeitpunkt, zu dem er ins Irrenhaus
flüchtete und seine Familie aufgab.
Seine Qual wurde aber nicht beendet; ständig lebte er
mit der schwerwiegenden Verantwortung, die Weltformel entdeckt zu haben. Ein
Selbstmord hätte sicherlich andere Morde erspart und sein Leiden beendet.
Dennoch verzichtet er darauf und scheitert später, als Frl. Doktor die
Weltmacht durch seine Weltformel erlangt. Er beschreibt selbst (Zitat:
“Die Physiker” S.74): “Es gibt für uns Physiker nur noch
die Kapitulation vor der Wirklichkeit”, was sich am Ende in doppelter
Hinsicht zeigen sollte. Einerseits kapituliert er vor der Erkenntnis,
andererseits kapituliert er generell, da die Wirklichkeit nicht aufzuhalten ist,
die Weltformel doch die Welt erreichte und Verheerendes anrichtet in den
Händen einer “irren” Irrenärztin.
(Zitat: Berger Thomas):
Möbius ist ein unmoralischer Idealist. Seine
vorgebliche Geisteskrankheit definiert sich über die Inanspruchnahme einer
Symbolfigur für menschliche Weisheit, des Königs
Salomo.
Trotz des Geniegeistes und den vergeblichen Versuchen, die
Menschheit zu bewahren, sei es durch die Flucht ins Irrenhaus oder durch die
Überzeugungsarbeit, die er an den beiden Physikern Einstein und Newton
versucht und auch durchsetzt, scheitert Möbius am Ende. Sein Spiel, der
Menschheit einen Verrückten vorzuspielen, war von Anfang an durchschaut,
die Realität holte ihn ein.
Newton und Einstein
Der Physiker Alec Jasper Kilton wohnt unter dem Falschnamen
Herbert Georg Beutler im Irrenhaus “Les Cerisiers” und spielt einen
Verückten vor, der sich für Newton hält. Ebenso sein Gegenspieler
Joseph Eisler, der unter dem Namen Ernst Heinrich Ernesti in das Sanatorium kam
und sich angeblich für Einstein hält. Beide sind in Wirklichkeit
jedoch Geheimagenten rivalisierender Mächte. Einstein ist Agent des Ostens,
sein Widersacher Newton Geheimagent des Westens. Die beiden Agenten der
unterschiedlichen Gesellschaftssysteme haben das gleiche Ziel, nämlich die
Beschaffung der Weltformel, damit diese den unterschiedlichen Systemen (West /
Ost) nutzbar gemacht werden kann.
Beide lernt der Zuschauer zuerst als Irre kennen, die sich
für die genialen Physiker Newton und Einstein halten. Newton allerdings
gibt im Gespräch mit dem Inspektor zu, gar nicht Newton zu sein, sondern in
Wirklichkeit Einstein. Er berichtet dem Inspektor, daß er nur vorgebe,
Newton zu sein, um den verrückten Herrn Ernesti (alias Einstein) nicht zu
beunruhigen. (Zitat: “Die Physiker” S.21): “Wenn Ernesti nun
erführe, daß ich in Wirklichkeit Albert Einstein bin, wäre der
Teufel los.”
Im Verlauf des Dramas wird aber deutlich, wer sie wirklich
sind. Beide haben eine Krankenschwester umgebracht, wie es auch Möbius tat,
um sich vor der Entlarvung zu schützen. Durch den sinnlos scheinenden Mord
an den Schwestern wird ihre angebliche Verrücktheit aber bekräftigt,
ihr Aufenthalt legitimiert. So mußte Newton seine Krankheit durch einen
Mord endgültig beweisen.
Nachdem sich das Sanatorium in ein Gefängnis verwandelt
hatte, scheint es für Newton endlich dringlich geworden zu sein, mit
Möbius zu reden. (Zitat: “Die Physiker” S.62): “Ich will
nämlich hinaus”, gesteht er Möbius und berichtet ihm folgend,
wer er wirklich ist, nämlich Kilton, der Begründer der
Entsprechungslehre und gleichzeitig Geheimagent. Einstein kommt den beiden bzw.
Newton zum gleichen Zeitpunkt auf die Schliche und schaltet sich sofort ein.
Auch er gibt zu, Mitglied eines Geheimdienstes zu sein und ist der Entdecker des
Eisler-Effekts.
Newtons Einstellung zur Wissenschaft und Verantwortung zeigt
sich deutlich im Zwiegespräch mit Möbius (Zitat: “Die
Physiker” S.70): “Es geht um die Freiheit unserer Wissenschaft und
um nichts weiter. Wir haben Pionierarbeit zu leisten und nichts außerdem.
Ob die Menschheit den Weg zu gehen versteht, den wir ihr bahnen, ist ihre Sache,
nicht die unsrige.”
Er legt die Verantwortung über die Wissenschaft ab.
Dies ist Aufgabe des Menschen. Newton plädiert für freies Forschen und
Lehren und verfolgt vordergründig das Ziel einer freien Wissenschaft,
obgleich er sich auch bewußt ist, daß er für die westliche
Macht einen ungeheuren Dienst leistet. Daraufhin meint Einstein, Newton sei ein
jämmerlicher Ästhet.
Einstein selbst geht es vordergründig um die mit der
Wissenschaft verbundene Macht. (Zitat: “Die Physiker” S.72):
“Sie dagegen, Eisler, verpflichten die Physik im Namen der Verantwortung
der Machtpolitik eines bestimmten Landes.”
Letztlich müssen beide Physiker – wenn auch mit
anderem Wissenschaftsverständnis – Möbius gegenüber ihre
Unfreiheit im Bezug auf die Machtpolitik zugeben. Beide berufen sich auf die
“Landesverteidigung”. Diese bedingt also den Wunsch nach Besitz der
Weltformel, um die Selbstverteidigung (Landesverteidigung) einerseits und den
Ausbau der Macht andererseits sicherzustellen. Der Besitz der Weltformel
würde dem jeweiligen Gesellschaftssystem bzw. dem jeweiligen Staat die
absolute Macht auf Erden verheissen.
Schliesslich jedoch kann Möbius die beiden
Agentenphysiker überzeugen, ihren Plan fallenzulassen und gemeinsam mit ihm
in Unfreiheit für die Freiheit der Menschheit zu leben. Er plädiert an
ihre Vernunft, dass eine solche Weltformel nicht Vorteile bringe, sondern den
Untergang der Menschheit.
Zuletzt gedenken die beiden Physiker zusammen mit
Möbius der verstorbenen Schwestern in einer sentimentalen Minute. (Zitat:
“Die Physiker” S.77): “Auf unsere Krankenschwestern”
rufen sie, bevor sie auf jene anstoßen.
Um sich selbst nicht zu verraten (gegenüber Frl. Doktor
beispielsweise) fahren sie mit dem Verrücktsein fort; mit gutem Gewissen,
die Menschheit gerettet zu haben, was sich aber als Falsch herausstellt.
Auch sie scheitern wie Möbius an Frl. Doktor von Zahnd.
Haben sie doch weder die Weltformel für sich nutzbar machen können,
noch die Menschheit gerettet.
Interpretation
Der von Dürrenmatt zur Übergabe des
Schillerpreises 1959 in Mannheim gegebene Kommentar zur Aufgabenverteilung des
Einzelnen und des Staates, wird in dem Text "Die Verantwortung der Physiker",
von Oskar Keller, in den Interpretationen zum Deutschunterricht "Die Physiker",
1970 in München erschienen, folgend präsentiert.
In der Aussage von Dürrenmatt, wird die Frage
aufgeworfen, wann man seine Bedürfnisse und Ansichten dem Staat unterordnet
und wann man ihm widersprechen muss. Das eigentliche Problem, welches er in
dieser Frage sieht, ist die Tatsache, dass der Einzelne in der heutigen Welt
nicht mehr die Macht und Möglichkeiten besitzt, seinen Willen gegen die
Allgemeinheit durchzu- setzen. In der Realität sieht er nur noch das
Resignieren. Dieses stellt sich in Form einer handlungsunfähigen Ohnmacht
dar, das Gefühl übergangen worden zu sein.
(Den einzigen Ausweg aus diesen Umstand sieht er in der
Tatsache, dass jeder einzelne in der Menge untergeht und somit die
Möglichkeit besitzt, entschlossen und tapfer das Seine zu tun, um die
schlimmst mögliche Wendung abzuwehren.)
Dieses Problem auf den Physiker Möbius übertragen,
ergibt eine sinnvolle Theorie. Ihm musste klar geworden sein, dass der Staat als
Kontrollorgan über seine Theorien nicht in der Lage sein würde, sie
vor einem Missbrauch zu schützen. Ferner ist er wahrscheinlich davon
überzeugt, dass gerade der Staat sich dieses als Waffe zu Nutzen macht. Da
er das folgende Elend, welches auf seiner Erfindung ruht, mit seinem Gewissen
wahrscheinlich nicht vereinbaren kann, ist die einzig logische Schlussfolgerung,
dass er die Theorien unter seiner eigenen Aufsicht, ohne den möglichen
Zugriff einer weiteren Person, entwickelt, um dann zu entscheiden, wofür
diese benutzt werden. Falls dabei ein zu grosses Risiko eintreten würde, so
hätte er die Möglichkeit seine Entdeckung zu verschweigen und ein
eventuell entstehendes Leid zu verhindern. Doch der einzig mögliche Weg um
solch eine Bedingung zu gewährleisten, ist unterzutauchen. Dies Problem hat
er dadurch gelöst, daß er vorgibt, verrückt zu sein. Dadurch
hofft er wahrscheinlich, dass seine bisherigen Arbeiten als eine Spinnerei eines
irren Menschen nicht ernst genommen werden.
In der Irrenanstalt, versucht er jede gefühlsbetonte
Beziehung zu unterbinden, was ihm die benötigte Anonymität
gewährleistet, um nicht erpressbar zu sein.
Der Einfall von Möbius sich in eine Irrenanstalt zu
begeben scheint im ersten Moment der einzig richtige zu sein. Wie wir anhand des
Buches "Die Physiker" von Dürrenmatt sehen, kann dieses auch durch
Zufälle vereitelt werden. Ebenso ist eine genaue Planung, wie z.B. das
Verwischen von Spuren notwendig. Möbius hat verpasst, seine Dissertationen
zu vernichten und für niemanden zugänglich zu machen. Bei diesen
Versuch wäre er vielleicht auf einen der beiden anderen Physiker Alec
Jasper Kilton oder Joseph Eisler gestossen. Bei dieser Gelegenheit hätte er
durch eine falsche These die Hoffnungen der beiden vernichten können und
wäre somit für keinen der später beteiligten Parteien interessant
geworden. In dieser Ruhe lebend, jederzeit bereit für die Geheimhaltung
seiner Thesen einzustehen, hätte er ein glückliches Leben im Kreise
seiner Familie führen können. Dadurch wären Mittel wie der Mord
an der Oberschwester überflüssig gewesen.
Aber auch der von mir angegebene Weg der Vertuschung kann
nicht für sich in Anspruch nehmen, vom Zufall unabhängig zu sein.
Dadurch stellt sich die allgemeine Frage, ob eine einzelne Person dazu
überhaupt in der Lage ist? Das kann man am oben genannten Beispielen
verneinen. Dennoch vertrete ich die Meinung, dass Möbius, wenn er auch
seinen Plan etwas lückenhaft durchführte, er doch den richtigen Weg
gegangen ist. An diesem Beispiel gesehen, hätte jeder Staat mit Sicherheit
seine Theorien dazu benutzt, um primär Vorteile vor anderen zu haben und
nicht wie von Möbius beabsichtigt, das Leid der Bevölkerung zu
lindern.
Das ist im Grunde genommen legitim, denn der Staat hat auch
die Aufgabe für die Sicherheit seiner Bürger zu sorgen, was er in
diesem Fall durch die Vormachtstellung gesichert hätte. Doch die
Möglichkeit eines Missbrauches z.B. durch einen machtbesessenen Kleinstaat
ist ein zu hohes Risiko um dieses einzugehen.
Literaturverzeichnis
Primärliteratur:
- Friedrich Dürrenmatt: “Die Physiker”
(Diogenes Verlag)
Sekundärliteratur:
- Alexander Ritter: Erläuterungen und Dokumente:
(Reclam)
- Oskar Keller: Interpretationen mit Unterrichtshilfen:
(Oldenbourg)
- Gerhard P. Knapp: Grundlagen und Gedanken:
(Disterweg)
- diverse Internet-Seiten
Schlusswort
Die verschiedenen Personen handeln im Stück
unterschiedlich und zwar aus differierenden Beweggründen. Hinter den
einzelnen Beweggründen verbergen sich auch unterschiedliche Ansichten
bezüglich Wissenschaft, Verantwortung, Weltbild, Macht und Politik.
Letztlich kommt es im Drama zum Eklat konträrer
Weltanschauungen und Verantwortungsbegriffen.
Diese Problematik, der Verantwortung der Wissenschaft, ist
auch heute noch hoch aktuell, da ein jeder sich sicher schon darüber den
Kopf zerbrochen hat, wo uns die zukünftige Entwicklung
hinführt.
Denn nicht nur die (Kern-)Physik, um die es in diesem Werk
geht, birgt diese Probleme, sondern auch in den Naturwissenschaften sind wir an
diesen Punkt angelangt, wo wir auf Fragen der ethischen Verantwortung
gegenüber der Natur treffen. Ein solcher Streitfall sind sicherlich die
GEN-Versuche.
So kommt es zur Auseinanderseztung von der Kirche, Theologen
und Wissenschaflern.
Daraus ziehe ich den Schluss, dass es für eine einzelne
Person schwierig, aber dennoch möglich, ist durch Ideen und Initiative
etwas in der Welt zu bewegen. Gleichfalls ist es als Einzelner fast
unmöglich, die Entwicklung in die richtige Richtung zu
lenken.
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