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Hesse, Hermann: Siddhartha - Eine indische Dichtun
Hermann Hesse
SIDDHARTHA
Eine indische
Dichtung
Literaturfacharbeit
von
TASCHNER
Michael
Vb
1998/99INHALTSVERZEICHNIS
1 Einleitung
1.1 Biographie des Autors 1
1.2 Entstehung und historische Bedingungen des Textes 2
1.3 Thema des Textes 3
2 Hauptteil
2.1 Wiedergabe des Inhalts 3
2.2 Analyse der Form 5
2.3 Analyse der Sprache 5
2.4 Analyse des Inhalts 6
2.5 Deutung des Werkes 8
2.6 Das Indienbild von Hermann Hesse 9
3 Schlußteil
3.1 Die weltweite Wirkung von Hesses Werken 10
3.2 Persönliche Meinung über “Siddhartha” 11
Literaturverzeichnis 12
1. EINLEITUNG
1.1. Biographie des
Autors
Hermann Hesse wurde am 2. 7. 1877 in Calw
(Württemberg) als Sohn des deutsch-baltischem Missionspredigers Johannes
Hesse und der schwäbisch-schweizerischen Missionarstochter Marie Hesse
geboren. 1890 besuchte er die Lateinschule in Göppingen, legte 1891 das
“Landexamen” ab, entzog sich aber schon im nächsten Jahr der
theologischen Laufbahn durch die Flucht aus dem Evangelisch-theologischen
Seminar im ehemaligen Kloster Maulbronn.
Der Aufenthalt in verschiedenen Sanatorien löste
eine harte Auseinandersetzung mit dem pietistischen Elternhaus aus, die 1892 mit
einem Nervenzusammenbruch und einem Selbstmordversuch endete.
1893 legte er seine Mittlere Reife ab und arbeitete bis
1903 als Gehilfe seines Vaters. In dieser Zeit schrieb er erste Werke,
“Romantische Lieder”, doch erst nach dem Erfolg seines ersten
Buches “Peter Camenzind” beendete er seine Lehre und
zog sich als freier Schriftsteller nach Gaienhofen zurück.
1904 heiratete Hesse die Fotografin Maria Bernoulli und
schrieb das Werk “Unterm Rad”, das jedoch erst 1906
veröffentlicht wurde. Ein weiteres Stück, welches während seiner
Zeit in Gaienhofen entstand, war
“Gertrud” 1910.
1911 unternahm er eine viermonatige Indienreise und
ließ sich von der neuen Kultur inspirieren. Die Philosophie und die
Religion des Landes veranlaßten ihn in der Zeit von 1919 bis 1922 zum
Schreiben seines Werks “Siddhartha”.
Weitere bekannte Stücke, die Hesse nach seiner
Indienreise schrieb, sind “Knulp”,
“Demian”, “Roßhalde” und
“Der Steppenwolf”. Sein wohl bedeutendstes Werk ist
jedoch ohne Zweifel das zeitkritisch-utopische Buch “Das
Glasperlenspiel”, das 1943 veröffentlicht. Am 10. 12. 1946
wurde er dafür auch mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet. 1955 folgte
der Friedenspreis des deutschen Buchhandels, und 7 Jahre später, am 9. 8.
1962, starb Hermann Hesse im Alter von 85 Jahren in Montagnola
1.2. Entstehung und historische Bedingungen
des Textes
Mit Vorstudien und ersten Notizen zu
“Siddhartha” begann Hesse im Dezember 1919. Der eigentliche Beginn
der Niederschrift ist jedoch im Februar 1920 anzusetzen. Im Januar 1921 wurde
der erste Teil fertig. Die Weiterarbeit dieser Dichtung stockte im August 1920
beim Kapitel “Am Flusse”. Mit Hilfe philosophischer Studien,
Meditationen, Yoga-Übungen und zahlreicher psychoanalytischer Sitzungen bei
Carl Gustav Jung bereitete sich Hesse auf die Vollendung seines Werkes vor. Im
März 1922 nahm er die Arbeit am Siddhartha-Manuskript wieder auf. Ende Mai
sandte er die Reinschrift seinem Verleger, und im Oktober erschien in dessen
Verlag die erste Buchausgabe.
“Siddhartha” ist das Ergebnis der
andauernden Auseinandersetzung Hesses mit der Philosophie und Religion Indiens,
die in seine Kindheit zurückreicht, sich fortsetzt in seiner Indienreise
von 1911 und in Gedichten, Betrachtungen sowie Erzählungen von dieser Reise
einen ersten literarischen Niederschlag findet.
Der Text verbindet legendäre Fragmente aus dem
Leben Buddhas mit fiktionalen Handlungselementen zu einem
psychologisch-religiösen Entwicklungsroman, der in Indien zur Zeit des
Religionsstifters Buddha spielt.
Nach seinen eigenen Worten versuchte Hesse in seiner
Dichtung
“[...] die alte asiatische lehre von der
göttlichen Einheit für unsere Zeit und in unserer Sprache zu erneuern,
und dabei das zu ergründen, was allen Konfessionen und allen menschlichen
Formen der Frömmigkeit gemeinsam
ist”[1]
1.3. Thema des Textes
Hesse erzählt den Lebensweg des Brahmanensohnes
Siddhartha, der sein Elternhaus verlässt, ein Suchender wird, und den
Lehren der Samanas und Buddhas begegnet. Durch eine Kurtisane und einen Kaufmann
kehrt er dann zu den “Kindermenschen” zurück, womit jene
gemeint sind, die sich am Leben erfreuen, und nicht die Erlösung
suchen.
Durch einen Traum findet er jedoch wieder auf den
rechten Weg zurück, und erreicht nach langem Suchen das Nirwana, indem er
sich über sämtliche Lehren hinwegsetzt und den Gegensatz zwischen
Leben und Geist überwindet.
Damit werden die Voraussetzungen geschaffen für
jene Überwindung des Ichs, in der Hesse die gemeinsame psychologische Basis
aller Weltreligionen und Weisheitslehren sah.
2. Hauptteil
2.1. Wiedergabe des
Inhalts
Der Brahmanensohn Siddhartha wird von seinem Vater
streng nach der alten Lehre erzogen, mit dem Ziel, die Erleuchtung zu finden. Er
erkennt aber, daß die traditionellen Lehren und Riten der Brahmanen ihn
nicht vom Wissen zum Erleben führen können. Daraufhin
verläßt er zusammen mit seinem Freund Govinda das Elternhaus und
schließt sich der Asketenschule der Samanas an, bei denen er lernt, alle
Bedürfnisse wie beispielsweise Hunger oder Durst nur mit Hilfe seines
Geistes zu überwinden.
Das Experiment scheitert aber, da Siddhartha erkennen
muß, daß Erleuchtung nicht das Resultat einer bloßen
Willensanstrengung ist. Enttäuscht ziehen die beiden Freunde weiter und
suchen den berühmten Buddha auf, dem Govinda sich anschließt.
Siddhartha zieht jedoch weiter, obwohl er den Erleuchteten bewundert. Dies
bringt er mit folgenden Worten zum Ausdruck:
“ Ich habe nicht einen Augenblick gezweifelt,
daß du Buddha bist, daß du das Ziel erreicht hast [...] Es ist dir
geworden aus deinem eigenen Suchen [...] Nicht ist es dir geworden aus Lehre!
Keinem wird Erlösung zuteil durch
Lehre.”[2]
Auf seinem weiteren Weg wird Siddhartha der Geliebte der
Kurtisane Kamala. Um ihre materiellen Wünsche zu befriedigen, tritt er in
die Dienste des Händlers Kamaswami und wird Kaufmann.
Mit der Zeit verliert er jegliche Würde und
verfällt der Raffgier, dem Glücksspiel und dem Alkohol. Auf dem
Höhepunkt dieser Selbstentfremdung verläßt er Kamala und will
sein Leben beenden. Gerade in dem Moment, als er sich in einen Fluß
stürzen will, hat einer eine eigenartige Vision, die einer Wiedergeburt
gleicht, und erkennt, daß er das Nirvana immer noch finden kann.
Er bleibt an dem Fluß, der ihm ein neues Leben
geschenkt hat und wird der Gehilfe des weisen Fährmannes Vasudeva. Nach
langen Jahren der Einsamkeit und der Meditationen meint Siddhartha
schließlich, das Wesen der Weisheit verstehen zu
können.
Als schließlich die alte Kamala zu ihm kommt, in
seinen Armen stirbt, und ihm ihren gemeinsamen Sohn zurückläßt,
muß Siddhartha erfahren, daß er seinem eigenen Kind die Weisheit
nicht lehren kann. Der Junge verläßt ihn, genauso wie Siddhartha
damals seinen eigenen Vater verlassen hat.
Als am Ende der ewige Sucher Govinda auftaucht, und
seinen Jugendfreund um seine Erfahrungen befragt, kann dieser ihm keine Antwort
geben. Erst als Govinda ihn küßt, erkennt er, daß Siddhartha
bereits das Nirwana erreicht hat.
2.2. Analyse der Form
Für sein Werk “Siddhartha”
wählte Hermann Hesse die Form des Romans, es ist also in Prosa
verfaßt. Das Stück ist in 12 Kapitel eingeteilt, wobei 4 auf den
ersten und 8 auf den zweiten Teil entfallen.
Beim Lesen fällt einem sofort das personelle
Erzählverhalten auf, das heißt, daß der Erzähler nicht zu
bemerken ist. Er stellt das Geschehen aus dem Blickwinkel einer handelnden
Person dar, einer sogenannten “Reflektorfigur”. Dadurch hat
der Leser den Eindruck, das Geschehen spiele sich unmittelbar vor seinen Augen
ab.
Von der Erzählform her ist zu sagen, daß das
Werk in der 3. Person Singular, also in der Er/Sie-Form geschrieben ist. Das
Gegenstück dazu wäre die Ich-Form, die 1. Person
Singular.
Einen Höhepunkt im Stück kann man von der Art
des Schreibens her nicht erkennen. Die Spannung ist zwar auf dem Gipfel, als
Siddhartha am Ende die Erleuchtung findet, formal jedoch läßt sich
kein Unterschied zu den anderen Teilen des Romans feststellen. Das ganze Werk
ist einheitlich geschrieben und weicht nicht ein einziges Mal von der
festgelegten Form ab. Zum Vergleich wird bei vielen anderen Erzählungen der
Höhepunkt beispielsweise durch einen Wechsel der Zeit herausgearbeitet.
Während die gesamte Geschichte meist im Präteritum geschrieben ist,
ist der Höhepunkt im Präsens verfaßt, um die Spannung zu
erhöhen.
2.3. Analyse der
Sprache
Hesse verwendet bei “Siddhartha”
großteils lange Sätze. Man findet kaum solche, die aus einem
Hauptsatz bestehen. Die meisten werden durch Beifügungen sehr lang. Es gibt
sogar einige, die neun Zeilen oder sogar mehr in Anspruch
nehmen.
Hinsichtlich des Wortgutes läßt sich schwer
entscheiden, ob es sich um einen nominalen oder um einen verbalen Stil handelt.
Beide Wortarten kommen sehr oft im Roman vor. Auffallend sind jedoch die vielen
Begriffe aus der indischen Religion, wie beispielsweise “Om”,
“Brahman”, “Atman” oder
“Atharva-Veda”. Man muß sich jedoch keineswegs
mit all diesen Fachwörtern auseinandersetzen, bevor man mit der
Lektüre des Werks beginnen kann. Die Handlung versteht man auch ohne
Spezialwissen problemlos.
2.4. Analyse des
Inhalts
Siddhartha spielt wie bereits gesagt in Indien und zwar
zur Zeit Buddhas. Daraus kann man folgern, daß es sich um den Zeitraum
zwischen 560 bis etwa 480 vor Christus handelt. Andere Hinweise gibt es nicht.
Jahreszahlen sucht man im gesamten Buch vergeblich, und es sind auch keine
anderen geschichtlichen Geschehnisse erwähnt, anhand welcher man sich
orientieren könnte.
Die erzählte Zeit stimmt wie in den meisten
Stücken nicht mit der Erzählzeit überein. Für die
Lektüre von “Siddhartha” benötigt man bei
gemütlichem Lesetempo maximal 6 Stunden. Man verfolgt jedoch das Leben
Siddharthas von seiner Jugend bis zum Punkt, an dem er das Nirwana erreicht. Es
gibt zwar keine Anhaltspunkte, wie alt er am Zeitpunkt seiner Erlösung ist,
trotzdem ist es absolut sicher, daß eine Zeitspanne von vielen Jahren
erzählt wird.
Für “Siddhartha” wählte
Hermann Hesse den realen Raum. Dieser ist so dargestellt, daß man ihn
für eine Beschreibung tatsächlich gegebener Örtlichkeiten
hält. Von ihm sind der surreale Raum und der ideale Raum, wie wir ihn von
Märchen kennen, zu unterscheiden.
Die wichtigsten Personen im Stück sind Siddhartha,
ein Brahmanensohn, sein Freund Govinda, der Kaufmann Kamaswami, die Kurtisane
Kamala und der Fährmann Vasudeva. Alle anderen, angefangen von den
bettelnden Samanas bis zu den Jüngern Gotamas, spielen nur
Nebenrollen.
Siddhartha, der immer selbständig handelt,
läßt sich von niemandem etwas aufzwingen. Er ist zwar seinem Vater
über gehorsam, setzt sich jedoch durch, als er die Familie verlassen will,
um ein Suchender zu werden. Auch von Gotama, dem Buddha, läßt er sich
nicht beeinflussen, obwohl er großen Respekt vor ihm hat.
Govinda ist eigentlich genau das Gegenteil. Er spielt
die Rolle des Mitläufers. Anfangs ahmt er Siddhartha bei Meditationen nach,
später folgt er dann dem berühmten Gotama. Im Stück wird Govinda
oft als Siddharthas Schatten bezeichnet.
Die Kurtisane Kamala verkörpert die Gier nach
Reichtum. Als Siddhartha von ihr die Kunst der Liebe lernen will, verlangt sie
von ihm, in die Dienste des Händlers Kamaswami zu treten, damit er sie
für ihre Dienste entlohnen kann. Somit ist sie der Auslöser
dafür, daß Siddhartha von seinem ursprünglichen Weg abkommt,
also von der Suche nach der Erlösung.
Der Kaufmann Kamaswami ist auch mehr an den weltlichen
Freuden interessiert, als an der Suche nach der Erleuchtung. Auch er trägt
seinen Teil dazu bei, daß der junge Suchende von seinem Ziel abgelenkt
wird. Anfangs macht sich Siddhartha keine Sorgen um die Geschäfte, die er
abschließt. Im Laufe der Zeit lernt er von Kamaswami jedoch das
kaufmännische Geschick, und seine Erträge werden immer wichtiger
für ihn.
Als er dann bemerkt, wie schlecht es um ihn steht, und
er sich umbringen will, ist Vasudeva der Retter in der Not. Der Fährmann
ist ein Weiser, von dem Siddhartha später glaubt, daß er das Nirwana
bereits erreicht hat. Genaue Auskünfte, ob er bereits ein Erleuchteter ist,
findet man im Werk jedoch nicht. Für Vasudeva spielt der Fluß eine
bedeutende Rolle auf der Suche nach dem Nirwana. Das erklärt er Siddhartha
mit folgenden Worten:
“[...] Das Zuhören hat mich der Fluß
gelehrt, von ihm wirst auch du es lernen. Er weiß alles, der Fluß,
alles kann man von ihm lernen. Sieh, auch das hast du schon vom Wasser gelernt,
daß es gut ist [...] zu sinken, die Tiefe zu
suchen”[3]
Das soziale Umfeld Siddharthas reicht also von den armen
Samanas, die nichts besitzen, bis zu den reichen Kaufleuten in der Stadt, die
mit Geld nur so um sich werfen, und sich allen weltlichen Genüssen
hingeben, wie zum Beispiel dem Glücksspiel, dem Alkohol und den Frauen.
Glücklich ist Siddhartha jedoch erst am bei Vasudeva, der eigentlich weder
arm noch reich ist. Er hat seine Hütte, seine Fähre und verdient sich
sein tägliches Brot, indem er Wanderer über den Fluß
bringt.
2. 5. Deutung des
Werkes
Im Werk spiegelt sich Hesses Verhältnis zum eigenen
Vater und dessen Religion wider. Der junge Siddhartha verläßt den
Vater, da er meint, die Traditionen, die ihm dieser übermittelt, wären
nicht zielführend.
Auch der junge Hermann hatte Probleme mit den
evangelischen Ansichten von Johannes Hesse. Mit 15 Jahren trat er aus dem
Evangelisch-theologischen Seminar aus, was dem Vater ganz und gar nicht gefiel.
Man sieht also, daß das Werk nicht einfach so niedergeschrieben wurde,
sondern daß es sich teilweise auf das eigene Leben Hermann Hesses
bezieht.
Im Stück behandelt der Autor meiner Meinung nach 2
Themen, die für den Erfolg des Suchenden Siddhartha, wie auch für alle
anderen Suchenden sämtlicher Religionen relevant sind.
Das erste ist der Besitz. Um zur Erleuchtung zu
gelangen, verzichtet der junge Siddhartha auf das mehr oder weniger wohlhabende
Elternhaus, da er glaubt, sich von jeglichem Reichtum lösen zu müssen,
um auf seiner Suche Erfolg zu haben. Bei den Samanas hat er absolut nichts. Bald
merkt er jedoch, daß auch der absolute Verzicht auf jegliche Art von
Wohlstand nicht sinnvoll ist. Bei dem Kaufmann Kamaswami in der Stadt wird er
reich, kommt jedoch zum Entschluß, daß auch dies nicht die
Lösung ist. Erst bei Vasudeva findet er Zufriedenheit.
Damit will uns Hesse verdeutlichen, daß man weder
Armut noch Reichtum die Voraussetzungen für den Seelenfrieden sind. Man
muß den Mittelweg suchen.
Weiters behandelt er das Thema der Traditionen und der
Lehren. Siddhartha wird vom Vater nach den alten Traditionen der Brahmanen
erzogen, verläßt ihn aber, da er erkennt, daß dies nicht der
richtige Weg ist. Auch mit den Lehren der Samanas und des Buddha Gotama kann er
wenig anfangen. Er setzt sich somit über alle Dogmen hinweg und sucht sich
seinen eigenen Weg.
Dies ist, wie ich finde, die wichtigste Mitteilung an
die Leser. Man darf nicht einfach glauben, daß all das, was die anderen
machen, richtig ist. Jeder sollte nachdenken, was der Seelenfrieden für ihn
persönlich bedeutet, und dann versuchen, dieses Ziel zu erreichen. Das gilt
nicht nur für Hinduismus, Buddhismus und die anderen fernöstlichen
Religionen, sondern auch für das Christentum, das Judentum,
usw.
2. 6. Das Indienbild von Hermann
Hesse
Hesse wählte nicht zufällig Indien als
Schauplatz für seinen Roman “Siddhartha”. Schon seit
seiner frühesten Kindheit spielte dieses Land eine bedeutende Rolle in
seinem Leben. Seine Mutter war dort geboren, sein Vater war dort lange als
Missionar tätig, sein Großvater mütterlicherseits hatte die
Länder Indiens bereist, ihre Sprachen gelernt, Wörterbücher und
Grammatiken herausgegeben und das Neue Testament ins Malayalam übersetzt.
Informationen über Indien gab es für den jungen Hesse in Form von
Erzählungen von Eltern, Großeltern und durchreisenden Missionaren,
die ihm bereits die Atmosphäre des Subkontinents spüren ließen.
In Siddhartha findet man beim Lesen einige Beziehungen
auf die fernöstlichen Religionen. Viele Namen enthalten versteckte oder
auch offensichtliche Hinweise auf indische Gottheiten.
Siddhartha ist beispielsweise der Name des Buddha.
Entsprechend der Sitte indischer Adelsgeschlechter, sich nach Sehern zu
benennen, führt er auch den Namen Gotama.
Kamala ist vermutlich eine Anspielung auch Kama, den
indischen Liebesgott. Auf ihn bezieht sich auch der Name Kamaswami. Der zweite
Teil des Namens, also “Swami” bedeutet soviel wie
“Meister, Besitzer”.
Warum Kamala von Hesse nach dem Liebesgott benannt
wurde, ist sicher jedem verständlich. Immerhin wurde Siddhartha von ihr in
die Liebeskunst eingeweiht. Bei Kamaswami war wahrscheinlich von Bedeutung,
daß Siddhartha ohne ihn nie zu Kamala hätte gehen können, da er
kein Geld für sie hatte. Kamaswami hatte den Suchenden also in der Hand, er
war in gewisser Weise sein “Meister”.
Vasudeva ist einer der Namen Krishnas. Dieser ist ein
mythischer indischer König, und wiederum die achte irdische
Erscheinungsform des Gottes Wischnu. Hier erkennt man abermals, daß
Vasudeva eine entscheidende Rolle im Stück spielt. Er trägt einen der
Namen des höchsten Gottes der hinduistischen Religion.
Es läßt sich also deutlich erkennen,
daß Hesse beim Schreiben des Stücks viele Informationen aus dem
Glauben einfließen ließ.
3. Schlußteil
3.1. Die weltweite Wirkung von Hesses
Werken
Die Werke, die Hermann Hesse verfaßt hat, sind bis
jetzt in fast jeden Winkel der Erde vorgedrungen. Seine Bücher sind in
viele Sprachen übersetzt worden, beispielsweise ins Arabische,
Aserbaidschanische, Baskische, Birmanesische, Bulgarische, Chinesische,
Dänische, Englische, Estnische, Finnische, Französische, Georgische,
Gebräische, in 15 indische Sprachen, ins Japanische, Katalanische,
Koreanische, Thailändische, Ukrainische und Vietnamesische. Dies sind nur
wenige der Übersetzungen, denn um alle aufzuzählen, würde ich
mehr als eine Seite benötigen.
Die Sprachen, in die man seine Stücke noch nicht
übersetzt hat sind nur die zahlreichen afrikanischen Sprachen, das
Albanische, das Mongolische, die Sprachen der Indianer und der Eskimos.
Mit “Siddhartha” gewann Hesse eine
ganz neue Gruppe von Lesern für sich, nämlich die Jugend. Nach der
ersten Buchausgabe wählten viele “Teenager”, wie man sie heute
nennt, Hermann Hesse zu ihrem Guru.
3. 2. Persönliche Meinung über
“Siddhartha”
Das Lesen des Stücks
“Siddhartha” ist keinesfalls besonders anstrengend. Durch die
leicht verständliche Art, in der Hesse diesen Roman verfaßt hat, wird
man bei der Lektüre regelrecht gefesselt.
Für die 113 Seiten, die das Werk umfaßt,
brauchte ich beispielsweise nur etwas mehr als 3 Stunden, obwohl ich mich
zweifellos als “lesefaul” bezeichnen würde. Das beweist,
daß “Siddhartha” auch für Menschen ohne viel Sinn
für gute Lektüre geeignet ist.
Es steht außer Frage, daß Hesse mit diesem
Roman ein Stück deutsche Literaturgeschichte geschrieben hat. Dafür
bürgen auch die hohen Auflagezahlen in zweistelliger Millionenhöhe und
die Tatsache, daß “Siddhartha” zu den meistgelesenen
Texten des 20. Jahrhunderts gehört.
3.2.1.1.1 Literaturverzeichnis
Hesse, Hermann: Siddhartha – Frankfurt am
Main: Suhrkamp Verlag 1981,
4 Sechzehnte Auflage
4.1 Kindlers Literatur Lexikon, Band 6 - Weinheim: Zweiburger Verlag 1984
4.2 Zmegac, Victor: Geschichte der deutschen Literatur vom 18. Jahrhundert
bis
4.3 zur Gegenwart – Königstein/Ts.: Athenäum Verlag 1980
4.3.1.1 Pochlatko, Herbert und Koweindl, Karl und Amon, Egon: Einführung in
die
Literatur des deutschen Sprachraumes von ihren
Anfängen bis zur
Gegenwart – Wien, Wilhelm Braumüller
Verlag 1986, neunte Auflage
[1] Kindlers Literatur Lexikon , Band 6
– Weinheim: Zweiburger Verlag 1984
[2] Hesse, Hermann: Siddhartha –
Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag 1981, Sechzehnte Auflage, S. 31
[3] Hesse, Hermann: Siddhartha –
Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag 1981, Sechzehnte Auflage, S. 86
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