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Frisch, Max: Homo Faber
Otto-von-Taube-
Gymnasium Gauting
Schuljahr 1996/97
Hausaufsatz aus dem
Deutschen
Thema:
Fabers Einstellung gegenüber Frauen
anhand des Romans
“Homo Faber” von Max
Frisch
Ina Sassen
Klasse 11b
Max Frisch wurde am 15.Mai 1911 in Zürich geboren; er zählt in
seiner Zeit zu den bedeutensten Schriftstellern für moderne Schweizer
Literatur. Vor allem schreibt er Romane (wie z.B.”Stiller”) und
Dramen (wie z.B.”Andorra”).1957 schreibt er den Roman “Homo
Faber”, der in Berichtform ein einschneidendes Erlebnis im Leben des
Technikers Walter Faber schildert. Walter Faber lernt auf einer Schiffsreise das
junge Mädchen Sabeth, seine Tochter, kennen.Er weiß jedoch nicht ,
daß sie seine Tochter ist und verliebt sich in sie. Auf der Reise, die sie
gemeinsam machen, erfährt er, daß die Sabeths Mutter seine
Jugendfreundin Hanna ist. Durch einen Unfall, der Sabeth das Leben kostet,
begegnet er Hanna und erfährt , daß er Sabeths Vater ist. Der Roman
endet im Krankenhaus kurz vor einer Operation, der sich Walter Faber wegen
häufiger Magenbeschwerden (Krebs!) unterziehen muß.
In diesem Hausaufsatz werde ich auf die Einstellung Walter Fabers zu
Frauen, anhand des Romans “Homo Faber”, eingehen.
Gliederung
1. Walter Fabers Einstellung zu Frauen im allgemeinen
2. Walter Fabers Einstellung
zu Ivy
3. Walter Fabers
Einstellung zu Sabeth
4. Walter Fabers
Einstellung zu Hanna
Walter Fabers Einstellung zu Frauen erscheint für die heutige Zeit
diskriminierend. Er sieht sie als schwaches Geschlecht an und behandelt sie oft
wie Objekte. Er hält “grundsätzlich”(S.7) nicht viel von
festen Beziehungen oder Heirat, weil Menschen für ihn “eine
Anstrengung”(S.92) sind, und er Gefühle als
“Ermüdungserscheinungen”(S.92) sieht. Dafür fühlt er
sich in Kontakt mit technischen Geräten umso wohler, da diese keine
Gefühle von ihm verlangen; diese brauchen nur technisches Verstehen. Er
äußert sich fast nur über die Gesamtheit der Frauen, wobei er
ihre Individualität vernachlässigt. So haben seiner Meinung nach
“Alle Frauen [...] einen Hang zum Aberglauben.”(S.142) und, weil er
sie nicht verstehen kann, sind sie ihm “unheimlich”(S.38).
Außerdem ist er überzeugt davon, jeder “wirkliche
Mann”(S.90) lebe in seiner Arbeit, er “schätze [sich]
glücklich , allein zu wohnen [...] [für ihn] der einzigmögliche
Zustand”(S.91). Sein Verhältnis zu Frauen wird durch ein Erlebnis in
seiner Kindheit geprägt, bei dem die Gattin seines Professors ihn
verführte. Er sagt über dieses Erlebnis, daß die Gattin ihm
“wie eine Irre [...] oder wie eine Hündin” (S.99) vorkam.
Überhaupt nennt er die Sexualität als solche des öfteren
“absurd” (S.93 u. S.99) .Fabers Beziehung zu Ivy spiegelt seine
allgemeine Einstellung gegenüber Frauen am besten wider. Er fühlt sich
von ihr “bedrängt” (S.15) und er setzt den Namen Ivy mit
“Efeu”(S.91) gleich, um damit zu bekräftigen, daß er
Frauen als etwas Unselbständiges empfindet, die etwas Festes brauchen um
wachsen zu können. Außerdem fühlt er sich von Ivy
“bedrängt”(S.15), erdrückt und gefesselt.
Auch mit ihren eigentlichen Interessen beschäftigt er sich kaum: er
weiß “wenig von Ivy”(S.64), obwohl die beiden schon
längere Zeit befreundet sind. Die Tatsache,daß Faber sich von Ivy
verführen läßt, obwohl er das gar nicht will, beängstigt
ihn,da dies nicht seinem “Typ, der mit beiden Beinen auf der Erde
steht” entspricht. Als Faber sich von Ivy getrennt hat, fühlt er sich
frei, bereit, “ein neues Leben zu beginnen” (S.64) und sehr
erleichtert, als das Schiff abgelegt und sich “die schweren Taue
lös[t]en” (S.68).
Auf dieser Schiffsreise lernt er Sabeth, seine Tochter kennen, welche
für ihn auf einer höheren Stufe steht als Ivy.
Sabeths Kleidung (“schwarze Cowboy-Hosen [...] ,schwarzer Pullover
mit Rollkragen, [...] Espandrilles” (S.70) ) läßt Faber auf das
typische Verhalten von Jugendlichen schließen: unkompliziert,
wissbegierig, ”nicht dumm” (S.74) und erlebnishungrig. Sabeth
beeinflußt seine Einstellung gegenüber Frauen stark. Faber sagt zwar,
er sei “nicht verliebt” (S.73), und es sei nur eine “harmlose
Reisebekanntschaft” (S.81), andererseits zeigt er sehr genau, daß er
eifersüchtig ist: “ [...] seine Flirterei mit dem jungen
Mädchen, das nicht seinetwegen an unseren Tisch gekommen ist, seine Hand,
die er auf ihren Arm legt, dann auf ihre Schulter, dann wieder auf ihren Arm,
seine fleischige Hand. Wozu faßt er das Mädchen immer an!”
(S.77).
Aber auch Sabeth gegenüber zeigt Faber seine männliche
Überlegenheit und spielt ihr gegenüber den Lehrer,hält ihr
Vorträge über “Kybernetik” (S.74) “Aquaedukte”
(S.119) und über die “Kommunizierende Röhren”(S.119).
Außerdem fühlt er sich als Mann bestätigt und ist stolz darauf,
in seinem Alter (50) ein Mädchen von 20 Jahren auf einer Reise begleiten zu
können. Sie sind beide zufrieden : “ich kann nur sagen, daß ich
glücklich gewesen bin, weil das Mädchen, [...] glücklich gewesen
ist trotz Altersunterschied”(S.107). Mit Sabeth fängt er auch an die
Natur, die er sonst nur als solches sieht, “daß ich mir aus
Landschaften nichts mache”(S.24) “sie sehen aus, wie die gezackten
Rücken von urweltlichen Tieren, aber ich weiß: Es sind Felsen,
Gestein, wahrscheinlich vulkanisch, das müßte man nachsehen und
feststellen.”(S.24), wahrzunehmen und auf sich wirken zulassen:”im
Mondlicht weiß wie Gips”(S.150) “In der Ferne das Meer: wie
Zinkblech! Finde ich,”(S.151). Es fällt Faber leichter seine
Gefühle zu verstehen und auszudrücken. “Das Mädchen gefiel
mir, [...], jedesmal aufs neue”(S.112). Obwohl er mittlerweile weiß,
daß die Mutter von Sabeth seine Jugenliebe Hanna ist, glaubt er trotz
seiner gewissenhaften Rechnung nicht, daß Sabeth seine Tochter sein
könnte:“ Ich rechnete im stillen [...] pausenlos, bis die Rechnung
aufging, wie ich sie wollte: Sie konnte nur das Kind von Joachim sein ! [...]
ich legte mir die Daten zurecht, bis die Rechnung [als solche] wirklich
stimmte”(S.121). Ihre Reise wird, nach seinem Heiratsantrag zu einer
Hochzeitsreise. Faber vergleicht Sabeth des öfteren mit Hanna “Ihr
Hanna-Mädchen-Gesicht”(S.94), ,“Ihre Ähnlichkeit mit
Hanna”(S.115). Außerdem ist Sabeth “jung, wie Hanna damals
jung gewesen ist, und zudem redet sie das gleiche Hochdeutsch”(S.79).
Wegen der Ähnlichkeit von Mutter und Tochter verliebt sich Faber auch in
Sabeth, denn Hanna ist die einzige Frau in Fabers Leben, die er als ihm nahezu
gleichwertig ansieht. Als er in seiner Jugend mit Hanna befreundet war, und sie
ihm erzählt, daß sie schwanger von ihm sei, fühlt sich Faber
“übertölpelt”(S.47) und sagt Dinge, die für Hanna
sehr hart klingen: “Wenn du dein Kind haben willst, dann müssen wir
natürlich heiraten.”(S.48). Hanna ist entäuscht von ihm, weil
sie denkt, er wolle sie nur heiraten weil sie schwanger ist. Sie kann ihm nicht
verzeihen und verläßt ihn. Während der ganzen Zeit, in der er
Hanna nicht sieht, versucht er immer wieder, sich selbst davon zu
überzeugen, daß es Hanna war, “die nicht heiraten
wollte”(S.57 vgl.S.33 und S.46), anstatt den Grund für die Trennung
in seinem Verhalten zu suchen. Als er Hanna wiedertrifft, erlebt er sie nicht
mehr als “Schwärmerin und Kunstfee”(S.47), sondern als
selbstbewußte berufstätige Frau und alleinerziehende Mutter. Er
bewundert sie sogar und gesteht ihr zu, daß sie immer das getan hat
“was ihr das Richtige schien”(S.139). Nach seiner früheren
Ansicht leistet Hanna sich ein Leben, das eigentlich nur Männern zukommt.
Auch seine Rolle als Mann und Techniker wird durch Hanna erschüttert: er
wiederspricht ihr nicht (vgl. S.137), als sie sagt, sie halte nichts von
Statistiken; er gesteht sich sogar selbst Fehler ein: “Irgendetwas
vergaß ich stets”(S.159). Faber empfindet sie trotz ihres Alters
immer noch als schön und fraulich (vgl. S.143) und möchte nach seiner
Operation den Rest seines Lebens mit ihr verbringen: “wir beide werden
hier bleiben”(S.203).
Zusammenfassend kann man sagen, daß meiner Meinung nach die Beziehung
zu Sabeth die gesamte Einstellung Walter Fabers zu Frauen, zum positiven
gewendet hat.
Sekundärliteratur: “Erläuterungen
und Dokumente”
Max Frisch “Homo
Faber”
1987 im Reclam-Verlag in Stuttgart
erschienen
Max Frisch: “Stiller”
“Homo Faber” und
“Mein Name sei
Gantenbein” von F.Lubich
1990 im Wilhelm Fink-Verlag in
München
erschienen
Max Frisch von Jürgen H.
Petersen
1978 im Metler-Verlag in Stuttgart
erschienen
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