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Kommerzialisierung des Internet
Kommerzialisierung des
Internet
Examensarbeit im Fach
Politikwissenschaft
von
Mathias Hill
Weidenhäuser
Str.46
35037 Marburg
Hill@stud-mailer.uni-marburg.de
Januar 1997
Anmerkung des Autoren:
Werter Leser!
Du hast Dir soeben das Machwerk aus dem Internet heruntergeladen, daß
sich mit der Kommerzialisierung desselben befaßt und dem ich mehrere
Monate harter Arbeit gewidmet habe. Solltest Du irgendwelche Fragen,
Anmerkungen, Kritikpunkte dazu haben, schreib mir. Ich freue mich über
Feedback in jeder Form. Wenn Du das Werk zitieren willst, ist Dir das mit Angabe
der Quelle erlaubt (Ausnahme: fremde Zitate). Wer umfangreichere Teile der
Arbeit übernehmen, abdrucken oder veröffentlichen will, soll
allerdings vorher bei mir unter Angabe des Verwendungszweckes
anfragen.
Ansonsten bleibt mir noch anzumerken, daß diese Arbeit ohne die Hilfe
und Unterstützung von Rainer Rilling, Matthias Hohmann und Reinhard
Kühnl nicht möglich gewesen wäre und auch nicht in dieser Form
präsentiert werden könnte; vielen Dank!
Und nun viel Spaß beim Lesen
Mathias Hill
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 7
2 Geschichte und Funktionsweise des Internet 9
2.1 Geschichte des Internet 10
2.1.1 Die militärischen Ursprünge des Internet 10
2.1.2 Das Internet als akademisches Forschungsnetz 12
2.1.3 Der Rückzug der NSF 13
2.1.4 Privatisierung des Internet: Veränderung der
Besitzverhältnisse der Übertragungswege 14
2.2 Funktionsweise der Dienste des Internet 17
2.2.1 Electronic Mail (E-Mail) 18
2.2.2 Mailinglisten und Usenet News 18
2.2.3 Telnet 19
2.2.4 File Transfer Protocol (FTP) 19
2.2.5 Gopher und World Wide Web 20
2.2.6 Sonstige Dienste 21
2.3 Wachstum des Internet und geografische Verteilung der
Zugänge 22
2.4 Anzahl und demografische Daten der Internetnutzer 24
2.4.1 Anzahl der Internetnutzer 24
2.4.2 Demografische Daten der Internetnutzer 25
2.4.2.1 Internetexterne Erhebungen 26
2.4.2.2 Internetinterne Erhebungen 28
2.4.3 Beobachtungen 30
3 Kommerzielle Nutzung des Internet 31
3.1 Begriffserläuterungen 31
3.1.1 Die Begriffe Markt und elektronischer
Markt 31
3.1.2 Die Begriffe Marketing und Electronic
Marketing 33
3.2 Motivationen für eine Internetpräsenz von
Unternehmen 36
3.2.1 Arten der Internetnutzung 37
3.2.2 Im Internet vertretene Branchen und die Motivationen ihrer
Präsenz 38
3.2.3 Internetgeschäftsmodelle 40
3.3 Formen der Kommunikationspolitik im Internet 42
3.3.1 Formen der indirekten Kommunikation 42
3.3.1.1 Formen der indirekten Werbung im World
Wide Web 43
3.3.1.2 Elemente der Public Relations und der
Verkaufsförderung im World Wide Web 46
3.3.2 Formen der direkten Kommunikation 50
3.3.2.1 Individuelle Direktwerbung mittels E-Mail 51
3.3.2.2 Formen der direkten Kommunikation durch
Usenet News und Mailinglisten 52
3.3.2.3 Formen der direkten Kommunikation durch das
World Wide Web 55
3.3.3 Paradigmenwechsel der kommerziellen Kommunikation
im Internet 56
3.3.3.1 Aktivität statt Passivität, Dialog statt
Monolog 56
3.3.3.2 Individualisierung statt Massenansprache 58
3.4 Formen der Entgeldpolitik im Internet 61
3.4.1 Preispolitik 61
3.4.2 Rabattpolitik 62
3.4.3 Zahlungsbedingungen 63
3.5 Formen der Produktpolitik im Internet 64
3.5.1 Entwicklung und Einführung neuer Produkte 64
3.5.1.1 Ideenfindung mit Hilfe des Internet 65
3.5.1.2 Produkttests im Internet 66
3.5.2 Modifikation bestehender Produkte 66
3.5.3 Kundendienst 67
3.5.3.1 Individueller Kundendienst 67
3.5.3.2 Allgemeiner Kundendienst 69
3.6 Formen und Möglichkeiten der Distributionspolitik im
Internet 69
3.6.1 Strategische Entscheidungen bezüglich der
Distributionspolitik 69
3.6.1.1 Nutzung des Internet als Verkaufsmedium durch
Intermediäre 70
3.6.1.2 Nutzung des Internet als Verkaufsmedium durch
Hersteller 73
3.6.2 Operative Entscheidungen bezüglich der
Distributionspolitik 75
3.6.2.1 Auftragserfassung 75
3.6.2.2 Physische Distribution 77
3.7 Marketingforschung im Internet 78
3.7.1 Datensammlung über Nutzer und Käufer 79
3.7.2 Wirkungskontrolle internetinterner Werbeformen 81
4 Welche Faktoren stehen der weiteren Kommerzialisierung
des
Internet entgegen? 84
4.1 Das Problem der Regulation von Kryptisierungsmethoden 84
4.1.1 Formen der Kryptografie 85
4.1.2 Möglichkeiten der Schlüsselinfrastruktur bei
Public-Key- Kryptografieverfahren 87
4.1.2.1 Teilnehmerautonom verwaltete Verschlüsselung 87
4.1.2.2 Zentral regulierte Verschlüsselung 88
4.1.3 Digitale Signaturen 90
4.2 Das Problem elektronischer Zahlungssysteme 91
4.2.1 Formen elektronischen Geldes 94
4.2.1.1 Smartcards 95
4.2.1.2 Digital Cash 96
4.2.1.3 Micropayments 97
4.2.1.4 Kreditkartenlösungen 98
4.2.1.5 Digital Checks 99
4.2.1.6 Digital Bank Checks 99
4.2.1.7 Digitale Coupons 100
4.2.2 Prognose über die Verbreitung elektronischer
Zahlungssysteme 100
4.2.3 Mögliche finanzpolitische Folgen der Verbreitung
elektronischer Währungen 102
4.3 Urheberrechtliche Probleme 104
4.3.1 Durch Multimedialität und Interaktivität
aufgeworfene
Probleme 106
4.3.2 Durch den internationalen Charakter des Internet
aufgeworfene Probleme 107
4.3.3 Durch die Kopiermöglichkeiten des Internet
aufgeworfene Probleme 108
5 Zusammenfassung 110
6 Literaturverzeichnis 112
7 Abkürzungsverzeichnis 125
8 Versicherung 127
1 Einleitung
”The grabbing hands grab all they
can
All for themselves - after all
It’s a competitive
world.”
M.L. Gore
Vor dem Jahr 1995 wäre es in der Bundesrepublik Deutschland wohl nicht
möglich gewesen, eine politologische Arbeit über einen Teilbereich der
Thematik Internet zu schreiben. Bis dahin war dieses Metacomputernetzwerk noch
zu unbekannt und wurde von zu wenigen Personen genutzt, um eine Relevanz
für diesen Fachbereich für sich beanspruchen zu können. Daß
sich dies in den letzten zwei Jahren grundlegend geändert hat und das
Internet sich von einem von wenigen Spezialisten genutzten Medium zu einem
gesamtgesellschaftlich bedeutenden Phänomen entwickelte, hängt
vorrangig mit seiner Kommerzialisierung zusammen. Dabei handelt es sich um eine
Wechselwirkung zwischen Wachstum und kommerzieller Nutzung des Internet: Die
zunehmenden Nutzerzahlen waren für viele kommerzielle Anbieter der Grund,
sich im Internet zu präsentieren, das zunehmende Angebot wiederum zog
weitere Nutzer an, etc.
Durch Wachstum und Kommerzialisierung, die eng miteinander
zusammenhängen, vollzog sich die Wandlung des Internet von einem
primär informations- und kommunikationsorientierten zu einem Unterhaltungs-
und Einkaufsmedium. Diese Wandlung ist noch nicht abgeschlossen und es ist auch
unwahrscheinlich, daß das Internet seine ursprünglichen Eigenschaften
gänzlich verlieren wird, doch eine tendenzielle Verstärkung der
letzten beiden Nutzungsarten ist nicht von der Hand zu weisen.
Diese Arbeit hat zum Ziel, die Art und Weise der Kommerzialisierung des
Internet zu erkennen, zu systematisieren und darauf aufbauend Prognosen
über deren weitere Entwicklung anzustellen. Dazu wird es zuallererst
nötig sein, die Entwicklung des Internet, die Funktionsweise seiner
Applikationen, deren Nutzung und demografische Daten der Nutzer darzustellen. Im
Anschluß werden die kommerziellen Aktivitäten, die auf den
Applikationen, vor allem dem World Wide Web, zu beobachten sind, anhand einer
wirtschaftlichen Systematik eingeordnet und bewertet. Dabei sollen trotz der vom
Anbieter ausgehenden Herangehensweise auch die Konsequenzen für den Nutzer
nicht vergessen werden.
Letztlich werden Aktivitäten untersucht, die zur Zeit unternommen
werden, um die Kommerzialisierung des Mediums weiter voranzutreiben. Anhand der
beispielhaft ausgewählten Thematiken Kryptografie, elektronische
Zahlungsmittel und Urheberrecht sollen ebenso die Problemstellungen wie auch die
entwickelten Lösungsansätze dargestellt werden. In diesen
Zusammenhängen sollen auch die jeweils denkbaren Konsequenzen, die die
verschiedenen Ansätze mit sich bringen können, nicht unerwähnt
bleiben.
Mittels dieser Vorgehensweise werde ich versuchen, sowohl die bisherigen
kommerziellen Aktivitäten im Internet strukturiert zu präsentieren,
als auch deren zukünftige Möglichkeiten darzulegen. Das Erstellen von
Prognosen wird in dem ebenso schnell wachsenden wie sich wandelnden Medium
Internet jedoch durch viele Unsicherheitsfaktoren erschwert, weshalb ich mich
weitestgehend auf die Schilderung denkbarer zukünftiger kommerzieller
Nutzungsweisen und der damit verbundenen Folgen beschränken
möchte.
Aufgrund der dynamischen Entwicklung des Internet ist nicht damit zu
rechnen, daß diese Arbeit endgültige Antworten auf die Fragen bringt,
welche die Kommerzialisierung des Internet aufwirft. Vielmehr soll sie
primär als Bestandsaufnahme dienen, die Gründe für bisherige
Aktivitäten darlegt und mögliche Weiterentwicklungen
aufzeigt.
2 Geschichte und Funktionsweise des Internet
Als "interconnected networks" (bzw. in Kurzform internets) werden
miteinander verbundene Computernetzwerke bezeichnet. Das Internet
dagegen ist ein Metanetzwerk und wurde ab 1982 als die Gesamtheit der
miteinander vernetzten internets, die das Protokoll Transmission Control
Protocol/Internet Protocol (TCP/IP) benutzen [1],
definiert. Ein Protokoll ist ein Satz von Regeln, der die Art des Datentransfers
zwischen Netzwerken festlegt [2].
Dem Internet zugehörig sind des weiteren miteinander vernetzte
Computer, die zu dem speziellen Adreßraum des Internet gehören, was
sich durch den sogenannten Domain-Namen ausdrückt. Sie machen den Kern des
Netzes aus. Die Rechner, die nur zeitweise bzw. vermittelt mit diesem Kern
vernetzt sind, zählen zur Peripherie des Internet.
Ein, wenn nicht sogar das wesentliche Merkmal des Internet ist dessen
Dezentralität. Das Internet hat keinen Besitzer, sondern seine Teilnetze
und Geräte gehören jeweils den einzelnen Netzwerkbetreibern, die somit
als Teilbesitzer des Internet angesehen werden können. Die wenigen
zentralen Organisation des Internet wie die 1992 von zahlreichen internationalen
Institutionen als Dachverband gegründete Internet Society (ISOC) und die
von der US-amerikanischen National Science Foundation (NSF) gegründete
InterNIC übernehmen lediglich einzelne koordinierende und
administratorische Aufgaben. Dazu zählen die Standardisierung neuer
Programme oder Protokolle, die Koordination der Forschung und des Betriebs der
einzelnen Netze, die Ausbildung internationaler
Kooperation [3] (ISOC) und die zentrale Vergabe
der Domainnamen (InterNIC). Sonstige Aufgaben wie Finanzierung und Verwaltung
der einzelnen Netze liegen im Zuständigkeitsbereich der jeweiligen
Netzwerkbetreiber.
Das Internet ist auf drei Ebenen organisiert: Zum einen gibt es die lokalen
Netzwerke "(LAN´s), bei denen Hostbetreiber und Systemadministratoren die
zentrale Rolle spielen" [4], die auf der
nächsthöheren Ebene zu regionalen Netzwerken verknüpft werden,
die ursprünglich (in den USA) zumeist von (staatlichen)
Non-Profit-Organisationen betrieben wurden, seit den frühen neunziger
Jahren jedoch zunehmend privaten Betreibern übereignet werden. Die oberste
Ebene bildet letztlich die Gesamtheit dieser regionalen Netzwerke: das
Internet [5].
Der hierarchische Aufbau spiegelt sich auch im Adreßsystem des
Internet wider. Es gibt fünf Netzwerk-Adreßklassen (von denen jedoch
nur drei praktische Relevanz haben), die sich dadurch unterscheiden, wie viele
Hosts, also einzeln erreichbare vernetzte Computer, an ein Netzwerk
angeschlossen werden können [6].
Ferner gibt es mehrere Kategorien von Domains, wobei die höchste, die
sogenannte Top-Level-Domain, innerhalb der USA den Typ des Inhabers kennzeichnet
(z.B. ".com" für kommerzielle Unternehmen, ".edu" für den
Erziehungsbereich, etc.). Außerhalb der USA steht die Top-Level-Domain
für das Land, in dem der Inhaber der Adresse angesiedelt ist (z.B. ".de"
für Deutschland oder ".va" für den Vatikan). Unterhalb dieser
Bezeichnung finden sich noch unterschiedlich viele Unterhierarchien, die Ort
und/oder Art des Domaininhabers weiter spezifizieren. So bezeichnet die
E-Mail-Adresse
"Hill@stud-mailer.uni-marburg.de" beispielsweise einen Nutzer, der in
Deutschland an der Universität Marburg am Studenten-"Postrechner"
beheimatet ist.
2.1 Geschichte des Internet
2.1.1 Die militärischen Ursprünge des Internet
Die Entstehung des Internet kann man als Treppenwitz der Computergeschichte
bezeichnen, da ausgerechnet das US-Verteidigungsministerium dafür
verantwortlich ist. Eine hierarchisch organisierte und straff geführte
staatliche Institution schafft ein dezentral organisiertes, unkontrollier- und
unzensierbares, prinzipiell geradezu anarchisches Medium - und das auch noch zu
Zeiten des Kalten Krieges. Wenn man sich das alles vor Augen hält, kann man
das Internet durchaus als erfolgreichste Fehlleistung des US-amerikanischen
Militärs bezeichnen.
Dabei sind diese Widersprüche nur scheinbar und alle Eigenschaften des
Internet auch unter militärischen Gesichtspunkten durchaus nachvollziehbar
und sogar unumgänglich, wenn man die Entstehungssituation betrachtet: Im
Verlaufe des militärisch-technischen Wettlaufs zwischen der NATO und dem
Warschauer Pakt im allgemeinen und den USA und der Sowjetunion im besonderen
gründete das US-Verteidigungsministerium 1957 (nach dem sogenannten
Sputnik-Schock) die Behörde Advanced Research Projects Agency (ARPA), die
den USA in eben diesem Bereich einen Vorsprung erarbeiten sollte. Diese stellte
1968 ein Computernetzwerk vor, dessen Installation 1969 vom
Verteidigungsministerium genehmigt wurde. Es erhielt den Namen ARPANet, verband
vier Knotenrechner von Universitäten und Forschungseinrichtungen und wurde
das erste Netzwerk des späteren Internet [7].
Die Idee des ARPANet basierte auf der Mehrfachnutzung der damals noch sehr
spärlich vorhandenen und teuren Computer, insbesondere von
Forschungs-Großrechnern, durch möglichst viele Wissenschaftler
landesweit. Das Netz war also vor allem ein Hilfsmittel zur Arbeitserleichterung
für die militärisch-technologische Forschung.
Seine Struktur verdankt es aber hauptsächlich der Angst vor einem
feindlichen Angriff. Eine hierarchische Struktur kam schon deshalb nicht in
Betracht, weil in diesem Fall der Ausfall einer Zentrale das ganze Netz kopflos
und damit handlungsunfähig gemacht hätte. Auch kam die bisher genutzte
leitungsorientierte Datenübertragung (circuit switching) nicht in Frage,
weil sie als zu störanfällig
galt [8].
Eine dezentrale Struktur auf Basis einer
Zweiweg-Punkt-zu-Punkt-Kommunikation und eine paketorientierte
Datenübertragung (packet switching) waren die Alternative. Das
ARPANet war das erste Netzwerk, das auf packet switching basierte. Die
wesentlichen Vorteile dieser Art der Datenübertragung sind, daß
Sender und Empfänger nicht physisch miteinander verbunden sein müssen
und die einzelnen Pakete, in die eine Datei oder Nachricht aufgeteilt wird, je
nach Verfügbarkeit und Belastung unabhängig voneinander über
verschiedene Datenleitungen versandt werden können, was die optimale
Ausnutzung der Netzwege garantiert, selbst wenn mehrere Datenleitungen im Falle
eines Angriffs zerstört worden wären. Nebenprodukt dessen ist,
daß das Internet auch gegen Zensur unempfindlich ist, weil diese im System
nicht vorgesehen ist und als Fehler ausgelegt wird. So stellte das
Computerfachblatt c`t im Zusammenhang mit dem Verfahren der Münchner
Staatsanwaltschaft gegen den Online-Dienst CompuServe im Herbst 1995, das zur
Sperrung von über 200 Diskussionsforen führte, treffend
fest:
"[...] eine `Zensur` des Internet gleicht dem Versuch, ein großes
Sieb mit dem Daumen abzudichten. Das Konzept des Internet ist so ausgelegt,
daß es auch nach einem atomaren Erstschlag noch funktionieren
soll." [9]
2.1.2 Das Internet als akademisches Forschungsnetz
Die Idee, auf der das ARPANet basiert, wurde über vom Militär
abgewanderte Forscher in den USA an Privatunternehmen und Universitäten
getragen, die damit begannen, eigene - zuerst lokale - Netzwerke aufzubauen. Die
Vernetzung der auf unterschiedliche Hardwarearchitekturen basierenden Netzwerke
wurde durch das 1974 entwickelte TCP/IP
ermöglicht [10].
In den achtziger Jahren entstanden unter Beteiligung der National Science
Foundation (NSF) verschiedene wissenschaftlich und akademisch genutzte Netzwerke
sowie einige Firmennetzwerke, die 1983 mit dem ARPANet zum "ARPA Internet"
(später "Internet") verbunden wurden, während ein Teil des ARPANet,
der nur militärischen Zwecken diente (Milnet), abgekoppelt
wurde [11]. Heute ist der militärische
Bereich weitgehend vom zivilen Internet abgekoppelt, benutzt geschlossene
Verbindungen und eigene
Protokolle [12].
Durch die Beteiligung der NSF wurde die weitere staatliche Finanzierung des
Internet gesichert, die vorher aufgrund des militärischen Ursprungs bereits
sehr großzügig war. 1986 gründete die NSF ihr eigenes
Hochgeschwindigkeitsnetz NSFNet, das zu einem der vier US-Glasfaser-Backbones
wurde und welches zur weitgehenden Bedeutungslosigkeit des ARPANet und dessen
Auflösung 1990 führte. Ebenfalls im Jahr 1986 wurde das Domain Name
System (DNS) eingeführt, das den zum Internet gehörenden Rechnern und
Netzen (Domains) nach einem hierarchischem System eindeutige Adressen
zuordnet [13].
Neben der starken universitären Nutzung kam in den achtziger Jahren
ein zweiter Faktor hinzu, der die Entwicklung des Internet maßgeblich
beeinflussen sollte: Aufgrund der wachsenden Verbreitung von PCs entstand eine
Nutzersubkultur von Hackern, Crackern und sonstigen, meist jungen
Computerspezialisten, die Mailbox-Systeme einrichteten, welche zum
Softwaretausch und zur Kommunikation dienten und über das Telefonnetz
miteinander verbunden waren. Diese wurden nach und nach an das Internet
angeschlossen und trugen so entscheidend zur Entwicklung der Netzkultur bei, die
sich unter anderem durch die gegenseitige Hilfe vor allem gegenüber
Einsteigern, eine funktionierende Selbstkontrolle (unter dem Begriff Netiquette
zusammengefaßte Verhaltensregeln) und eine Protesthaltung gegen
Kommerzialisierungstendenzen auszeichnet.
In Europa wurden mit Verspätung wesentliche Merkmale der
US-Infrastruktur übernommen. Auch hier bildeten sich Mailbox-Systeme (z.T.
wurden diese aus den USA importiert), auch hier entwickelte sich das Internet
auf einer hauptsächlich universitären Basis, auch hier wurde der
Internetverkehr über einen Backbone (den 1992 in Betrieb genommenen EBone)
abgewickelt. So verwundert es nicht, daß auch die europäische
Internetstruktur sich ähnlich der US-amerikanischen entwickelt hat,
wenngleich auch mit zeitlichem Rückstand.
2.1.3 Der Rückzug der NSF
1987 wurde von der NSF ein erster Schritt weg von der universitär
geprägten Internetgemeinschaft in Richtung Privatisierung unternommen, als
die Firmen IBM und MCI in die Wartung des im Jahre zuvor gegründeten NSFNet
eingebunden wurden [14], welches damals noch
primär Universitäten und Forschungsstellen miteinander verband. Die
Richtlinie, die das NSFNet dem öffentlichen Interesse vorbehielt,
führte allerdings dazu, daß kommerzielle Unternehmen weiterhin eigene
Netzinfrastrukturen aufbauten. Drei der vier US-Backbones entstammen diesem
Zweig: Das PSInet von Performance Systems International und das AlterNet von
UUNET Technologies, Inc., die beide der 1991 gegründeten Commercial
Internet Exchange Association (CIX) angehören, sowie das 1992
gegründete SprintLink [15].
Im Rahmen des "High Performance Computing Act" der US-Regierung von 1991
fand eine radikale Kurskorrektur zugunsten kommerzieller Interessen statt, die
unter anderem den schrittweisen Rückzug des Staates aus dem Internet
vorsah. Statt wie bisher die Wahrung des öffentlichen Interesses wurde nun
die Schaffung eines Informationsmarktplatzes zum primären Ziel
erklärt. Im März 1993 wurde ein erster großer Schritt in diese
Richtung getan, als die NSF drei wesentliche Aufgabenfelder des NSFNet-Betriebs
an die von Privatunternehmen geführte Organisation InterNIC
abgab [16]. Ein weiterer Rückzug kam mit
der Einstellung des NSFNet-Backbones zum 30.4.1995. Die daran angeschlossenen 17
regionalen Betreiber bekommen die bisher an das NSFNet gezahlten Staatsgelder
direkt ausgezahlt und sollen dafür auf dem freien Markt "backbone services"
dafür erwerben bzw. mieten [17]. Dies alles
sind Schritte des "sunset schedule", nach dem die NSF sich bis 1998
gänzlich aus der Finanzierung ihres (ehemaligen) Netzes zurückziehen
will. Die Übertragungswege des Internet werden privatisiert.
Der NSFNet-Program Officer David Staube bezeichnete 1995 die Phase der
letzten acht bis neun Jahre als die des Marktaufbaus, in der die NSF die
Infrastruktur des Internet errichtete und deren Nutzung ankurbelte. Diese sei
nun abgeschlossen. "The market can stand on its own-without our seed
money." [18] Von diesem Sichtweise aus gesehen
erscheint eine solche Einschätzung der Internetentwicklung durchaus
nachvollziehbar, dennoch erstaunt es, daß der ursprüngliche Anspruch
der Wahrung des öffentlichen Interesses und die damit verbundene
Limitierung der kommerziellen Nutzung des Netzes nicht erwähnt werden. Man
könnte fast den Eindruck gewinnen, dieser Anspruch hätte nie wirklich
existiert.
Neben dieser Öffnung des Internet gegenüber kommerziellen
Interessen war es die Implementierung des leistungsstarken und
anwenderfreundlichen Dienstes WWW (World Wide Web, vergleiche Abschnitt 2.2.5)
im Jahr 1992, die die Ausweitung des Nutzerkreises von universitären
Einrichtungen auf Privatpersonen und Unternehmen begünstigte. Die
Kommerzialisierung des Internet besteht also nicht nur aus dem Entstehen
kommerzieller Netzwerkanbieter, sondern auch und vor allem aus der Anwendung des
Internet durch private
Unternehmen [19].
2.1.4 Privatisierung des Internet: Veränderung der
Besitzverhältnisse der Übertra-gungswege
Angesichts des Staatshaushaltsdefizits der USA verwundert es nicht,
daß die US-Regierung die Finanzierung des Internet von der staatlichen
Organisation NSF auf privatwirtschaftliche Unternehmen übertrug. Ein erster
und gravierender Schritt war das bereits beschriebene "sunset schedule" für
das NSFNet und der damit verbundene Rückzug der staatlichen Förderung
für das Internet. Die NSF fungierte bis zur Einstellung ihres Backbones als
wichtiger - und einziger nicht-privatwirtschaftlicher - Bereitsteller von
Datenübertragungswegen.
Im Internet traten an die Stelle des NSFNet "fünf private
Telephonkonzerne wie Alternet, ANS, MCI und Sprint, die nun den sogenannten
Internet-Backbone betreiben. Firmen wie IBM und MCI haben nun das
Sagen." [20] Vor allem MCI hat mit 40% des
gesamten Internetverkehrs (Eigenangabe) eine tragende Rolle bei den
Betreibern [21].
Zu dieser Entwicklung kommt auch noch eine Wende in der
US-Telekommunikationspolitik, die neue Regulierungsmodelle mit einem Schwerpunkt
auf Deregulierung entwickelt [22]. Parallel dazu
fallen in der Europäischen Union 1998 die Netz- und Telefondienstmonopole.
Die Telekommunikation wird eine "durch Privatisierung, Deregulierung und
Globalisierung weltweit im totalen Umbruch stehende
Branche" [23]. Das alles sind Teile der
erwarteten Bildung einer sogenannten Multimediabranche, die vermutlich die
Bereiche Telekommunikation, Fernsehen und Computer beinhalten und
umstrukturieren wird [24]. Diese neue Struktur
wird Schwemmle zufolge nicht mehr nach den drei genannten Branchen
unterscheiden, sondern zwischen den Segmenten Multimedianetze, Endgeräte
und Dienstleistungen/Inhalte, die offline und online betrieben und an private
und geschäftliche Anwender verkauft
werden [25]. Eine ähnliche Struktur sehen
Bane et al. entstehen, die jedoch spezifischer zwischen den Marktsegmenten
Content (Inhalt), Packaging (Bündelung und Präsentation von Inhalten),
Transmission network (Übertragungsnetzwerke), Manipulation infrastructure
(Software und speichernde Hardware) sowie Terminals (Endgeräte)
unterscheiden [26].
Der erste Schritt zur Schaffung dieser neuen Metabranche ist die Bildung
strategischer Allianzen, die z.Zt. noch vornehmlich in der sich
umstrukturierenden Telekommunikationsbranche stattfindet, aber ansatzweise auch
Konzerne aus den genannten Branchen, sowie Handelsunternehmen und finanzstarke
Mischkonzerne einbezieht. Ziel der jeweiligen Akteure ist es, möglichst
umfassende Netzinfrastrukturen (breit- und schmalbandige Netze, Funk- und
Satellitenverbindungen) zu erreichen, möglichst viele und attraktive
Dienstleistungen und Inhalte sowie Hard- und Software bzw. andere elektronische
Geräte bereitstellen zu können. Die Schwerpunktgebiete dieser
Aktivitäten sind Europa, Amerika und der ostasiatische
Raum [27]. Als wichtige Allianzen wären zu
nennen [28]:
- World Partners Company: Neben der amerikanischen AT&T, dem
umsatzstärksten Telekommunikationsunternehmen der Welt, gehören dieser
Allianz der Zusammenschluß Unisource, die japanische
Fernverkehrsgesellschaft KDD, Singapore Telecom und als assoziierte Mitglieder
weitere Telekomgesellschaften aus Asien und Australien an.
- Unisource ist ein 1992 gegründetes Joint Venture von
niederländischen, schwedischen, schweizerischen und spanischen
Telekommunikationsunternehmen.
- Concert Communication ist eine Allianz aus der British Telecom
(BT) und der amerikanischen Telefongesellschaft MCI, die sich beide unter den
zehn umsatzstärksten ihrer Branche befinden.
- Global One: Ebenso wie Concert Probleme mit der
US-Kartellbehörde hatte, wurde auch diese Allianz erst nach langen
Verhandlungen im Juli 1996 von der EU-Kommission
genehmigt [29]. Es handelt sich um ein
Joint-Venture aus der Deutschen Telekom AG, der France Telekom und Sprint Corp.,
dem drittgrößten Telekommunikationsunternehmen der USA.
- Vebacom GmbH: Dieses vor allem auf dem deutschen Markt aktive
Gemeinschaftsunternehmen besteht aus der Veba AG (Stromversorger), der
britischen Cable & Wireless sowie seit Oktober 1996 dem Energiekonzern
RWE.
Die Bildung dieser sowie einiger weiterer kleinerer Allianzen ist ein
dynamischer Prozeß. Das Erschließen von Finanzquellen (für
Aufkäufe und Beteiligungen) und kartellrechtliche Hürden sind die
größten Hemmnisse dieser
Entwicklung [30]. Da jedoch davon ausgegangen
wird, daß in Zukunft nur noch wenige Global Player Chancen auf den
Märkten für Telekommunikation, Datenverarbeitung und multimediale
Anwendungen haben werden [31], versuchen die
Konzerne weiterhin, diese Probleme aus dem Weg zu räumen, um sich die
besten infrastrukturellen Ausgangspositionen zu sichern.
Folge der Verschärfung dieses internationalen Wettbewerbes wird der
Abbau von Arbeitsplätzen in den Telekommunikations-Stammgesellschaften, der
nachrichtentechnischen Industrie, der Unterhaltungselektronik und bei
Hardwareherstellern sein. Es ist damit zu rechnen, daß die voraussichtlich
neu entstehenden Arbeitsplätze in dem Feld "Multimedia" die so
verlorengehenden Plätze nicht nur quantitativ nicht aufwiegen, sondern sich
auch qualitativ durch den Verlust kollektiver Schutzrechte (z.B. bei der
sogenannten Scheinselbständigkeit von Telearbeitern) negativ auswirken
werden [32].
Auch bringt die Bildung branchenübergreifender Allianzen
möglicherweise Unternehmensgebilde hervor, die in mehreren Branchen
marktbeherrschend sein können.
"Dabei gibt die amerikanische Gesetzgebung in den USA ebenso den Weg zu
einer neuen Konzentrationswelle frei wie die Deregulierung in der BRD -
über das Auftreten neuer Anbieter weg bilden sich integrierte
Telekommunikationskomplexe heraus. Statt dessen wäre zu fordern, dass
kartellrechtlich diese Entwicklung nicht unterstützt wird: ein Monopolist
auf dem Gebiet der Betriebssysteme wie Microsoft dürfte kein Anbieter von
Telekommunikationsdienstleistungen sein wie Microsoft Network, Fernseh- oder
Radiosender oder Verlage mit hohem Marktanteil dürften keine Netzbetreiber
sein." [33]
Auf diesen wettbewerbsrechtlichen Aspekt kann im Rahmen dieser Arbeit
lediglich aufmerksam gemacht werden.
2.2 Funktionsweise der Dienste des Internet
Die Zahl der Dienste ist nicht von der Struktur des Internet vorgegeben,
sondern vielmehr von den Bedürfnissen der Nutzer und dem Einfallsreichtum
der Programmierer abhängig. Diese müssen jedoch die spezielle
Architektur des Internet berücksichtigen, die auf dem Client-Server-Prinzip
basiert. Ein Server ist ein Computer, der einen Dienst bereitstellt, ein Client
derjenige, der den Dienst nutzt. Im folgenden werden die wichtigsten Dienste des
Internet kurz vorgestellt.
2.2.1 Electronic Mail (E-Mail)
Electronic Mail oder abgekürzt E-Mail ist ein 1971
entwickelter [34] Dienst und stellt das
Internetpendant zum Briefversand dar. Dabei wird die Netzwerktechnik genutzt, um
auf diesem Wege elektronische Nachrichten innerhalb von Sekundenbruchteilen zu
versenden. E-Mail ermöglicht bidirektionale Individualkommunikation. Neuere
E-Mail-Programme können mittels MIME (Multipurpose Internet Mail
Enhancements) auch multimediale Nachrichten
verschicken [35]. E-Mail ist mit 35 Millionen
Nutzern 1995 und voraussichtlich 60 Millionen 1996 momentan der meistgenutzteste
Dienst im Internet [36].
2.2.2 Mailinglisten und Usenet News
Durch Mailinglisten wurde E-Mail auf einen weiteren Adressatenkreis
ausgedehnt. Eine Mailing List entspricht einem Verteiler, also einer Liste von
Adressen von Personen, die regelmäßig Informationen zu bestimmten
Themenkreisen erhalten möchten (z.B. Rundbriefe von Vereinen oder
ähnliches). Da jedes Mitglied dieser Liste allerdings sowohl empfangen als
auch (an alle oder per privater E-Mail an einzelne) senden kann, bieten
Mailinglisten polidirektionale Massenkommunikation.
Im Internet übernimmt ein E-Mail-Roboter, ein sogenannter Mailserver,
die Aufgabe des Versandes. Meist kann man bei diesem mittels einer einfachen
E-Mail eine Mailingliste abonnieren. Der Mailserver übernimmt nun die
Aufgabe, alle eingehenden Nachrichten an alle weiterzusenden, die die Liste
abonniert haben. So entstehen Interessengemeinschaften, die sich z.T. über
hochspezielle Themen austauschen. Es gibt moderierte und unmoderierte Listen.
Während bei unmoderierten Listen keine Kontrollen existieren, fungiert bei
dem ersten Typ eine Person (meist der Initiator der Liste) als Moderator, der
Fragen beantwortet, auf Angebote außerhalb der Liste hinweist (sogenannte
Frequently Asked Questions-Listen, die z.B. ständig wiederkehrende Fragen
beantworten) oder Teilnehmer zurechtweist.
Usenet News ist das 1979 etablierte
System [37] verschiedenster öffentlicher
Diskussionsforen. Diese sind hierarchisch in Themengebiete gegliedert. Im
Gegensatz zu Mailinglisten sind diese jedoch nicht per E-Mail, sondern über
Newsreader genannte Programme erreichbar, die auf die lokalen Server zugreifen,
auf denen die Nachrichten der Gruppe gespeichert sind. Auch sind Newsgroups im
Gegensatz zu Mailinglisten relativ schwierig zu initiieren, weil dieser Vorgang
durch eine genau festgelegte Prozedur reglementiert
ist [38]. Die Newsgruppen kann man als digitale
"schwarze Bretter" verstehen.
2.2.3 Telnet
Dieser Dienst wurde 1972 etabliert [39],
fungiert als Fernsteuerung und ermöglicht autorisierten Nutzern (die sich
meist über Paßwörter ausweisen müssen), sich über das
eigene Terminal bei einem entfernten Rechner anzuschließen
("einzuloggen"). Telnet wird vor allem zu Recherchezwecken benutzt, so daß
man die Internetnetzwege nutzen kann, um sich vom eigenen Terminal aus an die
Rechner von Bibliotheken und anderer Institutionen
anzuschließen.
2.2.4 File Transfer Protocol (FTP)
File Transfer Protocol steht gleichzeitig für den Dienst, der den
Austausch von Daten - vor allem von Computerprogrammen - ermöglicht, wie
für das Protokoll, das diesen Dienst
realisiert [40]. Neben dem privaten
Datenaustausch zwischen autorisierten Nutzern ist auch der Abruf von Daten aus
Datenbanken via Anonymous FTP möglich, bei dem der Nutzer nicht bekannt
sein muß. Wenn man die abrufbaren Daten nicht als Waren, sondern als
Kommunikationsinhalte oder Botschaften begreift, funktioniert FTP ebenso wie der
klassische Rundfunk: Ein Sender liefert Inhalte an beliebig viele
Empfänger.
Telnet und FTP sind die ursprünglichen Internetdienste. Sie
erfüllen die Anforderungen, die in den sechziger Jahren der Grund für
die Einrichtung des Internet waren: Fernnutzung von (Hochleistungs-) Rechnern
und Ressourcenteilung mittels Datenaustausch.
2.2.5 Gopher und World Wide Web
Das von der University of Minnesota entwickelte Gopher war "das erste
umfassende, Dienste integrierende und benutzerfreundliche Werkzeug zur
Navigation im Internet" [41]. Es fungierte als
Suchdienst, den man bequem mit der Computermaus steuern konnte und der als
Plattform auch Telnet und FTP integrierte.
Mittlerweile ist es weitgehend durch das noch benutzerfreundlichere World
Wide Web (WWW, W3, Web) abgelöst worden. Das WWW wurde von dem Genfer
Kernforschungszentrum CERN (Conseil Europeen pour la Recherche Nucleaire)
entwickelt und 1992 im Internet als Public-Domain-Interface (also als
öffentliches Gut) eingeführt. Viele Firmen entwickelten daraufhin
Software für das WWW (z.B. die Browser genannten Navigationswerkzeuge von
Mosaic oder Netscape), was dazu führte, daß es innerhalb kurzer Zeit
zum Internetdienst mit der größten Nutzungsintensität
wurde [42]. Die Browsertechnologie, die eigene
Art von Adressen, die die Art der Dateien spezifiziert (Uniform Ressource
Locator, abgekürzt URL) sowie die eigene Sprache HTML (Hypertext Markup
Language) und das eigene HyperText Transfer Protocol (HTTP), das die
Kommunikation zwischen Webservern und -Browsern regelt, sind die wesentlichen
Merkmale des WWW. Seine Beliebtheit sowohl bei den Nutzern als auch bei
Softwareentwicklern liegt vor allem in drei Eigenschaften des WWW
begründet:
- Benutzerfreundlichkeit: Die einheitliche grafische Oberfläche, die
bequeme Bedienung sowie die durch Browsertechnologie erreichte einfache
Navigation machen das Web auch für Nutzergruppen interessant, die nur
wenige Kenntnisse von Computertechnik haben. Durch Hilfsprogramme wie Kataloge
(z.B. Yahoo!) oder die äußerst populären Suchagenten oder
Suchmaschinen (z.B. Alta Vista) wird die Suche nach URLs ständig
vereinfacht. Die relativ einfache Programmierung von WWW-Pages führt des
weiteren dazu, daß eine relativ große Anzahl an Personen auch zu
Produzenten von Inhalten (Homepages) werden und sich so Informationen zu
verschiedensten Themen im WWW finden. Allerdings darf nicht außer acht
gelassen werden, daß die Anbieter von Diensten sich nicht nur
Programmierfähigkeiten aneignen müssen, sondern auch wesentlich mehr
Programme und Speicherplatz benötigen als bloße
Konsumenten.
- Integration anderer Dienste: Weiterentwicklungen der Browsertechnologie
haben dazu geführt, daß das WWW sich mittlerweile zur Plattform
entwickelt hat, die die meisten anderen Applikationen (u.a. E-Mail, News, FTP,
Telnet, Gopher) in sich aufnimmt. Es ist damit die erste Applikation des
Internet, die diese Eigenschaft besitzt.
- Hypermediaprinzip: Ein Vorteil des WWW ist seine durch HTML
ermöglichte Hypermediafähigkeit. Es kann nicht nur Ton und bewegte
Bilder übertragen, sondern auch einzelne Inhalte durch Verweise
(Hyperlinks, Links) miteinander verbinden, wenn der Nutzer diese durch Anklicken
aktiviert. Der Fülle der Links, mit der Webseiten untereinander auf sich
verweisen, verdankt das World Wide Web auch seinen Namen, da durch dieses
Prinzip Inhalte nicht mehr isoliert, sondern in einem Kontext zueinander stehen.
Das WWW wird oft als der multimediale Teil oder Dienst des Internet
bezeichnet. Das bedeutet, daß es sich durch Integration oder auch
Konvergenz [43], durch Interaktivität
und durch Vernetzung auszeichnet. Es vereinigt mit "publishing,
real-time-communication broadcast and
narrowcast" [44] erstmals bisher
entgegengesetzte Medieneigenschaften.
Die Kommunikationsstruktur des WWW ist im Gegensatz zu Usenet nicht poli-
sondern bidirektional aufgebaut. Ein Nutzer kann sich hier Bilder und Texte
ansehen und - falls vom Verfasser vorgesehen - darauf antworten, er kann sie
jedoch nicht verändern [45].
2.2.6 Sonstige Dienste
Weitere Internetdienste sind beispielsweise Internet Relay Chat (IRC),
Multiple User Dungeons (MUDs), Internettelefondienste und Videokonferenzen, die
alle verschiedene Formen der Kommunikation in Echtzeit ermöglichen, sowie
Internetradio [46].
2.3 Wachstum des Internet und geografische Verteilung der
Zugänge
Das Wachstum des Internet wurde von verschiedenen Institutionen
dokumentiert. Allerdings sind weder die Zahl seiner Nutzer noch die seiner Hosts
aufgrund der dezentralen Struktur erfaßbar. Die Network Wizards (deren
Host- und Domaindaten mit den weiter unten zitierten identisch sind) geben
beispielsweise bezüglich ihrer Domain- und Hostzählung vom Juli 1996
folgendes zu bedenken:
"- We consider the numbers presented in the domain survey to be fairly good
estimates of the minimum size of the Internet. We can not tell if
there are hosts or domains we could not locate.
- In summary, it is not possible to determine the exact size of the
Internet, where hosts are located, or how many users there
are." [47]
Aufgrund der Erfassungsschwierigkeiten sollten die Wachstumsdaten mit
entsprechender Zurückhaltung behandelt werden.
Tabelle 1: Wachstum der technischen Infrastruktur des Internet
(Quelle: Lottor 1996B)
|
Zeitpunkt
|
Hosts
|
Netzwerke
|
Domains
|
|
1969
|
4
|
|
|
|
06/74
|
62
|
|
|
|
10/84
|
1.024
|
|
|
|
07/89
|
130.000
|
650
|
3.900
|
|
07/92
|
992.000
|
6.569
|
16.300
|
|
07/93
|
1.776.000
|
13.767
|
26.000
|
|
07/94
|
3.212.000
|
25.210
|
46.000
|
|
07/95
|
6.642.000
|
61.538
|
120.000
|
|
07/96
|
12.881.000
|
134.365
|
488.000
|
Eine auf diesen Zahlen basierende Prognose rechnet für die folgenden
Jahre mit einer weiteren Zunahme der Hostzahlen:
Tabelle 2: Prognose der Hostentwicklung (Quelle: Altobelli/Hoffmann,
S.15)
|
Zeitpunkt
|
Hosts
|
|
Jahresende 1996
|
17.681.000
|
|
Jahresende 1997
|
32.699.000
|
|
Jahresende 1998
|
56.831.000
|
|
Jahresende 1999
|
89.729.000
|
|
Jahresende 2000
|
124.256.000
|
Aus den von der Internet Society gesammelten Daten läßt sich
außerdem ersehen, wie sich die Anzahl der Internetanschlüsse global
verteilt:
Tabelle 3: Geografische Verteilung der Internethosts (Quelle: Internet
Society)
|
Region
|
prozentualer Anteil der Internethosts
|
|
Nordamerika
|
68,38
|
|
Lateinamerika
|
0,41
|
|
Westeuropa
|
22,04
|
|
Osteuropa
|
1,01
|
|
Mittlerer Osten
|
0,29
|
|
Afrika ohne Republik Südafrika
|
0,001
|
|
Republik Südafrika
|
0,62
|
|
Asien ohne Japan
|
1,06
|
|
Japan
|
2,41
|
|
Pazifik ohne Australien
|
0,66
|
|
Australien
|
3,12
|
An diesen Zahlen wird deutlich, daß das Internet vor allem Sache der
reichen Industrienationen ist, insbesondere der USA. Neben der verschwindend
geringen Quantität der An-schlüsse von Entwicklungs- und
Schwellenländern an das Internet ist auch deren Qualität meist gering.
So bieten 58 der 168 im weiteren Sinne an das Internet angeschlossenen
Län-der lediglich E-Mail an [48]. Sie sind
also von der Menge an Informationen, die im WWW vorliegen, abgeschnitten und
können dort auch selbst keine Informationen anbieten.
2.4 Anzahl und demografische Daten der Internetnutzer
2.4.1 Anzahl der Internetnutzer
Noch schwieriger als die Zahl der Hosts ist die Zahl der Nutzer des
Internet zu ermitteln. Nicht jeder Internetnutzer ist ja ein Host. Viele Nutzer
haben beispielsweise Zugang zum Internet über Universitäten,
Arbeitgeber oder Familienangehörige. Deshalb kann man die Zahl der Nutzer
auch nur sehr grob schätzen. Laut Batinic variierten die Schätzungen
der weltweiten Nutzeranzahl 1996 zwischen 16 und 60 Millionen, je nachdem, wie
viele Nutzer man durchschnittlich pro Host
annahm [49].
Es kursieren auch Ergebnisse repräsentativer Umfragen, in denen sich
die Befragten selbst als Nutzer des Internet einstufen. Durch diese Methode kann
man die Zahl der Nutzer in dem Gebiet, in dem die Umfrage stattfand, zu dem
Umfragezeitpunkt hochrechnen. Der Un-sicherheitsfaktor dieser Methode ist,
daß die Ergebnisse je nach der Definition eines Nutzers stark differieren.
So wird ein Nutzer von einem Teil der US-amerikanischen Umfragen da-durch
definiert, daß er in den letzten drei Monaten das Internet benutzt hat,
daß er in den letzten zwölf Monaten das Internet benutzt hat oder ob
er direkten Internetzugang hat [50].
CyberAtlas hat versucht, 21 Studien zur Anzahl der Internetnutzer in den
USA zu einer "Consensus Estimate" zusammenzufügen und somit diese
Unterschiede "einzuebnen".
Originaldokument enthält an dieser Stelle eine Grafik! Original document contains a graphic at this position!
Abbildung 1: Anzahl der US-Internetnutzer (Quelle: CyberAtlas
1996A)
Auf die gesamte Bevölkerung der USA ab einem Alter von 16 Jahren
bezogen, hatten je nach Studie und deren Fragestellung zwischen 17%
(IntelliQuest, Frage nach der Nutzung des Internet oder von Online-Diensten in
den ersten drei Monaten 1996) und 23% (Nielsen Media Research, Frage nach Zugang
zum Internet im August 1996) Zugang zum Internet oder
Online-Diensten [51].
In der Bundesrepublik Deutschland gestaltet sich die Schätzung der
Grundgesamtheit der Internetnutzer noch schwieriger, da es noch keine
repräsentativen und verläßlichen Untersuchungen zu dieser
Thematik gibt [52]. Bachem geht davon aus,
daß es in der BRD zwischen 2,5 und 3 Millionen Online-Nutzer gibt, also
Personen, die entweder das Internet oder Online-Dienste nutzen (da die meisten
Online-Dienste ihren Kunden inzwischen Übergänge zum Internet
anbieten, sind deren Nutzer auch zumindest potentielle Internetnutzer). Davon
nutzen ca. 1,8 Millionen Personen die Online-Medien mittels privater
Anschlüsse, während der Rest auf die außer Haus-Nutzung an
Arbeitsplätzen, Universitäten, InterneTcafés usw.
fällt [53].
Auf die Gesamtbevölkerung der BRD ab einem Alter von 14 Jahren
bezogen, ergab eine Umfrage im Februar 1996, daß 7% sich als Nutzer des
Internet bezeichnen [54]. In den USA ist die
Nutzung des Internet also erheblich weiter verbreitet als in der
Bundesrepublik.
2.4.2 Demografische Daten der Nutzer
Ebenso wie bei der Erfassung der Nutzerzahlen des Internet gibt es auch bei
der Erfassung demografischer Daten der Internetnutzer Probleme. So basieren
viele Analysen der Nutzerstruktur auf internetinternen Umfragen. Neben der
Tatsache, daß damit ausschließlich Internetnutzer im allgemeinen und
in der Regel WWW-Nutzer im besonderen angesprochen werden, bevorzugt diese Art
der Befragung auch noch die regelmäßigen Nutzer, da die
Wahrscheinlichkeit bei ihnen größer ist, daß sie auf eine
solche Umfrage stoßen, die meist als Fragebogen auf WWW-Seiten vorliegen
und auf die an mehreren Stellen im WWW aufmerksam gemacht wird. Tatsächlich
zeigen Vergleiche der Ergebnisse mit denen internetexterner Umfragen, daß
die interne Befragungsmethode die Nutzungszeit und formale Qualifikation der
Nutzer ebenso überschätzt wie den Anteil der
Männer [55]. Diese Umfragen können
also hauptsächlich dazu genutzt werden, um die regelmäßigen
Nutzer zu charakterisieren.
2.4.2.1 Internetexterne Erhebungen
Die bekannteste und umfangreichste internetexterne Umfrage stammt von dem
US-amerikanischen Marktforschungsunternehmen Nielsen Media Research und wurde im
Auftrag des Commerce-Net [56] im
August/September 1995 sowie im März/April 1996 mittels Telefoninterviews
erhoben. Dabei wurden in der ersten Umfrage über 4.200 abgeschlossenen
Telefoninterviews mit repräsentativ ausgewählten Personen über 16
Jahren aus den USA und Kanada geführt [57].
Die zweite Befragung wurde unter den bereits befragten Personen
durchgeführt, was zu 2.800 abgeschlossenen Interviews führte. Die
Repräsentativität der ersten Umfrage wird von verschiedenen Forschern
bezweifelt, da die Verteilung der Antworten Menschen mit geringem Einkommen und
geringer Bildung unterrepräsentiere und eine teilweise willkürliche
Veränderung inkonsistenter Fragebögen durchgeführt worden
sei [58]. Alpar geht bezüglich der ersten
Befragung von einer Überschätzung um etwa 15 % bei den Ergebnissen der
Fragen nach Zugang und Nutzung des Internet sowie Nutzung des WWW
aus [59].
Eine in der zweiten Befragung vorgenommene Aufteilung zwischen
Langzeitnutzern, also Personen, die das Internet bereits in den drei Monaten vor
August 1995 nutzten, und Neueinsteigern zeigt Trends bezüglich der
Entwicklung der Nutzerstruktur
auf [60]:
- 23% der Langzeitnutzer gegenüber 11% der Neueinsteiger bezeichnen
sich als "computer professionals".
- 67% der Langzeitnutzer gegenüber 60% der Neueinsteiger sind
männlich.
- 70% der Langzeitnutzer gegenüber 59% der Neueinsteiger benutzen seit
mindestens fünf Jahren einen Computer.
- 56% der Langzeitnutzer gegenüber 39% der Neueinsteiger haben
mindestens einen College-Abschluß.
- 27% der Langzeitnutzer gegenüber 17% der Neueinsteiger leben in
Haushalten mit mindestens US-$ 80.000 Jahreseinkommen.
Diese Beobachtungen lassen sich dahingehend interpretieren, daß es in
den USA durch die verstärkte Nutzung des Internet durch breitere
Bevölkerungsschichten (sogenannten Early Adopters) zu einer langsamen
Verschiebung der Profile der Internetnutzer von vorwiegend männlichen,
überdurchschnittlich gebildeten und verdienenden und zumeist im
Computerbereich tätigen Personen (sogenannten Technology
Developers/Pioneers) zum Bevölkerungsdurchschnitt kommt.
In der BRD haben internetexterne Umfragen aufgrund der geringen Anzahl der
Internetnutzer meist keinen repräsentativen Charakter, so daß ihre
Aussagen zurückhaltend interpretiert werden
sollten [61]. Außerdem beziehen sie sich
auf die Nutzung von Online-Medien allgemein, was es unmöglich macht, die
spezifische Internetnutzung herauszukristallisieren. Zimmer zufolge stellt sich
dabei folgende Nutzerstruktur dar:
- das Durchschnittsalter der Nutzer liegt bei etwa 30
Jahren [62].
- 82 % der Personen, die das Internet zu Hause nutzen sind männlich,
während die männliche Dominanz bei der außer Haus-Nutzung mit 72
% geringer ist [63].
- 57 % der Nutzer verfügen über Abitur - davon 26 % des weiteren
über einen Universitätsabschluß -, 28 % über Mittlere
Reife, 13 % über einen Volks- oder
Hauptschulabschluß [64].
- 44,4 % der Nutzer leben in Haushalten, die über ein monatliches
Nettoeinkommen von mehr als 5.000 DM, 19,9 % in Haushalten, die zwischen 4.000
und 5.000 DM, 18,9 % zwischen 3.000 und 4.000 DM und 11 % zwischen 2.000 und
3.000 DM verfügen [65].
Eine Bewertung dieser Ergebnisse zeigt, daß in der BRD die
Online-Nutzung noch stärker als die Internetnutzung in den USA die
Domäne überdurchschnittlich verdienender und gebildeter, mehrheitlich
männlicher Personen ist.
"Ohne die Aussagefähigkeit des Prognos-Szenarios überbewerten zu
wollen, läßt sich [...] festhalten, daß eine
gleichmäßige und rasche Ausbreitung von Onlinediensten in allen
Bevölkerungsschichten, wie sie optimistische Onlinemarktprognosen meist
implizit voraussetzen, keineswegs gesichert
ist." [66]
2.4.2.2 Internetinterne Erhebungen
Die umfangreichste internetinterne Erhebung stammt vom Georgia Institute of
Technology, das die Angaben von 55.000 WWW-Nutzern
sammelte [67]. Die Befragungen finden seit
Januar 1994 etwa alle sechs Monate statt und charakterisieren aufgrund ihrer
Erhebungs-struktur (Fragebögen auf WWW-Pages, die die Befragten nach
Selbstauswahl ausfüllen) vor allem die starken Nutzer des WWW. Ferner
bezieht sich die Erhebung aufgrund der Hinweise darauf in international
frequentierten Newsgroups und WWW-Sites auf die globale WWW-Population,
vorausgesetzt, sie ist der englischen Sprache mächtig.
Trotz der Eigenheiten der WWW-internen Erhebungstechnik bestätigt auch
diese Untersuchung im wesentlichen die in internetexternen Umfragen
festgestellten Entwicklungen:
- Der Anteil der US-Amerikaner sank von 80,6 % in der dritten (April/Mai
1995) auf 73,5 % in der fünften Umfrage (April/Mai 1996). Kanada und Mexiko
(zusammen 8,44 % in der fünften Umfrage), Europa (10,82 %), Ozeanien (3,63
%) und Asien (1,81 %) haben dagegen leicht wachsende
Anteile [68].
- Der Altersdurchschnitt der Befragten lag in der fünften Umfrage bei
32,95 Jahren entgegen 35 Jahren bei der dritten Umfrage. Der Altersdurchschnitt
der europäischen Teilnehmer liegt mit 28,8 Jahren niedriger als der der
Amerikaner [69].
- Der Anteil der Frauen an der WWW-Population stieg kontinuierlich von 5%
im April/Mai 1994 auf 31,4% im Oktober/November 1996. Dabei ist das Internet in
Europa mit einem Frauenanteil von19,8% besonders männlich
dominiert [70].
- Das Ausbildungsniveau sinkt von seinem sehr hohen Niveau etwas ab. Beleg
dafür ist die Anzahl von Befragten mit akademischen Titeln, die von der
zweiten (Oktober/November 1994) bis zur fünften Umfrage von 13 auf 4 %
sank [71].
- Der durchschnittliche Verdienst der Befragten hält sich relativ
stabil und lag bei der fünften Umfrage bei 88.200 DM, wobei der
Durchschnittsverdienst der US-Nutzer mit 90.580 DM deutlich über dem der
europäischen Nutzer (78.400 DM)
liegt [72].
Eine ähnlich durchgeführte, auf den deutschsprachigen Teil des
WWW bezogene Umfrage von Fittkau/Maaß kam zu folgenden
Ergebnissen:
- der Anteil der Männer ging von 94 % (Oktober/November 1995) auf 91%
(April/Mai 1996) zurück.
- das Durchschnittsalter lag konstant bei 29 Jahren.
- der Anteil der Studenten ging von 48 auf 40 %, der von Angestellten von
33 auf 30 % zurück, während sich der Anteil der Selbständigen von
9 auf 10 % und der der Schüler und Auszubildenden von 4 auf 5 %
erhöhte [73].
Der hohe Anteil der Studenten an den deutschsprachigen WWW-Vielnutzern kann
als Hauptgrund für das geringere Durchschnittsalter und den geringeren
Durchschnittsverdienst der europäischen gegenüber den amerikanischen
Befragten angesehen werden (auch in vielen anderen europäischen
Ländern haben Studenten aufgrund des kostenlosen Internetzugang und einen
relativ hohen Anteil an den
Internetnutzern [74]).
2.4.3 Beobachtungen
Die Daten und Schätzungen über Nutzerzahl und -demografie
belegen, daß Zugang und Nutzung des Internet gesellschaftliche
Ungleichheiten nicht nur widerspiegeln, sondern daß diese im Internet auch
vervielfacht werden [75]. Wie bereits die
internationale Struktur der Internetanschlüsse globale Ungleichheiten
deutlich gemacht hat, so zeigen die Eigenschaften der Internetnutzer
innergesellschaftliche Ungleichheiten auf. Auch wenn die Nutzerschaft des
Internet und insbesondere des WWW heterogener wird und sich in den meisten
demografischen Eigenschaften dem Bevölkerungsdurchschnitt langsam
annähert, so ist die Nutzung doch nach wie vor von Privilegien
abhängig. Dazu gehören Bildung (in vielen Ländern ist die
Internetnutzung für Studenten kostenlos oder subventioniert), finanzieller
Wohlstand (die Kosten eines PC, des Internetzugangs, vor allem in Deutschland
hohe Telefonkosten, etc.) und nicht zuletzt die Beherrschung der Technik und der
englischen Sprache. Diese Privilegien haben auch in den Industrienationen, die
vorwiegend die Nutzerschaft des Internet stellen, weite Teile der
Bevölkerung nicht. Der Generalsekretär der International
Telecommunikation Union, Pekka Tarjanne, nennt vor allem den Wohlstand als
entscheidenden Faktor für den Zugang:
"To date, access to communications facilities has been largely dictated by
wealth: the wealth of a country, an organizantion or an individual
familiy." [76]
3 Kommerzielle Nutzung des Internet
Für wirtschaftliche Unternehmungen gibt es verschiedene
Möglichkeiten, das Internet zu nutzen. Dazu zählen:
- die interne Kommunikation
- die Kommunikation mit anderen Unternehmen
- die Kommunikation mit potentiellen und tatsächlichen
Kunden
- der Verkauf von Produkten und Dienstleistungen
- der Vertrieb von Produkten und Dienstleistungen
- die Abwicklung finanzieller Transaktionen
- die Beobachtung der Kommunikation in bestimmten Teilen des
Internet
Für die Kommerzialisierung des Internet sind vor allem die Aspekte
relevant, die die Kommunikation und Interaktion mit dem (nicht dem Unternehmen
angehörenden) Individuum berühren. Deshalb werden die Verbesserung der
internen Kommunikation z.B. durch die Nutzung der Internethard- und software in
sogenannten Intranets oder auch die Business-to-Business-Kommunikation nicht
berührt.
Im folgenden werden die für die kommerzielle Nutzung des Internet
relevanten wirtschaftlichen Begriffe erläutert und darauf aufbauend die
möglichen Systematiken ihrer Anwendung diskutiert.
3.1 Begriffserläuterungen
3.1.1 Die Begriffe Markt und elektronischer
Markt
Wenn im folgenden vom Markt die Rede ist, wird darunter die
Gesamtheit ökonomischer Beziehungen zwischen den Mitgliedern einer Gruppe
gleichberechtigter Wirtschaftssubjekte verstanden, die ohne Zwang
institutionalisierte Geschäftstransaktionen
vollziehen [77].
In den letzten Jahren hat sich der spezifizierende Begriff des
elektronischen Marktes herausgebildet. In einem elektronischen Markt
stehen sich mehrere rechtlich unabhängige Anbieter und Nachfrager
gegenüber und tauschen über einen elektronischen
Preisbildungsmechanismus frei Güter und Dienstleistungen
aus [78]. Vorteile elektronischer Märkte
sind die Reduktion von Such- und Produktkosten auf Nachfragerseite und
Kostenreduktion bei Geschäftstransaktionen sowie schnellere und bessere
Informationen über Marktbedürfnisse auf
Anbieterseite [79]. Man unterscheidet zwischen
zentralen und dezentralen elektronischen Märkten, wobei in den dezentralen
im Gegensatz zu den zentralen Märkten keine zentrale preisbildende
Institution (wie etwa bei Auktionen) vorhanden ist, sondern Anbieter und
Nachfrager direkt miteinander kommunizieren und über eigene elektronische
Absatz- bzw. Beschaffungssysteme versuchen, die für sie günstigsten
Preise zu ermitteln [80]. Die informations- und
kommunikationstechnologische Infrastruktur, die einem elektronischen Markt
zugrunde liegt, ist der elektronische
Markt platz[81].
Ein offener elektronischer Markt ist vor allem durch drei Kriterien
definiert [82]:
1. Technologische Offenheit: Benutzer heterogener technischer Einrichtungen
haben Zugriff auf das Handelssystem.
2. Benutzeroffenheit: Der Zugang ist einfach, allgemein bekannt und an
verschiedenen Stellen gleichartig.
3. Juristische Offenheit: Diese Offenheit ist zum einen dadurch definiert,
daß jeder Interessierte das Recht zur Teilnahme und ein Recht auf
Anonymität hat, also daß er seinem Geschäftspartner nicht
unbedingt bekannt sein muß.
Neben dieser Offenheit der Kommunikationssysteme ist auch eine Offenheit
von der Marktseite gegeben, nämlich Offenheit für beliebige
Nachfrager, Anbieter und
Produkte [83].
An dieser Definition gemessen ist das Internet noch kein dezentraler
offener elektronischer Markt, entwickelt sich jedoch dahin. Im Gegensatz zu der
Dezentralität ist die Offenheit dem Internet nicht systemimmanent. Die
technologische Offenheit wird mit Hilfe übersetzender Sprachen wie TCP/IP
und die sich im Internet immer mehr ausbreitende Computersprache Java nahezu
erreicht, der Zugang wird durch den steigenden Wettbewerb von Zugangsanbietern
erleichtert (wenn er auch aufgrund mangelnder Einwählknoten durch die
unterschiedlich hohen Telefonkosten noch nicht als an verschiedenen Stellen
gleichartig bezeichnet werden kann). Die juristische Offenheit im Sinne eines
anonymen Zugangs ist im Internet nur bei Gastzugang, öffentlichen Mailboxen
und einigen Providern vorhanden [84].
3.1.2 Die Begriffe Marketing und Electronic
Marketing
Der Begriff Marketing hat mehrere Dimensionen; man kann ihn als
Maxime, Mittel und Methode verstehen. Eine Maxime ist Marketing für die
Verantwortlichen eines Unternehmens, die ihre den Markt berührenden
Entscheidungen an den Erfordernissen und Bedürfnissen der Verbraucher
orientieren. Als Mittel versteht man Marketing als die Gesamtheit der
Maßnahmen, die zum Erreichen dieser Maxime ergriffen werden. Wenn diese
Mittel auf der Basis einer systematischen Entscheidungsfindung ergriffen werden,
spricht man schließlich von Marketing im Sinne einer
Methode [85].
Es gibt vier sogenannte Managementfunktionen, die für den
Marketingbereich von Bedeutung sind und seine Werkzeuge ausmachen:
- Zum einen ist dies die Sammlung von Informationen über die
Umwelt, über vorhandene Instrumente und Möglichkeiten zur
Marktbeeinflussung, über innerbetriebliche Restriktionen sowie über
die Wirkungen, die die Instrumente unter verschiedenen Umweltsituationen
haben [86].
- Eine zweite Managementfunktion ist die Planung, die auf der
Kenntnis der Marktgegebenheiten basiert. Ihre absatzpolitischen Aktionsparameter
sind Produktpolitik, Entgeldpolitik, Distributionspolitik und
Kommunikationspolitik, die jeweils eine Fülle von
Handlungsmöglichkeiten und Strategien
beinhalten [87]. Aufgrund ihrer
englischsprachigen Bezeichnungen ( product, price, place, promotion)
werden diese vier Begriffsobergruppen auch als die vier "Ps" bezeichnet. Das
Ergebnis des Abwägens, welche dieser Instrumente wie stark gewichtet
werden, wird mit dem Begriff "Marketing-Mix" beschrieben.
Das Marketing beinhaltet somit alle Phasen des Verkaufsprozesses,
nämlich Verkaufsvorbereitung, die Verkaufsdurchführung und die
Verkaufsnachbereitung [88]. Während die
Verkaufsvorbereitung hauptsächlich aus Werbung, Absatzförderung und
Promotion/Public Relation (den drei Kernbereichen der Kommunikationspolitik)
besteht, umfaßt die Verkaufsdurchführung mit Zahlung und Distribution
Instrumente der Entgeld- und Distributionspolitik und die Verkaufsnachbereitung
mit dem Kundendienst und der Kontaktpflege Instrumente der Produkt- und
Kommunikationspolitik.
- Die Durchsetzung dieser Planung wird durch eine entsprechende
marktorientierte Organisation
gewährleistet [89].
- Die Marketing-Produktivitäts kontrolle erforscht letztlich,
inwieweit die angewandten Strategien erfolgreich waren. Die Beurteilung von
Erfolg bzw. Mißerfolg ist dabei eine äußerst komplexe
Angelegenheit, da die "Quellen des Unternehmenserfolges [...] indessen so
vielfältiger Art [sind], daß sie sich einer auch nur annähernd
vollständigen Erfassung und Durchleuchtung
entziehen." [90] So ist z.B. zu
berücksichtigen, daß sich der Erfolg nicht ímmer sofort und
auch nicht immer in monetären Kategorien messen
läßt [91].
Electronic Marketing ist ein Sammelbegriff für alle
marketingrelevanten Bereiche, in denen elektronische Komponenten und Systeme der
Informations- und Kommunikationstechnologien zur Anwendung
kommen [92]. Herrmanns und Flegel grenzen die
folgenden Marketingteilbereiche voneinander ab, in denen Electronic
Marketing zum Einsatz kommen
kann [93]:
- Der Bereich Markt- und Marketingforschung umfaßt das
Instrumentarium, das Entscheidungskriterien für Erarbeitung, Einsatz und
Kontrolle von Marketingkonzeptionen erstellt. Es umfaßt sowohl die
Marketingfunktionen Sammlung von Informationen und Kontrolle aus
der für das Marketing dargestellten Systematik.
- Marketing-Entscheidungsunterstützung bezeichnet die Umsetzung der
Ergebnisse des Forschungsbereiches in Informationen für strategische und
operative Planung. Dieser Bereich stellt ein Bindeglied zwischen den
Marketingfunktionen Sammlung von Informationen und Planung
dar.
- Strategisches Marketing "kennzeichnet allgemein die langfristige
Dimension des Marketing als
Führungskonzeption." [94] Dadurch ist es
mit der Marketingfunktion Durchsetzung und Organisation
vergleichbar.
- Das operative Marketing umfaßt die im Rahmen des strategischen
Marketings zu konkretisierenden und zu realisierenden Marketingziele und die
Marketinginstrumente Produkt-, Kommunikations-, Kontrahierungs- (Entgeld-,
Preis-) und Distributionspolitik. Es ist somit weitestgehend mit der
Marketingfunktion Planung identisch.
- Branchenorientierte Anwendungsformen: Verschiedene Branchen wie u.a. der
Konsumgüter-, Dienstleistungs-, Banken-, Handels- oder der Tourismussektor
benötigen individuelle Informations- und
Kommunikationstechnologie-Systeme.
Für die Systematisierung der Geschäftsaktivitäten auf dem
und mittels des Internet schlage ich Nutzung der vier Aktionsparameter
Kommunikations-, Produkt-, Entgeld- und Distributionspolitik vor, die durch den
als Datenlieferanten und Erfolgskontrollinstanz firmierenden Bereich Markt- und
Marketingforschung ergänzt werden sollen.
Diese Unterscheidung ist nicht unproblematisch, da neue, sich z.T. durch
das Internet erst im vollen Umfang entfaltende
Marketingkonzepte [95] auf der
übergreifenden Zusammenarbeit und damit dem teilweisen Zusammenhang dieser
Bereiche basieren. Andererseits existiert noch keine andere Systematik, die eine
strukturierte Beobachtung einzelner Marketingaktivitäten erlauben
würde. Ohne eine diesbezügliche Struktur wäre zwar eine zwischen
den einzelnen Bereichen und operativen und strategischen Marketingteilbereichen
übergreifende Analyse möglich, es bestünde allerdings auch die
Gefahr der Beliebigkeit.
Um sowohl dem Bedürfnis nach Strukturierung als auch dem nach einer
ganzheitlichen Sicht Rechnung zu tragen, werde ich vorhandene Bezüge
zwischen den einzelnen Teilbereichen durch Verweise deutlich machen und - wenn
es der Bezug zum Internet nötig macht - auch auf strategische, also der
eigentlichen Tätigkeit übergeordnete Überlegungen
eingehen.
Nach der Darstellung der Motivation für eine Internetpräsenz im
folgenden Abschnitt werden die einzelnen Internetaktivitäten der
dargelegten Systematik gemäß untersucht und eingeordnet. Dabei werden
diese einzelnen Aktivitäten nur dann ausführlich behandelt, wenn ihre
Anwendung im Internet eine neue Qualität besitzt. Aufgrund der (verglichen
mit anderen Medien) neuen Kommunikationsformen, die verschiedene Dienste des
Internet ermöglichen bzw. erfordern, wird der Schwerpunkt auf der
Kommunikationspolitik liegen, welche in allen ihren Bereichen für das
Internet neue Konzepte entwickelt hat.
3.2 Motivationen für eine Internetpräsenz von
Unternehmen
3.2.1 Arten der Internetnutzung
Ein entscheidender Faktor für die Entscheidung für oder wider
eine Internetpräsenz ist die Häufigkeit, mit der die Internetnutzer
auf bestimmte Angebote zurückgreifen bzw. zurückgreifen wollen. Eine
Umfrage unter deutschen Online-Nutzern ergab unter den Nutzungsarten folgende
Präferenzen:
Tabelle 4: Nutzung des Internet (Quelle: MC Informationssysteme/Target
Group (Hrsg.): MC Online-Monitor I/96, Executive Edition, Bad
Homburg, 1996 (hier: Umfrage unter 1.063 Online-Nutzern), rezitiert nach:
Zimmer, S.490)
|
Nutzungsart
|
Nutzungshäufigkeit in % (Mehrfachnennungen möglich)
|
|
Informieren
|
74,1%
|
|
Downloads (Herunterladen von Software)
|
55,6%
|
|
Foren
|
37%
|
|
Anbieterdialog
|
23,3%
|
|
Spiele
|
17,8%
|
|
Shoppen
|
13%
|
|
Zahlungsverkehr
|
11,1%
|
Eine WWW-interne gemeinsame Studie des SWF, des Fraunhofer Instituts und
der Universität Karlsruhe kommt auf einzelne Angebote bezogen auf folgende
Verteilung der Nutzungspräferenzen deutscher User:
Tabelle 5: Nutzungsarten des Internet (Quelle: Fraunhofer Institut für
Systemtechnik und Innovationsforschung, Südwestfunk, Telecooperation
Office an der Universität Karlsruhe: IST-Online-Umfrage I; Baden
Baden, Karlsruhe, 1996 (vom November 1995 bis Januar 1996
durchgeführte Umfrage unter 3.064 selbstausgewählten
WWW-Nutzern), rezitiert nach: Zimmer, S.490)
|
Angebot
|
Nutzung sehr oft
|
Nutzung oft
|
|
Suchprogramme
|
30%
|
35%
|
|
Updates/Hotlines
|
28%
|
31%
|
|
Produktinformationen
|
12%
|
33%
|
|
Freizeitinformationen
|
10%
|
33%
|
|
Datenbanken/Lexika/Archive
|
14%
|
10%
|
|
Einkaufen
|
0,2%
|
2%
|
|
Reisebuchungen
|
0,2%
|
1%
|
Auch durch weitere Studien ist Zimmer zufolge belegt, daß deutsche
Internetnutzer derzeit überwiegend nach nutzen- und
informationsorientierten Angeboten verlangen, unterhaltungsorientierte Nutzung
ebenso wie der Einkauf dagegen eher untergeordnetes Interesse
wecken [96]. Dabei ist die geringe Nutzung von
Einkaufsangeboten keine deutsche Besonderheit. Die internationale, vor allem
amerikanisch dominierte GVU-Umfrage fand in ihrer vierten Umfrage
(Oktober/November 1995) heraus, daß 11,1 % der befragten WWW-Nutzer das
Internet zum Einkaufen nutzen [97].
Im Widerspruch dazu steht die WWW-interne Umfrage von Fittkau/Maaß
unter deutschen WWW-Nutzern, die ergab, daß 42% finden, daß sich das
WWW zum Einkaufen/Shopping gut bzw. sehr gut
eigne [98]. Die ebenfalls im WWW erhobene
IDC/IAO-Umfrage fand gar heraus, daß bei 61% der befragten Internetnutzer
ein Interesse am Online-Shopping besteht. Tatsächlich zum Warenkauf genutzt
hatten das WWW bis dahin jedoch nur
25% [99].
3.2.2 Im Internet vertretene Branchen und die Motivationen ihrer
Präsenz
Während die ersten Firmen, die ihre Produkte im Internet anboten,
wissenschaftliche Verlage und Computerhersteller waren, die die
ursprüngliche wissenschaftliche Klientel des Internet als potentielle
Kunden umwarben [100], so hat sich die Anzahl
der sich im Internet engagierenden Branchen ebenso wie die Nutzeranzahl und
-struktur deutlich erweitert. Einen Beleg dafür liefert der Anteil der
".com"-Sites an den gesamten Web-Sites, der von Juni 1993 bis Juni 1996 von 1,5%
auf 68% anstieg. Da bei diesem Anteil die unter nationalen Top-Level-Domains
benannten kommerziellen Sites nicht erfaßt sind, wird vermutet, daß
der tatsächliche Anteil kommerzieller Sites über 80%
liegt [101].
Neben internetinternen Diensten wie Suchmaschinen, Netzines
(Internetmagazine) oder Datenbanken sind vor allem die Hersteller komplexer,
erklärungsbedürftiger Produkte (vor allem aus der Computerbranche),
die Hersteller von Produkten, die starkem Wettbewerb unterliegen, verstärkt
auch Hersteller einfacher Produkte [102] sowie
die Anbieter von Dienstleistungen (Buchungen, Finanzdienstleistungen usw.) im
Internet präsent. Diese Verteilung spiegelt sich beispielsweise - abgesehen
von einer werbespezifischen Überrepräsentierung des Mediensektors - in
der Verteilung der Werbetreibenden im WWW (vergleiche Abschnitt 3.3.1.1). Dabei
eignen sich unabhängig von der Branche besonders Produkte, die ein
großes Verbreitungsgebiet haben, selten zu findende Produkte, sowie
Produkte, die starkem Wettbewerb ausgesetzt sind, für die Präsentation
und gegebenenfalls auch für den Verkauf durch das
Internet [103].
Einer Studie des deutschen Internetmarktes zufolge werden von den deutschen
Internetnutzern vor allem Software (44.7%), Elektronik (28,8%), Textilien
(21,3%) und Papierwaren (11,9%) mittels des Internet
gekauft [104].
Die Präsenz im Internet dient jedoch nicht immer dem Verkauf, sondern
hat unterschiedlichste Motive. Die wichtigsten
sind [105]:
1. Stärkung des Unternehmensimages: Im Internet präsente
Unternehmen werden als fortschrittlich und zukunftsorientiert
angesehen [106].
2. Aufbau von Know-how: Viele Unternehmen glauben an den Durchbruch des
Internet als Massenmedium und präsentieren sich dort bereits
frühzeitig, auch wenn die Refinanzierung ihres Engagements bei den heutigen
Nutzerzahlen noch nicht sicher ist. Sie nutzen das Internet als Lernmedium. Sie
versuchen, aus ihren positiven wie negativen Erfahrungen Schlüsse zu ziehen
und so gegenüber nachziehenden Konkurrenzen einen Wettbewerbsvorteil zu
erreichen. Diese Learning-by-Doing-Strategie wird beispielsweise in bezug auf
multimediale Anwendungen von dem Marketingberater Robert Weiss
folgendermaßen empfohlen:
"Heute geht es darum, die Möglichkeiten und Grenzen der kommenden
Technik zu verstehen und aus dieser Kenntnis intern entsprechende Kompetenzen
aufzubauen, um als künftiger Benutzer die entstehenden Applikationen
mitzugestalten." [107]
Allerdings empfehlen Experten auch, dem frühzeitigen
Internetengagement eine präzise Planung voranzustellen statt
Trial-and-Error, also das Lernen aus Fehlern zu praktizieren, da dies zu
unausgereiften und unfertigen Angeboten führen könne, die deren Nutzer
verprellten [108].
3. Sicherung der Kundenbindung: Die Beantwortung von Kundenanfragen per
E-Mail kann die Beziehung zu den Kunden ebenso pflegen wie die Einrichtung einer
privaten Homepage des Kunden auf dem eigenen
Server [109].
4. Verbesserung des Kundendienstes: Gebrauchsanweisungen, Informationen
über neue Produkte sowie verschiedenste Serviceleistungen können z.B.
im WWW bereitgestellt werden, was die Kosten für Telefonhotlines, gedruckte
Prospekte und Wartungspersonal senkt.
5. Erschließung eines neuen Vertriebskanals: Herstellern ist es durch
das Internet möglich, ihre Produkte selbst zu vermarkten und somit in
Konkurrenz zu Handelsunternehmen zu treten.
6. Des weiteren gibt es für die Präsenz im Internet niedrige
Eintritts- und Austrittsbarrieren. Joachim Lüninck bezifferte
beispielsweise den Jahrespreis für eine grafisch aufbereitete Homepage mit
Responsefunktion auf 4530 DM [110].
7. Auch die Durchbrechung der zeitlichen und örtlichen Limitierungen
"realer" Handelsumwelten ist ein Motiv für den sogenannten
Internetauftritt. Die potentiellen Adressaten beispielsweise von WWW-Seiten sind
alle Internetnutzer (vorausgesetzt, das Unternehmen stellt mehrsprachige
Angebote zur Verfügung). Außerdem ist das Angebot nicht an
Öffnungszeiten gebunden, sondern rund um die Uhr erreichbar.
3.2.3 Internetgeschäftsmodelle
Verschiedene Branchen kommen mit verschiedenen Motivationen in das
Geschäftsfeld Internet und verfolgen verschiedene Ziele. Zum gegebenen
Zeitpunkt haben sich deshalb auch unterschiedliche Geschäftsmodelle
herausgebildet, die sich mittels verschiedener Systematiken fassen lassen.
Hoffman et al. unterscheiden zwischen folgenden Typen kommerzieller
WWW-Sites:
- Destination Sites - Online-Geschäft (Online Storefront)
- Internetpräsenz (Internet Presence)
- Bloße Anzeige (Flat Ad)
- Unterhaltende Site (Image)
- Informative Site (Information)
- Inhalt (Content)
- Kostenpflichtig (Fee-Based)
- Werbefinanziert (Sponsored)
- Suchbare Datenbanken (Searchable Database)
- Web Traffic Control Sites - Einkaufszentrum (Mall)
- Anreiz (Incentive Site)
- Suchagenten (Search
Agent) [111]
Malls sind virtuelle Kaufhäuser, also sozusagen Meta-Sites, die
mehreren virtuellen Geschäften (Online Storefronts) eine Homepage
bieten [112]. Als Anreize bezeichnen Hoffman
et al. anlockende WWW-Seiten, die von Unternehmensseite aus dazu dienen,
Besucher auf den Anbieter aufmerksam zu machen und auf die eigentlichen
kommerziellen Sites weiterzuleiten. Malls und Anreize steuern den WWW-Verkehr
ebenso wie Suchagenten zu den Destination Sites (Ziel-Sites), die die Nutzer
eigentlich besuchen wollen bzw. nach dem Wunsch der Unternehmen besuchen sollen.
Dazu zählen virtuelle Geschäfte, Content genannte Sites, unter die
z.B. Netzines fallen, sowie die bloße - z.B. der Selbstdarstellung
dienende - Internetpräsenz.
Das Modell ist allerdings nur bedingt dazu geeignet, verschiedene Modelle
und dahinter stehende Ziele von Unternehmen aufzuzeigen, da die Unterteilung in
vielen Fällen keine klare Abgrenzung zwischen den einzelnen Typen erlaubt.
So kann man unterhaltsame Sites wie die der Fernsehsendung Harald-Schmidt-Show
gleichwohl als unterhaltende Internetpräsenz des Fernsehsenders Sat1 als
auch als werbefinanzierte Inhalts-Site ansehen. Auch die Unterscheidung zwischen
Datenbanken und Suchagenten gestaltet sich zunehmend schwieriger, da sich
Kataloge wie Yahoo! (URL: http://www.yahoo.com/) auch zu Suchmaschinen
weiterentwickeln und so keine klare Trennlinie zwischen Verkehrssteuerungs- und
Ziel-Site mehr gegeben ist.
Alpar kritisiert an diesem Modell des weiteren, daß es
Internetgeschäftsmodelle außerhalb des WWW nicht berücksichtigt.
Deshalb schlägt er eine Unterscheidung vor zwischen
"1. Aktivitäten, die der Unterstützung internetunabhängiger
Geschäftsfelder dienen, und
2. Aktivitäten, die der Erschließung von Geschäftsfeldern
mit Bezug zu Internet dienen." [113]
Durch den Vergleich beider Modelle stellt Alpar fest, daß
Zielplätze meist internetunabhängige Geschäftsfelder
unterstützen, während Web Traffic Control Sites oftmals neue
Geschäftsfelder
darstellen [114].
Eine "harte" Abgrenzung ist allerdings auch zwischen den beiden
Unterscheidungskriterien Alpars nicht möglich. So kann die Präsenz
eines Versandhauses im Internet ebenso als Unterstützung des
internetunabhängigen Geschäftsfeldes Versandhandel wie als
Erschließung eines neuen Geschäftsfeldes angesehen werden, je
nachdem, ob man das Internet als Netzinfrastruktur oder als Raum ("Cyberspace")
begreift.
Trotz aller erwähnten Nachteile, die auch mit dem raschen Wandel des
Mediums zusammenhängen, dienen beide Modelle doch zumindest als grobe
Richtschnur, die verschiedene Internetaktivitäten einzuordnen
hilft.
3.3 Formen der Kommunikationspolitik im Internet
Der Bereich der Marketing-Kommunikationspolitik kann in direkte und
indirekte Kommunikation unterteilt werden. Unter die direkte Kommunikation
fallen alle Instrumente, die auf einen direkten Kontakt bzw. Dialog zwischen
Sender und Empfänger ausgerichtet sind. Dazu zählen Direktwerbung,
Direkt-Öffentlichkeitsarbeit und
Direkt-Verkaufsförderung [115]. Indirekte
Marketingkommunikation umfaßt dagegen unter anderem die klassische
Werbung, Verkaufsförderung und Öffentlichkeitsarbeit sowie das
Sponsoring [116], also alle
Kommunikationsinstrumente, die nicht den Dialog mit dem Individuum, sondern den
Kontakt mit einem Massenpublikum suchen.
Aufgrund der jeweiligen kommunikativen Eigenschaften der
Internetapplikationen setzt sich mehr und mehr die Auffassung durch, daß
diese - vor allem das WWW, E-Mail, Usenet News und Mailinglisten - sich
hauptsächlich für direkte Kommunikationsformen eignen. Es finden sich
jedoch im WWW auch indirekte Kommunikationsformen, die zum Teil massenmedialen
Charakter haben. Die folgenden Abschnitte stellen die wichtigsten Formen der im
Internet genutzten Marketingkommunikation vor.
3.3.1 Formen der indirekten Kommunikation
Dieser Subbereich der Marketingkommunikation spricht den Nutzer nicht
direkt an, sondern richtet sich an ein mehr oder weniger breites Publikum. Der
im Internet fast ausschließlich für diese Kommunikationsform genutzte
Dienst ist das World Wide Web. Lediglich Angebote im WWW, die sehr hohe
Nutzerzahlen aufweisen, können noch als Pendant der "klassischen"
massenmedialen Werbe- und Kommunikationsformen erkannt werden. Der
Großteil der kommerziellen Angebote richtet sich an einen speziellen
Nutzerkreis, so daß diese prinzipiell eher "Schmalfunk" als "Rundfunk"
betreiben. Unabhängig von der Reichweite bleibt allen Formen indirekter
Marketingkommunikation das Sender-Empfänger-Prinzip gleich, da sie den
Nutzer als lediglich bei der Auswahl der "Programme" aktiven Rezipienten
einbinden.
3.3.1.1 Formen der indirekten Werbung im World Wide Web
Der Begriff Werbung sei hier verstanden als Versuch der
Meinungsbeeinflussung bezüglich eines beliebigen Gegenstandes (in der
Wirtschaftswerbung meist bezüglich eines Produktes, einer Marke oder eines
Unternehmens) durch besondere
Kommunikationsmittel [117].
Im WWW findet sich Werbung vor allem als Bannerwerbung: Werbetreibende
zahlen an die Betreiber populärer bzw. oft besuchter WWW-Seiten und
dürfen als Gegenleistung ihr meist nur wenige Quadratzentimeter
großes Logo (Banner) auf dieser Seite plazieren. Diese Werbeform kann
sowohl mit Anzeigenwerbung in Zeitschriften verglichen werden als auch als
Sponsoring der Site aufgefaßt werden. Unter Sponsoring versteht man
"die Planung, Organisation, Durchführung und Kontrolle sämtlicher
Aktivitäten, die mit der Bereitstellung von Geld, Sachmitteln oder
Dienstleistungen durch Unternehmen für Personen oder Organisationen im
sportlichen, kulturellen oder sozialen Bereich zur Errichtung von
unternehmerischen Marketing- und Kommunikationszielen verbunden
sind." [118]
Werbeträger sind im WWW größtenteils Online-Ableger
bekannter Zeitungen (z.B. Bild online), Magazine (Spiegel online, TV Movie on),
Fernseh- und Radiosendern und -sendungen (Pro 7, Die Harald Schmidt Show) sowie
Internetdienste (Webcrawler, Netscape) und zur Zeit vor allem in den USA
internetspezifische Nachrichten- und Unterhaltungsangebote (Pathfinder,
PointCast Network). Als Werbeträger bieten sich grundsätzlich alle
Arten stark frequentierter Webpages an. Allerdings verhält es sich
zumindest in den USA, wo diese Werbeform sich am frühesten entwickelte, so,
daß sich die Werbeeinnahmen auf die populärsten WWW-Angebote
konzentrieren. So verteilten sich im vierten Quartal 1995 75% der sich auf 12,4
Millionen US-$ belaufenden Einnahmen für Bannerwerbung auf die zehn
erfolgreichsten
WWW-Werbeträger [119].
Die Werbetreibenden entstammen dabei vor allem dem Medienbereich (20 von 84
in Deutschland, Ende Juni 1996), dem Banken- und Versicherungssektor (11), der
Computerbranche (8), sowie den Bereichen Reise/Erholung (7), Internetproviding
(7), Zigaretten (6), Nahrung/Genußmittel (5) und Auto/Verkehr
(5) [120]. Der hohe Anteil des Medien- und des
Computersektors ist auch eine Folge des Anzeigentausches der Werbeträger
untereinander. Diese Praxis ist mit den im jetzigen Anfangsstadium der
Online-Werbung noch weit verbreiteten Rabatten der Hauptgrund dafür,
daß es noch keine verläßlichen Zahlen über die
Internetwerbeumsätze
gibt [121].
Die geringe Größe der Werbebanner ist ein Grund dafür,
daß Vertreter von Werbeagenturen dem Internet die Eignung als Werbemedium
absprechen [122]. Tatsächlich ist die
Bannerwerbung nur eine Möglichkeit von vielen, auf das WWW-Angebot eines
Unternehmens aufmerksam zu machen. Dazu zählen ferner die Registrierung der
Site in WWW-Suchsystemen und -Katalogen, Preisausschreiben, die Bezahlung der
Werberezipienten [123] und vor allem Nennung
der URL in Print- und TV-Werbekampagnen, Firmenprospekten und dergleichen, was
als effektivste Art der Bekanntmachung des WWW-Angebots angesehen
wird [124].
Bei der URL-Auswahl ist auch ein wichtiger Faktor, daß die URL in
engem Zusammenhang mit dem Firmennamen oder einem eingeführten Markennamen
und möglichst kurz und einprägsam ist. Das machten sich in
jüngster Vergangenheit Domainnamenhändler zunutze, die Domainnamen,
die Marken-, Firmen- und Städtenamen registrieren ließen, um sie
anschließend an die fraglichen Firmen und Kommunen zu
verkaufen [125]. Nach Grundsatzurteilen zu
Klagen der Stadt Heidelberg und des Unternehmens Maggi gegen diese Praxis wird
dies zukünftig jedoch nicht mehr möglich
sein [126].
Eine mit dem Fernsehen vergleichbare Reichweite haben WWW-Banner selbst in
den populärsten Sites nicht, doch sie haben einen entscheidenden Vorteil:
Fast alle Werbeschaltungen im WWW sind als Hyperlink
konzipiert [127]. Das bedeutet, daß sie
den interessierten Nutzer durch einfaches Anklicken auf die Homepage oder eine
andere Werbeplattform des Werbetreibenden "führen". Der eigentliche Sinn
der Bannerwerbung ist also primär nicht der "Kontakt" (darunter versteht
man die Kontaktmöglichkeit eines Nutzers mit einem Werbemittel), sondern
die Hinführung des Nutzers auf die WWW-Site des Werbetreibenden.
"Online-Werbeträger bilden somit eine Schnittstelle zwischen
klassischer Massen- und interaktiver Individualkommunikation. Der Kontakt mit
einem Werbelogo, sein passives Betrachten entspricht der Rezeption einer
Anzeige. Der Klick auf das Logo ist Ausdruck des individuellen Interesses des
Werbungstreibenden." [128]
Diese auf dem Hypermediaprinzip basierende Form der Werbung redefiniert
(vom massenmedialen Prinzip ausgehend) sowohl die Beziehung zwischen
Werbetreibendem und Mediennutzer, als auch zwischen Werbeträger und
Werbemittel:
Für die Beziehung zwischen Werbetreibendem und Mediennutzer
bedeutet die Hyperlinkwerbung eine Abkehr vom Broadcastingprinzip und die
"Anerkennung" des mündigen Verbrauchers durch die Werbebranche. Im WWW wird
die Werbung dem Nutzer nicht wie in den Massenmedien unaufgefordert
präsentiert, sondern er wird von ihr lediglich "eingeladen"; die Initiative
zum Besuch der kommerziellen Site geht vom Nutzer aus. Der Werbetreibende kann
die Werbung nicht zum WWW-Nutzer bringen (push), sondern muß diesen durch
Anreize aller Art dazu bringen, die Werbung zu konsumieren
(pull) [129]. Im Gegensatz zu TV, Radio und
Print nimmt die Werbung nur noch mit weniger Nutzern Kontakt auf. Die
Kontaktintensität ist dafür wesentlich höher, da der Kontakt von
dem Nutzer aufgrund seines Interesses aktiv initiiert wird.
"Für die Markenkommunikation bedeuten die Neuen Medien dramatische
Veränderungen, da sich im Prinzip ein Wandel von der passiven und letztlich
redundanten Informationsüberflutung zur aktiven und gezielten
Informationssuche vollzieht." [130]
Die Werbung entwickelt sich so vom Broadcasting zum
Narrowcasting [131], was neben dem
Hyperlinkprinzip von einer weiteren interaktiven Fähigkeiten des WWW
forciert wird: Im Bereich der Bannerwerbung ist dies die Fähigkeit von
Bannern in Suchmaschinen wie Infoseek, sich im Zusammenhang mit dem vom
Konsumenten gesuchten Begriff zu verändern. Wenn der Nutzer also
beispielsweise eine Musikgruppe als Suchbegriff eingibt, ist es möglich,
den Banner eines CD-Versandes oder einer Plattenfirma auf die Seite zu
schalten [132]. Die Nutzung dieser Eigenschaft
steckt noch in den Anfängen.
Die Beziehung zwischen Werbeträger und Werbetreibendem wird im
WWW durch ein neues Konkurrenzverhältnis um das Zeitbudget des Nutzers
geprägt. Denn wenn ein Nutzer das WWW-Angebot des Werbetreibenden aus
eigenem Interesse mittels eines Werbelinks besucht, wird er sich dort auch
länger aufhalten und gegebenenfalls nicht mehr zum Angebot des
Werbeträgers
zurückkehren [133].
3.3.1.2 Elemente der Public Relations und der Verkaufsförderung im
World Wide Web
Voraussetzung dafür, daß WWW-Surfer kommerzielle Sites besuchen
ist, daß das WWW-Angebot des Werbetreibenden dem Besucher einen Nutzen und
somit Gründe bietet,
"[...] sich freiwillig und gezielt mit dem Angebot auseinanderzusetzen.
Eine solche Online-Präsenz hat nur noch wenig mit dem gemein, was heute
landläufig unter dem Begriff Werbung verstanden wird. Online-Werbung ist
ein chamälionartiges Geflecht aus verschiedenen Formen und Inhalten, die
sich je nach Produkt, Nutzer, Kommunikationsziel oder Situation anpassen. Mal
ist sie pure Information, mal Gewinnspiel, mal konkreter Zusatznutzen, mal
Sponsoring" [134].
Das Angebot des Werbetreibenden, seine WWW-Site, ist keinen zeitlichen und
räumlichen Beschränkungen wie der 30-Sekunden-Form von TV-Spots oder
der ganz- oder halbseitigen Anzeige in Zeitschriften unterworfen.
Dementsprechend haben diese Sites auch ganz unterschiedliche Formen. Sie
können beliebig viel informativen oder unterhaltsamen Text, Grafiken oder
Spiele beinhalten und verfolgen dementsprechend viele Ziele, die zum Teil weit
über die der Werbung hinausgehen. Die Grenzen zwischen Werbung, Public
Relations und Verkaufsförderung
verschwimmen [135].
Als Public Relations (Öffentlichkeitsarbeit) bezeichnet man die Pflege
der Beziehungen zwischen einem Auftraggeber und einer spezifischen
Öffentlichkeit, die darauf zielt, gegenseitiges Verständnis und
Vertrauen aufzubauen [136]. Mittel der Public
Relations sind vor allem PR-Inserate und -Veranstaltungen, Vorträge,
Informationsbroschüren, Hauszeitschriften und
Presseinformationen [137].
Verkaufsförderung ist ein zeit- und marktsegmentspezifisch einsetzbares
Kommunikationsinstrument des Marketing-Mix, die durch personen- und sachbezogene
erweiterte Leistungen zum Angebot informiert und
beeinflußt [138].
Einzig eine Motivation ist bei allen kommerziellen Sites gleich: Sie wollen
dem Besucher einen Grund bieten, das Angebot erneut und am besten
regelmäßig und zeitlich extensiv zu besuchen. Oder, wie das
Multimedia Magazin diese Beobachtung auf den Punkt bringt: "100.000 Besucher
sind nichts wert, wenn sie nicht mehrfach
wiederkommen." [139] Die dazu geeignetsten
Elemente kommerzieller WWW-Sites sind:
- produktfremder Service: Jäschke/Albrecht raten die auch
Benefitting genannte Fokussierung ihrer Homepages auf produktfremden
Informationsnutzen in erster Linie den Herstellern von Low-Involvement-Produkten
(Verbrauchswaren) [140]. Doch auch
Unternehmen, die nicht diesem Sektor angehören, bieten dem Nutzer ihrer
Angebote Dienste, die mit ihren eigentlichen Produkten oder Dienstleistungen
nichts oder wenig zu tun haben. So bietet die in München ansässige
Vereinsbank (http://www.vereinsbank.de) im WWW nicht nur Bankdienstleistungen
an, sondern stellt auch Marktanalysen zu unterschiedlichen Themen bereit. Das
WWW-Angebot der Tageszeitung Rheinische Post, RP-Online, bietet bis auf
Kleinanzeigen keine Zeitungstexte, dafür jedoch ein virtuelles
Bürgerhaus, wo Nutzer unter anderem Behördenformulare auf ihren PC
laden können [141]. Die WWW-Site des
Sportartikelherstellers Reebok, Planet Reebok (http://www.planetreebok.com)
bietet Informationen über Sportereignisse und Sportler, sowie Tips für
Fitneßprogramme, so daß die eigentlich beworbenen Produkte
tendenziell in den Hintergrund geraten. Eine 1996 veröffentlichte Studie
von Altobelli/Hoffmann, die 54 Marketingauftritte deutscher Unternehmen im WWW
untersuchte, entdeckte bei 31% Benefittingcharakter (Überschneidungen mit
anderen Kategorien waren
möglich) [142].
- Unterhaltung: Kostenlose Computerspiele und Gewinnspiele sind
verbreitete Mittel, um Nutzer zum Besuch kommerzieller Homepages zu bewegen.
Altobelli/Hoffmann kamen beispielsweise bei der Auswertung der WWW-Auftritte
deutscher Unternehmen zu den Ergebnissen, daß Gewinnspiele in etwa 20% der
Sites, besonders stark in denen von Versandhandelsunternehmen vertreten
sind [143]. Diese spielorientierte Werbeform
wird auch als Advertainment bezeichnet und eignet sich vor allem für
technisch einfache Produkte und
Dienstleistungen [144]. Der bereits
erwähnten Auswertung zufolge besitzen 15% der WWW-Sites deutscher
Unternehmen Advertainmentcharakter [145].
- Produktinformation: Das WWW bietet eine neue Möglichkeit zur
detaillierten und multimedialen Darstellung. Diese auch als Infotisement
bekannte Verknüpfung von Information und Werbung eignet sich vorwiegend
für erklärungsbedürftige Produkte und
Dienstleistungen [146]. Altobelli/Hoffmann
zufolge ist dies bezüglich der WWW-Sites deutscher Unternehmen die
verbreitetste Präsentationsform, die von 94% genutzt
wird [147]. Die Präsentation kann direkt
(z.B. Test digitalisierter Produkte und Dienstleistungen für einen
bestimmten Zeitraum), indirekt (z.B. Test einer eingeschränkten Version
digitalisierter Produkte und Dienstleistungen) oder medial
geschehen [148]. Mediale Darstellung betreibt
beispielsweise der Autohersteller Opel (URL: http://www.opel.com), der im WWW zu
jedem Fahrzeugtyp technische Daten verbreitet und Vorzüge multimedial
darstellt. Diese Art der Präsentation dient vor allem der
Verkaufsförderung. Tips zur Wartung und Reperatur technischer Geräte
verlagern den Kundendienst in das WWW (vergleiche Abschnitt 3.5.3.2). Nicht nur
Produkte, sondern auch die Unternehmen selbst können sich unlimitiert
selbst darstellen. Altobelli/Hoffmann zufolge veröffentlichen 39% der
deutschen Unternehmen mit WWW-Site Unternehmenspublikationen in
derselben [149]. So nutzt z.B. der
Haushaltsgerätehersteller AEG das WWW als Public Relations-Medium, indem er
seine Firmengeschichte in seiner Site präsentiert (URL:
http://www.hausgeraete.aeg.de).
- Dynamik: Da die Nutzer die für sie interessanten Anbieter
immer wieder neu definieren, ist Aktualität ein wesentlicher Aspekt der
Kommunikation [150]. Eine im November 1995
durchgeführte Umfrage unter deutschen im WWW präsenten Unternehmen
ergab, daß 51% ihr Angebot täglich, 32% wöchentlich und 14%
monatlich aktualisieren, wohingegen nur 3% eine Aktualisierung für
unnötig halten [151].
- attraktive Gestaltung: Marketingexperten empfehlen die Integration
von Text, Ton, Bildern und Videosequenzen, um ein medienadäquates
attraktives Angebot zu präsentieren. Eine WWW-Seite baut sich jedoch im
Gegensatz zu einer Zeitungsseite nach und nach auf, wobei Geschwindigkeit und
Qualität von der Übertragungsgeschwindigkeit der Leitung und des
Modems sowie dem Browser abhängen. Deshalb wird inzwischen auch darauf
geachtet, geringe Datenmengen zu übertragen, um Besucher nicht durch lange
Ladezeiten abzuschrecken [152]. Eine
Lösung für dieses Dilemma ist die Bereitstellung von zwei
verschiedenen Versionen der Website; einer schlichten Fassung für die
Nutzer langsamer Verbindungen und einer Vollversion für die Nutzer
schneller Modems. Dies praktiziert unter anderem das Internet Underground Music
Archive (URL: http://www.iuma.com/).
- Des weiteren sind die Aspekte der einfachen Bedienung/Navigation für
den Besucher, der Flexibilität der Angebote und der Integration
unterschiedlicher Unternehmensangebote von
Bedeutung [153].
Je nachdem, welchen dieser Punkte ein Unternehmen Priorität
einräumt, unterscheiden sich Angebote mit vorrangig informativem,
unterhaltendem oder service-orientiertem Charakter. Weiterhin gibt es
dialogorientierte und transaktionsorientierte Angebote, die in den Abschnitten
3.3.2.3 und 3.6.1 behandelt werden. Wie bereits erwähnt kommt es fast immer
zu Mischformen, und zwar nicht nur zwischen der tendenziellen Ausrichtung,
sondern auch in der Unterscheidung zwischen Werbeträger und Werbeangebot.
Der bekannte Suchagent und jetzige Werbeträger AltaVista war
ursprünglich ein Service- und Werbeangebot der Digital Equipment
Corporation wie das Netzine und jetziger Werbeträger Spiegel Online ein
informatives Werbeangebot des Nachrichtenmagazins Der Spiegel war.
3.3.2 Formen der direkten Kommunikation
Direktmarketing ist eine auf Interaktivität zwischen Kunden und
Unternehmen basierende strategische Unternehmensausrichtung. Sie umfaßt
alle marktgerichteten Aktivitäten, die direkte Kommunikation bzw.
Direktvertrieb oder Versandhandel nutzen, um Zielgruppen in individueller
Einzelansprache zu erreichen, als auch Aktivitäten, die mehrstufige
Kommunikation nutzen, um direkten individuellen Kontakt
herzustellen [154]. Direktmarketing hat
umgehende und meßbare Reaktionen des Beworbenen zum
Ziel [155]. Seine Instrumente sind
Direktwerbung, Direkt-Verkaufsförderung und
Direkt-Öffentlichkeitsarbeit.
Direktwerbung beinhaltet alle Werbemaßnahmen, die Zielpersonen
mittels Individualmedien ansprechen, sowie sämtliche Werbemaßnahmen
in den Massenmedien, die durch Rückkoppelungsmöglichkeiten der
Herstellung eines direkten Kontaktes zu den Zielpersonen
dienen [156]. Man kann somit von zwei Formen
der Direktwerbung, der individuellen und der kollektiven Direktwerbung,
sprechen. Letztere wird auch Direct-Response-Werbung genannt.
Direkt-Verkaufsförderung und Direkt-Öffentlichkeitsarbeit
funktionieren im Rahmen des Direktmarketing analog zu ihrer indirekten Form; der
Unterschied liegt hier in der gezielten Ansprache des Individuums.
Das Internet wird etwa seit 1995 von Wirtschaftswissenschaftlern als
ideales Mittel für direkte Werbeformen und dialogbasiertes Marketing
propagiert. So behauptet beispielsweise McKenna:
"If companies treat new communications media such as the Internet [...]
simply as channels for broadcasting messages, distributing products, and
processing transactions, they will fail to gain the real benefits of the
technology. The power of the new media lies in their ability to draw the
individual customer into a conversation with the
company." [157]
Der folgende Abschnitt wird untersuchen, in welchen Formen sich die
Dialogaufnahme zwischen Individuum und Unternehmen im Internet gestalten
kann.
3.3.2.1 Individuelle Direktwerbung mittels E-Mail
Im Internet wurde diese Werbeform anfangs als weitreichender
unaufgeforderter Versand werbender E-Mails an private Nutzer praktiziert. Der
Vorteil gegenüber herkömmlichem Vertrieb per Post lag vor allem in den
niedrigen Kosten. Doch die Nutzer des Internet waren in den späten
achtziger und frühen neunziger Jahren noch ebenso erfinderisch wie
allergisch gegen die kommerzielle Nutzung des Internet. So schickten sie
umfangreiche Beschwerdemails in großer Zahl zurück an den Absender
der Werbebriefe, um so innerhalb kürzester Zeit dessen
Internetanschluß lahmzulegen. Nach wenigen Versuchen netzfremder Firmen
wurde diese Methode der direkten Werbung wieder eingestellt, weil der
erwünschte Erfolg nicht nur ausgeblieben war, sondern sich in das Gegenteil
verkehrt hatte.
Inzwischen sind jedoch durch das Wachstum der Netze - vor allem durch die
Bereitstellung eines Internetzugangs für die Kunden kommerzieller
Online-Dienste - immer mehr Nutzer in das Internet gekommen, denen die
Subkulturwurzeln des Mediums ebenso wie die Netiquette fremd sind. Die neuen
Nutzer, die das Medium weniger als Mittel der politischen Selbstbestimmung und
freien Meinungsäußerung, sondern vorrangig als riesige Spielwiese und
/ oder Dienstleistungsbetrieb sehen, haben mit der Werbung erheblich weniger
Probleme: Sie sind sie von anderen Medien gewohnt. Deshalb wird der
unaufgeforderte Versand von E-Mails inzwischen wieder als Werbemittel genutzt,
wie folgende Meldung des Internetfachblattes Pl@net belegt:
"Die Netzgemeinde ist verärgert. Seitdem immer mehr Unternehmen das
Netz entdecken, häufen sich in den Postfächern der User die
elektronischen
Werbewurfsendungen." [158]
Offenbar greifen die "alten" Regulationsmodi der Netzgemeinde nicht mehr,
weil sich die ursprünglichen kommerzialisierungsfeindlichen Nutzer
inzwischen in der Minderzahl befinden. Ob und welche Firmen sich jedoch dem
Risiko eines negativen Images aussetzen wollen, ist noch nicht klar. Es ist
jedoch zu vermuten, daß Discount-Anbieter nach und nach testen werden, wie
die Reaktionen ausfallen und bei positivem Echo eventuell auch namhafte Firmen
nachziehen werden.
Allerdings wird die Versendung nicht "flächendeckend", sondern
zielgruppenspezifisch ausfallen. Das hat mehrere Gründe: So ist das
unaufgeforderte Versenden von E-Mails in den Richtlinien einiger Provider
ausdrücklich verboten. Der Online-Dienst America Online sperrte nach
Beschwerden seiner Kunden die Posteingänge fünf extensiver
Werbeversender für sein Netz [159]. Auch
ist das zielgruppenungenaue Versenden im Internet gar nicht nötig. So setzt
sich beispielsweise mittlerweile die Praxis durch, den Eintritt in beliebte
Sites nur Nutzern zu gewähren, die Fragen zu ihrer Person beantworten und
ihre E-Mail-Adresse angeben. Den Betreibern dieser Angebote (und anderen, falls
erstere ihre Adressensammlungen verkaufen) ist es möglich, Adressenlisten
nach Alter, Geschlecht, Wohnort und allen weiteren abgefragten Eigenschaften zu
filtern und folglich Werbemails nur an wenige, potentiell interessierte Kunden
zu verschicken, was auch die Akzeptanz der Werbung erhöht.
3.3.2.2. Formen der direkten Kommunikation durch Usenet News und
Mailinglisten
Das Medium Usenet News kann durch einen "echten", also nicht unter der
Kontrolle eines Unternehmens befindlichen Dialog neue Möglichkeiten der
kollektiven Direktwerbung, aber auch der direkten Verkaufsförderung und der
direkten Öffentlichkeitsarbeit eröffnen. Dabei beinhaltet es viele
Eigenschaften, die für die Werbenutzung hinderlich sind:
- Ihm fehlt die grafisch ansprechende Gestaltung des WWW.
- Usenet News ist ein polydirektionaler Dienst. Werbung und PR
funktionieren aber zumeist monologisch (Anzeigen und Spots in den Massenmedien)
oder nur begrenzt dialogisch (Infotelefone, Fragebögen). Ein Unternehmen
kann die Kommunikation in Usenet Newsgruppen nicht kontrollieren, sondern ist
lediglich ein Sender unter vielen.
- In vielen Usenet Newsgruppen ist eine antikommerzielle Grundhaltung
vorhanden. Der bekannteste Beleg dafür wurde im April 1994 erbracht, als
die US-amerikanische Anwaltskanzlei Canter&Siegel Werbebotschaften an 6.000
Newsgruppen verschickte und von empörten Anwendern so viele
Beschwerde-E-Mails (im Internetjargon "Flames" genannt) bekam, daß ihr
Zugangs-Provider vom Netz abgetrennt werden
mußte [160].
- Die Einrichtung einer Newsgruppe ist reglementiert und dementsprechend
kompliziert (vergleiche Abschnitt 2.2.2). Deshalb ist es für ein
Unternehmen auch kaum praktikabel, eine eigene Newsgroup zu errichten. Die
Nutzung dieses Mediums bleibt also vorrangig auf Unternehmen beschränkt,
deren Produkte direkt oder indirekt in bereits vorhandenen Newsgruppen behandelt
werden.
Aufgrund dieser Eigenschaften des Usenet raten die Autoren von
Internetratgebern Unternehmen zu Einschränkungen der Werbung im
Usenet:
- So rät Paul Alpar, Werbebotschaften lediglich in Newsgruppen zu
veröffentlichen, die mit "biz." (für "Business") gekennzeichnet sind,
also kommerzielle Aktivitäten erlauben, diese auch als Werbung zu
deklarieren und dosiert zu
versenden [161].
- Mary J. Cronin zufolge ist es unbedingt nötig, die Internetkultur zu
respektieren und kommerzielle Beiträge auf die Newsgruppen zu fokussieren,
die daran ein spezielles Interesse haben
könnten [162].
Warum nutzen einige Unternehmen, vor allem in den USA, das Usenet trotz
dieser Einschränkungen? Die Antwort ist denkbar einfach: Weil die
ungefilterte Kommunikation mit besonders interessierten Kunden zahlreiche
Chancen für sie bietet, die nicht nur die Kommunikations-, sondern auch die
Produktpolitik (vergleiche Abschnitt 3.5.1.1) und die Marketingforschung
betreffen (vergleiche Abschnitt 3.7.1).
"Eine Firmenrepräsentation außerhalb der abgeschirmten
Anzeigenwelt des WWW in einer wirklichen Diskussion mit den Kunden und der
Kunden untereinander ist sicherlich nicht leicht zu kalkulieren, aber wenn sie
gelingt, wird sie sicher positive Rückwirkungen auf die Struktur der Firma
haben." [163]
Ein fast klassisches Beispiel, das sowohl Risiken als Chancen dieser
Kommunikation aufzeigt, ist die Affäre um den Pentium-Chip der Firma
Intel [164]: In einer Newsgruppe wurde ein
Divisionsfehler des Computerchips zuerst bekannt und durch den vereinten Druck
der Verbraucher in dieser Gruppe wurde Intel zu einer Umtauschaktion bewegt. Die
Firma hatte in der Diskussion versucht, die Nutzer zu beschwichtigen, da der
Fehler nur bei einer selten benötigten Rechenanwendung auftrete. Diese
Taktik hätte einzelnen isolierten Anwendern gegenüber Erfolg haben
können, was jedoch im Usenet nicht der Fall war, da die Nutzer sich
untereinander austauschen konnten. Darin liegt nun das Risiko des Usenet
für kommerzielle Anwendungen. Kristian Köhntopp beschreibt dies
folgendermaßen:
"Firmen haben ein Interesse daran, mit ihren Kunden zu reden, und daß
auch die Kunden mit ihnen reden können. Aber kaum eine Firma hat Interesse
daran, daß die Kunden ein Medium haben, untereinander über die Firma
zu reden. Aber genau das ist in den Newsgroups oder Mailinglisten der Fall. Hier
bildet sich eine Öffentlichkeit über eine Firma und deren Produkte,
die sich überregional ausdehnen [sic], von der Firma aber nicht direkt
kontrolliert werden kann. [...] Der Umgang mit solchen polydirektionalen Medien
ist für jemanden, der hier bestimmte Interessen verfolgt, sehr viel
schwieriger als in einer stärker kontrollierten
Umgebung." [165]
Worin liegen im gegebenen Beispiel für die Firma Intel die positiven
Folgen der Affäre? Man kann davon ausgehen, daß es sich bei den
Teilnehmern der Usenet-Diskussion um besonders interessierte Intel-Kunden
handelt, da diese viel Zeit in den Dialog (oder besser: Polylog) mit der Firma
investieren. Also hat Intel mit dieser Newsgruppe ein fast kostenloses Medium
gefunden, das Meinungen, Wünsche und Interessen der Kunden einholt. Eine
solche Feedback-Aktion durch ein Marktforschungsinstitut durchführen zu
lassen, wäre erheblich teurer und eine einmalige Aktion, während die
Diskussion in einer Newsgruppe ein kontinuierlicher Vorgang ist. Aus der Kritik
an dem bereits auf dem Markt befindlichen Produkt können Verbesserungen
nach den Wünschen der Kunden für Nachfolgeprodukte beschlossen werden,
was diese faktisch zu Mitentwicklern macht (vergleiche die Abschnitte 3.3.3,
3.5.1.1 und 3.7). Die direkte Kommunikation ist also nicht nur Werbung, sondern
dient dem Unternehmen auch als Instrument der Produktpolitik und der
Marktforschung. Weiterhin kann Usenet auch für direkte Public
Relations-Aktionen genutzt werden:
"Innerhalb kürzester Zeit wird es möglich sein, weltweit eine
durchdachte und werbeträchtige PR-Aktion durchzuführen. Das Medium
Usenet News ist hierbei besonders hervorzuheben. In wenigen Tagen erfahren viele
Interessenten von Aktionen und
Veranstaltungen." [166]
Newsgruppen sind meist nicht firmen-, sondern themenzentriert. Sie sind
keine geschlossenen Bereiche, in denen lediglich Verbraucher mit einem
bestimmten Unternehmen diskutieren. Das führt dazu, daß oft mehrere
verschiedene Unternehmen in einer Newsgruppe mit den Nutzern kommunizieren. Da
sich die Diskussionsteilnehmer nicht als Unternehmensrepräsentanten zu
erkennen geben müssen, kam es bereits zu sogenannten "Pseudo-Testimonials",
die mitunter sogar so weit gehen, daß eine Firma im Schutz der Anon- oder
Pseudonymität über das Ziel der Werbung hinausschießt und
negative Gerüchte über die Konkurrenz
verbreitet [167].
Diese Gefahr besteht bei der Einrichtung von Mailinglisten durch ein
Unternehmen in weit geringerem Maße. Außerdem ist dies erheblich
einfacher zu bewerkstelligen als eine eigene Usenet Newsgroup ins Leben zu
rufen. Deshalb bieten auch zahlreiche Unternehmen diese Kommunikationsform
bereits an, was vor allem den Vorteil einer vom Initiator beliebig
fokussierbaren Themenvorgabe hat [168].
Allerdings ist es für firmenzentrierte Mailinglisten kaum möglich,
ähnlich hohe Nutzerzahlen wie etablierte themenzentrierte Newsgruppen zu
erreichen, die neben den aktiv beitragenden Nutzern auch eine unbekannte Anzahl
"stummer" Leser (sogenannter "Lurkers") haben.
Bisher ist noch offen, ob die Wirtschaft ihre Kommunikationspolitik den
Möglichkeiten des Internet anpassen wird, oder ob sie das Medium passend zu
ihren bisherigen Methoden umgestalten wird bzw. will. Von Seiten der Konsumenten
scheint allerdings die Bereitschaft zum Dialog zu bestehen. Das belegt - neben
der Bildung von Newsgroups zu bestimmten Produktgruppen, die ja zum
Großteil ohne Zutun der Firmen ins Leben gerufen wurden - auch die hohe
Bereitschaft der Nutzer zum Dialog (vergleiche Abschnitt 3.2.1).
3.3.2.3 Formen der direkten Kommunikation durch das World Wide
Web
Durch die Integration von E-Mail ist auch das WWW zur direkten
Kommunikation fähig. Der Dialog mit dem Individuum ist deshalb zu einem der
wichtigsten Vorteile der WWW-Kommunikation geworden und löst folglich mehr
und mehr die Ansprache an ein (ohnehin nicht vorhandenes) passives
Massenpublikum ab [169]. Kommerzielle Sites
bieten dem Besucher vermehrt die Möglichkeit, nicht nur mit den Inhalten zu
interagieren, sondern auch per E-Mail den Dialog zu suchen. So bieten 56% der
deutschen Unternehmen im WWW eine direkte E-Mail Responsemöglichkeit
an [170].
Der Kontakt mit dem potentiellen Kunden dient dabei verschiedenen Zwecken.
So kann dieser oftmals Prospektmaterial oder Kataloge anfordern, was der
Verkaufsförderung zuzurechnen ist. Feedback auf WWW-Preisausschreiben kann
der Markt- / Zielgruppenforschung dienen (vergleiche Abschnitt 3.7). Zwar gibt
es in den klassischen Massenmedien auch diese Werbeform (z.B. durch das
Einblenden von Infotelefonnummern in Werbespots oder das Einheften von
Antwortpostkarten in Anzeigen), doch ist sie aufgrund des Medienbruchs (der
Beworbene muß vom Fernseher zum Telefon gehen bzw. die Postkarte
frankieren und einwerfen) bei weitem nicht so effektiv für die
Werbenden.
Auch für die Öffentlichkeitsarbeit wird das Web als Dialogmedium
genutzt. Die von Unternehmensseite ermunterte Ansprache des Konsumenten mittels
E-Mail deutet auf offene Unternehmensstrukturen hin. Dabei baut die
unkomplizierte (und fast kostenlose) E-Mail-Kommunikation psychologische
Barrieren ab, die bei herkömmlichen Kommunikationsmöglichkeiten
bestehen. Unternehmen erhoffen sich aufgrund dieser verbesserten
Kommunika-tionsmöglichkeiten eine stärkere Kundenbindung. Allerdings
kann die Vermittlung dieses Eindrucks auch kontraproduktiv sein, wenn der
Dialogerwartung des Nutzers nicht entspro-chen wird. Prompte Antwort auf E-Mails
und Weiterleitung spezieller Anfragen an die entsprechenden Ansprechpartner sind
grundlegende Voraussetzungen für ein Gelingen des
Dialoges [171].
3.3.3 Paradigmenwechsel der kommerziellen Kommunikation im
Internet
3.3.3.1 Aktivität statt Passivität, Dialog statt
Monolog
Wie die Darstellung der Kommunikationsformen im Internet belegt hat, setzt
sich etwa seit 1996 auch in der BRD mehr und mehr die Auffassung durch,
daß Werbung im Internet nicht als Pendant der massenmedialen Anzeigen-
bzw. Spotwerbung, sondern als individuelle dialogische Werbung zu begreifen
ist [172]. Die meisten und vor allem die
innovativsten Werbeformen im Internet unterscheiden sich von Anzeigen bzw. Spots
in den klassischen Massenmedien, also den Werbeformen, die in den letzten
Jahrzehnten die Medienlandschaft dominierten, vor allem durch folgende
Eigenschaften:
- Die Werbung in den Massenmedien wird dem Zuschauer, Zuhörer oder
Leser unaufgefordert präsentiert (Push), während im Internet die
Initiative vom Nutzer ausgeht (Pull). Für den Werbetreibenden folgt daraus
im Internet die eine Strategieänderung: "Invitation statt
Intrusion" [173].
- Im Internet kann ein Dialog zwischen zwei Kommunikationsteilnehmern
stattfinden, in den Massenmedien ist der Werbetreibende Sender für eine
große Anzahl passiver Empfänger. Für den Werbetreibenden
bedeutet dies im Internet folgende Paradigmenwechsel: "One-to-One statt
One-to-Many [...] Dialog statt
Monolog" [174].
Aus diesen beiden Eigenschaften folgen weitreichende Konsequenzen für
die werbetreibenden Unternehmen. Die Dialogmöglichkeit von Metanetzwerken
wie dem Internet ist auch ein Punkt, an den Regis McKennas Konzept des
Echtzeitmarketing anknüpft. Er versteht darunter einen Dialog zwischen
Unternehmen und Kunden, der bei der Entwicklung eines Produktes beginnt und bis
weit nach dem Kauf hinausreicht und der vor allem den Kunden nicht als Ziel der
Marketingbemühungen sieht, sondern als integralen, teilnehmenden Partner.
McKenna sieht in diesem "echten", ungefilterten Dialog eine Chance für
Unternehmen, sich auf den immer enger und kritischer werdenden
Verbrauchermärkten durchzusetzen. Vorteile des Echtzeitmarketing sind
für das Unternehmen
- kundennähere Produkte durch Mithilfe der Kunden an der
Konzeption
- bessere Kundenbindung durch Identifikation mit dem von ihnen
mitentworfenen Produkt
- billigere und präzisere Daten über die Kunden durch
ungefiltertes Feedback anstatt tendenziell spekulativer
Marktforschung [175].
Das Echtzeitmarketing bietet also Vorteile für die Kommunikations-,
Preis und Produktpolitik und die Marketingforschung.
Die Vorteile für den Nutzer führt McKenna nicht ausführlich
auf, sie sind jedoch leicht zu erkennen: Der Kunde wird als kritischer und
mündiger Verbraucher anerkannt und hat die Möglichkeit, aktiv auf ein
Unternehmen einzuwirken. Wie weit diese Einwirkung allerdings geht, hängt
von der Art und dem Ausmaß ab, in dem Unternehmen die Öffnung ihrer
Strukturen praktizieren. Das Konzept setzt schließlich eine
vollständige Neuorientierung des gesamten Marketing voraus (so sieht
McKenna die Markteinführung eines Produktes nicht als isoliertes Ereignis,
sondern als Meilenstein in der Beziehung zwischen Kunden und
Unternehmen [176]) und birgt neben Chancen
auch gewaltige Risiken, wie das Intel-Beispiel gezeigt hat. Auch Balzer/Glomb
sehen die Gefahr der Kontraproduktivität dialogischen Marketings, wenn
Unternehmensstrukturen nicht gleichsam nach außen wie nach innen
geöffnet werden:
"Denn den Unternehmen [...] muß bewußt sein, daß ein
Revirement bestehender Kommunikationsbedingungen und eine Hinwendung zu neuen
Wegen in der Kommunikation nicht mit alten, tradierten Strukturen bewerkstelligt
werden kann. Die Entscheidung, Dialogbeziehungen (Interaktion) mit dem Kunden
einzugehen, hat weitreichende Konsequenzen für die gesamte
Unternehmensorganisation." [177]
Wie weit sich welche Unternehmen diesem Vorschlag gegenüber
öffnen werden, läßt sich zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch
nicht beantworten. Es bleibt jedoch festzuhalten, daß das
dialogorientierte Kommunikationsmodell des Internetmarketing kein isoliertes
Phänomen, sondern gleichsam Folge und Verstärker der Entwicklung des
Marketing ist, die sich verstärkt auf bedarfsgerechte Leistungen
gegenüber dem Kunden, Flexibilität und Kostenorientierung
konzentriert [178].
3.3.3.2 Individualisierung statt Massenansprache
Eine weitere Entwicklung, die die Marketingkommunikation verändert,
ist der sogenannte Trend zur Individualisierung. Unter Individualisierung sei
hier die individuelle Ansprache des Nutzers und die Einstellung auf seine
persönlichen Interessen und Bedürfnisse verstanden. Individualisierung
kann mit dem bereits angesprochenen Dialog zwischen Unternehmen und Individuum
und der Aktivität des Mediennutzers einhergehen, muß es jedoch nicht
unbedingt. Sie kann auch als weitergehende Verengung des Broadcasting-Prinzips
über das Narrowcasting zum Point- oder Personalcasting verstanden
werden [179], was Dialog und Aktivität
nicht beinhalten muß.
Im TV-Sektor wurde ein erster Schritt weg von einem einzigen Massenpublikum
mit der Einführung des Privatfernsehens getan. Durch die Einrichtung einer
Vielzahl unterschiedlicher Programme kam es auch zu zielgruppenspezifischerer
Werbung, die im bisherigen Drei-Programme-System nicht möglich war: In
Sportsendungen werden Bier und Sportartikel beworben (eine bezeichnende
Mischung), in den Lieblingsserien der Teenager Popgruppen und Gesichtswasser,
etc. Diese Entwicklung wird im Internet noch weiter geführt. Dabei lassen
sich zwei Typen unterscheiden:
- die Entwicklung eines auf das Individuum bezogenen
"maßgeschneiderten" Angebotes.
- die Schaffung von Interessensgemeinschaften.
Beide Ausprägungen lassen sich durch die Errichtung neuartiger
Internetapplikationen darstellen. So stellt der im Februar 1996 eingerichtete
Internetdienst PointCast Network einen fast klassischen Vertreter des
individuellen Angebotes dar. Es handelt sich dabei um eine Mischung aus
Bildschirmschoner und Nachrichtendienst. Der Nutzer kann zu Nachrichten, die ihn
interessieren, Hintergrundberichte anfordern, woraufhin sich PointCast die
Präferenzen des Nutzers "merkt" und ihm die von ihm präferierten
Nachrichten in Zukunft als erste auf den Bildschirm projiziert. Die
Werbewirtschaft hat dadurch den Vorteil, daß sie genau ausmachen kann, wer
sich für welche Produkte interessiert bzw. interessieren könnte und
kann somit Streuverluste minimieren [180].
PointCast spricht den Nutzer direkt an, verlangt von ihm jedoch keinen Dialog
und abgesehen von der Auswahl der Präferenzen auch keine
Aktivität.
Die Zusammenführung von Interessengemeinschaften (Communities of
Interest) versucht durch die Einbindung werblicher Angebote in bestehende
Strukturen neben der Minimierung von Streuverlusten auch eine starke Bindung des
Nutzers an Marken und insbesondere an den Dienst, der die Zusammenführung
der "Gemeinschaft" ermöglicht, zu
erreichen [181]. Ein Beispiel für diese
Taktik ist der WWW-Dienst Firefly (URL: http://www.ffly.com). Zu der Homepage
dieser Applikation haben nur die Nutzer Zugang, die persönliche Daten und
einen Nutzernamen angeben, unter dem sie den anderen Firefly-Mitgliedern bekannt
sind. Sie bekommen eine eigene Homepage zugeteilt, die sie beliebig gestalten
und in die sie unter anderem Film- und Musiktips angeben können. Firefly
macht dem individuellen Nutzer in der Folge Angebote, die seinem Geschmack
entsprechen (sollen). In diesem Punkt liegt also eine Überschneidung mit
dem PointCast-Prinzip. Durch die Zusammenführung Gleichgesinnter versucht
Firefly im Gegensatz zu dem "maßgeschneiderten", aber anonymen PointCast,
den Nutzer zum erneuten Besuch zu überreden und langfristig an sich zu
binden. Die Nutzung bestehender Strukturen für kommerzielle Zwecke besteht
darin, daß der Nutzer dazu gebracht wird, die Möglichkeit des
Polylogs (der ja über Mailinglisten und das Usenet ebenso möglich
wäre) mit dem Dienst (hier: Firefly) zu verbinden.
Bezeichnenderweise basieren die innovativen Beispiele für die beiden
Typen der Individualisierung nicht auf dem Dialog zwischen Anbieter und Nutzer,
sondern auf der neuartigen Fähigkeit von Computerprogrammen, sich bestimmte
Auswahlkriterien zu merken und darauf zu reagieren bzw. auf dem Dialog der
Nutzer untereinander. Im Gegensatz zu dem Dialogparadigma besteht hier kein
Potential zur Veränderung innerbetrieblicher Strukturen, sondern lediglich
zur Flexibilisierung und Bedarfsorientierung bezüglich der
Nachfrage.
Aus soziokultureller Sicht ist die sogenannte Individualisierungstendenz
ohnehin nicht als solche zu bezeichnen, da das Marktgeschehen immer einen
sozialen Charakter hat und vermeintliche Individualisierung immer auch auf
andere angewiesen ist, was sie zur verkappten Konventionalisierung
macht [182].
Zum gegebenen Zeitpunkt läßt sich aufgrund der noch geringen
Anzahl individualisierender Sites noch nicht vorhersehen, wie weit sich dieses
neue Paradigma durchsetzen wird. Da es sich hier jedoch ebenso wie bei dem Trend
Echtzeitmarketing nicht um eine auf das Internet beschränkte, sondern
allgemeine gesellschaftliche Entwicklung handelt, kann mit einer nachhaltigen
Wirkung gerechnet werden.
3.4 Formen der Entgeldpolitik im Internet
Die Entgeldpolitik verkörpert die Gesamtheit aller Entscheidungen im
Marketing-Mix, die der zielorientierten Gestaltung des
Preis/Leistungsverhältnisses
dienen [183]. Subinstrumente der
Entgeldpolitik sind neben der den Grundpreis bestimmenden Preispolitik
verschiedene Formen der Abgeltung von Zusatzleistungen, im wesentlichen alle
Formen der Rabattpolitik sowie die
Zahlungsbedingungen [184].
3.4.1 Preispolitik
Preispolitische Relevanz hat das Internet nur auf digitalisierbare Waren
und Dienstleistungen. Diese können über die Netzwege vertrieben bzw.
geleistet werden, was teilweise enorme Ersparnisse im Distributionsbereich mit
sich bringt (vergleiche Abschnitt 3.6.2.2). Für den Verkauf
herkömmlicher Waren hat das Internet keinen nennenswerten Einfluß auf
den Grundpreis.
In der Softwarebranche hat die Übertragbarkeit der digitalisierten
Produkte dazu geführt, daß sich Shareware (Programme, die der Nutzer
sich mit anderen "teilen" darf) und Freeware (kostenlos zur Verfügung
stehende Programme) stark ausgebreitet haben. Die Nutzer profitieren hier vom
Kampf der Hersteller um Marktanteile. Ein gutes Beispiel ist die
Geschäftspraxis bei den Web-Browsern, wo der Navigator der Firma Netscape
Communications (URL: http://home.netscape.com) mit Microsofts Internet Explorer
konkurriert. Beide Unternehmen geben ihre Programme kostenlos an einzelne Nutzer
ab, um auf möglichst hohe Marktanteile zu kommen, welche schließlich
als Verkaufsargumente bei großen Geschäftskunden angeführt
werden können, etwa für die lukrative Ausstattung firmeninterner
Intranets mit den Browsern [185].
Auch Unterhaltungsinhalte werden durch Digitalisierung zu körperlosen
Waren. Allerdings finden aufgrund geringer Bandbreite und
Übertragungsgeschwindigkeiten der meisten privaten Internetzugänge im
Musikbereich noch relativ wenige Werkübertragungen statt, noch aufwendigere
digitalisierte Produkte wie bewegte Bilder werden für kommerzielle Zwecke
fast noch gar nicht übertragen. Zwei der bisher noch wenigen Anbieter in
diesem Bereich sind der englische Musikvertrieb Cerberus (URL:
http://www.cdj.co.uk) und das US-amerikanische Internet Underground Music
Archive, die beide das Herunterladen einzelner Musikstücke gegen eine
lediglich geringe Gebühr ermöglichen, da im Gegensatz zu dem Verkauf
auf Tonträger sämtliche Hardwarekosten wegfallen. Aufgrund langer
Ladezeiten (eine handelsübliche Modemverbindung bräuchte selbst bei
günstigen Verkehrsbedingungen auf den Netzwegen für die
Übertragung einer CD mehrere Stunden) ist jedoch vorerst nicht damit zu
rechnen, daß diese neue Verkaufsform herkömmliche Formate wie die CD
verdrängen und somit den Audiohandel revolutionieren wird.
Im Dienstleistungsbereich entwickeln sich dagegen oft Subskriptionsmodelle
wie das des Rechercheagenten Infoseek (URL: http://www.infoseek.com/). Gegen
einen monatlichen Mitgliedsbeitrag von 9,95 US-$ können Nutzer bis zu
hundert Anfragen an das System richten, das daraufhin weitestgehend
selbständig im Internet recherchiert. Auch Netzines nutzen häufig
Abonnementlösungen. Das hängt vor allem mit einem fehlenden
Abrechnungssystem für Kleinstbeträge zusammen, das die geringen Kosten
für einzelne Abfragen oder den Abruf einzelner Seiten praktikabel machen
würde.
3.4.2 Rabattpolitik
Gegenstand der Rabattpolitik ist die Gewährung und zielorientierte
Gestaltung von Rabatten. Diese werden für verschiedene Leistungen des
Kunden gewährt, die anderenfalls das Unternehmen übernähme. Den
Arten dieser Leistungen entsprechend gibt es auch verschiedene Rabattformen wie
Abholrabatt, Saisonrabatt, Barrabatt, Mengenrabatt, Treuerabatt und so
weiter [186].
Im Internet ergeben sich anschließend an die Kosteneinsparungen, die
das Internet nicht nur als Zahlungsmedium, sondern auch als
Kommunikationsmedium, als Distributionsmedium für digitalisierbare Produkte
sowie durch die mögliche Einsparung von Handelsspannen (vergleiche
Abschnitt 3.6.1.2) ermöglichen kann, mannigfaltige Möglichkeiten
für die Rabattpolitik. Die gesunkenen Kosten können als
Preisnachlässe an die Kunden, die Waren und Dienstleistungen über das
Internet ordern, weitergegeben werden. Sie dienen so nicht nur dem
Internetangebot des einzelnen Unternehmen, sondern erhöhen ebenso die
Attraktivität des Internet als elektronischem Marktplatz. Praktiziert wird
diese Weitergabe von Einsparungen beispielsweise in den USA Shopper`s Advantage
der Firma CUC International Inc., das gegen eine Mitgliedsgebühr 250.000
Produkte zwischen 10 und 50% unter dem Einzelhandelspreis
anbietet [187].
Während Alpar die Vergabe von Internetrabatten als legitim und,
aufgrund der gesunkenen Bearbeitungskosten, als gut begründet
ansieht [188], warnen Altobelli/Hoffmann
davor, daß niedrige Preise im Online-Verkauf den Absatz über
herkömmliche Distributionsorgane vermindern können
("Kannibalisierungseffekt") [189].
3.4.3 Zahlungsbedingungen
Die wesentlichen Gegenstände der Zahlungsbedingungen sind die
Festlegungen von Zahlungsweise, -frist und
-abwicklung [190].
Bezüglich der Zahlungsweisen läßt sich feststellen,
daß bisher bei Verkäufen mittels des Internet die finanzielle
Transaktionen meist noch auf den herkömmlichen Wegen abgewickelt werden.
Eine Umfrage unter 32 deutschen Internetprovidern ergab, daß die Bezahlung
per Kreditkarte (30% der Zahlungen), per Nachnahme (ebenfalls 30%), per Rechnung
(15%) sowie mittels Einzugsermächtigung und Teilnehmerkonten (jeweils 5%)
die bisher üblichsten Transaktionsformen
sind [191].
Zahlungsweisen, die das Internet auch als Medium der Finanztransaktion
nutzen, befinden sich - abgesehen vom bloßen Versand von
Kreditkartennummern - zum gegebenen Zeitpunkt noch in mehr oder weniger weit
fortgeschrittenen Probestadien. Einen ausführlichen Überblick
über die vorhandenen Online- und Offline-Zahlungsmethoden gibt der
Abschnitt 4.2.1.
3.5 Formen der Produktpolitik im Internet
Als Produktpolitik bezeichnet man das Teilgebiet des Marketing, das sich
mit dem Produkt, also dem Vermarktungsgegenstand, sowie dem Programm oder
Sortiment, also der Gesamtheit aller produktbezogenen Marktaktivitäten,
beschäftigt [192]. Gestaltende Elemente
der Produktpolitik sind die Produktgestaltung und die produktpolitischen
Entscheidungsfelder Entwicklung und Einführung neuer Produkte, Modifikation
bestehender Produkte und
Produktelimination [193]. Des weiteren kommen
aus dem programmpolitischen Entscheidungsbereich Umfang und Struktur des
Angebotsprogramms, Nutzung von Verbundeffekten im Angebotsprogramm und die
programmpolitischen Nebenleistungen Garantie und Kundendienst
hinzu [194].
Der Wirkungsbereich des Internet erstreckt sich vorrangig auf die
Entwicklung und Einführung neuer Produkte, die Modifikation bestehender
Produkte und den Kundendienst.
3.5.1 Entwicklung und Einführung neuer Produkte
Der Prozeß von der Entwicklung zur Einführung neuer Produkte
findet in mehreren Phasen statt, die in etwa folgendermaßen gegliedert
werden können [195]:
1. Ideenfindung: Hierzu zählen Aktivitäten wie die Analyse von
Verbraucherbedürfnissen und Konkurrenzaktivitäten sowie die
Einbeziehung von Erfahrungen des Außendienstes und Ergebnisse von
Warentestinstituten.
2. Ideenselektion (Screening): Die Prüfung der Ideen durch
verschiedene Bewertungskriterien
3. Analyse: Errechnung der Wirtschaftlichkeit durch Kosten- und
Gewinnanalyse
4. Produktentwicklung: Entwicklung von Produktkonzepten oder
Prototypen
5. Tests: Bewertung der Konzepte oder Prototypen mittels verschiedener
Testmethoden
6. Einführung des Produkts
Vor allem zur Ideenfindung und zur Testphase ist das Internet ein
geeignetes Medium und wird von verschiedenen Branchen auch genutzt.
3.5.1.1 Ideenfindung mit Hilfe des Internet
Die wesentlichen Quellen von Produktideen sind das Unternehmen und der
Markt, wobei in letzterem Bereich sowohl Kunden als auch Konkurrenzunternehmen
Impulse geben können [196]. Alle drei
Bereiche können durch das Internet unterstützt werden.
Im Unternehmen selbst können Internetaktivitäten zur
Intensivierung des Kundendienstes beitragen (vergleiche Abschnitt 3.5.3), was
den Vorteil hat, daß Kundendienstmitarbeiter verstärkt
Rückmeldungen über häufig auftretende Fehler an Produkten und
auch Verbesserungsvorschläge erhalten und diese an die
Entwicklungsabteilungen weitergeben können. Bei dem Computerhersteller
Apple (Service-URL: http://www.info.apple.com/) finden beispielsweise
regelmäßig Sitzungen zwischen Kundendienstpersonal und Entwicklern
statt, die Konsumentenwünsche in die Herstellung neuer Produkte
einfließen lassen [197].
Des weiteren können Unternehmen das Internet dazu nutzen, die
Konkurrenzaktivitäten und -innovationen zu beobachten, indem sie
WWW-Angebote, FTP-Files und Mailinglisten konkurrierender Unternehmen
untersuchen [198]. Dies sei jedoch nur am
Rande bemerkt, da der Business-to-Business-Bereich in dieser Arbeit nicht
näher untersucht werden soll.
Letztlich bietet das Internet auch Möglichkeiten, Kundenstimmungen,
-kritik, -wünsche und -anregungen aufzugreifen, die z.B. in Newsgruppen
geäußert werden. Auf diese Möglichkeit wurde bereits
bezüglich der Kommunikationspolitik im Abschnitt 3.3.2.2
eingegangen.
3.5.1.2 Produkttests im Internet
Da die Einführung eines neuen Produktes meist mit hohen
Marketingkosten verbunden ist, werden oft Prototypen dieser Produkte erstellt
und auf ihre Erfolgschancen am Markt geprüft. Absatzprognosen dafür
werden aufgrund von Expertenurteilen, Produktnormen, allgemeinen
Käufermerkmalen, Konsumentenurteilen und Kaufverhaltensdaten
erstellt [199]. Das Internet bietet
bezüglich der Befragung nach Konsumentenurteilen und der Sammlung
allgemeiner Käufermerkmale neue Möglichkeiten, wobei letzterer Bereich
aufgrund seiner Relevanz für die Marketingforschung im Abschnitt 3.7.1
behandelt werden wird.
Altobelli/Hoffmann zufolge können mittels Online-Medien wie dem
Internet alle Arten von Marktbefragungen und Produkttests verglichen mit
herkömmlichen Methoden für etwa die Hälfte der Kosten und in
einem Drittel der Zeit durchgeführt
werden [200]. Die Autoren lassen hierbei
jedoch außer acht, daß sich nur Produkte, deren physische
Anwesenheit nicht nötig ist, im Internet - also virtuell - getestet werden
können.
Die Möglichkeit, das Internet zu nutzen, um Produkttests von
Konsumenten durchführen zu lassen, bietet sich deshalb zur Zeit vor allem
für die Softwarebranche, da diese das Internet für ihre Produkte auch
als Vertriebsmedium nutzen kann. Weit verbreitet ist die Praxis, prototypische
sogenannte Beta-Versionen neuer Produkte mittels des Internet kostenlos zu
vertreiben. Die Anwender haben die Möglichkeit, den Hersteller per E-Mail
auf Programmfehler hinzuweisen.
3.5.2 Modifikation bestehender Produkte
Die Modifikation bestehender Produkte gewinnt durch das Internet lediglich
bei digitalisierten Produkten eine neue Dimension. Diese besteht darin,
daß eine Aktualisierung von Produkten schnell, problemlos und
kostengünstig zu bewerkstelligen ist (vergleiche Abschnitt 3.6.2.2 ob der
distributionspolitischen Relevanz dieser Option).
So ermöglicht die Nutzung des Internet als Vertriebsweg
Softwareherstellern die schnelle und (aufgrund der Einsparung von Speichermedien
wie Disketten oder CD-Roms) nahezu kostenlose Versendung aktueller
Produktversionen (sogenannte Updates) an Käufer der Vorgängerversion.
Im Verlagswesen können alle Anbieter von Datenbanken und elektronischen
Zeitschriften von der Option profitieren, Texte und Daten unkompliziert in der
jeweils aktuellen Fassung publizieren zu können. Vor allem für
Fachpublikationen, die in gedruckter Form aufgrund geringer Auflagen meist
vergleichsweise hohe Verkaufspreise haben, bietet es sich an, anstatt
veränderter Printneuauflagen digitale "Updates" im WWW zu
präsentieren. Ein Beispiel dafür, daß diese Praxis der
Softwarebranche in den publizistischen Bereich Einzug gehalten hat, ist Zakons
"Hobbes` Internet Timeline v2.5", die sogar das softwaretypische
Nummerierungssystem übernommen hat.
3.5.3 Kundendienst
Die Servicepolitik bekommt mit dem Internet ein neues wirkungsvolles
Medium. Zahlreiche Kundendienstleistungen können mittels verschiedener
Internetapplikationen schneller und effektiver als auf herkömmlichem Wege
erledigt werden, vorausgesetzt, die entsprechenden Produktnutzer verfügen
über Zugang zum Internet und nutzen ihn auch. Alpar unterscheidet zwischen
drei verschiedenen Kategorien des Kundendienstes: Kundendienst für
einzelne, für spezifische Gruppen und für die
Allgemeinheit [201]. Da es zwischen den
letzten beiden Kategorien zu Überschneidungen kommt, wird im folgenden
lediglich eine Unterscheidung zwischen individuellem und allgemeinem
Kundendienst vorgenommen.
3.5.3.1 Individueller Kundendienst
In fast allen kommerziellen WWW-Angeboten besteht die Möglichkeit, dem
jeweiligen Unternehmen per E-Mail zu schreiben. Um diesen Rückkanal nicht
nur für die Öffentlichkeitsarbeit, sondern auch für den
Kundendienst nutzbar zu machen, empfiehlt Alpar, verschiedene Arten der Anfrage
durch unterschiedliche E-Mail-Adressen für Produktinformation,
Preisanfragen und Kundendienst zu
kanalisieren [202]. Dadurch bestehen für
die Unternehmen grundsätzlich zwei Arten der Beantwortung: Beanwortung per
Autoresponder oder persönliche Beantwortung durch den betreffenden
Mitarbeiter.
Ein Autoresponder ist ein Computerprogramm, das anhand des Inhalts einer
E-Mail mit vorprogrammierten Antworten reagieren kann. Der Vorteil dieser
Kommunikation besteht in Zeit- und Kosteneinsparungen. Nachteilig sind dagegen
Unpersönlichkeit und mangelnde Flexibilität. Der Vorteil
persönlicher Beantwortung gegenüber Autorespondern und auch
gegenüber herkömmlichem Kundendienst per Infotelefon oder Post besteht
darin, daß die Anbindung eines Unternehmens an das Internet es
möglich macht, daß Anfragen zielgenau und schnell an den Mitarbeiter
weitergeleitet werden, der mit dem Sachverhalt vertraut ist. Darin besteht
jedoch auch der Nachteil: Bei einer Häufung von E-Mail-Anfragen kann die
persönliche Beantwortung einen großen Anteil der Arbeitszeit kosten
und damit unwirtschaftlich werden.
Da jedoch der Kundendialog im Rahmen des Echtzeitmarketing (vergleiche
Abschnitt 3.3.3) bei vielen Unternehmen stärker gewichtet
wird [203], bekommt dort auch der Kundendienst
eine größere Bedeutung und wird als kritische Werttätigkeit
angesehen. So können Unternehmen, die Kundenanfragen persönlich
beantworten, nicht nur auf den einzelnen Kundenwunsch besser eingehen, sondern
aus der Gesamtheit der Anfragen Tendenzen ableiten und in der Folge besser und
flexibler auf Kundenwünsche eingehen, als wenn sie sich
ausschließlich auf Marktforschung verließen. Das Internet stellt
hier einen wertvollen Kanal dar. Altobelli/Hoffmann zufolge nutzen 41% der im
WWW vertretenen deutschen Unternehmen diese Möglichkeit zumindest
teilweise, indem sie Adressen und Telefonnummern von Ansprechpartnern im
Unternehmen in ihrer WWW-Site
bereitstellen [204].
Bei Computerhardware kann ferner Telnet für Reparatur- und
Wartungsarbeiten genutzt werden. Die Hersteller von Großrechnern warten
und analysieren die Geräte vom Firmensitz aus, ohne den Käufer
aufsuchen zu müssen [205].
3.5.3.2 Allgemeiner Kundendienst
Kundendienst kann ebenso wie Öffentlichkeitsarbeit in Usenet
Newsgruppen betrieben werden (vergleiche Abschnitt 3.3.2.2). Es empfiehlt sich,
in Newsgruppen, die sich mit den Produkten des betreffenden Unternehmens
beschäftigen, bei der Lösung spezifischer Probleme zu helfen und
gegebenenfalls auf Verbesserungen bei neuen Produkten hinzuweisen, auf
allgemeine Werbebeiträge jedoch zu
verzichten [206].
Das WWW kann dagegen ebenso wie firmeneigene Newsgruppen oder Mailinglisten
die herkömmlichen Kanäle des Kundendienstes vor allem durch die
praktisch unbegrenzte Bereitstellung von Informationen entlasten. FAQ-Listen und
Hintergrundinformationen, die Fernseh- und Rundfunksender zu ihren Programmen im
WWW bereitstellen, sind bereits weit verbreitet und auch erfolgreich. Ein
Beispiel aus der Computerbranche ist der Hersteller Sun Microsystems, der
behauptet, seine Service-Site SunSolve Online (URL:
http://www.sunsolve.sun.com/) habe bereits die Einsparung von 4 Millionen US-$
allein an FAQs ermöglicht [207]. Ein
weiteres Beispiel für die Verbesserung des Kundendienstes bei
gleichzeitiger Kosteneinsparung ist das internationale Transportunternehmen
Federal Express (http://www.fedex.com), das im WWW nach Abfrage der
Auftragsnummer Auskunft über den Ort gibt, an dem sich ein von dem
Unternehmen transportiertes Paket gerade befindet.
3.6 Formen und Möglichkeiten der Distributionspolitik im
Internet
3.6.1 Strategische Entscheidungen bezüglich der
Distributionspolitik
Auf der strategischen Ebene versteht man unter dem Begriff
Distributionspolitik die Regelung aller betrieblichen Aktivitäten, die eine
Leistung vom Ort ihrer Entstehung unter Überbrückung von Raum und Zeit
an die Stelle bringen, wo sie in den Verfügungsbereich des Nachfragers
übergeht [208]. Dabei ist die erste
Entscheidung eines Herstellers, ob er seine Erzeugnisse direkt verkauft oder ob
er sie über Zwischenstufen absetzt. Wenn letzteres der Fall ist, fällt
die Entscheidung an, wievieler Handelsstufen und welcher Betriebsformen sich der
Hersteller bedient, um den für ihn optimalen Marktkanal zu
finden [209].
Je nachdem, ob ein Hersteller oder ein Intermediär das Internet als
Verkaufsmedium nutzt, können sich unterschiedlichste Folgen ergeben. Im
folgenden Abschnitt wird zuerst die Nutzung des Internet als Verkaufsmedium
durch verschiedene Handelsunternehmen untersucht, bevor im Abschnitt 3.6.1.2 die
Möglichkeiten des Internetverkaufs für Hersteller dargelegt
werden.
3.6.1.1 Nutzung des Internet als Verkaufsmedium durch
Intermediäre
Wenn ein Einzelhändler sein Sortiment auf einer WWW-Site zum Verkauf
anbietet, bedeutet das für ihn die Überwindung zeit- und
räumlicher Restriktionen und somit einen Wettbewerbsvorteil gegenüber
seiner Konkurrenz, die das Internet nicht nutzt. Sein "Online-Geschäft" ist
nun nicht mehr an Ladenschlußzeiten gebunden, weil Internetnutzer sie zu
jedem gegebenen Zeitpunkt besuchen können. Auch ist der potentielle
Kundenkreis nicht mehr regional beschränkt, da prinzipiell jeder WWW-Nutzer
das Angebot abrufen kann (Anbieter, die ein internationales Publikum ansprechen
wollen, bieten meist mehrsprachige Versionen ihrer Sites
an [210]). Auch sind die Kosten für den
Aufbau eines WWW-Angebots niedriger als die Mietkosten, die für weitere
"reale" Geschäftsräume anfielen. Letztendlich besteht im WWW eine
Chancengleichheit, was die Attraktivität der Sites angeht:
"Dem Großkonzern steht ebenso wie dem Sportfachgeschäft nur eine
erste Seite zur Verfügung, mit der er sich dem Internet-User
präsentieren kann. Da der erste Eindruck oft darüber entscheidet, ob
der Anwender verweilt und möglicherweise bestellt oder ob er weiter surft,
haben hier vor allem die Unternehmen eine größere Marktchance, die
ihre Angebote kreativ, informativ und der Technik angepaßt darbieten. So
zu verfahren ist nicht nur Großbetrieben
möglich." [211]
Auch wenn dieser Aspekt nur bedingt zutrifft, da Werbeaufwendungen
(vergleiche Absatz 3.3.1), Aktualisierung und technische Pflege einer Site einen
immer beträchtlicheren monetären Aufwand bedeuten, gelang es in der
jüngeren Vergangenheit einigen finanzschwachen Kleinanbietern aus
verschiedenen Branchen, sich durch ein medienadäquates Angebot und/oder die
Ausnutzung von Marktlücken zu etablieren. Ein bekanntes Beispiel
hierfür ist der im Untergeschoß ihres Elternhauses von Jason und
Matthew Olim gestartete und über das Internet operierende CD-Versand CDnow,
der für 1996 einen Jahresumsatz von 6 Millionen US-$ erwartet, was ihn zu
einem der führenden Anbieter
macht [212].
Für die Kunden sind dagegen die Vorteile, die das sogenannte
Online-Shopping bietet, vor allem folgende:
- Wegfall zeitlicher Beschränkungen für den Einkauf
(Ladenöffnungszeiten)
- Möglichkeit des ferngesteuerten Einkaufs von zu Hause aus und damit
verbunden Einsparung von Zeit und Anfahrtskosten
- Möglichkeit zum schnellen Preisvergleich über Datenbanken von
Verbraucherzentren [213] oder intelligente
Agenten, die selbständig nach dem günstigsten Angebot für das
gewünschte Produkt suchen (Anderson Consulting demonstriert beispielsweise
mit dem intelligenten Agenten Bargain Finder Agent bereits den Prototyp einer
solchen Applikation [214])
- Weitergabe der gesunkenen Personal- und Marketingkosten durch die
Anbieter in Form von geringeren Preisen (vergleiche Abschnitt 3.4.2)
- Größere Auswahl und leichtere Auffindbarkeit selten zu
findender Produkte durch den Wegfall räumlicher
Limitierungen [215]
- Bessere Qualität und niedrigere Preise durch verstärkten
Wettbewerb als Folge des Wegfalls räumlicher
Limitierungen [216]
Aufgrund der außerdem im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung
noch geringen Anzahl an Internetanschlüssen in der BRD rechnen Experten
damit, daß der Onlinehandel für den stationären Einzelhandel,
der zur Zeit 94,1% Anteil am Einzelhandelsumsatz
hat [217], erst nach dem Jahr 2000 zur
Bedrohung werden könnte [218].
Doch hier muß differenziert werden: So lassen sich beispielsweise
viele Güter nicht mittels Online-Shopping absetzen, weil ihre potentiellen
Käufer (auch in der näheren Zukunft) über keinen
Internetanschluß verfügen (bzw. verfügen werden) oder ihn nie
oder selten nutzen. Auch ist für bestimmte Warengruppen ein physisch
getätigter Einkauf aus mehreren Motivationen wünschenswert.
Bücher und CDs kann man z.B. bereits heute oft billiger per Versand kaufen.
Trotzdem müssen die Fachgeschäfte nicht schließen, weil der
Großteil der Verbraucher die Beratung und den Service, beispielsweise eine
CD probeweise zu hören oder in einem Buch zu blättern, schätzt.
Auch zahlreiche andere Bereiche, vor allem der Textilkauf, kommen nicht ohne
eigenhändige Qualitätsprüfung aus. Und selbst wenn diese
Argumente durch den technischen Fortschritt teilweise verschwinden sollten (die
Möglichkeit des Probehörens besteht beispielsweise bereits im WWW), so
besteht für den Onlinehandel letztlich noch das Manko des durch die
Verkaufspraktiken im Teleshopping begründeten negativen Images des
Heimshopping:
"Hier werden i.d.R. Produkte verkauft, die es im stationären Handel
nicht gibt, und die sich oft durch schlechte Qualität auszeichnen. Die
Branche selbst nennt diese Ware zynisch `Get-rich-quick-Produkte`,
[...]" [219]
Des weiteren bietet der herkömmliche Einkauf in Boutiquen,
Kaufhäusern oder auch "Kramläden" für zahlreiche Konsumenten eine
nicht zu unterschätzende Erlebnisqualität, von der sie meist nicht
zugunsten der Bequemlichkeit abrücken wollen. Zu diesem Ergebnis kommt auch
eine VDI/VDE-Untersuchung, in der es heißt: "`Kaufen als Erlebnis` wird
daher als Motivlage weiterhin seine Berechtigung
bewahren." [220]
Anders stellt sich dagegen die Situation bei Waren dar, die diese
Eigenschaften nicht bieten: Waren des täglich Bedarfs, sogenannte
"low-interest-products", Produkte, deren Vorauswahl bereits getroffen wurde und
solche, deren Qualitäten sich durch Multimedia sogar besser darstellen
lassen. Hier könnte das Internet (vor allem das WWW) in Kombination mit
anderen Multimediaanwendungen wie CD-Roms, PoI-Systemen und dergleichen
mittelfristig tatsächlich zu einer Konkurrenz des stationären
Einzelhandels werden. So ist es denkbar, daß viele Menschen sich den
Streß und Zeitaufwand eines Wochenendeinkaufs sparen und sich die Waren
des täglichen Bedarfs von einem Super- oder Großmarkt-Service bringen
lassen, nachdem sie mittels eines intelligenten Agenten nach dem besten Angebot
gesucht und es am Bildschirm geordert haben.
Vertreter des stationären Einzelhandels versuchen sich gegen die
mögliche Entwicklung durch eine zweifache Strategie zu schützen. Zum
einen entscheiden sich viele Unternehmen frühzeitig für eine
Verkaufspräsenz im Internet, was vorrangig nicht durch die Hoffnung auf
baldige Umsatzsteigerungen motiviert ist, sondern durch die Sorge, bei zu
spätem Einstieg in den Onlinehandel im Falle der Entwicklung des Internet
zum Massenmarkt Marktanteile zu
verlieren [221]. Zum anderen versucht der
stationäre Einzelhandel, der Bedrohung durch Onlinehandel mittels
Kundenbindungssystemen entgegenzuwirken, wobei auch die Präsenz im Internet
ein Mittel der Kundenbindung darstellt [222].
3.6.1.2 Nutzung des Internet als Verkaufsmedium durch
Hersteller
Wenn ein Hersteller seine Produkte in einer WWW-Site feilbietet, bedeutet
das nicht so sehr einen Vorteil gegenüber anderen Herstellern, sondern
vielmehr einen Einbruch in die Domäne der Einzelhändler und anderer
Intermediäre. Im Internet kann der Hersteller seinen Kunden genauso nah
sein wie der Einzelhändler; er braucht keine Verkaufsfläche anzumieten
und kein Filialnetz zu unterhalten, um mit dem Konsumenten in Kontakt zu treten,
was in der terrestrischen Welt ja den Grund darstellt, warum er den Verkauf
Intermediären überläßt.
Man kann sagen, daß das Internet auch den Herstellern einen einfachen
und direkten Zugang zum Endverbraucher ermöglicht. Vor allem bei
digitalisierten Produkten, allerdings auch im Verlagswesen und bei
Informationsdiensten können sich deshalb massive Veränderungen zum
Nachteil der Intermediäre ergeben [223].
Der Autohersteller BMW erwägt beispielsweise den Direktvertrieb von
Ersatzteilen im WWW [224].
Im Dienstleistungsbereich bewirkt das Internet bereits jetzt erste
Ansätze der Verdrängung von Intermediären durch Dienstleister,
die am Anfang der Leistungskette stehen. So werden der gesamten Reisebranche
mittel- bis langfristig deutliche Veränderungen vorhergesagt, da
Leistungsträger (Hotels), Carrier (z.B. Fluggesellschaften) und
Reiseveranstalter durch das Internet die Möglichkeit haben, ihr Angebot
ohne die Hilfe von Reisemittlern zu präsentieren und Buchungen durch den
Konsumenten selbst vornehmen lassen können.
"Insbesondere Unternehmen, die am Anfang der Leistungskette stehen, werden
von Online-Medien profitieren, da sie ihnen einen neuen Vertriebsweg und damit
den Zugang zu neuen Kundenkreisen ermöglichen. Kein Wunder, daß [...]
Reisebüros aber die mit Abstand größten Verlierer
darstellen." [225]
Bisher scheuen jedoch viele Hersteller noch das Risiko, mit den
Handelsunternehmen zu konkurrieren, mit denen sie außerhalb des Internet
kooperieren und auf die sie angewiesen sind. So hat der Jeanshersteller Levi`s
eine Applikation entwickeln lassen, mit deren Hilfe sich Kunden nach Angabe
ihrer Maße ihre Jeans automatisch maßschneidern lassen können.
Levi`s stellt diesen noch in der Experimentierphase befindlichen Dienst
allerdings lediglich Geschäften (und keinen Endabnehmern) zur
Verfügung, wo er mit großem Erfolg angewandt wird. "Wohl aus
Rücksicht auf die Handelspartner hat der Jeanshersteller das elektronischen
Ordersystem bis jetzt nicht ins Internet
gebracht." [226]
Da auch Sicherheitsbedenken [227] und
Abrechnungsprobleme zu den Gründen zählen, die Hersteller davon
abhalten, ihre Produkte und Dienstleistungen verstärkt im Internet
anzubieten, wird erst die weitere Entwicklung in diesen Bereichen eine Antwort
darauf geben, wie sich die Beziehungen zu den Intermediären entwickeln
wird. Brenner prognostiziert bereits für die Zeit nach dem Jahr 2000 eine
Veränderung der Marktstrukturen insofern, daß zwischen Kunden und
Hersteller nicht mehr wie bisher in vielen Bereichen die zwei Handelsstufen
Einzelhändler und Großhändler, sondern lediglich der
"Content-Provider" steht [228].
Allerdings muß auch in diesem Bereich differenziert werden, da sich
manche Produkte und Dienstleistungen für den Verkauf mittels des Internet
besser eignen (z.B. Buchungen und Reservierungen sowie hochentwickelte Produkte)
als andere (vor allem Waren des täglichen Bedarfs und Waren, deren
physischer Test erforderlich ist). Auch in diesem Bereich ist ferner zu
bedenken, daß sich nur in den Branchen Umstrukturierungen ergeben
können, deren Konsumenten einen Internetanschluß besitzen und
nutzen.
3.6.2 Operative Entscheidungen bezüglich der
Distributionspolitik
Auf der operativen Ebene stellen sich vor allem die Fragen
- nach der Betreuung bisheriger und der Gewinnung neuer Kunden,
- nach der Erlangung von Aufträgen,
- nach Organisation von Bestellungsvorgang und Warenauslieferung
und
- nach Erlangung des monetären Gegenwertes,
die sich jeweils in weitere Detailbereiche
aufteilen [229]. Da die Kundenbetreuung auch
im Subbereich Servicepolitik der Produktpolitik eine entscheidende Rolle spielt
(vergleiche Abschnitt 3.5.3), die Kundengewinnung eine Hauptaufgabe der
Kommunikationspolitik ist und die Erlangung des monetären Gegenwertes unter
dem Begriff Zahlungsbedingungen im Abschnitt 3.4.3 behandelt wurde, werden diese
Bereiche im folgenden Abschnitt nicht noch einmal eigens untersucht.
3.6.2.1 Auftragserfassung
Wenn die WWW-Site eines Unternehmens auch die Möglichkeit zur
Bestellung von Waren liefert, handelt es sich (dem in Abschnitt 3.2.3
vorgestellten Modell von Hoffman et al. folgend) nicht nur um eine
Internetpräsenz, sondern um ein Internetgeschäft. Laut
Altobelli/Hoffmann sind bei ca. 10% der deutschen Unternehmen, die im WWW
präsent sind, Online-Bestellungen möglich. Es handelt sich bisher
hauptsächlich um Transportunternehmen und
Zeitschriften [230]. Dabei ermöglicht die
Hyperlinkstruktur des WWW dieser Verkaufsform eine besondere Effektivität:
Hyperlinks sorgen für eine schnelle Verbindung von Werbebannern zu dem
Verkaufsangebot eines Unternehmens. Das WWW ermöglicht "die
Unterstützung beim Übergang von der Wertaktivität
Verkaufsvorbereitung zur Wertaktivität
Verkaufsdurchführung" [231].
Hersteller, die nicht mit ihren Vertriebspartnern konkurrieren wollen,
können Anfragen ihrer Kunden unkompliziert an die Intermediäre
weiterleiten und so die Geschäftsbeziehungen
pflegen [232]. Distributionsbeihilfen wie die
Angabe des dem Nutzer am nächsten gelegenen Vertragshändlers bieten
ca. 10% der im WWW vertretenen deutschen Herstellerunternehmen
an [233].
Letztlich bietet das WWW durch das Hyperlinksystem die Möglichkeit,
die einzelnen Angebote von Einzelhändlern, Versand- und Kaufhäusern
und auch Herstellern unter der Homepage eines Mittlers zusammenzufassen. Dieses
Prinzip nennt sich virtuelles Einkaufszentrum oder auch Electronic Mall. Wie
eine Umfrage unter deutschen im WWW präsenten Unternehmen im November 1995
herausfand, nutzen 80% der befragten Handelsunternehmen diese Marketingform
zusätzlich zu ihrer eigenen
WWW-Site [234]. In der BRD werden diese Malls
vorrangig von großen Handelskonzernen wie der Metro-Gruppe (Metronet, URL:
http://www.metronet.de) oder der Karstadt AG (My-World) betrieben. Allerdings
haben auch bisher Branchenfremde wie die bisher als Programmzeitschrift bekannte
TV Today (URL: http://www.tvtoday.de/TVTODAY/mall) sowie Zusammenschlüsse
einzelner kleiner Anbieter wie die Electronic Mall Bodensee (URL:
http://www.emb.net/) das Prinzip des elektronischen Einkaufszentrums
übernommen.
Wie der Name schon andeutet, handelt es sich bei der Electronic Mall um das
Internetpendant zu einem Einkaufszentrum. Die Electronic Mall ist für den
Einzelhandel des weiteren eine spezielle Form Elektronischer
Märkte [235]. Es existieren im
wesentlichen zwei verschiedene Konzepte der Electronic Mall: Sie kann zum einen
von einem Betreiber organisiert werden, der Produkte verschiedener Hersteller
bezieht, sie auf verschiedene virtuelle Geschäfte oder Abteilungen verteilt
und sie selbst zentral vertreibt [236]. Diesem
dem klassischen Handel entsprechende Konzept entspricht in etwa die Mall
My-World.
Der Betreiber einer Mall kann allerdings auch lediglich die technische
Verwaltung dieser Einkaufssite übernehmen (Erstellung einer einheitlichen
Benutzerführung und -oberfläche, Bereitstellung einer Suchhilfe usw.)
und gegen einen Pauschalbetrag oder eine Umsatzbeteiligung Interessenten auf die
Seiten der jeweiligen Hersteller oder Dienstleister weiterleiten, die den
Vertrieb selbst übernehmen [237]. Dieses
Konzept entspricht eher dem einer Markthalle und ist im wesentlichen in der
elektronischen Mall von TV Today realisiert worden.
Die Bestellungen werden bei Malls wie bei einzelnen Online-Geschäften
meist durch standardisierte Bestellfunktionen aufgenommen, die es dem
Konsumenten ermöglichen, z.B. durch das einfache Anklicken von Produkten
einen Bestellzettel (auch virtueller Warenkorb genannt) zusammenzustellen. Die
Unternehmen können die Bestellung so größtenteils
automatisieren, da die Bestelldaten in digitaler Form vorliegen. So ist es
für Unternehmen möglich, einen Teil der Verkaufsfunktionen auf den
Konsumenten zu
übertragen [238].
3.6.2.2 Physische Distribution
Digitalisierbare Produkte eignen sich dazu, mittels der Dienste WWW und FTP
das Internet als direkten Distributionskanal zu nutzen und auf den Bildschirm
und/oder die Festplatte oder Diskette des Konsumenten übertragen zu werden.
Die Vorteile dieses Distributionskanals sind folgende:
- Das Internet ist das Medium, in dem Verkaufsvorbereitung, Bestellung und
Distribution stattfinden. Die Vermeidung eines Medienbruchs bedeutet für
den Konsumenten erhebliche Zeitersparnis und Bequemlichkeit.
- Die Distribution der digitalisierten Produkte findet sofort und ohne
geografische Beschränkung statt und der Transportkostenaufwand ist minimal,
was die Kosten senkt.
- Für Unternehmen ist es ein weiterer Vorteil, daß die Kosten
und Arbeit, die die Materialisierung mit sich bringt, auf den Konsumenten
übertragen werden. Dieser muß das Ausdrucken von Papier, das
Speichern von Computerprogrammen auf Disketten und so weiter selbst
übernehmen. Bei Abonnements elektronischen Zeitschriften ist es
üblich, daß das Ausdrucken durch den Nutzer berücksichtigt und
diese Kosteneinsparung an den Konsumenten weitergegeben
wird [239].
Zur Zeit wird diese Möglichkeit hauptsächlich von
Softwareunternehmen und Verlagen wahrgenommen. Für sie bietet sich durch
diese Form der Distribution auch die Möglichkeit, aktualisierte Versionen
kostengünstig zu vertreiben (vergleiche Abschnitt 3.5.2 bezüglich der
produktpolitischen Relevanz dieser Option). Die Übertragung von Musikdaten
und Bildern findet aufgrund der für die gegenwärtig bei
Privatanwendern üblichen Übertragungsraten langwierigen Distribution
zur Zeit lediglich für einzelne Musikstücke und Bildern zu geringen
Preisen oder kostenlos statt (vergleiche Abschnitt 3.4.1).
Neben dem Problem der geringen Übertragungsgeschwindigkeit sind es
auch Abrechnungsschwierigkeiten und Urheberrechtsprobleme, die eine weitere
Verbreitung des Online-Vertriebs behindern.
Die meisten Gebrauchs- und Verbrauchsgüter können dagegen jedoch
nicht digitalisiert und über Netzwege vertrieben werden. Sie eignen sich
lediglich zur Bestellung mittels des Internet und anschließende Lieferung
mittels klassischer Distributionskanäle (Post, Paketdienst,
unternehmenseigener Lieferdienst, etc.). Für diese Waren trifft der
Vergleich des Interneteinkaufs mit dem Versandhandel zu, den Klaus Eierhoff,
Vorstandsmitglied der Karstadt AG, gezogen hat:
"Denn Homeshopping ist nichts anderes als Versandhandel mit einer modernen
Einstiegsvariante. Statt eines Katalogs aus Papier setze ich ein interaktives
Medium ein. Alles, was danach läuft, ist klassischer
Versandhandel." [240]
3.7 Marketingforschung im Internet
Als Marketingforschung oder Absatzforschung bezeichnet man die Gewinnung
und Analyse von Informationen unternehmensinterner und -externer Herkunft, die
zur Lösung von Marketingproblemen beitragen, indem sie die Erarbeitung,
Implementierung und Kontrolle von Marketingkonzeptionen
ermöglichen [241].
Dieser Absatz behandelt nicht die Anpassungen klassischer
Marketingforschungsmethoden an die Erfordernisse des Internet (wie
beispielsweise die Besonderheiten einer per E-Mail statt per Post
durchgeführten Umfrage), sondern lediglich die neuen Testfelder, die durch
die Kommunikationsformen des Internet ermöglicht werden. Dabei sind die
Sammlung von Daten, auf deren Basis Marketingstrategien entworfen und
implementiert werden, sowie die Wirkungskontrolle internetinterner Werbeformen
die bislang wichtigsten Anwendungsfelder der Marketingforschung im
Internet.
3.7.1 Datensammlung über Nutzer und Käufer
Wie bereits bezüglich der Produktpolitik im Abschnitt 3.5.1.2
angedeutet wurde, kann das Internet effektiv zur Sammlung von Primärdaten
über Nutzer und Käufer genutzt werden, welche es Unternehmen
ermöglichen, sich auf den Bedarf und die Interessen ihrer Klientel
einzustellen. So können allgemeine soziologische, sozioökonomische und
psychografische Käufer- oder Nutzermerkmale von Unternehmen mit Hilfe des
Internet auf verschiedenen Wegen in Erfahrung gebracht werden. Eine verbreitete
Praxis ist das Anbringen von Fragebögen im WWW. 18% der WWW-Sites deutscher
Unternehmen nutzen diese
Möglichkeit [242].
Die Teilnehmer wählen sich in diesem Fall selbst aus, sie haben durch
das Anwählen des WWW-Angebots und durch die Teilnahme an der Befragung ihr
Interesse an dem Anbieter bezeugt. Aufgrund dieser Selbstauswahl und der
momentanen Zusammensetzung der Internetnutzerschaft aus
überdurchschnittlich technisch interessierten, überdurchschnittlich
gut verdienenden und gebildeten Personen ist eine Repräsentativität
für die Konsumentenallgemeinheit bei dieser Umfrageform nicht
gegeben [243]. Dafür können jedoch
Stimmungen und Meinungen von Personen erfragt werden, die sich besonders
für den jeweiligen Anbieter interessieren. Diese Möglichkeit nutzt
beispielsweise der Eishersteller Langnese, der im Internet Meinungsumfragen
über die Geschmacksnoten seiner Produkte
durchführt [244].
Allerdings liefern solche Umfragen keine verläßlichen
demografischen Grunddaten, weil diese nicht kontrollierbar
sind [245]. Zwar ist es möglich, die
Bereitschaft zur Auskunft zu erhöhen, indem der Zugang zu bestimmten
Angeboten nur Nutzern erlaubt wird, die Fragebögen ausfüllen, doch der
Wahrheitsgehalt dieser Angaben kann nicht nachgeprüft werden.
Außerdem bringt diese neue Möglichkeit der Datenerhebung eventuell
Konflikte mit dem Datenschutz mit sich, der die Privatsphäre der
Bürger gewährleisten soll. So ist es strittig, ob die im
Bundesdatenschutzgesetz geforderte Einwilligung der Person, deren Daten erhoben
werden, aufgrund des Ausfüllens des Fragebogens vorausgesetzt werden
kann [246].
Auch belohnende Werbung wie das bereits erwähnt Cybergold oder in
Deutschland MediaTransfer (URL: http://www.mediatransfer.de) dient der Erhebung
von Daten über Konsumentenpräferenzen. Cybergold und MediaTransfer
arbeiten prinzipiell ähnlich: Sie werben Internetnutzer durch das
Versprechen an, sie für das Betrachten und Bewerten von Internetwerbung zu
bezahlen. Die Testpersonen müssen daraufhin Angaben zur Person wie Alter,
Geschlecht und Beruf angeben. Wenn sie Anzeigen lange genug studiert, Fragen zum
Inhalt beantwortet und ihr Urteil abgegeben haben, werden sie durch eine
digitale Währung (bei Cybergold) oder einen Gutschein (bei MediaTransfer)
bezahlt bzw. belohnt. Es läßt sich leicht ermitteln, welche
Personengruppen auf welche Werbemittel wie reagieren. Zusätzlich werden
natürlich die Testpersonen effektiv beworben, da ja kontrolliert wird, wie
aufmerksam sie die Werbung betrachten.
Des weiteren kann jeder Anbieter einer WWW-Page sich von seinem Provider
Zugriffsprotokolle erstellen lassen, aus denen ersichtlich ist, welcher Host
wann welche Seite wie lange betrachtet hat. Während die Angabe des Hosts
bei Nutzern von Firmen-, Universitäts- oder
Internetcafézugängen nichts oder wenig über den Nutzer
aussagt [247], kann sie bei Personen, die
ihren privaten Internetzugang nutzen, eventuell die Erstellung von
Bewegungsprofilen ermöglichen und somit persönliche Vorlieben
verraten. Auch diese technisch mögliche Erfassung und Verwendung der
benutzerbezogenen Daten (z.B. darüber, welche WWW-Seiten abgerufen wurden
oder welche Käufe getätigt wurden) kann eventuell in Konflikt mit
Daten- und Verbraucherschutzregelungen stehen, was bislang jedoch noch nicht
endgültig geklärt
ist [248].
Auch das Usenet wird zu Marketingforschungszwecken genutzt, was angesichts
der Art der Nutzung dieses Dienstes zu Werbezwecken (vergleiche Abschnitt
3.3.2.2) nahe liegt. Dabei können Softbots oder Knowbots genannte Programme
dem Unternehmen helfen, Diskussionsgruppen zu für sie interessanten Themen
zu finden [249]. Dort können
anschließend Befragungen durchgeführt werden. Entgegen den
Empfehlungen von Marketingforschern wird den Befragten allerdings häufig
der Grund der Befragung verschwiegen (”verdeckte Umfragen”), was
einen groben Verstoß gegen die Netiquette
darstellt [250]. Ein Joggingschuhhersteller
fragte beispielsweise in einschlägigen Newsgruppen verdeckt nach Meinungen
über eine Schuhform [251]. Neben dieser
Sammlung von Primärdaten ist es auch möglich, archivierte
Diskussionsbeiträge als Sekundärquellen zu nutzen oder aus diesen gar
E-Mail-Adressen zu sammeln, um deren Inhaber zu Marketingforschungszwecken zu
befragen [252] (wobei letzteres ebenfalls
einen groben Verstoß gegen die Netiquette darstellt).
3.7.2 Wirkungskontrolle internetinterner Werbeformen
Die neuen Techniken des Internet ermöglichen durch spezielle Software
auch präzise Auswertungen der Effizienz von Web-Seiten innerhalb der
WWW-Sites von Unternehmen. Server können unter anderem registrieren, wie
viele Nutzer welche Seiten aufrufen, wie lange ihre Sitzungen dauern, von
welchen Sites aus sie das Angebot fanden und welche Kombinationen von
Informationen sich als besonders populär
erweisen [253]. So ist es innerhalb kurzer
Zeit möglich, WWW-Angebote der Nachfrage der Nutzer anzupassen, was
allerdings auch bedeutet, daß die Vorlieben der einzelnen Nutzer dem
Unternehmen bekannt sind.
Auch die Effizienz der WWW-Werbeformen kann mittels Software erforscht
werden. So werden bereits seit langem die Zugriffe auf WWW-Seiten (Hitcount),
die Anzahl der verschiedenen Nutzer, die eine Site besuchen (Visit) und die
Anzahl der Klicks auf Werbebanner (Ad-Click) gezählt. Dabei stellen sich
jedoch zur Zeit noch verschiedene Probleme:
- Bezüglich der Maßeinheiten, die Werbewirkungen im WWW messen,
besteht noch keine Standardisierung [254]. So
existieren verschiedene Definitionen für die Größen Hit, User,
Visit und Page View (Sichtkontakt der
Seite) [255]. Das hängt damit zusammen,
daß verschiedene Verbände eigene Zählungsstandards setzen. In
Deutschland beispielsweise arbeiten mit dem Verband Deutscher
Zeitschriftenverleger, dem Deutschen Multi-Media Verband und der Nürnberger
Gesellschaft für Konsum-, Markt- und Absatzforschung drei Institutionen an
eigenen Werbemessungsmethoden [256].
- Es existieren verschiedene technische Probleme, die die Vergleichbarkeit
von Daten erschweren. So besteht das bereits erwähnte Problem, daß
hinter einem Host viele verschiedene Nutzer stecken können. Auch kann von
einem Page-View, also dem Betrachten einer WWW-Seite, nicht automatisch auf
einen Ad-View, also das Betrachten einer Banneranzeige geschlossen werden, weil
die Banner sich auf einem Teil der Seite befinden können, die nicht auf dem
Bildschirm dargestellt wird oder von Nutzer durch spezielle Programme unsichtbar
gemacht werden können [257].
- Die in der Praxis angewandten Methoden orientieren sich an massenmedialer
Werbung und lassen damit die interaktive Qualität des WWW außer acht.
Die weitaus meisten Anzeigenpreise richten sich nach einem fixen
Flächenpreis für einen Banner oder einem Tausend-Kontakte-Preis, also
Zahlungsmodellen, die aus den Massenmedien übernommen wurden. Nur wenige
Werbeträger nutzen klickorientierte Zahlungssysteme, bei denen der
Werbetreibende nur für die Kontakte mit Nutzern zahlt, die sich
tatsächlich für sein Angebot interessieren, was durch Anklicken des
Banners belegt wird. Dabei liegt hierin eine neue Qualität, ist doch das
Internet das erste kommerzielle Medium, das die Messung von Konsumentenreaktion
ermöglicht, statt sie lediglich zu
prognostizieren [258]. Ein sich von der
massenmedialen Werbemessung noch weiter entfernendes System ist das Associates
Program, das der Internetbuchhandel Amazon (URL: http://www.amazon.com) mit 300
Werbeträgern praktiziert. Die Werbeträger (Associates) werben mittels
Bannern für Bücher, die Amazon verkauft. Erst wenn ein Nutzer, der von
ihrer Site aus Amazon besucht, auch tatsächlich ein Buch kauft, erhalten
die Werbeträger vom Händler eine Gegenleistung, die jedoch bis zu 8%
des Verkaufspreises des Buches
beträgt [259].
Hoffman/Novak rechnen damit, daß die interaktiven Werbeformen sich
durchsetzen werden und nach Überwindung der oben genannten Probleme sogar
noch effektiver werden, weil sie die Erfassung und Verknüpfung vieler
verschiedener für den Kauf einer Ware relevanter Daten
ermöglichen [260]. Dadurch würden
Werbetreibende nicht mehr für das Präsentieren von Werbebotschaften
für ein Massenpublikum nach Tausend-Kontakt-Preisen bezahlt, sondern an dem
tatsächlichen, meßbaren Erfolg der Werbemaßnahmen, die einige
wenige Beworbene zum Kauf führten, am Gewinn beteiligt. Allerdings stellt
die Verknüpfung von Nutzerdaten über mehrere Websites hinweg
ähnlich wie die in Absatz 3.7.1 beschriebene Verwendung von Nutzerdaten
eine datenschutzrechtliche Problematik dar, die noch nicht endgültig
geklärt ist.
4 Welche Faktoren stehen der weiteren Kommerzialisierung des Internet im
Weg?
Die Beschreibung der bisherigen kommerziellen Nutzung des Internet hat an
einigen Punkten bereits angedeutet, welche Potentiale aus Sicht der
kommerziellen Anbieter zur Zeit noch nicht genutzt werden. Die Probleme, die der
weiteren Kommerzialisierung des Internet zugrunde liegen, sind dabei
mannigfaltiger Art: Angefangen bei der Frage nach der kritischen Masse, d.h. der
Anzahl der Nutzer, ab der die Nutzung des Internet für bestimmte Branchen
rentabel wird, reichen sie über verschiedene rechtliche Probleme
(Datenschutz, Urheberrecht, Vertragsrecht, Strafbarkeit von Inhalten,
Zensurmaßnahmen, Haftung der Provider für Inhalte in ihren Netzen,
das Fehlen eines internationalen "Internetrechts", ...) bis hin zu technischen
Fragen wie der Absicherung und Authentifikation versandter Daten, der Erstellung
fälschungssicherer virtueller Währungen oder wirksamer
Kopierschutzprogramme.
Altobelli/Hoffmann sehen vor allem Sicherheits- und rechtliche Fragen als
die wesentlichen Hemmnisse weiterer Kommerzialisierung an:
"Die Transformation von einem informationsorientierten zu einem
einkaufsorientierten Medium kann nur gelingen, wenn die derzeitigen gravierenden
Sicherheitsmängel bei der Bezahlung wie auch die Rechtsunsicherheit behoben
werden können. Trotz aller Bemühungen ist aber in naher Zukunft nicht
zu erwarten, daß eine akzeptable Lösung für das Problem der
elektronischen Bezahlung gefunden wird. Auch bei der Frage, welches jeweilige
nationale Recht bei einem grenzüberschreitenden Online-Kauf gilt, gibt es
kurzfristig keine
Lösung." [261]
Im Rahmen dieser Arbeit werden Fragen aus den Bereichen Kryptografie,
elektronische Währungen und Urheberrecht behandelt, weil dies die
Problematiken sind, die für die Beziehung zwischen einzelnen
Internetnutzern und Anbietern am wichtigsten sind.
4.1 Das Problem der Regulation von Kryptisierungsmethoden
Für die sichere Transaktionsabwicklung sind drei wesentliche
Voraussetzungen zu erfüllen: Die Sicherheit der Informationen während
der Übertragung, die eindeutige Bestimmung der Sender- und
Empfängeridentitäten sowie darauf aufbauend die vertragsrechtliche
Bindung [262]. Die Ermöglichung des
Verschlüsselns von Daten hat diesbezüglich wahrlich eine
Schlüsselstellung, da sie zu Lösungen bei allen drei Problembereiche
beitragen kann. Dazu zählen insbesondere die Identifikation von
Geschäftspartnern durch digitale Unterschriften sowie die Absicherung des
Datenversandes über die offenen Netze des Internet.
Letztere Thematik ist nicht nur für den kommerziellen Bereich, sondern
auch für die Sicherung der Privatsphäre des einzelnen Nutzers von
Bedeutung. Gleichwohl, ob Bestellungen, Kreditkartennummern oder private
Korrespondenz durch das Internet übermittelt werden, Absicherung vor dem
Abfangen der Daten durch Unbefugte ist zur Zeit nur durch
Verschlüsselungsanwendungen möglich.
"Die `Wissenschaft`, die aus einer ebenso durchschaubaren wie
unverbindlichen Menge von Daten diese Ziele herausmodelliert, heißt
Kryptographie. Mit ihren Methoden können Nachrichten gleichermaßen
unlesbar (für Unbefugte) wie unbestreitbar (für den `Unterzeichner`)
gemacht werden. Erst kryptographische Verfahren ermöglichen sichere
finanzielle Transaktionen, elektronische Münzen und Anonymität (ein
`anonymer` Absender hilft wenig, wenn eine Spur von Verbindungsdaten ihn dann
doch entlarvt)." [263]
So kommt es, daß die einzelnen Anwender, die auf die Wahrung ihrer
Privatsphäre Wert legen und Unternehmen, die das Internet als
Verkaufsmedium nutzen wollen, in dieser Frage gemeinsame Interessen verfolgen,
obwohl sie in der Datenschutzfrage ob der Rechtmäßigkeit der
Erfassung und Verwendung von Konsumentendaten (der sogenannte gläserne
Konsument) gegensätzliche Ziele haben. Es entsteht also eine
ungewöhnliche Allianz gegen staatliche Bestrebungen, Internetkryptografie
nur unter bestimmten Bedingungen zu erlauben.
4.1.1 Formen der Kryptografie
Der Begriff Kryptografie leitet sich aus den griechischen Verben
kryptein (verbergen) und gráphein (schreiben) ab. Die
Methoden des verborgenen Schreibens haben sich im Laufe der Jahrhunderte immer
weiter verfeinert, die Geschichte der Kryptografie gleicht einem Wettlauf derer,
die eine Nachricht geheimhalten wollen und derer, die sie lesen wollen. Es gibt
im wesentlichen zwei Möglichkeiten zur Geheimhaltung: Das Verstecken und
das Verschlüsseln der Nachricht.
Die erste Methode bildet eine Unterdisziplin der Kryptowissenschaft und
heißt Steganografie. Unter diesen Begriff fallen alle Methoden, die
versuchen, die Existenz einer Botschaft zu verschleiern, angefangen bei dem
Schreiben mit unsichtbarer Tinte bis zu Schallplatten mit geheimen Botschaften,
die man (angeblich) nur erkennt, wenn man die Platten rückwärts
abspielt. Im Internet kann diese Methode den technischen Möglichkeiten des
Mediums gerecht benutzt werden:
"What if you used the least significant bit of each pixel in a bitmap image
to encode a message? The impact on the appearance would not be noticeable. [...]
The ecoding is quite easy with a computer - and no complicated mathematics at
all. And of course the same principles apply to audio and video files as
well." [264]
Der Vorteil dieser Variante ist es, daß die verschickten Dateien
nicht durch sinnlose, also offensichtlich verschlüsselte Zahlen- bzw.
Buchstabenfolgen auffällig sind, sondern völlig unverdächtig
wirken. Und wenn niemand den Eindruck hat, daß etwas geheimgehalten wird,
kann er auch nicht versuchen, es zu entschlüsseln.
Die zweite Methode, die eigentliche Kryptografie, umfaßt alle
Methoden, mit denen eine Botschaft in für Unbefugte scheinbar unsinnige
Zeichenfolgen verwandelt wird, die nur der rechtmäßige Empfänger
decodieren und somit lesen kann. Das Werkzeug, mit dessen Hilfe der
Empfänger an die Nachricht kommt, ist der Schlüssel, den ihm der
Sender vorher mitgeteilt hat. Die entstehende Nachricht ist für jemanden,
der dieses Prinzip und den Schlüssel nicht kennt, unsinnig, für den
Empfänger jedoch leicht lesbar zu machen. Die Wissenschaft, die ebenso alt
wie die Kryptografie ist, ist die Kryptoanalyse. Seit Jahrtausenden finden
Unbefugte durch statistisch erfaßte Buchstabenhäufigkeiten oder auch
durch bloßes Ausprobieren heraus, durch welchen Schlüssel eine
Nachricht codiert ist.
Die bezüglich der Sicherheit in Computernetzen am häufigsten
diskutierte Kryptografiesystematik ist die in den siebziger Jahren
eingeführte asynchrone Verschlüsselung, die im Gegensatz zu
symmetrischen Chiffriermethoden, welche eine High-Tech-Version der bereits
erläuterten Ein-Schlüssel-Variante darstellen, auf der Verwendung
zweier unterschiedlicher Schlüssel basieren. Obwohl das symmetrische
DES-Verfahren 1977 in den USA "zur offiziellen kryptographischen Methode
für unklassifizierbare binäre Daten
erklärt" [265] wurde, hat sich die auch
Public Key-Methode genannte asynchrone Variante im Internet weitgehend
durchgesetzt. Sie basiert darauf, daß zwei Kommunikationsteilnehmer
jeweils einen öffentlich bekannten und zugänglichen
Chiffrierschlüssel und einen geheimen Dechiffrierschlüssel besitzen,
die beide auf riesigen Primzahlen basieren und miteinander verwandt, aber nicht
aus einander ableitbar sind.
Wenn nun Person A etwas für Person B verschlüsseln will, codiert
sie ihre Nachricht mit dem öffentlichen Schlüssel, den sie im Internet
mittels Schlüsselverzeichnissen herausfinden kann. Nur Person B ist nun
fähig, diese Nachricht zu entschlüsseln, weil nur sie ihren eigenen
privaten (= geheimen) Schlüssel kennt. Eine digitale Signatur entsteht,
wenn Person A die Nachricht noch zusätzlich mit ihrem privaten
Schlüssel codiert hat. Dann kann Person B diese mit Hilfe des
öffentlichen Schlüssels von A decodieren und ist so sicher, daß
die Nachricht auch tatsächlich von A ist - als hätte sie sie
unterschrieben [266].
Die Vorteile dieser Methode liegen auf der Hand: Erstens ist sie
einfach zu handhaben, da jede Person nur zwei Schlüssel braucht, egal, mit
wem sie kommuniziert. Bei synchronen Verfahren muß dagegen mit jedem neuen
Kommunikationsteilnehmer ein neuer Schlüssel ausgemacht werden, und zwar
über einen sicheren Kanal. In der Praxis hieße das, daß man mit
jedem Internethändler erst telefonieren müßte, bevor man ihm ein
E-Mail schicken könnte. Zweitens kann man mit Public-Key-Verfahren
nicht nur verschlüsseln, sondern auch authentifizieren, also etwas
unterschreiben.
Es gibt nun zwei Möglichkeiten, wie man die Infrastruktur der
Schlüsselverzeichnisse errichten kann. Sie unterscheiden sich darin, wer
Zugang zu den privaten Schlüsseln haben darf.
4.1.2 Möglichkeiten der Schlüsselinfrastruktur bei
Public-Key-Kryptografieverfahren
4.1.2.1 Teilnehmerautonom verwaltete Verschlüsselung
Das bekannteste und im Netz am weitesten verbreitete
Public-Key-Verschlüsselungsprogramm ist das von Phil Zimmermann in den USA
entwickelte und kostenlos vertriebene Programm Pretty Good Privacy (PGP, URL:
http://www.ifi.uio.no/pgp/):
"PGP erlaubt sowohl vertrauliche Kommunikation (ohne vorherigen
Schlüsselaustausch) als auch digitale Unterschriften - vorrangig per EMail.
Die von PGP verwendeten Verfahren gelten als sicher. Einen wesentlichen Aspekt
von PGP stellt die `anarchistische` Schlüsselverwaltung dar: PGP-Anwender
nutzen ihr Vertrauen in andere Menschen bei der Echtheitsbewertung von
Schlüsseln - es bildet sich ein `Web of Trust`, ein
Vertrauensnetzwerk." [267]
Diese Variante wird teilnehmerautonome Verschlüsselung oder auch
Kryptografie ohne Hintertür genannt, weil staatliche Stellen hier keine
Möglichkeit haben, an vertrauliche Daten heranzukommen. Das ist auch der
Grund, warum gegen Phil Zimmermann in den USA ein jahrelanges, mittlerweile
eingestelltes Ermittlungsverfahren lief. Er hatte sein
Verschlüsselungsprogramm im WWW, also international zur Verfügung
gestellt [268]. Da PGP als starke Kryptografie
in den USA als Munition gilt, fällt es somit unter die gleichen strengen
Exportbeschränkungen wie
Kriegswaffen [269]. In diesem Gesetz liegt
auch der Grund, warum auch heute noch die Schlüssel der internationalen
Versionen von PGP oder des Netscape Web Browsers in der (unzureichenden)
Länge von 56 bit vorliegen.
4.1.2.2 Zentral regulierte Verschlüsselung
In verschiedenen Ländern haben staatliche Stellen Bedenken gegen
teilnehmerautonome Verschlüsselungssysteme vorgebracht. In Frankreich
beispielsweise ist das Verschlüsseln privater Nachrichten ohne
Möglichkeit zum Entschlüsseln für die Behörden generell
verboten [270].
In der BRD schlug bereits 1995 der Rat für Forschung, Technologie und
Innovation eine Lösung für die Kryptografieverfahren vor, die diese
Forderungen erfüllt:
"Zur Absicherung von Kryptoverfahren in offenen Netzen ist eine
Sicherheitsinfrastruktur z.B. unter Einbeziehung von Trust-Centern erforderlich,
die möglichst getrennt von staatlichen Stellen organisiert und aufgebaut
wird. Anforderungen und Zulassung von Trust-Centern sind gesetzlich zu regeln.
Gesetzlich zu regeln sind ebenfalls die Voraussetzungen, unter denen die
Gleichwertigkeit des Beweiswerts elektronisch signierter und herkömmlicher
Schriftdokumente gesichert
ist." [271]
Seit dem 11. Dezember 1996 liegt in Form eines Beschlusses des
Bundeskabinetts der Entwurf eines Gesetzes zur Regelung der Rahmenbedingungen
für Informations- und Kommunikationsdienste vor (IuKDG-Entwurf, URL:
http://www.iid.de/rahmen/iukdgk.html). Neben Regelungen der Rechte und Pflichten
von Online-Providern und den Betreibern von Datenbanken setzt dieser im
wesentlichen die oben genannten Forderungen um, wobei auch bei Verdacht von
Straftaten oder Ordnungswidrigkeiten die Herausgabe von Schlüsseln durch
die im Entwurf als Zertifizierungsstellen benannten Trust-Center an staatlichen
Stellen vorgesehen ist.
Damit wird nicht nur dem Bedürfnis der Absicherung der Kommunikation
im Internet, sondern auch und vor allem dem von seiten des Innenministers
Kanther geäußerten Bedürfnis nach Abhörmöglichkeiten
entsprochen:
"Wo Industrie und Wirtschaft neue Informationsmöglichkeiten schaffen,
dürfen die Belange von Polizei und Justiz, und das heißt unsere
eigenen Sicherheitsinteressen, nicht außer acht bleiben. So geht es nicht
an, daß Kriminelle und Extremisten [...] sich durch moderne
Verschlüsselungsverfahren vor Strafverfolgungs- und
Sicherheitsbehörden
abschirmen." [272]
Kritiker des Gesetzesentwurfs bezeichnen ihn als Ausdehnung des
Großen Lauschangriffs auf das
Internet [273], weil sie eine mangelnde
Kontrolle der Mithörmöglichkeit staatlicher Stellen
fürchten.
Es existiert ein Interessenkonflikt, den der oben beschriebene
Gesetzesentwurf folgendermaßen gelöst hat: Kryptografie ist für
Finanztransaktionen im Internet und für den Schutz der Privatsphäre
dringend nötig, muß jedoch aus staatlicher Sicht auch die
Möglichkeit einer richterlich angeordneten Überwachung bieten.
Folglich müssen nach rechtsstaatlichen Gesichtspunkten starke,
teilnehmerautonome und uneinheitliche Verschlüsselungsverfahren verboten
werden, da diese dem Staat die Mithörmöglichkeit generell
nehmen.
Tatsächlich bietet das Internet jedoch neben der technischen
Voraussetzung für neue Qualitäten der Überwachung auch solche
für Verschlüsselung bzw. Entziehung von Überwachung. Während
es technisch z.B. möglich ist, Bewegungprofile von WWW-Nutzern zu
erstellen, die beispielsweise eine "verbotene" oder "verdächtige" Site
besucht haben oder die E-Mails "verdächtiger" Nutzer zu überwachen, so
ist es ihnen genauso möglich, die E-Mails zu verschlüsseln oder, falls
ihnen das verboten werden sollte, kleine E-Mail-Dateien in umfangreichen Bild-
oder Tondateien unauffindbar zu
verstecken [274]. Diejenigen, die sich einer
Online-Verfolgung und -überwachung ausgesetzt sehen, können also auch
Mittel und Wege finden, dieser zu entkommen. Der deutsche Justizminister
Schmidt-Jorzig sieht sich deshalb einem Dilemma ausgesetzt:
"Selbst wenn ich es wollte, könnte ich das Verbot kaum durchsetzen.
Verschlüsselungsprogramme können Sie sich frei aus dem Internet auf
Ihren Computer herunterladen. [...] Der Staat befindet sich derzeit auf einem
Verfolgungsrennen, das er gar nicht gewinnen kann. Das befreit uns
natürlich nicht von der Pflicht, die Verfolgung erst einmal aufzunehmen.
[...] Jeder nationale Lösungsversuch wird eben zu kurz
greifen." [275]
4.1.3 Digitale Signaturen
Die Rechtssicherheit digitaler Verträge ist eine weitere Notwendigkeit
für die Ausbreitung des Verkaufs mittels des Internet. Um dies zu
erreichen, wird die rechtliche Gleichstellung der digitalen Signatur mit der
herkömmlichen Unterschrift nötig sein. Auf bundesdeutscher Ebene ist
ein erster Schritt in diese Richtung das in dem bereits erwähnten
IuKDG-Entwurf enthaltene Signaturgesetz (SigG), das die Zuordnung
öffentlicher Signaturschlüssel zu Personen durch eine behördlich
lizensierte Zertifizierungsstelle regelt.
Doch auch eine genaue Regulierung der Schlüsselinfrastruktur, die
Mißbrauch der Schlüssel verhindern soll, kann das aus juristischer
Sicht größte Manko digitaler Signaturen nicht beheben:
"Beim heutigen Stand der Technik enthält keine digitale Signatur, sei
sie noch so sicher oder zertifiziert, ein biometrisches Merkmal. Das
heißt, es kann nicht eindeutig nachgewiesen werden, daß wirklich
Person X unterschrieben hat. Fest steht nur, daß jemand den privaten
Schlüssel, der der Person X gehört, benutzt hat [...]. Solange es kein
solches biometrisches Erkennungsverfahren gibt, etwa einen Fingerabdruckleser
neben der Tastatur, wird dieses Manko unseren Rechtsalltag weiterhin
begleiten." [276]
Die Rechtsunsicherheit digitaler Signaturen wird zumindest so lange
anhalten, bis erste Gerichtsverfahren sich mit digitaler
Unterschriftsfälschung oder -betrug befassen und prototypische Urteile
gefällt werden [277]. Diese können
im Fall einer unberechtigt genutzten digitalen Signatur die Haftung für
etwaige Schäden dem Signaturinhaber übertragen (weil er
fahrlässig mit seinem privaten Schlüssel umgegangen sein muß, um
den Betrug zu ermöglichen) oder den der Fälschung aufgesessenen
Empfänger.
Die erste Variante wäre dem Scheckkartenbetrug ähnlich, wo in der
Regel davon ausgegangen wird, daß der Bankkunde fahrlässig mit seiner
- wie digitale Signaturen kein biometrisches Merkmal tragenden - PIN-Nummer
umgegangen sein muß [278]. Dies
würde bedeuten, daß der Kunde auch bei Onlinekaufverträgen die
Beweislast trägt. Seitens der verkaufenden Unternehmen wäre die
Rechtsunsicherheit dann vernachlässigbar, während der Kunde von Fall
zu Fall abwägen müßte, ob ihm die Bequemlichkeit der
Onlinebestellung oder seine Rechtssicherheit wichtiger ist.
Die zweite Variante würde jedoch dazu führen, daß so lange
keine Kaufverträge mehr online abgeschlossen würden, bis die
Rechtsgültigkeit der digitalen Signatur z.B. durch den erwähnten
Fingerabdruckleser ermöglicht würde, da zahlreiche Unternehmen im
Betrugsfall - oder auch für die Unachtsamkeit ihrer Kunden bezüglich
des privaten Schlüssels - selbst haftbar wären.
Bisher wird noch auf eine entgültige Entscheidung in dieser Thematik
gewartet, was einer der Gründe für die zögerliche Entwicklung des
Internetverkaufs ist.
4.2 Das Problem elektronischer Zahlungssysteme
Einer der Vorteile des Internet ist es, daß es nicht nur Werbung,
Kauf- bzw. Bestellvorgang und bei digitalisierbaren Waren Vertrieb in einem
Medium vereint, sondern, daß auch die Möglichkeit besteht, die
Bezahlung über das gleiche Medium zu regeln. Langwierige Bestell- und
Bezahlungsvorgänge werden aus dem Weg geräumt. Vorteile elektronischer
Zahlungsvarianten im Internet zählt Udo Flohr am Beispiel von ECash
auf:
"If You lose your E-cash, you can get it back with a file-copy command. If
someone steals your electric money, you can invalidate the serial number just as
you now stop payment on a paper check. And you never have to wonder where this
month`s salery went: Just reconsider your e-mail log to see where you sent each
digital cent." [279]
Auch aus Sicht von Finanzdienstleistern und Handel gibt es neben der
verstärkten Erschließung des Internet als elektronischen Markt
Gründe, Ressourcen in die Entwicklung elektronischer Zahlungssysteme zu
stecken. Beispielsweise ließen sich die Verwaltungskosten, die durch
Barzahlungen entstehen (Barzahlungen machen etwa drei Viertel aller
Zahlungsvorgänge aus), erheblich verringern, falls sich die elektronische
Zahlungsvariante (z.B. via Chipkarte auch außerhalb von Computernetzen)
flächendeckend durchsetzen sollte.
"Die Kosten für Handel und Banken, die sich aus der Verwaltung des
Bargeldes ergeben, sind für Europa auf 45 Mrd. US-Dollar geschätzt
worden. Käufer, die statt Münzen Chipkarten verwenden, könnten
zur Entstehung des reibungslosen Kapitalismus (Gates)
beitragen." [280]
Elektronische Zahlungsweisen müssen jedoch eine Reihe von
Anforderungen erfüllen, um von allen in finanzielle Transaktionen
involvierten Marktpartnern akzeptiert zu
werden [281]:
1. Sicherheit: Das Internet ermöglicht eine neue Dimension von Betrug.
Die durch Computerkriminelle angerichteten Schäden schätzt man heute
schon allein in der Bundesrepublik Deutschland auf eine mindestens dreistellige
Millionenhöhe [282]. Wenn sich
elektronische Zahlungen erst einmal etabliert haben und sich ihre
Sicherheitsmechanismen dann als unzureichend erweisen sollten, würden sich
bei der hohen Nutzerzahl des Internet weit höhere Betrugsmöglichkeiten
eröffnen.
2. Authentifikation: Auch hier bieten offene Computernetze ganz neue
Betrugsmöglichkeiten. Während Banknoten und Münzen durch
physikalische Merkmale wie Wasserzeichen authentifizierbar und Fälschungen
physikalisch erkennbar sind, ist dies bei elektronischem Geld nicht mehr der
Fall. Vertreter der Deutschen Bundesbank warnen bereits davor:
"Wenn Computerhacker den Verschlüsselungscode des elektronischen
Netzgeldes geknackt haben und sie Falschgeld im Datennetz in Umlauf bringen,
lassen sich diese Werteinheiten physikalisch nicht von echtem digitalen Geld
unterscheiden." [283]
Sichere Erfüllung der Anforderungen 1 und 2 liegen im Interesse aller
Beteiligten, also von Finanzdienstleistern, Handel und Nutzern.
3. Anonymität: Aus Gründen des Datenschutzes sollte ein
Zahlungsverfahren im Internet möglich sein, das ebenso anonym wie eine
Barzahlung ist. Dies liegt zwar nicht im Interesse von Handelsunternehmen,
für die Zahlungsdaten ihrer Kunden wertvolle Marketingdaten enthalten, und
kann eventuell auch das Auffinden von Betrügern erschweren oder gar
verhindern, doch es erfüllt das Bedürfnis des privaten Nutzers nach
Schutz der Privatsphäre.
4. Diversibilität: Darunter versteht man die Teilbarkeit des Geldes in
beliebige Werteinheiten. Vor allem die kommerziellen Anbieter von Information
und Unterhaltung (Musik, Netztexte usw.) haben ein Interesse daran, die digitale
Zahlung so zu vereinfachen, daß auch Kleinstbeträge, die z.B.
für das Lesen einer WWW-Page anfallen, mit vertretbarem Aufwand abgerechnet
werden können. "So electric money will come in cent or less demonations
that can make high-volume, small-value transactions on the Internet
practical." [284] Die Vereinfachung der
Zahlungsweise im "Microcash"-Bereich kann jedoch nur durch Vereinfachung der
Sicherheitsmechanismen und somit auf Kosten der Sicherheit erreicht
werden.
5. Handlichkeit [285]: Digitale
Zahlungsmittel sollten nicht ortsgebunden sein. Es sollte möglich sein,
digitales Geld mit sich herumzutragen und an verschiedenen Stellen auszugeben
oder zu lagern.
6. Einfache Benutzung: Elektronische Zahlungssysteme sollten unkompliziert
und nutzerfreundlich strukturiert sein. So sollte beispielsweise für den
Nutzer übersichtlich erkennbar sein, wie viel Geld er bei welcher
Transaktion wann an wen gezahlt hat.
7. Allgemeine Anerkennung: Seit jeher war es die Eigenschaft des Geldes, im
Gegensatz zu anderen Tauschmitteln nicht nur in eingeschränkten Kreisen,
sondern allgemein anerkannt zu sein. Diese Eigenschaft muß auch das
elektronische Geld erfüllen. Da es sich jedoch in den meisten Systemen um
virtuelle Zahlenketten aus Einsen und Nullen handelt, wird dies nur gelingen,
wenn deren beliebige Vervielfältigung ausgeschlossen ist. Die allgemeine
Anerkennung der jeweiligen digitalen Währung hängt also von der
Sicherheit ab.
8. Möglichkeit der Off-Line-Benutzung: Das Geld sollte auch
unabhängig von einem Zentralrechner ausgegeben werden
können.
9. Unbegrenzte Haltbarkeit: Es muß eine Möglichkeit gefunden
werden, das elektronische Geld für einen unbegrenzten Zeitraum zu
speichern. Diese Forderung scheint aufgrund der Speichermöglichkeiten der
Computertechnik relativ einfach erfüllbar zu sein, doch ist z.B. auch die
mögliche Anfälligkeit gegen Computerviren und Systemabstürze zu
bedenken.
Ebenso wie die Anforderungen 3,5, 6 und 8 ist dieser Punkt vor allem
für die Nutzerakzeptanz von Bedeutung. Nur wenn elektronisches Geld diese
Anforderungen erfüllt, wird es von Konsumenten als Fortschritt angesehen
und hat eine Chance, sich flächendeckend durchzusetzen. So gesehen ist dies
auch eine Voraussetzung für die allgemeine Anerkennung einer elektronischen
Währung.
4.2.1 Formen elektronischen Geldes
Obwohl noch nicht alle diese Probleme gelöst sind, existieren bereits
eine ganze Reihe von digitalen Zahlungsformen. Jedes Unternehmen hat
natürlich die Hoffnung, daß sich sein System zu einem Standard
entwickelt.
"[...] - auf dem Spiel stehen möglicherweise Milliardenumsätze
und die Gewinne, die die virtuellen Bankiers der Neuzeit als Vermittler
einstreichen könnten. Die Teilnehmer reichen von großen etablierten
Finanzinstitutionen wie Visa oder Citybank bis hin zu unbekannten Firmen, die
bei dieser Goldgräberstimmung wie Pilze aus dem Boden geschossen
kommen." [286]
Auch wenn ihnen gute Chancen eingeräumt werden müssen, haben die
Global Players, beispielsweise die Kreditkartenriesen Visa und Mastercard, das
Rennen um die Konsumentengunst noch nicht gewonnen. Sie benötigten
kompetente Partner im Softwarebereich und müssen vor allem eine
überzeugende Lösung bieten, wenn sie den Kunden gewinnen
wollen.
Es wird jedoch nicht nur "den" einen Standard geben, nach dem Transaktionen
im Internet abgewickelt werden, sondern für die verschiedenen
Transaktionsformen auch verschiedene Systeme, genauso, wie es im Alltag von
Kreditkarten, Schecks, Überweisungen bis zum Bargeld viele verschiedene
Zahlungsformen gibt.
Im folgenden werden die zur Zeit wichtigsten Systeme vorgestellt, die im
Internet eingesetzt werden können.
4.2.1.1 Smartcards
Die Zahlung mittels Telefon- und Scheckkarten ist in Europa schon weit
verbreitet. In Zu-kunft sollen in der Europäischen Union weit mehr
Zahlungen bargeldlos mit Weiterentwick-lungen dieser Karten (sogenannten
Smartcards) getätigt werden. Großversuche mit den Sys-temen CAFE
(URL: http://www.cwi.nl/cwi/projects/cafe.html) und dessen Nachfolger SEMPER
(URL: http://semper.zurich.ibm.ch/index.html), der sich verstärkt der
Nutzung dieser Systeme in elektronischen Märkten
widmet [287], wurden bereits von der EU
initiiert. Beide Systeme basieren auf einer Idee David Chaums, des Gründers
der niederländischen Firma DigiCash. Dieser erfand das Sicherheitsmodul
"Guardian" und ließ sich die verdeckte Unterschrift patentieren. So wird
jeder aus der elektronischen Geldbörse bezahlte Betrag durch eine ohne
Einwirkungsmöglichkeit des Besitzers von dessen Bank erstellte Seriennummer
gültig. "Guardian" sorgt dafür, daß jede Nummer nur einmal
ausgegeben wird. Durch Public-Key-Kryptografie-Verfahren wird die Echtheit
überprüft und durch die erwähnte verdeckte Unterschrift wird das
Zurückverfolgen des Benutzers unmöglich gemacht, also seine
Anonymität gewährleistet [288]. Des
weiteren ist das System benutzerfreundlich, weil die Karte an Geldautomaten
aufgeladen werden kann und mittels einer etwa taschenrechnergroßen
elektronischen Geldbörse der aktuelle Wertbestand und die letzten
Transaktionen der Karte abgelesen werden
können [289].
Auch die Firma Mondex (URL: http://www.mondex.com/mondex/) hat mit einem
eigenen Smartcard-System einen Großversuch in der englischen Stadt Swindon
durchgeführt. Dem Mondexsystem wird jedoch nachteilig ausgelegt, daß
sein Sicherheitssystem nicht offengelegt wurde, was eine Bewertung desselben
unmöglich macht und daß es außerdem die Privatsphäre des
Nutzers nicht ausreichend
schütze [290].
Chipkarten sollen vor allem als Alternative zum Bargeld aufgebaut werden,
so daß man beim Bäcker, im Supermarkt, an der Tankstelle, in der
Kneipe usw. durch das Stecken der Karte bezahlen kann. Es ist jedoch auch
bereits ein Modem entwickelt worden, das die Nutzung von Mondex im Internet
ermöglicht [291].
4.2.1.2 Digital Cash
Im Gegensatz zu Smartcards ist Computergeld oder Digital Cash
elektronisches Bargeld und damit Online-Geld. Wenn ein Konsument im Netz
für eine Ware bezahlen will, "zerbricht" er das auf der Festplatte seines
Rechners gespeicherte Geld in die passende Werteinheit und reicht diese bei
seiner Bank ein. Die maximale Größe dieser Werteinheit ist
natürlich auf die Höhe des Bankguthabens limitiert. Die Bank
überprüft nun, ob das Geld mit dieser Seriennummer (die ihm der PC des
Konsumenten gibt) nicht schon irgendwo vermeldet (also bereits ausgegeben) ist
und verschickt das digitale Geld an den Händler. Dieser muß nun
über das Netz dieses "Geldstück" möglichst schnell bei seiner
Bank einzahlen, damit der Konsument nicht noch ein solches mit der selben
Seriennummer zum zweiten Mal ausgeben kann. Die Sicherheit während des
Versandes gewährleistet
PGP-Verschlüsselung [292].
Während der Versand als abgesichert gelten kann, liegen in der
Speicherung im Heimcomputer gleichwohl der Vor- als auch der Nachteil von ECash
gegenüber Smartcards. An seinem PC kann der Benutzer übersichtlicher
erkennen, wieviel er wann wo ausgegeben hat. Allerdings ist die Speicherung des
Geldes auf der Festplatte eines vernetzten PC ein größerer
Unsicherheitsfaktor als die Speicherung auf einer Karte: Über die Fragen,
ob es Computerhackern möglich sein könnte, das Geld unbefugt von der
Festplatte abzuheben [293], und ob und wie das
Guthaben bei Festplattenfehlern und Systemabstürzen gesichert
ist [294], herrschen derzeit noch geteilte
Meinungen und Unklarheit.
Anonymität gewährleistet das System ECash der Firma DigiCash
(URL: http://www.digicash.com) durch verdeckte Unterschriften (vergleiche
Abschnitt 4.2.1.1). Bei dem System NetCash der Firma Software Agents (URL:
http://www.netbank.com/~netcash/) dagegen bietet die zentrale Sammlung der
Transaktionsdaten durch die beteiligte Bank die Möglichkeit, Einkaufsdaten
des Kunden auszuwerten [295].
Die Erfüllung der Anonymitätsanforderung und die als ausgereift
und in der Fachwelt als beste geltende
Technik [296] haben dem ECash-System gute
Chancen eingeräumt, sich durchzusetzen, obwohl hinter ihm keine
Branchenführer stehen, sondern mit DigiCash nur die kleine Firma David
Chaums. Beleg hierfür ist die deutsche Exklusivlizensierung von ECash und
die Durchführung eines ECash-Pilotversuchs durch die Deutsche Bank
AG.
4.2.1.3 Micropayments
Die Idee für die Zahlung von Kleinstbeträgen - sogenannten
Micropayments - ist es, daß beispielsweise Kreditkartenlösungen oder
Digital Cash aufgrund ihres hohen Sicherheitsstandards für Zahlungen von
Pfennig- oder noch niedrigeren Beträgen zu aufwendig sind. Gerade auf diese
Möglichkeit der Bezahlung drängen jedoch Netzautoren wie Provider
gleichermaßen. Die einen erhoffen sich so für ihre Arbeit eine
Entschädigung (Micropayments wären also vergleichbar mit
Tantiemenzahlungen, nur präziser), die anderen eine qualitative
Verbesserung des Angebots auf dem WWW. Dieses Problems hat sich das von Digital
Equipments entwickelte Millicent (URL: http://www.digital.com/SRC/millicent/)
angenommen.
Millicent fungiert als Ausgeber von Berechtigungsscheinen für
bestimmte Anbieter. Kunden können sich bei Brokern (an die sie ebenso wie
an Millicent Gebühren entrichten müssen) diese Berechtigungen für
den gewünschten Anbieter besorgen. Der Anbieter nimmt anschließend
die Überprüfung auf doppelte Verwendung vor. Die Sicherheit
übernehmen symmetrische Kryptoverfahren, die gegenüber der asynchronen
Variante weniger Rechenzeit benötigen. Eine Unterschrift ist nicht
vorgesehen [297]. Diese vergleichsweise
geringe Absicherung hat ihren Grund in dem Glauben, daß Betrüger den
Aufwand des Codeknackens aufgrund der geringen Beträge nicht auf sich
nehmen werden.
4.2.1.4 Kreditkartenlösungen
Die Bezahlung durch die Nennung der Kreditkartennummer an den Händler
ist momentan die von den das Internet als Zahlungsmedium nutzenden Methoden am
weitesten verbreitete. Es handelt sich hierbei folglich genaugenommen auch nicht
um elektronisches Geld, sondern lediglich um die auf die Bedürfnisse des
Netzes eingehende Variante der Kreditkartenzahlweise. Diese Variante ist
folglich auch eine Prepaid- bzw. Offline-Lösung. Da diese Transaktionsform
jedoch so weit verbreitet ist und mit großer Wahrscheinlichkeit eine der
Standardzahlungsweisen im Internet hervorbringen wird, sollten die Versuche der
Kreditkartenwirtschaft und Softwareunternehmen, sie besser abzusichern kurz
vorgestellt werden.
Am 1. Februar 1996 haben die Kreditkartenunternehmen Visa und Mastercard
mit SET (Secure Electronic Transaction) einen gemeinsamen, zu gleichen Teilen
aus Lösungen ihrer jeweils eigenen Allianzen mit den Softwarefirmen
Microsoft bzw. Netscape erstellten Standard für die Verschlüsselung
von Kreditkartennummern im Internet
vorgestellt [298]. Von diesem wird erwartet,
daß er sich als Norm für die Online-Kreditkartenzahlung durchsetzen
wird.
SET soll den Versand von Kreditkartennummern, welcher zur Zeit meist
unverschlüsselt per E-Mail geschieht und folglich äußerst
riskant ist, insofern absichern, daß nicht mehr die Kreditkartennummern,
sondern die privaten Identifikationsnummern der Nutzer an Händler
verschickt werden [299]. Über die
technischen Details sind bisher noch keine Einzelheiten bekannt, außer
daß SET auf einem Public-Key-Standard aufbaut und die Testphase gegen Ende
des Jahres 1996 abgeschlossen sein
sollte [300].
4.2.1.5 Digital Checks
Dem digitalen Äquivalent zum Scheck wurde in der bisherigen Diskussion
noch nicht sonderlich viel Aufmerksamkeit gewidmet. Das liegt eventuell an den
rechtlichen Fragen, deren Lösung seiner Einführung voraus gehen
müßte. Udo Flohr unterscheidet zwischen "Digital Checks" und "Digital
Bank Checks" [301].
Erstere werden durch digitale Zertifikate, die die Identität des
Zahlenden sowie die Bankinformationen beinhalten, und eine digitale Unterschrift
des Zahlenden authentifiziert. Weitere wichtige Informationen über den
rechtmäßigen Empfänger, den Betrag des Schecks sowie das Datum
kommen noch dazu und der Scheck wird per E-Mail oder einem ähnlichen
Übertragungsweg verschickt. Dabei sorgt Public-Key-Kryptografie für
die Sicherheit während des Transportes sowie für absolute Klarheit
betreffs des Absenders. Der Vorteil dieser Schecks liegt darin, daß sie in
das momentane Zahlungssystem der Banken passen, da ihr Äquivalent ja schon
jahrzehntelang praktiziert wird. Nachteilig ist jedoch z.Zt. das Problem,
daß digitale Unterschriften rechtlich manuellen Unterschriften noch nicht
gleichgestellt sind (vergleiche Abschnitt 4.1.3). Außerdem
müßte für die Einführung dieses Prinzips ein
funktionierendes Public-Key-System bereitstehen. Dem steht jedoch momentan noch
der Streit über die Schlüsselverwaltung gegenüber (vergleiche
Abschnitt 4.1.2).
4.2.1.6 Digital Bank Checks
Digital Bank Checks dagegen bieten eine Mischung der Eigenschaften von
ECash und digitalen Schecks.
"You use it when the payee requires a bank certificate that sufficient
funds are available and will be paid out. Users buy the checks from a bank,
which redeems each serial number only
once." [302]
Wenn sich jedoch E-Cash durchsetzen sollte, würde die Benutzung von
Digital Bank Checks nicht sinnvoll sein, da es dem digitalen Bargeld
gegenüber keine Vorteile, dafür jedoch den Nachteil der fehlenden
Anonymität hat.
4.2.1.7 Digitale Coupons
Auch das Äquivalent zum Coupon existiert bereits im Internet. Ein
elektronischer Coupon kann nicht in Bargeld umgewandelt werden. Er ist vielmehr
nur ein Versprechen der ausstellenden Firma, in der Zukunft etwas dafür zu
tun, also eine Art Schuldschein. Er besteht aus einer Beschreibung des Wertes
des Coupons (z.B. "wenn sie diesen Coupon bei http://www.xy einlösen,
erhalten sie ein kostenloses T-Shirt."), einer digitalen Unterschrift der
ausstellenden Firma und einer individuellen Seriennummer. Die Sicherheit wird
beispielsweise durch PGP-Verschlüsselung erreicht. Der Kunde kann den z.B.
ähnlich einem Werbebanner plazierten Coupon ausschneiden, speichern
(Vervielfältigung ist durch die Seriennummer ausgeschlossen), tauschen und
einlösen. Der Wert des Coupons besteht nur dann, wenn ihm sowohl Kunde als
auch Anbieter vertrauen. E-Coupons können eine ähnliche Funktion wie
Werbelinks haben - nämlich das Wecken von Interesse am Angebot der
Firma.
4.2.2 Prognose über die weitere Verbreitung digitaler
Zahlungssysteme
Da sich nahezu alle vorgestellten Zahlungsformen noch in der mehr oder
minder weit fortgeschrittenen Versuchsphase befinden, fällt es schwer,
vorherzusehen, welche Systeme sich durchsetzen könnten. Über die
Qualität der Sicherungssysteme, über die tatsächliche Absicherung
der Anonymität und über die laufenden Kosten wird letztendlich nur die
Praxis im Internet genaue Auskunft geben können. Dann erst wird sich
entscheiden, welche Systeme die Nutzer akzeptieren und welche nicht. Und
daß die Nutzer nicht nur die entscheidende, sondern auch eine schwer zu
kalkulierende Größe darstellen, zeigt sich ja unter anderem daran,
daß es bis jetzt nicht einmal möglich ist, ihre ungefähre Anzahl
und gesellschaftliche Zusammensetzung herauszubekommen. So kann man heute noch
nicht viel mehr sagen, als daß im Internet über kurz oder lang
Geld fließen wird. In welcher Form es fließen wird, ist dagegen noch
sehr unsicher.
"Für größere Summen gilt allgemein SET, für kleinere
Ecash als Favorit. Sicherlich werden aber auch zahlreiche andere Systeme ein
Stück vom Kuchen abbekommen, und vielleicht wird man noch die eine oder
andere Überraschung
erleben." [303]
Aufgrund der Bedürfnisse der sogenannten Content Provider kann man
auch Millicent oder ähnlichen Micropaymentsystemen eine gute Chance
einräumen, sich im Internet durchzusetzen. Auch die Erfüllung der
eingangs erwähnten Anforderungen an digitale Zahlungssysteme kann
Anhaltspunkte darüber liefern, welche Systeme möglicherweise
angenommen werden.
Tabelle 6: Erfüllung der Anforderungen an digitale Zahlungsformen
durch die unterschiedlichen Systeme (Quelle: eigene Zusammenstellung)
|
Smart-cards
|
Digital Cash
|
Micro-payments
|
Kredit-karten-lösungen
|
Digital Checks
|
DigitalBank Checks
|
Digitale Coupons
|
|
Sicherheit
|
?
|
?
|
-
|
?
|
?
|
?
|
?
|
|
Authenti-fikation
|
x
|
x
|
x
|
x
|
x
|
x
|
?
|
|
Anonymität
|
(x)
|
(x)
|
(x)
|
-
|
-
|
-
|
?
|
|
Diversibilität
|
x
|
x
|
x
|
x
|
x
|
x
|
-
|
|
Handlichkeit
|
x
|
-
|
-
|
-
|
-
|
-
|
-
|
|
einfache Bedienung
|
(x)
|
x
|
x
|
x
|
(x)
|
x
|
x
|
|
allgemeine Anerkennung
|
x
|
x
|
?
|
x
|
x
|
x
|
-
|
|
Offlinefähig-keit
|
x
|
-
|
-
|
-
|
-
|
-
|
-
|
|
unbegrenzte Haltbarkeit
|
x
|
?
|
?
|
x
|
x
|
x
|
?
|
Zeichenerklärung: x Bedingung wird erfüllt
(x) Erfüllung der Bedingung ist technisch möglich,
jedoch nicht systemimmanent
? Es ist noch nicht eindeutig abzusehen, ob die Bedingung
erfüllt wird.
- Bedingung wird nicht erfüllt
4.2.3 Mögliche finanzpolitische Folgen der Verbreitung
elektronischer Währungen
Erheblich wichtiger als die Spekulationen, welches System sich durchsetzen
wird, ist die Frage nach der Beeinflussung der makroökonomischen
Verhältnisse durch die flächendeckende Einführung des
elektronischen Geldes. Bezeichnenderweise ist diese Thematik bislang weniger
kommentiert worden, was Rilling 1995 folgendermaßen kritisierte:
"Die Entwicklung von Cybercash als elektronischer Währung geschieht,
ohne dass irgendeine Kontrollidee hinsichtlich Geldmenge,
Konvertibilitätsprüfung u.ä.
existiert." [304]
Die mangelnde Beachtung dieser Fragen mag vor allem darin begründet
liegen, daß die bevorstehende Einführung elektronischen Geldes die
eingespielten finanziellen Regulationsmodi noch nicht gefährdet. Die
meisten finanziellen Probleme werden sich erst stellen, wenn elektronisches Geld
in so großem Umfang genutzt würde, daß es begänne, das
Bargeld zu substituieren.
Beispielsweise ist ein wichtiger Regulationsmodus der Bundesbank (ebenso
wie anderer Zentralbanken) die von ihr ausgeübte monetäre Steuerung.
Kreditinstitute müssen sich bei der Bundesbank mit Bargeld eindecken und
sind verpflichtet, Sichteinlagen, also Mindestreserven realen Geldes,
vorzuhalten.
"Mit ihrer Mindestreservepolitik und ihren Zinssätzen, die für
die Kreditinstitute zur Refinanzierung maßgebend sind, steuert die
Deutsche Bundesbank das kurzfristige Zinsniveau der gesamten
Wirtschaft." [305]
Elektronische Währungen wie z.B. ECash ersetzen nicht nur Bargeld (wie
es das Kartengeld tut), sondern auch die
Sichteinlagen [306]. Bei einer weiten
Verbreitung dieser Währungen und gleichzeitiger Substituierung des
Bargeldes verlören die Steuerungsmittel der Zentralbanken an Bedeutung, was
die Stabilität der Währungen bedrohen
könnte [307]. Dazu kommt, daß durch
elektronisches Geld die Geldumlaufgeschwindigkeit um ein Vielfaches erhöht
wird, was den traditionellen Überwachungsinstrumenten der Deutschen
Bundesbank noch zusätzlich Wirkung nehmen
würde [308].
Daß die Bundesbank bei Substitution des Bargeldes durch sein
elektronisches Äquivalent ihren Seignorage-Gewinn und das Finanzministerium
Münzsteuern in der Höhe von momentan ca. einer halben Milliarde
DM [309] verlieren würden, sei nur am
Rande erwähnt, da es ein relativ untergeordnetes Problem
darstellt.
Ein weiteres Problem kann die Herausgabe elektronischer Währungen
durch Nichtbanken sowie Banken, die keiner qualifizierten Aufsicht unterliegen,
werden [310]. Abgesehen von der sich
eröffnenden Möglichkeit zur Geldwäsche und der Unterhöhlung
des Notenmonopols der Zentralbanken könnte der Zusammenbruch eines
bedeutenden Geldausgebers oder auch das durch geknackte Sicherheitssysteme
gebrochene Vertrauen in elektronische Währungen zu einer Wirtschaftskrise
führen: Die Herausgeber von Netzgeld könnten das Netzgeld von
tausenden ihrer Kunden nicht in Bargeld wechseln, die Flucht der Nutzer in das -
dann weitgehend aus dem Verkehr gezogene - Bargeld wäre kurzfristig nicht
möglich [311].
Befürworter privater Währungen sehen in der Ausgabe von
Ersatzgeld durch Privatunternehmen weniger die oben beschriebene Gefahr, sondern
eher eine Chance. Jon W. Matonis, Gründer des US-amerikanischen Institute
for Monetary Freedom, nennt die Freiheit der Währungswahl gar als zehntes
Merkmal, das digitales Geld tragen sollte:
"The digital cash is denominated in market-determined, non-political
monetary units. Alice and Bob should be able to issue non-political digital cash
denominated in any defined unit which competes with governmental-unit digital
cash." [312]
Er projiziert, daß weltweit bekannte Firmen oder auch nur Marken wie
z.B. Coca Cola oder American Express eigene weltweit gültige
Ersatzwährungen auf den Markt bringen könnten, die aufgrund des in die
Marke gesetzten Vertrauens akzeptiert würden und vor allem in Ländern
mit instabilen staatlichen Währungen diesen den Rang ablaufen könnten.
Die Kräfte des Marktes würden letztlich dafür sorgen, daß
die jeweilige Währung ihre Kursnotierung findet.
Zumindest in der BRD wird sich dieses Szenario in absehbarer Zeit jedoch
nicht einstellen, da die voraussichtlich Mitte 1997 inkrafttretende 6.
Kreditwesengesetznovelle die Ausgabe von Netzgeld nur Banken
erlaubt [313], was den Interessen der
Bundesbank entgegenkommt.
Letztlich stellt sich jedoch - wie auch bezüglich der
Entschlüsselungsmöglichkeit für staatliche Stellen (vergleiche
Abschnitt 4.1.2) - die Frage, ob nationale Regulierung aufgrund des
internationalen Charakters des Internet auf Dauer wirkungsvoll bleiben kann. Das
betrifft nicht nur die Steuerungspolitik nationaler Zentralbanken, die auch
durch grenzüberschreitende Finanzflüsse beeinflußt werden kann,
sondern auch die Steuerpolitik: Wenn durch Kryptografie der anonyme digitale
Geldverkehr über das Netz möglich ist, kann keine Steuerbehörde
mehr kontrollieren, wer welche Guthaben wo hat. Dem Plazieren der eigenen Konten
in Steueroasen läge nichts mehr im Wege: "Es ist [...] nicht klar, wie im
globalen Datennetz überhaupt Steuern erhoben werden
können." [314]
Die in diesem Abschnitt angesprochenen Probleme können im Rahmen
dieser Arbeit leider nicht tiefergehend behandelt werden, da sie für die
kurzfristige Weiterentwicklung der kommerziellen Nutzung des Internet nicht
relevant sind und erst bei weiter Verbreitung elektronischer Währungen
gewichtig werden würden.
4.3 Urheberrechtliche Probleme
Urheberrechte geben deren Inhabern das Recht, die Nutzung ihrer Werke zu
autorisieren oder zu verbieten [315].
Prinzipiell schützen diese Rechte alle Arten von Werken, also
Musikstücke, Theaterstücke, literarische (darunter fallen auch
Computerprogramme), choreografische, grafische, audiovisuelle und
architektonische Werke, sowie seit jüngster Zeit auch Datenbanken, vor
unerlaubtem Zugriff und Vervielfältigung. Die Art und Weise, in welcher
bestehende Urheberrechte den Erfordernissen des Internet entsprechend
angepaßt werden [316], kann die
kommerzielle Entwicklung des Internet entscheidend beeinflussen. Dabei sind zwei
Tendenzen denkbar, die entweder die Interessen von Autoren, Rechtsinhabern
(hierzu zählen Interpreten, Film und Musikproduzenten, Sendeanstalten und
Verleger) und Verwertungsgesellschaften oder die der Nutzer und Anbieter der
technischen Infrastrukturen stärker berücksichtigen.
Die erste Obergruppe ist an wirksamen Schutzvorrichtungen gegen die durch
Digitalisierung ohne Qualitätsverluste möglichen und prinzipiell
unbegrenzten Kopiermöglichkeiten sowie an angemessenen Entschädigungen
für das Erschaffen von Werken interessiert. Vertreter dieser Interessen
argumentieren, daß das Nichtvorhandensein von Schutzvorrichtungen und
fehlende Möglichkeiten zur Eintreibung von Tantiemen Autoren und Verleger
dazu bewegen könnten, ihre Werke nicht im Internet zu
präsentieren [317]. Die Folge wäre
ein quantitativ und qualitativ geringes inhaltliches Angebot im
Internet.
Die Nutzer und Dienstbetreiber dagegen drängen auf den möglichst
freien Fluß von Informationen und die Nutzung der Möglichkeit zur
Kombination verschiedener Werkformen, was sie als eine wichtige Voraussetzung
zur weiteren Entwicklung der Informationsgesellschaft und der Wissenschaft
ansehen [318]. Das in bestehenden
Urheberrechten implizierte Modell eines einzigen unabhängig und
originär schaffenden Autoren sei im Internet
überholt [319]. Durch vernetzte
Arbeitsweisen - z.B. bei der Entwicklung und Weiterentwicklung von
Internetstandards, an denen teilweise hunderte Menschen aus verschiedenen
Ländern beteiligt sind - werde es immer schwieriger und letztlich
unmöglich, den kreativen Anteil des einzelnen an einem Gesamtwerk
herauszufinden und zu evaluieren.
Unabhängig davon, welchen Interessen angepaßte Urheberrechte
entgegenkommen werden, wird davon ausgegangen, daß Werke im Internet von
sogenannten Content Providern erst dann auf hohem quantitativen wie qualitativen
Niveau angeboten werden, wenn die entsprechenden rechtlichen Grundlagen in
einfacher, verläßlicher und international angeglichener Form
existieren [320]. Eine Anpassung der
bestehenden Regelungen ist unabdingbar, da bestehende Urheberrechte in den
Applikationen des Internet auf neuartige Eigenschaften treffen, die zahlreiche
Fragen aufwerfen.
4.3.1 Durch Multimedialität und Interaktivität aufgeworfene
Probleme
Multimediale Applikationen wie das WWW ermöglichen die Verbindung
einzelner konventioneller Werkformen (Bücher, Tonträger, Film, ...) zu
multimedialen Gesamtwerken. Dadurch wird die übliche Unterteilung der
verschiedenen urheberrechtlich relevanten Werkgruppen zunehmend hinfällig.
Das vielbeachtete Weißbuch "White Paper on Intellectual Property and the
National Information Infrastructure" der von der Regierung der USA beauftragten
Information Infrastructure Task Force (IITF) hat vorgeschlagen, multimediale
Werke unter den Werkgruppen "audiovisual work" und "compilation" zu
kategorisieren [321]. In der Europäischen
Union werden dagegen von verschiedenen Verwertungsgesellschaften Anstrengungen
unternommen, übergeordnete Stellen zu schaffen, die die Rechteverwaltung
für multimediale Werke übernehmen sollen. Ein Beispiel ist das
französische SESAM-Modell, in welchem eine übergeordnete neue
Verwertungsgesellschaft die bisher einzeln verwalteten Rechte für Musik,
bildende Kunst, Film und dramatische Werke
übernimmt [322].
Noch dazu wird durch multimediale Arbeitstechniken und
Präsentationsformen die Möglichkeit zur Zusammenstellung neuer Werke
aus Adaptionen, Manipulationen und Interpretationen verschiedener
vollständig oder teilweise verwendeter bereits vorhandener Werke
verstärkt. Die Frage nach der Originalität als Voraussetzung des
Schutzes eines Werkes stellt sich in diesem Zusammenhang neu: Ist eine
Copyrightverletzung erst dann gegeben, wenn ein neues Werk substantielle
Ähnlichkeit mit einer Vorlage hat oder bereits dann, wenn sie lediglich
Teile einer Vorlage
beinhaltet [323]?
Durch Interaktivität ermöglichen Netzwerke wie das Internet die
Beeinflussung von "Programmabläufen" durch den Nutzer. Vor allem
interaktive Geschichten oder auch MUDs, die durch die Aktivität des Nutzers
vorangetrieben und verändert werden, verwischen die Trennlinie zwischen dem
aktiven Autor und dem passiven Publikum zusehends. Das bereits erwähnte
US-amerikanische Weißbuch sieht interaktive Werkformen allerdings ebenso
wie Videospiele als genügend durch einen Autoren fixiert an, um unter
urheberrechtlichem Schutz zu
stehen [324].
Letztlich erschwert die Verbindung der Eigenschaften von Rundfunk und
Printmedien durch Onlinemedien wie das Internet (vergleiche Abschnitt 2.2.5) die
in Urheberrechten vorgesehene Unterscheidung zwischen
Aufführung/Aufführungsrechten und
Reproduktion/Reproduktionsrechten [325]. Da
Werke in Computernetzwerken noch dazu in nicht-materieller Form
vorliegen [326], stellt sich die Frage, ob sie
dennoch als Waren oder vielmehr als Dienste anzusehen sind. Diese Frage ist
insofern wichtig, als daß die Rechte an einer Warenform nur einmal
für alle weiteren Nutzungen, die von Diensten jedoch für jede
"Aufführung" neu eingeholt werden
müssen [327].
4.3.2 Durch den internationalen Charakter des Internet aufgeworfene
Probleme
Das Internet und Online-Dienste stellen Werke und Dienste international zur
Verfügung, was die Wirkung der für nationale Märkte erdachten
Urheberrechte schwächt und internationale Anpassungen
fordert [328]. So macht die Tatsache,
daß im Internet vorhandene Inhalte weltweit abrufbar sind, eine Abkehr vom
Territorialprinzip des Urheberrechts nötig. Die damit verbundenen
Gesetzesänderungen wurden allerdings bereits aufgrund der ähnlich
liegenden Problematik des Satellitenrundfunks
getätigt [329]. Das Internet ist also
nicht der exklusive Auslöser dieser Problematik.
Ähnlich liegt das Problem der praktischen Organisation des
Tantiemeneintreibens in der internationalen Umgebung des Internet.
Verwertungsgesellschaften operierten nämlich bislang nicht nur nach
Werksparten getrennt (vergleiche Abschnitt 4.3.1), sondern auch in nationalem
Rahmen. Die EU-Kommission schlägt in ihrem Weißbuch zum Urheberrecht
die Einrichtung international agierender Clearingstellen vor, die den
Rechtehandel zwischen Urhebern und Nutzern organisieren
sollen [330]. Es ist jedoch innerhalb der
Europäischen Union noch nicht geklärt, ob eine zentrale
europäische Institution geschaffen werden soll oder die nationalen
Verwertungsgesellschaften sich verknüpfen
sollen [331].
4.3.3 Durch die Kopiermöglichkeiten des Internet aufgeworfene
Probleme
Durch die Digitalisierung ist im Internet eine prinzipiell unbegrenzte und
ohne Qualitätsverluste durchführbare Kopierbarkeit von Werken gegeben.
Dieses Problem stellt sich zwar bereits seit der Einführung der Compact
Disc und digitaler Aufzeichnungsgeräte im Musik- und seit Einführung
von Heimcomputern im Computerbereich, erhält jedoch durch die
weltumspannenden Computernetzwerke eine neue Qualität. So wird
beispielsweise bei jedem Abruf einer WWW-Seite eine temporäre Kopie
derselben im Speicher des abrufenden Computers erstellt. Da das Internet mit
seinen verschiedenen Applikationen von der persönlichen bis zur
öffentlichen verschiedene Arten der Kommunikation erlaubt, stellt sich bei
jedem Dienst die Frage, wann die Erstellung von Kopien rechtmäßig ist
und wann sie eine unrechtmäßige Raubkopie darstellt bzw. wann die
Erlaubnis des Rechteinhabers eingeholt werden muß.
Ein wichtiger erster Schritt war in diesem Zusammenhang die
Urheberrechtsvereinbarung der World Intellectual Property Organisation (WIPO)
vom 20. Dezember 1996. Hierin stellte die Organisation, der 160 Staaten
angehören, fest, daß das Erstellen temporärer und
zufälliger Kopien rechtmäßig ist, während das sonstige
Speichern urheberrechtlich geschützter Dokumente und deren Verbreitung an
Dritte rechtswidrig sind [332]. Welche
Ausnahmeregelungen existieren dürfen, überläßt die
Vereinbarung den jeweiligen nationalen Gesetzgebern.
In dem Land mit den meisten Internetnutzern, den USA, gibt es um genau
diesen Punkt eine weite Diskussion. Dabei geht es vor allem um die in dem
bereits erwähnten Weißbuch geäußerten Pläne, bislang
gültige Ausnahmeregelungen im Internet abzuschaffen, die das Kopieren
geschützter Werke ohne Erlaubnis des Autoren zu privaten oder
wissenschaftlichen Zwecken erlauben (die sogenannte Fair-Use-Doktrin). Dies wird
mit den enorm gesteigerten Möglichkeiten zur Vervielfältigung
begründet [333]. Kritiker sehen in diesem
Ansatz dagegen
”[...] eine extreme Vision der künftigen Informationswirtschaft,
ohne offen darüber Auskunft zu geben: ein perfekter Markt für
geistiges Eigentum. Ob Artikel, Photos oder Videos - alles soll in aufwendige
elektronische Umschläge verpackt werden, die sich nur öffnen, wenn der
Nutzer vorher ein paar digitale Münzen
überweist.” [334]
Ihrer Meinung nach stellen derartige Schutzmaßnahmen verbunden mit
der gesetzlichen Abschaffung des Fair Use eine übertriebene und
ungerechtfertigte Parteinahme für die Interessen der Urheber dar.
Verschiedene Softwarehersteller versuchen tatsächlich derzeit, das
Kopierproblem technisch zu lösen und entwickeln Schutzprogramme, die dieser
Gefahr entgegenwirken sollen. Zum gegebenen Zeitpunkt befinden sich zwei
verschiedene Ansätze in der Probephase: Verschiedene amerikanische
Hersteller wie NEC oder Digimarc forschen an der Möglichkeit,
digitalisierte Werke durch versteckte Bits elektronisch zu tätowieren, was
zwar das Kopieren nicht verhindern kann, dafür jedoch hilft, Raubkopien zu
identifizieren [335]. "Cryptolopes" der Firma
IBM und ein von der Europäischen Kommission unterstütztes Programm mit
dem Arbeitstitel "Imprimateur" dagegen versuchen, die automatische Honorierung
des Urhebers durch Erhebung einer Kopiergebühr zu
ermöglichen [336]. Ob oder wann diese
Entwicklungen sich als praktikabel erweisen werden, bleibt noch abzuwarten.
Allerdings sieht es auch die Urheberrechtsvereinbarung der WIPO als in einer
digitalen Umgebung für den wirksamen Schutz von Werken unabdingbar an,
technologische Schutzmaßnahmen zu
ergreifen [337].
5 Zusammenfassung
Zum gegebenen Zeitpunkt ist es nicht möglich, eine endgültige
Beurteilung der kommerziellen Nutzungsarten des Internet zu abzugeben.
Dafür befindet sich das Medium in einem zu schnellen Wandel, was sich unter
anderem in der fortgesetzten Entwicklung und Einführung neuer Werkzeuge und
Applikationen zeigt: Intelligente Agenten wie der Bargain Finder Agent oder
Softbots, auf den einzelnen Nutzer zugeschnittene Anwendungen wie PointCast
Network oder automatische Honorierungssysteme wie ”Imprimateur”
können möglicherweise in naher Zukunft die Nutzung des Internet
erheblich verändern und bisher zutreffende Systematiken wie die Einteilung
nach Destination Sites und Web Traffic Control Sites von Hoffman et al.
hinfällig machen.
Die vorliegende Arbeit kann deshalb nicht viel mehr als eine
Bestandsaufnahme und Systematisierung der aktuellen kommerziellen Nutzung sein.
Dabei habe ich versucht, die Zusammenhänge zwischen einzelnen Kategorien
der gewählten Marketingsystematik durch Verweise aufzuzeigen, sowie die
einzelnen Nutzungsarten anhand von Beispielen anschaulich
darzustellen.
Anhand der drei Bereiche Kryptografie, digitale Zahlungsmittel und
Urheberrecht wurde schließlich auf Problematiken eingegangen, von deren
Lösungen die Zukunft des Internet und seiner Kommerzialisierung
entscheidend abhängt. Nach der Einführung in diese Thematiken habe ich
die möglichen Konsequenzen aus den jeweils denkbaren Entscheidungen und
Entwicklungen dargestellt.
Im Verlauf der Arbeit hat sich gezeigt, daß das Internet für
viele Bereiche nicht der Auslöser ist, sondern Verstärker bestehender
Probleme wie Möglichkeiten. Dazu zählen die Entmaterialisierung des
Geldes, die Internationalisierung des Urheberrechtes, die Entwicklung des
Marketing zum Kundendialog sowie die sogenannte
Individualisierungstendenz.
Ferner zeigte sich eine Diskrepanz zwischen den von Experten empfohlenen
und den tatsächlich praktizierten kommerziellen Nutzungen des Internet:
Verdeckte Umfragen, das Heraussuchen von E-Mail-Adressen aus archivierten
Usenet-Beiträgen, die Verbreitung von Gerüchten über
Konkurrenzunternehmen - das alles findet im Internet gegen den Rat der Autoren
kommerzieller Internetratgeber statt. Auch die Übernahme massenmedialer
Praktiken, vor allem die der Bannerwerbung und ihre Bezahlungssystematik, stehen
wissenschaftlichen Erkenntnissen über die Nutzungsmöglichkeiten des
Mediums entgegen.
Ob eine Überhandnahme der kommerziellen Angebote im Internet, vor
allem im World Wide Web, ob die Nutzung des Internet zu Zwecken, die seine
ursprünglichen Eigenschaften nicht ausnutzen und ihnen zum Teil sogar
entgegenstehen und ob die Überlastung der Netzwege bei einem zu
großen Erfolg des Internet zu einem Zusammenbruch führen wird, eine
Zweiteilung des Internet in ein Netz erster und zweiter Klasse oder in ein
kommerzielles und ein nicht-kommerzielles Netz zur Folge haben wird oder ob das
Internet sich in wenigen Jahren bei dem Durchschnittsbürger etabliert und
Fernsehen, Fax, Stereoanlage und Telefon substituiert haben wird, das alles wird
momentan zwar heiß diskutiert, doch läßt es sich zum gegebenen
Zeitpunkt noch nicht mit der nötigen Zuverlässigkeit sagen. Deshalb
schließt diese Arbeit ohne einen Ausblick. Die Aussicht, eine richtige
Prophezeiung der kommerziellen Zukunft des Internet abzugeben, ist zwar
verlockend, doch letztlich bliebe auch eine richtige Prophezeiung eine
Prophezeiung und damit ohne wissenschaftliche Relevanz.
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übergeordneten Verzeichnissen.
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7 Abkürzungsverzeichnis
AG Aktiengesellschaft
ARPA Advanced Research Projects Agency
ARPANet Advanced Research Projects Agency Net
AOL America Online
ATM Asynchronous Transfer Mode
BMBF Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft, Forschung und
Technologie
BRD Bundesrepublik Deutschland
BT British Telecom
bzw. beziehungsweise
CAFE Conditional Access for Europe
CERN Conseil Europeen pour la Recherche Nucleaire
CIX Commercial Internet Exchange Association
.com kommerziell
Corp. Corporation
DES Data Encryption Standard
d.h. das heißt
DNS Domain Name System
E-Mail Electronic Mail
etc. et cetera
EU Europäische Union
FAQ Frenquently Asked Questions
FTP File Transfer Protocol
HTML Hyper Text Markup Language
HTTP Hyper Text Transfer Protocol
i.d.R. in der Regel
IITF Information Infrastructure Task Force
IRC Internet Relay Chat
ISOC Internet Society
ITU International Telecommunication Union
IuKDG Informations- und Kommunikationsdienste-Gesetz
LAN Local Administrated Network
MIME Multipurpose Internet Mail Enhancements
MUD Multi User Dungeon
NAP Network access point
NATO North Atlantic Treaty Organisation
NSF National Science Foundation
NSFNet Computernetzwerk der National Science Foundation
PC Personal Computer
PGP Pretty Good Privacy
PIN Personal Identification Number
POI Point of Information
SEMPER Secure Electronic Marketplace for Europe
SET Secure Electronic Transaction
SigG Gesetz zur digitalen Signatur (Signaturgesetz)
SWF Südwestfunk
TCP/IP Transmission Control Protocol / Internet Protocol
u.a. unter anderem
URL Uniform Resource Locator
US- United States (of America)
u.s.w. und so weiter
WIPO World Intellectual Property Organisation
WWW World Wide Web
z.B. zum Beispiel
z.T. zum Teil
z.Zt. zur Zeit
8 Versicherung
Ich versichere hiermit, daß ich die vorliegende Arbeit
einschließlich der Tabellen und Grafiken selbständig verfaßt,
keine anderen als die angegebenen Hilfsmittel verwendet und sämtliche
Stellen, die benutzten Werken im Wortlaut oder dem Sinn nach entnommen sind, mit
Quellenangaben kenntlich gemacht habe. Alle wörtlich entnommenen Stellen
habe ich als Zitate kenntlich gemacht.
Die Diskette, auf der der Text der Arbeit gespeichert wurde, befindet sich
in meinem Besitz.
Marburg/Lahn, den 10. Januar 1997
_______________________
(Mathias Hill)
[1]Nach: Zakon, Kapitel 1980s
[3]Vergleiche: Alpar, S.37
[4]Rilling 1995, Kapitel III
[5]Nach: Rilling 1995, Kapitel III
[6]Vergleiche: Alpar, S.39
[7]Vergleiche: Zakon, Kapitel 1960s
[8]Vergleiche: Alpar, S.24/25
[9]Kossel, Axel, Möcke, Frank:
Pornowächter versus Internet, in: c`t, Heft 2, 1996 S.14
[10]Nach: Zakon, Kapitel 1970s
[11]Nach: Zakon, Kapitel 1980s
[13]Vergleiche: Alpar, S.28-32
[14]Nach: Zakon, Kapitel 1980s
[15]Nach: Zakon, Kapitel 1990s
[16]Nach: Zakon, Kapitel 1990s
[17]Nach: Brody,
Einleitungskapitel
[18]Staube, David, rezitiert nach: Brody:
Kapitel Into the Marketplace
[20]Rilling 1995, Kapitel III
[21]Nach: Mason-MacKie/Varian, Kapitel:
What Are the Backbone Networks?
[22]Nach: Mason-MacKie/Varian, Kapitel:
What does the Internet mean for telecommunications regulation?
[23]Schwemmle, Michael : Das
größte Geschäft des 21. Jahrhunderts, in: Hensche/von Haaren,
S.17-28, hier S.20
[24]Vergleiche: Bane et al.,
Introduction
[25]Nach: Schwemmle, Michael: Das
größte Geschäft des 21. Jahrhunderts, in: Hensche/von Haaren,
S.17-28, hier S.18
[26]Nach: Bane et al., Section 2
[27]Nach: Rittershofer, S.556
[28]Nach: Rittershofer, S.557 - 561
[29]Nach: Rittershofer, S.559
[30]Nach: Rittershofer, S.556
[31]Nach: Rittershofer, S.555
[32]Nach: Rittershofer, S.563/564 und
Schwemmle, Michael: Das größte Geschäft des 21. Jahrhunderts,
in: Hensche/von Haaren, S.17-28, hier S.26/27
[33]Rilling 1995, Kapitel III
[34]Nach: Zakon, Kapitel 1970s
[35]Nach: Köhntopp, Kristian: Was ist
das Internet? Ein Überblick, in: Rost, S.20-36, hier S.25
[36]Nach: Morgan Stanley Internet Report,
rezitiert nach: Stern, 43/1996, S.124
[37]Nach: Zakon, Kapitel 1970s
[38]Vergleiche: Lux, S.6/7, Donnerhacke,
Lutz: Usenet: Die Einrichtung von Diskussionsforen, in: Rost, S.70 - 75 und
Cronin, S.122
[39]Nach: Zakon, Kapitel 1970s
[40]Nach: Scheller et al., S.47
[43]Vergleiche: Maier-Rabler: Ursula:
Krise der Kontrolle, in: Forum Wissenschaft, Heft 1, 1996, S.11-15, hier S.12.
Maier-Rabler sieht die neuen Technologien vor allem durch Konvergenz, die sie
als Verschmelzung von Broadcasting und Individualkommunikation versteht, und
Universalität charakterisiert.
[44]Hoffman et al. 1995, S.3/20
[45]Vergleiche: Köhntopp, Kristian:
Was ist das Internet?, in: Rost, S.20-36, hier S.34. Köhntopp verweist
darauf, daß diese Bidirektionalität entscheidend für die
kommerzielle Akzeptanz des WWW ist.
[46]Im WWW finden sich z.B. die
Internetradiosender Audionet (URL: http://www.audionet.com) und Netradio (URL:
http://www.netradio.com), die jedoch z.Zt. noch in Kurzwellenqualität
senden.
[48]Nach: Afemann, Uwe: Verschärfung
bestehender Ungleichheiten, in: Forum Wissenschaft, Heft 1, 1996, S.21-26, hier
S.21
[49]Nach: Batinic, Abschnitt 1
[50]Vergleiche: CyberAtlas 1996A, Absatz
Internet Population
[51]Nach: CyberAtlas 1996A, Abschnitt
Persons using Internet. Die Studie von Nielsen Media Research befragte Personen
in den USA und Kanada, wobei bei der Anteilsberechnung auf die
US-Bevölkerung der kanadische Anteil unberücksichtigt blieb.
[53]Nach: Bachem, S.341. Die Anzahl der
Privatnutzer verteilt sich laut Bachem auf 1,3 Millionen private
Online-Zugänge, die jeweils von durchschnittlich 1,4 Personen genutzt
werden.
[54]Nach:: Emnid-Umfrage für den
Spiegel, 1524 Befragte, 26. bis 28. Februar 1996, rezitiert nach: Spiegel,
Nr.11, 1996, S.67
[55]Vergleiche: Alpar, S.43
[56]Commerce-Net (URL:
http://www.commerce.net) ist ein Unternehmenskonsortium, das sich die
Erforschung und Förderung der Kommerzialisierung des Internet zur Aufgabe
gemacht hat.
[57]Vergleiche: Nielsen Media
Research
[58]Nach: Alpar, S.43 und Hoffman et al.
1996
[60]Nach: Nielsen Media Research
[62]Nach: Zimmer, S.488. Zimmer bezieht in
diesen Wert die Ergebnisse verschiedener Umfragen ein, die zwischen Dezember
1995 und April 1996 erhoben wurden.
[63]Nach: MC Informationssysteme/Target
Group (Hrsg.): MC Online-Monitor I/96, Executive Edition, Bad Homburg, 1996
(hier: zwischen Februar und April 1996 geführten Umfrage unter ca. 10.000
repräsentativ ausgewählten Personen), rezitiert nach: Zimmer,
S.488/489
[67]Nach: Kehoe/Pitkow 1996A,
Introduction
[68]Nach: Kehoe/Pitkow 1996A
[70]Nach: Kehoe/Pitkow 1996B
[71]Nach: Kehoe/Pitkow 1996A
[72]Nach: Internet Agency. Die Internet
Agency rechnete die US-$-Angaben von Kehoe/Pitkow um.
[74]Vergleiche: Internet Agency
[75]Vergleiche: Rilling 1996B, Abschnitt
3.3
[80]Vergleiche: Zbornik, S.61
[83]Vergleiche: Zbornik, S.73
[84]Vergleiche: Leinert, Absatz
2.3.
[85]Nach: Nieschlag et al., S.8
[86]Nach: Nieschlag et al., S.14
[87]Nach: Nieschlag et al.,
S.15/16
[89]Nach: Nieschlag et al., S.16
[90]Nieschlag et al., S.17
[91]So haben Public Relations-Aktionen von
Firmen meist psychografische Ziele wie die Imagepflege oder das Erreichen von
Goodwill gegenüber einem Unternehmen in der Öffentlichkeit, deren
Erreichen schwer kontrollier- und meßbar ist.
[92]Nach: Herrmanns/Flegel, S.3
[93]Nach: Herrmanns/Flegel,
S.10-12
[94]Herrmanns/Flegel, S.11
[97]Nach: Internet Agency
[101]Netcraft Ltd. / Matthew Grey, MIT,
rezitiert nach: Internet Observer / Renderland
[103]Vergleiche: Alpar, S.175
[104]MC Online-Monitor 1/96, rezitiert
nach: Schlautmann
[105]Die Motivationen 1 - 5 nach:
Böhm, Abschnitt Strategie
[106]Nach: Lüninck, Joachim:
Marketing im Internet, in: Rost, S.152-164, hier: S.162
[108]Vergleiche: Alpar, S.119
[109]Letzteres praktiziert das
"virtuelle Kaufhaus" My-World (URL: http://www.my-world.de).
[110]Nach: Lüninck, Joachim:
Marketing im Internet, in: Rost, S.152-164, hier S. 154
[111]Nach: Hoffman et al. 1995,
Abschnitt: A New Classification of Commercial Web Sites
[112]Vergleiche: Schmid, Beat:
Elektronische Einzelhandels- und Retailmärkte, in: Schmid et al.,
S.17-32
[115]Nach: Püttmann,
S.623
[117]Nach: Meyer-Hentschel/Leven,
S.3741
[118]Bruhn, Manfred: Sponsoring.
Unternehmen als Mäzene und Sponsoren, Frankfurt a.M./Wiesbaden, 1987,
rezitiert nach: Bruhn, Manfred: Planung des Kommunikationsmix von Unternehmen,
in: Bruhn, S.397-432, hier: S.419
[119]Nach: WebTrack, New York, 1996,
rezitiert nach: Altobelli/Hoffmann, S.153
[120]Nach: o.V.: Peanuts.html,
S.15
[121]Vergleiche: o.V.: Vorsicht bei
Online-Zahlen!
[123]Lucas nennt dieses durch Cybergold
(URL: http://www.cybergold.com) eingeführte Prinzip "den Offenbarungseid
der Werbung", die im Internet an ihre Grenzen stoße. Aber da
herkömmliche Preisausschreiben, bei denen z.B. nach Schlüsselbegriffen
des Werbetextes gefragt wird, prinzipiell nicht anders funktionieren, erscheint
diese Aussage doch etwas überzogen - es sei denn, man sieht bereits dort
die Grenzen der Werbung, wo mit finanziellen Anreizen gearbeitet wird.
[124]Vergleiche: Rengelshausen, S.
130/131 und o.V.: Peanuts.html, S.15
[125]Unter der URL
http://www.law.georgetown.edu/lc/internic/recent/rec2.html existiert eine Liste,
in der Streitfälle zwischen Inhabern von URLs und gleichnamigen Unternehmen
dokumentiert sind.
[126]Vergleiche: Hingst, Wolf-Christian:
Nomen est Omen, in: Pl@net, Heft 8, 1996, S.61-65
[127]Nach o.V.: Peanuts.html, S.13 waren
Ende Juni 1996 von 120 "Online-Schaltungen" auf den wichtigsten deutschen
Werbeplattformen nur drei nicht als Link geschaltet.
[129]Vergleiche: Bachem, S.345
[130]Jäschke/Albrecht,
S.183
[131]Vergleiche: Bachem, S.345,
Jäschke/Albrecht, S.183
[132]Vergleiche: Jungbauer, S.166/167
und Bachem, S.345
[133]Vergleiche: o.V.: Peanuts.html,
S.13/14
[135]Rengelshausen, S.111
[136]Nach: Piepenstock, S.344
[137]Nach: Weber, Michael René:
Kundendienstmanagement, in: Bruhn, S.375-396, hier: S.389
[138]Nach: Raviol, Karlheinz:
Verkaufsförderung, in: Kirchner, S.456-459, hier S.456
[139]o.V.: Peanuts.html, S.14
[140]Nach: Jäschke/Albrecht,
S.179
[141]Nach: Riefler, Katja: Die
Blattmacher, in: Pl@net, Heft 7, 1996, S.40-43, hier S.41
[142]Nach: Altobelli/Hoffmann,
S.62
[143]Nach: Altobelli/Hoffmann,
S.62-64
[144]Vergleiche: Altobelli/Hoffmann,
S.45
[145]Nach: Altobelli/Hoffmann,
S.62
[146]Vergleiche: Altobelli/Hoffmann,
S.45
[147]Nach: Altobelli/Hoffmann,
S.62
[148]Vergleiche: Rengelshausen,
S.115/116
[149]Nach: Altobelli/Hoffmann,
S.62
[150]Nach: Rengelshausen,
S.125
[151]Nach: Altobelli/Hoffmann,
S.68
[152]Vergleiche: Rengelshausen,
S.126
[153]Vergleiche: Rengelshausen,
S.126/127
[154]Nach: Dallmer, Heinz:
Direct-Marketing, in: Bruhn, S.535-562, hier: S.536
[155]Nach: Kirchner, S.80
[156]Nach: Dallmer, Heinz:
Direct-Marketing, in: Bruhn, S.535-562, hier: S.536
[158]Damaschke, Gisbert:
Müll-Mails, in: Pl@net, Heft 9, 1996, S.12
[159]Nach: Becker, Peter: Wenn aus
E-Mail E-Müll wird, in: Stern, Nr.43, 1996, S.122 - 123, hier
S.122
[160]Vergleiche: Canter/Siegel
[163]Köhntopp, Kristian: Was ist
das Internet? Ein Überblick, in: Rost, S.20-36, hier S.35
[164]Vergleiche: o.V.: Nur fünf
Stellen, in: Spiegel, Nr.51, 1994, S.87/88
[165]Köhntopp, Kristian: Was ist
das Internet? Ein Überblick, in: Rost, S. 20-36, hier S.31
[166]Lüninck, Joachim: Marketing im
Internet, in: Rost, S.152-164, hier S.162
[168]Beispiele hierfür sind die
Deutsche Bank AG, die zu dem von ihr erprobten E-Cash gleich zwei Mailing-listen
anbietet (URL: http://194.175.173.31/wwwforum/ecash/pilot/index.htm). und der
Mikrorozessorenhersteller Intel (URL: http://www-cs.intel.com/).
[169]Vergleiche: Rengelshausen,
S.112/141
[170]Nach: Altobelli/Hoffmann,
S.64
[171]Vergleiche: Balzer/Glomb, S.120 und
Rengelshausen, S.141
[172]Verleiche: Bachem, allgemeiner in
bezug auf "Online-Medien" auch bei Diekhof
[173]Bachem, Christian: Online Werbung:
Wege aus der Krise der klassischen Kommunikation?, in: Berliner
Kommunikationsforum e.V. (Hg.): Werbekongress ´96: Kommunikation grenzenlos
interaktiv, Berlin, S.43-45, rezitiert nach: Bachem, S.345
[178]Vergleiche: Silberer, S.5
[179]Vergleiche: Bachem, S.345 und
Jäschke/Albrecht, S.183
[180]Vergleiche:
Lorenz-Müller
[181]Vergleiche: Rengelshausen,
S.124/125
[182]Vergleiche: Schulze, S.38
[183]Nach: Nieschlag et al.,
S.238
[184]Nach: Nieschlag et al.,
S.247-265
[185]Vergleiche: o.V.: Webwatch, in
Pl@net, Heft 10, 1996, S.9-12
[186]Nach: Nieschlag et al.,
S.253-259
[188]Vergleiche: Alpar, S.188
[189]Nach: Altobelli/Hoffmann,
S.95
[190]Nach: Nieschlag et al.,
S.260/261
[191]Nach: Altobelli/Hoffmann,
S.75
[192]Nach: Nieschlag et al.,
S.93/94
[193]Nach: Nieschlag et al.,
S.187-208
[194]Nach: Nieschlag et al.,
S.208-220
[195]Nach: Nieschlag et al.,
S.187/188
[196]Nach: Nieschlag et al.,
S.189
[197]Vergleiche: McKenna, S.89
[198]Vergleiche: Lüninck, Joachim:
Marketing im Internet, in: Rost, S.152-164, hier S.154
[199]Nach: Nieschlag et al.,
S.198-200
[200]Nach: Altobelli/Hoffmann,
S.11
[201]Vergleiche: Alpar,
S.211-215
[204]Nach: Altobelli/Hoffmann,
S.62
[207]Nach: Neece, Jerry, Senior Product
Manager von Sun Microsystems, persönliches Gespräch, 1995, rezitiert
nach: Hoffman/Novak 1996A
[208]Nach: Nieschlag et al.,
S.367
[209]Nach: Nieschlag et al.,
S.368
[210]Nach Altobelli/Hoffmann, S.66
bieten 44% der befragten deutschen Unternehmen mit WWW-Site Sprachwahloptionen
an.
[211]Jox. Vergleiche auch: Hoffman et
al. 1995, Abschnitt Internet Presence Sites
[212]Nach: CyberAtlas 1996B, Abschnitt
Leading Sites
[213]Vergleiche: Schulzki-Haddout,
S.30
[214]Nach: Zimmermann, S.32
[215]Nach: Hoffman et al. 1995, Absatz
Consumer Benefits
[217]Nach: Römer/Lippert,
S.20
[218]Vergleiche: Brenner, S.35
[219]Meier, Christine: 24 Stunden
täglich, sieben Tage die Woche, Fußnote 15, in: Hensche/von Haaren,
S.94
[220]VDI/VDE, Kapitel 4.2.3
[221]Vergleiche: Eierhoff, S.16, Jox und
Jansen, S.42
[222]Vergleiche: Eierhoff, S.18 und
Jox
[223]Nach: Jones, R.: Digital`s
World-Wide Web server. A case study, in: Computer Networks & ISDN
Systems,27-2, November 1994, S.297-306, rezitiert nach: Hoffman et al. 1995,
Absatz Distribution
[227]Vergleiche: Alpar,
S.200/201
[229]Nach: Nieschlag et al.,
S.368
[230]Nach: Altobelli/Hoffmann,
S.63
[232]Vergleiche: Alpar. S.199
[233]Nach: Altobelli/Hoffmann,
S.62
[234]Nach: Altobelli/Hoffmann,
S.65
[235]Nach: Schmid, Beat: Elektronische
Einzelhandels- und Retailmärkte, in: Schmid et al., S.21
[236]Nach: Altobelli/Hoffmann,
S.111
[237]Nach: Altobelli/Hoffmann,
S.111
[238]Nach: Hoffman et al. 1995,
Abschnitt Distribution
[239]Nach: VDI/VDE, Abschnitt
4.4.4
[241]Nach: Nieschlag et al.,
S.607/608
[242]Nach: Altobelli/Hoffmann,
S.64
[243]Nach: Altobelli/Hoffmann,
S.26
[244] Nach: Böndel, S.102
[245]Vergleiche: Naether, S.64
[246]Vergleiche: Altobelli/Hoffmann,
S.88
[247]Vergleiche: Foerster, Uly: Orangen
auf der Lava, in: Pl@net, Heft 8, S.32-36, hier S.35
[248] Nach: Kubicek, S.94/95
[249]Unter der URL
http://www.wv-wien.ac.at/wwwu/institute/werbewirt/cybermarketing/forschung.html
findet sich eine Sammlung dieser Werkzeuge.
[250] Vergleiche: Alpar, S.238 und
Cronin, S.124
[252] Nach: Alpar, S.236/237
[253] Nach: Cronin, S.128
[254] Nach: Hoffman/Novak 1996B, Kapitel
1
[255] Nach: Hoffman/Novak 1996B, Kapitel
3.4
[256] Nach: Foerster, Uly: Orangen auf
der Lava, in: Pl@net, Heft8, 1996, S.32-36, hier S.34
[257] Nach: Foerster, Uly: Orangen auf
der Lava, in: Pl@net, Heft8, 1996, S.32-36, hier S.35
[258] Nach: Hoffman/Novak 1996B, Kapitel
3.2
[261]Altobelli/Hoffmann, S.11
[263]Luckhardt, Norbert: Werttransporte,
in: c`t, 1996, Heft 4, S.144
[264]o.V.: Hiding in Plain View, in:
Netsurfer Focus
[266]Vergleiche: Rojas,
S.233/234
[267]Luckhardt, Norbert: Werttransporte,
in: c`t, 1996, Heft 4, S.144
[268]Nach: o.V.: Angst vor der Anarchie,
in: Spiegel, Nr.13, 1996, S.132-142, hier S.142
[270]Nach: o.V.: Angst vor der Anarchie,
in: Spiegel, Nr.13, 1996, S.132-142, hier S.142
[271]BMBF,Empfehlung E 25
[273]Vergleiche: Storm, Ingo T.: Das
große Fressen, in: c`t, 1996, Heft 4, S.134-142, hier S.140
[275]Interview mit Schmidt-Jortzig,
Edzard, in: Spiegel, Nr.11, 1996, S.102-104, hier S.104
[276]Witte, Andreas: Das Recht im freien
Raum, in: Pl@net, München, Heft 8, 1996, S.58-60, hier S.58/59
[277]Vergleiche: Altobelli/Hoffmann,
S.11
[278]Vergleiche: Witte, Andreas: Das
Recht im freien Raum, in: Pl@net, München, Heft 8, 1996, S.58-60, hier
S.58
[281]Die Punkte 1 bis 4 nach: Flohr,
S.75/76
[282]Nach: o.V.: Angst vor der Anarchie,
in: Spiegel, Nr.13, 1996, S.132-142, hier S.141
[283]Hartmann, Wendelin:”Wir sind
in Sorge”, in: Chip, Heft 7, 1996, S.48
[285]Die Punkte 5 - 9 sind
zusätzliche Anforderungen an elektronische Zahlungsmittel, die Okamoto und
Otha 1991 formulierten. Vergleiche: Okamoto, T./ Ohta, K.: Elektronic Digital
Cash, in: Feigenbaum, J. (Hrsg.): Advances in Cryptology, CRYPTO`91,
Springer-Verlag, S.324 - 350), rezitiert nach: Rojas, S.231
[287]Nach: Reif, Holger: Cyber-Dollars.
Elektronisches Geld im Internet, in: c`t, 1996, Heft 5, S.144-149, hier
S.146
[290]Nach: Reif, Holger: Cyber-Dollars.
Elektronisches Geld im Internet, in: c`t, 1996, Heft 5, S.144-149, hier
S.148
[292]Nach: Reif, Holger: Cyber-Dollars.
Elektronisches Geld im Internet, in: c`t, 1996, Heft 5, S.144-149, hier
S.148
[294]Vergleiche: Hingst, S.31 und
Schmeh, Klaus: Cyber-Zaster, in: Pl@net, Heft8, 1996, S.38-40, hier
S.40
[295]Vergleiche: Reif, Holger:
Cyber-Dollars. Elektronisches Geld im Internet, in: c`t, 1996, Heft 5,
S.144-149, hier S.148
[296]Nach: Schmeh, Klaus: Cyber-Zaster,
in: Pl@net, Heft8, 1996, S.38-40, hier S.40
[297]Nach: Reif, Holger: Cyber-Dollars.
Elektronisches Geld im Internet, in: c`t, 1996, Heft 5, S.144-149, hier
S.149
[298]Nach: Reif, Holger: Cyber-Dollars.
Elektronisches Geld im Internet, in: c`t, 1996, Heft 5, S.144-149, hier
S.145
[299]Nach: Schmidt, Hans: Die Kugel
rollt, in Chip, München, Heft 5, Mai 1996, S.168-172, hier S.172
[301]Vergleiche: Flohr, S.78
[303]Schmeh, Klaus: Cyber-Zaster, in:
Pl@net, Heft8, 1996, S.38-40, hier S. 40
[304]Rilling 1995, Fußnote
97
[305]Diesler, Peter: Cyberc(r)ash, in:
Chip, Heft 7, 1996, S.46-48, hier S.46
[306]Nach: Hartmann, Wendelin:
”Wir sind in Sorge”, in: Chip, Heft 7, 1996, S.48
[307]Nach: Diesler, Peter: Cyberc(r)ash,
in Chip, Heft 7, 1996, S.46-48, S.46/47
[309]Vergleiche: Diesler, Peter:
Cyberc(r)ash, in: Chip, Heft 7, 1996, S.46-48, hier S.47
[310]Nach: Hartmann, Wendelin:”Wir
sind in Sorge”, in: Chip, Heft 7, 1996, S.48
[311]Nach: Diesler, Peter: Cyberc(r)ash,
in: Chip, Heft 7, 1996, S.46-48, hier S.47
[312]Matonis, Kapitel 3.10
[313]Nach: Hartmann, Wendelin:”Wir
sind in Sorge”, in: Chip, Heft 7, 1996, S.48
[315]Nach: Commssion of the European
Communities, S.4
[316]Vergleiche: Commission of the
European Communities, S.17. Die Kommission ist der Meinung, daß Neue
Medien nicht die Schaffung neuer Urheberrechte erforderten, sondern vielmehr
eine Anpassung ("adjust") der bestehenden.
[317]Vergleiche: Commission of the
European Communities, S.3
[319]Vergleiche: Commission of the
European Communities, S.25
[320]Nach: Commission of the European
Communities, S.21/22
[322] Nach: Pfennig, S.48
[325]Vergleiche: Commission of the
European Communities, S.26
[326]Vergleiche: Commission of the
European Communities, S.10
[327]Nach: Commission of the European
Communities, S.45
[328]Vergleiche: Commission of the
European Communities, S.24
[329]Vergleiche: Commission of the
European Communities, S.31
[330] Nach: Commission of the European
Communities, S.37-39
[331] Vergleiche: Pfennig,
S.48
[333] Vergleiche: Siegele,
DiNucci
[335]Vergleiche: Schulte Dönighaus,
S.81
[336]Vergleiche: Schulte Dönighaus,
S.81
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