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Gotthelf, Jeremias: Kurt von Koppigen
Semesterarbeit
Kurt von Koppigen
Berufsmittelschule Winterthur
Klasse MV2
Semesterarbeit: Deutsch
Buch: Kurt von Koppigen
Schriftsteller: Jeremias Gotthelf
19. Juni 1999
Benz Samuel
Titelblatt
Semesterarbeit: Deutsch
Buch: Kurt von Koppigen von Jeremias
Gotthelf
Berufsmittelschule Winterthur Klasse
MV2
19. Juni 1999
Autor der Semesterarbeit:
Benz Samuel
CH-8400 Winterthur
samuel.benz@netzmeister.com
Experte:
Sauter Beat C.
Vorwort
Kurt von Koppigen von Jeremias Gotthelf ist eine im
Mittelalter spielende Raubrittergeschichte. Der tolpatschige Kurt aus Koppigen,
welches noch heute existiert, wird auf seinem Leben humorvoll begleitet.
“Die Gestalt der Erde geht vorüber, gleich bleibt sich das
Menschenherz für und für”, mit diesem Satz beginnt Jeremias
Gotthelf seine Geschichte über das Raubrittertum. Wenn sich also nur die
Gestalt der Erde verändert hat, sind wir immer noch Raubritter? Eine
Geschichte aus dem Mittelalter, oder doch nicht?
Der Gedanke, dass dieses Koppigen wirklich existiert,
faszinierte mich. Ich dachte, wieso nicht ein Stück Schweizer Geschichte
aus der Ritterzeit als Lektüre.
Mein Interesse war geweckt. Das Resultat ist wie folgt
gegliedert:
- Geschichte der
Personen
- Interpretation
verschiedener Aspekte
- Hintergründe zum
Schriftsteller
- Persönliche
Erfahrung mit dem Buch / Schlusswort
Auf eine detaillierte Zusammenfassung des Buches, habe
ich bewusst verzichtet. Ich empfehle allen, die humorvolle Erzählweise
Jeremias Gotthelf selbst zu geniessen.
Angaben zum Buch:
Erstdruck 1844, erweiterte Fassung 1850
Diese Novelle der Gattung Epik entstand in der Zeit des
Realismus (1840-1897).
Die Novelle, “Kurt von Koppigen”, liegt
nicht mehr als Einzelausgabe vor. In gebundener Form aber vom Diogenes Verlag
mit den zusätzlichen Geschichten “Die schwarze Spinne” und
“Elsi, die seltsame Magd”.
Geschichte der Personen
Die Hauptperson, Kurt von Koppigen:
Kurt ist ein gutmütiger, starker aber tolpatschiger
Ritter aus Koppigen. Eine mächtige Person, dessen Stärke eher in den
Fäusten als im Umgang liegt. Er lebt mit seiner Mutter, der Frau
Grimmhilde, auf der Burg von Koppigen welche nicht gerade mit Reichtum gesegnet
ist. Ihre Felder nährten sie kaum, diese waren verwahrlost seit seines
Vaters Tod. Kurt wird vom treuen Hausdiener Jürg erzogen, welcher ihm das
Jagen, Fischen, ja überhaupt das Leben im rauhen Schweizerlande beibringt.
Jürg übernahm die Vaterrolle auf der Burg. Viele Geschichten über
Reichtum wurden ihm schon von Kindheit weg eingetrichtert. Reichtum wurde als
höchstes Ziel in der Burg zu Koppigen angestrebt. So wuchs Kurt zu einem
stattlichen, sehr kräftigem jungen Junker heran, immer unter dem Druck
seiner Mutter, einmal als ehrbarer, reicher Held nach Hause zu kommen. Doch mit
dem Reichtum, war das so eine Sache. Keine Kühe, keine Pferde, keine
bestellten Felder. Vom Hunger getrieben wurde Kurt zu einem listigen Jäger.
Der Sprung zum Wegelagerer und Dieb war vorprogrammiert. Er wollte die Habsucht
seiner ohnehin unglücklichen Mutter mit Diebesgut stillen.
So zog er eines Tages von zu Hause weg. In die weite
Welt hinaus, um an Ansehen zu gewinnen oder wie in seinen kühnsten
Träumen an der Seite eines Königs eine Schlacht zu gewinnen. Die
verrostete Rüstung poliert, einen alten Gaul gestohlen, macht er sich auf
den Weg. Er wollte sich vom Räubertum distanzieren und seiner Mutters
Willens einen Held werden. – Doch der tapfere Kurt wurde mehr ausgelacht,
als ruhmreich von einem Schlachtfeld zu schreiten. An das Leben an einem Burghof
konnte er sich nicht gewöhnen und wurde wieder zu einem hinterlistigen
Dieb, worin ihn niemand auslachte und er inzwischen ein Meister
war.
Nach einem kräftigen Schlag auf den Kopf, welchen
er bei einer Plünderung erlitten hatte, nahm ihn der Junker von Önz
zur Pflege. Während seiner Genesung verliebte sich Kurt in eine Tochter des
Junkers. Trotz Heirat, distanzierte sich Kurt immer mehr vom Hause Koppigen. Die
Spannungen zwischen seiner Frau und seiner Mutter Grimmhilde hielte er nicht
mehr aus.
Er trieb sich wieder in den Wäldern herum,
plünderte und wurde von seinen Diebesgenossen ausgenutzt. Im Kampf war er
in der ersten Linie, bei der Beute Teilung am Schluss des Feldes. An Heiligabend
war das Mass voll. Er wurde von einem üblen Gauner bei einem weiteren
Überfall verraten. Mit starkem Fieber flüchtete er Richtung Koppigen.
Auf dem Weg wurde er von Verfolgungsträumen begleitet. Agnes pflegte und
heilte ihn. Ein neues Leben begann. Seine Mutter war inzwischen gestorben und
Kurt bekommt zum ersten Mal in seinem Leben einen Bezug zu seinen Kindern. Eine
Familie ist entstanden. Nun ist Kurt derjenige welchen seinen Kindern das Jagen
und Fischen beibringt. Nach einer Engelserscheinung an einer stillen
Wassertränke, sollte dort kein Blut mehr vergossen werden, kein Wild
getötet, kein Fisch gefangen. Als Gegenleistung sollte er in Glück
leben.
Kurt wurde ein ehrbarer Haushalter und zum ersten Mal in
seinem Leben ein geachteter Junker.
Seine Mutter Grimmhilde:
Den Name welcher ihr Gotthelf gegeben hat, beschreibt
ihren Charakter sehr genau. Grimmig. An allem hat sie etwas auszusetzen. Es ist
unmöglich ihre Bedürfnisse an Reichtum und Ruhm zu befriedigen. So
wird zum Beispiel im Buch beschrieben: “ ..., aber seit Jahren waren sie
um so ärmer geworden, je vornehmer sie sich dünkten. .... ”. Das
ärmer geworden bedeutet nicht nur ärmer in materiellen Dingen, sonder
vor allem im Familiären. Frau Grimmhilde schallte jeden der auch nur in die
Nähe der Burg trat, so auch Kurt.
Nach Kurts Heirat mit Agnes von Önz, wurde ihre
Burg wieder saniert. Junker Önz brachte Frau Grimmhilde den Reichtum
zurück. Materiell waren ihre Bedürfnisse gestillt, doch die
Sticheleien gegenüber den Mitmenschen klangen nicht ab. Im Gegenteil, sie
nahmen einen solchen Umfang an, dass sich Kurt immer mehr von Zuhause und seiner
Frau entfernte. Grimmhilde stirbt im verlaufe des Buches ohne das darüber
viele Worte fallen.
Jürg, der treue Knecht von
Koppigen:
Jürg diente schon zu Koppigen unter Kurts Vater. Er
ist der Familie treu ergeben. Von Frau Grimmhilde nimmt er gekonnt Abstand. Er
weiss, das es sich nicht lohnt mit ihr zu diskutieren oder ihr zu widersprechen.
Sein gutes Herz, zeigt sich darin wie er Kurt durch die Kindheit führt. Als
er erfährt, dass Kurt die Welt erobern möchte, erzählt er diesem
unzählige Geschichten aus alter Zeit über Reichtum, Krieg, Frauen und
Ehre durch Kampf. Der gebrechliche Jürg und einziger Knecht, kann die
Felder nicht mehr bestellen. So segnet er nach einem erfüllten Leben sein
Dasein.
Kurts Frau, Agnes:
Agnes verliebte sich in Kurt in der Burg zu Önz, wo
er zur Pflege lag. Agnes ist die Mittlere von drei Töchtern. Da sie die
Erste ist, welche heiraten will, entstehen Spannungen auf der Burg
gegenüber der älteren Brigitte. Brigitte konnte nicht verstehen wieso
Kurts Augen auf Agnes fielen, sie war schliesslich die Ältere. Am
Hochzeitstag wurde auf ein grosses Fest verzichtet, Brigitte hätte aus
Eifersucht alles verdorben. Agnes Vater wollte sie schnell aus dem Hause haben,
dass in dieses wieder Ruhe und Frieden einkehren würde. Mit einem Zug von
Mitgift machte man sich Richtung Koppigen auf den Weg. So landete Agnes bei der
grimmigen Grimmhilde und hatte jeden Tag einen neuen Kampf zu bestehen. Sie litt
unter der Schwiegermutter, während Kurt sich davonmachte.
Erst als Agnes Kurt zum zweiten Mal pflegen musste,
ändert sich ihr Leben und schlug ins Positive über. Kurt verharrte
jetzt länger auf der Burg und zusammen wurden die Vorzüge des
Familienlebens entdeckt.
Junker von Önz, Agnes Vater
Gotthelf hätte ihm wohl besser den Namen Wein
gegeben. Herr von Önz war ein notorischer Säufer. Er freute sich
über jeden Besuch mit dem er ein paar Gläser Wein trinken konnte. Sein
Reichtum war von mittlerer Grösse, was ihm ein feudales Leben
ermöglichte. Mit Kurt hatte er von Anfang an Mittleid. Er kannte das Siegel
von Koppigen und wusste um dessen Geschichte. So nahm er den blutig geschlagenen
Kurt bei sich auf. Seinem Ziel seine Töchter zu verheiraten kam er diesem
Schritt näher. Auch Junker Önz verstirbt im laufe des Buches ohne,
dass darauf näher eingegangen wird. Seine Töchter sind zu diesem
Zeitpunkt alle verheiratet. Nach einigen Meinungsverschiedenheiten des
Nachlasses willen, zieht Kurt mit seinen Schwägern erneut umher um grosse
Beute zu ergattern.
Interpretation verschiedener Aspekte
Ich möchte in diesem Kapitel auf verschiedene
Textstellen eingehen. Was wollte Gotthelf mit diesem Werk in den Köpfen der
Leser auslösen. Was für Lehren ich aus diesem Buch gezogen habe findet
sich im Schlusswort.
Textstellen und Motive:
- Wieso spielt diese
Geschichte im Mittelalter
- Gesellschaftskritischer
Aspekt > Familie, Haushalt
- Motiv Mutter - Sohn,
Frau - Schwiegermutter
- Kurt denkt über
das Leben nach
- Kurts
Träume
- Der
Engel
Wieso spielt diese Geschichte im
Mittelalter:
Jeremias Gotthelf wählte als Bühnenbild das
Mittelalter. Das Rauhe, die Gewalt, das “Primitive”. Primitiv im
Bezug auf unsere heutigen ethischen Grundsätze. Ich erschlage meinen
Nachbarn nicht wegen einer kleinen Meinungsverschiedenheit. Doch ist es Heute
wirklich anders? Noch einmal auf den ersten Satz bezogen: “Die Gestalt der
Erde geht vorüber, gleich bleibt sich das Menschenherz für und
für.” Gotthelf brauchte aus meiner Sicht die Zeit des Mittelalters um
parallelen in seine Zeit (1850) bzw. auch unser Zeit aufzuzeigen. Die Gewalt,
das Rauhe ist in unseren Reihen zurückgegangen, doch das Streben nach
Macht, Reichtum und Ruhm auf Kosten anderer? Nicht mehr auf dem Schlachtfeld mit
Schwertern doch auf dem Schlachtfeld der Industrie. Karriere in einem
erfolgreichem Unternehmen. Ruhm und Anerkennung gegenüber den Mitarbeitern.
Eine Villa am “Züriberg” und das Statussymbol eines
unbezahlbarem Auto. Keine Zeit für Familie, dafür Manager in der
Chefetage. Eine mittelalterliche Geschichte eines Ritters als Werkzeug der
Gesellschaftskritik unserer Zeit. Literatur um aus der Vergangenheit zu lernen,
Zitat: “Aus der vergangenen Zeit soll der Mensch das Gute nehmen und damit
bessern sich und eine Zeit, .....”.
Gesellschaftskritischer Aspekt > Familie,
Haushalt:
Unglücklich aber reich. Das Lebensziel erreicht?
Reichtum, doch seine eigenen Kinder kennen ihren Vater kaum. Die Familie, das
Zusammenleben als Höchstes. Wie ein christliches Gebot: “ Du sollst
dich um deine Familie kümmern!” So kommt es auch im Buch zum
Vorschein (Zitat): “ Wer seinem Haushalt nicht Versorge tut, ist
ärger als ein Heide!”, ein Ausspruch von Paulus. Wie das
familiäre Zusammenhalten in Gotthelf Zeit war, ist mir nicht bekannt. Doch
scheint mir, es war damals schon vorhanden und gab dem Schriftsteller zu denken.
In heutiger Zeit, ist das Problem aktueller den je. Bei einer Scheidungsrate von
ca. 30% müsste man sich schon einmal über das Familienleben Gedanken
machen. Sicher ist unser Scheidungsproblem nicht mit den Erkenntnissen dieses
Buchs zu lösen doch es regt zum denken an. Ein gutes Beispiel wie das
Zusammenleben nicht sein sollte, zeigt Gotthelf mit der Beziehung von Kurt zu
seiner Mutter.
Motiv Mutter - Sohn, Frau -
Schwiegermutter:
Kurt distanziert sich während des Buches immer mehr
von seiner Mutter. Verständlich. Er will ihre Bedürfnisse befriedigen,
in dem er versucht kostbare Beute zu machen. Was erhält er für seine
Bemühungen? Er wird gescholten. Nichts kann man ihr Recht machen. Kein Wild
ist ihr gross genug, keine Beute ausreichend kostbar. Kurt kann ihren
Erwartungen nicht genügen und sie ist blind gegenüber seinen Taten um
dies zu erreichen. Erwarte nichts und du wirst nicht enttäuscht! Grimmhilde
hat ihren Kurt durch ihr Machtstreben “verloren”. Aus meiner Sicht
hat sie ihn gar nie richtig kennengelernt. Ich nehme nicht an, dass Kurt seine
Probleme mit Grimmhilde besprochen hat. Hier würde ich an seiner Stelle
wohl kaum anders handeln. So wundert es auch keinen, dass Kurt nicht der
gewandteste Redner wurde. Er zog sich lieber alleine in die Wälder
zurück, wo er seine Ruhe hatte.
Zwischen Agnes und ihrer Stiefmutter zeigt sich aus
meiner Sicht ein anderes gesellschaftliches Problem. Eifersucht. Grimmhilde ist
nicht mehr “die Nummer eins” in Kurts Leben. Grimmhilde wird zum
ersten Mal klar, dass sie ihren Sohn teilen muss, beziehungsweise dieser sein
eigenes Leben aufbauen will. Eifersucht auf die Junge, die Fremde welchen ihren
Sohn “raubt”. Ich kann hier leider nicht aus Erfahrung sprechen doch
denke ich, dieses Problem kennt jede/jeder
Schwiegermutter/Schwiegervater.
Kurt denkt über das Leben nach:
Kurt brauchte zuerst einen Schlag auf den Kopf bevor er
zur Gesinnung kommt. In einer Schlacht wo es nur Wein zu verteidigen gibt und
seine Mitgesellen flüchteten, kämpft er mit vollen Kräften. Da
wird er von einem Klosterbruder niedergeschlagen, welcher nicht für Wein
sein Leben verlieren wollte. Dies öffnet Kurt die Augen. Er beginnt sich
Gedanken über sein Leben zu machen. Macht es einen Sinn sich um Wein die
Köpfe einzuschlagen? Seine Vorsätze hatte er schnell wieder vergessen.
Erst am Schluss vom Buch, in seinen Träumen, beginnen seine Gedanken auch
etwas zu bewirken.
Kurts Träume:
Unter starkem Fieber und auf der Flucht beginnt er
reitend zu Träumen. Jeremias Gotthelf bediente sich zwei Traummodellen. Die
Flucht, und der Sturz in eine Kluft. Da ich in der Traumforschung nicht
besonders bewandert bin, zog ich ein weiteres Buch zur Hilfe.
Die Flucht: Kurt beschreibt seinen Traum, wie er
verfolgt wird von Höllenhunden, seiner Mutter, seinem Vater, seinen Kindern
und all den Personen die er im laufe der Jahre niedergestreckte. Eine Flucht vor
der Vergangenheit. Er flüchtet, und seine Verfolger rücken immer
näher. – Aus dem Traumbuch: “Sich im Traum fliehend und
verfolgt zu sehen, ist ein Zeichen von Schuldbewusstsein, das den
Träumenden erfüllt. Es ist die Stimme des eigenen Gewissens, das sich
da laut und fordernd meldet und durch Schreckensbilder zur Besinnung fordert."
Kurt wird in seinen Träumen auf seine Taten aufmerksam gemacht.
Schuldbewusstsein, seiner Frau und den Kindern gegenüber. Sie alleine
Zuhause lassen, während er sich mit Dieben und Dirnen herumtreibt. Sein
Unterbewusstsein hat sein Fehlverhalten seiner Familie gegenüber erkannt
und teilt es ihm so mit.
Sturz in eine Kluft: Aus seinem Alptraum der Flucht
erwachen, sanken seine Augen wieder zu. Zitat: ”Nacht ward es über
seine Seele, es war ihm, als stürze er in eine Kluft, stürze
immerfort, aber am Ende des Sturzes wusste er nicht mehr, sein Bewusstsein war
ausgehaucht.” – Das Fallen, lässt auf innere Ausweglosigkeit
deuten. Das Gewissen, welches uns von einer Sache abhalten möchte, die wir
zwar gutheissen, aber nicht unserem wahren Naturell entspricht und uns schaden
könnte. - Das Gewissen wehrt sich und möchte Kurt in sein Naturell
zurückführen. Eine Andeutung, er solle das Morden und Plündern
für Ruhm und Reichtum unterlassen, welches er sich in früheren Jahren
angeeignet hat. Sein Leben, durch die Ansprüche seiner Mutter geprägt,
niederlegen und mit seiner Familie ein Neues beginnen.
Der Engel:
Kurt hatte sich jetzt schon an das Leben zu Hause
gewöhnt und gelernt es zu schätzen. Als er sich von seinem Fieber
erholt hatte, nahmen die Ausflüge mit seinen Kindern zu. Er freute sich
darüber, ihnen ein Vorbild zu sein. Mitten in einem dicht bewachsenen Walde
Koppigens, zeigt Kurt seinen Schützlingen eine wunderschöne, stille
Wasserstelle, wo das Wild bis anhin ungestört leben konnte. Dort liess
Gotthelf einen Engel entstehen, welchen Kurt bat, diese Quelle zu schützen.
Kein Blut von Tier und Mensch sollte hier mehr vergossen werden. Kein Fisch
sollte hier mehr gefangen werden. Schütze er diese Quelle, so werde er und
seine Familie vor Unheil bewahrt werden. Kurt schützte wie versprochen die
Quelle und wurde zu einem angesehenen Gutsherr. – “Wieso ein
Engel?”, fragte ich mich. Ich muss sagen, dass ich das Symbol des Engels
wie ein Zeichen Gottes verstehe, in Anbetracht, das Gotthelf ein Pfarrer war.
Kurt wird dafür belohnt, dass er nicht mehr mordet.
Für mich passt dieser Engel nicht in diese
Geschichte. Ich halte nicht viel von diesem Symbol.
Hintergründe zum Schriftsteller
Jeremias Gotthelf, eigentlich Albert Bitzius, geb
4.10.1797 Murten/Kanton Freiburg, gest. 22.10.1854 Lützelflüh/Kanton
Bern.
Der Erzähler und Romantiker, stammte aus einer
alten Berner Beamten- und Pfarrersfamilie. Nach Besuch des dortigen Gymnasiums
(1812-1814) erhielt er eine theologische Ausbildung an der Berner Akademie (bis
1820). 1821 verbrachte er ein Semester in Göttingen und reiste durch
Norddeutschland.
Danach war er zunächst Vikar beim Vater in
Utzenstorf, dann in Herzogenbuchsee/Kt. Bern. Der Eintritt ins geistliche Amt
ist zugleich der Beginn einer starken pädagogische Tätigkeit,
besonders auf dem Gebiet der Schulbetreuung und Lehrerausbildung, wobei sich
Gotthelf, der sich politisch am liberalen Flügel exponierte, bald in einen
Streit mit den Behörden verwickelte. 1824 wurde er als Vikar an die Kirche
zum Hl. Geist in Bern berufen, 1831 auf die gleiche Stelle in
Lützelflüh im Emmental, wo er ab 1832 als Pfarrer wirkte. 1833
heiratete er und hatte drei Kinder.
Durch die Verfassung von 1831, die für Geistliche
das Verbot politische Betätigung aussprach, wurde seinem Engagement ein
abruptes Ende gesetzt. Als eine Art Kompensation war Gotthelf zunächst auf
der Ebene des Erziehungs- und Armenwesens energisch bemüht, die allgemein
Volksschule durchzusetzen; als grosses Vorbild
wirkte Pestalozzi. In die Zeit nach 1834 fallen seine
schriftstellerisch-publizistischen Anfänge. Aus einer
volkspädagogischen Aktion gegen den Alkoholismus gingen Gotthelfs erste
Versuche in der Kurzerzählung hervor. 1841-1844 übernahm er die
Redaktion des »Neuen Berner Kalenders«. Nach der Amtsenthebung als
Schulkommissär 1845 infolge seiner Kritik am bernischen
Erziehungsdepartement und überhaupt seiner zunehmend kritischen und
konservativen Einstellung zu Staat und Gesellschaft wegen, wurde Gotthelf zu
einem immer unbequemeren Zeitgenossen. Einige berühmte
Werke:
1837 Der Bauernspiegel
1841 Wie Uli der Knecht glücklich wird
1842 Die schwarze Spinne
1843 Elsi die seltsame Magd
1849 Uli, der Pächter
1850 Das Erdbeeri Mareili
1851 Zeitgeist und Berner Geist
1852 Barthli der Korber
Persönliche Erfahrung mit dem Buch / Schlusswort
Mir hat dieses Buch sehr gefallen. Zuerst las ich eine
heitere und humorvoll geschriebene Geschichte aus dem Mittelalter, im Nachhinein
wurden mir immer mehr parallelen zur heutigen Zeit bewusst. Gotthelfs Kritik an
der Gesellschaft, was das familiäre angeht, kann ich nachvollziehen und
Teile seine Meinung.
Für mich liegen die Parallelen, im schönen
Beispiel der Karriere süchtigen Zeitgenossen. Mit allen Mitteln streben
diese nach Reichtum und Anerkennung. Was bleibt ihnen? Für mich haben
solche stark auf Karriere polarisierten Menschen keine Zukunft. Irgendwann fehlt
ihnen etwas und sie werden trotz Reichtum unglücklich. Ausgleich ist das
Wichtigste!
Leben! Nicht Glück und Reichtum mit Gewalt
erzwingen. Das wahre Reichtum liegt für mich im
Zusammenleben.
Jeremias Gotthelf hat es geschafft, mich auf solchen
Gedanken zu bringen. Ich habe erkannt, dass wir Heute nicht viel besser sind.
Ein Problem, welches aus meiner Sicht immer bestehen wird und deshalb
gefällt mir dieses Buch. Man wird durch dieses an das vorhandene Problem
erinnert.
Literaturverzeichnis
Jeremias Gotthelf ; Kurt von Koppigen
Gerhard Merz ; ein Traum und seine
Deutung
Samuel Benz
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