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Rezeptionsveränderungen im Medienzeitalter
Referat für den LK Deutsch -
gehalten am 24.4.1998 von Klaus Schurg
Rezeptionsveränderungen
im Medienzeitalter
- Beginn des modernen Lesens im
18. Jh., davor ritualisiertes Lesen, intensive
Wiederholungslektüre (Bibel, Katechismus, unveränderlicher
Orientierungsrahmen für Denken und Handeln)
- Zeitalter der Aufklärung,
Hochschätzung der Bildung, Erkennung der ökonomischen
Chance durch Wissen seinen Stand zu verbessern
- Beschränkung der
allgemeine Lesefähigkeit auf die Städte und industrielle
Regionen, auf den Landschulen reine Alphabetisierung
- Lektürekanon
erweitert sich. Bewahrpädagogik der Kirche, deren Anliegen:
Bücher, die die eigene Situation verschleiern und suggestieren, daß
man bleiben soll wie (was) man ist.
- Nach Französischer
Revolution, Aufschwung der Zeitungen und Entstehung von
Leihbibliotheken und Lesegesellschaften. Entstehung einer
Lesewut. Verschlingung des Volkes von Liebesromanen, Abenteuerberichten,
Erziehungsschriften, Kinder- und Jugendliteratur, um mit dem Adel gleich zu
ziehen. Kritiker geißeln die “Romanleserey”, “Pest der
deutschen Literatur”.
- Im 19. Jh. Entstehung vom
Münchener Bilderbogen und der Neuruppiner, Vorstufen der
Comics; Familienzeitschriften wie “Die Gartenlaube”
entstehen.
- Ausstattung der Herrenzimmer
mit Konversationslexika und Klassikerausgaben.
- Zweiteilung des Buchmarkts in
ästhetisch ansprechende und kostbare Drucke sowie in Billighefte,
illustrierte Zeitungen. Trennung von Kultur- und
Massenbuch.
- Technische Errungenschaften,
wie die Petroleumlampe fördern die Lesefähigkeit.
- Im 20. Jh. Beschneidung des
Freizeitbudgets durch neue Medien. Augen-, Ohren- und
Körperkultur
- Hitliste der Bücher,
Autoren: Remarques “Im Westen nichts Neues”, Courths-Mahler, Karl
May, Brecht, Kästner, Feuchtwanger, Heinrich Mann. Wichtige Verlage, meist
in Berlin: Fischer, Ullstein, Rowohlt
- Nach 1945 Publikation nur mit
Lizenz und Zensur der Alliierten. “Reedukation-Programme” in der
Literatur.
- Sowjetische Zone: Staatlich
gelenkter Volksbuchhandel. Lesekultur in der DDR: eher Mangelkultur. Im
Westen: Blick auf die im Dritten Reich verbotene Literatur und des Westens:
Hemingway, Sartre, Tucholsky, Böll
- 1950 Entstehung des
Taschenbuchs, Rowohlt Verlag, neuer Markt mit niedrigem
Buchpreis
- Max. Verbreitung des
Krimiheftes (Jerry Cotton), Science-fiction-Broschüren (Perry
Rhodan) und später die Comics.
In der multimedialen Freizeitkultur hat sich
wegen der verringerten Arbeitszeit das Buch als Unterhaltungsmedium neben
Rundfunk und Fernsehen zwar behaupten können, aber im durchschnittlichen,
sechsstündigen Medienkonsum des heutigen Erwachsenen nimmt das Lesen nur
noch 20% der verfügbaren Zeit ein. Die Behauptung, das Buch würde
durch die Medien getötet, ist aber schon deshalb unbegründet, weil der
Buchbesitz heute verbreiteter ist, als in den 50er Jahren. Die Zahl der
Nicht-Buchleser wird derzeit auf 25% der Bevölkerung geschätzt, die
der regelmäßigen auf 30%. Umstritten bleibt, ob durch
Leseerziehung und Leseförderung - vor allem an Schulen - die
Lesebereitschaft nennenswert gesteigert werden und ob das Buch bei
künftigen Generationen noch als kulturelles Leitmedium gelten kann.
Obwohl das Lesen im kulturellen Sinne für das Sozialprestige des
Einzelnen auch heute noch eine wichtige Rolle spielt, wird es in Zukunft wieder
eine Angelegenheit für eine relativ kleine Bevölkerungsgruppe sein,
die Mehrzahl der Menschen benutzt es dann lediglich als einfach und rasche
Informationsaufnahme aus Annoncen, Verkehrshinweisen, Rezepten und den
Headlines der Zeitungen.
Quellen: Reinhard Wittmann: Geschichte des deutschen
Buchhandels, Kindels Literaturlexikon, Blickfeld Deutsch, Bertelsmann
Lexikothek
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