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Romantik
Romantik
...... als Romantik bezeichnet man die Zeit ungefähr zwischen 1795 und
1830, als sich eine philosophisch-literarische Bewegung um die Gebrüder
Schlegel entfaltete. Das Wort "romantisch" bedeutet zunächst "im
Roman vorkommend", "wunderbar", `Phantastisch", "unwirklich", "unwahr",
"lebensfern" und "erfunden Heute versteht man darunter das Vorherrschen von
Gefühlen und Phantasie, von Introvertiertheit, Weltfremdheit und
Naturgebundenheit.
Die deutsche Romantik war keine nur literarische, sondern eine das gesamte
Geistesleben der Zeit prägende Bewegung, die einen neuen Lebensstil, eine
neue Kunst- und Weltanschauung hervorbringen und die Krise der
Gesellschaftsordnung um 1800 überwinden wollte.
Den Romantikern ging es darum, die Menschen zum Poesiehaften in der Welt
hinzufahren, alle Künste sollten sich zu einem Kunstwerk vereinen, alles
Welterleben sollte zu einem romantischen Erlebnis werden.
Die sozialen und politischen Probleme der Epoche waren realhistorisch nicht
lösbar und so kam es zur Romantisierung der Wirklichkeit - zu einer Flucht
aus der Wirklichkeit, wobei auf keine Kritik an der Realität verzichtet
werden muß. Allerdings widersprach die Literatur der Romantik und
die Poetisierung realer Bedingungen der Realität vollkommen.
So herrschte in den Werken "Der goldene Topf `und "Der blonde Eckbert "
eine Ambivalenz vor. Es handelt sich um das Nach-- und Nebeneinander zweier
Welten - ein erfahrungsrealistischer Ort und eine unbekannte Welt - eine
Ambivalenz zwischen "Existenz von real Erfahrbarem " und
"Märchenhaftem ".
Laut Hoffscher Märchendefinition sind Marchen gekennzeichnet durch
"die Einmischung eines fabelhaften Zaubers in das gewöhnliche
Menschenleben ".
Im "Goldenen Topf` ist nicht deutlich, was "real" und was "irreal" ist -
die Erfahrungsrealität verschmitzt mit dem magischen Bereich zu einer
`poetischen Wirklichkeit Im Gegensatz dazu bleibt im "Blonden Eckbert"
die Kritik der realen Verhältnisse aus, und es kommt zu keiner Konstruktion
eines harmonischen Ideals.
E.T.A. Hoffmann: "Der goldene Topf"
AUTOR
...... Ernst Theodor Amadeus Hoffmann wurde am 24.01.1776 in
Königsberg (Pr.) geboren. Er
war Schriftsteller, Komponist und Zeichner.
Von 1792-98 studierte er Rechtswissenschaften und arbeitete
anschließend am Kammergericht
in Berlin bevor er 1800 nach Posen versetzt wurde. E.T.A. Hoffmann pflegte
neben dem Studium stets seine zeichnerische und musikalische Begabung. Sein
Leben war geprägt von der konfliktreichen Spannung zwischen dem Streben
nach Ausbildung seiner künstlerischen Anlagen und bloßer
Existenzsicherung.
Eine Reihe von Karikaturen führte dann zu einer Strafversetzung nach
Plock und 1804 kam er als Regierungsrat nach Warschau. Als Mitglied der
"musikalischen Gesellschaft" wirkte er dort als Organisator und Dirigent
bei Veranstaltungen mit.
Nach dem Einmarsch der Franzosen mußte er Warschau verlassen und ging
1807 nach Berlin, wo er vergeblich versuchte, eine Anstellung zu finden. 1808
wurde er Theaterkapellmeister in Bamberg, wo er auch als Musikkritiker,
Direktionsgehilfe, Komponist und Bühnenbildner wirkte. 1813-14 war er
Musikdirektor der Theatergruppe von Joseph Seconda in Dresden und Leipzig. Ende
1814 war er Richter am Kammergericht in Berlin, entfaltete aber seine
dichterische Begabung um so stärker. 1816 erfolgte seine Ernennung zum
Kammergerichtsrat. 1819 wurde Hoffmann ohne sein Zutun Mitglied einer
Kommission, die auf Veranlassung Mettemichs gegen politische "Aufwiegler", gegen
Burschen- und Turnerschaften vorgehen sollte. Hoffmann setzte sich mit viel
Zivilcourage für die Betroffenen ein, weswegen ein Disziplinarverfahren
gegen ihn eingeleitet wurde. Zudem wurde er auch selbst Opfer der
preußischen Zensur.
In dieser Lage starb Hoffmann in 25.06.1822 in Berlin, krank und
vereinsamt.
Werke: "Der goldene Topf`, "Das Fräulein von Scuderi ", "Don Juan
" (Erzählsammlung mit
musikalischer Thematik), "Die Elixiere des Teufels " (Roman),
"Lebens-Ansichten des Katers Murr... "
Der goldene Topf
... Der im Alltag ungeschickte Student Anselmus sitzt am Abend des
Himmelfahrtstages am Elbufer in Dresden unter einem Holunderbusch und
hängst seinen trüben Gedanken nach. Plötzlich bemerkt er "drei
in grünem Gold erglänzende Schlangen", die ein glühendes
Verlangen in ihm erwecken.
... ; er schaute hinauf und erblickte drei in grünem Gold
erglänzende Schlänglein, die sich um die Zweige gewickelt hatten und
die Köpfchen der Abendsonne entgegenstreckten. Da flüsterte und
lispelte es von neuem in jenen Worten, und die Schlänglein schlüpften
und kosten auf und nieder durch die Blätter und Zweige, und wie sie sich so
schnell rührten, da war es, als streue der Holunderbusch tausend funkelnde
Smaragde durch seine dunklen Blätter. "Das ist die Abendsonne, die so in
dem Holunderbusch spielt", dachte der Student Anselmus, aber da ertönten
die Glocken wieder, und Anselmus sah, wie eine Schlange ihr Köpfchen nach
ihm herabstreckte. Durch alle Glieder fuhr es ihm wie ein elektrischer Schlag,
er erbebte im Innersten - er starrte hinauf, und ein paar herrliche dunkelblauen
Augen blickten ihn an mit unaussprechlicher Sehnsucht, so daß ein nie
gekanntes Gefühl der höchsten Seligkeit und des tiefsten Schmerzes
seine Brust zersprangen wollte. Und wie er voll heißen Verlangens immer
in die holdseligen Augen schaute, da ertönten stärker in lieblichen
Akkorden die Kristallglocken, und die funkelnden Smaragde fielen auf ihn herab
und umspannen ihn mit schimmernden Goldfaden. Der Holunderbusch rührte
sich und sprach: "Du lagst in meinem Schatten, mein Duft umfloß dich, aber
du verstandest mich nicht. Der Duft ist meine Sprache, wenn ihn die Liebe
entzündet. " Der Abendwind strich vorüber und sprach: "Ich um spielte
deine Schläfe, aber du verstandest mich nicht, der I-Iauch ist meine
Sprache, wenn ihn die Liebe entzündet. Die Sonnenstrahlen brachen durch das
Gewölk, und der Schein brannte wie in Worten "Ich umgoß dich mit
glühendem Gold, aber du verstandest mich nicht,` Glut ist meine Sprache,
wenn sie die Liebe entzündet`@....
Zunächst mißtraut Anselmus seinen Sinnen und weiß nicht,
"ob er betrunken, wahnsinnig oder krank" ist. Der anschließend
fröhliche Abend in der nachlernen Gesellschaft des Konrektors Pau dessen
Tochter Veronika ein Auge auf Anselmus geworfen hat, und des Registrators
Heerbrand bringt ihn nur vorübergehend auf andere Gedanken. Denn die
Bekanntschaft mit dem Archivarius Lindhorst, für den er durch Heebrands
Vermittlung für ein paar Speziestaler arabische und koptische Manuskripte
kopiert, führt ihn in ein Zauberreich.
... Ein magisch blendendes Licht verbreitete sich überall, ohne
daß man bemerken konnte, wo es herkam, da durchaus kein Fenster zu sehen
war. Sowie der Student Anselmus in die Büsche und Blumen hineinblickte,
schienen lange Gänge sich in weiter Ferne auszudehnen. - Im tiefen Dunkel
dichter Zypressenstauden schimmerten Marmorbecken, aus denen sich wunderliche
Figuren erhoben, Kristallenstrahlen hervorspritzend, die plätschernd
niederfielen in leuchtende Lilienkelche; seltsame Stimmen rauschten und
säuselten durch den Wald der wunderbaren Gewächse, und herrliche
Düfte strömten auf und nieder ....
Von Lindhorst erfuhr Anselmus, daß die drei Schlänglein dessen
Töchter sind, in deren jüngste, Serpentina, er sich verliebt hat. im
Palastgarten des Archivars sieht Anselmus seine Beliebte Serpentina wieder und
zum erstenmal der goldenen Topf, Serpentinas Mitgift. Zu dieser Zeit
erfährt er auch vom Doppelcharakter des Archivars, denn hinter dessen Maske
verbirgt sich ein Salamander, ein Elementargeist, der als Strafe für eine
in mythischer Vorzeit begangenen Untat sich jetzt dem gemeinen @n unterwerfen
muß, bis sich seine drei Töchter mit drei Jünglingen mit
"kindlich poetischen Gemüt" verheiratet haben.
Obwohl Anselmus Serpentina ewige Liebe geschworen hat, durchkreuzt das
Äpfelweib, das der mythischen Verbindung einer Runkelrübe mit der
Feder eines Drachen entstammt, deren Pläne, indem sie den goldenen Topf zu
rauben versucht und alles daran set4 Anselmus´ Vertrautwerden mit der
Poesie zu verhindern. Durch einen Metallspiegel den sie in der "Nacht des
Acquonoktiums" gegossen hatte, verliert Anselmus sein "poetisches Gemüt"
und läßt ihn glauben, daß er nur Veronika liebt.
.... Und doch, indem sein ganzes Gemüt der holden Serpentina und
den Wundern des Feenreichs bei dem Archivarius Lindhorst zugewandt war,
mußte er zuweilen unwillkürlich an Veronika denken, ja manchmal
schien es ihm, als trete sie zu ihm hin und gestehe errötend, wie herzlich
sie ihn liebe und wie sie danach trachte, ihn den Phantomen, von denen er nur
geneckt und verhöhnt werde, zu entreißen. Zuweilen war es, als risse
eine fremde plötzlich auf ihn erbrechende Macht ihn unwiderstehlich hin zur
vergessenen Veronika, und er müsse ihr folgen, wohin sie nur wolle, als sei
er festgekettet an das Mädchen .....
Der Palastgarten des Archivars erscheint ihm nun als armseliges Treibhaus,
die azurblaue Bibliothek, an der er sich nicht sattsehen konnte, als ein
geschmackloser, in grellen und unnatürlichen Farbe ausgestatteter
Raum.
Trotz der Warnung Lindhorsts verschüttet Anselmus Tinte über ein
Manuskript, worauf die Prophezeiung des alten Äpfelweibs wahr wird und er
"ins Kristall" fällt.
... Ins Kristall nun dein Fall! - hab ich dir`s nicht längst
vorausgesagt? " - "Höhne und spotte nur, du verdammtes Hexenweib ", sagt
der Student Anselmus, "du bist schuld an allem, aber der Salamander wird dich
treffen, du schnöde Runkelrübe ...
Anselmus erkennt nun die erstickende Enge des bürgerlichen
Glücks, die fünf weitere Gefangene gar nicht bemerken, denn sie haben
sich noch nie besser befunden als jetzt!
Anselmus entscheidet sich nun für Serpentina und kommt mit ihr,
nachdem das Äpfelweib in einer wild flammenden Schlacht von
Lindhorst überwunden wurde, im immerwährende Sehnsucht nach
Atlantis auf ein Rittergut, wo die im goldenen Topf erblühte Lilie ihr
Glück beschützt. Veronika heiratet den zum Hofrat ernannten
Heerbrand, wodurch ihre schönsten Träume in Erfüllung
gehen.
der ambivalente Geschehnisraum....
.... weil Hoffmann Dresden, einen real existierenden und genau
lokalisierbaren Ort als Handlungsort wählte, entspricht "Der goldene Topf"
nicht dem absoluten Märchen.
Der Leser wechselt mit Anselmus -oft unvermittelt und überraschend-
aus den engen Gassen Dresdens in einen phantastischen Raum, ein Durcheinander
realistisch gezeichneter Gegenwart und eines geisterhaften Reiches, das bis in
die Uranfänge des Seins zurückzugehen scheint. Dresden wird zwar als
Schauplatz nicht naher beschrieben, jedoch sind alle Gassen, Straßen und
Plätze real - das "Schwarze Tor", das "Linkische Bad", die Elbbrücke
und sogar der wundersame Holunderbusch sind real nachprüfbar.
Die Realitätstreue zeigt sich auch noch in anderer Art, denn so wird
z.B. zu Beginn die Ouvertüre aus dem "Donauweibchen" erwähnt, der
Registrator Heerbrand singt eine Bravour-Arie des damals recht bekannten
Kapellmeisters Graun und der gerufene Arzt empfiehlt der fantasierenden Veronika
Zerstreuung im Theater bei dem "Sonntagskind" und den " Schwestem von Prag",
zwei bekannten Singspielen des Zeitgenossen Wenzel Müller.
Dabei entsteht sowohl ein Nebeneinander von scheinbar real Existierendem
und märchenhaft Wunderbarem als auch ein Ineinandervermischtsein, was zu
einem unverwechselbaren Wesensmerkmal des "Goldenen Topfes" wird und eine
zweideutige Welt entstehen läßt. Diese Ambivalenz fuhrt letztlich
dazu, daß der Leser nicht mehr weiß, wo die wunderbare Welt beginnt
und die reale aufhört. Denn immer dort, wo der Leser in die mythische
Gegenwelt geleitet wird, findet eine Rückkehr m die erfahrbare Wirklichkeit
statt. Dies ermöglicht eine Symbiose mit dem fantastischen Raum. So ist
z.B. das Haus des Archivarius Lindhorst einmal ganz Märchenwelt, obwohl
Anselmus dort ebenso in die Realität tritt.
... "0 meine - meine Serpentina " rief der Student Anselmus, "wie sollte
ich denn nur von dir lassen können, wie sollte ich dich nicht lieben
ewiglich! " - Ein Kuß brannte auf seinem Munde, er erwachte wie aus einem
tiefen Träume, Serpentina war verschwunden, es schlug sechs Uhr, da es ihm
schwer aufs Herz, daß er nicht das mindeste kopiert habe; er blickte voll
Besorgnis, was der Archivarius wohl sagen werde, auf das Blatt, und, o Wunder!
Die Kopie des geheimnisvollen Manuskripts war glücklich beendet, und er
glaubte, schärfer die Züge betrachtend, Serpentinas Erzählung von
ihrem Vater, dem Liebling des Geisterfürsten Phosphorus im Wunderlande
Atlantis, abgeschrieben zu haben. Jetzt trat der Archivarius Lindhorst in
seinem weißgrauen Überrock, den Hut auf dem Kopfe, den Stock in der
Hand, herein; er sah in das von dem Anselmus beschriebene Pergament, nahm eine
große Prise und sagte lächelnd.- "Das dachte ich wohl! - Nun! hier
ist der Speziestaler, Herr Anselmus, jetzt wollen wir noch nach dem Linkischen
Bade gehen - nur mir nach!
Die Ambivalenz des jeweiligen Handlungsortes - des fiktiv realen und des
märchenhaften
Wunderbaren - ermöglicht die Symbiose beider, was den Reiz des
Märchens ausmacht.
poetische Gestaltung der Handlungsorte....
...... im Mittelpunkt des real @fiktiven Handlungsraumes steht das Haus des
Korrektors Paulmann ein Hauptschauplatz der Erfahrungsrealität. Der bieder
bürgerliche Raum ist nur durch einige wenige Requisiten angedeutet, die
aber erst durch die Menschen, die sich in diesem Raum befinden und bewegen, ihre
eigentliche philiströse Bedeutung erhalten. So muß sich z. B.
Anselmus, sowie er das Haus des Konrektors betreten hat, sofort "ans Klavie
setzen", um Veronika zu begleiten, und der Registrator Heerbrand gibt
eine Bravourarie des Meisters Graun, eines in biederen Kreisen beliebten
Komponisten des 18.Jahrhunderts.
So kommt in diesen Handlungsraum der bürgerliche Ehrgeiz nach Titeln
und der materielle Lebenswunsch zu Tage, denn Veronika schwelgt hier sosehr in
der Vorstellung, einmal die Frau eines Hofrates werden zu können um von der
philiströsen Umwelt akzeptiert zu werden, daß sie von Gedankenbild
her in die Realität hinein handelt. Dabei zeigt sie sich als einfaches und
in eng materiellem Denken befangenes Mädchen.
Sie war Frau Hofrätin, bewohnte ein schönes Logis in der
Schloßgasse oder auf dem Neumarkt oder auf der Moritzstraße - der
moderne Hut, der neue türkische Schal stand ihr vortrefflich - sie
frühstückte im eleganten Negligé im Erker, der Köchin die
nötigen Befehle den Tag erteilend .....
Im mythischen Zentrum des "Goldenen Topfes" liegt das Haus des Archivarius
Lindhorst, dessen Ausgestaltung sich von der real-bürgelichen
unterscheidet, indem alles farbig und schillernd, bewegungsreich und in
ständiger Veränderung ist, je nach der seelischen Verfassung des
Anselmus. Damit ist die poetische Raumgestaltung des mystischen Zentrums
wiederum abhängig von der Bewegung des Anselmus.
Nach dem Eintritt des Anselmus in das Wunderreich Atlantis ist der Eintritt
in den vollkommen mystischen Raum vollzogen.
Ein zweites Zentrum des magischen Bereiches stellt die Hexenküche dar,
wobei man hier die Eindrücke durch die Sinne Veronikas
erfährt.
Die poetische Gestaltung der Handlungsorte zielt somit jeweils auf die
Schaffung einer Atmosphäre, die nicht durch die Requisiten hervorgerufen
wird, sondern jeweils nur im Zusammenhang mit den jeweils agierenden
Personen.
"Der blonde Eckbert"
AUTOR......
...... Ludwig Tieck (Pseud. Peter Lebrecht, Gottfried Färber) wurde
am 3 1. Mai 1773 in Berlin geboren. Er war Dichter, Literaturkritiker,
Theaterkritiker und Übersetzer und galt als produktivster und
wandlungsfälüster Autor der frühromantischen Generation. Er
entwarf die Gattung der Märchennovelle und des Künstlerromans, schuf
die romantische Stimmungslyrik, realisierte das Prinzip der romantischen Ironie
und entwickelte die Formen der zeitkritischen und historischen
Biedemeiernovelle.
Er studierte Theologie, Geschichte und Literatur. 1794-99 lebte er in
Berlin und bis 1801 hielt er sich dann in Dresden, Italien,
Süd-Deutschland, Frankreich und England auf. Danach war er bis 1841
Dramaturg des Dresdner Hoftheaters, dann auf Einladung Friedrich Wilhelm IV. in
Berlin (dort war er u.a. Berater der königlichen Schauspiele).
Ludwig Tieck begann mit Erzähltexten im Stil der
Spätaufklärung und wechselte dann zum Briefroman, vor allem nach
englischen Vorbildern, wie "Geschichte des Herrn William Lovell" (1
795/96), Nüt "Der blonde Eckbert" begründete Tieck das
romantisch-deutsche Kunstmärchen.
Werke: "Franz Sternbalds Wanderungen " (Künstlerroman),
"Kaiser Octavianus " (Lustspiel),
"Der junge Tischlermeister " (Novelle), "Die Verlobung"
(Novelle)
"Der blonde Eckbert"..
..... Bertha, die mit dem Ritter Eckbert auf einer Burg in Harz lebt,
erzählt Walther, dem Freund ihres Mannes, die Geschichte ihrer
Kindheit:
Als kleines @Mädchen, das seinen Eltern davonläuft, trifft sie in
einer Waldhütte eine Alte, die dort mit einem sprechenden Vogel und einem
Hündchen zusammenlebt. Bertha findet hier nun ein neues Zuhause.
... Wir stiegen nun einen Hügel hinan, der mit Birken bepflanzt
war, von oben sah man in ein grünes Tal voller Birken hinein, und unten
mitten in den Bäumen lag eine kleine Hütte. Ein munteres Bellen kam
uns entgegen, und bald sprang ein kleiner behender Hund die Alte an, und
wedelte, dann kam er zu mir, besah mich von allen Seiten, und kehrte mit
freundlichen Gebärden zur Alten zurück.
Als wir vom Hügel hinunter gingen, hörte ich einen wunderbaren
Gesang, der aus der Hütte zu kommen schien, wie von einem Vogel, es sang
also:
Waldeinsamkeit
Die mich erfreut,
So morgen wie heut
In ewger Zeit,
0 wie mich freut
Waldeinsamkeit.
Wenn die Alte oft für längere Zeit unterwegs ist, versorgt Bertha
die Tiere und bewacht den Schmuck der Einsiedlerin. Eines Tages, als die Alte
wieder unterwegs ist, nimmt eine tiefe Sehnsucht nach der Welt von Bertha
Besitz. Sie bindet das Hündchen in der Hütte an, nimmt Schmuck und
Vogel mit sich fort und läuft davon. Der Vogel aber quält sie mit
seinem melancholischen Lied
Waldeinsamkeit
Wie liegst du weit!
0 dich gereut
Einst mit der Zeit. Ach, einzge Freud Waldeinsamkeit.
so sehr, daß sie ihn schließlich erdrosselt.
Als Walther beim Abschied den Namen des Hündchens erwähnt, an den
sich Bertha nicht mehr erinnern konnte, überkommt sie ein tiefes Grauen.
Eckbert und Bertha bereuen es nun, sich Walther offenbart zu haben, ihre
Freundschaft zerbricht, und Bertha stirbt im Fieber, von Ängsten gepeinigt.
Eckbert gibt die Schuld am Tod seiner Frau Walther und tötet ihn.
Lange lebt nun Eckbert einsam auf seiner Burg bis er sich schließlich
einem jungen Ritter namens Hugo anschließt, in dem er aber plötzlich
Walther wiedererkennt. Eckbert ergreift sofort die Flucht und verirrt sich im
Wald. Als er einen Bauern nach dem Weg fragt, sieht er sich wiederum dem
Ermordeten gegenüber. Wiederum ergreift Eckbert die Flucht, als er
plötzlich einen Vogel das Lied "Waldeinsamkeit" singen hört. Eine
gebeugte alte Dame kommt ihm entgegen und offenbart ihm, sie selbst habe sich in
Ritter Hugo und Walther verwandelt, und Bertha sei niemand anderes als seine
Schwester gewesen. Darauf verfällt Eckbert dem Wahnsinn.
..... .. Und Bertha war deine Schwester. Eckbert fiel zu
Boden.
"Warum verließ sie mich tückisch? Sonst hätte sich
alles gut und schön geendet, ihre
Probezeit war schon vorüber. Sie war die Tochter eines Ritters,
die er bei einem
Hirten erziehen ließ, die Tochter deines Vaters. "
"Warum hab’ ich diesen schrecklichen Gedanken immer geahndet? "
rief Eckbert aus. "Weil du in früher Jugend deinen Vater einst davon
erzählen hörtest; er durfte seiner Frau wegen diese Tochter nicht bei
sich erziehen lassen, denn sie war von einem anderen Weibe.
Eckbert lag wahnsinnig und verscheidend auf dem Boden; dumpf und
verworren hörte er die Alte sprechen, den Hund bellen und den Vogel sein
Lied wiederholen....
der symbiotische Geschehnisraum....
.... die Handlungsorte in Tiecks Märchen sind: Burgsitz des blonden
Eckberts, Heimatdorf Berdm, Wanderweg Berthas von ihrer Heimat zur Hütte
der Alten, Wanderweg Eckberts vom Burgsitz bis in die Nähe der Hütte
der Alten.
Somit wird deutlich, daß es sich bei dem Märchen um eine
Rahmenkonzeption handelt, wobei das eigentliche Märchengeschehen im
Mittelpunkt, also im Hause der Alten, angesiedelt ist. Diese Feststellung ist
notwendig, da Tiecks Märchennovelle nicht in einem mystisch-utopischen Raum
endet, sondern in einem dieser Welt.
Rahmen und Märchen sind sorgfältig voneinander zu trennen, und es
kommt zu keiner Ambivalenz der Geschehnisräume - bis zum Schluß, denn
hier muß man feststellen, daß der mystische Bereich (also das
Märchen) in die Realität hineinwirkt, was dann dem "Blonden Eckbert"
die Gestalt einer Märchendichtung verleiht
Der Handlungsort - nämlich Harz - ist wieder genau lokalisierbar,
wobei er ohne Funktion ist, denn das weitere Geschehen ist
ortsunabhängig.
Das Leben, das Eckbert und Bertha fahren erscheint wirklich. Es ist
gekennzeichnet von Bescheidenheit und ruhigem, genügsamen
Verzicht.
..... Sein Weib liebte die Einsamkeit ebensosehr, und beide schienen
sich von Herzen zu lieben, nur klagten sie gewöhnlich darüber,
daß der Himmel ihre Ehe mit keinen Kindern segnen wolle.
Nur selten wurde Eckbert von Gästen besucht, und wenn es auch
geschah, so wurde ihretwegen fast nichts in dem gewöhnlichem Gange des
Lebens geändert, die Mäßigkeit wohnte dort, und die Sparsamkeit
selbst schien alles anzuordnen. Eckbert war alsdann heiter und aufgeräumt,
nur wenn er allein war, bemerkte man an ihm eine gewisse Verschlossenheit, eine
stille, zurückhaltende Melancholie ......
Dieser wohlabgeschirmte Raum wird weder als beengend noch als zukunftslos
gesehen, womit der Unterschied zu dem fiktiv realen Raum bei Hoffmann deutlich
wird, denn mit dem Holunderbuschtraum relativiert sich die Realität so
stark, daß eine Flucht in die mythische Welt als einzig zu erstrebendes
Ziel erscheint.
Bei Tieck aber können Störungen von außen nur Unruhe und
Verwirrung stiften.
poetische Gestaltung der Handlungsräume.....
..... der Weg Berthas und der Weg Eckberts zur Hütte der Alten liegen
völlig entgegengesetzt einander gegenüber und begrenzen somit den
gesamten Geschehnisraum, auf dem sich die Personen agierend bewegen.
In Hoffmannns "Goldenem Topf` wird ein utopischer Raum aufgerissen, der in
eine weite Perspektive verweist.
Die Begrenztheit des Handlungsraumes bei Tiecks "Blondem Eckbert"
verhindert nicht nur das Ausbrechen aus diesem Raum, vielmehr erweist der
mystische Raum seine Statik, wenn Eckbert ihn betritt, und eine Zeitlosigkeit,
denn alles ist so, wie es Bertha vorgefunden hat. Der abgeschirmte
Geschehnisraum hat alle seine Requisiten wieder: die krumme, hustende Alte, den
singenden Vogel, den bellenden Hund. Was bedeutet, daß sich hier nie eine
Veränderung wird vollziehen können und dürfen, denn der
Schlußpunkt war der Ausgangspunkt für Berthas Erfahrungen, eine
Station auf ihrer Wanderschaft, auf der sich nun Eckbert befindet.
Der Ort, der diesem entgegengesetzt ist, ist das Schloß, das die
andere Seite des Geschehnisraum begrenzt. Seine poetische Ausgestaltung ist
sowohl die eines mystischen Raumes als auch eines
real möglichen: die hermetische Abschottung sowie die Existenz der
Allen in der Gestalt Walthers macht diesen Raum zu einem mystischen.
Real wirkt der Ort durch die Figuren, die hier leben - in profaner
ständiger Kommunikationslosigkeit.
Das Dorf, in dem Armut und Elend, Streit und patriarchalische
Brutalität das Leben bestimmen, ist so dargestellt, daß es die
soziale Lage der damaligen Landbevölkerung widerspiegeln könnte, wenn
es nicht aus der Perspektive Berthas wäre (subjektivistische
Sichtweise).
Dieser Raum ist im Gesamtgeschehen nicht dem Handlungsraum "Hütte der
Alten" entgegengesetzt, so daß er nicht, wie bei Hoffmann der
philiströs-bürgerliche, einer Kritik ausgesetzt wird.
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