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Osterweiterung - Die ökonomische Transformation un
Die ökonomische Transformation
unter besonderer Berücksichtigung des
Arbeitsmarktes ausgewählter Beispiele
Projektarbeit von
Larissa Fally, Verena Freund, Herbert
KretzInhaltsverzeichnis:
Vorwort
Als uns am Anfang dieser Projektarbeit das Thema "Arbeitsmarkt" bezogen auf
die 5 Beitrittkandidaten zugeteilt wurde, waren wir, das heißt die ganze
Gruppe noch voll Enthusiasmus, da wir dachten, daß dies ein Thema sein
sollte, welches relativ leicht auszuarbeiten sein müßte. Doch falsch
gedacht! Entgegen aller Anfangseuphorie mußten wir feststellen, daß
es zu unserem Thema keinerlei spezifisches Material gab und gibt, da ja die
Veränderungen am Arbeitsmarkt immer nur eine Folgeerscheinung der politisch
oder ökonomischen Veränderungen sind. Daher änderten wir unser
Thema um und tauften es "Die ökonomische Transformation unter besonderer
Berücksichtigung des Arbeitsmarktes auserwählter Beispiele" und hoffen
Ihnen, lieber Leser eine umfangreiche Ausarbeitung zur Verfügung stellen zu
können, welche alle politischen und ökonomischen Veränderungen
erläutert und dann jeweils auf den Wandel am Arbeitsmarkt eingeht.
2 Zeit der sozialen Sicherheit – Zeit des
Kommunismus
2.1 Warenmangel
Bis Ende der 80er Jahre herrschte in allen Staaten die sogenannte
Planwirtschaft (als Gegenstück zur freien Marktwirtschaft). Das hatte dazu
geführt, daß praktisch alle Güter „Mangelware“
waren: zB hatte ein Trabi eine Lieferzeit von ca. 8 (!) Jahren.
Bananen, Kekse, Damenstrümpfe und vor allem die Zigarettenmarke
„Marlboro“ waren für die Geschäftsleute aus dem Westen
beliebte „Türöffner“ und für die Empfänger
begehrte kleine Statussymbole, die sie innerhalb der Gesellschaft als
Außenhandelsleute auswiesen.
In dieser Zeit gab es in den heute als Einkaufsstraßen bekannte
Straßen, wie der Rakoci U. in Budapest (Pendant zur Mariahilfer
Straße in Wien) mehr oder weniger kein einziges Geschäft.
Der Mangel war in allen Ländern unterschiedlich groß, Ungarn
hatte mit Abstand die beste Versorgung, Polen und Rumänien die
Schlechteste.
2.2 Geldversorgung
Die Einkommen waren aus westeuropäischer Sicht sehr gering, aber im
Vergleich zum Warenangebot mehr als ausreichend. Das heißt jeder hatte
Geld, konnte aber zumindest mit der lokalen Währung nicht viel
kaufen.
Nachdem die Grundversorgung mit Nahrungsmitteln und Wohnung durch den Staat
garantiert war, hatten die Menschen das Gefühl von relativer Sicherheit,
nach der sich heute viele wieder sehnen – vor allem diejenigen, die den
Zug in die neue Zeit verpaßt haben, oder bei denen er gleich gar nicht
vorbeigefahren ist.
2.3 Arbeitsmarkt
Der Arbeitsmarkt war im Grunde gar keiner, weil jedem Arbeit garantiert
war. Das hat dazu geführt, daß die meisten Betriebe personell stark
überbesetzt waren und damit die Produktivität sehr gering war.
Außerdem bestand weder die Notwendigkeit noch die Möglichkeit
die menschliche Arbeitskraft durch moderne Produktionsmethoden zu ersetzten. Ein
weiteres großes Problem (wie sich erst später herausstellen sollte)
war, daß hauptsächlich für den Binnenmarkt sowie für die
sogenannten Bruderländer und hier insbesondere für Rußland
produziert wurde. Für diese Märkte wurde auch der niedrigste
Qualitätsstandard als ausreichend betrachtet, weil diese Lieferungen nie
wirklich bezahlt wurden, sondern über undurchsichtige Verrechnungsmethoden
beglichen wurden.
Kündigungen, Entlassungen waren unbekannt, Aufstiegsmöglichkeiten
waren praktisch immer an politische Aktivitäten (ebenso wie die
Ausbildungsmöglichkeiten) gebunden, weshalb eine Motivation zur Leistung
praktisch nicht vorhanden war. Jeder, der die Möglichkeit dazu hatte,
versuchte Westgeld zu verdienen und anzusparen was für viele dann als
Startkapital nach Ende der Planwirtschaft diente.
2.4 Handelsbilanzen
Aus heutiger Sicht sind die Handelsbilanzen der Ostländer während
der Zeit des Kommunismus sehr schwer zu interpretieren – Hauptgrund sind
eben die undurchsichtigen Verrechnungen zwischen den einzelnen Ländern.
Die Exporte in den Westen dienten ausschließlich der
Devisenbeschaffung und die Preisgestaltung der zu exportierenden Gütern
beruhte in den seltensten Fällen auf einer richtigen Kostenrechnung bzw
Kostenkalkulation.
Ein großer Teil der Güter wurde auf den Weltmärkten in
preislich höhere Produkte umgewandelt und damit beachtliche Gewinne
erzielt. Beispielsweise exportierte Ungarn riesige Mengen Panonia Käse,
welcher schlußendlich als Schweizer Emmentaler auf den
Überseemärkten verkauft wurde. Das war möglich, weil Panonia
Käse vom Aussehen und Geschmack für den Nichtspezialisten nur schwer
zu unterscheiden war. Der Exportpreis für ein Kilogramm Panonia Käse
war zu dieser Zeit 1 USD/kg.
Importiert wurde nur das Notwendigste wobei die Bedürfnisse der
Bevölkerung kein wirklicher Maßstab waren. Außerdem waren viele
Güter, die für die Entwicklung der Ostvolkswirtschaften sehr wichtig
gewesen wären, wie zB Computertechnologie mit einem strikten und
strengstens überwachten Exportverbot von Seiten der westlichen
Wirtschaftsmächte belegt.
Transformation
3.1 Alte Industrien
Die alten Industrien wurden durch die Transformation vor praktisch
unlösbare Aufgaben gestellt.
Hauptprobleme waren:
Die wichtigsten Absatzmärkte waren über Nacht weggebrochen
(meistens Rußland)
Riesige Aussenstände gegen frühere Abnehmer waren praktisch
uneinbringlich und diese Firmen damit dem Konkurs nahe.
Die Mitarbeiter konnten plötzlich nicht mehr beschäftigt und
schon gar nicht mehr bezahlt werden.
Subventionen von Seiten des Staates wurden größtenteils
gestrichen und die Monopolstellungen fielen weg
Die Produkte waren selbst auf den Heimmärkten wegen
Qualitätsmängeln nicht mehr absetzbar.
Die Unternehmen waren nie als Ganzes bestenfalls in Teilen zu
verkaufen.
In verschiedenen Ländern vor allem in der Tschechischen Republik
wurde, aus politischen Gründen, versucht den Transformationsprozeß zu
verlangsamen. Die Rechnung wird nun heute bezahlt, wie in der folgenden Beilage
zu erkennen ist.
3.2 Landwirtschaft
In der Landwirtschaft waren zu Zeiten des Kommunismus sehr viele Leute
beschäftigt, allerdings mit der bekannt niedrigen Produktivität.
Hauptprobleme waren:
- Wegfall der Subventionen
- Wegbruch der Hauptmärkte (bis Ende der 80er Jahre
wurde Rußland mit Hühnchen zum größten Teil aus Ungarn
bzw. Slowenien versorgt. Während der Transformation hat Rußland diese
Importe auf Produkte aus den USA verlagert und damit diese Industrien und
landwirtschaftlichen Produktionen zum Sterben verurteilt.)
- Reprivatisierung ging teilweise schleppend voran
3.3 Neue Industrien und
Auslandsinvestitionen[1])
Sofort nach Beendigung des Kommunismus und dem Vorliegen einigermaßen
klarer Rahmenbedingungen, begannen große internationale Anleger und
Produzenten mit Investitionen in den ehemaligen Ostländern
Hauptgründe waren:
- gewaltiger Zukunfsmarkt (ca. 200 Mio. Menschen)
- billige Arbeitskraft
- guter Ausbildungsstand
- geographisch guter Standort auch für
Absatzmärkte in Westeuropa
Markenerzeuger wie Procter & Gamble (Pampers über Waschpulver bis
hin Oil of Olaz) importierten zuerst ihre Produkte aus den Stammwerken in
Westeuropa bzw Amerika. Sobald die Produkte in neuen Märkten angenommen
wurden, wurden eigene Fabriken aufgebaut. In Ungarn entstand die erste
osteuropäische Pampersfabrik, in der Nähe von Prag werden
Seifenprodukte hergestellt. P & G versorgt in erster Linie die
neuen Märkte von diesen Fabriken.
Andere Hersteller, wie Philips errichten große
Produktionsstätten mit dem Ziel, ganze Produktgruppen für den
weltweiten Bedarf in diesen Ländern zu produzieren. Videorecorder werden in
Szekesfehervar, Computerbildschirme in Szombathely hergestellt. Die Produkte
werden auch heute noch zu einem sehr geringen Teil in Ungarn abgesetzt. Der
größte Absatzmarkt war und ist Westeuropa.
Kia und Huyndai in Polen importieren die Autos CKD (completely knocked down
= komplett in Einzelteilen) und bauen diese in Polen (assembling) zusammen.
Diese Autos sind hauptsächlich für die neuen Märkte bestimmt.
Wenn man bedenkt daß heute in Polen jährlich ca. 400.000 Autos neu
zugelassen werden (vgl. Österreich ca. 280.000) kann man erkennen was
für große neue Märkte schon entstanden sind.
Aus den beiligenden Aufstellungen über die jeweils 30
größten Unternehmen eines Landes kann man klar erkennen, daß
Auslandsinvestitionen in Form von Gründung eigener Firmen oder Joint
Ventures einen sehr bedeutenden Anteil errungen haben.
Aus den Beilagen über die Auslandsinvestitionen kann man erkennen,
daß die derzeitige und zukünftige Entwicklung der Volkswirtschaften
sehr stark vom Ausmaß dieser Investitionen abhängt. Außerdem
sieht man, daß diese Höhe in einem Zusammenhang mit der Schaffung der
richtigen Rahmenbedingungen für Produktionsstätten in Zusammenhang
steht. Beispielsweise hat Ungarn heute eines der liberalsten
Arbeitnehmerschutzgesetze der Welt.
3.4 Arbeitsmarkt[2])
Das gesamtwirtschaftliche Wachstum in den meisten Reformstaaten hat den
Arbeitsmarkt noch nicht entscheidend beleben können. Die offiziellen Daten,
die zudem noch in einigen Ländern stark unterzeichnet sind, da Anreize zur
Meldung fehlen, zeigen deutlich, daß die Reformvorreiter am ehesten auch
die Beschäftigungslage stabilisieren konnten. Polen und Ungarn können
1998 ihre Arbeitslosenquoten weiter reduzieren. In einigen Ländern schlagen
notwendige Rationalisierungsmaßnahmen und Stillegungen im Rahmen der
Privatisierung erst jetzt auf den Arbeitsmarkt an. Vor allem die Tschechische
Republik muß wegen der Wachstumsdelle mit einer steigenden Zahl von
Arbeitslosen rechnen, wird allerdings nach Beendigung der verzögerten
Transformation wieder beste Aussichten haben, den ökonomischen
Anschluß an den Westen zu schaffen.
Sämtliche Arbeitslosenquoten der anderen Transformationsländer
liegen im zweistelligen Bereich, eine Verringerung ist mittelfristig nur
graduell zu erwarten, da die Privatwirtschaft die freigesetzten
Arbeitskräfte nur zu einem Teil absorbieren kann., Im krassen Gegensatz
dazu werden in den dynamischen Wachstumszentren Knappheitslöhne gezahlt, da
qualifizierte Arbeitskräfte dort bereits schwer zu finden sind. In der
wirtschaftlichen Peripherie, wie beipielsweise Ost-Ungarn sind die
Arbeitslosenquoten weit höher als in den Zentren da die dort angesiedelte
Industrie meist auf landwirtschaftl. Produkte spezialisiert war und in Folge der
wirtschaftlichen Transformation auf den Weltmärkten nicht mehr
konkurrenzfähig war und auf Grund dessen die meisten Betriebe nicht
überlebensfähig waren.
Quelle: Mittel- und Osteuropa Perspektiven Jahrbuch
1998/99
|
Arbeitslosenquoten (Jahresendwerte in %)
|
|
1995
|
1996
|
1997
|
1998(S)
|
1999(P)
|
|
Polen
|
14,9
|
13,2
|
10,5
|
9,5
|
9,0
|
|
Ungarn
|
11,1
|
10,7
|
10,4
|
10,0
|
9,5
|
|
Tschechische Rep.
|
3,1
|
3,5
|
5,2
|
7,0
|
8,0
|
|
Estland
|
8,7
|
10,5
|
10,5
|
10,0
|
10,0
|
|
Slowenien
|
14,0
|
13,9
|
14,4
|
14,7
|
15,0
|
|
Lettland
|
6,7
|
7,2
|
6,7
|
7,0
|
7,0
|
|
Litauen
|
7,3
|
6,4
|
6,7
|
7,0
|
7,0
|
|
Slowakei
|
13,7
|
12,6
|
12,5
|
14,0
|
14,0
|
|
Kroatien
|
14,5
|
16,4
|
16,6
|
18,0
|
18,5
|
|
Rumänien
|
8,7
|
6,0
|
8,8
|
10,0
|
9,0
|
|
Bulgarien
|
11,1
|
12,5
|
13,7
|
17,0
|
17,0
|
|
Makedonien
|
23,7
|
24,9
|
31,9
|
34,0
|
35,0
|
|
Moldova
|
1,4
|
1,8
|
1,9
|
2,0
|
|
|
Kasachstan
|
14,0
|
16,0
|
17,0
|
17,5
|
17,5
|
|
Usbekistan
|
11,0
|
12,0
|
12,5
|
13,0
|
13,0
|
|
Rußland
|
8,9
|
9,3
|
9,0
|
6,6
|
8,2
|
|
Ukraine
|
0,6
|
1,6
|
2,9
|
4,0
|
4,5
|
|
Weißrußland
|
2,7
|
3,9
|
2,8
|
3,0
|
3,0
|
|
Bosnien/ Herzegowina
|
-
|
50,0
|
65,0
|
60,0
|
50,0
|
|
Albanien
|
13,1
|
12,5
|
14,0
|
13,5
|
15,0
|
|
BR Jugoslawien
|
24,8
|
28,0
|
30,0
|
35,0
|
38,0
|
Quellen: IWF; OECD: nationale Quellen; Berechnung, Schätzung
(S) und Prognose (P) der F.A.Z. Informationsdienste.
4 EU- Beitritt[3])
Es gibt bereits eine große Reihe von Abkommen zwischen der EU und den
Ländern in Osteuropa, wie aus der Beilage 3 zu erkennen ist.
4.1 Kriterien
Die EU hat mit den 5 definitiven und den 5 vorraussichtlichen
Beitrittswerbern eine Reihe von Kriterien ausgehandelt, welche Voraussetzung
für den weiteren Fortschritt der Verhandlungen sind. Im Wesentlichen geht
es um folgende Punkte:
- Politische Kriterien (siehe Arbeit soziale und
politische Aspekte)
- Wirtschaftliche Reformen
- Steigerung der Leistungsfähigkeit der
Verwaltungsbehörden
- Binnenmarkt
- Justiz und Inneres
- Umwelt und Landwirtschaft
- Vermögensrecht
- Energie
Wie die einzelnen Kriterien formuliert sind, können sie der Beilage 3
entnehmen.
Anders, als die offizielle Darstellung, sehen viele Bürger sowohl in
der EU als auch in den Ländern der Beitrittskandidaten die Situation. Hier
geht es vielfach um „weiche Faktoren“, die sehr viel mit Emotionen
zu tun haben .
Für uns ergeben sich folgend:
4.2 Probleme mit der Osterweiterung aus Sicht der EU
- Hohe Kosten heißt Steigerung der
Beitragszahlungen der reichen Länder (Anm. wie problematisch dieser Punkt
ist, sieht man am Streit Deutschlands, das eine deutliche Senkung der
Beitragszahlungen verlangt, mit der EU)
- Produktionsverlagerung in die neuen Länder
(Durchschnittsverdienst ca. $ 300 /Monat)
- Zuwanderung
- Verkehrsprobleme
- Verschärfung der Arbeitsmarktsituation (weiterer
Abbau der Arbeiterjobs) (siehe Arbeit soziale
Veränderungen)
4.3 Vorteile
- Zugang zu neuen Märkten
- Zuwachs im Tourismus, Entstehung neuer
Arbeitsplätze
- politische und wirtschaftliche Stabilität in den
neuen
Ländern
4.4 Probleme mit der Osterweiterung aus der Sicht der Beitrittsländer
- Verlust nationaler Identität
- vollständiger Ausverkauf der nationalen
Betriebe
- verschärfter Wettbewerb für den vor allem
die ältere Generation nicht gerüstet ist
- weitere Vergrößerung der
Einkommensschere
4.5 Vorteile
- erhöhte Auslandsinvestitionen
- wirtschaftliche Stabilität (Währung nicht
mehr durch Spekulanten angreifbar)
- Teil der globalen Wirtschaft
- schnellerer Know how Transfer
- politische
Sicherheit
5 Aktuelle Arbeitsmarktsituation ausgewählter Beispiele
5.1 Tschechische Republik
Die Arbeitslosenquote kann nicht mehr auf dem Rekordniveau der Vorjahre
gehalten werden und steigt in Regionen, die nahe den Quoten der anderen mittel
und osteuropäischen Reformstaaten liegen. Waren zu Jahresbeginn 1997 noch
3,5 % der Erwerbstätigen ohne Beschäftigung, so war die Quote zum
Beginn des laufenden Jahres auf 5,2 % gestiegen. Im Zuge der drastischen
Sparmaßnahmen, zu denen die Unternehmen nun ebenso gezwungen sind wie der
Staat, ist mit einen Anstieg auf 7,0 % bis Ende 1998 zu rechnen; Ende des
kommenden Jahres wird die Arbeitslosenquote der Tschechischen Republik auf ca.
8,0 % steigen. (siehe Auch Artikel)
|
Durchschnittliche Monatsgehälter 1997 (US$)
|
|
Textilindustrie
|
215,7
|
|
Landwirtschaft
|
268,1
|
|
Handwerk
|
328,9
|
|
Energiewirtschaft
|
410,4
|
|
Bau
|
353,6
|
|
Gaststätten
|
262,2
|
|
Verkehr, Telekommunikation
|
369,5
|
|
Banken
|
596,9
|
|
Versicherungen
|
528,9
|
|
Öffentliche Verwaltung
|
371,8
|
|
Insgesamt
|
320,0
|
|
Quelle: Tschechisches Statistikamt
|
|
5.2 Polen
In Polen schlägt der kräftige Wirtschaftsaufschwung deutlich auf
den Arbeitsmarkt durch: die Beschäftigung steigt, die Arbeitslosenzahlen
sinken. Im Mai 1998 lag die Arbeitslosenquote erstmals seit 1991 wieder unter 10
%. Zur Jahresmitte 1998 waren 1,688 Millionen Erwerbspersonen arbeitslos
gemeldet, 352.300 Personen weniger als ein Jahr und 820.700 Personen weniger als
zwei Jahre zuvor. Die Arbeitslosenquote sank entsprechend von 14,3 % im Juni
1996 über 11,6 % im Juni 1997 auf 9,8 % im Juni 1998. Damit befindet sich
die Arbeitslosenquote in Polen derzeit auf einem etwas niedrigeren Niveau als in
der Europäischen Union. Der kräftige Rückgang der
Arbeitslosenquote überzeichnet allerdings die positive Entwicklung auf dem
polnischen Arbeitsmarkt, weil viele Langzeitarbeitslose ohne Anspruch auf
Arbeitslosenunterstützung sich nicht mehr registrieren lassen. Zur
Jahresmitte 1998 waren 182.000 Personen mehr in einem abhängigen
Beschäftigungsverhältnis als vor Jahresfrist.
Insgesamt dürfte sich der Rückgang der offiziellen
Arbeitslosigkeit in den kommenden Jahren fortsetzen, allerdings in einem
merklich verlangsamten Tempo. Einerseits sorgt der kräftige
Wirtschaftsaufschwung weiterhin für Beschäftigungszuwachs,
andererseits werden überfällige Strukturreformen im Bergbau und in der
Landwirtschaft zu einer deutlichen Verringerung der Beschäftigung in diesen
Problembereichen führen.
Erschwert wird das Arbeitslosenproblem durch krasse Unterschiede in der
regionalen Verteilung. Während in Warschau, Posen und Krakau faktisch
bereits annähernd Vollbeschäftigung herrscht und in anderen
größeren Regionalzentren ein Mangel an qualifizierten
Arbeitskräften besteht, weisen einige der ländlichen Bezirken im
Norden Polens immer noch Arbeitslosenquoten von über 18 % auf. Unterschiede
in den Standortvoraussetzungen (Infrastruktur, Entwicklungsstand der Industrie
und Dienstleistungen), und eine limitierte Bereitschaft zur Mobilität
verhindern bislang eine gleichmäßigere Verteilung der
Arbeitslosigkeit in Polen.
Zum Jahresende 1997 waren 66,6 % aller Beschäftigten in der privaten
Wirtschaft tätig(Ende 1996:63,6 %)
5.3 Slowenien
Der anhaltende Restrukturierungsprozeß in der slowenischen Wirtschaft
belastet den Arbeitsmarkt. 1997 erreichte die Arbeitslosenquote nach nationalen
Angaben durchschnittlich einen Wert von 14,4 %. Die langsame Auflösung der
noch vielfach vorhandenen versteckten Arbeitslosigkeit kompensiert die positive
Beschäftigungswirkung des Wirtschaftswachstums und verhindert einen Abbau
der offenen Arbeitslosigkeit. Dazu kommen Bemühungen um Kostenersparnisse
und Effizienzsteigerung, die die Freisetzung von Arbeitskräften vor allem
im Industriesektor verstärken. Auch im laufenden Jahr wird daher die
Arbeitslosenquote weiter leicht zunehmen und dürfte einen Wert von 14,8 %
erreichen. Die letzte Erhebung im November 1997 ergab eine Arbeitslosenquote
von 7,8 %
5.4 Ungarn
Die generellen Aufschwungtendenzen werden in Ungarn auch auf dem
Arbeitsmarkt sichtbar. Die offizielle Arbeitslosenquote lag zum Wahltermin bei
9,4 % und damit etwa 1 Prozentpunkt unter dem vergleichbaren Vorjahresniveau.
Allerdings dürfte sie saisonbedingt bis Ende 99 leicht steigen.
5.5 Estland
Die Arbeitslosenquote Estlands ist, gemessen an den gemeldeten
Arbeitslosen, mit 2,3 % sehr niedrig. Man kann jedoch davon ausgehen, daß
diese Quote stark unterzeichnet ist. Selbst das Statistikamt räumt aber
ein, daß die wirkliche Arbeitslosenquote im September 1997 bei
10,7 % lag. Wir erwarten trotz der boomenden Wirtschaft eine Stagnation auf
diesem Niveau, da es sich letztlich um die Verschiebung von Arbeit durch die
Gesundschrumpfung der (ehemaligen) Staatsunternehmen bei properierender
Privatwirtschaft handelt.
6 Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt
Aus unserer Sicht lassen sich die Auswirkungen eines Beitritts zur EU nur
sehr schwer vorhersagen.
Auf folgende Kriterien sind positive Auswirkungen zu erwarten:
- Wirtschaftswachstum
- Höhere Auslandsinvestionen
- Verlagerungen von Produktion und Dienstleistung
(EDV-Programmierung)
- Stabilisierung der Währung
- Inflation wird bekämpft
Nachteile könnten sein:
- Ältere Menschen werden noch schwerer einen
Arbeitsplatz finden
- Die Landwirtschaft wird weiter unter Druck
kommen
Resümee:
Durch den EU-Beitritt wird die Transformation schneller abgeschlossen und
damit die Basis für eine bessere gesamtwirtschaftliche Zukunft für
diese Länder geschaffen, sodaß sich der EU-Beitritt insgesamt
für diese Länder positiv auf den Arbeitsmarkt auswirken dürfte.
Außerdem wird es zu einem Anstieg der Einkommen führen, was wiederum
die riesigen Inlandsmärkte beleben wird.
|