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| Grillparzer, Franz: König Ottokars Glück und Ende
Grillparzer, Franz: König Ottokars Glück und Ende
Franz Grillparzer (1791-1872)
Biographie:
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15.1.1791
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Franz Grillparzer wird als Sohn (der älteste von vier) eines Gerichts-
und Hofadvokaten und der musikalischen Anna Maria Sonnleithner in Wien
geboren.,
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1801-04
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St. Anna Gymnasium
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1804-07
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philosophisches Obergymnasialkurs an der Universität
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1808-11
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Studium der Rechts- und Staatswissenschaften
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10.11.1809
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Tod des Vaters; muß zum Unterhalt beitragen
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1812
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Hofmeister bei Graf Seilern
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seit 1813
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unbesoldeter Praktikant in der Hofbibliothek
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20.12.1813
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Konzertpraktikant im Staatsdienst
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ab 1815
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bei der Hofkammer; dem späteren Finanzministerium, bei seinem
späteren Gönner Finanzminister Graf Stodion
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1818-23
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Theaterdichter des Burgtheaters
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1819
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Seine Mutter beging im religiösen Wahn Selbstmord. Danach unternahm
er eine ausgedehnte Italienreise.
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1826
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Deutschlandreise Prag, Dresden, Teplitz, Leipzig, Berlin und wurde in
Weimar günstig von Goethe aufgenommen.
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1832
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Direktor am Hofkammerarchiv. Bis zu seinem Lebensabend betreuten ihn die
Schwestern Fröhlich, die dritte von ihnen, Kathy, seine „ewige
Braut“, wurde auch die Erbin seines ganzen Nachlasses.
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1836
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Reise nach Paris und London
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1838
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Verzicht auf die Veröffentlichung seiner weiteren Dramen, nach seinem
falsch verstandenem Stück "Weh dem, der lügt".
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1843
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Reise nach Konstantinopel und Athen
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1847
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Zweite Deutschlandreise, Mitglied der Wiener Akademie der
Wissenschaften.
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1861
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Mitglied des Herrenhauses
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21.1.1872
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in Wien gestorben
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Grillparzer ist einer der wichtigsten Dramatiker Österreichs. Er hatte
einen reizbaren und selbstquälerischen-zwiespältigen Charakter und
litt an Melancholie und bedrohlichen Depressionen.
Werke:
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1817
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Die Ahnfrau (Tragödie)
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1819
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Sappho (Tragödie)
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1822
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Das Goldene Vlies (Tragödien Trilogie)
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1825
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König Ottokars Glück und Ende (Tragödie)
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1830
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Ein treuer Diener seines Herren (Tragödie)
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1831
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Des Meeres und der Liebe Wellen (Tragödie)
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1834
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Der Traum ein Leben (Drama)
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1838
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Weh dem, der lügt (Lustspiel)
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1833
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Melusina (Oper)
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1848
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Der arme Spielmann (Novelle)
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1872
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Gedichte
Im Nachlaß:
Libussa (Tragödie)
Ein Bruderzwist in Habsburg (Tragödie)
Die Jüdin von Toledo (Tragödie)
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König Ottokars Glück und Ende (1825)
Entstehung, Form, Gattung:
König Ottokars Glück und Ende ist ein Trauerspiel in fünf
Aufzügen von Franz Grillparzer. Das Stück ist in den Jahren 1819 - 23
entstanden und wurde am 19.02.1825 im Burgtheater uraufgeführt. Bei dem
Stück handelt es sich um die Aufarbeitung eines geschichtlichen
Stoffes.
Seit 1821 umfangreiche Vorstudien; Vollendung in kurzer Zeit im Jahre
1823.
Grillparzer hatte die Absicht, ein Napoleon-Drama zu schreiben,
fürchtete jedoch Zensurschwierigkeiten und wählte einen ähnlichen
Charakter, den Böhmenkönig Przemysl Ottokar Il. (1253-1278), zum
Helden.
Quelle ist die mittelhochdeutsche „Österreichische Reimchronik"
des Steiermärkers Ottokar, welche die Ereignisse von 1250 bis 1309
berichtet; daneben verwendete Grillparzer noch zahlreiche
Geschichtswerke.
Ort und Zeit:
Die geschichtlichen Ereignisse
Sieg Ottokars bei Kroissenbrunn über die Ungarn (1260), Trennung von
Margareta (1261), Heirat mit Kunigunde von Massowien (1261), Huldigung der
Steiermärker (1260), Tod Herzog Ulrichs von Kärnten (1269),
Vertreibung der Böhmen aus der Prager Vorstadt (1257), Gesandtschaft vom
Reich (1254/55 oder 1271), Wahl Rudolfs von Habsburg zum deutschen Kaiser
(1273), Verhaftung und Hinrichtung Merenbergs (1271/72), Unterredung zwischen
Rudolf und Ottokar (1276), Ottokar widerruft seinen Vergleich mit Rudolf in Prag
(1277), Schlacht auf dem Marchfeld und Tod Ottokars (1278), Rudolf belehnt seine
Söhne mit Österreich und der Steiermark (1282).
Personen:
Primislaus Ottokar König von Böhmen Margarethe von
Österreich seine Gemahlin, Witwe Heinrichs von Hohenstaufen Benesch von
Diedicz
Milota > die Rosenberge Zawisch Berta Beneschs
Tochter Bela König von Ungarn Kunigunde von Massowien seine
Enkelin Rudolf von Habsburg Friedrich Zollern Burggraf von
Nürnberg Heinrich von Lichtenstein österreichische
Ritter Berthold Schenk von Emerberg österreichischer Ritter Der alte
Merenberg steirische Ritter Seyfried Merenberg steirische Ritter Herbott
von Füllenstein Ortolof von Windischgrätz
Inhalt:
In alt: König Ottokar ist aus dem Krieg mit den Ungarn, die er bei
Kroissenbrunn besiegt hat, heimgekehrt. Er löst seine Ehe mit der alternden
Berta, der Babenbergerin, die ihm Österreich und Steiermark zugebracht hat.
Er hat Berta von Rosenberg verführt, will aber Kunigunde von Massowien
heiraten. Das erfährt Bertas Vater durch Zawisch von Rosenberg. Beide
schließen sich mit ihren Verwandten zu einer Verschwörung gegen den
König zusammen. Margareta, die ihrem Gemahl stets treu zur Seite gestanden
ist, willigt in die Scheidung ein und erneuert die Länderschenkung.
Österreich und Steiermark huldigen neuerlich dem König, auch
Kärnten fällt ihm zu. König Bela Ungarn führt ihm seine
Nichte Kunigunde als Braut zu, und Gesandte der deutschen Kurfürsten tragen
ihm die deutsche Kaiserkrone an. Ottokars Glück und Macht scheint sich ins
Maßlose zu steigern. Aber sein Sturz bereitet sich allmählich vor.
Die mächtigen Rosenberger sind ihm feind. Die Steirer, mit Merenberg an der
Spitze, wenden sich um Hilfe für Margaretens verletzte Rechte an das Reich.
Der Hochmut, mit dem Ottokar die Reichsboten behandelt, und die Härte gegen
seine Gemahlin machen auch sie zu Gegnern. Rudolf von Habsburg, der auf der
Rückkehr von einem Preußenzug am Hofe Ottokars weilt, nimmt sich der
schwer gekränkten Königin an und geleitet sie nach ihrem Witwensitz.
Zawisch von Rosenberg aber, der beim Anblick Kunigundens in Leidenschaft zur
Braut seines Königs entbrannt ist, wirbt mit Erfolg um ihre
Gunst.
Bald keimt die schlimme Saat, die Ottokar in seinem Übermut gesät
hat. Er muß den Verlust seines jungen Eheglückes befürchten.
Schwer trifft ihn die Nachricht von der Wahl Rudolfs von Habsburg zum und die
Ladung vor den Reichstag. Mit dem Schwerte will er seine vermeintlichen Rechte
behaupten und die wachsende Unbotmäßigkeit in den babenbergischen
Ländern unterdrücken. Merenberg wird gefangengenommen und nach Prag
gebracht. Inzwischen ist Rudolf in Österreich eingerückt und Ottokar
ihm an die Donau entgegengezogen. Doch Krankheit, Mangel und der offene Abfall
der Österreicher und Steirer bringen ihn in eine schwierige Lage. So ist
Ottokar zu einer Aussprache mit Rudolf bereit, die auf der Insel Kaumberg bei
Klosterneuburg stattfindet. Durch Glanz und Prachtentfaltung hofft er, den
schlichten deutschen Kaiser in den Schatten zu stellen und einzuschüchtern.
Doch dieser tritt ihm mit Würde und Festigkeit entgegen, hält ihm
seine Unbotmäßigkeit vor und zeigt ihm die Gefahren seiner Lage, da
er bereits von Böhmen abgeschnitten sei. Ottokar unterwirft sich daraufhin,
verzichtet auf die Alpenländer und sucht um Belehnung mit seinen Erblanden
nach. Im Innern des geschlossenen Zeltes soll diese vor sich gehen. Zawisch
durchhaut aber, um den König zu demütigen, die Zeltschnüre, und
alle sehen Ottokar vor Rudolf knien. Ottokar verbirgt sich daraufhin wochenlang
in Mähren, dann kommt er einsam und verkleidet in seine Hauptstadt
zurück. Dort erwarten ihn nur neue Demütigungen: Erbarmungslos
höhnt ihn sein Weib in Gegenwart ihres Buhlen. Ein kaiserlicher Herold
fordert die Herausgabe der Gefangenen und der Geiseln. Ottokar gesteht die
Freigabe der Geiseln und die Räumung Österreichs zu. Als er sich aber
in seiner landesherrlichen Stellung bedroht glaubt, rafft er sich auf,
läßt den Herold zurückrufen, zerreißt den kaiserlichen
Brief und läßt Merenberg als Verräter in den tiefsten Turm
werfen. Er befiehlt, zu einem neuen Heerzug zu rüsten. Dem verzweifelten
Entschluß folgt aber eine zögernde Durchführung. Das
Bewußtsein des Wortbruches, der Tod des alten Merenberg, den sein
Wächter über die Turmtreppe hinabgestoßen hat, die Flucht der
Königin mit Zawisch und der wachsende Verrat der Seinen lähmen seine
Tatkraft. Auf dem Marchfelde treffen die Gegner aufeinander. Am Abend vor der
Schlacht erblickt Ottokar im Küsterhause in Götzendorf die tote
Margareta. Auf der Flucht von Krems zum Kaiser hatte sie der Tod ereilt.
Reumütig sinkt Ottokar an ihrem Sarge nieder und versöhnt sich im Tode
mit der edlen Königin, die sein guter Engel gewesen ist. Innerlich
gebrochen und voll Todesahnung begibt er sich in den Kampf. Milota bleibt mit
den Mährern dem Kampf fern. Ottokar, der durch einen Sturz vom Pferd
gelähmt ist, fällt durch das Schwert des jungen Merenberg, gerade vor
dem Haus, in dem Margaretens Leiche ruht. Rudolf von Habsburg aber verbannt
diesen, weil er sein Gebot, Ottokars Leben zu schonen, mißachtet hat. Dann
deckt er die Leiche seines großen Gegners mit seinem kaiserlichen Mantel
zu und belehnt seine Söhne Albrecht und Rudolf mit Österreich und
Steiermark. -
Aussage:
Das Werk ist ein historisches Drama in der Art des „Wallenstein". Es
wird ein historisches Ereignis, nicht bloß ein historischer Charakter
dargestellt, doch haftet das Interesse vorwiegend an den Charakteren der
Hauptpersonen. Am tatsächlichen geschichtlichen Verlauf hat Grillparzer
wenig geändert, doch war eine starke Straffung des großen Stoffes
nötig. Was sich im Verlauf von mehr als zwanzig Jahren abgespielt hat, ist
auf einige Monate zusammengedrängt. Es ist ein Meisterstück des
Dichters, die Fülle der Geschehnisse auf persönliche Motive
zurückzuführen. Den Kern der Handlung bildet der Kampf zwischen dem
Recht und dem persönlichen Ehrgeiz. Ottokar ähnelt in seinem Wesen
Napoleon. Beide sind, wenn auch mit großem Abstand, tatkräftige
Männer, Eroberer, ohne eigentliche Bösartigkeit, durch die
Umstände jedoch zur Härte und Tyrannei getrieben. Beide finden nach
vieljährigem Glück ein trauriges Ende. Die Trennung ihrer ersten Ehe
und eine zweite Heirat bezeichnen den Wendepunkt in ihrem Schicksal.
Ottokar überragt seine Zeit und sein Volk, das er auf eine höhere
Stufe heben will. Von seinen Gedanken und von seiner Größe
erfüllt, hat er verlernt, die einzelnen Menschen zu achten, sie sind ihm
nur Spielfiguren, die er benutzt und dann achtlos wegwirft. In furchtbarer
Verkettung erwächst ihm aus solchen Sünden die Rache. Er hat Berta von
Rosenberg verführt und dadurch ihr mächtiges Geschlecht tödlich
gekränkt. Er hat auch Margareta schwer verletzt und ihre Untertanen dadurch
abgestoßen. Nun entwickelt sich alles folgerecht: Die deutsche Kaiserkrone
entgeht ihm wegen seines Verfahrens gegen Margareta. Demselben Grunde entspringt
sein Mißtrauen gegen Merenberg. Aus dessen Mißhandlung und Tod geht
der Abfall der Steirer hervor. Die Kränkung der Rosenberger wird ihm
heimgezahlt durch die Zerstörung seiner eigenen Ehe und endlich durch
offenen Verrat. Rudolf ist sein Gegenbild: ein Mann strenger
Pflichterfüllung, nüchtern, einfach, fast spießbürgerlich,
doch durch trockenen Humor seinen Geist verratend. Zawisch von Rosenberg ist der
Träger der Intrige: ein Gemisch aus Hochmut und Kriecherei, von Kälte
und tief verborgener Leidenschaft.
Nach mehrmaliger Aufführung am Burgtheater führten
ungünstige kritische Stimmen und nationale Empfindlichkeiten zur Absetzung
vom Spielplan. Die Gegenwart hat kein Interesse mehr an der einstigen Tendenz
des Stückes. Um so reiner kann daher die große dichterische Bedeutung
dieses Werkes gewürdigt werden. Mit seiner Lobrede auf Österreich
durch Ottokar von Horneck dient es auch heute immer wieder für
vaterländische Feiern.
„Es ist ein gutes Land,
wohl wert, daß sich ein Fürst sein unterwinde!
Wo habt Ihr dessetgleichen schon gesehn?
...
O gutes Land! O Vaterland! Inmitten
dem Kinde Italien und dem Mann Deutschland
liegst du, der wangenrote Jünglich, da;
erhalte Gott dir deinen Jugendsinn,
und mache gut, was andere verdarben!“ (III. Akt)
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